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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 221, erschienen am 22.06.2003

Magazin  Ausgabe 221

Siegerehrung am Pfingstsonntag
Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Turnier zu Pfingsten
  2. Abschnitt  Reitanlage "Löhne Werretal"
  3. Abschnitt  Pfingstsonntag
  4. Abschnitt  Die Western-Disziplinen
  5. Abschnitt  APHA
  6. Abschnitt  Mädchen und Frauen
  7. Abschnitt  Quellen / Verweise

  Leserresonanz  Leserresonanz

  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis

Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 188:
Hauptartikel  Was Vater auch noch nicht wußte

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 189:
Hauptartikel  Reiten auf Reiterhöfen und im Verein

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 191:
Hauptartikel  Freiheit mit Fury, Frust im Reitstall

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 192:
Hauptartikel  Immenhof-Idylle in Westfalen

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 194:
Hauptartikel  Unversehens Pferdebesitzer

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 195:
Hauptartikel  Große Überraschung im Winter

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 197:
Hauptartikel  Ein Fohlen entdeckt die Nordsee

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 200:
Hauptartikel  Krankheit und Neuzugang

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 201:
Hauptartikel  Tod und Verwirrung

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 204:
Hauptartikel  Neubeginn mit Pit

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 205:
Hauptartikel  Herdenbildung und Schmuddelwinter

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 207:
Hauptartikel  Unser Pferdeparadies

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 208:
Hauptartikel  Geheime Wünsche werden wahr

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 216:
Hauptartikel  Projektwoche Pferd
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Die Reithalle in Löhne – groß, hell und luftig
Turnier zu Pfingsten

Westernreiten in Löhne

Zum Thema
Thema  Westernturnier



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken



Vom 7. bis 9. Juni fand in Löhne ein Westernturnier statt, Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, in der Reitanlage "Löhne Werretal". Löhne – wo liegt das denn? Und warum wird ein solch bedeutendes Turnier in Löhne ausgerichtet?

In den letzten 20 Jahren habe ich überwiegend in Löhne gelebt, da kenne ich mich aus. Löhne liegt in Ostwestfalen gar nicht weit von der Grenze nach Niedersachsen, die nächsten größeren Städte sind Bielefeld und Osnabrück (Niedersachsen). Die Autobahn A30 beginnt in Bad Oeynhausen (Kreis Minden), der Nachbarstadt von Löhne (Kreis Herford), und führt in westlicher Richtung in die Niederlande.

Löhne liegt in Norddeutschland ziemlich zentral: Hannover liegt etwa 100 Kilometer östlich, Köln etwa 200 Kilometer westlich von Löhne, die Verkehrsanbindung ist recht gut, die Autobahn A2 (Hannover-Oberhausen) ist ebenfalls nicht weit. Nach Hamburg sind es zwei Stunden Autofahrt, nach Frankfurt drei, nach Kassel anderthalb.

Zwischen den beiden Weltkriegen hat Löhne literarische Berühmtheit erlangt, weil Erich Maria Remarque in seinem Kriegsroman "Im Westen nichts Neues" eine Episode in Löhne spielen läßt. Damals hatte der Bahnhof in Löhne noch sehr große Bedeutung: "Löhne umsteigen" war so etwas wie ein geflügeltes Wort. Löhne ist also ein Ort von ähnlicher Bekanntheit wie Altenbeken oder Bebra, weil zufällig größere Eisenbahnlinien dort aufeinanderstoßen und ein Wechsel zwischen den Linien möglich ist.

In Minden endete die Köln-Mindener Eisenbahn, die im Zusammenhang mit den Reiterskulpturen an der Hohenzollernbrücke in Köln schon Erwähnung fand (siehe Galeriebeitrag » Hohenzollernbrücke), in Löhne stieß die Osnabrücker Bahn auf diese bedeutende Linie. Die Bahnlinie mußte im gehörigen Abstand vom Ort verlaufen, weil die Bauern befürchteten, daß der Funkenflug der Lokomotiven die Strohdächer entzünden würde. Der Bahnhof wurde auf freiem Gelände gebaut. Das war die Geburt des Ortsteils Löhne Bahnhof, der heute als das Zentrum der Stadt gilt.

