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![]() Jockey P.J. Werning, Gelsenkirchen 2002 |
![]() K.J. Spengemann führt Hedgehog |
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Kai Jasper Spengemann sieht sich in seiner Rolle als Mittler zwischen verschiedenen Welten als ultimatives Kompetenzzentrum, als "Vollblut-Papst". Da will er hin. Die Einladung der » Reiter-Revue zum Thementalk "Wieviel Blut tut gut?" ist bereits ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Die Ausbildung und Körung dreier Vollbluthengste für die Warmblutzucht im letzten Jahr ebenfalls (Oldenburg: » Desirao xx, » Ruffian Reef xx, Holstein: » My Happy Guest xx). Und die Umschulung von zahlreichen Exgaloppern zu verläßlichen Freizeit- und Sportpferden ebenfalls. Er hat also schon einen Teil der Wegesstrecke zielstrebig hinter sich gebracht. Wie kann aus einer Vision ein Unternehmenskonzept werden? Als erstes braucht man einen Firmennamen, der alle Möglichkeiten offenläßt. Zugleich sollte dieser jedoch auch eine Richtung weisen. Beispielsweise hätte "Spengemann-Pferdeausbildung" eine Festlegung bedeutet und wäre somit eine Einengung gewesen, die ein falsches Signal gesetzt hätte. "Partner Vollblut" hingegen ist Titel und Aushängeschild und weist eine Richtung, stellt eine (Wort-)Marke dar, weckt die richtigen Assoziationen. Der Name Spengemann fehlt. Das mag zunächst verwundern bei jemandem, der sich als Experte profilieren möchte, ist aber ein kluger Schachzug, denn der Name Spengemann würden ja zunächst keinerlei Zugkraft haben und müßte selber erst als Marke etabliert werden. Die Kombination der Worte "Partner" und "Vollblut" ist hingegen einprägsam und aussagekräftig. "Partner" klingt vertrauenerweckend, stellt die Vermittlerfunktion heraus, "Vollblut" spezifiziert und prägt die Richtung. Mit "Partner Vollblut" kann man lange leben und viel bewirken. Hinter diesem Begriff könnte sich eines Tages ein ganzes Team verbergen, dessen Kopf der Gründer ist. Mehrere Geschäftsfelder könnten sich unabhängig voneinander entwickeln und von unterschiedlichen Experten betreut werden, die Spengemanns Vision im Tagesgeschäft umsetzen. Der Begriff "Partner Vollblut" deckt möglicherweise noch mehr Dienstleistungen ab, als heute angeboten werden, ist also offen für alles mögliche, das sich vielleicht erst noch entwickeln wird. Eine glückliche Wahl. Das aktuelle Leistungsangebot umfaßt laut Flyer Partner-Vollblut
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Die Belastung der Vollblüter beim Rennen ist unglaublich hoch. Üblicherweise werden Geschwindigkeiten nicht gemessen, aber da Rennpferde den Kilometer aus dem Stand in weniger als einer Minute zurücklegen, dürften Spitzengeschwindigkeiten um 70 km/h erreicht werden. Bei einem Gewicht von 500 bis 600 Kilogramm ergeben sich erhebliche Belastungen für Skelett, Muskeln und Bänder. Laut Spengemann ist diese Belastung wesentlich höher als bei Springpferden, die ja immerhin ihr Gewicht (und das des Reiters) nach dem Sprung auffangen müssen, zehnmal so groß. Bei einer Rasse, die auf solche Leistung über Jahrhunderte hin durchgezüchtet ist, darf man eine entsprechende Robustheit erwarten. Aber auch kleinere gesundheitliche Probleme, die zum Ende der Rennkarriere führen, müssen nicht unbedingt heißen, daß das Pferd für den Rest seines Lebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat. Ein Beispiel für eine komplette Wiederherstellung habe ich eingangs schon genannt, von vielen weiteren habe ich mir erzählen lassen. Bei meinem Besuch stand ein Pferd im Stall, das sich beide Vorderbeine gebrochen hatte. Spengemann zeigte mir Röntgenaufnahmen, die den Haarriß deutlich zeigten, und eine weitere, die die fast vollständige Heilung belegten. Bisher war ich davon ausgegangen, daß Knochenbrüche bei Pferden grundsätzlich einem Todesurteil gleichkommen. Das ist offenbar längst