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![]() Ausschau nach dem einsamen Kameraden |
Die Welt wandelt sich aber sehr schnell, man kann auch sagen: Sehr viele Leute haben begierig neue Erfahrungen gemacht und gelernt. Nach anfänglicher Begeisterung folgte leider bald Ernüchterung. Man hatte den Eindruck, hier werde doch alter Wein in neue Schläuche gefüllt. Die Diskussion anläßlich des Hauptartikels der letzten Woche zeigt, daß die Probleme sehr tief liegen (siehe › Westernreiten, aber richtig, insbesondere › Leserresonanz). An der Oberfläche erscheinen wir alle brav und nett, keiner will irgendwem wehtun, schon gar nicht einem Pferd. Man schlägt ja schließlich weder Kind noch Frau, oder? Dann aber wieder entzündet sich die ganze Diskussion an der Grausamkeit des Menschen, oder sollte ich sagen: des Mannes? Denn ganz so harmlos kommt man anscheinend nicht durch. Einige Pferdeflüsterer haben sich geradezu einen Namen gemacht mit der Propagierung der Gewaltlosigkeit; verständlich, daß nicht nur die Fans, sondern die breite Öffentlichkeit enttäuscht, verbittert und wütend reagiert, wenn sie bei offenkundig brutalen Aktionen eben dieser sanften Helden Zeuge wird. Seit es die Pferdezeitung gibt, hat mich dieses Thema beschäftigt, habe ich mit Lesern korrespondiert, telefoniert, sogar Kontakt mit einem Pferde-Guru bzw. dessen Büro aufgenommen, mit anderen Fachleuten diskutiert, und schließlich resigniert. Mir schien, daß diese Leute vielleicht guten Willens waren, als sie anfingen, daß aber der Erfolgsdruck sie korrumpiert hat. Andere Leute haben sich abgewandt und ihren eigenen Weg gesucht. So hat Pia Rennollet eine Veranstaltung mit Pat Parelli verlassen müssen, weil sie es nicht mehr mit ansehen konnte, wie dieser ein Pferd buchstäblich in den Hänger hineinprügelte. Dabei hatte ihr sein Buch doch so gut gefallen (Natural Horse-Man-Ship). Papier ist offenbar geduldig. Es gibt eine offizielle Version und eine inoffizielle, über manche Dinge kann man sprechen und über andere nicht. Die Pferdefrau Pia Rennollet ist der Meinung, daß man Pferden durchaus gerecht werden kann. Freilich will sie auch keine Turniere gewinnen. Dabei schreibt sie nicht nur Bücher (eines ist publiziert), sie gibt auch Seminare, sie zeigt, was sie kann, sie redet über ihre Vorstellungen, sie lädt die Teilnehmer zum Austausch ein. In diesem Beitrag veröffentliche ich vier kurze Aufsätze von ihr, die sie als Test an die Leser der Pferdezeitung, also an Sie, versteht: interessiert das überhaupt jemanden? |
Das kann ich verstehen – keiner schreibt gerne für die Schublade. Ich persönlich bin sehr gespannt auf die Erfahrungen, Einsichten und Thesen, die, soweit ich das bisher aufgrund längerer Telefonate beurteilen kann, eine völlig neue Sichtweise in die Diskussion bringen. Diese Sichtweise ist mir nicht ganz fremd, denn ich habe sie bereits ansatzweise von anderer Seite gehört. Und immer waren es Frauen, die so dachten. Das halte ich nicht für einen Zufall. Die Reiterszene wird überwiegend von Frauen besetzt, das ist nicht zu übersehen. In den oberen Rängen tummeln sich die Männer. Anläßlich des Berichts über das Pfingstturnier in Löhne habe ich darüber schon reflektiert (› Mädchen und Frauen). Männer und Frauen sind sehr verschieden, das wissen wir inzwischen sehr gut. Es verwundert also nicht, daß Frauen auch an das Thema Pferd anders herangehen. Die Pferdeflüsterer waren bisher männlich, wenn es sich nicht um Schüler handelte; die durften auch weiblich sein, wobei dann selbstverständlich Gehorsam gefordert und geleistet