Als die Osnabrücker Bahn dazukam, wurde ein zweiter Bahnhof errichtet, direkt neben dem ersten. Ob damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, schon die Unterführung existierte, die die beiden Bahnsteigsysteme verbindet, weiß ich nicht, aber der Plot im Roman besteht darin, daß die dummen Rekruten lernen müssen, wie sie in Löhne umzusteigen haben. Dazu läßt der Spieß die Soldaten unter ihren Betten durchkriechen, damit sich die lange Unterführung in Löhne ins Unterbewußtsein der Soldaten einprägt.

So kenne ich die Sache jedenfalls vom Hörensagen – gelesen habe ich den Roman nicht. Die Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt hat Löhne inzwischen verloren. Selbst der große Verschiebebahnhof, der vor 20 Jahren, als ich nach Löhne zog, noch im Betrieb war, ist heute stillgelegt.

Die Ortschaft Löhne selbst ist, wie die umliegenden Ortschaften, um die 1000 Jahre alt. Die Stadt Löhne wurde erst vor ungefähr 30 Jahren gegründet, als etwa ein Dutzend Ortschaften mit eigener langer Geschichte zu einer Stadt zusammengefaßt worden sind. Die Namen dieser Ortschaften leben heute als Ortsteilnamen fort. Die Reithalle befindet sich z. B. im Ortsteil Mennighüffen.

Reitanlage "Löhne Werretal"  oben 



Die Reithalle von der Blutwiese aus
Rechts die kleine, links die große Reithalle
Die Reithalle Löhne ist vor einigen Jahren neu erbaut worden. Weil ich in Löhne wohnte, kenne ich die näheren Umstände; ich habe mich damals nicht wenig gewundert.

Die Kläranlage wurde erweitert und die alte Reithalle stand im Wege. Das war die Chance des Reitvereins "von Seydlitz" (in dem meine Töchter das Reiten gelernt haben, siehe » Reiten auf Reiterhöfen und im Verein).

Der Reitverein pokerte hoch, die Stadt mußte eine saftige Kompensation zahlen und als Folge konnte sich der Reitverein eine neue Reithalle für die nette Summe von dreieinhalb Millionen Mark leisten. Sollte sich das nicht irgendwie bemerkbar machen?

Das Grußwort des Programmhefts stammt vom Bürgermeister Werner Hamel. Auszug:

Neben den alljährlich traditionell stattfindenden und bei Teilnehmern und Zuschauern gleichermaßen sehr beliebten Turnieren und Veranstaltungen unseres Reitvereins "von Seydlitz" Löhne-Werretal e.V. findet nun in Löhne, im vereinseigenen Reitsportzentrum an der Börstelstraße, am Pfingstwochenende vom 07. bis zum 09. Juni 2003, erstmals ein Western-Reit-Turnier statt.

Spontan denke ich und sicherlich auch viele Zuschauer, die über die Plakate über dieses Turnier in Kenntnis gesetzt wurden, an Wildwestromantik und diesen tollen Hauch von Freiheit und Abenteuer. Jugenderinnerungen werden wach. Ich erinnere mich an hochgewachsene braun gebrannte Reiter mit großen Hüten und großen Sporen auf gehörnten Sätteln und schnellen wendigen Pferden. Ja, ich bin, wie sie alle, neugierig auf diese, für Löhne so außergewöhnliche Veranstaltung. Wir alle erhoffen uns einen guten Einblick in die Reitkunst der Cowboys, dieser besonderen anderen hoch anspruchsvollen Reitweise. Hier in Löhne sehen wir die besten Westernreiter Norddeutschlands. Aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Hamburg und Bremen kommen sie, um sich für die Deutsche Meisterschaft in Mannheim zu qualifizieren. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit ihren Pferden eine topfite Tagesform und letztlich auch das erforderliche Quentchen Glück.

Die größte überdachte Reitsportanlage Norddeutschlands des Reitvereins "von Seydlitz" Löhne-Werretal e.V. bietet den Reitsportlern die hierfür erforderlichen vorbildlichen Bedingungen und den Zuschauern einen überaus geselligen Rahmen. Ich bin sicher, es wird wieder guter, spannender Sport geboten.

Donnerwetter – so erfahre ich durch das Grußwort, daß Löhne nicht nur eine große Reithalle hat, sondern die größte in ganz Norddeutschland! Die Ambitionen des Reitvereins sind wahrlich nicht klein!

