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Presseinfos News: Susanne Hennig

Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 269, erschienen am 23.05.2004

Magazin  Ausgabe 269

Barbara Sißmann, Gestüt Farisha Arabians,
mit dem ersten Fohlen dieses Jahrgangs

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Besuch auf dem Funkenhof
  2. Abschnitt  Ostenfelde
  3. Abschnitt  Gemogelt
  4. Abschnitt  Fotografentricks
  5. Abschnitt  Quellen / Verweise

  Leserresonanz  Leserresonanz

  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis

Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 267:
Hauptartikel  Ein Vermächtnis an die Heimat

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 268:
Hauptartikel  Das Echo der Geschichte
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Hauptartikel oben 

Der Schimmel
Der Braune und der Grauschimmel
Besuch auf dem Funkenhof

Vollblutaraberzucht in Südniedersachsen

Zu den Themen
Thema  Lebensgeschichte  Zucht



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


» Farisha Arabians – schon der Name zaubert eine Atmosphäre wie aus Tausendundeiner Nacht! Immer wieder einmal war mir dieser Name über den Weg gelaufen, und nun machten wir uns auf den Weg zum Vollblutarabergestüt Farisha Arabians.

Von der Straße aus hatten wir schon einen Grauschimmel gesehen. Vom Hof aus schaute ich nach rechts und sah einen Schimmel, dann einen Braunen, dann den Grauschimmel, den wir von der Straße ausgesehen hatten – alle drei allein auf ihrer eigenen Weide. Ich schloß daraus, daß es sich um Hengste handeln müsse. Dann schweifte mein Blick nach links und ich bemerkte einen Mann auf der Weide. Da entdeckte er uns auch schon und winkte; das mußte Werner Sißmann sein. Genau. Er hatte uns schon erwartet.

Mittlerweile hatten wir uns besser orientieren können. Die Weide, auf der wir uns trafen, gehörte einer Stute und ihrem jungen Fohlen. Später erfuhren wir, daß es sich um Dieone und Dhimaar handelt, gerade einen Monat alt geworden. Dahinter eine Weide mit einer Vielzahl von Pferden: die Stutenherde. Gegenüber eine Weide mit zwei Junghengsten oder besser gesagt Jungwallachen, denn sie waren gerade kastriert worden.

Diese beiden sind Pensionspferde und als Absetzer auf den Hof gekommen. In Kürze werden sie von ihren Besitzern abgeholt und in Beritt genommen. "Das wird natürlich ein schmerzhafter Abschied werden, denn wir haben die beiden ins Herz geschlossen." Aber bei etwa 1000 eingetragenen Zuchthengsten und 2000 eingetragenen Zuchtstuten wäre es sehr unvernünftig, Hengste in die Zucht zu nehmen, die keine Hengstqualitäten aufweisen.

"Hengste können sich ja hundertfach vermehren, da muß man eine strenge Auslese treiben." In den Warmblutzuchten ist man ganz andere Verhältnisse gewohnt. Ein Verhältnis von 1:2 ist ziemlich extrem. Aus älteren Verbandsberichten wußte ich, daß der Verband selbst diese Situation als problematisch ansieht. Anscheinend ist es nicht einfach, eine gewachsene Struktur umzustellen.

Anschließend auf weiteren Weiden noch zwei Hengste. "Die Hengste sind außen. Die bewachen die Stuten. Die passen den ganzen Tag auf ihre Stuten auf, sind aufmerksam, interessiert, beschäftigt. An denen ist kein Gramm Fett. Alle sind zufrieden. So einfach ist das." Donnerwetter! Da hatte ich in wenigen Worten ein komplettes, gut funktionierendes Aufzuchtsystem erläutert bekommen und sofort verstanden.

"Sie sehen das an den ausgetretenen Pfaden auf den Hengstweiden." Und ich sah das am Verhalten der Hengste selbst, die nicht nur wegen der Besucher neugierig und aufmerksam am Geschehen teilnahmen. "Und warum ist die Stute mit ihrem Fohlen allein?" "Die anderen Stuten, besonders die Jungstuten, wären zu aufdringlich. So haben die ihre Ruhe." Und weil alle Weiden aneinandergrenzen, haben die Pferde auch genug Sozialkontakte.