wurde. Zwar gibt es auch eine Reihe von Autorinnen, allen voran Ursula Bruns und Linda Tellington-Jones, aber die haben nicht die Aura und die Wirkung der männlichen Kollegen entwickeln können. Einem GaWaNi Pony Boy fiel der Erfolg demgegenüber geradezu in den Schoß. Meine ehemalige Kollegin hat seinerzeit das Buch Der Traum vom Pferd von Pia Rennollet enthusiastisch gefeiert; es ist leider kein Erfolg geworden. Ein Grund mag sein, daß das Buch in einem Esoterik-Verlag erschienen ist, entsprechend bei den Buchhandlungen in der Esoterik-Abteilung landet und dort verstaubt. Es findet einfach seine Zielgruppe nicht. Imke Spilker ist eine andere junge Autorin, deren Buch Selbstbewußte Pferde viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Aber anscheinend zieht sie es vor, zurückgezogen zu arbeiten. Das ist schade. Wenn man gute Ideen hat, muß man diese auch unter das Volk bringen, man muß sie verkaufen, man muß ihnen zum Durchbruch verhelfen. Neue Ideen haben es schwer. Ich habe es oben angedeutet: Hempfling wurde zunächst verlacht. Nun ist Hempfling ein Meister der Selbstvermarktung; dieses Talent sehe ich keineswegs als negativ an, im Gegenteil: Was hat die Menschheit von guten Ideen, die in irgendwelchen Schubladen verschimmeln? Es kommt darauf an, die Welt zu verändern. Hempfling hat in vielen Köpfen viele Denkprozesse angestoßen und tut dies immer noch. Das ist gut. In diesem Sinne möchte ich gerne dazu beitragen, daß die Ideen von Pia Rennollet "unters Volk" getragen werden, daß sie diskutiert werden, daß sie auf fruchtbaren Boden fallen. Selbstverständlich ist auch die andere Richtung wichtig: Pia Rennollet hat es verdient, daß ihre Ideen überprüft werden, daß sie angezweifelt, angegriffen, bekämpft werden, sie muß sich mit alternativen Ideen auseinandersetzen, damit sie selbst vorankommt. In diesem Sinne bitte ich Sie, aktiv zu werden und Ihr Interesse an den Ideen von Frau Rennollet kundzutun. |
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Nun aber zum ersten Beitrag. Ich wähle zunächst einen kurzen Text, der mir gut zum Thema der letzten Woche zu passen scheint.
Damit sind wir bei einem der wichtigsten Reizwörter der letzten 20 Jahre: Dominanz. Es geht auch bei den Pferdeflüsterern um die Dominanz, es geht genauer gesagt um nichts anderes als um die Dominanz; nur die Mittel und Wege dahin sind etwas sanfter als bisher gewohnt, jedenfalls in der offiziellen Variante. |
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Die Prüfungsordnung der Westernreiter beschreibt Pferde laut Programmheft des Pfingstturniers als willenlose Automaten; alles andere gibt einen Punktabzug (› Die Western-Disziplinen):
So möchte auch Pat Parelli die Pferde haben: solange der Reiter kein Signal gibt, hat das Pferd sich in derselben Richtung mit derselben Gangart weiterzubewegen. Ein willenloser Automat, dem Menschen vollkommen hörig, unterworfen, abhängig, ohne eigenen Willen. Hören wir dazu Pia Rennollet:
Damit kommen zwei neue Gedanken in die Diskussion: Einmal der der persönlichen Entwicklung, und dann der der Freundschaft. Vielen Pferdetrainern ist aufgefallen, daß sie eigentlich mit den Menschen arbeiten (oder arbeiten müßten), daß die Pferde eigentlich so, wie sie sind, schon okay sind. |
