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Günther Fröhlich erläuterte zwischendurch sein Konzept. Für diese Produktionen sucht man die besten Pferde weltweit, und man kann sie bekommen. Man muß natürlich genau wissen, wonach man sucht, und die Pferde beurteilen können. Geld allein kann so etwas nicht auf die Beine bringen. Selbstverständlich hat man auch bei den Reitern die Auswahl, auch hier sind die Besten gerade gut genug. Aber jetzt fängt die Arbeit erst an, gute Pferde und gute Reiter sind erst die Voraussetzungen, immer noch können jede Menge Fehler gemacht werden. In einem kurzen persönlichen Gespräch nach der Veranstaltung legte Günter Fröhlich mir noch einmal seine Botschaft ans Herz: "Man muß lernen und dann weitergeben!" Dieser Mann hat gelernt und gibt weiter. Er hat gelernt, daß Zwang nichts ist, Liebe aber alles. Das gilt für die Pferde und die Menschen gleichermaßen. Deshalb wird beim Zauberwald nicht abstrakt auf Leistung getrimmt, vielmehr werden Beziehungen aufgebaut, geachtet und gepflegt. Anderswo muß jeder Reiter systematisch auf jedem Pferd arbeiten, wie beim Militär; nicht so beim Zauberwald. Hier hat jeder Reiter sein eigenes Pferd, eben damit er zu diesem Pferd eine Beziehung aufbauen kann und das Pferd umgekehrt zum Reiter.
So "sentimental" und überdeutlich drückte Günter Fröhlich sich in aller Öffentlichkeit über das Mikrofon auf dem Friesenfest 2002 aus. Diesen Satz kann man nicht mehr mißverstehen, und er ist sicher auch Botschaft und Programm in Richtung auf die Leute, die mit Pferden anders umgehen, die Pferde als Material betrachten, nur als Mittel zum Geldverdienen. Fritz Krümmel hat auf seiner Webseite ebenfalls in aller Öffentlichkeit deutlich gemacht, daß seine konservative Vergangenheit ihn nicht befriedigt hat. Günter Fröhlich macht genauso klar, daß Leistungsfetischismus und Turnierbetrieb nicht seine Welt sind. Er hat sich seine eigene Welt geschaffen, die hohe Dressurkunst mit phantastischen Bildern und romantischen Geschichten zu einem abendfüllenden Erlebnis werden lassen. Wenn man die Geschichte und die Bilder wegläßt, bleibt Reitkunst übrig, und die bekamen wir vorgeführt, zunächst sehr ausführlich im Duett, und dann kamen dazu: Igor, ein achtjähriger Friesenhengst unter Susanne Fischer-Fröhlich, der Friesenhengst Yds, den wir bereits unter Sabine Schut-Kerry erlebt hatten, nun unter Tanja Liepack, der 13jährige Friesenhengst Ulco unter Andrea Schmitz, der achtjährige Andalusierhengst Elastico unter Silvia Ortmann, der siebenjährige Andalusier Jovito unter Sabine Pieper. Wohin sollte man nur schauen? Meine Bildausbeute zeigt es: gegenüber den Bildern vom Pas de Deux war es dann doch reichlich Bild und weniger Dressur, weil vor lauter Dressurfiguren und Pferdebewegungen die Bilder ineinander übergingen und eine neue Einheit entstand. Fülle vor allen Dingen, Harmonie, stille Freude, Schönheit. Wieder einmal möchte ich Sie auf den Bildschirmschoner Friesenfest Teil 8 verweisen, der vielleicht einen kleinen Eindruck dieser phantastischen Vorführung vermitteln kann. Die Auswahl für die Illustration dieses Abschnitts fiel mir jedenfalls schwer. |
