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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 319, erschienen am 08.05.2005

Magazin  Ausgabe 319
Heidi Keppel
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Tipps zur Weidehaltung II
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel

Anhand eines negativen Beispiels hatte ich in der letzten Woche gezeigt, dass die Auswahl eines Weideplatzes durchaus eine wohlüberlegte Sache sein sollte.

Schauen Sie sich dabei zuerst einmal die Lage der betreffenden Weide genau an.

Weiden direkt in Autobahnnähe sind zwar bequem erreichbar, stellen aber aufgrund des erhöhten Bleigehaltes im Gras nicht gerade eine gesunde Aufwuchsmöglichkeit dar. Außerdem können solche Plätze auch von anderen Menschen ohne viel Aufwand besucht werden, was ebenfalls viele Gefahren birgt. Vergessen Sie nicht, dass es viele gedankenlose und unwissende Menschen gibt, die den Pferden z.B. schimmeliges Brot (kann Kolik bewirken) oder Fallobst (kann bei gierigen, unvorsichtigen Jungtieren zur Schlundverstopfung und damit sogar zum Tod führen) verfüttern, und denken Sie natürlich auch an geistig gestörte bzw. perverse Individuen, die als so genannte Pferdeschlächter immer wieder auf Weiden vor allem nachts ihr Unwesen treiben. (Ich habe zwei Pferde auf so grausame Weise sterben sehen und würde meine Tiere niemals solchen Gefahren aussetzen.)

Bei eher entlegenen Weiden, die von den jeweiligen Betreibern meist nur in unregelmäßigen Abständen besucht werden, besteht wiederum die Gefahr, dass z.B. ein verletztes oder krankes Pferd nicht rechtzeitig bemerkt wird und somit jede Hilfe zu spät kommt oder durch die Verzögerung zusätzliche Komplikationen entstehen.

Eine abseits stark befahrener Straßen gelegene, möglichst nicht gut einsehbare Weide, die von ihren Besitzern verlässlich täglich kontrolliert wird, wäre bezüglich dieser Problematik die beste Variante, wie sie allerdings leider nicht sehr häufig zu finden ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umzäunung der Weide, und auch da ist es schwierig, eine ausbruchsichere und zugleich pferdefreundliche Lösung aufzutreiben, die für den Vermieter der Weide auch vom Preis her rentabel ist.

Immer noch werden bevorzugt niedere Stacheldraht- oder Elektrozäune verwendet, die viele Verletzungs- und Ausbruchsmöglichkeiten bieten. Holzzäune wären zwar in stabiler Ausführung (Dünne, leicht zersplitternde Bretter können Pferde unter Umständen lebensgefährlich verletzen!) die beste Variante, sind aber vor allem auf sehr großen Weiden nicht erschwinglich. Bei billigen Maschendrahtzäunen besteht wiederum die Gefahr des Hängenbleibens mit den Hufen im unteren Teil des Geflechts, ein Problem, das bei teureren Wildzäunen mit engeren Drahtabständen in Bodennähe wegfällt.

Auch die Weide selbst sollten Sie genauer begutachten, denn eine verwahrloste Weide, die zum Großteil aus Gestrüpp und mehrjährigen, hartstängeligen Stauden besteht, bietet schon nach kurzer Beweidung nicht mehr ausreichend Futter, da solche Pflanzen außerdem ein Zeichen dafür sind, dass es sich um einen trockenen Boden handelt, der den so nötigen raschen Graswuchs (vor allem bei vielen Weidetieren) keineswegs bieten kann.

Steinige oder gar felsige Weiden, wie sie in Gebirgsregionen durchaus vorkommen können, sind ebenfalls nicht für jedes Pferd geeignet. Die Stolper- und damit Verletzungsgefahr ist vor allem bei Jungtieren weniger trittfester Rassen doch sehr groß und sollte deshalb in die Überlegungen unbedingt miteinbezogen werden.

Die Qualität der Weide wird aber nicht nur durch das natürliche Futterangebot, sondern vor allem durch diverse Zusatzausstattungen bestimmt.

So ist es vor allem wichtig, dass alle Weidepferde die Möglichkeit haben, sich vor extremen Wetterbedingungen (große Mittagshitze mit schädigender Sonneneinstrahlung, lang anhaltende starke Regenfälle, Gewitter, Sturm) zu schützen. Dichte Baumgruppen bieten einen gewissen natürlichen Schutz, können aber vor allem bei heftigen Gewittern auch zu regelrechten Fallen werden, wenn der Blitz dort einschlägt.

Unterstände bzw. Schutzhütten, die mit der geschlossenen Rückseite gegen die Hauptwindrichtung (in unseren Breiten ist dies meist der Westen) aufgestellt wurden, sind aber der einzige wirklich sichere Schutz gegen jegliche Wettereinflüsse und zum Teil sogar gegen massenhafte, für schwächliche Tiere nicht ungefährliche Bremsenattacken.

Kriebelmücken und Stechfliegen können allerdings auch dadurch nicht von ihrer Blutsaugertätigkeit abgehalten werden, weshalb empfindliche Sommerekzempferde auch niemals auf eine Weide gebracht werden sollten, wo sie diesem Ansturm hilflos ausgesetzt sind. Für solche Tiere wäre dies keine Erholung, sondern die reinste Quälerei!


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