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Daß wir Menschen uns entwickeln und entwickeln müssen, daß ein Mensch, dessen Entwicklung gestoppt ist, am Ende ist, wissen die meisten. Wer aber betrachtet Pferde als Partner bei der Persönlichkeitsentwicklung? Wer arbeitet selbst aktiv an seiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung? Ich habe zwei Bücher zu diesem Thema besprochen, auf die ich sehr gespannt war. Das Ergebnis war für mich eher enttäuschend. Persönlichkeitsentwicklung hat für mich nichts mit Effizienz zu tun, es geht nicht darum, gesellschaftlichen Erfolg zu haben, es geht darum, ein besserer Mensch zu werden. Lesen Sie, was Pia Rennollet zum Thema zu sagen hat:
Hier bemerkt man, denke ich, die soziale Kompetenz der Frau. Ich möchte das natürlich nicht als Sexismus im negativen Sinne verstanden wissen, ganz im Gegenteil: Wenn die Geschlechter unterschiedlich sind (und das steht fest), dann sollten, ja dann müssen sie sich ergänzen. Wir Männer müssen also von den Frauen dort lernen, wo sie uns überlegen sind, und umgekehrt. |
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Beziehungen, Dominanz, Gewalt – für mich bewegt sich diese Reihe vom weiblichen zum männlichen Pol. Zum Schluß frische Gedanken von Pia Rennollet zum Thema Gewalt:
Ich hoffe, Sie fühlen sich durch die Denkanstöße angeregt! Schreiben Sie an die Redaktion, wenn Sie Lust auf mehr haben! |
Abbildungen |
http://equivox.de/LeserresonanzLeserresonanz |
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zu Ausgabe Hallo Redaktion. Ich wäre sehr interessiert, wenn dieses Thema weiter vertieft würde. Menschen wie Monty Roberts haben es besser gemacht als die Generation zuvor. Und die nachwachsende Generation von Pferdeleuten sollte es wiederum besser machen als Roberts. Da darf es natürlich an konstruktiver Kritik nicht fehlen. Nennen Sie das Kind ruhig beim Namen. Im Grunde ist es ja ganz einfach. Die pferdegerechteste Haltungsform ist die Nichthaltung. Also das Pferd unter seines Gleichen in natürlicher Umgebung. Davon bin ich /sind wir als Reiter und/oder Pferdehalter Lichtjahre entfernt. Es gibt also keinen Grund, sich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen. Ich habe erst seit einem Jahr ein eigenes Pferd und er ist wahrlich kein Anfängerpferd. Eines hat er mich schon gelehrt: Das Dominanz bzw. Chef sein auch heißt loslassen zu können und Freiräume zu gewähren. Auch wenn man dann mit manchen Dingen wieder von vorn anfangen, oder es anders versuchen muss. Gut, mein Pferd steht eben meist nicht mit gleichgültigem Blick am Putzplatz wie die anderen Turniercracks und wenn der ewig schlecht gelaunte Reitlehrer in der Halle Unterricht gibt, brauche ich gar nicht erst zu versuchen, irgendwelche Leistungen von ihm abzuverlangen. Steht aber meine positiv denkende Reitlehrerin da, bietet dieses Pferd Dinge an, die uns manchmal nur staunen lassen. Mein Ziel ist es, seine Sensibilität so auf mich zu lenken, dass ihm schlechte Stimmungen in seiner Umgebung nur noch wenig anhaben können. Aber auf keinen Fall soll er abstumpfen oder resignieren. Das ist ein langer Weg und immer auch eine Gradwanderung. Deshalb also auf jeden Fall gern mehr zu diesem Thema. Danke! Beste Grüße Katja Tödter |
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zu Ausgabe Sehr geehrter Herr Stürenberg, mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht, sowie die Texte von Pia Rennollet gelesen. Sie bitten um Leserresonanzen und es juckt mich förmlich in den Fingern nun auch etwas dazu zum Besten zu geben. Am interessantesten fand ich hier das Thema "Einfühlungsvermögen" als erster Weg zur Kommunikation und zum Dialog mit dem Pferd. Hierzu müsste man vielleicht einfach mal die heutige Gesellschaft ein wenig unter die Lupe nehmen. Wir Menschen sind doch kaum in der Lage untereinander vernünftig in einen Dialog