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![]() Hessenstute Cara: Brand unter der Mähne © Werner Stürenburg |
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Ich will den Hessen natürlich nichts Böses und schon gar nicht Unrecht tun, aber Hessen hat für mich eine ganz bestimmte Anmutung. Hessische Städte und Dörfer sind gekennzeichnet durch kleine Häuser, enge Gassen, augenscheinliche Armut. Frankfurt glitzert heute von protzigen Hochhäusern mächtiger Banken, aber schon die nächste Kleinstadt ist wieder ganz typisch hessisch. Wie kommt das? Hessen war ein armes Land, das aufgrund des Vererbungsrechts immer mehr verarmte. In Westfalen z.B. wurde der Besitz immer im Ganzen an den Erstgeborenen vererbt. Der zweite Sohn mußte ins Kloster, um für das Seelenheil der Familie zu sorgen, die anderen Söhne mußten sehen, wo sie blieben, und widmeten sich vielleicht einem Handwerk. Die älteste Tochter sollte natürlich einen Hoferben heiraten, die zweite ins Kloster gehen, und die anderen mußten halt sehen, wo sie blieben. Das war in Hessen anders. Dort wurde der Besitz immer geteilt, mit der Folge, daß dieser immer kleiner wurde und immer weniger die Familien ernähren konnte. Das westfälische System ist offensichtlich ungerecht, gut für den Erben, schlecht für die Nachgeborenen. Das hessische System ist gerecht mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Dazu kam, daß die Hessen landschaftlich eher schlechte Karten gezogen hatten. Die besonders schwierigen Bedingungen in Hessen schildert der Prospekt in blumigem Werbedeutsch wie folgt:
Bei diesen ins Positive gewendeten Negativaussagen frage ich mich, wie die anderen Bundesländer die speziellen Vorteile ihrer Aufzuchtgebiete verkaufen. Und wie die Hessen die Nachteile ihrer Landschaft und Geschichte kompensieren. |
Die Dillenburger Ramsnasen waren bereits im 16. Jahrhundert bekannt und werden geschildert als ein "kräftiger, dabei schöner Mittelschlag mit trockenen und sehnigen Gliedern und hoher Aktion" und sondern auf den damaligen Pferdemärkten weithin gefragt gewesen sein. Sie wurden im Hofgestüt der Dillenburger Grafen gezüchtet, und zwar nicht, wie sonst üblich, auf der Basis der vorhandenen Stuten, wie sie sich aufgrund der kulturellen und landschaftlichen Gegebenheiten herausgebildet hatten. Vielleicht war dieses "Material" zu schlecht. Holsteinische und dänische Stuten wurden mit spanischen, neapolitanischen und orientalischen Hengsten gekreuzt. Um 1700 wurde das Hofgestüt Ulrichstein eingerichtet. Auch dort züchtete man nicht mit einheimischem Material. Bis 1849 wurden hier orientalische Stuten mit preußischen, mecklenburgischen und englischen Hengsten gekreuzt. Das Ergebnis wird bezeichnet als "starker Mittelschlag mit trockenen Schenkeln und hoch angesetzten Schweifen, kraftvoll und ausdauernd". Diese Pferde wurden vornehmlich am Hofe gebraucht. Beberbeck wurde 1876 preußisches Hauptgestüt und hat in dieser Eigenschaft bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg Hengste in fast alle deutsche Zuchtgebiete geliefert, insbesondere nach Hannover und Ostpreußen. Dillenburg ist heute der Sitz des hessischen Landgestüts, das sich als Dienstleistungszentrum auffaßt. Es wurde 1869 gegründet. Daneben gab es Landgestüte in Ulrichstein, Kassel, Korbach, Weilburg, Arolsen, Darmstadt und Beberbeck. Die preußische Verwaltung konzentrierte sich auf das Landgestüt Dillenburg; die anderen Gestüte wurden im Laufe der Zeit aufgelöst, 1956/57 als letztes das Landgestüt Darmstadt. Da schien die Zeit der Pferde abgelaufen zu sein. Bis dahin wurden vornehmlich Kaltblüter gezogen; dabei soll