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Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 261, erschienen am 28.03.2004

Magazin  Ausgabe 261
König Pferd

von Dossenbach, Monique und Hans D.

448 Seiten, durchgehend Farb- und S/w-Abbildungen, 25 x 34 cm, gebunden, mit Schutzumschlag.

Augsburg 2000|http://www.weltbild.de/handle_wk.php?PUBLICAID=6d2178c69128c34a9f173b6bbae9a8c5&aktion=insert&artikelnummer=481853

Weltbild Verlag

ISBN 9783828915688

EUR (D) 13, 50

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Rezension Rezension von

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Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 261
vom 28.03.2004
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Majestätisch, rassig und elegant

Wer Pferde liebt, in ihnen etwas Einmaliges, Bewundernswertes sieht, kommt an diesem prächtigen Buch nicht vorbei!

  • Von den Urpferden über die Physiologie des Pferdes bis zum Einsatz der Tiere im heutigen Freizeitsport.
  • Mit teils historischen Stichen, Zeichnungen und Fotos.
  • Detailliertes hippologisches Lexikon mit mehr als 1.000 Begriffen.

Originalausgabe EUR 101.24*
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Klappentext

In den Märchen erscheint der König als prächtiger und magischer Mittelpunkt des Daseins. Dieses einzigartige Bildbuch sieht im Pferd ein solches magisches Zentrum des Lebens. Deshalb der Titel "König Pferd"!

Wer Pferde liebt, in ihnen etwas Einmaliges, Erstaunliches, Bewundernswertes und Besonderes sieht, wer sich ein Leben ohne Pferde nicht vorstellen kann, der kommt an diesem Werk nicht vorbei.

Dabei hat dieses Buch viel mit einem königlichen Vollblut gemeinsam: Die Autoren haben dieselbe Sorgfalt bei der Erarbeitung entwickelt, mit der man ein Pferd auf einen Concours vorbereitet. Keine Kleinigkeit wird ausgelassen, nichts ist zu unwichtig, um nicht beachtet und diskutiert zu werden. Besondere Aufmerksamkeit wurde auch dem Aufbau des Buches gewidmet. Alles entwickelt sich organisch, ein Kapitel baut auf dem anderen auf.

Im ersten Teil wird die Entwicklungsgeschichte des Pferdes, sein Körper, seine Bewegung, sein Verhalten und seine Fortpflanzung dargestellt.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Pferd und Mensch in der Geschichte: wie die Jäger der Eiszeit zum Pferd standen, wer die ersten Züchter waren, wie die großen Kulturvölker der Antike das Pferd verwendeten und verehrten, welche Bedeutung es für die verschiedenen Kulturen nach Christi Geburt bis zum Mittelalter hatte, wie die Reitervölker auf das Pferd angewiesen waren, wie Pferde in Kriegen Verwendung fanden, welche Alltagskultur sich um das Pferd herum entwickelte.

Der dritte Teil behandelt das Thema "Pferd und Mensch in der Gegenwart" und geht auf Reitspiele, Jagd zu Pferde, Rennsport, Dressursport, Springsport, Military, Fahrsport, die Hohe Schule der Reitkunst, die Freizeit mit Pferden und die letzten Reitervölker ein.

Der abschließende vierte Teil enthält ein hippologisches Lexikon, ein Register und Literaturverzeichnis.

Seit der Mensch aus seinem tierischen Traumdasein erwacht und sich seiner selbst, seines Werdens und Vergehens bewußt geworden ist, begleitet ihn das Pferd. Dieses Werk ist dazu gedacht, den Pferdefreund ein Leben lang zu begleiten. Selten hat er ein so umfassendes und schön gestaltetes Buch zu seinem Lieblingsthema in der Hand gehabt.




Kolumnen Rezension

Ich schließe mich dem Klappentext an. Aber vielleicht sage ich Ihnen damit gar nichts Neues. Das Buch ist ursprünglich 1983 in Bern erschienen, also jetzt über 20 Jahre lang auf dem Markt. Der Hallwag Verlag reklamiert das Copyright für 1983 und 1991, woraus ich schließe, daß es 1991 eine Neuauflage gegeben hat.

Im Jahre 2000 hat der Weltbild Verlag eine genehmigte Lizenzausgabe herausbringen können. Ich finde das etwas verwirrend, weil außen auf dem Buch statt Weltbild Bechtermünz steht. In einem Schreiben redet der Weltbild Verlag vom Weltbild-Bechtermünz Verlag. Nun gut, wie immer das auch zusammenhängen mag – ein wichtiges Argument für dieses gewichtige Werk ist der Preis.