zu treten, wie also wollen wir das mit einem Pferd schaffen? In der heutigen Zeit ist leider Gottes für die meisten oberste Priorität die eigenen Ziele zu erreichen und das zur Not auch ohne Rücksicht auf Andere. Wir stumpfen ab und sind kaum mehr in der Lage die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu erkennen, geschweige denn zu respektieren. Und genau hier ist doch die Marktlücke entstanden die sich unsere sogenannten "Pferdeflüsterer" zu Nutze machen. Den positiven Effekt den ich hier sehe ist der des "Wachrüttelns". All diese Sachen sollten uns doch aufwecken und zeigen "hallo Leute, es geht auch anders". Ob dieses "anders" der richtige Weg ist sei einmal dahingestellt. Dieselben Probleme sehe ich beim Thema "Vertrauen". Wenn ich persönlich mich mal in meinem Bekannten- bzw. Freundeskreis umschaue und mich frage, wem ich 100%ig vertraue, kommen leider nicht sehr viele Leute zusammen. Warum ist das so? Nun, leider durfte ich im Laufe meines Lebens feststellen, daß zuviel Vertrauen (oder auch Gutgläubigkeit) nur allzu oft ausgenutzt wird. Womit wir wieder beim Thema, jeder sorgt in erster Linie dafür das es ihm selbst am Besten geht, wären. Wie also, und das wäre eine große Frage die ich gerne einmal beantwortet hätte, sollen wir Menschen mit anderen Lebewesen eine Vertrauensbasis aufbauen, wenn wir nicht einmal in der Lage sind uns untereinander Art zu vertrauen? Eines ist sicher, Vertrauen muß wachsen. Mit meinem Pferd ging es mir ähnlich. Anfangs hatte ich Respekt vor ihm, vor seiner bzw. ihrer Größe (Stm. 1,75m) und ihrer Kraft. Entsprechend vorsichtig, wenn nicht gar ängstlich bin ich mit der Stute auch umgegangen. Als ich dann merkte, sie tut mir nichts, sondern ich verunsichere sie eher mit meiner Angst, bin ich nach und nach sicherer geworden. Sowie mein Stütchen gemerkt hat, das ich ihr vertraue und ihr auch vieles zutraue, ist auch sie sicherer geworden. Dieses Vertrauen wächst nach wie vor weiter und es ist ein tolles Erfolgsgefühl zu wissen, daß man jemanden hat auf den man sich verlassen kann. Der Weg dorthin war nicht immer einfach, aber es ging ohne Gewalt, mit Ruhe, Respekt voreinander und dem immer wieder "über den eigenen Schatten springen". Somit habe ich wohl einen Freund gefunden, der mich nicht ausnutzen wird, der geben und nehmen kann, der mir meine Freundschaft und Zuneigung genauso dankt und das ist genau das, dieses Gefühl, was ich jedem Pferdehalter wünsche!! Liebe Grüße Monika Jenschek P.S. Ich würde mir wünschen, das sie weitere Texte von Pia Rennollet veröffentlichen. Sie helfen mir sehr mein Pferd noch ein bisschen besser zu verstehen. Die Sichtweise dieser Frau baut auf interessanten Fakten auf und es wird mir eine Freude sein andere auf diese Texte hinzuweisen!! |
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zu Ausgabe Lieber Herr Stürenburg, zum ersten: Sie machen Sich sehr viel Arbeit mit Ihrer Zeitung, Ihre Artikel sind immer sehr gut, ja liebevoll geschrieben, Sie bemühen sich sehr Sachverhalte dazustellen. Nicht immer gelingt alles objektiv, aber man kann sich ja nicht von sich selbst trennen. Außerdem gefällt mir Ihr manchmal schon fast feministischer Gedankenansatz. So nun zum eigentlichen, das Buch von Pia Renollet habe [ich] schon länger gelesen und es hat mich sehr bewegt. Es ist wirklich empfehlenswert. Ich habe sie auch schon selber erlebt auf einer Pferdemesse. Sie ist unspektakulär, leise, ruhig, ohne Dramatik und große Geste. Sie beobachtet das Pferd und es wirkt manchmal, als ob sie nichts machen würde. Und genau da ist das Problem in unserer Zeit. Einfach nur was kleines, leises machen ist nix. Einfach nur ein Pferd zu haben und keine besonderen Dinge mit ihm tun, Springen, sliding stops, spanischer Schritt, Zirkuslektionen und vieles mehr ist uninteresant . Und deshalb wird es P.R. schwer haben, obwohl es sich sicher lohnen würde, von ihr zu lernen, deshalb finde ich es sehr gut, daß Sie von ihr und ihrer Arbeit berichten. Weiterhin viel Erfolg mfg Barbara Schwager |
