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Bei Pferden spricht man von "hart herannehmen", was angeblich die Aufgabe der Ausbilder ist, damit dem Pferd gezeigt wird, wer das Sagen hat. Im Englischen spricht man entlarvend vom "Einbrechen", wenn man eigentlich "Ausbilden" meint. Das findet Horst Stern schlecht. Bei den Pferden sieht er die Sache offenbar anders als bei den Hunden. Im übrigen geht es immer darum, daß das Pferd zu einer Art Kadavergehorsam erzogen wird, auch bei den sogenannten Pferdeflüsterern (etwa Pat Parelli: das Pferd muß von sich aus so lange die Gangart und Richtung hundertprozentig beibehalten, bis der Reiter etwas anderes signalisiert). Der größte Unterschied besteht vielleicht lediglich darin, daß Pferdeflüsterer die auch von ihnen erwünschte totale Unterwürfigkeit durch psychologische Tricks, also psychischen Druck, statt mit der Zufügung von Schmerzen erreichen wollen. Das Ziel ist stets die absolute Kontrolle, die Manipulation des Tieres im Sinne des Menschen. Man stellt sich dazu Pferde als total determinierte Lebewesen vor, gewissermaßen halbintelligente Maschinen, die auf einen ganz bestimmten Code hören, den man lernen kann (bei Monty Roberts: Equus). Klingt fast wie die primitive Signal-Reaktion-Theorie der herkömmlichen Abrichtung. Das Tier wird in keinem Fall als Lebewesen mit einer eigenen Würde und Gegenüber gesehen, mit dem man in einen Austausch treten kann. Das Gerede vom besten Freund des Menschen ist also dummes Zeug. Menschen mißbrauchen die Tiere in vielfältiger Weise. Horst Stern hat vor fast 40 Jahren gezeigt, daß der Springsport die Pferde vergewaltigt. Da er dies nicht auf einer kleinen Internet-Seite wie der Pferdezeitung, sondern im Fernsehen zur besten Sendezeit und anschließend im Magazin » Stern tat, war das Echo gewaltig. Um sich wegen der öffentlichen Pöbeleien gegen seine Person, angefangen von der Fachpresse bis hin zur Bild-Zeitung, zu wehren, schrieb Stern das Buch "Bemerkungen über Pferde". Darin beruft er sich zunächst einmal auf Erich Glahn, den er als unbestrittene hippologische Autorität und Richter in vielen Konkurrenzen vorstellt:
15 Jahre später, so stellt er fest, hat sich nichts geändert, im Gegenteil, die "Professionalisierung", ist konsequent weiter vorangeschritten. Und 37 Jahre später, so können wir feststellen, hat sich immer noch nichts getan, die von ihm angeprangerten Mißstände sind weiterhin Routine und die Professionalisierung ist noch weiter vorangeschritten – der Medaillenwahn und die Kapitalmengen sind weiter gewachsen. In diesem Zusammenhang meint Stern sich gegen extreme Tierschützer wehren zu müssen, deren "zeitfremde Franciscus-Attitüde" ihm mehr zuwider sei als alles andere. Er will nicht das Reiten abschaffen, weil die einzige Existenzberechtigung der Pferde seiner Meinung nach in der Nutzung durch den Menschen "als Sportgerät" besteht. Wenn sie nicht mehr in dieser Weise genutzt werden dürfen, werden sie aussterben oder nur noch im Zoo zu bewundern sein. |
Dieses Argument kann man natürlich direkt auf den Pferdesport anwenden. Aber die Bemerkungen über Pferde von Horst Stern richten sich nicht gegen den Pferdesport allgemein, sie sind eine Kampfrede speziell gegen den Springsport. Er argumentiert, daß Pferde zum Springen nicht geboren sind. Sie können es zwar, wenn sie gezwungen sind, vermeiden es aber nach Möglichkeit. Deshalb kann man die Pferde so einzäunen, daß sie mit Leichtigkeit ausbrechen könnten, wenn sie denn wollten, in der berechtigten Erwartung, daß sie wirklich sehr in Panik und Not sein müssen, wenn dies der Fall sein sollte. Es fällt dem Autor gar nicht schwer, diese Ansicht mit vielfältigen Fakten zu belegen. Die größten Springreiter seiner Zeit,
