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Presseinfos News: Susanne Hennig

Kunstgalerie   Magazin Magazin, Ausgabe 104, erschienen am 24.03.2001

Magazin  Ausgabe 104
Werner Popken


Abschnitte:
  1. Abschnitt  Lieblingshaustiere
  2. Abschnitt  Scotty And Khaki
  3. Abschnitt  Der Bobtail
  4. Abschnitt  Rasenmäher
  5. Abschnitt  Pferde
  6. Abschnitt  Berühmte Frauen
  7. Abschnitt  Auftragsarbeit
Kunstgalerie  Kunstbetrachtung

Lieblingshaustiere


Collyer
Ihre Lieblingshaustiere

19./20. Jahrhundert

Dieses Gemälde eines goldgelockten Mädchens mit seinem Lieblingspony und dem treuen Hund an seiner Seite könnte süßlich und sentimental wirken, wenn die Komposition die Beziehung der drei nicht verstärken würde.

Margaret Collyer
tätig von 1893-1910
Englische Figuren- und Genremalerin




aus dem Buch Pferde
mit freundlicher Genehmigung
des  Taschen-Verlags
siehe auch  Rezension



Kommentar
Von  Werner Stürenburg

Diesmal habe ich weniger Arbeit. Die Recherche nach Margaret Collyer erbrachte wenig. Diese Situation zeigt sich auch in den Angaben des Buches: die Lebensdaten von Margaret Collyer sind nicht bekannt. Immerhin hat sie über fast 20 Jahre professionell gewirkt. Einige wenige Angaben sind denn auch zu finden.

Das hier vorliegende Bild zeigt offensichtlich ein Kind sehr reicher Eltern. Wie üblich, ist nicht angegeben, wie groß das Bild ist, aber man darf annehmen, daß es sehr groß ist, vielleicht lebensgroß. Auf dem Fall ist es groß gedacht, es wirkt auch in kleinem Format monumental.

Der Kommentar behauptet, die Person auf dem Pferd sei ein Mädchen und goldgelockt. Beides kann ich nicht ohne weiteres unterschreiben. Die Haare scheinen mir eher weiß zu sein, und das Mädchen könnte auch ein Junge sein.

Dieses Bild existiert sicher noch, es befindet sich im Besitz einer Person oder einer Institution, und vermutlich weiß man sogar, wen es darstellt. Alles das konnte ich nicht herausfinden, weil über dieses Bild im Internet nichts publiziert ist. Dort erscheint Margaret Collyer als Malerin von Hunden.

Scotty And Khaki  oben 



Die Abbildung dieses Gemäldes findet sich mehrfach im Internet, aber es ist immer derselbe Anbieter, der unter verschiedenen Adressen präsent ist.

Es handelt sich um ein  Poster, das in London verlegt wird und momentan vergriffen ist. Die dargestellten Hunde erinnern mich an die Maskottchen der Whiskysorte Black and White.

Stimmt das ? Ja und nein. Die  Marke habe ich richtig erinnert. Die Geschichte fängt 1884 an, der Name des Gründers Buchanan ziert immer noch das Etikett.

Bei  Blech-Schilder.de kann man ein altes Werbeschild kaufen, das zwei Windhunde zeigt. Die Firma hat also durchaus eine Weile experimentiert, bevor sie sich auf die Terrier festgelegt hat.

Weiter ist das  Plakat eines unbekannten Künstlers zu erwerben, der die beiden lustigen Terrier bei der Arbeit zeigt.

Das zweite Gemälde ist ebenfalls als Poster zu erwerben gewesen, wobei es sich um eine Privatauflage gehandelt hat. Das ist eine interessante  Geschichte, die ich hier kurz erzählen will.

Wir Menschen haben unsere Leidenschaften, die Leser dieser Webseite für Pferde. In diesem Fall handelt es sich um Liebhaber von Hunden, und zwar von Bobtails, wenn ich das richtig sehe.

Der Bobtail  oben 



Ein Mann (Bob Martin) erzählt, wie er darauf aufmerksam wurde, daß ein Gemälde von Margaret Collyer auf einer Auktion angeboten wurde.