Ostenfelde  oben 



Euben, Originalfoto
Camerton, Gestütsprospekt Ostenfelde
Euben auf der Ostenfelder Allee
Eubens Ankunft: Erkennen Camertons
"Das System haben wir von den Thörners übernommen, und die haben es von den Polen. Thörners haben sich bei » Janow Podlaski alles genau angeschaut und sogar die Boxen ausgemessen. Hier und im Stall ist alles wie bei den Polen." Der Funkenhof ist nämlich die ehemalige Hengstaufzuchtstation des Gestüts Ostenfelde. Und dieses war die Lebensleistung der Thörners.

Das Gestüt Ostenfelde lag jenseits des Waldes. Heute gehört der Hof einem Arzt, der für seine Tochter einen Reitstall eingerichtet hat. Dieser Mann hatte kein Verständnis dafür, daß die hochberühmten und verdienten Spitzenvererber des Gestüts Ostenfelde in ihrem hohen Alter nicht mehr verpflanzt werden sollten. Die Thörners hatten zwar das Eigentum an Euben und Camerton auf die Sißmanns übertragen, diese wollten die alten Herrschaften jedoch ursprünglich nicht auf den Funkenhof holen, sondern sie in ihren angestammten Häusern belassen.

"Das waren eigentlich Hütten, nicht besonders komfortabel, aber vollkommen ausreichend. Die beiden lebten dort Sommers wie Winters im Freien. Euben hatte in seiner Jugend einen Boxenbrand erlebt und war dadurch extrem eigen." Euben und Camerton. Das sind offenbar Persönlichkeiten, die einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Werner Sißmann spricht mit großem Respekt von diesen beiden Pferden.

"Der neue Besitzer war ungeduldig. Die Pferde mußten weg. Wir haben überlegt, wie wir sie hierher kriegen. Sollten wir versuchen, sie zu verladen? Ohne Sedierung wäre das nicht gegangen. Und wie hätten sie darauf reagiert?" Beide Pferde waren polnisch gezogen, von Janow Podlaski, 1972 bzw. 1973 geboren, und seit 1977 bis zur Auflösung des Gestüts 1998 Hauptbeschäler auf Ostenfelde ( Ostenfelder Erbe).

"Wir haben uns dann entschlossen, sie über die Felder hierher zu führen. Auch das war nicht einfach, sie waren ja nie getrennt. Erst haben wir Camerton geführt, dann Euben, und alles wurde fotografisch dokumentiert. Beide haben sich auf der großen Allee, die zu Ostenfelde führt, umgeschaut, als wollten sie sagen: 'Wir kehren nie zurück'. Euben ist in dem Moment fotografiert worden, als er Camerton auf dem Funkenhof entdeckte. Ein bewegendes Foto, das um die ganze Welt gegangen ist!"

Man sieht ihm sein Alter an, er ist mit 26 Jahren abgemagert. Der Vergleich mit dem Starfoto spricht Bände. Es ging ihm aber bis zuletzt noch gut. Die beiden haben die Offenställe bezogen, die jetzt von den beiden Pensionspferden und einem Hengst bewohnt werden.

So haben sie ihren Lebensabend in der gleichen Weise verbringen können, wie sie 20 Jahre zuvor gelebt hatten: Seite an Seite. "Aber irgendwann hat Euben das Alter eingeholt. Er ist 29 Jahre alt geworden. Und ein paar Monate später ist Camerton ihm gefolgt." Auch Camerton ist 29 Jahre alt geworden; nicht ganz, zwei Tage fehlten ihm.

Euben hat ungefähr 600 Fohlen gezeugt; seine Nachkommen sind auf der ganzen Welt zu finden. Camerton und Euben sind nachträglich vom Verband der Züchter des Arabischen Pferdes (» VZAP) aufgrund ihrer Verdienste zu Elitehengsten ernannt worden. Werner Sißmann beeilte sich, hinzuzufügen: "Den Titel haben andere auch bekommen."

Es wäre ja legitim und in Ordnung gewesen, lediglich auf den Titel des Elitehengstes hinzuweisen. Der Nachsatz war eigentlich überflüssig und relativierte die Auszeichnung. Aber er zeigte, daß die Sißmanns sich nicht überschätzen, sich nicht als den Nabel der Welt sehen, als diejenigen, die die Welt beglücken müssen, wie das so häufig der Fall ist. Sie wissen, was sie tun, sind auch gerne bereit, darüber zu reden, aber sie wissen auch, daß die Welt groß ist und sie selbst nur ein kleiner Teil.

