Ausgabe 226 Das Spanische Pferd Pura Raza Española | von Leyen, Katharina von der/Kilper, Thomas320 Seiten, 24, 3 x 30, 2 cm, fest gebunden mit Schutzumschlag in Schmuckschuber, 382 Farbfotos, 489 BrandzeichenMünchen, Juli 2003
BLV Verlag, München
ISBN 9783405163983
EUR (D) 29, 90
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vom 27.07.2003 |
Rezension Der Verlag sagt über das Buch:
Pferd der Könige – König der Pferde
Nüchtern klingt die Abkürzung P.R.E. – doch Freunde und Kenner bekommen leuchtende Augen. P.R.E. steht für "Pura Raza Española" (Reine Spanische Rasse) und damit für die edelsten Pferde der Welt. Ihnen in Wort und Bild gerecht zu werden, ist ein Kunststück, und genau das ist Katharina von der Leyen in ihrem Buch Das Spanische Pferd (BLV Verlag) gelungen. Prachtvoll mit fast 400 eigens aufgenommenen Fotografien von Thomas Kilper ausgestattet, ist das Buch eine Hommage an diese Pferde und ihre Heimat.
Reisen, jahrelange Recherchen, Freundschaften zu Züchtern und ihren Pferden und der tägliche Umgang mit ihrem eigenen Lusitanohengst haben die Autorin zur Expertin werden lasf alles Wissenswerte über iberische Pferde, speziell die Pura Raza Española, zusammengefasst hat.
Kein anderes Pferd spielt eine auch nur ansatzweise vergleichbare Rolle in der spanischen Geschichte und in der Entwicklung zahlreicher Kulturpferderassen. Das Geheimnis dieser Rasse ist die Tradition: Über Jahrhunderte hinweg war es das begehrteste aller Reitpferde für Könige und Feldherren, für Stierkämpfer und Rinderhirten. Die konsequent an der Leistung orientierte Zucht erzeugte vielseitige Tiere, die sich durch außerordentliche Schönheit, feuriges Temperament, Arbeitswillen und vor allem ihren einwandfreien Charakter auszeichnen. Die Autorin stellt sie vor bei spanischen Festen wie der Feria del Caballo, bei Zuchtschauen und Wallfahrten, bei der Arbeit der Rinderhirten und beim Stierkampf sowie an der Königlich-Andalusischen Reitschule; sie zeigt sie als Weggefährten von Christoph Columbus, an europäischen Fürstenhöfen, auf renommierten Gestüten und deutschen Weiden.
Katharina von der Leyen spannt den Bogen von strengsten Zuchtauflagen über die traditionellen Reitweisen, Kauf und Haltung, einen Ausflug in die Geschichte bis zum Einfluss des P.R.E. auf andere Pferderassen. Dazu ein Wörterbuch des Stierkampfes, eine Zeittafel zur Geschichte und die Adressen und Porträts bedeutender spanischer Züchter. Und wer wissen will, warum "seinem Spanier" das deutsche Trinkwasser nicht schmeckt, erfährt auch dies.
Das Spanische Pferdist ein wundervolles Buch über prächtige Pferde und auch über ein reizvolles Stück spanischer Lebensart.
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Klappentext
Katharina von der Leyen ist Autorin verschiedene Bücher und schreibt unter anderem für "Die Zeit", "Merian" und "Architectural Digest". Sie legt den England, Australien und Amerika und wohnt seit acht Jahren in Hamburg. Katharina von der Leyen reitet seit ihrem dritten Lebensjahr und besitzt einen Lusitanohengst, den sie bis zum Grand-Prix-Niveau ausgebildet hat.
Thomas Kilper ist seit 20 Jahren als freier Fotograf tätig und arbeitet vor allem als Werbe-, Mode- und Porträtfotograf. doch seine große Leidenschaft werden Pferden. Thomas Kilper reitet schon seit seiner Jugend, besitzt auch selbst Pferde – und immer wieder inspiriert ihn die Anmut dieser Tiere. Da lag es nahe, daß er sie zu einem wesentlichen Motiv seiner fotografischen Arbeit machte. So entstanden speziell für diesen Bildband Fotos von außergewöhnliche Atmosphäre und Schönheit.