 Champion Fair Weather, Margaret Collyer, 1906

Er selbst besitzt offenbar einen Bobtail und begeistert sich für die Rasse, ist im entsprechenden Verein tätig, und seine Frau teilt seine Begeisterung.

Er weiß, daß auf diesem Gemälde ein berühmter Rüde dargestellt wird, und er bespricht mit seiner Frau den Ankauf. Nun hat er überhaupt gar keine Erfahrungen mit Kunst oder Auktionen und er ist auch nicht vermögend. Die ganze Sache ist also sehr aufregend.

Sie überlegen, ob sie sich überhaupt auf dieses Abenteuer einlassen können, wieviel Geld wohl dafür erforderlich wäre, wieviel sie erübrigen können, sie versuchen sich sachkundig zumachen und entschließen sich, die Sache im Alleingang zu wagen.

Sie hatten eine Summe Geldes beiseite gelegt, um einen Aufsitzrasenmäher zu kaufen und greifen auf diesen Betrag zurück, überlegen, wieweit Sie sich sonst noch aus dem Fenster hängen können, falls die Sache ihre Eigendynamik entwickelt.

Schließlich kommt der Tag der Auktion. Sie sind schockiert über die hohen Preise für den Parkplatz, sie besichtigen das Gemälde, essen in einem Restaurant sehr gut, aber sehr teuer, und schließlich beginnt der Teil der Auktion, in dessen Verlauf auch dieses Gemälde versteigert werden soll.

Sie hatten vorher einiges gelesen und erleben jetzt, wie manche Objekte schnell weggehen, manche gar nicht, wie manchmal die Preise sich rasend entwickeln oder auch nicht, und sind gespannt, wie es bei ihrem Gemälde aussehen wird.

Die Versteigerung beginnt lebhaft, es gibt also mehrere Interessenten, sie selbst halten sich zurück. Als nur noch wenige mitbieten, steigen sie ein.

Die andere Anbieter sind offensichtlich Händler. Sie haben es also mit Profis zu tun. Ihre allgemeine Erregung steigert sich, eine Art Schwindel ergreift sie, der Rasenmäher ist schon futsch, sie gehen bis an ihre Grenze und darüber hinaus ...

Dann kommt der Moment, wo das letzte Gebot im Raum steht, zum ersten, zum zweiten, zum dritten ... Der Hammer fällt, das Objekt ist versteigert, das Gemälde gehört ihnen.

Rasenmäher  oben 



Sie sind ganz benommen, bekommen das Gemälde ausgehändigt und fahren nach Hause, fragen sich, ob sie nun die große Dummheit ihres Lebens begangen haben oder ob sie später gern an diese einmalige Gelegenheit zurückdenken werden.

 Bob Martin und sein Bobtail

Die finanzielle Kalamität ist noch nicht am Ende. Schnell stellt sich heraus, daß das Gemälde in einem sehr schlechten Zustand ist, nämlich total verschmutzt. Der Rahmen entspricht überhaupt nicht der Wertschätzung, die sie diesem Gemälde entgegenbringen. Sie führen wieder Gespräche und machen sich sachkundig und investieren noch mehr.

Das Gemälde wird fachkundig gereinigt, ein opulenter Rahmen angefertigt, und sarkastisch fragen sie sich, wie dieses Objekt wohl jemals ihren Rasen mähen wird. In dieser Situation haben sie eine Idee.

Sie sind ja nicht alleine auf der Welt mit ihrer Liebe zu den Bobtails. Sie sind in einem Verein, dieser Verein steht in Verbindung mit entsprechenden Vereinen auf der ganzen Welt, überall dort, wo es Liebhaber dieser Hunderasse gibt.

Sie wollen dieses Gemälde reproduzieren lassen und die Reproduktion verkaufen. Wieder führen Sie Gespräche und machen sich sachkundig, holen Kostenvoranschläge ein und rechnen. Sie greifen also noch einmal in die Tasche und beauftragen Fachleute, die eine begrenzte Auflage herstellen.

Diese Auflage wird verkauft und bringt soviel Geld ein, daß ein neuer Aufsitzrasenmäher angeschafft werden kann. Wer hätte das gedacht? So mäht das Gemälde doch noch den Rasen.