Wie sehen sich die Sißmanns im Vergleich mit den anderen Züchtern, wie gehen die Züchter miteinander um? Sie haben gemeinsame Interessen, sind aber auch Konkurrenten. Das ist eine schwierige Situation. In vielen Zuchtverbänden oder Interessengemeinschaften kommt es deshalb zu Streitereien und Spaltungen.

"Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander, aber es ist nicht besonders eng. Jeder bleibt überwiegend für sich. Wir nehmen gegenseitig Hengste in Anspruch." Damit sind wir beim nächsten Thema. Die Ismers, so hatte ich seinerzeit ausgeführt, züchten polnisch ( Vollblutaraber in Niedersachsen,  Die große Gestütsschau). Da gab es dann noch die "asilen"; eine Woche nach meinem Besuch in Marbach ( Araber) hatte es dort ein großes Fest unter diesem Zeichen gegeben (» Asil Cup International).

"Asil heißt ja 'rein', das ist also die ägyptische Reinzucht. Dann gibt es die polnischen, die spanischen, die russischen Blutlinien, die Shagyas, die Angloaraber usw. Die sind alle in der » WAHO zusammengefaßt, der World Arabian Horse Organisation, 50 Zuchtverbände. Was bei der WAHO eingetragen ist, ist arabisch. Damit kann man züchten, der Rest ist dem Züchter überlassen."

Gemogelt  oben 



Asilaraber Mathreb, Original
Fälschung: So sieht man erst die Schönheit
Der Fohlenwiese gegenüber steht der asil gezogene Vollblutaraberhengst Mathreb, Beweis für die Offenheit des Züchterehepaars Sißmann. Zwar bevorzugen sie generell die polnischen Linien, aber das hindert sie nicht daran, an Mathreb Gefallen zu finden.

Es ist Vatertag, Radfahrer kommen des Wegs, und Mathreb reagiert sofort, stellt sich in Positur, und der Fotograf ergreift seine Chance. Leider ist der Standpunkt ungünstig, der Zaun ist dazwischen. Dem Retuscheur ist nichts zu schwer, schon gar nicht, wenn digital bearbeitet wird. Meine Frau lästert natürlich wieder, wie immer, wenn ich "schummele", und das ist für sie schon dann der Fall, wenn ich ein Teleobjektiv einsetze.

Ich gebe ja zu, daß eine Brennweite von 420 Millimetern die Perspektive eines Fernglases verleiht und nicht so recht dem Augeneindruck entspricht, aber auch ein Weitwinkel zeigt etwas, das das Auge so nicht wahrnimmt. Wo fängt also die Lüge an? Das Auge ist in der Lage, zu abstrahieren. Wir nehmen die Schönheit des Pferdes insgesamt wahr und blenden die Existenz des Zaunes aus. Der Zaun verschwindet.

Insofern fühle ich mich gerechtfertigt. Das fertige Foto klebt den Zaun wieder vor das Pferd, das Auge ist nicht mehr in der Lage, jedenfalls nicht mehr so leicht, den Zaun auszufiltern. Also nehme ich den elektronischen Pinsel zu Hilfe. Nun kommt das Pferd in seiner ganzen Schönheit auch im Foto zur Geltung!

Ich hatte befürchtet, daß ich ein Problem bekommen würde, weil ja nun der Zaunpfosten hinter dem Pferd steht, wo er sich doch in Wirklichkeit vor dem Pferd befindet. Das Auge läßt sich aber täuschen, vermutlich durch den Löwenzahn. Beide Bilder sind gleichermaßen glaubhaft. Wer hätte das gedacht?

Für diejenigen unter Ihnen, die solches ebenfalls versuchen wollen: Mein Bildbearbeitungsprogramm, Paint Shop Pro, hat einen sogenannten Clone Brush. Damit kann man die Textur einer bestimmten Stelle auf eine andere übertragen. Man nimmt zum Beispiel leicht unterhalb des Elektrobandes eine Probe und wischt nach oben. Damit wird das Elektroband durch die Textur unterhalb des Bandes ersetzt.

Das Verfahren ist dort idiotensicher, wo die Textur sich kaum ändert oder so unregelmäßig und kleinteilig, daß der Ersatz nicht auffällt. Die Fellfärbung ändert sich natürlich ständig, weil dadurch der Körper und die Muskeln des Pferdes gezeichnet werden. Mit den Ersatz von anderer Stelle ist es also nicht getan. Man müßte das Fell unterhalb des Elektrobandes rekonstruieren, aber wie?