Das Spanische Pferd
Das Spanische Pferd, "Pferd der Könige – König der Pferde", war über die Jahrhunderte hinweg das begehrteste aller Reitpferde: Mit seiner außerordentlichen Schönheit und Ausstrahlung, seinem Adel und seiner besonderen Begabung für die Hohe Schule setzt es sich bis heute überall effektvoll in Szene.
Kein anderes Pferd spielt eine auch nur ansatzweise vergleichbare Rolle in der spanischen Geschichte und der Entwicklung zahlreicher Kulturpferderassen wie die " Pura Raza Española".
Mit großem Pferdeverstand geschrieben und brillant illustriert ist dieser Bildband die ausführlichste Dokumentation über Geschichte und Reitweisen, Zucht und Haltung des Spanischen Pferdes. Weil das Spanische Pferd so eng mit spanischem Kulturgut und Traditionen verbunden ist, ist es Spaniens bester Botschafter: In dieser stolzen Pferderasse spiegelt sich das Land in allen Facetten wider. |
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Rezension
In diesem Monat erschienen: ein wahrer Prachtband! Schon die äußere Aufmachung unterstreicht den Anspruch und die Werthaltigkeit. Der Schuber ist in einem satten Rot gehalten, eine Verkleinerung des Titelbildes ist in eine Vertiefung montiert, so daß der Schuber wie ein Rahmen wirkt. Dieses Buch soll die Zeiten überdauern, es ist nicht zum schnellen Gebrauch und Verbrauch bestimmt.
Dagegen spricht auch schon der Preis, der einzige Nachteil, der sofort ins Auge springt. Wer möchte ein solches Buch nicht besitzen? Angesichts des Preises und der schlechten Zeiten müssen sich viele vermutlich den Erwerb zähneknirschend verkneifen. Wer Bildbände über Pferde sucht, findet vielleicht preisgünstigere Angebote.
Dort wird man aber nicht mit Bildern und Texten über die Pferde verwöhnt, die hierzulande schlicht Adalusier heißen. Natürlich nicht bei den echten Fans, die selbstverständlich den Originalnamen aussprechen können, aber dennoch wegen der Länge gern die Abkürzung P.R.E. verwenden – ein Kürzel für Eingeweihte.
Dieses Buch ist eine typische Koproduktion: der eine steuert die Fotos bei, der andere den Text – ich frage mich, was aufwendiger ist. Fotos kann man schließlich nur dann schießen, wenn die Gelegenheit da ist. Wieviel Zeit mußte der Fotograf aufwenden, um alle die Fotos anzufertigen, die man jetzt bequem im Lehnstuhl genießen kann? So gesehen ist der Preis geradezu gering. Man selbst hätte keine Chance, zu solchen Fotos zu gelangen.
Das Buch ist außerordentlich sorgfältig gemacht. Man sieht, daß der Fotograf etwas von Pferden versteht. Auf Seite 125 findet sich zum Beispiel eine Nahaufnahme einer Serreta. Der Text dazu:
Dies ist eine äußerst diffizile Hilfszäumung, die außerhalb Spaniens häufig die Gemüter zu Kochen bringt und deshalb näherer Erklärung bedarf. Traditionell besteht die Serreta aus einem halbrunden Metallbügel, der an der Innenseite mit kleinen Zacken versehen ist und auf dem Nasenrücken aufliegt. Gewöhnlich wird sie mit zwei Zügeln geritten. Die eigentliche Idee ist, beim Annehmen der Serreta-Zügel und dem so entstehenden Druck auf den Nasenrücken dem Pferd deutlich zu machen, daß es seinen Kopf tief beziehungsweise in einer späteren Ausbildungsphase in der Senkrechten halten soll, ohne daß der Reiter ihm dabei im Maul herumzieht. Sowie das Pferd diese Haltung einnimmt, läßt der Druck auf die Nase nach.