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zu Ausgabe Hallo, Herr Stürenburg, die Berichte von Pia Rennollet haben mich begeistert und fasziniert. Es würde mich sehr freuen, mehr von ihr zu lesen. Interessant ist, daß sie meint, Freundschaften zwischen Pferd und Mensch seien sehr wohl möglich. Das wird auch von sogenannten Pferdeflüsterern häufig bestritten. Da fällt das verhaßte Unwort Dominanz schon so oft, daß es mir zum Hals raushängt. Auch schreckt mich der Medienrummel, der um viele dieser – auch vermeintlichen – Gurus entsteht, total ab. Ich schätze beispielsweise einige Dinge – nicht alles! – an Monty Roberts, aber dieser unerträgliche Presserummel schlägt mich umgehend in die Flucht. Viele Frauen, die hervorragend mit auch sehr schwierigen Pferden arbeiten, tun dies häufig außerhalb des Scheinwerferlichts. Sie sehen das Pferd als Partner und Freund. Das liegt mir auch mehr. Bisher bin ich damit nicht schlecht gefahren, auch ohne Spezialhalfter und ähnlichem Kram. Liebe Grüße -- Licorno Und auch wenn der Mensch später vorgab, ein Freund der Pferde zu sein, blieb der Bund stets zerbrechlich, denn die Furcht, die er in ihren Herzen geweckt hatte, saß zu tief... Nicholas Evans (Der Pferdeflüsterer) |
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zu Ausgabe Sehr geehrter Herr Stürenberg, leider fehlt mir diese Woche noch die Email mit Ihrer Pferdezeitung. Dass es eine neue Ausgabe gibt, habe ich schon im Internet gesehen. Letzte Woche habe ich die Zeitung noch ganz normal erhalten. Ich würde mich freuen, wenn Sie das Problem klären könnten und mir das Ergebnis kurz mitteilen würden. Mit freundlichen Grüßen Petra Jochheim
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zu Ausgabe Liebe Redaktion, ich lese mit Freude über die Entwicklung sich kritischer zu zeigen besonders gegen die als "pferdefreundlich" geltenden Ausbilder wie Parelli oder andere. Mein Mann und ich waren 1997 für ein Jahr unterwegs und besuchten unter anderem viele Ausbilder in den USA und Australien. Wir waren unvoreingenommen, da in Deutschland noch nicht so eine große Verbreitung herrschte zu diesen Methoden und Leuten. Das Seminar was wir von der sogenannten "Top Nr. 1 nach Parelli" (war ein Original-Ausspruch dieser Trainerin bei der Begrüßung!) besuchten, war eine echte Tortur für die Pferde und so manche Reiter. Es wurde geprügelt mit dem harmlos klingenden "Carotstick" und psychisch sehr viel Druck ausgeübt, uns fiel sofort das leblose Wesen des Pferdes der Ausbilderin auf, daß sie allerdings lobte. Das Pferd reagierte wie eine Maschine ohne einen Mucks zu machen. Wir schilderten dann unsere Eindrücke per Brief an Pat Parelli, da es unser erster (und letzter) Parelli-Kurs war und wir gerne dazu seine Meinung gehört hätten, als Antwort bekamen wir Werbebroschüren!!! Das Gleiche erlebten wir bei Monty Roberts, eine unglaubliche Medienmaschinerie, die darüber berichtete wie er einen Mustang über Tage von der Herde abgesondert weggetrieben hat, mit Hubschraubern (!) begleitet, nur um ihn dann nach 3 Tagen zu reiten. Welches Pferd würde da nicht seelisch