Es hilft nichts: Man muß doch schummeln. Der unpassende Fellersatz wird durch Überwischen angeglichen, wobei in diesem Fall der Pinsel sehr groß und grob eingestellt ist, d. h. Dichte (Density) und Deckung (Opacity) so um 60, 70%. Man könnte nun vermuten, daß der Unterschied nur in der Verkleinerung nicht sichtbar wird, aber das ist nicht der Fall. Auch in der Originalgröße müßte man schon sehr scharfsinnig sein, wenn man die Täuschung entdecken wollte.

Die ganze Operation hat etwa zehn Minuten gedauert. Das wichtigste war der Entschluß. Wenn ich jetzt konsequent wäre, würde ich den Pfosten auch noch entfernen und dann noch den Baum und sämtliche Elektrobänder. Dann hätten wir einen hochedlen Araber frei inmitten deutscher Kulturlandschaft – komplett gelogen, wer's glaubt, wird selig.

Fotografentricks  oben 



Eine Frage des richtigen Augenblicks
Fotografieren müßte man können!
Glauben Sie nur nicht, daß die professionellen Fotografen auf Tricks verzichten! Werner Sißmann wußte Bescheid. Die Sißmanns lassen sich auch teure Fotos von Profis machen. Selbstverständlich möchte der Kunde äußerst schicke Fotos von seinen Pferden haben, wenn diese schon viel Geld kosten, und sie müssen viel Geld kosten, weil der Fotograf leben muß und Aufwand treibt.

Also muß sich er überlegen, wie er mit vernünftigem Aufwand seine Kunden zufriedenstellen kann. Ich hatte den Zufall ausgenutzt, aber dazu muß man Glück haben. Das ist für einen Profi zu unsicher. Deshalb muß er die Aufmerksamkeit der Modelle mit anderen Mitteln sicherstellen. Er braucht eine Trickkiste und viel Erfahrung.

Hengste kann man relativ leicht zu ausdrucksvollen Haltungen bewegen. Man braucht lediglich eine Stute, mit der man ein wenig "herumwedelt". Entsprechende Lautäußerungen vom Tonband verfehlen ebenfalls nicht ihre Wirkung.

Werner Sißmann lieh sich die Jacke seiner Frau aus. Mit dieser spielte er ein wenig Torero, und schon ging der Hengst ab. Nun war ich am Zuge und mußte versuchen, die richtigen Schnappschüsse einzufangen.

Zwar bin ich von meiner Digitalkamera sehr angetan, aber einige Beschränkungen hat sie schon. Zum Beispiel ist alles automatisch, auch die Scharfeinstellung. Da nun so ein galoppierender Hengst sehr schnell näherkommt und sich wieder entfernt, hat die Kamera in dieser Hinsicht gewisse Probleme.

Natürlich habe ich die Serienschaltung genutzt; aber auch die ist nicht unproblematisch, denn nach einigen Schüssen bin ich außer Gefecht gesetzt, weil die Kamera die Daten erst einmal speichern muß – und das dauert. Inzwischen ist der Hengst schon ganz woanders. Ich hatte außerdem versäumt, das Kontrollbild auszuschalten; infolgedessen war ich für die Dauer von einer Sekunde "blind". Ach ja, ich muß noch viel lernen.

Zufällig habe ich vor einigen Wochen in einer Fachzeitschrift gelesen, daß es eine Kamera auf dem Markt gibt, die Serienbilder in Echtzeit speichern kann, so lange, bis das Speichermedium voll ist. Phantastisch! Vermutlich hat diese Kamera wiederum nicht die Optik, die ich brauche. Aber man sieht, wohin der Fortschritt geht. Das inzwischen vorgestellte Schwestermodell meiner Kamera hat die Möglichkeit der manuellen Scharfeinstellung. Na also!

Trotzdem, ich bin ganz zufrieden mit meiner Ausbeute. Und weil es so schön war, haben wir die Sache mit einem anderen Hengst wiederholt. Auch dieser tat uns den Gefallen und brachte sich vorzüglich in Positur; leider auf einer wunderschönen Obstwiese – ich hatte also ständig irgendwelche Bäume und Äste im Bild. Werner Sißmann kannte die Probleme. "36 Bilder sind im Nu durch. Unter 100 Filmen ist einer gut."