Wird das Pferd von einem einfühlsamen Reiter mit weicher Hand geritten, ist gegen die Serreta fast so wenig einzuwenden wie gegen andere klug eingesetzte Hilfszügel in anderen Reitweisen. Tatsächlich wird auf diese Weise das Maul geschont und bleibt extrem sensibel. Wer allerdings die vielen vernarbten, blutigen und verschrammten Pferdenasen in Spanien sieht, wird erkennen, daß ganz offensichtlich nur sehr wenige Reiter in der Lage sind, die Serreta mit dem nötigen Feingefühl zu benutzen. Falsch eingesetzt kann sie – wie jede Hilfszäumung – tatsächlich zum Hölleninstrument werden. |
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Das Foto zeigt, daß zumindest diese Serreta recht stumpf ist. Selbstverständlich kann man damit großen Druck ausüben, schließlich ist es ein Metallbügel; man könnte sogar großen Druck ausüben, wenn gar keine Zacken vorhanden wären. Wenn man damit die Pferdenase blutig bekommt, muß man schon ziemlich brutal sein. Aber vielleicht gibt es ja noch schärfere Serretas – ich traue meinen Mitmenschen im allgemeinen und den Reitern im besonderen ziemlich viel zu.
Dieser kurze Abschnitt zeigt, daß weder die Autorin noch der Fotograf beschönigen wollen. Selbstverständlich möchte der Freund dieser Rasse und Käufer des Buches sich rundum an dem Buch delektieren. Das ist im allgemeinen nicht schwer, denn sowohl die Pferde als auch die Spanier sind außerordentlich fotogen – aber das ist noch zu schwach ausgedrückt: sie sind schön – zumindest, die auf den Fotos erscheinen.
Doch nicht nur die Serreta ist eine Einzelheit des spanischen Erbes, die den Rest der Welt irritiert; ein viel größeres Reizthema ist der Stierkampf. Dem widmen die Autoren ein ausführliches Kapitel, selbstverständlich mit Schwerpunkt Stierkampf zu Pferd (Rejoneo); das ist das erste Unterkapitel des Kapitels "Die verschiedenen Reitweisen". Die beiden anderen haben auch hierzulande Anhänger gefunden: "Doma Vaquera", die Hirtenreitweise, und "Alta Escuela", die Hohe Schule.
Alle drei Reitweisen hängen eng miteinander zusammen: Wurde die Hohe Schule – die Alta Escuela – ursprünglich für Kriegsreiterei entwickelt, benutzte man nur wenig später Elemente daraus für den adeligen Kampfspielsport, den berittenen Stierkampf, um den Stier zu reizen, um zu zeigen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten man besaß, und um in der Übung zu bleiben. Was die hohen Herren amüsierte, war für die Landarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit von größter Bedeutung: Stark versammelte Pferde waren schon immer leichter zu reiten, und nachdem beim Hüten von Rindern große Tempounterschiede, scharfe Wendungen und geschickte Ausweichmanöver notwendig sind, wandten die Hirten bekannte Übungen aus der Dressur – der Doma – an, ohne sich dabei um deren Kunstgehalt zu bescheren.
Die traditionellen, ja historischen Ausbildungsweisen und Dressuren sind über die Jahrhunderte hinweg in Spanien erhalten geblieben und haben nicht zuletzt die Genetik des Spanischen Pferdes entscheidend beeinflußt.
