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Presseinfos News: Susanne Hennig

Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 232, erschienen am 07.09.2003

Magazin  Ausgabe 232

Das Contender / Espri Hengstfohlen
der Familie Deecke
Foto: Autorenhinweise Marianne Schwöbel
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Hengstaufzucht - Gestüt Hunnesrück
  2. Abschnitt  Hunnesrück
  3. Abschnitt  Wirtschaftslage
  4. Abschnitt  Besuch Mitte September
  5. Abschnitt  Kaufgelegenheit Mitte November
  6. Abschnitt  Selektion nach Leistung
  7. Abschnitt  Pferdiges Verhalten
  8. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 188:
Hauptartikel  Was Vater auch noch nicht wußte

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 189:
Hauptartikel  Reiten auf Reiterhöfen und im Verein

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 191:
Hauptartikel  Freiheit mit Fury, Frust im Reitstall

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 192:
Hauptartikel  Immenhof-Idylle in Westfalen

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 194:
Hauptartikel  Unversehens Pferdebesitzer

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 195:
Hauptartikel  Große Überraschung im Winter

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 197:
Hauptartikel  Ein Fohlen entdeckt die Nordsee

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 200:
Hauptartikel  Krankheit und Neuzugang

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 201:
Hauptartikel  Tod und Verwirrung

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 204:
Hauptartikel  Neubeginn mit Pit

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 205:
Hauptartikel  Herdenbildung und Schmuddelwinter

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 207:
Hauptartikel  Unser Pferdeparadies

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 208:
Hauptartikel  Geheime Wünsche werden wahr

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 216:
Hauptartikel  Projektwoche Pferd
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Espri im Alter von 22 Jahren
Hengstaufzucht – Gestüt Hunnesrück

Kinderstube der Celler Hengste

Zu den Themen
Thema  Fohlenaufzucht  Hannoveraner



von Autorenhinweise Marianne Schwöbel



Keck und munter galoppiert der kleine Hengst an der Seite seiner Mutter Eileen durch den Auslauf. Rolf Deecke, Hannoveranerzüchter aus Lachendorf bei Celle strahlt über das ganze Gesicht, ist doch dieser vielversprechende schwarzbraune Contendro / Espri Nachkomme so etwas wie ein kleines Jubiläum – er ist das 10. Hengstfohlen dieses Hofes, das im September seine Reise in das Hengstaufzucht-Gestüt Hunnesrück antreten wird.

In der Decksaison erhalten die Mitarbeiter auf den Deckstationen einen guten Überblick über den jeweiligen Fohlenjahrgang. Sie melden dem Landstallmeister Dr. Burchard Bade überdurchschnittliche Hengstfohlen.

Entsprechen sie im Hinblick auf Exterieur, Korrektheit, Bewegungsqualität und Typ den Anforderungen an ein hannoversches Reitpferd und verfügen noch dazu über ein erwünschtes Pedigree, wird man sich handelseinig.

In Zeiten schlechterer Marktlage ist der Festpreis des Landgestüts als durchaus lukrativ zu erachten und stützt die Zucht. Doch für viele Züchter, wie z. B. Rolf Deecke, ist es zudem eine Ehre, ein Akt der Verbundenheit mit dem Landgestüt, ein Fohlen dorthin zu verkaufen.

Mit seinen gut 2 Monaten ist der mit viel Aufsatz versehene bedeutende kleine Hengst, dem das Temperament nur so aus seinen großen leuchtenden Augen funkelt, ein echter "Hingucker". Man hat den Eindruck, dass er von seiner Qualität absolut überzeugt ist, wie einstmals sein Großvater Espri von Eiger I MV Diplomat (D – Linie >xxx Duellant), derzeit über die Gewinnsumme seiner Nachkommen erfolgreichster Celler Landbeschäler (1.201.445, 42 Euro).

Vor 22 Jahren erblickte auch Espri das Licht der Welt auf dem Hof in Lachendorf bei Familie Deecke, ebenfalls dort geboren ein weiterer Hunnesrücker, der 17 jährige Edinburgh v. Eiger I.

Noch im letzten Jahr konnte man den selbstbewußten, harten und leistungsbetonten Ausnahmehengst Espri aktiv über dem Sprung an der Seite seines bekannten Sohnes Escudo I und seiner hochveranlagten Großsöhne Embassy, El Bundy und dem Schimmel Etrusco, um nur die bekannteren zu nennen, sehen.

Zum Fototermin für diesen Artikel erwartete Espri mich auf seiner Deckstation in Dorum in seiner Box, auf Hochglanz gewienert. Eigentlich hatte ich einen seinem Alter entsprechend gemessen einher schreitenden und abgeklärten Althengst erwartet, doch weit gefehlt – der alte Herr hatte seine Augen und Ohren überall.

