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![]() Unsere geliebten Camargue-Wallache |
Samstag (12.10.02) Gegen 18.00 Uhr kamen wir mit Gigi und Amirau in Noves, in der Nähe von Saint Rémy de Provence, bei unserem Freund und Manadier (Pferde- und Stierzüchter) Bernard Colombet an. Beide Pferde waren trotz 11-stündiger Fahrt in gutem Zustand. Sie bezogen einen großen Offenstall mit Paddock und wir ein ganz neues Appartement, in das Bernard, den wir mit unserem Ansinnen etwas überrascht hatten, schnell noch einen Teil der eigenen Möbel gestellt hatte. Für die Pferde standen schon Luzerne und frisches Wasser bereit. Sonntag (13.10.) Um das Gelände rund um die Manade zu erkunden, unternahmen wir einen kleinen Ausritt in die nähere Umgebung. Bernard stellte Saskia den 4-jährigen, braven, aber temperamentvollen Wallach "Kamargue" zur Verfügung. Nach unserer Rückkehr teilte uns Bernard mit, dass er eigentlich mit Marion und seinen Söhnen gemeinsam mit uns mittags zu einem Restaurant reiten wollte. Da wir der Meinung waren, nach der langen Fahrt des Vortages reichte unseren Pferden der vormittägliche Zweistundenausritt, verabredeten wir uns am Restaurant. Wir nahmen unseren Geländewagen und die Franzosen kamen hoch zu Ross. Marion band ihr Pferd neben Erics (heiligem!) Auto an. Natürlich bekam der aus unersichtlichem Grund einen Panikschub und setzte sich kurz drauf. Beule im Auto – aber was soll's, wir waren im Pferdeland und das Essen war vorzüglich. Montag (14.10.) Um Bernard in seiner täglichen Arbeit nicht zu stören, hatten wir beschlossen, uns noch einmal allein auf Erkundungsritt zu begeben. Wir ritten kurz am Stall vorbei und teilten ihm mit, was wir vorhatten. Daraufhin zückte er sein Handy und informierte Freunde von ihm, die ebenfalls ausreiten wollten. Diese sollten uns das Reitgelände zeigen. Tatsächlich trafen wir an verabredeter Stelle unsere netten "Blindenhunde" und auf dem folgenden 3-stündigen Ausritt zeigten sie uns eine traumhafte Hochebene. Saskia blieb bei Bernard auf dem Hof und ritt unterdessen Kamargue und abends "Tinto", in den sie sich unsterblich verliebte, einen Halbruder von unserem Youngster Barudeur, der in Deutschland bleiben musste. |
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Dienstag (15.10.) An diesem Tag wollte uns Bernard etwas Besonderes bieten und fuhr mit uns ans Meer nach Saintes Maries-de-la-Mer, der Hauptstadt der Camargue im Rhônedelta, etwa 50 km von Noves entfernt. Er nahm dazu seinen kleinen LKW und wir unseren Hänger. Unterwegs holte er noch ein Pferd von einer riesigen Weide in der Nähe von Pioch Badet. Den ritt Saskia später. Dann machten wir Halt bei unserem Freund Claudio Gallo. Claudio ist staatlich geprüfter Wanderreitführer und hat in Saintes einen kleinen Hof und eine sehr gepflegte Promenade (» Promenade des Rièges). Bernard hatte Claudio ein Pferd geliehen, das er nun auf unserem Ausritt selbst reiten wollte. Ein echter Kracher! Von hier aus starteten wir. Natürlich wollte uns Bernard etwas Besonders bieten und ritt mit uns in die Sümpfe. Alle bekamen beim Durchqueren nasse Füße. Eric drehte sich seitwärts zu Bernard, um ihn daran zu erinnern, dass wir – im Gegensatz zu ihm – keine Fischergummistiefel trugen. Im gleichen Moment war Eric mit Gigi weg. Sumpfloch gefunden!! Nur noch Kopf und Hals des Pferdes guckten raus. Eric schaffte es aus dem Sattel. Bernard wollte helfen und fand prompt auch ein Sumpfloch. Im gleichen Moment versank auch Saskia mit ihrem Pferd. Einen Augenblick lang betrachtete ich aus vergleichsweise sicherem Fünfmeterabstand fasziniert das Geschehen, begriff, dass ich nicht helfen konnte, sondern höchstens Amirau auch noch versenken würde, wendete höchst vorsichtig und erreichte nach Durchreiten eines kleineren Loches das nicht allzu weit entfernte, sichere Ufer. Die drei Sumpfgeister