Die Reitweisen, für die das Spanische Pferd genutzt wurde und noch immer genutzt wird, sahen weniger Schnelligkeit vor als etwa die Fähigkeit, abrupt stehen bleiben und diagonal ausweichen zu können. Also selektierten die Züchter jahrhundertelang Pferde mit kurzem Rücken und starker Hinterhand, die sich leicht versammeln, durchparieren und wenden ließen, Pferde, die mit Leichtigkeit unter ihren Schwerpunkt treten und diese verschieben konnten. Das Spanische Pferd ist, was es ist, aufgrund der traditionellen Reitweisen. (S. 74) |
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Damit wird der berittene Stierkampf in einen Zusammenhang gestellt, den viele Menschen nicht gerne wahrhaben wollen. Die vielen Fotos belegen jedoch die Richtigkeit dieser Aussage. Nun war der Stierkampf in Spanien selbst über die Jahrhunderte hinweg durchaus umstritten und der berittene Stierkampf sogar verboten (S. 77 ff):
Die Kirche unter Papst Paul IV. versuchte 1558, den Stierkampf endlich abzuschaffen, was Philipp II. im Jahre 1567 entschlossen ablehnte, weil sich sowieso niemand an dieses Verbot halten würde: "Die Stierkämpfe stellen eine Gewohnheit dar, welche die Spanier im Blut zu tragen scheinen." Zum Beweis dessen trat er sogar in eigener, königlicher Person gegen den Stier in der Arena an.
Erst Anfang des 18. Jahrhunderts verbot der damalige König Philipp V. von Spanien (Philipp von Anjou) endgültig den berittenen Stierkampf. Das führte allerdings nur dazu, daß sich das einfache Volk nun der Sache zu Fuß annahm und die – heute üblichere – Corrida erfand, um so zu Ehren und Reichtum zu kommen. Der Stierkampf wurde zum für jedermann zugänglichen Volkspaß, der nun gegen Eintrittsgelder in eigens dafür erbauten Arenen stattfand. Viele der spanischen Rejoneadores wanderten nach Portugal aus, wo die Tradition des berittenen Stierkampfes ungebrochen weitergeführt wurde. Erst 1923 wurde der berittene Stierkampf, der Rejoneo, wieder in Spanien eingeführt.
Die Corrida zu Fuß und der Rejoneo unterscheiden sich dabei vor allem maßgeblich in dem dramatischen Gehalt der jeweiligen Darstellung: Die klassische Corrida stellt einen tragischen Dialog zwischen Mann und Stier dar, wobei der Matador, der schließlich äußerst gefährdet ist, den Stier von seiner Überlegenheit überzeugen muß. Der Rejoneador ist dabei keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt. Stattdessen befindet sich das Pferd in ständiger Gefahr, von den scharfen Hörnern des Stieres aufgeschlitzt zu werden, und ist ganz und gar von der Voraussicht und dem Reitvermögen des Rejoneadors abhängig.
In anderen Ländern ist der Stierkampf oft sehr umstritten – allerdings häufig gerade bei denen, die sich wenig mit den Hintergründen beschäftigt haben. Tatsächlich geht es beim spanischen Stierkampf nicht um die Erfüllung der Blutrünstigkeit des Publikums. Bei diesem uralten spanischen Ritual geht es um die Bewährungsprobe der allermännlichsten Tugenden: Mut, Kampfgeist und Geschicklichkeit – der Stierkampf als einzigartige Bestätigung des spanischen Männlichkeitskultes. Das Verhältnis der Spanier zum Stier als dunkle Naturgewalt und entsetzlicher Gegner ist unbedingt von großem Respekt geprägt. Die Kampfstiere leben vier, fünf Jahre lang in völlig unbehelligter, sonniger Freiheit auf unendlichen Feldern, werden regelmäßig beobachtet und zugefüttert, bis sie sich zu gewaltigen, 12 Zentner schweren und ungeheuer muskulösen Kreaturen entwickelt haben, die nach alter Auerochsenmanier aussehen wie der Schrecken der Menschheit und nicht den geringsten Sinn für Humor besitzen.