sich "eine besonders wirtschaftliche Typprägung" herausgebildet haben, mittelgroß, praktisch – das ist heute "fast völlig verschwunden". Merkwürdig: hier wird eine "Rasse" ausgerottet und alle sehen zu. Auch heute noch werden Kaltblüter in Hessen gezogen, aber nicht die typischen Hessen, sondern den Rheinisch-Deutsches Kaltblut, Schwarzwälder Kaltblut und Süddeutsches Kaltblut. Daneben gibt es noch kleinere Zuchten von Percheron, Noriker, Comtois, Cob Normand und Freiberger. Am zweiten Sonntag im September treffen sich die Kaltblut-Freunden auf dem Laurentiusmarkt in Usingen zur Landes-Kaltblutschau des Verbandes Hessischer Pferdezüchter e.V. Neben den Kaltblütern wurde ein "Wirtschaftswarmblutpferd" auf der Grundlage von Oldenburgern und Holsteinern gezogen. Diese werden als einsatzfreudige und menschengeprägte Karossiers beschrieben. Als sich der Bedarf aufgrund der Motorisierung in der Mitte des letzten Jahrhunderts wandelte, waren diese die Grundlage für die Umzüchtung zu einem "edlen, großrahmigen, vielseitig einzusetzenden Reitpferd." Die Mehrheit der Hessenpferde wird in bäuerlichen Betrieben mit ein oder zwei Stuten gezogen. "Dadurch die die Prägung auf den Menschen nicht verloren. Die Pferde gehören zur Familie." |
Diese Entwicklung ist keineswegs ungewöhnlich, im Gegenteil, sie hat überall in unserem Lande stattgefunden. Es war das bewußte Ziel, von den landestypischen Eigenarten zu einem einheitlichen "Deutschen Reitpferd" zu kommen. Zwar sehen die Pferde heute überall gleich aus, für die Vermarktung ist es aber anscheinend doch wichtig, weiterhin von Hannoveranern, Westfalen, Holsteinern, Oldenburgern zu sprechen. Cara ist ein typisches Beispiel dieser Umzüchtungspolitik. Ihr Körperbau war ziemlich uneinheitlich, manchmal hatte ich den Eindruck, sie gäbe ein gutes Modell für ein Fehlerpferd ab, also ein Pferd mit vielen Gebäudemängeln. Ihr Charakter war jedoch einwandfrei; ich habe nie vorher und nachher ein Pferd von so noblem Wesen kennengelernt. Im Gegensatz dazu ist Pit als Enkel von Pilot ziemlich schwierig. Die ganze Nachkommenschaft gilt als "wirr im Kopf"; sie springen wie der Teufel, sind aber problematisch im Umgang. Nun muß man wissen, was man will. Wenn es um die Gewinnsummen geht, mag man den heiklen Umgang in Kauf nehmen wollen. Will man aber durchweg Freude an seinem Pferd haben und nicht unbedingt gewinnen, sind die charakterlichen Stärken durch nichts zu ersetzen. Und damit sind wir beim Markt. Die Broschüre des Verbandes läßt keinen Zweifel: auch die Hessen richten sich am internationalen Turniergeschehen aus. Das ist verständlich; denn der Wettbewerb ist sozusagen eine scharfe Lupe, mit der die Spreu vom Weizen getrennt werden kann, zumindest in Bezug auf objektivierbare Kriterien. Die Hessen schlagen sich dabei nicht schlecht; die Liste der sportlichen Erfolge ist sehr lang. Sie kann sich nicht vergleichen mit den Erfolgen der Norddeutschen, aber die Hessen holen auf. Wieso auch nicht? Schließlich liegen die züchterischen Entscheidungen offen zutage, und was dem einen Erfolge bringt, macht der andere sofort nach. Die Hessen haben jedenfalls den Anspruch, ganz nach vorne aufzuschließen. Das Logo ist jetzt ergänzt worden durch den Zusatz: "In Zukunft Hessen!" Seit 1997 führt der Verband mit Unterstützung durch das Institut für Tierzucht der Universität Gießen das "Projekt Hessenpferd" durch. Wichtige Qualitätsmerkmale der Zuchtpferde und ihrer Nachkommen werden erfaßt und veröffentlicht. Die Hessen reagieren damit auf den gesättigten Markt. Die Qualität soll in den Vordergrund rücken, und zwar schon bei der Anpaarung. Aus den Ergebnissen des Rittigkeitstests ("Hessentest") soll ein überdurchschnittlicher Zuchtwert für jedes Fohlen erreicht werden. Schließlich soll sogar ein "Gütesiegel Hessenpferd" entwickelt werden, auf das sich der Kunde verlassen kann. |