Wenn ich zufrieden bin, heißt das aber noch gar nichts für die Züchter. Da gelten ganz andere Maßstäbe. Wenn der professionelle Fotograf kommt, werden die Pferde gestriegelt und geputzt, in Positur gestellt, bei Laune gehalten – das ist höchst anstrengend. So ein paar Schnappschüsse, wie ich sie zustandebringe, kann jeder machen. Ob der Züchter solche Fotos veröffentlicht sehen will, ist eine ganz andere Frage.

In der nächsten Woche werde ich ein paar Fragen untersuchen, die auf der Hand liegen. Die Sißmanns engagieren sich für das arabische Pferd, das ist klar, aber sie sind auch Architekten. Wie paßt das zusammen? Wie wurden aus Architekten Züchter? Oder war es genau andersherum? Welche Ziele verfolgen die Züchter? Wer soll die produzierten Pferde kaufen? Was ist Hobby, was ist Beruf? Beeinflußt der Architekt den Züchter und umgekehrt? Wie ist das Verhältnis des Gestüts Farisha Arabians zum Gestüt Ostenfelde? Antworten auf diese Fragen will ich in der nächsten Woche versuchen.

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Farisha Arabians
  2. » Janow Podlaski, polnisches Staatsgestüt
  3. Magazin  Ostenfelder Erbe, Messeseite
  4. » VZAP, Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes – VZAP e.V. Deutschland
  5. Magazin  Vollblutaraber in Niedersachsen, Hauptartikel aus Ausgabe 163
  6. Magazin  Die große Gestütsschau, Hauptartikel aus Ausgabe 164
  7. Magazin  Araber, Hauptartikel Ausgabe 229
  8. » Asil Cup International
  9. » WAHO, World Arabian Horse Organisation


Fotos

Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
» Farisha Arabians

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Leserresonanz oben 

Notizen  Leserbrief  1288 vom 27.05.2004
zu Ausgabe Magazin  269
Farisha-Arabians Porträt in der Pferdezeitung

Sehr geehrter Herr Dr. Popken,

als freiberufliche Journalistin und passionierte Pferdefrau habe ich in meinen Jahren in Amerika eine Menge Gestüte und Züchter besucht und gelegentlich darüber geschrieben.

Nun wieder in Deutschland bin ich wieder in Sachen Pferdezucht auf Reisen und hatte das Glück, am Samstag den Funkenhof besuchen zu dürfen. Ich war tief beeindruckt und freute mich sehr, als die Sissmanns mir erzählten, dass Sie am Donnerstag dort zu Besuch waren, um ein Porträt über Farisha-Arabians zu schreiben. Voll Vorfreude und Ungeduld wartete ich auf Ihren Artikel und war dann zutiefst enttäuscht. Nichts von dem, was ich dort gesehen und gefühlt hatte, fand ich in Ihrem Bericht wieder, dafür eine meiner Meinung nach völlig deplazierte endlos lange Abhandlung über Pferdefotografie und Bildbearbeitung. Kann es wirklich sein, dass Sie nichts von dem, was den Funkenhof wirklich ausmacht, mitbekommen haben?

Nun ja, ich jedenfalls habe dies zum Anlass genommen, einen eigenen Artikel über Farisha-Arabians zu schreiben, den Sie hier als Anlage finden und den sie, wenn Sie möchten, gern veröffentlichen dürfen. Ich hoffe Sie verzeihen mir, dass ich den ersten Satz (den ich super finde) von Ihnen kopiert habe.

Mit kollegialen und freundlichen Grüssen

A. Deness

Farisha-Arabians – ein Märchen aus 1001 Nacht?

Auf den ersten Blick erscheint es dem Besucher des Funkenhofes tatsächlich so. Auf satten grünen Weiden so weit das Auge reicht grasen die insgesamt 16 vierbeinigen Bewohner des Funkenhofes in friedlicher Eintracht. Wunderschöne Pferde mit edlen Araberköpfen, großen Augen und herrlichem Behang erfreuen den Betrachter bei einem Rundgang über die Weiden. Auf der einen Seite die feurigen, stolzen Hengste, jeder auf einer eigenen Weide, immer mit einem wachsamen Blick auf die auf der anderen Seite grasende Stutenherde und in der Mitte die Prinzessin des Funkenhofes, Dieone, Tochter des legendären Euben mit ihrem jüngsten Hengstfohlen Dhimaar.