Der Neubau hat neben der großen Reithalle, in der das Turnier stattfand, eine kleinere Reithalle, die als Abreiteplatz genutzt wurde. Die große Reithalle ist aber so groß, daß noch ein Teil abgetrennt werden konnte (oder mußte?), der ebenfalls als Abreiteplatz genutzt wurde.

Die Plakate, die auf das Pfingstturnier aufmerksam machen sollten, waren unscheinbar genug, aber die Silhouette des Reiters, der gerade einen Sliding Stop hinlegt, hatte, für mich jedenfalls, Signalwirkung. Wenn schon ein solches Turnier in einer unmittelbaren Nachbarschaft stattfinden sollte, dann wollte ich doch die Gelegenheit wahrnehmen.

Das Grußwort macht mir klar, daß ich ein ganz normaler Bürger bin, der genauso wie der Bürgermeister auf die Plakate reagiert und sich so seine Gedanken macht, aber sonst nichts mit dem Reitverein oder dem Westernreiten zu tun hat. Ich konnte mich selbst also als Testperson ansehen: Wie wirkt das Pfingstturnier auf den unbedarften Bürger?

Pfingstsonntag  oben 



Die Kamera stellt auf die Regentropfen scharf
Reichlich Platz unter dem Vordach für Zubehör
Siegerehrung im Amateur LK1 Trail all Ages
Petra Diekwisch erste von links
Petra und Christel Diekwisch
Das Turnier erstreckte sich über drei Tage. Leider hatte ich am ersten Tag gar keine und an den beiden anderen Tagen sehr wenig Zeit.

Am Samstag war das Wetter noch schön, am Sonntagnachmittag gab es das erste Gewitter, abends dann ein Unwetter, das in Norddeutschland 18 Menschenleben forderte; am Montag war das Wetter wieder akzeptabel.

Als ich am Sonntag kurz nach Mittag losfuhr, sah es schon nach Regen aus. Ich kannte den Weg gut: die Blutwiese, die ich seit fast zehn Jahren gepachtet habe, liegt etwa 800 Meter von der neuen Reithalle entfernt (siehe Foto im vorigen Abschnitt).

Auf dem Weg vom Parkplatz zur Reithalle brauchte ich schon den Regenschirm, und als ich die Halle erreicht hatte, ging es richtig los. Die Lichtverhältnisse drinnen waren wetterbedingt schlecht, die Fotos dementsprechend: Auch in der Digitalfotografie geht es nicht ohne Licht.

Das erste Gewitter, das ich geschützt in der Halle erlebte, war auch nicht ohne: Auf dem Rückweg mußte ich einen Umweg fahren, weil ein großer Baum umgestürzt war und quer über der Straße lag. Das Unwetter am Abend zauberte Wolken an den Himmel, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

Die Teilnehmer des Turniers bekamen außer dem Geprassel auf dem Dach nichts mit. Der Lärmbelastung war durchaus nicht unerheblich, doch die Pferde ließen sich nichts anmerken.

Vor Jahren war ich einmal in Severloh in der Lüneburger Heide auf einem Westernturnier. Damals schien ebenfalls die Sonne, aber Gewitter waren nicht in Sicht, und das war gut so, denn alles fand unter freiem Himmel statt. Wenn es damals so geregnet hätte...

In Löhne fand die Veranstaltung sozusagen im Saale statt, und angesichts des Wetters war das ein Glück. Die Organisation hatte Rolf Diekwisch übernommen, ein alter Hase unter den Westernreitern, langjähriger Vorsitzender und Gründungsmitglied der » EWU (» Deutschland geht Western).

Seine Tochter Petra war natürlich unter den Teilnehmern und hat mit ihrem Palomino-Hengst Mr. Peperoni Cody erwartungsgemäß wieder Preise einsammeln können, die sie aus den Händen ihrer Mutter Christel empfing. Rolf Diekwisch, früher selbst sehr erfolgreich, kann leider seit Jahren wegen Rückenproblemen nicht mehr mitmachen.

Genau 150 Teilnehmer waren gemeldet, davon 23 Männer, also waren 85% der "Cowboys" weiblichen Geschlechts. 69 Wettbewerbe waren ausgeschrieben, 479 Nennungen waren eingegangen.