gebrochen alles mit sich machen lassen?! Außerdem züchtet er Rennpferde und schickt bereits Einjährige auf die Bahn, wenn er also die Welt für Pferde besser machen möchte, würde ich an seiner Stelle auf soetwas verzichten! Wir wandten uns entsetzt von diesen beiden sogenannten Pferdeflüsterern ab und erlebten dann doch noch das was wir auch darunter verstanden, nämlich Tom Dorrance, der mit unglaublicher Geduld und Liebe zu den Pferden ein 4-tägiges Seminar abhielt und immer wieder betonte, seine Methode ist, es gibt gibt keine Methode und man muß fühlen, fühlen, fühlen..., Geduld haben und individuell auf das jeweilige Pferd eingehen und versuchen in deren Welt zu gelangen. Und dann trafen wir noch einen unbekannten Mexikaner, der der uns tief beeindruckte, da er wirklich noch in der Vaquerotradition lebte und es ablehnte gegen eine Zeitvorgabe Pferde auszubilden, weil auch er meinte, das Tempo bestimmt das Pferd und ebenso die Richtung, da jedes Pferd unterschiedlich ist. Seine Pferde liefen alle frei auf der Ranch herum und er zeigte uns hohe Schule auf einem nackten Pferd, das dort gerade zufällig vorbeikam. Zurück in Deutschland waren wir sehr erstaunt über die Präsenz, die mittlerweile Parelli und Roberts hier erreicht hatten. Auf den Messen sahen wir dann mal zufällig den Auftritt von Parelli, Giesecke und Schülern , es war unerträglich die Angstaugen von Lena´s Paul und seine Mimik zu sehen und gleichzeitig die jubelnde Masse zu erleben, auf die Frage von Parelli: Wollt Ihr das auch? Ich glaube mittlerweile, die Leisen werden nicht ungehört bleiben, aber sie werden im Gegensatz zu den Lauten immer nur eine Minderheit erreichen, denn die Masse will schnelle, bequeme Ergebnisse und ob ein Pferd dabei seelisch leidet bekommen sie in ihrer Geschwindigkeit, Erfolg haben zu wollen gar nicht mit. Darum geht es ja nicht mal um Schleifchen und Pokale, sondern einfach nur um die Ungeduld und oft das fehlende Interesse sich weiterzubilden zum Wohle des Pferdes. Ich habe im Laufe der Zeit häufiger erlebt wie sich wirklich gute, pferdeengagierte Ausbilder negativ entwickelt haben, weil sie immer größer wurden und dann der Erfolgsdruck und auch die Macht etwas zu lehren, somit über den Ratsuchenden zu stehen, zum verhärteten, gefühllosen und somit oft pferdeverachtenden Ausbilder wurden. Und das ist das faszinierende an Pferden, sie sind ein Spiegel und niemand, der sich ernsthaft damit auseinandersetzt kann sich dem entziehen... Als letztes möchte ich 3 Bücher für die empfehlen, die sie vielleicht noch nicht kennen und die sehr, sehr tief eintauchen in die mentale Ebene in der Auseinandersetzung mit dem Wesen der Pferde und dies mit höchstem Respekt vermitteln: Dominique Barbier: Perfekt Dressurreiten, Müller Rüschlikon, 3-275-01366-1 , 36 Euro Mark Rashid: Denn Pferde lügen nicht, Kosmaos Verlag, 3-440-09357-3 Tom Dorrance: True Unity, 1-884995-09-8 in Englisch, aber gut zu lesen Viele Grüße Sabine Bengtsson |
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zu Ausgabe Hallo Herr Stürenburg, sehr wohl habe ich Lust auf mehr: In allen zitierten Passagen spricht mir Pia Rennollet so richtig aus der Seele. Ich habe mittlerweile oft den Eindruck, daß in der Pferdeflüsterer-Szene die Themen Show, Selbstvermarktung und Kommerz das wichtigste geworden sind und das Pferd dann auf der Strecke bleibt. Die mich beeindruckenden Ausnahmen, die ich bisher kennengelernt habe, machen keinen Wind um ihren Umgang mit dem Pferd, sie haben keine "allein selig machende Heilslehre" daraus gebastelt und man fühlt