Gerade mal einen Monat alt ist der kleine Kerl, der sich dem Kenner schon jetzt als späterer Traumhengst präsentiert.

Vertrauensvoll und angstfrei galoppiert er dem Besucher entgegen, lässt sich berühren und scheint dies sichtbar zu geniessen. Kein Wunder, er wurde wie jeder neue Zögling des Funkenhofes liebevoll von den Sissmanns auf dieser Welt willkommen geheissen.

1991 ging für Barbara und Werner Sissmann ein Traum in Erfüllung. Nach langer Suche war der Funkenhof als neues Zuhause für die beiden ambitionierten und erfolgreichen Architekten und ihre 3 Pferde gefunden und gekauft worden. Der ehemalige Hengstaufzuchtsstall der Thörners, mit denen die Sissmanns noch heute eine innige, respektvolle Freundschaft verbindet, wurde neues zu Hause und Grundstein für die kleine, aber feine Araberzucht, die seitdem dort entstanden ist. Begeistert von den polnischen Arabern der Thörners starteten die Sissmanns ihre eigene Zucht zunächst mit Stammstute Farisha, Cetalia und Mantilla. Später kam die lang umworbene Dieone dazu. Der Name Farisha-Arabians entstand jedoch durch Shems el Farisha, das erste Pferd von Barbara Sissmann, das durch Charakter und Schönheit auch mit ihren heute 20 Jahren immer noch besticht. Zwei herrliche Fohlen, Farah und Favor, schenkte Farisha das Leben. Auch sie beide bis heute fester Bestandteil des Funkenhofs. Favor hat sich inzwischen zu einem wunderschönen, rittigen Hengst entwickelt, charakterlich wie seine Mutter, sanft und feurig zugleich. Farah führt als Zuchtstute ein herrliches Leben.

Ja, und da sind wir wieder bei dem Märchen aus 1001 Nacht. Für die Pferde und Hunde (drei wunderschöne Australian Shepherds!) des Funkenhofs stimmt das sicher, für die zweibeinigen Bewohner jedoch bedeutet der Funkenhof auch Verzicht, klare Zielsetzung, Kraft und Hingabe. Hier wird nicht "produziert" sondern mit Herz und Verstand auf Klasse statt Masse gesetzt. Hier geht es nicht um Profit und Kommerz, sondern um Passion und Lebenseinstellung, die verwirklicht werden will. Um dem enormen finanziellen und arbeitsmäßigem Aufwand gerecht zu werden, wurden hier die Aufgaben geteilt. Barbara Sissmann, die "Außenministerin", bringt ihre architektonischen Kenntnisse in das Bauamt einer nahegelegenen Stadt ein, während Werner Sissmann, der "Innenminister" die tägliche Arbeit auf dem Hof bewältigt und freiberuflich mit Leidenschaft vor allem landwirtschaftliche Projekte plant und durchführt. So ist u.a. so manche Reitanlage im deutschen Land unter seiner kompetenten Leitung entstanden.

Zucht, Aufzucht und Pflege der Pferde teilen sich die beiden. Viel Wissen wird benötigt um die richtigen Anpaarungen zu schaffen und aus gesunden Stuten gesunde Fohlen zu ziehen. Charakterlich einwandfreie, rittige, dem Menschen zugewandte Araber mit Leistungsbereitschaft und robuster Gesundheit sind das Ziel der Zucht. Fleiss und 24-Stunden Bereitschaft gehören für die Sissmanns zum täglich Alltag. Dass sie dies mit Liebe tun, davon kann sich jeder überzeugen, der die auf dem Funkenhof gezüchteten Pferde genau beobachtet. Nicht nur schön sind sie, auch vertrauensvoll, neugierig, sensibel und sanft im Umgang mit den Menschen. Und ein gewaltiges Gangwerk haben sie! Traumhafte, ausdauernde Reitpferde wie Magnifico, Divina, Majon usw. haben hier das Licht der Welt erblickt.