Dem Toro Bravo – der gewöhnlich kein bißchen brav ist – werden in Spanien tiefer Respekt und Bewunderung entgegengebracht. Er gilt als Symbol für weltliche Schöpfungskraft, für Natur, die dem Menschen als vermeintlichen Gegenpol nicht notwendigerweise freundlich gesonnen ist. Ein Stierkampf dauert zirka 20 Minuten, wobei der Stier vor lauter Wut und Streß so sehr unter Adrenalin steht, daß er den ihm zugefügten körperlichen Schmerz vermutlich kaum spürt. Entgegen dem allgemeinen – ausländischen – Verständnis sehen die Spanier es auch gar nicht gern, wenn der Stier leidet, was leicht an dem strengen Reglement erkennbar ist, daß das Leiden des Stieres möglichst gering halten soll. Dem Stierkämpfer ist die höhnische Verachtung des Publikums sicher, wenn das Töten stümperhaft oder qualvoll ausfällt. Und vom Grad der Begeisterung des Publikums hängen auch seine Karriere und sein Lohn ab. Tatsächlich muß man den Stierkampf weniger als blutrünstiges Schauspiel betrachten, sondern als eine Art Tanz von Mensch, Pferd und Stier. Es ist vor allem ein fast unbeschreibliches Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter, ein Kunstwerk zwischen Mensch und Tier, das wie beiläufig geschieht. |
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Ich habe diese Passage bewußt in voller Länge zitiert. Die Beschreibung des Stierkampfes im Buch ist damit natürlich nicht zu Ende, unglaubliche Fotos begleiten diese Erläuterung.
Bereits mehrfach habe ich mich dahingehend geäußert, daß die tierschützerische Entrüstung selbst zweifelhaft ist und vielfach über das Ziel hinausschießt. Ich denke, wir müssen erst einmal einiges über den Stierkampf lernen, und dieses Buch bietet einen guten Anlaß und eine erste Hilfestellung dazu.
Vor einiger Zeit ist in der Pferdezeitung ein Beitrag einer Tierschutzorganisation zum Thema Stierkampf veröffentlicht worden ( › Stierkampf). Dazu hat sich später ein in der Schweiz lebender Spanier entrüstet geäußert und sich auf Horst Stern berufen.
Horst Stern hat sich in Deutschland sehr für die Rechte der Pferde stark gemacht und ist deshalb ein unverdächtiger Experte. Der Spanier hat einen Text zitiert, den ich gerne als Teil des Leserbriefes gebracht hätte.
Ich hatte allerdings Bedenken wegen des Copyrights und deshalb zunächst Kontakt zur Zeitschrift Natur aufgenommen, die den betreffenden Artikel aber nicht gebracht hatte und mich an den Autor verwiesen hat. Horst Stern hat auf mein Fax nicht reagiert, da habe ich aufgegeben.
Inzwischen bin ich bezüglich des Copyrights etwas gelassener geworden und nehme diese Rezension zum Anlaß, endlich den Leserbrief vom 22. August 2001 zu publizieren:
Hola,
Sie übernehmen ohne weitere Nachforschungen einen Artikel (Mit freundlicher Genehmigung der Südeuropäischen Tierhilfe e.V.), der dermassen unqualifiziert und hasserfüllt einen Vorgang schildert, der so niemals abläuft.
Es gibt in Spanien genug Tierschutzverbände, die Ihnen den wahren Ablauf eines Stierkampfes ohne (!) emotionalen deutschen Tierschutzpathos schildern könnten. Aber scheinbar liegt es nicht in Ihrem Interesse, Wahrheiten zu verbreiten.
Ich kann Ihnen versichern, dieser Artikel schildert die Wahrheit nur zu (wenn es hoch kommt) 5 bis 10 Prozent. Folgenden Artikel von Horst Stern (Sie erinnern sich ? – 70er Jahre im deutschen Fernsehen: "Betrachtungen über ...") fand ich vor kurzem in einer Ausgabe von "Natur":
[>>][...]Es kam mit der Post ein Papier ins Haus, das mich fragte: "Kann man, als zivilisierter Mensch, zum spanischen Stierkampf eine andere als negative Einstellung haben?"