Er schäumte nur so über vor Lebensfreude, mein Problem, wenn ich nicht schnell genug abdrückte! Später in der Box war er Streicheleinheiten durchaus nicht abgeneigt. Besonders liebt er es, die Stirn und die Kinngrube gekrault zu bekommen.

Hunnesrück  oben 



Verwaltergebäude in Hunnesrück
Zufrieden ist man im Landgestüt auch mit der Vererbung des zweiten Esprisohnes Escudo II, der die Zuschauer immer wieder bei den Hengstparaden in der Freiheitsdressur in seinen Bann schlägt und das Wort "Freiheit" zur Begeisterung des Publikums etwas wörtlich nimmt.

Mit diesen Hengsten erlebt die alte A-Linie (Adeptus xx – Aldermann) eine Renaissance. Doch zeugen sie auch vom Fingerspitzengefühl und züchterischem Weitblick eines Landstallmeisters, der die Qualität seines Hengstnachwuchses schon im Fohlenalter beurteilen muss. Sowohl Espri, sein Vater Eiger I, Embassy, El Bundy als auch Etrusco wuchsen im Hengstaufzucht-Gestüt Hunnesrück auf.

Doch was verbirgt sich hinter diesem Gestüt, am Fuße des Solling ?

Mit ihrem schlossähnlichen Charakter nimmt die traumhaft schöne Anlage der Domäne Hunnesrück im hügeligen Harzvorland Besucher sofort für sich ein. In der Nähe von Einbeck gelegen, dient diese ehemalige Sommerresidenz der Hildesheimer Bischöfe und spätere preußische Militär- Remontedepot seit 1921 der Aufzucht Celler Junghengste.

Im ehrwürdigen Haupttrakt lebt der Administrator mit seiner Familie, hier ist auch die Verwaltung untergebracht.

Hunnesrück ist ein nach § 26 der Landeshaushaltsordnung ausgegliederter Landesbetrieb (wie zum Beispiel auch die Hengstparade). Das Landgestüt ist disziplinarischer Vorgesetzter.

Nach dem Krieg war bis 1982 zusätzlich eine ca. 50 köpfige Trakehner-Stutenherde mit Nachzucht in Hunnesrück untergebracht.

Durch dieses Aufzuchtgestüt gelingt es dem Landgestüt, zum Wohl der Züchterschaft unabhängig von der Entwicklung des privaten Hengstmarktes zu agieren.

Zunehmend erscheinen finanzgewaltige auswärtige Käufer auf den Körungen und erschweren es dem Landgestüt, da finanziell Schritt zu halten. Interessante Hengste werden ins Ausland verkauft und gehen somit der Landespferdezucht verloren.

Doch solange Hunnesrück besteht und Züchter eine Ehre darin sehen, ihrem Landgestüt einen Hengst aus eigenem Bestand zu stellen, besteht zu ernsten Sorgen um die Zucht von hannoverschen Pferden kein Anlass. Immer wieder hat sich Hunnesrück als wertvolles Reservoir für die hannoversche Zucht erwiesen.

Neben Eiger I u. Espri wurden so bedeutende Hengste wie Arsenik, Akzent, Wenzel I u. II, World Cup I u. II oder in früheren Zeiten Duellant, Diplomat (3mal DLG Sieger), Futurist I, Ferdinand, Abhang I in Hunnesrück aufgezogen.

Wirtschaftslage  oben 



Die Laufställe
Der Pensionsstall
Auch heute finden sich in den aktuellen Decklisten noch ca. 30 hunnesrücker Hengste, wie die Youngster Coster v. Calido (erster in Hunnesrück aufgezogener Holsteiner u. 5. der Hengstleistungsprüfung 2002), Limonit v. Lancier (3. HLP 2002), Robbespierre v. Rosentau (4. HLP 2002), die Argentan-Söhne Airport und Al Capone, Edinburgh v. Eiger I, Warkant (Hengst des Jahres 2002), Falkland, sein Sohn Frenchman, Graf Top oder auch Galvano v. Grande, um nur einige zu nennen.

Die Hengstaufzucht stellt in dem 500 ha Betrieb ein Standbein neben Ackerbau und Pensionspferdehaltung dar.

Für die Pensionspferde gibt es großzügige, luftige Boxen, eine kleine Reithalle mit Außenreitplatz, einen Longierzirkel und Weideflächen. 420 ha werden mit Zuckerrüben, Raps und Getreide bewirtschaftet, dazu kommen 80 ha Grünland als Mäh – u. Pferdeweide auf guten kalkhaltigen Lehmböden.

