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![]() Die Reithalle in Löhne – groß, hell und luftig |
Die Kläranlage wurde erweitert und die alte Reithalle stand im Wege. Das war die Chance des Reitvereins "von Seydlitz" (in dem meine Töchter das Reiten gelernt haben, siehe » Reiten auf Reiterhöfen und im Verein). Der Reitverein pokerte hoch, die Stadt mußte eine saftige Kompensation zahlen und als Folge konnte sich der Reitverein eine neue Reithalle für die nette Summe von dreieinhalb Millionen Mark leisten. Sollte sich das nicht irgendwie bemerkbar machen? Das Grußwort des Programmhefts stammt vom Bürgermeister Werner Hamel. Auszug:
Donnerwetter – so erfahre ich durch das Grußwort, daß Löhne nicht nur eine große Reithalle hat, sondern die größte in ganz Norddeutschland! Die Ambitionen des Reitvereins sind wahrlich nicht klein! Der Neubau hat neben der großen Reithalle, in der das Turnier stattfand, eine kleinere Reithalle, die als Abreiteplatz genutzt wurde. Die große Reithalle ist aber so groß, daß noch ein Teil abgetrennt werden konnte (oder mußte?), der ebenfalls als Abreiteplatz genutzt wurde. Die Plakate, die auf das Pfingstturnier aufmerksam machen sollten, waren unscheinbar genug, aber die Silhouette des Reiters, der gerade einen Sliding Stop hinlegt, hatte, für mich jedenfalls, Signalwirkung. Wenn schon ein solches Turnier in einer unmittelbaren Nachbarschaft stattfinden sollte, dann wollte ich doch die Gelegenheit wahrnehmen. Das Grußwort macht mir klar, daß ich ein ganz normaler Bürger bin, der genauso wie der Bürgermeister auf die Plakate reagiert und sich so seine Gedanken macht, aber sonst nichts mit dem Reitverein oder dem Westernreiten zu tun hat. Ich konnte mich selbst also als Testperson ansehen: Wie wirkt das Pfingstturnier auf den unbedarften Bürger? |
Am Samstag war das Wetter noch schön, am Sonntagnachmittag gab es das erste Gewitter, abends dann ein Unwetter, das in Norddeutschland 18 Menschenleben forderte; am Montag war das Wetter wieder akzeptabel. Als ich am Sonntag kurz nach Mittag losfuhr, sah es schon nach Regen aus. Ich kannte den Weg gut: die Blutwiese, die ich seit fast zehn Jahren gepachtet habe, liegt etwa 800 Meter von der neuen Reithalle entfernt (siehe Foto im vorigen Abschnitt). Auf dem Weg vom Parkplatz zur Reithalle brauchte ich schon den Regenschirm, und als ich die Halle erreicht hatte, ging es richtig los. Die Lichtverhältnisse drinnen waren wetterbedingt schlecht, die Fotos dementsprechend: Auch in der Digitalfotografie geht es nicht ohne Licht. Das erste Gewitter, das ich geschützt in der Halle erlebte, war auch nicht ohne: Auf dem Rückweg mußte ich einen Umweg fahren, weil ein großer Baum umgestürzt war und quer über der Straße lag. Das Unwetter am Abend zauberte Wolken an den Himmel, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Die Teilnehmer des Turniers bekamen außer dem Geprassel auf dem Dach nichts mit. Der Lärmbelastung war durchaus nicht unerheblich, doch die Pferde ließen sich nichts anmerken. Vor Jahren war ich einmal in Severloh in der Lüneburger Heide auf einem Westernturnier. Damals schien ebenfalls die Sonne, aber Gewitter waren nicht in Sicht, und das war gut so, denn alles fand unter freiem Himmel statt. Wenn es damals so geregnet hätte... In Löhne fand die Veranstaltung sozusagen im Saale statt, und angesichts des Wetters war das ein Glück. Die Organisation hatte Rolf Diekwisch übernommen, ein alter Hase unter den Westernreitern, langjähriger Vorsitzender und Gründungsmitglied der » EWU (» Deutschland geht Western). Seine Tochter Petra war natürlich unter den Teilnehmern und hat mit ihrem Palomino-Hengst Mr. Peperoni Cody erwartungsgemäß wieder Preise einsammeln können, die sie aus den Händen ihrer Mutter Christel empfing. Rolf Diekwisch, früher selbst sehr erfolgreich, kann leider seit Jahren wegen Rückenproblemen nicht mehr mitmachen. Genau 150 Teilnehmer waren gemeldet, davon 23 Männer, also waren 85% der "Cowboys" weiblichen Geschlechts. 69 Wettbewerbe waren ausgeschrieben, 479 Nennungen waren eingegangen. Für mich als Neuling war es gar nicht einfach, mich im Wettbewerbsgeschehen zu orientieren. Freundlicherweise wurden die einzelnen Disziplinen im Tagungsheft erläutert:
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Zitate aus dem Tagungsheft:
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Die Beteiligung war bei diesem Wettbewerb ausschließlich weiblich, und das, so stellte ich bald fest, war symptomatisch. Die "weichen Disziplinen" waren fest in weiblicher Hand, oder anders ausgedrückt: die Männer interessieren sich offenbar wenig für das Turniergeschehen, und wenn, dann ausschließlich für spektakuläre Auftritte. Heute Mittag habe ich einen Aufsatz aus dem Buch » ... so frei, so stark ... des Westfälischen Landesmuseums Detmold gelesen, der eine plausible Erklärung für dieses Phänomen gibt (Harald A. Euler: Mädchen, Frauen und Pferde, Seite 167 ff.). Die Wissenschaft führt dieses Verhalten wie viele andere auf die Prägung der Steinzeit zurück, wo die Frauen durch Schwangerschaft oder kleine Kinder behindert waren und deshalb sich auf "weiche" Tätigkeiten im häuslichen Umfeld konzentrierten, während die Männer in die Ferne schweiften. Heute machen die das auf Motorrädern.
Das Ganze natürlich vor dem Hintergrund der Sorge um die Weitergabe der Gene, die uns schon bei der Verhaltensforschung im Zusammenhang mit Pferden begegnet war (» Horse Feelings, » Wilde Pferde). Meine Skepsis gegenüber dieser These hatte ich in den Tips » Stuten und Sex und » Dominanz zum Ausdruck gebracht, aber sie ist sicher sehr bequem für die Wissenschaft. Wenn wir Automaten sein sollten, dann müßten wir wohl so funktionieren. Die Wissenschaft beobachtet immerhin sehr genau und kommt zu dem Schluß, daß Männer und Frauen denkbar unterschiedlich sind, ganz im Gegensatz zur These meiner Jugend, als alle Welt der Meinung war, Männer und Frauen seien im wesentlichen gleich. Sehr interessant. Das erinnert mich an eine Definition des Begriffes Mode: "Mode ist die aktuelle Art, häßlich auszusehen." Die Wissenschaft unterliegt ebenfalls der Mode, oder vornehm ausgedrückt: Es herrschen immer gewisse Paradigmen, und die wechseln; das nennt man dann einen – na? -Paradigmenwechsel. Soviel zur Zuverlässigkeit der Erkenntnisse der Wissenschaft. Die Gesamthochschule Kassel, Fachbereich Psychologie und Sport, hat kürzlich die Psyche pferdevernarrter Mädchen und Frauen erforscht. Die Ergebnisse leuchten mir durchaus ein. |
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Die Beobachtungen im einzelnen (a.a.O., Seite 168):
Diese Thesen mögen provozierend klingen; mich haben Sie an die Beschreibung meiner Tochter anläßlich des Projekts mit Mädchen einer Sonderschule erinnert (» Projektwoche Pferd); dort war unter anderem aufgefallen, daß sich kein einziger Junge gemeldet hatte. Trotzdem ist Vorsicht angesagt: es schreibt ein Mann. Die Ergebnisse, die Schlüsse, die Präsentation könnte geschlechtsspezifisch gefärbt sein. Ich bin sicher, die Leserinnen werden korrigierend eingreifen. In der nächsten Woche werde ich weitere Beobachtungen anführen, die den geschlechtsspezifischen Umgang mit dem Pferd am Beispiel meiner Erlebnisse beim Pfingstturnier der Westernreiter in Löhne illustrieren. Ich konnte mich bereits bei meinem ersten Entwurf nicht enthalten, in diesem Zusammenhang das Wort Motorrad zu gebrauchen. Ich war also schon auf der richtigen Spur. Was hat Motorradfahren mit Reiten zu tun? |
Abbildungen |
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