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Selbstverständlich gehören Alkohol und Tabak zu den Drogen, für die solche Versprechungen – Sex, Macht, Geld – als Verkaufsbotschaften dreist lanciert werden. Alkohol und Tabak sind ja legale Drogen, für die Werbung in eingeschränktem Maß betrieben werden darf, im Gegensatz zu den illegalen Drogen, die sich auch ohne Werbung verkaufen. Ob sich diese Glücksversprechen realisieren lassen, interessiert den Verbraucher merkwürdigerweise wenig. So floriert der Konsum. Diese Versprechen arbeitet die Werbung recht plump heraus: Kauf mich, und du wirst glücklich sein – diese Botschaft muß man nicht unbedingt ausdrücklich aussprechen, dann würde es vielleicht unglaubwürdig werden, aber das macht nichts, denn das kann man sowieso viel besser über Bilder vermitteln. Glück und Befriedigung können ganz allgemein als der Kern der Werbebotschaften bezeichnet werden, wobei beides natürlich als Resultat des Konsums herausgestellt werden. Jung, schön und sexy, so möchten Menschen angeblich sein, und entsprechend wird versucht zu zeigen, daß diese Abziehbilder der Werbung glücklich sind: sie strahlen, sie lachen, sie sind fast außer sich vor Glück. Besonders auffällig ist das, wenn das Glücksversprechen angesichts des Produktes extrem unglaubwürdig werden muß, zum Beispiel beim Verkauf einer DSL-Verbindung ohne Telekom-Anschluß. Die VoIP-Telefonie ist bekanntlich technisch nicht ganz ausgereift und die Telefonqualität entsprechend sehr durchwachsen, also gar kein Grund zur Freude, und das Internet selber entwickelt sich mehr und mehr zu einer Plage, die ebenfalls nicht gerade Glücksgefühl hervorruft – trotzdem können die sich in der Werbewelt vor Glück kaum noch halten. Im übrigen sind etwaige Geschlechtspartner bei DSL und VoIP ja durch kalte Technologie getrennt, die die räumliche Distanz gar nicht überbrücken kann. Es mag ja schön sein, wenn getrennte Liebespaare zum Nulltarif beliebig lange telefonieren, aber besser wäre es natürlich, sie müßten das erst gar nicht tun, weil sie sich körperlich nahe sind. Unter diesen traurigen Umständen kann man wohl kaum von Glück sprechen, aber das ficht die Werbung nicht an – aus schwarz macht sie im Handumdrehen weiß. Die werblichen Glücksbotschaften kann man natürlich auch unabhängig vom Alter vermitteln. Werbung für Senioren funktioniert nach genau demselben Muster: jung geblieben, reich, schön und sexy, ja, natürlich, aber vor allen Dingen glücklich. Das Glück bringt's. Was nützt alle Macht der Welt, Geld in Hülle und Fülle, Prostituierte im Dutzend, was nützt selbst die Jugend, wenn man unglücklich ist? Das ist das ewige Thema der
Donnerwetter: Das Glück ist in den USA verbrieftes Recht! Warum hat es dann nicht jeder ausreichend oder im Übermaß? Muß man es lange suchen? Mitnichten! Das Glück der Erde liegt doch auf dem Rücken der Pferde! Oder etwa nicht? |
Wir sehen also, es handelt sich bei diesem "Sprichwort" bestenfalls um eine Meinung, nicht um eine Erfahrung und schon gar nicht um ein Gesetz. Ich nehme an, aus diesem Reim, der so beliebig ist wie Tausende andere, hat sich deshalb ein Sprichwort entwickelt, weil darin etwas zum Ausdruck kommt, was vermutlich viele Reiter im Laufe ihres Reiterlebens irgendwann einmal spontan erlebt haben: ein unbeschreibliches "Glücksgefühl". Dieses Glücksgefühl hat nichts mit dem "Glück" zu tun, das einem zufällt, mit dem Glück, das eigentlich "Behaglichkeit" ist und das viele mit "Glück" verwechseln. Es ist etwas völlig anderes, nämlich ein unbeschreibliches Gefühl, man meint fast, das Herz müsse einem im Leibe zerspringen, und so wie unsere Sprache für Glück und Glücksgefühl zwei verschiedene Wörter hat, die natürlich