einfach, wie sich Pferde und Menschen miteinander wohl fühlen. Das Hauptproblem deuten Sie meiner Meinung nach in einem Ihrer Kommentare an: In der Regel brauchen die Menschen das Training, nicht die Pferde. Ich finde, viele Leute haben sich Pferde angeschafft, weil sie einsam sind, weil sie sich selber klein fühlen und mit Pferd größer darstellen wollen oder weil es gerade irgendwie "hip" ist, ein Pferd zu haben. Diese Menschen haben dann Pferde, die eigentlich nicht zu ihnen passen und mit denen sie dann nicht zurecht kommen. Über teure Kurse wird dann nach dem Patentrezept gesucht, mit dem man dem Pferd weis machen kann, daß man der Herdenführer ist. Die Pferde durchschauen nach meiner Erfahrung über kurz oder lang jede mechanisch trainierte, aber mental nicht vorhandene "Dominanz". Als Anregung: Manchmal kann man auch was von unseren Kindern lernen, zumindestens von einigen, wenn man ihnen beim Umgang mit Ihrem Pony zuschaut... Bitte machen Sie weiter auf dieser Schiene und vielen Dank für den Artikel! Stefan Hölzl |
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zu Ausgabe Kommentar zu Seite http://www.pferdezeitung.com/Berichte/226/Gesamttext/ 2003-08-05 08:44:29 Sehr ansprechende Artikel Bitte mehr von Pia Rennollet. Ihre Artikel in dieser Ausgabe fand ich sehr interessant und hoffe, dass viele Leser (vor allem "normale" Ausbilder, die immer noch gerne alle Fehler auf´s Pferd schieben) sich dazu Gedanken machen. Könntet Ihr mal etwas bezüglich Hengsthaltung und den Umgang mit Hengsten schreiben. Es gibt immer noch soviel Unverständnis und Intoleranz gegenüber Hengste/Hengstbesitzer. |
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zu Ausgabe Mir haben die Denkanstösse von Pia Rennollet sehr gefallen. Ich habe auch ihr Buch gelesen, das auf eine fast schon herausfordernde Weise schmucklos gestaltet ist: Dieser Frau geht es um die Pferde und um nichts sonst! Der Ton des Buches erscheint mir leider manchmal etwas bevormundend, die kurzen Textstücke in der Pferdezeitung haben einen anderen Ton gefunden. Schön! Mir scheint Rennollet ein Bindeglied zwischen Hempfling und Imke Spilker: Spilker ist noch radikaler, was wahrscheinlich nicht jederManns Sache ist. Beide geben inspirierende Anstösse zu einer Erfahrungsweise, die bei (fast) allen anderen \"Berühmtheiten\" eigenartig ausgeblendet bleibt. Ich will das kurz erläutern und beginne dabei doch erst einmal bei der Dominanz: Norbert Kaiser hat in der Pferdezeitung seine Beziehung zu Eddy dargestellt. Er hat eine Beziehung zu seinem Pferd, die auch die \"freundliche Dominanz\" nicht ausschliesst, was es ihm ermöglicht, völlig frei mit seinem Pferd spazieren zu gehen. Etwas, was mich bei Spilker doch irgendwie \"stört\", ist, dass sie draussen die Pferde \"am Band\" haben muss ... Indem sie den Pferden immer die ganze \"Entscheidungsfreiheit\" geben will, gerät sie in diese doch paradoxe Situation. Das ist nicht weiter schlimm, aber vielleicht bezeichnend! Man kann eben nichts Wesentliches ausschliessen, ohne dass es durch die Hintertüre wieder erscheint! Da empfinde ich Hempflings strukturale Trias von \"Dominanz, Vertrauen, Freundschaft\", die ja die wesentlichen Herdenrollen abdeckt, aufs Ganze gesehen schon als tragfähiger! Man muss allerdings gewährleisten, dass jede Aktion immer alle drei fördert, so die grundsätzliche Einsicht von Hempfling in seinem Video \"Die erste Begegnung\". Nur so gehören sie zusammen und bilden eine förderliche Struktur. Jedes muss ins andere hineinspielen, muss durchlässig sein! Die Dominanz darf also nicht