Was hat es mit dieser Lady in Black auf sich? Das sieht doch eigentlich sehr finster aus! Ist das eine Art weiblicher Vampir? Manche Männer sehen ja Frauen als bedrohlich an, und Fledermäuse gelten als gefährlich, einige Arten heißen glaube ich sogar Vampir, und tatsächlich bin ich Sekunden später schlauer: Nicht nur ist meine Assoziation richtig, sondern es gibt sogar Fledermäuse, die täglich ein mehrfaches ihres Eigengewichtes an Blut zu sich nehmen müssen (nicht bei uns, in den Tropen: » Vampire aus dem Tierreich – und wer hätte das gedacht: es gibt » soziale Vampire, die Bluttransfusionen vornehmen). Nun kommt also die Lady mit Fledermausflügeln, ganz in Schwarz mit roten Flammenstreifen, auf einem schwarzen Hengst und segelt über den Platz. Sie steuert ihren galoppierenden Untersatz allein mit Gewichtsverlagerungen und Schenkelhilfe, die Arme immer weit ausgebreitet, und wenn nicht die Sonne so stark scheinen würde, könnte sie doch Angst und Schrecken verbreiten. Ich weiß wenig oder besser nichts über Uriah Heep und möchte auch gar nichts darüber wissen, jedenfalls ist mein erster Eindruck nicht gerade anheimelnd. Der Text aber ist eindeutig und klar, deshalb will ich ihn sinngemäß übersetzen, um Licht in das Dunkel zu bringen. Der Sänger ist übel drauf, er ist in einem Kampf verstrickt, den er nicht gewinnen kann, und irgendwie findet die Lady ihn an einem Sonntagmorgen im Winter. Sie fragt ihn nach seinem Feind, und er bekennt, daß er einige Leute umbringen will, ohne nach Gott oder Liebe zu fragen, und er bittet sie um Pferde, um seine Feinde niederzutrampeln. Aber sie denkt nicht daran, ihn in einem Unterfangen zu unterstützen, das leicht begonnen ist und unmöglich zu enden und alle zu Tieren reduzieren würde (hör', hör', George W. Bush!), denn sie ist die Mutter aller Menschen. Sie berät ihn so weise, daß er fürchtet, wieder alleine zu sein, weshalb er sie bittet, zu bleiben: er möchte sich an ihre Seite kuscheln. Sie aber ermahnt ihn, an den Frieden zu glauben und zu vertrauen und füllt sein Herz mit Leben. Stärke kommt nicht von der Anzahl, sie nennt das eine Fehleinschätzung, und tröstet ihn, daß sie nicht weit sein würde, wenn er sie brauchte. Dann wendet sie sich ab, er findet keine Worte und sieht ihr nach, bis sie verschwunden ist. Seine Arbeit ist nicht leichter geworden, aber er weiß jetzt, daß er nicht allein ist. Sein Herz füllt sich mit Zuversicht, wann immer er an jenen Tag zurückdenkt. Dann wendet sich der Sänger an den Zuhörer: sollte sie eines Tages zu dir kommen, nimm ihre weisen Worte tief in dich auf, füll dich mit Mut und Tapferkeit, ihrem Geschenk, und grüße sie von mir. Die Lady in Black ist also keineswegs böse, ganz im Gegenteil, sie ist die Muttergöttin, die alles erhält. Nun mag man mutmaßen, woher die Musiker diese Bilder haben, und ob Bellinda Weymanns sich auf diese Muttergöttin bezieht. Auf Ihrer Webseite nennt sie die Vorführung "eine Art freihändig agierende, mystische Schattenreiterin mit schönen Effekten". Weiter läßt sie sich darüber nicht aus, dafür aber erfahren wir einiges über die Menorquinos. Es gibt nur etwa 150 davon, und erst seit elf Jahren sind sie als Rasse mit eigenem Zuchtbuch anerkannt. Es sieht so aus, als sei die Liste der Pferderassen noch längst nicht abgeschlossen... ich habe unsere Rasseliste jetzt entsprechend erweitert. Bellinda Weymanns nennt die Pferde übrigens nicht Menorquinos, sondern Menorquins; auf dem Programm werden sie Menorquinos genannt. Sie wird es besser wissen, aber vielleicht liegt uns Deutschen der andere Ausdruck besser auf der Zunge. Wir nennen die Andalusier schließlich auch nicht bei ihrem richtigen Namen, was meines Erachtens vollkommen in Ordnung ist. Der Engländer und Franzosen bezeichnen Köln und München schließlich auch nicht korrekt. Bellinda Weymanns besitzt zwei Menorquino-Hengste, die natürlich spanisch geschult sind. Selbstverständlich bietet sie neben diesen Vorführungen alle Leistungen rund um die Zucht und Ausbildung für Pferd und Mensch an. |