Verschiedenes ausdrücken, so läßt sich dieses Glücksgefühl, wenn es länger andauert, wenn es nicht diese übermächtige, zerreißende Qualität hat, sondern uneingeschränkt angenehm, beseligend ist, am besten mit dem Wort "Glückseligkeit" bezeichnen. Die Wikipedia, die ich bekanntlich sehr schätzte, hat für das Wort "Glückseligkeit" bezeichnenderweise gar keinen eigenen Eintrag, sondern leitet einfach auf den Begriff "Glück" um. Der Beitrag zum Begriff Glück ist dafür desto länger und entsetzlich konfus. Ich fürchte, Tausende Denker und Philosophen haben sich an diesem Begriff die Zähne ausgebissen, ohne zu wissen, was Glück eigentlich ist. Nur so kann man erklären, daß alle möglichen anderen Begriffe mit dem Glück mehr oder weniger gleichgesetzt werden. Womöglich sucht der Mensch gar nicht nach Glück, sondern nach Glückseligkeit. In der nächsten Ausgabe will ich noch ein bißchen mehr dazu ausführen, hier zunächst zurück zum Thema Pferd. Wenn es so ist, daß durch die Beschäftigung mit dem Pferd, speziell mit dem Reiten, zuweilen ein Glücksgefühl unbeschreiblicher Art erfahren werden kann, das anderweitig nicht zu haben ist, nimmt es nicht wunder, daß das Reiten nach wie vor hoch im Kurs steht, ganz abgesehen davon, daß jede Beschäftigung, die man mit hinreichender Leidenschaft pflegt, ein hohes Maß von Zufriedenheit ergibt, was den hohen Stellenwert von Sport und Hobbys im Leben der Menschen erklärt. Wenn Tiere also für das Wohlbefinden der Menschen benutzt werden, bleibt es nicht aus, daß Mißstände zu beklagen sind. Um diese einzudämmen, ist das Tierschutzgesetz erfunden worden. Daß dieses Tierschutzgesetz die darein gesetzten Erwartungen nicht wirklich erfüllen kann, zeigt folgendes Zitat:
Mit anderen Worten: im Grunde kann der Besitzer machen, was er will. Das stellt man auch im Bereich des Reitsports fest, wo Mißstände schon wirklich himmelschreiend sein müssen, damit eingegriffen wird. Wenn nun eine Haupttriebfeder menschlichen Handelns die Suche nach Glückseligkeit ist, und diese beim Reiten zuweilen erfahren werden kann, darf es nicht wunder nehmen, wenn man diese Erfahrung auch erzwingen will, ohne zu bedenken, daß sich so etwas nicht erzwingen läßt. |
Nehmen wir zum Beispiel den Sitz des Reiters. Der Lehrer kann so gut sitzen können wie er will, der Schüler muß sitzen lernen, und wie er das hinbekommt, ist seine Sache. Denn für den Lehrer ergibt sich der Sitz aus seinem Körpergefühl, und dieses Körpergefühl – von dem man erst seit kurzem weiß (» Der sechste Sinn) – läßt sich nicht durch gute Worte oder gutgemeinte Stellungskorrekturen vermitteln, allenfalls durch Beobachtung. Deshalb ist es so wichtig, gute Vorbilder zu haben und diese zu studieren, d. h. sich durch Beobachtung in deren Körper hineinzuversetzen. Umgekehrt kann man durch Erziehung selbst bei gutem Willen sehr schnell und sehr viel kaputtmachen. Was dadurch angerichtet wird, ist unabsehbar, denn schlechte Erfahrungen verselbständigen sich und setzen sich fort. Die berüchtigten Reitlehrer des letzten Jahrhunderts waren ja vermutlich selber durch eine ähnlich menschen- und tierverachtende Schule gegangen und haben ihre eigenen Erfahrungen lediglich weitervermittelt. Genau dieser Mechanismus wurde ja verdächtigt, die bestehenden Verhältnisse zu perpetuieren und das Übel fortzuzeugen. Wer seelisch und körperlich gelitten hat, sehnt sich einerseits nach Wiederholung, andererseits nach Rache. So wurden eigenartige Bedürfnisse erklärt, die sich in der sogenannten Immerhin hatte es Mitte des letzten Jahrhunderts eine überraschende Gegenbewegung gegeben, die alten Erziehungsideale, die aus der Kaiserzeit nahtlos in das Dritte Reich und von dort in die Nachkriegszeit