Die Frage war rein rethorisch, denn der übrige Inhalt des Papiers machte die Meinung der Absender, einer deutschen Tierschutzorganisation, überdeutlich: dass der als ein "grausames Touristenspektakel" gebrandmarkt und verboten gehöre.
Ich war aufgefordert, mich dieser Meinung per Unterschrift anzuschliessen. Ich unterschrieb nicht.
Nicht, weil ich ein aficionado de toros, ein kritikloser Freund des Stierkampfes wäre. Ich wüsste manches gegen ihn vorzubringen. Mir gingen nur Gedanken durch den Kopf, für deren Niederschrift die Papierabsender, sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnend, keinen Raum vorgesehen hatten ...
Sie kamen mir erstmals in den Kopf, als ich in Andalusien einmal Gelegenheit hatte, in Begleitung von berittenen Hirten, den vaqueros, auf den Weiden der stierzüchtenden Sherry – und Brandy – Dynastie Domecq zu den Stieren zu reiten.
"Man muss wissen was man haben will", sagte der alte Alvaro Domecq zu mir, als wir nach diesem Ritt beim Essen saßen (ich hatte ihm bei meiner Ankunft schon von dem Problem erzählt, das wir Mitteleuropäer mit dem spanischen Stierkampf, der corrida de toros, oft haben).
"Wer die Urkraft und die wilde Schönheit dieser Stiere erhalten wissen will", sagte er, "der muss auch ihren Tod in der Arena, der plaza de toros, akzeptieren. Gäbe es die corrida de toros nicht, gäbe es auch diese stolze Rinderrasse nicht. Sie verschwände von der Erde wie so viele urtümliche Tierarten vor ihr schon. Bestenfalls züchtete man aus ihr eine neue Fleischrasse heraus – für den Messertod im stinkenden Schlachthaus.["]
Danach führte mich Alvaro Domecq in eine kleine Privatarena, wo eine tienda vorbereitet war, eine Prüfung junger weiblicher Rinder, den vacas, auf Zuchttauglichkeit. Von ihren Reaktionen auf die Reizmanöver der ihnen zu Fuss und zu Pferd nahe kommenden vaqueros, ob sie diese mutig angriffen oder ihnen furchtsam auswichen, las der alte Domecq ihr Schicksal ab: Tod durch den Metzger oder Paarung mit einem Zuchtstier zur Erhaltung der Art.
Ich saß als Ehrengast an der Seite des Herrn über Leben und Tod, und mir war in der Sonne kalt. Don Alvaro schien es zu bemerken, denn er sagte: "Auch das Leben dieser jungen, zur Zucht ausgewählten Kühe, mit einem Kalb bei Fuss zum Herumtollen auf der Weide, zum Säugen und Ruhen Leib an Leib, gäbe es nicht ohne den Tod in der plaza de toros ihrer männlichen Kinder."
Nach diesem Besuch auf der finca des Kampfstierzüchters, des ganadero bravo, Don Alvaro Domecq, ging ich zu weiteren Dreharbeiten für einen Rinderfilm in ein Schlachthaus. Es war ein deutsches, und es gibt, im Süden Europas, schlimmere.
Junge Mastbullen liessen hier unter Bolzenschuss und Schlachtermesser ihr Leben – ein Leben auf einem glitschigen Spaltenboden über der stinkenden Kotgrube im halbdunklen Stall. Nicht einmal als – mutterlos aufgewachsene -Kälber setzen sie je einen Huf auf grünes Weideland.
Man muss wissen was man will: den öffentlichen, ritualisierten Tod des agilen Kampfstiers, des toro bravo, im Sand der plaza de toros, oder eine weitere dumpfe Fleischrasse mit einem widerlichen, grausamen Tod aller ihrer Individuen.