Hunnesrück im hügeligen Harzvorland muss klimatisch mit reichlich Niederschlag rechnen. Daraus ergibt sich, dass Heu nur in geringem Maß geworben wird. Lediglich die Fohlen, die im September eintreffen, erhalten in der Eingewöhnungsphase Heu. Ansonsten erfolgt die Raufutterfütterung über eine qualitativ gute Heulage.

Um den 10. September beziehen ungefähr 45 Fohlen die drei oberen der sechs Laufställe. Zur Kennung erhalten sie ein Halsband mit Nummer und werden nach Farben sortiert aufgestallt.

In der ersten Zeit tragen sie auch ständig ein Halfter, denn viele Fohlen sind daran noch gar nicht gewöhnt.

30% Füchse, 30 – 40% Braune und Dunkelbraune und der Rest Rappen und Schimmel lernen innerhalb kürzester Zeit, in dieser Zusammenstellung allein in ihre Ställe zu gehen. Es sieht für den Betrachter dann so aus, als würden sie sich nach Farben sortieren, dabei ist der zugeteilte Laufstall der entscheidende Punkt, an dem sich die Youngster orientieren.

Täglich kommen sie immer wieder als ganze Herde zusammen, ob im Paddock oder auf der Weide, und knüpfen Freundschaften außerhalb ihres Laufstallverbandes.

Besuch Mitte September  oben 



Jungpferde warten im Laufstall, um herausgelassen zu werden
Die Zweieinhalbjährigen an der Tränke im Paddock
45 Jährlinge kommen ebenfalls zu diesem Zeitpunkt im September von den 400 – 500 m hoch im Solling gelegenen Weiden in Neuhaus zurück und bleiben nach Möglichkeit bis Dezember draußen. Sollte das witterungsbedingt nicht möglich sein, bringt man sie über 4 – 6 Wochen in überdachten vorübergehenden Laufställen unter.

In der Zeit von Mitte September bis Mitte November lohnt sich ein Besuch im Hengstaufzuchtgestüt besonders. In dieser Zeit kann man in Hunnesrück 130 – 140 Junghengste in drei Altersgruppen begutachten.

Im Winter erhalten die Gruppen tägliche Bewegungszeiten von 10 – 16 Uhr in gepflasterten Paddocks und bekommen ihre Heulage auf einem Futtergang zwischen den Ausläufen. Zum Toben wird eine Winterweide zur Verfügung gestellt.

Dabei ist der stetige Wechsel von der weichen Stroheinstreu des Laufstalles zum harten Pflaster des Paddocks und den je nach Wetterlage unterschiedlichen Gegebenheiten des Naturbodens der Winterweide hervorragend für die optimale Entwicklung des Bewegungsapparates.

In den Übergangszeiten (Frühjahr / Herbst) gibt es einen Wechsel zwischen Paddock, Weidezeit (anweiden) und abendlicher Unterbringung im Lauftstall. Je nach Bodenverhältnissen sind die Pferde von April / Mai bis November / Dezember ganz auf der Weide.

Ab Mitte September beziehen die 2 1/2 jährigen die unteren Laufställe, gehen tagsüber noch auf Weide und werden abends im Laufstall intensiv zugefüttert, um sich beim Auswahltermin für die 11 monatige Leistungsprüfung im November optimal zu präsentieren.

In dieser Zeit wird auch das Führen und Freilaufen in der Halle trainiert, wobei das Angebundensein den Pferden bekannt ist. Aus erzieherischen Gründen werden in der Stallzeit (seit 1921 !) alle Pferde bei den täglichen Kraftfuttergaben aufgehalftert und angebunden, also bis zu 90 Tiere!

Auf den ersten Blick erstaunt das sehr und man mag gar nicht glauben, dass nur zwei Angestellte ganz für die Pferde zuständig sind. Sie werden, besonders an Wochenenden, von zwei Lehrlingen unterstützt, die aber auch in die anderen Arbeitsabläufe eingebunden sind.

Jedoch erweisen sich 90% der Jungtiere als so clever, dass sie sich zu den Mahlzeiten bereits an ihren Platz am Futtertrog aufstellen und nur noch aufgehalftert werden müssen.

Die Anbindevorrichtungen sind über den Trögen in die Wand eingelassen. So kann jedes Pferd, die ihm zustehende Futtermenge erhalten, denn nicht jeder hat die gleichen Futteransprüche.

Durch diesen täglichen Umgang sind die Pferde sehr zutraulich und menschenbezogen, aber nicht verhätschelt.