Die Geschichte ist damit aber noch nicht ganz zu Ende. Unsere Liebhaber möchten das Gemälde gerne der interessierten Öffentlichkeit schenken. Das stellt sich als schwierig heraus.

Der eine Verein darf keinen Besitz haben. Der andere hat zwar bereits eine Sammlung, kann diese aber nicht zeigen. So wird schließlich eine praktikable Lösung gefunden. Das Gemälde verbleibt im Besitz der Eheleute, wird aber zu Ausstellungszwecken auf Dauer verliehen.

Pferde  oben 



Es fand sich noch eine kolorierte Radierung mit Pferden, eine Anekdote, die in der Reproduktion etwas undeutlich ist. Offensichtlich hat ein Huhn im Pferdestall ein Ei gelegt.

 John Garner Antiques, "An Indiscretion" by Margaret Collyer, Handkolorierte Radierung, 56x39cm

Margaret Collyer hat sich offensichtlich eine gewisse Reputation erworben mit liebevollen Darstellungen von Tieren. Daß sie auch Menschen darstellen konnte und großformatige, repräsentative Gemälde bewältigte, zeigt unser Beispiel.

Margaret Collyer muß sich hinter männlichen Kollegen nicht verstecken. Sie ist mit Sicherheit besser als der Zeitgenosse Henry H. La Thangue ( Die letzte Furche). Die Probleme mit der Sentimentalität, die La Thangue hatte, sind Collyer fremd, obwohl man es bei ihr eher vermuten würde. Sie ist also ein Opfer der patriarchalischen Struktur unserer Gesellschaft.

Warum ist über Margaret Collyer nicht mehr bekannt? Wieso ist ein Mann wie La Thangue gut dokumentiert und relativ hoch gehandelt, eine Frau wie Collyer aber vergessen? Liegt das daran, daß Margaret Collyer eine Frau ist?

Es ist noch nicht lange her, da waren nicht nur Männer der Meinung, daß Frauen minderbemittelt sind - die Frauen sahen sich in der Mehrzahl ebenso.

Mitten in Europa gibt es noch heute hochangesehene Länder, in denen Frauen kein Wahlrecht haben. In Deutschland wurde das Wahlrecht für Frauen erst 1918 eingeführt. Die allgemeine Gleichberechtigung ist in unserem Lande immer noch nicht durchgängig realisiert. Wie es im Rest der Welt aussieht, sagen einem manchmal die Nachrichten.

Im allgemeinen hat sich die Situation aber deutlich gebessert. Wenn eine Frau im Westen sich heute in irgendeiner Weise verwirklichen will, kann sie das tun. Ihre Schwierigkeiten werden nicht größer sein als die eines Mannes, der aus der falschen Gesellschaftsschicht kommt.

Die ganze Diskussion ist oftmals schwer zu durchschauen. Wir wissen heute, daß Frauen sehr anders sind als Männer, nicht besser, nicht schlechter, aber anders. Wir wissen auch, daß es ein weites Spektrum gibt von weiblichen Frauen bis zu männlichen Frauen, von männlichen Männern bis zu weiblichen Männern.

Berühmte Frauen  oben 



Es hat in der gesamten bekannten Geschichte immer wieder Frauen gegeben, die ihren Mann gestanden haben. Ihre Leistungen waren von denen der Männer nicht zu unterscheiden.

 Maria Sibylla Merian, 1647-1717, Tafel 1 der Abhandlung über Insektengenerationen und metamorphose in Surinam, 2. Aufl. 1719, handkolorierter Kupferstich, 32x25cm

Bemerkung am Rande: Diese Abbildung ist lehrreich für Leute, die gerne Schatten setzen. Die grafischen Benutzeroberflächen spielen mit der dritten Dimension. Durch Aufhellen und Abschattieren wird die Illusion des Raumes geschaffen, wie er durch den Lichteinfall erzeugt wird.

Nun setzen die Betriebssysteme die Lichtquelle immer nach links oben. Der Schatten fällt also nach rechts unten. Bei diesem Bild fällt der Schatten nach links unten. Infolgedessen ist das Auge absolut irritiert. Der Verstand merkt nichts, der Magen dreht sich um.