Für mich als Neuling war es gar nicht einfach, mich im Wettbewerbsgeschehen zu orientieren. Freundlicherweise wurden die einzelnen Disziplinen im Tagungsheft erläutert:

  • Reining
    Western Pleasure
    Western Horsemanship
    Trail
    Western-Riding
    Superhorse
    Showmanship


Die Western-Disziplinen  oben 



Zitate aus dem Tagungsheft:

Reining:
Reining ist die Dressur im Westernreitstil. Reining bedeutet ein Pferd nicht nur zu lenken, sondern auch jede seiner Bewegungen zu kontrollieren. Ein gutes Reiningpferd sollte sich willig führen lassen und mit wenig und nicht sichtbarem Widerstand zu kontrollieren sein. Es muß dem Reiter völlig gehorchen. Jede eigene Bewegung muß als mangelhafte Kontrolle ausgelegt werden. Alle Abweichungen von der exakt vorgeschriebenen Aufgabe bedeuten ein Fehlen oder ein vorübergehender Verlust von Kontrolle und sind deshalb Fehler, die abhängig vom Grad der Abweichung bestraft werden. Außer dem Abzug von Fehlerpunkten soll es Pluspunkte geben. Sie werden für Weichheit, Eleganz, Haltung, Schnelligkeit und die Art, verschiedene Manöver durchzuführen, gegeben. Die einzelnen Reiningelemente, schnelle und langsame Galoppzirkel, fliegenden Wechsel, Spins, Sliding-Stops, Rollbacks und Rückwärtsrichten, werden zu Aufgaben (Pattern) zusammengefaßt. Es gibt verschiedene Reiningspatterns, deren einzelne Abschnitte in der festgelegten Reihenfolge geritten werden müssen. Die Aufgaben werden auswendig geritten.

Western Pleasure:
Nomen est omen: Es soll für den Reiter ein Vergnügen sein, das Pferd in den drei Grundgangarten am angemessen losen Zügel möglichst bequem und fließend zu reiten. Die Pferde werden beurteilt nach ihren Gangarten, ihrer Bereitschaft, die unsichtbaren Hilfen des Reiters sofort zu befolgen. Diese letztgenannten unsichtbaren Hilfen lassen die Prüfung für den Zuschauer sehr mühelos erscheinen, obwohl von den Reitern bei dieser "Materialprüfung" höchste Konzentration gefordert wird.

Die Pferde sollen in ihrer jeweiligen natürlichen Aufrichtung und damit in ihrem individuellen Tempo vorgestellt werden. Die natürliche Aufrichtung bedingt wesentlich flachere Beinbewegungen als beim "klassischen" Reiten bekannt. Da die Pferde individuell unterschiedliche Geschwindigkeiten, besonders in Trab und Galopp, besitzen, darf in der Pleasure überholt werden. Die Pferde müssen ihr jeweiliges Tempo in den verschiedenen Gangarten konsequent beibehalten.

Western Horsemanship:
Bei der Horsemanship stehen die Leistungen des Reiters im Vordergrund. Zur Bewertung kommen unter anderem die Hilfengebung und die Haltung des Reiters während der einzelnen Lektionen. Die verlangte Einzel-Aufgabe muß sehr exakt ausgeführt werden, was auch eine enorme Kontrolle des Pferdes voraussetzt. Es sind keine spektakulären, dafür aber penibel nachzureitende Manöver, die verlangt werden. In der Kürze liegt die Würze. Die Einzelaufgabe geht zu 80 Prozent in die Wertung ein. Der zweite Teil einer Horsemanship fließt zu 20 Prozent in die Wertung ein. Optisch ist dieser zweite Teil eine Pleasure. Im Gegensatz zu einer Pleasure wird hier allerdings weiterhin vor allem das reiterliche Können des Menschen beurteilt.

Trail:
In dieser Geschicklichkeits-Prüfung müssen die Pferde mindestens sechs Hindernisse bewältigen. Beim Trail sind Nervenstärke, Vertrauen vom Reiter ins Pferd und vom Pferd in den Reiter gefordert. Das gute Trail-Pferd soll sich unerschrocken und überlegt jedem Hindernisse nähern, es prüfen und dann bewältigen. Beispiele für die Aufgaben: der Reiter muß ein Tor öffnen und so durchreiten, daß eine Herde imaginäre Rinder auch nicht die geringste Gelegenheit hätte, ebenfalls das offene Tor zu passieren. Eine Brücke soll von dem Pferd vorsichtig, aber bereitwillig überquert werden. Am Boden liegende Stangen, die man sich als Unterholz im Wald vorstellen kann, müssen ohne Berührung in den verschiedenen Gangarten überschritten werden. Rückwärtsrichten des Pferdes durch ein enges Stangen-L oder Stangen-U.

