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![]() Espri im Alter von 22 Jahren |
Mit diesen Hengsten erlebt die alte A-Linie (Adeptus xx – Aldermann) eine Renaissance. Doch zeugen sie auch vom Fingerspitzengefühl und züchterischem Weitblick eines Landstallmeisters, der die Qualität seines Hengstnachwuchses schon im Fohlenalter beurteilen muss. Sowohl Espri, sein Vater Eiger I, Embassy, El Bundy als auch Etrusco wuchsen im Hengstaufzucht-Gestüt Hunnesrück auf. Doch was verbirgt sich hinter diesem Gestüt, am Fuße des Solling ? Mit ihrem schlossähnlichen Charakter nimmt die traumhaft schöne Anlage der Domäne Hunnesrück im hügeligen Harzvorland Besucher sofort für sich ein. In der Nähe von Einbeck gelegen, dient diese ehemalige Sommerresidenz der Hildesheimer Bischöfe und spätere preußische Militär- Remontedepot seit 1921 der Aufzucht Celler Junghengste. Im ehrwürdigen Haupttrakt lebt der Administrator mit seiner Familie, hier ist auch die Verwaltung untergebracht. Hunnesrück ist ein nach § 26 der Landeshaushaltsordnung ausgegliederter Landesbetrieb (wie zum Beispiel auch die Hengstparade). Das Landgestüt ist disziplinarischer Vorgesetzter. Nach dem Krieg war bis 1982 zusätzlich eine ca. 50 köpfige Trakehner-Stutenherde mit Nachzucht in Hunnesrück untergebracht. Durch dieses Aufzuchtgestüt gelingt es dem Landgestüt, zum Wohl der Züchterschaft unabhängig von der Entwicklung des privaten Hengstmarktes zu agieren. Zunehmend erscheinen finanzgewaltige auswärtige Käufer auf den Körungen und erschweren es dem Landgestüt, da finanziell Schritt zu halten. Interessante Hengste werden ins Ausland verkauft und gehen somit der Landespferdezucht verloren. Doch solange Hunnesrück besteht und Züchter eine Ehre darin sehen, ihrem Landgestüt einen Hengst aus eigenem Bestand zu stellen, besteht zu ernsten Sorgen um die Zucht von hannoverschen Pferden kein Anlass. Immer wieder hat sich Hunnesrück als wertvolles Reservoir für die hannoversche Zucht erwiesen. Neben Eiger I u. Espri wurden so bedeutende Hengste wie Arsenik, Akzent, Wenzel I u. II, World Cup I u. II oder in früheren Zeiten Duellant, Diplomat (3mal DLG Sieger), Futurist I, Ferdinand, Abhang I in Hunnesrück aufgezogen. |
Die Hengstaufzucht stellt in dem 500 ha Betrieb ein Standbein neben Ackerbau und Pensionspferdehaltung dar. Für die Pensionspferde gibt es großzügige, luftige Boxen, eine kleine Reithalle mit Außenreitplatz, einen Longierzirkel und Weideflächen. 420 ha werden mit Zuckerrüben, Raps und Getreide bewirtschaftet, dazu kommen 80 ha Grünland als Mäh – u. Pferdeweide auf guten kalkhaltigen Lehmböden. Hunnesrück im hügeligen Harzvorland muss klimatisch mit reichlich Niederschlag rechnen. Daraus ergibt sich, dass Heu nur in geringem Maß geworben wird. Lediglich die Fohlen, die im September eintreffen, erhalten in der Eingewöhnungsphase Heu. Ansonsten erfolgt die Raufutterfütterung über eine qualitativ gute Heulage. Um den 10. September beziehen ungefähr 45 Fohlen die drei oberen der sechs Laufställe. Zur Kennung erhalten sie ein Halsband mit Nummer und werden nach Farben sortiert aufgestallt. In der ersten Zeit tragen sie auch ständig ein Halfter, denn viele Fohlen sind daran noch gar nicht gewöhnt. 30% Füchse, 30 – 40% Braune und Dunkelbraune und der Rest Rappen und Schimmel lernen innerhalb kürzester Zeit, in dieser Zusammenstellung allein in ihre Ställe zu gehen. Es sieht für den Betrachter dann so aus, als würden sie sich nach Farben sortieren, dabei ist der zugeteilte Laufstall der entscheidende Punkt, an dem sich die Youngster orientieren. Täglich kommen sie immer wieder als ganze Herde zusammen, ob im Paddock oder auf der Weide, und knüpfen Freundschaften außerhalb ihres Laufstallverbandes. |
