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Hochzeit
Einer von vier Zierbeschlägen, Ausschnitt Silber, vergoldeten, Höhe 5 cm Schatzfund von Letniza, Bezirk Lowetsch 400 -350 v. Chr. Historisches Bezirksmuseum Lowetsch (» Farisha Arabians) Hochzeit habe ich den Galeriebeitrag dieser Woche betitelt; das zeitliche Zusammentreffen mit der gestrigen Hochzeit des spanischen Thronfolgers ist rein zufällig. Im Galeriebeitrag der letzten Woche (» Janow Podlaski) haben wir bereits von Zierappliken gehört, die das Halfter der Pferde auf der Vase schmückten. Der Katalog ist voll von Zierappliken für Halfter und Geschirre; es war mir klar, daß ich diese kunsthandwerklichen Arbeiten in dieser Reihe würdigen muß. Auf der Hansepferd wurde ich Zeuge, wie jemand anhand einer Zeichnung eine solche Verzierung suchte. Der Händler hatte zwar vieles, aber so etwas nicht. Ich wußte jemanden, der solche Teile machen kann. Auch heute noch sind Schmuckverzierungen an Geschirren gefragt, vor allen Dingen in Fahrerkreisen; in diesem Fall handelte es sich allerdings um einen Reiter, und die Vorlage stammte von englischen Paradegeschirren. Diese Zierappliken sind sicherlich nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt und haben vor über 2000 Jahren ebenfalls der Überhöhung der Pferde und des Besitzers gedient. In historischen Zeiten hat man überwiegend Symbole verwendet, aber dieses hier sind Bildwerke, Reliefs, die eine Geschichte erzählen. Kommentar Von
Zunächst hatte ich vermutet, daß er ein Kettenhemd, also eine Rüstung, trägt, aber ein Blick auf den Oberkörper der links stehenden Frau ließ meine Überzeugung wanken. Möglicherweise hat der Künstler mit seiner Oberflächengestaltung lediglich andeuten wollen, daß es sich um gewebte Kleidung handelt. Die Gestaltung der Nase könnte man als Teil eines Helmes lesen, der die Nase schützen soll. Andererseits deutet der Rest nicht unbedingt auf einen Helm hin. Die links stehenden Frau scheint etwas zu rufen oder zu singen. Sie vollführt gleichzeitig deutliche Gesten mit den Armen, die möglicherweise segnend gelesen werden können. Die mittlere Frau sitzt rittlings auf den Oberschenkeln des Mannes, ist ebenfalls bis auf die Unterschenkel und Füße bekleidet und könnte eventuell an den Knöcheln Schmuck tragen. Die Frau umarmt die Schulter des Mannes mit Ihrem linken Arm, während die rechte Hand zärtlich seine Brust berührt. Seine rechte Hand ist hinter der auf ihm sitzenden Frau in Richtung auf die "Sängerin" ausgestreckt, seine linke Hand ist nicht auszumachen. Anatomisch etwas unglücklich, von der Bildgestaltung her aber deutlich vorgetragen ist die Sicht auf seine Geschlechtsteile. Seine linke Hand könnte sich darum bemühen, diesen etwas zu helfen. Sein Glied dringt nämlich in die Scheide der auf ihm sitzenden Frau ein, die dazu vermutlich ihr Kleid ein wenig hochgeschoben hat. Was sagt die Wissenschaft dazu? |
Die heilige Hochzeit wird griechisch bezeichnet und soll damit nicht etwa einen profanen Geschlechtsverkehr, sondern einen religiösen Akt darstellen. Ich habe zu diesem Terminus ein wenig recherchiert. Soweit ich herausfinden konnte, gab sich die Göttin dem König hin, stellvertretend vollzogen durch die Oberpriesterin, wobei allerdings der König dann wiederum Stellvertreter für den göttlichen Geliebten der Göttin war. Die Angelegenheit war äußerst wichtig, weil dadurch die Fruchtbarkeit für das kommende Jahr beschworen wurde. Es handelt sich damit um ein religiöses Ritual von Ackerbauern, die darauf angewiesen waren, daß das Jahr ohne Störungen verlief und eine gute Ernte eingebracht werden konnte. Ein letzter Rest dieser Feierlichkeiten ist selbst nach 2000 Jahren Christentum in unseren Maibräuchen nachweisbar (› Ostenfelder Erbe). Der Hippokampos ist ein Mischwesen aus Pferd und Fisch; ich war darauf schon einmal gestoßen (» VZAP) und hatte später einen › Vollblutaraber in Niedersachsen in Salzburg vor der Kathedrale entdeckt. |
Der Katalog zeigt sehr viele dieser Reiter als Zierbeschläge für Geschirre; unser Beschlag ist typisch, wird aber als Teil eines Mythos gesehen, wie wir gerade gehört haben. Der Katalog sagt:
Soweit ich das überblicken kann, sind viele Einzelheiten stereotyp, so z. B. das Geschlecht des Hengstes, das eher dem eines Mannes ähnelt und überdeutlich hervorgehoben ist. Besonders merkwürdig sind die Applikationen an den Beinen des Pferdes, die ebenfalls regelmäßig wiederkehren. Der Katalog schweigt sich dazu aus, wenn ich nichts übersehen habe. Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, daß der saudische König 5000 Nachkommen besitzt. So ähnlich wird das wohl damals bei unserem Helden auch gewesen sein. Wenn man ein bißchen rechnet, ist die Sache schon merkwürdig. Nehmen wir der Einfachheit halber einmal an, daß der Held 50 Jahre zeugt, dann sind das 100 Schwangerschaften im Jahr. Nun soll es vorkommen, daß ein einziger Geschlechtsakt schon den gewünschten Erfolg bringt, aber das wird nicht die Regel sein. So ein Held und König muß also enorm rüstig sein, und in der Tat wurde der König aufs Altenteil geschickt, wenn es mit seiner Zeugungskraft nicht mehr so weit her war. "So endete Davids Herrschaft, nachdem er altersbedingt lendenlahm geworden war (1.Könige 1ff.)." (› Araber). Das Gedeihen des ganzen Landes hing vom König ab. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, daß die Hochzeit des zukünftigen Königs von Spanien nach wie vor symbolische Bedeutung hat und deshalb mit allem erforderlichen Aufwand gefeiert werden mußte. Dazu zwei Anmerkungen von meiner Frau: Zunächst bin ich einem Denkfehler unterlegen. Nachkommen sind die eigenen Kinder, die Enkel und die Urenkel usw. So sehr mußte sich der saudische König also nicht anstrengen, seine Nachkommen haben mitgeholfen. Zum anderen ist der Bezug der Maibräuche zu den Fruchtbarkeitsriten teilweise noch viel deutlicher sichtbar. Um Ulm herum soll es den Brauch geben, daß die jungen Männer ihrer Angebeteten am 1. Mai Birkenreiser aufs Dach stecken, die sogenannten Maien. Hier wird also symbolisch etwas gesteckt, was in alten Zeiten praktisch vollzogen wurde. Irgendwo in Deutschland gibt es auch den Brauch, einem jungen verheirateten Ehepaar, bei dem sich kein Nachwuchs ankündigt, nach einem Jahr einen Maibaum in den Garten zu stellen, als Fruchtbarkeitssymbol. Die Nachbarn treiben sozusagen helfende Magie. |
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