arbeiteten sich mit ihren Pferden frei. Es überraschte uns, wie schnell sich die Pferde in ihr Schicksal ergeben und wie sehr sie dann auf ihren Menschen angewiesen sind. Gigi bedurfte intensiven Zuredens von Eric und energischem Anfeuerns, um aus dem Loch herauszukommen. Klatschnass ritten wir zu Claudio zurück. Bernard beruhigte uns. Das käme öfters vor, sei an dieser Stelle aber nicht gefährlich – solange man nicht dabei Stiere triebe, die sich – Horrorstory beim Mittagessen – auf im Sumpf fest sitzende Reiter und Pferde stürzten. Angekommen bei Claudio wollte Bernard mit uns nach Saintes Mittagessen gehen und wunderte sich, wie man so dumm sein kann, in die Sümpfe zu reiten, ohne eine vollständige Reservegarderobe inkl. Schuhe dabei zu haben. Claudio lästerte über Bernards Fremdenführerqualitäten ab und Eric hatte ziemlich schlechte Laune, da nicht nur Gigi und er selbst, sondern auch sein handgefertigter Camarguesattel deutliche Sumpfspuren aufwies. Da ich als einzige "obenrum" trocken war, lieh ich meinem gebeutelten Ehemann, der sich mittlerweile bis auf die Unterhose entkleidet hatte, mein Blümchen-T-Shirt, das ich unter dem Pullover getragen hatte. Über die lila Unterhose streifte er sich dann missmutig hohe Chaps, woraufhin sich alle Anwesenden vor Lachen am Boden kugelten. Man stelle sich einen nur mit Unterhose und Chaps bekleideten Mann von hinten vor!! |
Die Pferde ließen wir gut versorgt bei Claudio. Eric war die Touristen-Attraktion ("Guck mal, ein echter Gardian!") und Bernard, der als Franzose natürlich nur seine Muttersprache beherrscht, fing doch tatsächlich an mit Saskia Englisch zu radebrechen, da sie ihrerseits kein Französisch spricht. Tja, Unglück schweißt zusammen! Nach dem Mittagessen starteten wir unseren zweiten Versuch auszureiten. Ich bestand darauf, auf dem Damm zu reiten und weigerte mich strikt, ein zweites Mal Wasser zu durchqueren, als der Damm plötzlich endete. Hinter uns waren noch zwei Reiter. Bernard fragte sie, ob sie vielleicht wüsste, wo hier eine Furt sei. Nein, sie hätten sich auf uns verlassen. Na, toll!! Nein, Bernard, ein zweiter Versuch kommt an diesem Tag nicht in Frage. (Amirau hasst Wasserlöcher! Wahrscheinlich ein Jugendtrauma!) Wir wendeten also und wurden nur nass, weil wir mit den Pferden ins Meer ritten. Ami wollte natürlich nicht ("Können Wellen beißen??") und ich bekam das Kommando: "Steig ab und führ ihn rein!" Das habe ich dann selbstverständlich auch getan und war endlich auch nass! Mit mir im Sattel hatte er trotzdem heilige Ehrfurcht vor den Wellen und außerdem wurde es langsam mehr als frisch. Beim zweiten Versuch kamen wir also heil zu Claudio zurück, versorgten unsere Pferde, verluden sie und fuhren heim nach Noves. In Noves angekommen, zog Bernard mit Saskia wieder los, um Pferde auf verschiedenen Weiden zu kontrollieren und den ein oder anderen in den Stall zu holen. Unser Teeny war ganz in seinem Element, nur wir "Alten" waren noch leicht geschockt und mussten erst die Tagesereignisse verarbeiten. Erst mal ein Gläschen Rosé!!! Mittwoch (16.10.) An diesem Tag durften alle relaxen und wir unternahmen nur einen ruhigen, dreistündigen Ausritt zur Hochebene mit Bernard und seinen Söhnen. Saskia ritt dabei Kamargue, nachdem sie vormittags Bernard auf der Manade mit den Pferden geholfen hatte. (Oder war es mehr Kinderbetreuung seinerseits?) Wie die zwei miteinander kommunizieren konnten, ist uns bis heute ein Rätsel. |