Western-Riding
Bei der Western Riding sind vor allem zahlreiche fliegende Galoppwechsel auf den Punkt genau zu absolvieren. Sie gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen. Eine Western Riding bedeutet die Vorstellung eines sensiblen, sich losgelassen und mühelos bewegenden Pferdes. Pluspunkte werden vergeben für weiche, taktreine Gänge bei gleichbleibendem Tempo während der gesamten Aufgabe.

Superhorse
Die Superhorse ist eine besonders schwere Disziplin. Enthalten sind Elemente aus den vier Disziplinen:
Reining
Pleasure
Trail und
Western Riding.
Das Pferd muß für eine Superhorse ein besonders vielseitiges Talent mitbringen. Die Superhorse wird nur von der EWU angeboten.

Showmanship
Die Showmanship at Halter ist eine Disziplin speziell für Jugendliche. Bewertet wird der Jugendliche, wie er sein Pferd am Halfter vorstellt. Daneben gehört neben der korrekten Aufstellung des Pferdes und der genauen Absolvierung der verlangten Aufgabe auch der Pflegezustand von Pferd, Ausrüstung und Kleidung.


APHA  oben 


Siegerehrung im APHA-Wettbewerb
Vor dem Spiegel
Als ich die Halle betrat, gab es gerade eine Siegerehrung: Western Pleasure All Ages Open. Mir fielen die wunderschön gescheckten Pferde in die Augen – zunächst bemerkte ich gar nicht, daß keine nicht-gescheckten Pferde beteiligt waren. Das Vorwort des Veranstalters klärte mich dann auf: diese Auswahl war kein Zufall.

Am Sonntag ist der Tag der American Paint Horse Association.

Die Beteiligung war bei diesem Wettbewerb ausschließlich weiblich, und das, so stellte ich bald fest, war symptomatisch. Die "weichen Disziplinen" waren fest in weiblicher Hand, oder anders ausgedrückt: die Männer interessieren sich offenbar wenig für das Turniergeschehen, und wenn, dann ausschließlich für spektakuläre Auftritte.

Heute Mittag habe ich einen Aufsatz aus dem Buch » ... so frei, so stark ... des Westfälischen Landesmuseums Detmold gelesen, der eine plausible Erklärung für dieses Phänomen gibt (Harald A. Euler: Mädchen, Frauen und Pferde, Seite 167 ff.).

Die Wissenschaft führt dieses Verhalten wie viele andere auf die Prägung der Steinzeit zurück, wo die Frauen durch Schwangerschaft oder kleine Kinder behindert waren und deshalb sich auf "weiche" Tätigkeiten im häuslichen Umfeld konzentrierten, während die Männer in die Ferne schweiften. Heute machen die das auf Motorrädern.

Und schließlich übten fremde Frauen einen Reiz aus, weil die Frauen der eigenen Gruppe schwanger oder schon vergeben waren. Neue Frauen konnte man nur kennenlernen, wenn man herumstreunte. Das steinzeitliche Männerdasein als "Ranger" oder "Scout" ist der Grund für unsere ausgeprägte männliche Neigung zu Mobilität. (S. 170)

Das Ganze natürlich vor dem Hintergrund der Sorge um die Weitergabe der Gene, die uns schon bei der Verhaltensforschung im Zusammenhang mit Pferden begegnet war (» Horse Feelings, » Wilde Pferde). Meine Skepsis gegenüber dieser These hatte ich in den Tips » Stuten und Sex und » Dominanz zum Ausdruck gebracht, aber sie ist sicher sehr bequem für die Wissenschaft. Wenn wir Automaten sein sollten, dann müßten wir wohl so funktionieren.

Die Wissenschaft beobachtet immerhin sehr genau und kommt zu dem Schluß, daß Männer und Frauen denkbar unterschiedlich sind, ganz im Gegensatz zur These meiner Jugend, als alle Welt der Meinung war, Männer und Frauen seien im wesentlichen gleich. Sehr interessant.