dominant, sondern muss freundlich sein! Und die Freundlichkeit muss dominant sein, was aber gerade heisst, sie muss vorherrschend sein! etc. Nur dann sind die \"Rollenwechsel\" möglich und auch glaubhaft! Ich kann also auch ganz auf der Dominanzseite arbeiten, und solange ich das nur freundlich tue und ohne dem Pferd dabei zu schaden, kann sich dabei eine gute, vertrauensvolle Beziehung entwickeln. Das dürfte im Grunde die Position einer guten, herkömmlichen Ausbildungskultur sein. Nach diesem kleinen \"Dominanzplädoyer\" nun die Gegenseite: Interessanterweise nimmt Hempfling (und z.B. auch Heinz Welz) nicht die Chance wahr zu zeigen, wie die Freundschaft wirklich zu entwickeln und kultivieren wäre. Hempflings Positionskreis ist wegweisend (MitPferdenTanzen, 66f.). Aber auch er versäumt die Chance, die Zone 2 positiv zu definieren (was er mit den Zonen 1 und 3 ja macht)! Und dabei kann man da so schön zusammen gehen und das Pferd begleiten oder begleitet werden! (Ich kann z.B. an meinen Pferd sehen, dass es zu mir aufschliesst, wenn es mit dem Weg einverstanden ist, und so gehen wir dann wirklich zusammen!) Auch das Pferd kommuniziert ja über diese Positionen mit mir! Wie Hempfling so auch Welz: In seinem Buch geht er erstaunlich schnell von der \"Konfrontation\" über \"Partnerschaft\" und \"Partnerposition\" zur \"Folgsamkeit\" (PferdeflüsternKannJederLernen, 70-72) Die \"Partnerposition\" wird dann im ganzen Buch nirgendwo weiterentwickelt, die \"Folgsamkeit\" hingegen so weit getrieben, dass es mir zumindest \"freudlos\" erscheint (siehe die sehr aufschlussreiche Bildsequenz auf S. 172-175 in seinem Buch). Pia Rennollet bekennt gegenüber Hempfling ihre Dankbarkeit. Und sie korrigiert Hempfling ganz entschieden, indem sie den Picadero erst einmal öffnet! (DerTraumVomPferd, 149ff.) (Hempfling zieht da in seinem letzten Buch etwas nach.) \"Der freie Raum\" bietet dabei Begegnungs- und Erfahrungsmöglichkeiten, die den Könner eben nicht schon voraussetzen! Und das wirkt befreiend, da darf der Laie aufatmen! (Hempfling wirkt ja inzwischen in der Höhenluft seiner einsamen Könnerschaft- trotz seiner Schule (Sekte?) - eigenartig allein ... ) So bleiben uns wohl noch manche Bodenschätze zu fördern ... Spannend! Norbert Balk Verónica - Punta Indio Argentinien |
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zu Ausgabe Hallo Herr Stürenberg, den Aussagen von Frau Rennolet kann ich in allen Punkten nur zustimmen, OBWOHL ich eindeutig männlichen Geschlechts bin. NICHT zustimmen kann ich Ihnen zum Thema "Pferdeflüsterer", jedenfalls nicht voll umfänglich. Was Parelli betrifft, stimmt das sicher. Aber haben Sie jemals etwas in Original von den Dorrance-Brüdern gelesen? Die hatten Dominanz nicht nötig. Als kleine Nachhilfe anbei der Nachruf auf den älteren der beiden, Bill Dorrance, wie er 1999 in der New York Times erschien (von mir übersetzt) (See attached file: BillDorrance.doc) Sicher sind es weitaus häufiger Männer, die Pferden Gewalt antun... Aber es gab und gibt auch andere, die keine Tür zuschlagen und genau wissen , was Freundschaft mit Pferden heißt. Frau Rennolet hat ohne Zweifel auch männliche Gesellschaft... Noch etwas, wenn auch ein wenig amerikanisch-schwülstig (hab's nur übersetzt, und leider vergessen, woher ich den Originaltext habe...) (See attached file: I am your equa Übersetzungl.doc) Dieser kleine Text ist mein "Lieblings-Gegengift" zur absolut dämlichen Aussage von Parelli "Das Pferd ist der geborene Feigling..." Gruß Hanno Pilartz
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