Kaufgelegenheit Mitte November  oben 



Zweieinhalbjährige im gepflasterten Paddock
Befreit stürmen die Zweieinhalbjährigen über den Treibegang zur Winterweide
Mitte November wählen dann Landstallmeister Dr. Bade, seine Hauptsattelmeister Winter u. Bielmann sowie Gestütsassistent Dr. Brockmann die für Adelheidsdorf geeigneten Hengste aus.

Ungefähr 25 Junghengste werden mitgenommen, die anderen können von Privatleuten als Reitpferd erworben werden, denn dieser Auswahltermin ist öffentlich!

Man hat hier eine gute Chance gesunde, robust im Herdenverband aufgewachsene Pferde mit überdurchschnittlicher Veranlagung zu erwerben.

Sogar das Risiko der Kastration wird vom Aufzuchtgestüt übernommen. (Ab Mitte Oktober steht der Termin im Internet unter www.landgestuetcelle.de oder ist telefonisch beim Gestütsleiter Herrn Bertelmann unter 05564/8216 zu erfragen.)

Für die "Auserwählten" schließt sich nun eine 11 monatige Ausbildungszeit in der Hengstprüfungsanstalt in Adelheidsdorf an, wobei der erste Abschnitt geprägt ist durch die Vertrauensbildung zwischen Pferd und Mensch. So wird den jungen Hengsten Zeit gelassen, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.

Das Führen an der Hand, das Longieren, das Einfahren vor der Schleppe und das Fahren mit dem Traberkarren gehören zu den Übungen, bevor das junge Pferd zum ersten Mal mit dem Reitergewicht Bekanntschaft macht.

In der Ausbildungszeit werden die Youngster unter unterschiedlichen Reitern auf Herz und Nieren geprüft. Fundierte Aussagen über Begabung, Leistungsbereitschaft und Charaktereigenschaften können so getroffen werden. Nach 11 Monaten stellen sich die Remonten dann der Leistungsprüfung.

Nur Hengste, die die Prüfung bestanden haben, werden zu der anschließenden Körung zugelassen.

Von entscheidender Bedeutung für den züchterischen Fortschritt in der Zucht hannoverscher Reitpferde ist die Tatsache, dass alle im Gestüt befindlichen Warmbluthengste erst im Alter von vier Jahren züchterisch eingesetzt werden.

Wesentlich ist jedoch, dass die erblich bedingte Leistungsveranlagung klar erkannt wird und nicht durch unterschiedliche Umwelteinflüsse wie Reiter, Haltung, Fütterung und Pflege verschleiert wird und dadurch zu ungenauen Ergebnissen in der Zuchtwertschätzung führt.

Selektion nach Leistung  oben 



Auf und davon
Erst einmal wird die Weide umrundet
In stationären Prüfungsanstalten wie Adelheidsdorf können solche Umwelteinflüsse weitestgehend standardisiert werden. Diese Selektion nach Leistung erweist sich immer wieder als segensreich für die hannoversche Zucht und ist ein Garant dafür, dass dieser hohe Standard auch in Zukunft erhalten bleibt.

In der gesamten hunnesrücker Aufzuchtzeit werden die Pferde medizinisch nach festem Programm betreut. Ein Tierarzt überwacht die regelmäßigen Wurmkuren und Impfungen, die Fohlen müssen bei Anlieferung über eine lückenlose Grundimmunisierung verfügen, damit es nicht zu Umstellungsproblemen kommt, wenn so viele Jungtiere aus verschiedenen Beständen plötzlich aufeinandertreffen.

Wie die Grundimmunisierung auszusehen hat, darüber werden die Züchter durch ein Informationsblatt des Landgestütes informiert.

Arbeitsabläufe und Behandlungstermine werden optimal kombiniert, so werden zwei Tage nach einer Wurmkur die Laufställe total entmistet, um eine eventuelle Verwurmungskette zu unterbrechen.

Verletzte Tiere, die Ruhe benötigen, werden aus der Herde herausgenommen und in Einzelboxen untergebracht. Dauert diese Rekonvaleszenz nicht zu lange, gliedern sie sich problemlos wieder in die Herde ein.

Sonst muss gewartet werden, bis ein Zweiter wieder genesen ist und beide dann gemeinsam zur Herde zurück können. So ist man bemüht, den Stress in der Herde möglichst gering zu halten.

Pro Jahr gibt es zwei feste Hufschneidetermine. Zusätzlich kontrollieren die Angestellten Hufe und Beinstellungen ständig und bei Bedarf werden Korrekturen zusätzlich vorgenommen.