Bücher sind nicht billig. Es gibt Verlage, die sich auf die Produktion hochwertiger und zugleich preiswerter Bücher spezialisiert haben. Manche dieser Verlage bringen Originalausgaben heraus, andere verwerten erfolgreiche Hochpreistitel im zweiten Aufguß, bildlich gesprochen. Darum handelt es sich wohl in diesem Falle.

Das mindert den Wert dieses Buches in keiner Weise. Auf 448 Seiten erfahren Sie eine Fülle von interessanten Fakten, die Sie anderweitig vermutlich gar nicht zusammentragen können. Willkürlich schlug ich das Buch auf Seite 276 auf. Das Kapitel heißt "Rennsport in Japan". Allein die Fotos sind atemberaubend. Links oben eine Luftaufnahme; der Bildtitel lautet: "Die riesige Trainingsanlage von Miko, 130 Kilometer von Tokio entfernt, bedeckt eine Fläche von fast 2 Millionen Quadratmetern, hat sieben Bahnen von 1369 bis 2000 Meter Länge und Boxen für 2304 Pferde."

Ein anderes Bild, rechts oben, zeigt eine wunderschöne Landschaft, schneebedeckt mit Bergen, eine Ansammlung von einfachen Holzhäusern, die mich an Kanada erinnern. Der Bildtitel: "Eines der über 2000 Gestüte Japans, auf denen Englische Vollblüter gezüchtet werden. Allerdings beherbergen etwa 70 Prozent dieser Gestüte nur eine bis fünf Mutterstuten. Derzeit stehen etwa 450 Deckhengste in Japan."

Ich traue mich gar nicht, in dem Buch zu schmökern; vermutlich würde ich Ihnen vor lauter Begeisterung ständig Zitate präsentieren. Statt dessen möchte ich ein bißchen über den Buchmarkt plaudern. Bücher habe ich früher für selbstverständlich genommen. Das hat sich geändert, und das kam so: Eines Tages meinte ich, mit meiner Vergangenheit aufräumen zu müssen. Ich sonderte eine ganze Reihe Bücher aus.

Darunter befanden sich Bücher, die zu schade für den Papierkorb waren. Also beschloß ich, diese der Stadtbibliothek zu stiften, die mir so viele gute Bücher geliehen hatte. Ein paar dieser Bücher waren jedoch so wertvoll, daß ich sie der Bibliothek zum Kauf anbot, natürlich sehr günstig. Die Bibliothekare griffen zu.

Jahre später dämmerte mir, daß ich eine große Dummheit begangen hatte. Ich hatte unersetzbare Bücher weggegeben. Nach und nach habe ich einige dieser Bücher wieder erwerben können. Von einem Buch gab es eine Neuauflage. Ein anderes habe ich zufällig im Antiquariat entdeckt. Ein weiteres habe ich über das Internet aus Amerika kommen lassen, nur um dann zu entdecken, daß es nicht das Buch war, was ich gemeint hatte.

Nie wieder werde ich mich von Büchern trennen, die man besitzen und vererben sollte. Zu diesen gehört zweifellos das vorliegende Buch. Es war bereits vergriffen; Sie haben jetzt die Chance, dieses Buch zu erwerben. Wie immer die Originalausgabe ausgesehen haben mag, auch diese Ausgabe ist prächtig.

Der Verlag schreibt mir, daß die Titel nicht im Buchhandel erhältlich sind. Sie können unter der Telefonnummer 0 180 / 53 54 321 bestellen oder über den oben angegebenen Link, der Sie direkt zum angegebenen Titel im Shop des Verlags führt. Der Verlag betont, "daß unsere Titel relativ schnell nicht mehr vorrätig sein können. Erscheint der Titel nicht mehr bei Weltbild.de, so ist er auch nicht mehr lieferbar."

Dann bleibt Ihnen nur noch der Weg über das Antiquariat. Ich habe ein bißchen recherchiert und zwei Exemplare bei » abebooks.de gefunden. Beim ersten Exemplar (» Antiquariat an der Bundesstraße, Hamburg) handelt es sich um genau die in Rede stehende Ausgabe. Sie wird für 30 EUR angeboten, also wesentlich teurer, als wenn Sie das Buch jetzt neu kaufen würden.

Das zweite Exemplar ist demgegenüber sehr billig. Für 40 EUR bekommen Sie nicht nur die Originalausgabe von 1983, sondern ein Exemplar mit handschriftlicher Widmung und Signatur der Autoren (» Fabri Internet Antiquariat, Ulm).