In der Zeit von Mitte September bis Mitte November lohnt sich ein Besuch im Hengstaufzuchtgestüt besonders. In dieser Zeit kann man in Hunnesrück 130 – 140 Junghengste in drei Altersgruppen begutachten. Im Winter erhalten die Gruppen tägliche Bewegungszeiten von 10 – 16 Uhr in gepflasterten Paddocks und bekommen ihre Heulage auf einem Futtergang zwischen den Ausläufen. Zum Toben wird eine Winterweide zur Verfügung gestellt. Dabei ist der stetige Wechsel von der weichen Stroheinstreu des Laufstalles zum harten Pflaster des Paddocks und den je nach Wetterlage unterschiedlichen Gegebenheiten des Naturbodens der Winterweide hervorragend für die optimale Entwicklung des Bewegungsapparates. In den Übergangszeiten (Frühjahr / Herbst) gibt es einen Wechsel zwischen Paddock, Weidezeit (anweiden) und abendlicher Unterbringung im Lauftstall. Je nach Bodenverhältnissen sind die Pferde von April / Mai bis November / Dezember ganz auf der Weide. Ab Mitte September beziehen die 2 1/2 jährigen die unteren Laufställe, gehen tagsüber noch auf Weide und werden abends im Laufstall intensiv zugefüttert, um sich beim Auswahltermin für die 11 monatige Leistungsprüfung im November optimal zu präsentieren. In dieser Zeit wird auch das Führen und Freilaufen in der Halle trainiert, wobei das Angebundensein den Pferden bekannt ist. Aus erzieherischen Gründen werden in der Stallzeit (seit 1921 !) alle Pferde bei den täglichen Kraftfuttergaben aufgehalftert und angebunden, also bis zu 90 Tiere! Auf den ersten Blick erstaunt das sehr und man mag gar nicht glauben, dass nur zwei Angestellte ganz für die Pferde zuständig sind. Sie werden, besonders an Wochenenden, von zwei Lehrlingen unterstützt, die aber auch in die anderen Arbeitsabläufe eingebunden sind. Jedoch erweisen sich 90% der Jungtiere als so clever, dass sie sich zu den Mahlzeiten bereits an ihren Platz am Futtertrog aufstellen und nur noch aufgehalftert werden müssen. Die Anbindevorrichtungen sind über den Trögen in die Wand eingelassen. So kann jedes Pferd, die ihm zustehende Futtermenge erhalten, denn nicht jeder hat die gleichen Futteransprüche. Durch diesen täglichen Umgang sind die Pferde sehr zutraulich und menschenbezogen, aber nicht verhätschelt. |
Ungefähr 25 Junghengste werden mitgenommen, die anderen können von Privatleuten als Reitpferd erworben werden, denn dieser Auswahltermin ist öffentlich! Man hat hier eine gute Chance gesunde, robust im Herdenverband aufgewachsene Pferde mit überdurchschnittlicher Veranlagung zu erwerben. Sogar das Risiko der Kastration wird vom Aufzuchtgestüt übernommen. (Ab Mitte Oktober steht der Termin im Internet unter www.landgestuetcelle.de oder ist telefonisch beim Gestütsleiter Herrn Bertelmann unter 05564/8216 zu erfragen.) Für die "Auserwählten" schließt sich nun eine 11 monatige Ausbildungszeit in der Hengstprüfungsanstalt in Adelheidsdorf an, wobei der erste Abschnitt geprägt ist durch die Vertrauensbildung zwischen Pferd und Mensch. So wird den jungen Hengsten Zeit gelassen, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Das Führen an der Hand, das Longieren, das Einfahren vor der Schleppe und das Fahren mit dem Traberkarren gehören zu den Übungen, bevor das junge Pferd zum ersten Mal mit dem Reitergewicht Bekanntschaft macht. In der Ausbildungszeit werden die Youngster unter unterschiedlichen Reitern auf Herz und Nieren geprüft. Fundierte Aussagen über Begabung, Leistungsbereitschaft und Charaktereigenschaften können so getroffen werden. Nach 11 Monaten stellen sich die Remonten dann der Leistungsprüfung. Nur Hengste, die die Prüfung bestanden haben, werden zu der anschließenden Körung zugelassen. Von entscheidender Bedeutung für den züchterischen Fortschritt in der Zucht hannoverscher Reitpferde ist die Tatsache, dass alle im Gestüt befindlichen Warmbluthengste erst im Alter von vier Jahren züchterisch eingesetzt werden. Wesentlich ist jedoch, dass die erblich bedingte Leistungsveranlagung klar erkannt wird und nicht durch unterschiedliche Umwelteinflüsse wie Reiter, Haltung, Fütterung und Pflege verschleiert wird und dadurch zu ungenauen Ergebnissen in der Zuchtwertschätzung führt. |