Selbstverständlich waren die Vierspänner dabei und die Zweispänner-Festkutsche, die die Ehrengäste um den Platz gefahren hatte. Da ich bereits anderweitig Abbildungen gebracht habe, stelle ich sie hier nicht im Bild vor. Die Festkutsche würde ich für einen Glaslandauer halten, nach Günter Fröhlich ist das aber genauer ein Münsterländer Coupé. Ein Coupé ist also keine neuzeitliche Erfindung der automobilen Gesellschaft, sondern kommt aus der guten alten Kutschenzeit, wie übrigens auch das Cabriolet. Man fuhr damals schon gern oben offen. Neben dem Zweispänner-Zweiachser sind es ausgesprochene Highlights, die jetzt kommen: an diesem Tag haben wir sonst lediglich die Einspänner-Zweiachser gesehen. Allen voran das typische Friesen-Gefährt, die Sjees, gefahren von Joachim Müller mit seiner Ehefrau Karla als Beifahrerin und dem zwölfjährigen Ster-Wallach Ulbert van Oldhuystra (» Euregio-Friesenpferd; zu Sjezen siehe auch Buch-Vorabdruck Inge Thelen » Faszination Friesenpferd (m. W. immer noch nicht erschienen) und die Bildschirmschoner » Sjezen, » Sjezen-Rennen und » Sjees bis Coach mit spektakulären Fotos von Gitta Gesing). Dann kommt das » Tandem, ähnlich zu fahren wie ein Vierspänner, nur noch komplizierter, weil das Vorderpferd völlig selbständig gehen muß. Das Tandem wird heute gefahren vom besten Fahrer des Platzes, vom Deutschen Meister im Einspänner-Fahren, Obersattelmeister Dieter Lauterbach, mit dem Deckhengst Sjerk und Hengst Paddy. Der Zweispänner wird gefahren vom 2. Vorsitzenden des FPZV, Hans Bauer, der seinen Deckhengst Ritske R. und Hengst Ruben Martin fährt. Der fünfjährige Ritske R. ist unter Dieter Lauterbach Hessenmeister im Einspänner geworden. Es war das erste S-Turnier von Ritske R. und Lauterbach konnte sich auf Anhieb durchsetzen. Auf nationaler Ebene wurde er nur von Ulla Günther und Reinhard Burggraf geschlagen. Der Vierspänner wird gefahren von Herrn Bensberg aus Bad Nauheim, das Münsterländer Coupé von Hermann Gräf mit seinen Stuten Lisa und Lea. Das Einhorn ist ähnlich schwer zu fahren wie das Tandem, und zwar aus dem gleichen Gründen. Es wird gefahren von Jens Kunkel mit den Hengsten Wolter van't Oostende, Jelle Jan H. und Andries ut Oosten. Der Einspänner wurde gefahren von Ljudmila Meyer mit Janko H., und hier der Vollständigkeit halber noch die Liste der Einspänner-Quadrille aus dem ersten Teil: unter der Organisationsleitung und Einstudierung von Dieter Lauterbach waren beteiligt die Hengste
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Es hieß Friesenfest, und es war ein Friesenfest, obwohl die Beteiligung der vielen anderen Pferderassen mich zunächst verwirrt hatte, aber das war eine Fehleinschätzung meinerseits. Es war schön, daß wir nicht nur die "Schwarzen Perlen" gesehen haben, sondern auch die nahen Verwandten, die alle ihre Eigenarten haben. Liebenswert sind sie allemal, alle Pferderassen im allgemeinen und die Barockpferde im besonderen, und wir müssen uns entscheiden, wie ständig im Leben, welcher Rasse oder vielmehr welchem Pferd wir unsere besondere Zuneigung schenken. Nur zu wenigen Pferden können wir eine persönliche Beziehung aufbauen, wer viele Pferde hat, bezahlt dafür mit dem Verlust der einzigartigen, engen Verbindung zu einem Individuum, die Zeit, Energie und Liebe kostet. Barockpferde und speziell Friesen sind mit Sicherheit Züchtungen, die einen leicht verzaubern können. Von dieser Faszination haben uns die