Züchter, die ihre Jungtiere in Hunnesrück besuchen, zeigen sich manchmal etwas unzufrieden über den "Pflegezustand" des Nachwuchses. Selbstverständlich sind "Hunnesrücker" nicht frisiert, haben naturbelassenes Langhaar und vor allem der so wichtige Fesselbehang wird ihnen gelassen.

Sie putzen sich artgerecht über Staubbäder oder Fellpflege mit dem Herdenkumpel, wobei die wichtige Fettschutzschicht im Fell erhalten bleibt. Schließlich müssen sie auch schlechteren, raueren Witterungsbedingungen im Freien trotzen, denn das Harzvorland sorgt für reichlich Niederschlag, besonders in den Übergangszeiten.

Pferdiges Verhalten  oben 



In Steigkämpfen kann man spielerisch die Kräfte messen.
Auch Kabbeleien mit dem Maul sind an der Tagesordnung
Hengste wie z. B. Azur (letzte Decksaison 2002, geb. 1972!), Avus (26 Jahre), Espri (22 Jahre), Warkant (20 Jahre), Galvano (21 Jahre) Airport (21 Jahre), Wendehals (19 Jahre), Westbury (19 Jahre), Wandervogel I (18 Jahre) und Al Capone (18 Jahre) sind ein lebender Beweis dafür, wie gesund diese Form der Aufzucht in Hunnesrück ist.

Noch dazu lehrt die Erfahrung, dass es nach dem Trainingsjahr in Adelheidsdorf keinen Entwicklungsunterschied mehr zwischen den Hunnesrückern und den bei der Verdener Körung zugekauften Hengsten gibt.

Licht, Luft, Bewegung und Sozialkontakt sind neben Futter und Wasser die Grundvoraussetzungen für ein gesundes, lang andauerndes Pferdeleben.

Seien wir einmal ehrlich, wie viele der kleinen privaten Züchter haben die Möglichkeit, ihren Hengstfohlen und Jungpferden eine solch artgerechte Aufzucht in ausreichend großen Herden Gleichaltriger bei täglichem Auslauf zu bieten?

Wer einmal die hunnesrücker Herden über den Tag beobachtet, ist fasziniert von der Vielfalt "pferdiger" Verhaltensmuster, die sich dem Betrachter auftun.

Diese Junghengste können das Leben in der Herde in vollen Zügen genießen. Sie erproben ihre Kräfte in spielerischen Rangkämpfen mit Steigen, Drängeln und dem angedeuteten Beißen in die Vorderbeine, um im nächsten Moment freundschaftlich verbunden nebeneinander zu stehen und sich langanhaltend in die Nüstern zu schnauben.

Sie berauschen sich am gemeinsamen Galopp mit flatternden Mähnen, stählen dabei Sehnen und Bänder, lassen ihre Muskeln spielen und der Zuschauer ist begeistert von der Kraft und Eleganz, die von solch einer Pferdemenge ausgeht.

In der 45 köpfigen Herde lernen die Hengste sich ein- und unterzuordnen. Ist die Rangordnung hergestellt, läuft der Alltag untereinander absolut harmonisch ab. Da genügt ein leichtes Ohren anlegen, ein leichtes Heben des Hinterhufes, um den Unterlegenen an seinen Platz zu verweisen.

Ernsthafte Streitereien sind kaum zu beobachten. Man kennt und akzeptiert sich. Dieses Aufwachsen macht es dem Ausbilder später leichter, ein solches Pferd zu erziehen, denn es wurde nicht zum Beispiel als Einzelfohlen verwöhnt und hat den Respekt vor den Menschen verloren.

Als Besucher ist man besonders berührt, wenn man einmal die Gelegenheit hat, hautnah den Wechsel vom Paddock zur Winterweide zu beobachten. Ungeduldig warten die jungen Hengste am Paddocktor, um dann mit überschäumender Freude und donnernden Hufen über den Treibeweg in die Weidefreiheit zu galoppieren.

Da bebt der Boden unter den Füßen, das ist Faszination Pferd pur! Und unserem kleinen Rappfohlen vom Deeckehof in Lachendorf kann man nur wünschen, hier zwei unbeschwerte Jugendjahre verbringen zu dürfen. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, in die erfolgreichen Fußstapfen seines Großvaters Espri zu treten und als Landbeschäler in Celle einzuziehen.

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 232 vom 13.05.2012
Hauptartikel  Hengstaufzucht - Gestüt HunnesrückRezension  Rezension: GelassenheitTip  Tip: BewertungGalerie  Galerie: MarlboroPoster  Poster: Jagdgalopp
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