In der gesamten hunnesrücker Aufzuchtzeit werden die Pferde medizinisch nach festem Programm betreut. Ein Tierarzt überwacht die regelmäßigen Wurmkuren und Impfungen, die Fohlen müssen bei Anlieferung über eine lückenlose Grundimmunisierung verfügen, damit es nicht zu Umstellungsproblemen kommt, wenn so viele Jungtiere aus verschiedenen Beständen plötzlich aufeinandertreffen. Wie die Grundimmunisierung auszusehen hat, darüber werden die Züchter durch ein Informationsblatt des Landgestütes informiert. Arbeitsabläufe und Behandlungstermine werden optimal kombiniert, so werden zwei Tage nach einer Wurmkur die Laufställe total entmistet, um eine eventuelle Verwurmungskette zu unterbrechen. Verletzte Tiere, die Ruhe benötigen, werden aus der Herde herausgenommen und in Einzelboxen untergebracht. Dauert diese Rekonvaleszenz nicht zu lange, gliedern sie sich problemlos wieder in die Herde ein. Sonst muss gewartet werden, bis ein Zweiter wieder genesen ist und beide dann gemeinsam zur Herde zurück können. So ist man bemüht, den Stress in der Herde möglichst gering zu halten. Pro Jahr gibt es zwei feste Hufschneidetermine. Zusätzlich kontrollieren die Angestellten Hufe und Beinstellungen ständig und bei Bedarf werden Korrekturen zusätzlich vorgenommen. Züchter, die ihre Jungtiere in Hunnesrück besuchen, zeigen sich manchmal etwas unzufrieden über den "Pflegezustand" des Nachwuchses. Selbstverständlich sind "Hunnesrücker" nicht frisiert, haben naturbelassenes Langhaar und vor allem der so wichtige Fesselbehang wird ihnen gelassen. Sie putzen sich artgerecht über Staubbäder oder Fellpflege mit dem Herdenkumpel, wobei die wichtige Fettschutzschicht im Fell erhalten bleibt. Schließlich müssen sie auch schlechteren, raueren Witterungsbedingungen im Freien trotzen, denn das Harzvorland sorgt für reichlich Niederschlag, besonders in den Übergangszeiten. |
Noch dazu lehrt die Erfahrung, dass es nach dem Trainingsjahr in Adelheidsdorf keinen Entwicklungsunterschied mehr zwischen den Hunnesrückern und den bei der Verdener Körung zugekauften Hengsten gibt. Licht, Luft, Bewegung und Sozialkontakt sind neben Futter und Wasser die Grundvoraussetzungen für ein gesundes, lang andauerndes Pferdeleben. Seien wir einmal ehrlich, wie viele der kleinen privaten Züchter haben die Möglichkeit, ihren Hengstfohlen und Jungpferden eine solch artgerechte Aufzucht in ausreichend großen Herden Gleichaltriger bei täglichem Auslauf zu bieten? Wer einmal die hunnesrücker Herden über den Tag beobachtet, ist fasziniert von der Vielfalt "pferdiger" Verhaltensmuster, die sich dem Betrachter auftun. Diese Junghengste können das Leben in der Herde in vollen Zügen genießen. Sie erproben ihre Kräfte in spielerischen Rangkämpfen mit Steigen, Drängeln und dem angedeuteten Beißen in die Vorderbeine, um im nächsten Moment freundschaftlich verbunden nebeneinander zu stehen und sich langanhaltend in die Nüstern zu schnauben. Sie berauschen sich am gemeinsamen Galopp mit flatternden Mähnen, stählen dabei Sehnen und Bänder, lassen ihre Muskeln spielen und der Zuschauer ist begeistert von der Kraft und Eleganz, die von solch einer Pferdemenge ausgeht. In der 45 köpfigen Herde lernen die Hengste sich ein- und unterzuordnen. Ist die Rangordnung hergestellt, läuft der Alltag untereinander absolut harmonisch ab. Da genügt ein leichtes Ohren anlegen, ein leichtes Heben des Hinterhufes, um den Unterlegenen an seinen Platz zu verweisen. Ernsthafte Streitereien sind kaum zu beobachten. Man kennt und akzeptiert sich. Dieses Aufwachsen macht es dem Ausbilder später leichter, ein solches Pferd zu erziehen, denn es wurde nicht zum Beispiel als Einzelfohlen verwöhnt und hat den Respekt vor den Menschen verloren. Als Besucher ist man besonders berührt, wenn man einmal die Gelegenheit hat, hautnah den Wechsel vom Paddock zur Winterweide zu beobachten. Ungeduldig warten die jungen Hengste am Paddocktor, um dann mit überschäumender Freude und donnernden Hufen über den Treibeweg in die Weidefreiheit zu galoppieren. Da bebt der Boden unter den Füßen, das ist Faszination Pferd pur! Und unserem kleinen Rappfohlen vom Deeckehof in Lachendorf kann man nur wünschen, hier zwei unbeschwerte Jugendjahre verbringen zu dürfen. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, in die erfolgreichen Fußstapfen seines Großvaters Espri zu treten und als Landbeschäler in Celle einzuziehen. |
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