Glücklich der, der hier ein Pferd nach kompetenter Aufzucht erwerben darf. Auf Herz und Nieren prüfen Barbara und Werner Sissmann die künftigen Besitzer ihrer liebevoll gezogenen Araber. Arbeit und Hingabe, die in einem 3-4 jährigen Jungpferd der Sissmanns stecken können ohnehin nicht mit Geld bezahlt werden, aber ein gutes Zuhause in fördernde Hände und artgerechte Haltung ist Grundvoraussetzung für jeden Farisha-Arabian, der den Hof verlässt. Davon überzeugen sich Barbara und Werner Sissmann im Vorfeld und bieten auch für das Danach ihre kompetente Hilfe an: Wer ein Pferd bei den Sissmanns erwirbt, der bekommt auch lebenslange Betreuung und Rat kostenlos dazu.

Auf der jährlichen Gestütsfeier zu Farishas Geburtstag treffen sich dann alle glücklichen Pferdebesitzer wieder, tauschen Erfahrungen aus, zeigen stolz ihre Fotos, erzählen von erfolgreichen Distanzritten oder der Teilnahme an einem Martinsritt, bei dem das Pferd durch die Kirche bis an den Altar geritten wurde, ohne mit der Wimper zu zucken. Auf dem Funkenhof geht es halt um mehr als nur die Zucht von reinblütigen Arabern, um mehr als Profit, hier geht es um eine Lebensphilosophie, die zwei Menschen sich verwirklicht haben und Gleichgesinnte herzlich dazu einladen, daran teilzuhaben.

Farisha-Arabians – ein Märchen aus 1001 Nacht? Nein, gott sei Dank kein Märchen, sondern herrlich gelebte Realität!


Sehr geehrte Frau Deness,

herzlichen Dank für Ihre Zuschrift! Den Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen. Er erinnerte mich ein bißchen an die Art meiner Kollegin Sylvia Frevert. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden. So schreibt die Mehrzahl der professionellen Journalisten, was ich in keiner Weise abwertend meine.

Bei der Gründung der Pferdezeitung war es jedoch nicht meine Absicht, noch ein weiteres Magazin zu gründen, in dem man Artikel lesen kann, wie sie auch anderweitig zu finden sind. Die Pferdezeitung sollte ein eigenes Gesicht bekommen. Das ist gelungen.

Sie haben recht mit der Bemerkung, daß der Abschnitt über die Fotografie eigentlich nicht in so einem Bericht erwartet wird. Meine Leser fotografieren aber, wie jeder heutzutage, selbst. Deshalb gebe ich meine Erfahrungen und Kenntnisse gerne weiter, und genau das wird von den Lesern sehr geschätzt.

Überhaupt zeichnet sich die Pferdezeitung dadurch aus, daß die Artikel eben nicht so sind, wie in den anderen Magazinen. Besonders Leser, die alle anderen Magazine kennen, freuen sich immer wieder über den frischen Ton und die ungewöhnlichen Themen und Betrachtungen.

Ich persönlich hole auch gerne aus und schweife ab, und zwar ganz bewußt. In meinem Rasseporträt über die Kabardiner zum Beispiel erlaube ich mir einen Rückblick in die Geschichte und Kultur des Volkes, das diese Pferde züchtet. Mein Rasseporträt über die Vollblutaraber erstreckt sich über viele Ausgaben. So etwas wäre in einem Printmagazin gar nicht möglich. Auch das ist ein Kennzeichen der Pferdezeitung: die Möglichkeiten des Internet zu nutzen.

Unser Besuch bei den Sißmanns war sehr eindrucksvoll und inhaltsreich. Der Artikel, auf den Sie sich beziehen, ist lediglich der erste Teil, der mit einem Ausblick auf den zweiten Teil endet. Dieser zweite Teil ist noch nicht geschrieben; möglicherweise gibt es noch einen dritten Teil, vielleicht sogar einen vierten, das weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall habe ich vor, die vielfältigen Eindrücke, Erzählungen und Erfahrungen ausführlich zu würdigen.

Ihr Artikel umfaßt etwa 5.400 Zeichen. Artikel in Printmedien haben meistens etwa 10.000 Zeichen. Die Leser der Pferdezeitung erwarten mehr. Die Artikel der Pferdezeitung sind in der Regel mindestens 15.000 Zeichen, meistens zwischen 20.000 und 25.000 lang. Die begonnene Artikelreihe über das Vollblutarabergestüt Farisha Arabians wird sehr umfangreich und mit Sicherheit sehr informativ. Ich hoffe, daß ich den Sißmanns gerecht werde, und lade wie immer die Leser zur Korrektur ein, falls diese Einwände haben. Sie haben sich bereits zu Wort gemeldet, und ich danke Ihnen dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Popken

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