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Was die Profis zu Hause machen, weiß man ebenfalls nicht, aber man kann es sich zusammenreimen. Auch Hans-Heinrich Isenbart, der sich seit einigen Jahren gegen die Auswüchse in Dressursport einsetzt, bekommt sein Fett weg:
Erinnert das nicht sehr an die Proteste des Publikums auf den Abreitplätzen der Dressurreiter angesichts der sogenannten Rollkur? Man wird ein bißchen vorsichtiger werden, aber im Prinzip wird sich nicht viel ändern. Heute nicht und morgen nicht und in 100 Jahren auch nicht. Wie seit Jahrzehnten – vielleicht sogar wie seit Jahrhunderten wie beim Stierkampf – wird alles beim Alten bleiben – es sei denn, die öffentlichen Proteste nehmen überhand. Wenn das Publikum für die Mißstände verantwortlich ist, kann es auch für deren Abschaffung sorgen. Es braucht nur einen entsprechenden Bewußtseinswandel. Wenn man sich nicht mehr einreden läßt, daß das alles toll ist, sondern zu dem Schluß kommt, daß es im Gegenteil unerträglich ist, wird das Unmögliche plötzlich nicht nur möglich, sondern unvermeidlich. Auf die Pferdefreunde darf man dabei zunächst nicht setzen, denn die sind zu stark vom System beeinflußt und nehmen die Gegebenheiten einfach hin – es war schon immer so, das kann ja gar nicht anders sein, und in Wirklichkeit ist das gar nicht so schlimm: Wer das behauptet, hat keine Ahnung. Man muß die Sache also von außen anstoßen. Tierschützer wie Horst Stern prangern den Mißbrauch an. Es leuchtet ein, daß man bei den schlimmsten Auswüchsen beginnt, zum Beispiel beim Stierkampf, und andere Probleme erst einmal auf sich beruhen läßt. Wer weiß, vielleicht werden sich die Tierschützer die Methoden der Pferdefreunde genauer anschauen, wenn der Stierkampf eines Tages endgültig der Vergangenheit angehört. Moment mal – kann man sich das überhaupt vorstellen? Daß eine "kulturelle Institution", mit der sich angeblich ganze Völker seit undenklichen Zeiten identifizieren, verschwindet? Warum nicht? Der Unternehmer
Genau, Recht hat der Mann! |
Die » Fondation Franz Weber gründete im Jahre 1979 die United Animal Nations – UAN; die unter demselben Namen im Jahre 1987 in Kalifornien gegründete Organisation ist viel bekannter, beschränkt sich allerdings auf die USA. Die UAN der FFW ist eine internationale Organisation nach dem Muster der
Man ahnt es schon: Es handelt sich um symbolische Schauprozesse, deren Ausgang von vornherein feststeht (» Bullfighting is placed in the dock in Geneva). Aber auf diese Weise wird die Öffentlichkeit aufgerüttelt, Bewußtseinsprozesse kommen in Gang und schließlich wird die Wirklichkeit verändert. So hofft man jedenfalls – in diesem Fall wohl mit wenig Erfolg, denn wenn man Google als Maß aller Dinge nimmt, ist der Schauprozeß gegen den Stierkampf so gut wie unbekannt geblieben. Dabei ist das Resultat sensationell:
Angeklagt waren unter anderem die Regierungschefs von Portugal, Spanien und Frankreich! Selbst auf der Homepage der Organisation, wo man die Einzelheiten dieses Prozesses einsehen kann, wird deutlich, daß die Welt sich nicht dafür interessiert: Das sind gerade einmal knapp 3000 Aufrufe für 11 Dokumente – die beiden Videos auf YouTube sind von wesentlich mehr Menschen gesehen worden; das Video über den Stierkampf von 15.978, das über den Rodeo gar von 156.536 Personen (Zahlen jeweils vom 20.7.2008 gegen 20:00 Uhr). Auch beim Prozeß wurde ein Video vorgebracht, aber ich habe es mir nicht angeschaut – schon das Video von YouTube habe ich nach etwa einem Drittel Laufzeit abgebrochen – es wird übrigens als jugendgefährdend geführt, Sie müssen sich gegebenenfalls anmelden, um es sehen zu können. Man fragt sich, wie es kommen kann, daß Menschen sich so etwas "mit Vergnügen" anschauen, das für andere offensichtlich grausam und widerwärtig ist. Genug für heute – meinen Versuch zur Beantwortung dieser Fragen muß ich auf die nächste Woche verschieben. |
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