Im Übrigen: wer sind wir, die wir Kälber um einer "Herodesprämie" willen als wenige Tage alte Tierkinder schlachten lassen; wir, die wir um schnöder Subventionen aus Brüssel willen unsere Rinder entsetzlichen Transportqualen aussetzen; wir, die wir Hühner zu Tausenden käfigen – wer sind wir, dass wir eine Nation, in der der Stierkampf tiefe kulturelle, ja mythologische Wurzeln hat, Mores zu lehren versuchen im Umgang mit Tieren?
Es erfüllt der spanische Kampfstier, im Gegensatz zu unseren "Nutztieren", auch die erste Grundforderung des Tierschutzes: der toro bravo hat, bevor er stirbt, wenigstens artgerecht gelebt. Ein letzter Gedanke noch: man las nie, dass ein Metzger bei der Schlachtung eines Mastbullen durch dessen Gegenwehr zu Tode kam. << Im Moment stelle ich Sie durch die "Augen-zu-Übernahme" des Artikels von der "Südeuropäischen Tierhilfe" auf die gleiche Stufe des auf Effekthascherei zielenden Sensationsjournalismus. Es zeugt nicht gerade von gutem Journalismus (von Stil will ich gar nicht erst anfangen) solche Schilderungen ungeprüft zu übernehmen. Sind Sie sicher, dass ein Leser Ihrer Zeitung, der eine eigene Meinung hat, solch einen Artikel glaubt?
Mit freundlichen Grüssen
José Ponce Olmedo
PS: Ich bin kein aficionado de toros (Stierkampfanhänger), aber stolz auf meine spanische Kultur. Übrigens: S.M. Juan Carlos, Rey de España, hat die "tauromaquia" (Stierkampfkultur) vor ein paar Jahren zum spanischen Kulturerbe erklärt und damit in der spanischen Verfassung fest verankert. |
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Ich hoffe, daß nun die Diskussion nicht in Richtung Vegetarismus und Veganismus geht – die Unhaltbarkeit dieser Positionen habe ich in meinem Beitrag › Tierschutz oder Tierrecht? herausgearbeitet.
Da die anderen beiden spanischen Reitweisen inzwischen auch in Deutschland gepflegt werden, könnte man befürchten, daß auch der berittene Stierkampf hierzulande Anhänger finden könnte. Das ist allerdings nicht vorstellbar. Dieser Teil der spanischen Reitkunst wird uns vermutlich verschlossen bleiben.
Die Diskussion der spanischen Reitweisen macht aber nur einen kleinen Teile des gesamten Buches aus. Der von Horst Stern erwähnte Domecq hat übrigens sehr viel für die Spanischen Pferde getan, auch diese Geschichte wird im Buch erzählt. Die anderen Kapitel:
- Spaniens Stolz: Das Spanische Pferd
- Die Bedeutung des Pferdes im spanischen Leben
- Kauf und Haltung des Spanischen Pferdes
- Das Spanische Pferd in der Geschichte
- Der Einfluß des Spanischen Pferdes
- Bedeutende Gestüte Spaniens
- Anhang
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Dieses Buch muß ich den Freunden in der Pura Raza Española nicht empfehlen – sie werden es mit Begeisterung kaufen. Ich empfehle es all denen, die sich für spanische Pferde und Spanien im allgemeinen interessieren. Und dann empfehle ich es auch noch all denen, die sich für Pferde im allgemeinen interessieren. Man sollte dieses Buch besitzen, lesen und genießen. Es ist seinen Preis wert.
Übrigens: die Autorin ist offenbar der spanische Sprache nicht hinreichend mächtig. Bravo hat im Zusammenhang mit Toro nichts mit Bravo im Sinne von "großartig, phantastisch" und schon gar nichts mit brav zu tun. Am besten würde man das Wort in diesem Zusammenhang mit "wild" übersetzen. Damit trifft man den Nagel auf den Kopf: wilder Stier.
Man hätte es sich schon durch die Nähe zur bekannten Bezeichnung Costa Brava denken können, die eine wilde, steile, ungebärdige, gerade nicht "brave", liebliche Küste bezeichnet.
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