Akteure dieser Show erzählt, sie haben ihr Bestes getan, uns diese Faszination spüren zu lassen. Und ich hoffe, daß es mir gelungen ist, etwas davon über den Bericht und die Fotos an Sie weiterzugeben. Zum Schluß habe ich mich mit dem Moderator Michael Dyhr unterhalten. Michael Dyhr ist Rechtsanwalt in Erkrath, 2. stellvertretender Vorsitzender im » Kreisverband der Reit- und Fahrvereine Düsseldorf e.V., Mitglied im Schiedsgericht des Pferdesportverbandes Rheinland e.V., also im Pferdesport gut zu Hause. Bei diesem Hintergrund verwundert es nicht, daß Michael Dyhr sich auch professionell mit Pferden beschäftigt. Er ist einer der wenigen Rechtsanwälte im Lande, die Streitfälle auf diesem Rechtsgebiet sachkundig betreuen können. Michael Dyhr hat aber mit den Friesen nichts zu tun, wie ich zunächst annehmen mußte. Der Moderator, der ursprünglich vorgesehen war, fiel aus, und weil Michael Dyhr für seine Fähigkeiten bekannt war, trug man ihm das Amt an. Er hat seine Aufgabe wunderbar erledigt. Wir fachsimpelten ein wenig über die Rassen, insbesondere die Friesen, die wir beide faszinierend finden, ihnen aber doch etwas distanziert gegenüberstehen. Was mich betrifft, so habe ich nie einen Friesen besessen und werde das vermutlich auch nie tun – aber wer weiß? Vielleicht kaufen meine Töchter einmal einen, sie haben mit dem Gedanken immerhin schon gespielt, aber bisher ist daraus nichts geworden. Abgesehen von der spezifischen Ausstrahlung der Rasse sind die Friesen sind ein glänzendes Beispiel für erfolgreiche Zuchtpolitik. Einst dem Untergang geweiht, blüht die Zucht heute und bildet ein leuchtendes Beispiel für andere Rassen, denen es ähnlich schlecht geht wie den Friesen vor dreißig Jahren. Die organisierten Friesenzüchter fragen sich immer wieder, ob die Friesen nicht mehr in Richtung Spitzensport gehen müssen, um langfristig überleben zu können. Wir waren uns einig, daß dieser Weg sehr hart ist und mit ziemlicher Sicherheit nicht der richtige. Bestimmt ist es in Einzelfällen möglich, auch Friesen sehr weit in diese Richtung zu bringen, und gewisse Anstrengungen sollten unternommen und unterstützt werden. Ein gutes Beispiel sind die Erfolge von Jim Mosebrock und Sabine Schut-Kerry in den USA. Grundsätzlich aber erscheint es doch zweifelhaft, ob den Friesen und deren Sache damit wirklich gedient ist. Die Eleganz der Andalusier werden die Friesen nie bekommen, wie umgekehrt die Andalusier niemals die Wucht der Friesen erreichen können. Warum also etwas wollen, was nicht angelegt ist? Für Michael Dyhr ist die Sache klar: wer nicht in den Spitzensport gehen will, dem ist statt mit einem hochgezüchteten Warmblut viel besser gedient mit einem Friesen, denn diese Pferde sind notorisch brav, umgänglich und freundlich, einfach liebenswert. Wie viele Leute aber quälen sich täglich mit schwierigen Pferden? Die Reitställe sind voll davon. In der Nachbarschaft habe ich einmal bei einem Spaziergang eine Frau getroffen, die einen Friesen hat, der in so einem Reitstall steht. Sie fühlte sich mit ihrem Pferd zwar glücklich, im Stall aber wie aussätzig. Schade. Diese Situation sollte sich ändern. Veranstaltungen wie das Friesenfest sind der beste Weg, die Sache der Friesen bei den Pferdefreunden zu verbreiten. Zum Friesenfest 2002 gibt es jetzt 50 Postkarten Friesenfest1, 74 Postkarten Friesenfest2 und 48 Postkarten Friesenfest3 und die Bildschirmschoner
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Abbildungen © Werner Stürenburg |
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