Mein dritter Versuch galt eBay. Oft bekommen Sie bei eBay Artikel weit unter Preis. Nun ja, wenn ich meine Bücher einem Antiquar verkaufen wollte, würde ich natürlich auch nur einen Bruchteil seines Verkaufspreises erzielen. Tatsächlich gibt es zur Zeit zwei Exemplare bei eBay; beide aus der jetzt verfügbaren Auflage, beide als Mängelexemplare gekennzeichnet, ungelesen, neuwertig.

Das Angebot » KOENIG PFERD Bildband 2000 Dossenbach läuft noch bis zum 2. April. Der Startpreis beträgt 4, 90 EUR; ich war der erste, der sich das Angebot angeschaut hat. Infolgedessen überrascht es nicht, daß noch kein Angebot abgegeben worden ist. Das zweite Exemplar » Koenig Pferd endet am 31.3.; der Startpreis liegt bei 9, 99 EUR (Buchdeckel leicht beschädigt, sonst okay). 0 Gebote; ich war der zweite Besucher, der sich das Angebot angeschaut hat.

Was lernen wir daraus? Die Vertriebskanäle sind ganz wesentlich für die Wertschöpfung. Über das Antiquariat kann man Geld verdienen, über eBay nicht. Man kann die Sache natürlich auch andersrum sehen: Wenn man weiß, was man will, kann man bei eBay unter Umständen wirklich günstig einkaufen. Aber wenn Sie mich fragen: Ich würde allemal ein neues Exemplar sofort bestellen, statt mich auf den langwierigen Nervenkitzel einer Auktion einzulassen. Vielleicht geht die Bieterschlacht so aus, daß für die Mängelexemplare sogar mehr bezahlt wird – das kommt ziemlich häufig vor.

Ich bin übrigens ganz zufällig auf das Buch gestoßen. Auf der Messe Pferd Bodensee in Friedrichshafen Mitte Februar habe ich es auf einem Stand gesehen. Die Inhaber blätterten fasziniert in dem riesigen Buch und ich war ebenfalls sofort begeistert. Die Beiden wußten gar nicht, wo man es kaufen konnte, sie hatten es wohl gerade von irgendjemandem erworben. Ich habe mir jedenfalls sofort den Titel notiert und mir vorgenommen, Ihnen dieses Buch ans Herz zu legen.

Soeben konnte ich doch nicht widerstehen und blätterte für zwei Sekunden, staunte schon wieder: Zwischen Seite 48 und 58 sind Pergamentblätter eingeheftet. Auf Seite 49 sieht man ein Pferd, wie es dem Auge erscheint. Seite für Seite werden unterschiedliche Ansichten präsentiert, die man niemals sehen kann, bis hin zum Skelett auf Seite 57. Da die Blätter durchscheinen, kann man nach und nach ein gutes Gefühl für die Lage der Organe, der Muskeln, des Blutkreislaufs, der Knochen bekommen.

Natürlich habe ich auch Google befragt und 23 Fundstellen bekommen (» bechtermünz "könig pferd"). Es handelte sich ausnahmslos um Seiten, die das Buch als vergriffen bezeichnen. Teilweise wurde ein Preis von 25 EUR genannt. Merkwürdig. Der Buchhandel hat aus der Preisbindung ein Politikum gemacht. Andererseits kann der Verlag von sich aus die Preisbindung aufheben. Auf diese Geschäftspolitik bin ich schon beim Schnäppchen EquiVoX-Link Geschichte des Pferdes gestoßen.

Auf einer dieser Seiten, die das Buch zwar führten, es aber nicht besorgen konnten, fand ich die Bemerkung, daß es eher für Erwachsene sei. Das ist sicher richtig. Trotzdem würde ich dieses Buch ohne weiteres auch jedem pferdebegeisterten Kind schenken. Selbst wenn es das Buch jetzt noch nicht in seiner ganzen Tiefe schätzen kann – es wird älter, und, wie der Klappentext schon ganz richtig sagt, dieses Buch kann einen ein ganzes Leben lang begleiten.

Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen! Wenn ein solches Buch wirklich einmal vergriffen ist, ist es nicht mehr einfach, es zu erwerben. Ich weiß, wovon ich rede. Ich traure jetzt nach mehr als 25 Jahren einem ähnlichen Buch hinterher, das ich vielleicht nie wieder in Händen halten werde. Wenn Sie gar nicht wissen, daß es so etwas Wunderbares gibt, brauchen Sie sich nicht zu grämen. Aber jetzt wissen Sie es. Und die 20 EUR treiben Sie schon auf – die sind auf jeden Fall sehr gut angelegt. Wenn es Ihnen um das Geld leid tut, können Sie ja Ihr Glück bei eBay versuchen. Manch einer verkauft dort etwas, von dem er gar nicht weiß, was es wert ist.

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