Wenn man solche Effekte verstärkt einsetzt, also das Auge mit Sensationen bombardiert, die den Anspruch auf Abbildung der Wirklichkeit erheben, dabei aber den Gesetzen der Physik widersprechen, fühlt man sich extrem unwohl.

Unter diesen Frauen gab es Herrscher, Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler. Die Liste der Namen kann beliebig verlängert werden:

  • Sappho, griechische Dichterin, erste bekannte Lesbierin
  • Katharina, russische Zarin, berühmt für ihren sexuellen Appetit
  • Angelika Kaufmann, zu Goethes Zeiten hochberühmte Malerin, die entsprechende Honorare bekam
  • Marie Curie, polnische Physikerin, die die Radioaktivität zusammen mit ihrem französischen Mann entdeckt hat und dafür den Nobelpreis bekam, nach der die physikalische Maßeinheit für Radioaktivität benannt ist
  • Maria Sibylla Merian (Google liefert unter diesem Stichwort 1810 Einträge!), deren Vater in meinem Lexikon verzeichnet ist, sie selbst aber nicht, hat weite Reisen unternommen und wissenschaftliche Zeichnungen von fremden Pflanzen und Tieren angefertigt
  • usw.


Alle diese Frauen haben sich gegen die Bedingungen der Gesellschaft entwickelt. Nun gibt es natürlich auch viele Männer, die es nie zu Ruhm und Ehre gebracht haben - genau genommen fast alle. Trotzdem - bei vergleichbaren Leistungen möchte man doch Gerechtigkeit widerfahren lassen, und das scheint mir im Fall von Margaret Collyer nicht der Fall zu sein.

Auftragsarbeit  oben 



Schauen wir noch einmal auf unser Gemälde. Handelt es sich um ein goldgelocktes Mädchen auf seinem Lieblingspony?

Der Ausdruck Lieblingspony deutet an, daß dieses Mädchen mehrere Ponies hat. Das Bild sagt dazu aber nichts. Das ist reine Phantasie. Es handelt sich auch ganz offensichtlich nicht um ein Pony, sondern um ein stattliches Großpferd.

Das Bild ist deutlich auf Effekte angelegt und sollte vor allen Dingen den Auftraggebern gefallen. Das ist legitim. Nach links hin, im Verlauf des Weges, wird es merkwürdig hell. Was ist das?

Meine Mutter hat einmal ein Ölgemälde an der Haustür gekauft, Fließbandware. Das war auch so angelegt. Als Junge habe ich oft gerätselt, wie das sein kann und was das soll.

Ich konnte es mir nur erklären, indem ich genau darin die Kunst sah. Aber das ist natürlich Quatsch. Oder besser gesagt: Absicht. Mit ein bißchen Kunstanspruch verkauft es sich besser. Margaret Collyer hat das Pferd gut getroffen, den Hund vermutlich auch und das Kind, aber mit der Landschaft hapert es ein bißchen.

Die merkwürdigen Farbtöne (z. B. am Pferdebauch) sind vermutlich Farbveränderungen, die durch die im 19. Jahrhundert erstmals fabrikmäßig hergestellten Ölfarben verursacht sind. So etwas kennt man auch aus der älteren Ölmalerei vereinzelt.

So gibt es zum Beispiel auf einem Gemälde des Vermeer (wenn ich recht erinnere) einen Baum mit blauen Blättern, die ursprünglich natürlich grün waren. Inzwischen haben die Farbenfabriken das Problem vermutlich im Griff. Pigmente mit unerwünschten Langzeitwirkungen werden nicht mehr verwendet.

Solche kleinen Einwände werden aber der Wirkung des Gemäldes keinen Abbruch tun. Ich könnte mir gut vorstellen, mit diesem Gemälde zu leben, mich wohlzufühlen und mich täglich daran zu erfreuen.

Das ist schon eine sehr große Leistung. Auch an den Hundebildern erfreuen sich die Besitzer, wie wir erfahren haben. Es wäre schön, wenn sich jemand einmal die Arbeit machen würde, mehr über Margaret Collyer herauszufinden.

Nun hatte ich gedacht, es würde diesmal eine kurze Sache werden. Und habe mich wieder verquatscht.

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