übernommen wurden, galten plötzlich ganz allgemein als unmöglich und verantwortlich für all das Grauen, dem man sich wegen des übergroßen Entsetzens gar nicht stellen konnte. Die 68er-Revolution fegte all das gründlich beiseite und propagierte die antiautoritäre Erziehung. Daß dieser Bewußtseinswandel nicht verpuffte oder sich lediglich auf kleine Zirkel beschränkte, sondern auf voller Linie siegte und unser gesamtes Lebensgefühl verändert hat, wobei die Beziehung des Menschen zum Pferd durchaus mit inbegriffen ist, zeigt das folgende Zitat aus einem Internetforum für Frauen und Mütter, aus dem ich am Anfang des Artikels
Dieser Beitrag ist symptomatisch für die allgemeine Verwirrung, die entsteht, wenn eine überlieferte Methode als falsch erkannt wird und die neuen kulturellen Rahmenbedingungen sich noch nicht gefestigt haben. In dieser Hinsicht könnte man von den Tieren etwas lernen. |
In stabilen Sozialverbänden wird eine Leitstute sich gerade dadurch auszeichnen, daß sie niemals Gewalt anwendet. Sollte das der Fall sein, ist daß ein Zeichen dafür, daß ihre Stellung schwer bedroht ist. Sie wächst in diese Rolle auch nicht hinein, indem sie sich nach oben kämpft, vielmehr übernimmt sie diese aufgrund eines allgemeinen Konsens in der Gruppe. Die Leitstute muß sich gewissermaßen als würdig und fähig erweisen, die Verantwortung für die gesamte Gruppe tragen zu können, weil deren gesamtes Wohl von ihr abhängt. Einer muß es schließlich machen, so funktioniert die Herde. Die Leitstute ist nichts ohne die Anerkennung ihrer Rolle eines jeden Herdenmitglieds, aber sie muß diese Rolle auch ausfüllen können. Soll in einen funktionierenden Herdenverband ein neues Mitglied aufgenommen werden, muß man sehr vorsichtig vorgehen, damit Gewaltexzesse in der Herde möglichst vermieden werden. Die werden dann provoziert, wenn das neue Mitglied erstens einen Mangel an der Zivilisationstechniken mitbringt, also im Grunde nicht weiß, wie man sich in einer Pferdeherde benimmt, und zweitens auch noch meint, eine Position einnehmen zu müssen, die ihm nicht zusteht. Man läßt also das neue Tier am besten nicht sofort zur Herde, sondern bringt es auf einer benachbarten Weide unter, so daß beide Parteien ungefährdet Kontakt aufnehmen, sich kennenlernen und bei Bedarf jederzeit zurückziehen können. Ich weiß, wovon ich rede, weil ich mir in dieser Hinsicht grobe Fehler habe zuschulden kommen lassen und sowohl die Herde als auch das neue Mitglied fahrlässig überfordert habe, mit unangenehmen Folgen. Im Verhältnis Pferd und Mensch ist die Sache unter anderem deshalb kompliziert, weil der Mensch in der Regel sein Leben nicht ununterbrochen im direkten Kontakt mit dem Pferd verbringt. Bei einem Bauern, der tagein tagaus mit seinem Pferd von morgens bis abends arbeitet, oder bei einem Wanderreiter, der Wochen oder Jahre mit seinem Pferd unterwegs ist, stellt sich ganz automatisch ein sehr intimes Verhältnis ein, das für den normalen Reiter, der mit seinem Pferd immer nur stundenweise und noch nicht einmal immer täglich zusammen sein kann, unerreichbar ist. Das Respekts- und Vertrauensverhältnis muß deshalb immer wieder neu hergestellt werden, und dabei kann der Mensch jede Menge Fehler machen. Wenn er dann auch noch unter Streß steht, weil er zusammen mit dem Pferd Leistungen erbringen will oder muß, kann es nicht Wunder nehmen, wenn bei dieser Auseinandersetzung Gewalt ins Spiel kommt. Entweder ganz konkret oder aber zumindest als Erinnerung an früher ausgeübte und erlittene Gewalt, die – wie man es heute so nennt – einen bedingten Reflex auslöst. Ist das gut oder schlecht? Die Frage ist sicher nicht ganz einfach zu lösen. Eine überwältigende Mehrheit der Pferdemenschen