Das erinnert mich an eine Definition des Begriffes Mode: "Mode ist die aktuelle Art, häßlich auszusehen." Die Wissenschaft unterliegt ebenfalls der Mode, oder vornehm ausgedrückt: Es herrschen immer gewisse Paradigmen, und die wechseln; das nennt man dann einen – na? -Paradigmenwechsel. Soviel zur Zuverlässigkeit der Erkenntnisse der Wissenschaft.

Die Gesamthochschule Kassel, Fachbereich Psychologie und Sport, hat kürzlich die Psyche pferdevernarrter Mädchen und Frauen erforscht. Die Ergebnisse leuchten mir durchaus ein.

Mädchen und Frauen  oben 



Die Beobachtungen im einzelnen (a.a.O., Seite 168):

Skeptisch: Pferdemädchen aus dem Reitverein
Damenriege
[...] Nicht das Interesse am Reiten zog die Mädchen in die Ställe, sondern ihre Liebe zum Pferd, und hierbei war ein Motiv dominierend: der Wunsch, ein Pferd zu umsorgen. Es zu füttern, zu putzen, auszuführen, seinen Stall auszumisten, ihm zuzureden, das sind die Tätigkeiten, die den Mädchen am Herzen liegen. Der Pferdevernarrtheit liegt eine Bindungsmotivation zugrunde: Das Pferd ist ein geliebter, unersetzbarer Partner; es vermittelt Sicherheit, Geborgenheit und Trost; die Beziehung zum Pferd wird als einzigartig, gegenseitig und "für immer" erlebt; das eigene Pferd wird idealisiert; die Nähe zum Pferd wird angestrebt – die Mädchen wollen ganz nah beim Pferd wohnen, viele sogar direkt im Stall. Das Pferd ist das größte und letzte Kuscheltier, denn es markiert einen Übergang im Leben des Mädchens, und zwar von der Herkunftsfamilie mit der Bindung an die Mutter zur eigenen Fortpflanzungsfamilie mit der Bindung an einen Mann. Das Pferd ist ein Übergangsobjekt zwischen Puppe und Partner. Auffällig ist nämlich, daß die totale Schwärmerei für das Pferd innerhalb kurzer Zeit schwindet, sobald die erste echte Liebe auftaucht. Nach der Pubertät, also mit etwa 15 bis 17 Jahren, hört bei den meisten Mädchen das Interesse für das Pferd auf, es sei denn, der neue Freund reitet zufälligerweise auch.

Neben diesem Bindungscharakter mit dem dominierenden Fürsorgemotiv gibt es noch einige weitere Gründe für die Neigung zum Pferd. Die Mädchen suchen ein unverfälschtes Naturerlebnis, das sie sich auf dem Reiterhof und bei Ausritten erfüllen können. Der Umgang mit dem Pferd erfordert disziplinierende Stärke, Kompetenz und Sachkunde und fördert so die Selbstwirksamkeit und Durchsetzungsfähigkeit der jungen Reiterin. Das Pferd vermittelt Sicherheit durch die erhöhte Sitzposition und eine schnelle Fluchtmöglichkeit. Auf dem Rücken des Pferdes können die Mädchen Abenteuer erleben, in die fremde Welt hinausreiten oder zumindest davon träumen.

Das Pferd bietet noch weitere Qualitäten für junge Frauen. Frauen drücken ihre Zuneigung, viel mehr als Männer, durch Berührung aus, und Pferde haben ein warmes, weiches, seidiges Fell. Frauen wollen mit dem geliebten Partner, wiederum mehr als Männer, ausgiebig reden, und das Pferd ist ein geduldiger Zuhörer. Reiten ist eine angesehene Sportart; die Mädchen reiten sozusagen höhere Schichten hinein. Und schließlich ist Reiten nicht mehr männlich dominiert, denn die Männer sind auf motorisierte Fortbewegungsmittel umgestiegen.

So ist das Interesse von Jungen an Pferden anders konturiert. Jungen lieben Wettkämpfe aller Art, und so wollen Jungen, wenn sie reiten, dies am liebsten so tun wie Cowboys und Indianer oder wie mutige Ritter. Pferdepflege ist ihnen nur lästige Pflicht. Wenn sie in Reitvereinen sind, arbeiten sie auf Turniere hin, woran Mädchen weniger Interesse haben, es sei denn an einem Schönheitswettbewerb mit dem Pferd. Mädchen erfüllen sich Pflege, Freizeit- und Naturinteressen beim Reiten. Für Jungen ist das Pferd eher ein Sportgerät als ein geliebter und vertrauter Partner.