nicht mehr der Fall. Die Rennszene ist eine Welt für sich und hat so gut wie nichts mit der Dressurszene, der Springszene oder dem Freizeitreiten zu tun. Wer dort nicht zu Hause ist, wird sich schwertun. Spengemann zitierte einen Spruch, der von Das ist anscheinend nicht das Hauptproblem der heutigen Rennsportszene. Der Bestand an Galopprennpferden hat sich vor 1999 bis 2005 um mehr als 20% verringert. In etwa dem gleichen Maße sind die Umsätze zurückgegangen (» Pferderennbahn Niederrad). Die Attraktivität läßt offenbar zu wünschen übrig, es gibt genug andere Sportarten, für die die Menschen sich begeistern können, und damit entsteht eine negative Spirale, an deren Ende das Ende des Galoppsports und der Vollblutzucht stehen würde. Das kann eigentlich niemand wollen. Die Verwertung der Vollblüter, die sich für die Rennbahn nicht eignen, ist dabei bestimmt das geringste Problem. Wenn Kai Jasper Spengemann die Vollblüter als Sportpferde oder Freizeitpferde anpreist, hat er also sicher nicht die Gesundung des Rennsports im Sinn. Er glaubt einfach an die Vollblüter, weil er sie kennt und liebt. Dabei weiß er natürlich genau, daß Vollblüter auch nur Pferde sind, oder anders gesagt: Warmblüter und Ponies und alle anderen Pferde haben ebenfalls ihre Vorzüge, und wer etwas von Vollblütern versteht, kann auch mit diesen Rassen umgehen. Mit dieser Erkenntnis kann man aber keinen Alleinstellungsanspruch begründen. Weil es ohne Marketing nicht geht, wird das Vollblut bei ihm deshalb immer an erster Stelle stehen. Partner-Vollblut eben. Das bedeutet für Sie, daß Sie bei Kai Jasper Spengemann immer ein offenes Ohr finden, wenn Sie sich für Vollblüter interessieren. "Manche Leute schreiben irrsinnig lange E-Mails, und ich antworte darauf immer: Rufen Sie mich an! Und dann kommt nichts", wundert sich Spengemann über die ach so große Wißbegierde mancher Pferdefreunde. "Schreiben kann man viel, man muß miteinander reden", ist seine Devise. Daß das funktioniert, kann man sogar im Internet nachlesen:
Spengemann hält sich also alle Möglichkeiten offen und wartet ab, in welcher Richtung seine Dienste besonders gefragt sind. |
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Es sind aber nicht nur die Pferde, um die Spengemann sich kümmert, sondern auch die Menschen. "Mit den Pferden ist es ja einfach, mit den Menschen ist es schwierig", meint Spengemann. "Heutzutage haben wir es oft mit einem neuen Art von Pferdefreunden zu tun. Noch nie auf einem Pferd gesessen, aber zehn Bücher gelesen – so geht es nicht. Es ist wie mit dem Autofahren – aus Büchern allein kann man das nicht lernen." Bei den Vollblütern kommt noch hinzu, daß es sich um besonders intelligente Pferde handelt, die schwierig erscheinen, weil die Menschen mit den Problemen nicht umgehen können, wodurch diese sich potenzieren. Einen guten Eindruck bekommen Sie vielleicht durch folgenden Beitrag in einem Forum:
Auf diesen Hilfeschrei melden sich einige Leidensgenossen mit guten Tips, von denen einige probierenswert erscheinen, andere bereits erfolglos erprobt sind. Zum Schluß meldet sich "Sonja" von » Pferdesport-TV:
Hier erscheint Spengemann als Zauberer für Pferde. Aber die Pferde sind ja nur die eine Seite der Medaille, die Menschen müssen genauso ausgebildet werden, und da dauert es vielleicht etwas länger. Das Problem ist dabei natürlich die Entfernung. Bei der Ausbildung ist Kontinuität wichtig, und da kann Spengemann natürlich nur in einem recht engen Radius helfen. Das folgende Tagebuch über die Ausbildung von Simone und ihrem Pferd Olympia zeigt sehr anschaulich, wie vor allem der Mensch lernt, daß aber gemäß Spengemanns Vorgaben auch die Gesundheit und die Ausrüstung stimmen muß:
"In den letzten Jahren hat sich viel geändert", gibt Spengemann zu bedenken. "Früher reichte es aus, wenn der Sattel dem Reiter paßte. Heute muß er vor allem dem Pferd passen." |