Bernard fuhr mit Marion, einigen Helfern und uns an diesem Tag zu einer Stutenherde an der großen Rhône, die auf einem riesigen Terrain lebt. Es sollten Fohlen gebrannt und registriert werden. Zu Fuß haben wir uns der Herde genähert und sie mit Hilfe von trockenem Baguette von unserer Harmlosigkeit überzeugt. Die ca. 10 Mutterstuten wurden aufgehalftert und aus der Weide herausgeführt. Die sehr zutraulichen Fohlen folgten ihren Müttern. Noch bevor es uns gelang, die Pferde auf ein kleineres, umzäuntes Weidestück zu führen, an dessen Kopfende der große LKW geparkt war, rissen sich zwei Mutterstuten los und es gab für alle Pferde kein Halten mehr. Sie durchquerten ein riesiges, sumpfiges Gelände, das zwar weiträumig umzäunt, aber eben den Maßstab einer Camargueweide hatte. Ein Helfer fuhr schnell mit Eric in unserem Geländewagen zu einem offenen Zauntor am Horizont, das es rasch zu schließen galt. Wir anderen bekamen einmal mehr nasse Füße, als wir uns anschickten, die Herde zurück zu treiben. Irgendwie gelang es uns tatsächlich, die Pferde in den LKW zu bekommen, wo die Mutterstuten vorübergehend angebunden wurden. Nun schichteten wir Feuerholz auf und legten die Brandeisen der Manade bereit. Danach mussten wir auf die Offiziellen des Zuchtverbandes warten. Währenddessen wurde in einem nahe stehenden Wohncontainer, der einem der Helfer als Jagdhütte diente, zu Mittag gegessen. Es kamen der obligatorische Rotwein, Wasser, Schinken, Salami, Baguette, Käse und Kuchen auf den Tisch. Inzwischen erkundete unser Kleiner Münsterländer, Louis, die nähere Umgebung, entdeckte in einem der Kanäle eine Ente, sprang vom Jagdtrieb überwältigt ins Wasser, worauf die Ente flüchtete und er nicht mehr herauskam. Sein klägliches Gekläff führte uns zum Ort seiner Schmach und wir retteten ihn. In meinen Schuhen stand ja noch das Wasser vom Stuteneinsammeln. Zurückgekehrt zur Weide hatten sich dort bereits einige Zuschauer eingefunden und es wurde ein Holzfeuer entfacht. Als die Offiziellen eingetroffen waren, wurden die Stuten mit Fohlen jeweils einzeln aus dem LKW gelassen. Die Stuten retteten sich sofort auf die größere Weide, während sich mindestens zwei Männer auf das Fohlen stürzten und es zu Fall brachten. Es wirkte rüde, wie den Fohlen der Hals- und Manadenbrand gesetzt wurde. Danach flüchteten sie sich zu ihrer Mutter, wo sie sofort zu trinken begannen, wahrscheinlich weil sie die Sicherheit und Beruhigung durch die Mutterstute brauchten. Für mich ist es nach diesen Beobachtungen erstaunlich, wie zutraulich alle Pferde von Bernard sind. Man sollte meinen, dass ein solches Erlebnis das Vertrauen zum Menschen irreparabel erschüttert, aber das ist auf keinen Fall so. Natürlich bleiben die Fohlen nicht bis zur ersten, vorläufigen Begegnung mit dem Reiter im Alter von ca. 3 ½ Jahren in der Herde. Sie werden vorher mehrere Male mit ihren Müttern aus dem Verband herausgeholt, verladen und auf die Manade gebracht. Dort lernen sie dem Menschen zu vertrauen, werden halfterführig und lernen den Pferdeknigge. All das geschieht sehr liebevoll. Am Spätnachmittag bestand ich darauf, einen größeren Supermarkt aufzusuchen, um mir dort ein Paar hohe Gummistiefel zu kaufen. Ich glaubte einfach nicht, dass meine Reitschuhe in diesem Urlaub noch einmal trocknen würden. |
Fotos Zweiter Teil nächste Woche |
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zu Ausgabe Hallo, Herr Popken, der Bericht über die Camargue-Pferde rief mir wieder Bilder eines Südfrankreich-Urlaubs vor einigen Jahren ins Gedächtnis. Saintes Maries de la Mer war der Ort, der mir damals am besten gefallen hatte. An dem wunderschönen Strand mit diesem unglaublich feinen Sand hatte ich innerhalb von Minuten Muscheln gefunden. Was mich allerdings störte, waren die Stierkampfarenen in jedem Ort, von Nimes bis Avignon. Der Stierkampf dort ist nicht unblutig, das ist eine schöne Mär für die Touristen! Der Stier wird hinter den Kulissen getötet. Und es störte mich absolut, viele Camargue-Pferde für Touristen in schlechtem Ernährungszustand in miesen Unterständen ganztägig gesattelt stehen zu sehen. Und so bin ich in Südfrankreich nicht ein einziges Mal auf einem Pferd gesessen. Liebe Grüße Licorno |
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