Deshalb finde ich die Aussage der hessischen Züchter durchaus bemerkenswert und wiederhole sie hier noch einmal:
Cara hatte auch diese "Blutprägung", der Kopf sah manchmal arabertypisch-vollblutmäßig aus, den Schweif trug sie meistens recht hoch, besonders in der Bewegung: sie machte in allen drei Grundgangarten mächtig viel her. Wir haben uns einfach an diesem Pferd erfreut; es ist uns über den Weg gelaufen, hat uns eine Weile begleitet und unser Leben bereichert. Für die Züchter ist das aber zuwenig: sie brauchen sensationelle Erfolge. Warum sollte den hessischen Züchtern das versagt bleiben, was den westfälischen oder hannoveranischen Züchtern gelingt? Das berühmteste hessische Pferd, Weltmeisterin 1954 und 1955, Doppel-Olympiasiegerin 1956 und 1960 Mannschafts-Olympiasiegerin mit Hans-Günther Winkler im Sattel, die große Halla, war auch mir als Kind ein Begriff. Vor ein paar Jahren habe ich Hans-Günther Winkler auf einer Messe gesehen und sofort erkannt – nach so vielen Jahren, die auch an ihm sicher nicht spurlos vorübergegangen sind. Halla und Hans-Günther Winkler wurden immer in einem Atemzug genannt und waren in meiner Jugend schon Legende. Halla wurde auf dem Hof Vierling in Darmstadt geboren und ein Zufallsprodukt, Tochter einer französischen Beutestute und des Darmstädter Landbeschälers Oberst. Die hessischen Pferdezüchter haben damals Halla eher verleugnet, weil sie nicht aus alter hessischer Blutlinie stammte. Die Oldenburger und Holsteiner haben gezielt und sehr erfolgreich französisches Blut eingesetzt – nun ist man auch in der hessischen Zucht stolz auf sie, aber ein bißchen spät. Überhaupt haben die hessischen Züchter den Trend zum modernen Sportpferd erst spät mitgemacht. |
Aber dennoch sagen mir einige Namen etwas, die im Zusammenhang mit Hessenpferden genannt werden. Hans-Günther Winkler zum Beispiel war mir ein Begriff, aber auch Hartwig Steenken, Fritz Ligges, Ullrich Meyer zu Bexten, Paul Schockemöhle, Ulrich Kirchhoff, Otto Becker, Reiner Klimke, Karin Rehbein sind Namen, die ich mit dem Spitzensport verbinde. Mit Michael Freund habe ich sogar schon gesprochen, dem Doppel-Weltmeister im Vierspänner von 1994, und ich erinnere mich noch gut an das Turnier im Januar 1999 in Hannover, als wir die Pferdezeitung und unser Konzept erstmals der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt haben. Zum Abschluß des Abends fuhren drei Viererzüge jeweils ein "Privatturnier" in der Halle aus, Michael Freund wie immer absolut gelassen und ruhig und unangefochten überlegen. Er selbst seine Pferde natürlich nach sportlichen Überlegungen ein; die Herkunft spielt dabei nicht die große Rolle. Deshalb fährt er nicht ausschließlich hessische Pferde. Frank Kunz züchtet mit seinem Vater Josef Hessenpferde und fährt natürlich ausschließlich mit Pferden seiner eigenen Zucht. Er brachte es bis zur Bronzemedaille im Internationalen Deutschen Fahrderby und nahm an der Vierspänner-Weltmeisterschaft in Wolfsburg teil. Im Bericht über das Friesenfest habe ich bereits über Sattelmeister » Dieter Lauterbach aus dem Landgestüt Dillenburg berichtet; 1996 hat er die Deutsche Meisterschaft im Einspänner mit dem Landbeschäler Tenno errungen. Einen Eindruck vom Turnierstreß gibt ein Artikel im "Magazin für Pferdezucht und Pferdesport Unser Pferd"unter dem Stichwort Turnierzirkus: "Nieberg immer auf Achse, und immer sehr erfolgreich".