würde heute niemals glauben können, daß es ohne Gewalt geht. Die Gewalt gegenüber dem Pferd ist ein integraler Bestandteil der gesamten Pferdekultur und es erscheint völlig ausgeschlossen, daß sich das jemals ändern könnte. Es ist aber gewiß, daß sie sich ändern muß, denn es ändert sich alles und ständig, und daran sind wir alle in mehr oder weniger großem Maße beteiligt, durch unser Denken, Wollen und Handeln. Die Rolle des Einzelnen kann gar nicht unterschätzt werden. Wenn viele, wenn alle etwas Bestimmtes wollen, wird es sich notwendigerweise durchsetzen. Die unwahrscheinlichsten Änderungen haben wir selbst erlebt, mit dem Zusammenbruch des Kommunismus russischer Prägung beispielsweise, der uns die Wiedervereinigung beschert hat. Niemand hätte darauf gewettet, mehr noch: niemand hat es erwartet, und dennoch ist es eingetreten. Das Undenkbare wurde wahr und wirklich. Nicht ganz so spektakulär, aber ganz ähnlich unerwartet und unwahrscheinlich stellt sich die Wandlung der deutschen Kultur und Gesellschaft dar, die ja im Westen zunächst einmal durch eindeutig restaurative Züge bestimmt war: die Verbrecher des Dritten Reiches nahmen hohe Positionen in Politik und Wirtschaft ein, die gesellschaftlichen, ethischen, soziologischen, pädagogischen Werte und Ziele hatten sich mitnichten geändert. Trotzdem brach dies alles Ende der sechziger Jahre ganz unerwartet zusammen, eine neue Gesellschaft wurde geboren, neue Werte wurden entwickelt, neue Ziele formuliert. |
Die Hinter diesen unerfreulichen Exzessen stehen natürlich eine ganze Reihe von Beweggründen, die vollkommenen Ordnung sind und einen Ausdruck suchen. Die Erörterung dieser Phänomene muß ich auf die nächste Woche verschieben. Für heute ist es genug. |
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zu Ausgabe Hallo, Herr Popken, vielen Dank für den Artikel dieser Woche. Ich möchte ein paar Erfahrungen meinerseits hinzufügen. Vor ca 4 Jahren habe ich ein Pferd (Paso Fino) gekauft, der mit drastischen Methoden gebrochen worden ist (sonst wäre er beim Schlachter gelandet). Ich habe ihn gekauft nicht wissend, wie er behandelt worden ist, ich dachte, der kolumnbianische Pferdeflüsterer hätte es gut gemacht. Nun habe ich dieses Pferd seit 3 Jahren, reite ihn aber nur auf dem Platz, da er mir im Gelände zu unsicher und d.h. zu gefährlich ist. Vor ca. 10 Wochen ist er, kaum dass ich oben saß, regelrecht explodiert und ich bin natürlich runtergefallen. Ich konnte mir die Reaktion überhaupt nicht erklären, es gab für mich keine ersichtliche Ursache. Jedenfalls habe ich erst einmal verzichtet, ihn zu reiten. Nach ca. 3 Wochen kam der Schmied und stellte dest, dass das Pferd hinten rechts ein kleines Geschwür gehabt haben muß, das aber nicht sehr tief saß und rausgewachsen ist. Nun konnte ich mir die panische Reaktion erklären. Offensichtlich sind alle Schmerzerinnerungen aus vergangenen Jahren wach geworden als ich - obwohl ich nur ca. 50kg wiege - drauf saß. Ich war froh, die Ursache zu wissen. Seitden versuche ich ihn wieder hin und wieder behutsam zu reiten. Ich habe zunächst einige Male nur den Sattel aufgelegt, erst als er sich nicht mehr allzu sehr verspannte, habe ich mich behutsam drauf gesetzt. Ich brauche mitunter viel Zeit, bis er mir erlaubt, aufzusteigen. Ich verzichte dabei auf jegliche Form von Gewalt, und ich meine wirklich auf jegliche Form!! sowohl physisch als auch psychisch. Ich versuche zu schauen, wie er sich gerade fühlt, lasse ihm gaaaanz viel Zeit, gehe lieber wieder einen Schritt zurück (zB statt auftsteigen nur den Sattel auflegen und - wenn ich merke er verspannt sich zu sehr, nehme ich ihn nach einiger Zeit wieder runter). Ich lobe ihn sehr viel, auch für ganz kleine Schritte. All das ist mir natürlich nur möglich, weil ich die Pferde am Haus habe und im Ruhestand bin. Ich glaube, sonst wäre es wohl zu frustrierend. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich diese Geduld und Gewaltlosigkeit auch erst lernen mußte, insbesondere durch dieses von Menschen falsch behandelte Pferd. Im übrigen ist Sabine Birmann, die Sie glaube ich auch kennen, ein gutes Vorbild diesbezüglich. Falls Sie sie sehen, grüßen Sie sie bitte recht herzlich von mir. Ich wünsche Ihnen nun noch eine gute Woche Karin Degenkolbe |
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zu Ausgabe Hallo Herr Popken, Sie hatten mal geschrieben "zufriedene Leser schreiben keine Briefe" -da ist wohl was dran, aber manchmal sind Sie so gut, daß ich mich einfach melden muß. Lieben Dank für die beiden ausführlichen Artikel u.a. zu dem Buch von Temple Grandin. Ich habe es mir direkt letzte Woche besorgt, hatte von der Dame schon vor einiger Zeit mal einen Bericht gesehen & leider den Namen wieder vergessen. Über diese Art Anregungen freue ich mich extrem, also wirklich danke! Ihre Artikelserie zu den Themenkomplexen "Macht, Gewalt, Sexualität, Miteinander" fand ich sehr beachtens- & nachdenkenswert. Ich hege den Verdacht, daß viele Machtphantasien, egal auf welchem Gebiet, ob in sozioalen Systemen von Menschen, ob im Umgang mit Tieren oder in der Sexualität, durchaus etwas mit unreflektierter Langeweile zu tun haben. Wer tatsächlich Macht innehat, ist sich - so er sie behalten will oder muß - durchaus darüber im klaren, wieviel Macht auch mit Last & Verantwortung zu tun hat. Ich rede hier nicht von verantwortungslosen Managern, die Millionen verpulvern & ausschließlich am eigenen Wohlleben interessiert sind, ich meine den Großteil an mittelständischen Unternehmen, in denen Führungskräfte, die ihre Aufgabe ernst nehmen, leiden "wie Hund", wenn sie Mitarbeiter entlassen oder Krisengespräche führen müssen. Dieses Leiden finde ich übrigens sinnvoll & verständlich, ich verstehe es als Preis für Macht. Mit einem Tier ist es nicht anders. Wenn ich die Macht habe, über mein Pferd, meinen Hund zu bestimmen, dann bin ich hier für Leben & Tod verantwortlich, im drastischten Sinne. Angenehm ist das durchaus nicht immer, jeder Tierbesitzer weiß das, der schon mal mit seinem Vierbeiner zur Tierklinik musste oder sich ob einer Tierarztrechnung derbe auf den Hintern gesetzt hat. Ich denke auch immer an eine frühere Reitbeteiligung, das Pferd hatte Spat & MUSSTE bewegt werden, auch wenn ihm das sehr, sehr unangenehm war. Ich habe mit Tränen in den Augen geritten - die Alternative war aber, das Pferd stehenzulassen & dauerhaft Lahmheit & Schmerzen in Kauf zu nehmen. Also habe ich mich gefühlt wie ein Schwein, mich bei jedem Schritt entschuldigt & erst wieder entspannt, wenn das Tier nach 30 Minuten klar ging. Selten hat mir Macht so wenig Spaß gemacht. Ihre Zweifel, ihr Abwägen der Argumente freuen mich aus tiefstem Herzen so soll es sein! Es geht ja, auch im Journalismus, garnicht so sehr darum, Antworten zu finden, sondern vielmehr darum, Fragen aufzuwerfen & zu verunsichern. Bitte gerne mehr von diesen ideologisch-kritischen Artikeln! Ich kann mich nicht jede Woche umfänglich dazu äußern, freue mich aber immer wieder, einen solchen Leitartikel zu lesen. Schade übrigens, daß das Abo-Modell nicht funktioniert hat, ich fand es fair & sinnvoll. Ich habe angefangen, Freunde & Bekannte auf Ihre Seite hinzuweisen & hoffe, dies tun auch andere Leser; vielleicht trägt sich die Seite ja doch noch mal übers Anzeigengeschäft. Ich wünsche es Ihnen & uns Lesern. Mit herzlichem Gruß, Susanne |
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