Zum Schluß bekam das Fohlen noch einen Beschlag. Das wiederum machte mich stutzig; schließlich habe ich ausführlich über Sinn und Unsinn von Beschlag geschrieben. Ich wollte wissen, wie Spengemann grundsätzlich zum Beschlag steht und welche Argumente er mir für den Beschlag liefern kann. Es dauerte eine Weile, bis wir uns verstanden. Im Grunde ist auch er der Meinung, daß Pferde am besten ohne Beschlag laufen. Ich konnte dann miterleben, wie pragmatisch er vorgeht. "Was für das Pferd am besten ist" – das ist seine Devise. Gleich eingangs hatte Spengemann einem Vollblut ein Eisen abnehmen müssen, weil es sich gelockert hatte. Dazu benutzte er eine spezielle Zange, mit der man die Hufnägel greifen und herausziehen kann. Seine Mitarbeiterin hielt den Hengst derweilen und beruhigte ihn. Anschließend rief er seinen Hufschmied an, er müsse noch vorbeikommen. Es dauerte nicht sehr lange, dann war er da. Und nun erwartete ich, daß wir unser Gespräch wieder unterbrechen würden, damit er den Hengst festhalten könne. Das war aber nicht nötig. Der Schmied Wojciech Gutowski aus Herford nagelte dem Hengst ohne jede Hilfe ein neues Eisen auf. Ich war verblüfft. Anschließend mußte Spengemann dann doch noch helfen und eine Stute halten und beruhigen, der die Eisen abgenommen werden sollten; entsprechende Fotos habe ich in der letzten Woche schon verwendet. Bei einem weiteren Vollblüter wurde dann diskutiert, wie die Hufe einzuschätzen sind. Die beiden einigten sich darauf, zunächst nichts zu unternehmen und die Hufe weiter zu beobachten. In spätestens einer Woche würden sie dann wieder beratschlagen, ob und gegebenenfalls was zu unternehmen ist. Auf der Rennbahn sind spezielle "Renneisen" aus Aluminium üblich, die in der Mitte eine Vertiefung haben und dadurch auf der Grasbahn besser greifen sollen. Im übrigen setzt Spengemann Hufbeschlag gezielt zu therapeutischen Zwecken ein. Die Hufe sind, wen wundert es, auch für ihn ganz wesentlich und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit und Pflege. Und wenn sich Probleme ergeben, sei es mit der Stellung oder mit der Substanz, dann fragt er sich: "Braucht der Eisen?" Leider wurde er in dieser Hinsicht ebenfalls erst durch Schaden klug. Er wollte nämlich bei den Deutschen Meisterschaften der Military mitmischen, aber sein Hufschmied machte einen Strich durch die Rechnung. "Vorne zu kurz, hinten zu lang genagelt, ins Leben, mit sieben Grad zu flach – da war die Meisterschaft gestorben. Und ich habe mir eine Huflehre besorgt." So etwas hatte ich noch nie gesehen und mußte es gleich fotografieren. Das Bild erklärt das Gerät. Und wie war das nun mit dem Fohlen? Warum brauchte das ein Eisen? "Es half dem Fohlen, den Fuß aufzusetzen. Es war einfach ein Trick. Durch das erhöhte Gewicht habe ich es überlistet. Und allmählich traute es sich, das Bein wirklich zu belasten." Demnächst macht Spengemann eine Akupunktur-Ausbildung. Er will es wirklich wissen. Wenn Akupunktur hilft, desto besser. Klassische ärztliche Kunst, Osteopathie, Magnetfeld-Therapie, Homöopathie, Bioresonanz – auf der Suche nach der Ursache bedient er sich sämtlicher Mittel, bis er Erfolg hat. Für eine Vollblut-Lobbyarbeit wäre das alles nicht nötig. Spengemann ist eben doch ein Pferde-Liebhaber, der allem auf den Grund gehen will. Wenn das Pferd dann auch noch ein Vollblut ist, kann er strahlen – und er strahlt auf beeindruckende Weise. Auf manchen Fotos kommt das gut zum Ausdruck. Sollten Sie Hilfe brauchen, sprechen Sie ihn ruhig an – schaden kann es ja nicht. Es muß auch nicht unbedingt ein Vollblut sein, um das es geht. Wenn Sie lieber eine lange E-Mail schreiben wollen, spricht nichts dagegen, aber wundern Sie sich nicht, wenn die Antwort kurz und bündig lautet: "Rufen Sie mich an!" Seine Kontaktdaten finden Sie unter » Partner Vollblut. |
Fotos |
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