Es folgen Berichte von Turnieren in Verona, Berlin, Stuttgart, München, London; z. B. Stuttgart:
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Das schon erwähnte Heft Februar 2003 des Verbandsmagazins enthält jedenfalls einen Artikel, der den Anfang einer neuen Serie macht: "Artgerechte Pferdehaltung in Hessen". Der Titel des ersten Artikels der Reihe lautet: "Pferde leben in der Gruppe viel gesünder und ausgeglichener". Vorgestellt wird ein Pensionspferdehalter, der seit sieben Jahren Gruppenhaltung anbietet. Hessen hat einen Landeswettbewerb "Tiergerechte Pferdehaltung" ausgeschrieben; 1999 und 2002 wurde der Betrieb von Gerhard Groß ausgezeichnet. Er hat durchweg positive Erfahrungen gesammelt:
Abgesehen von den üblichen Problemen mit den Pferdebesitzern, die meinen, ihrem Pferd gehe es in der Box besser, hat er interessanterweise auch Probleme mit den Tierärzten:
Ein Pensionsstallbesitzer muß sich nicht nur mit Pferden auskennen, sondern auch mit Menschen, denn die haben miteinander auch diverse Probleme. Das ist schon bei der Boxenhaltung so, aber bei der Gruppenhaltung wird die Sache für den "Manager" schwieriger:
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Da der Aufwand aber erheblich geringer ist, dürfte der Ertrag entsprechend wesentlich größer sein. Und das wiederum müßte zur Folge haben, daß die Anbieter den Pferdebesitzern die Vorzüge nahebringen:
Das leuchtet mir ein. So wird es gehen. Schließlich ist die ganze Veranstaltung zum Geldverdienen da, soll die Existenz der Bauern sichern. Und da diese in der herkömmlichen Landwirtschaft immer weniger ein Auskommen finden, findet manch einer den Weg zur Pferdehaltung, wenn er nicht ohnehin schon Züchter ist. Der monatliche Umsatz von Gerhard Groß dürfte zwischen 10.000 und 15.000 EUR betragen; der Familienbetrieb beschäftigt einen festen Mitarbeiter. Ich denke, davon kann eine Familie gut leben, und das sollte im Interesse der ganzen Gesellschaft sein. Ich stelle fest, die Hessen haben eine Menge guter Ideen und schon sehr viele Initiativen entwickelt. Daß die hessische Pferde im internationalen Sport keine so große Rolle spielen wie die Westfalen oder Hannoveraner, mag auch daran liegen, daß es nur 2.500 Stuten gibt. Es soll über 10.000 Züchter im hannoverschen Zuchtgebiet geben. Das ist eine ganz andere Größenordnung. Die privaten Hengsthalter haben sich in Hessen mit über 100 Mitgliedern ebenfalls organisiert: Vereinigung hessischer Hengsthalter e.V. (VhH). Im Januar 2000 stellten sich rund 50 Hengste einer Prämierungskommission. Es wurde erstmals der Titel "Prämienhengst" an ältere Hengste verliehen. Die Vermarktung findet in Alsfeld statt, an der Autobahn A5, Rasthof Pfefferhöhe. Da bin ich oft schon vorbeigefahren oder sogar eingekehrt. Die Aufgaben des Verbandes sind aufgeteilt in den Bereich Zucht:
und den Bereich Ausbildung und Absatz mit
Was die anderen können, können die Hessen auch. An Selbstbewußtsein mangelt es ihnen nicht, und auch nicht an Erfolgen. Die Liste der Auslandsexporte ist lang. |
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zu Ausgabe Kommentar zu Seite http://www.pferdezeitung.com/Galerie/202/Lebenstheorie/ 2003-09-07 15:36:24 Danke Ich möchte mich recht herzlich für diesen kritischen Artikel bedanken. Ich mache gerade die "Schule für Biblisch Christliche Weltanschauung" bei JMEM, und schreibe meine Seminararbeit über "Die Brüder Löwenherz". Bei meiner Interpretation des dort gegebenen Weltbildes bin ich auf das gleiche, leider absolut nicht christliche und durchaus entmutigende und destruktive Weltbild gekommen. Ich möcht jeden ermutigen, auch bei Literatur (5 Preise!) zwischen den Zeilen zu lesen, und mit Kindern Bücher und Filme, die sie sehen, zu besprechen. |
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zu Ausgabe Kommentar zu Seite http://www.pferdezeitung.com/Kleinanzeigen/ 2003-09-09 08:18:34 Suchmaske Hallo ! Bin nun schon seit einer Weile regelmäßiger Besucher Eurer Seite. Eigentlich finde ich Eure Kleinanzeigen sehr gut, das Einzige was ich nicht so gut finde ist die Suchmaske. Eine Vereinfachung bei den Rasse-Unterteilungen (z.B. nur Warmblut anstatt Hannoveraner, Holsteiner, etc. oder Grosspferd/Pony) und die Postleitzahlen-Einschränkung. Es ist super, daß Ihr die als Kriterium in die Suchmaske aufgenommen habt aber auch hier wäre eine Vereinfachung nicht schlecht, z.B. 7000-7999 oder die Möglichkeit dies einzugeben (z. B. 70-79). Falls das nun alles möglich ist – dann bin ich wohl zu d... dafür. Trotzdem großes Lob für Eure Seite und macht weiter so ! Bine
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