Diese Thesen mögen provozierend klingen; mich haben Sie an die Beschreibung meiner Tochter anläßlich des Projekts mit Mädchen einer Sonderschule erinnert (» Projektwoche Pferd); dort war unter anderem aufgefallen, daß sich kein einziger Junge gemeldet hatte. Trotzdem ist Vorsicht angesagt: es schreibt ein Mann. Die Ergebnisse, die Schlüsse, die Präsentation könnte geschlechtsspezifisch gefärbt sein. Ich bin sicher, die Leserinnen werden korrigierend eingreifen.

In der nächsten Woche werde ich weitere Beobachtungen anführen, die den geschlechtsspezifischen Umgang mit dem Pferd am Beispiel meiner Erlebnisse beim Pfingstturnier der Westernreiter in Löhne illustrieren.

Ich konnte mich bereits bei meinem ersten Entwurf nicht enthalten, in diesem Zusammenhang das Wort Motorrad zu gebrauchen. Ich war also schon auf der richtigen Spur. Was hat Motorradfahren mit Reiten zu tun?

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Hohenzollernbrücke, Galeriebeitrag
  2. » Reiten auf Reiterhöfen und im Verein, Vom Naturerlebnis bis zum Kleinen Reitabzeichen
  3. » EWU
  4. » Deutschland geht Western, EWU-Ehrenpräsident Rolf Diekwisch erzählt, Sonderausgabe
  5. » ... so frei, so stark ..., Westfalens wilde Pferde, Rezension
  6. » Horse Feelings, Die Welt der Pferde – Frei, Geheimnisvoll, Faszinierend, Rezension
  7. » Wilde Pferde, Leben in Freiheit, Rezension
  8. » Stuten und Sex, Tipp
  9. » Dominanz, Tipp
  10. » Projektwoche Pferd, Arbeit mit Schülern einer Sonderschule, Hauptartikel


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

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Leserresonanz oben 

Notizen  Leserbrief  972 vom 23.06.2003
zu Ausgabe Magazin  221
Tipp: Selbst

Hallo Werner,

beim Eingeben des Betreffs fällt mir auf: neue Rechtschreibung!... Aber, worauf ich eigentlich reagieren wollte ist der ganze Tip bzw. Dein Suchen in der Erinnerung:

"Im Gegenteil: die Sache ist genau umgekehrt. Ich kenne da eine Geschichte, oder vielleicht ist es eine Anekdote, aber sie fällt mir einfach nicht ein, also muß ich sie neu erfinden. Sie handelte bestimmt nicht von einem Seiltänzer, aber mit einem Seiltänzer geht es auch. Der Seiltänzer also tanzt wunderbar über sein Seil, die Menge staunt, bewundert, applaudiert, da fragt einer: "Wie machst du das?" Da fällt der Seiltänzer vom Seil."

Kann es sein, daß es Heinrich von Kleists "Über das Marionettentheater" ist, an das Du Dich (nicht mehr bewußt) erinnerst? Auf jeden Fall könnte es Dir gefallen, endet mathematisch gesehen sehr interessant! Allerdings könnte es auch von Weizsäcker sein (Titel weiß ich nicht mehr), der vom Tausendfüßler erzählt, der das Gehen verlernt, nachdem er gefragt wird.

Herzliche Grüße
Katinka

Liebe Katinka,

das fällt mir auch immer wieder auf: das Wort Tipp ist das einzige, bei dem ich die neue Rechtschreibung akzeptiert habe; vielleicht liegt das daran, daß es das erste war. Ich habe beim Schreiben des Artikels überlegt, ob ich nicht auch bei diesem Wort wieder zur alten Rechtschreibung zurückkehren soll...

An die Geschichte mit dem Marionettentheater kann ich mich tatsächlich nicht erinnern, aber vermutlich habe ich sie in der Schule gelesen (das ist sehr lange her); vom Tausendfüßler habe ich vermutlich auch schon gehört, eine sehr lustige Vorstellung!

Herzliche Grüße
Werner

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 221 vom 20.05.2012
Hauptartikel  Turnier zu PfingstenPferdemesse  Messe: HövelerRezension  Rezension: Reiten aus der KörpermitteTip  Tip: SelbstGalerie  Galerie: Vase
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