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Der Druck, das Äußerste aus Pferd und Mensch herauszuholen, wächst natürlich mit den finanziellen Belastungen und Belohnungen, die ihrerseits wiederum durch erfolgreiches Marketing wachsen, was bekanntlich auch den Pferdesport betrifft. Die Verantwortlichen versuchen inzwischen an manchen Fronten schon ziemlich verzweifelt, diesen natürlichen und zwangsläufigen Entwicklungen gegenzusteuern (FN zum aktuellen Olympia-Doping: › "Es besteht unbedingt Handlungsbedarf"). Beim spielerischen Umgang mit dem Pferd gibt es typischerweise keine Gewinner, oder genauer gesagt: alle gewinnen. Der Mensch kann eigentlich nur dann seine Ziele erreichen und Freude haben, wenn das Pferd ebenfalls gerne mitmacht. Das universelle und unwiderstehliche Seelenbild für die gemeinsam mit dem Tier erreichte Glückseligkeit ist typischerweise der Galopp einer jungen Frau auf dem ungesattelten und ungezäumten Pferd, vorzugsweise am Meeresstrand. Wenn dieses sich aber widersetzt und die Sache zu einem Kampf wird, macht die ganze Angelegenheit keinen Spaß mehr. Vielleicht haben die Pferdeflüsterer aus genau diesem Grund den Nerv der Zeit getroffen, denn sie sind gerade zu einem Zeitpunkt aufgetreten, als Menschen sich erstmals Pferde aus reiner Freude zugelegt haben und die Erfahrung machen mußten, daß das ersehnte Seelenbild sich überhaupt nicht realisieren lassen wollte, daß jede Stunde, jeder Tag mit dem Pferd die Diskrepanz zwischen Sehnsucht und Realität schmerzlich deutlicher werden ließ. Davor waren Pferde überwiegend ganz eindeutig nur Mittel zum Zweck, sie wurden in der Landwirtschaft oder im Militär gebraucht, waren also ohnehin schon da und konnten nebenher gegebenenfalls noch für sportliche Wettbewerbe eingesetzt werden – so die zukunftsträchtige Idee des deutschen Zuchtfunktionärs Gustav Rau nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Wer sich damals ein Pferd zum Spaß hielt, um ab und zu einmal auszureiten, mußte schon sehr vermögend sein und setzte gewissermaßen die Tradition der Herrscher fort, die von ihrem Roß aus auf die Untertanen herabblickten. Ende der siebziger Jahre jedoch stieg der allgemeinen Wohlstand dermaßen an, daß viele Menschen, die bis dahin nichts mit Pferden zu tun hatten, sich ein Pferd leisten konnten. Diesen Menschen mußte die Art und Weise, wie die vom Militär geschulten Ausbilder mit Pferden umgingen, in höchstem Maße mißfallen. Sowohl das Pferd als auch der Mensch wurden gequält und zusammengestaucht. Deshalb trafen Leute wie Klaus Ferdinand Hempfling mit ihren Visionen auf einen akuten Bedarf. Pferde und Menschen sollten beide gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Man interessierte sich plötzlich für das Wesen des Pferdes, um ihm gerecht zu werden und selbst mehr Zufriedenheit zu erlangen. Dieser Welt ist der Wettbewerb eigentlich fremd, hier wird eher gekuschelt. Das ist allerdings eine falsche Wahrnehmung, denn Wettbewerb ist anscheinend ein ganz grundsätzlicher Mechanismus, der nicht nur den Menschen, sondern der ganzen Natur eigen ist und von ihr gar nicht getrennt werden kann. Unsere Welt ist tatsächlich ohne Wettbewerb gar nicht denkbar. Das hat Diese Einsicht ist auch unserem Kulturkreis nicht fremd; wenn wir sagen: "Konkurrenz belebt das Geschäft", dann meinen wir damit, daß durch den direkten Vergleich die Kreativität und Energie aller Beteiligten angestachelt werden und infolgedessen auch alle gleichermaßen profitieren. Es ist also nicht so, wie Pessimisten befürchten, daß wenn einer gewinnt, der andere verlieren muß, sondern alle gewinnen, was moderne Theoretiker als Es ergibt sich nämlich merkwürdigerweise automatisch eine Spirale zum Guten, nicht zum Schlechten; dazu bedarf es des Wettbewerbs, denn das Bessere setzt sich nicht nur durch, sondern möchte sich zunächst einmal als das Bessere erweisen, und dazu muss es sich vergleichen können. Das geht normalerweise auch ohne groß angekündigten Wettbewerb, denn Wettbewerb findet im Grunde ununterbrochen statt, ob wir das wollen und wissen oder nicht. |
Populär geworden ist dieser Gedanke durch die Wettbewerb findet auf diese Weise streng genommen nicht nur in der belebten, sondern auch in der unbelebten Natur statt, etwa bei der Vermischung zweier identischer Flüssigkeiten mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften, beispielsweise Wasserlösungen mit unterschiedlichem Salzgehalt. Diese werden sich, sofern sie sich nicht vermischen, also einander von den unterschiedlichen Eigenschaften abgeben, auf unterschiedlicher Höhe absetzen. Was nun besser ist, die leichtere Lösung oben oder die schwerere Lösung unten, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Aber auch das ist nichts Neues. Ist es nun für einen Mann besser, groß oder klein zu sein? Viele würden dazu neigen, daß Größe sticht – schließlich wählen die Frauen lieber die größeren Männer und lassen die kleineren eher links liegen. Wenn man sich aber die Großen der Weltgeschichte anschaut, kann man nicht übersehen, daß hierbei die kleineren Männer eindeutig in der Überzahl sind. Spitzfindige Psychologen haben daraus geschlossen, daß kleine Männer sich minderwertig fühlen und aus dieser Minderwertigkeit heraus enorme Energien mobilisieren, die sie dann schließlich "groß" machen. So gesehen ist körperliche Größe also eher ein Mangel und Minderwuchs von Vorteil. Diese Art von Wettbewerb und Ausgleich findet ständig statt, beim Wetter, in der Natur und in der menschlichen Gesellschaft. Bis vor kurzem war noch ehernes Gesetz, daß Frauen zu Hause und erst recht in der Öffentlichkeit nichts zu sagen haben, sie waren von Rechts wegen nicht geschäftsfähig und mußten beispielsweise bis in die Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts in Westdeutschland ihren Mann fragen, wenn sie eine Arbeit aufnehmen wollten. Inzwischen machen mehr Mädchen als Jungen Abitur, studieren mehr Frauen als Männer, wir haben eine Frau als Bundeskanzler, die ihren Job anscheinend sehr gut macht, und es würde mich nicht wundern, wenn es bald auch mehr weibliche Führungskräfte geben würde – Anzeichen dafür gibt es genug, etwa in der Wissenschaft (» "Die Zeit der Frauen ist angebrochen") oder in der Industrie: bei der » Adolf Würth GmbH & Co. KG hat die Tochter Bettina die Nachfolge bereits angetreten, bei der » Badische Stahlwerke GmbH wird es bald so sein – beides sind deutsche Vorzeigeunternehmen, die Schwächen erkannt, diese als Chance begriffen und daraus Stärken entwickelt haben:
Ein Mangel kann also Energie und Kreativität freisetzen und dadurch zu einem Vorteil führen, der seinerseits wiederum diejenigen, die dadurch in Rückstand geraten, anspornt. Das wussten die Chinesen schon vor Tausenden von Jahren: das Orakelbuch |
Wie würde sich die Welt entwickeln, wenn alle Energien und Ressourcen, die heute in destruktive Aktivitäten investiert werden (Terror, Krieg, Drogenverbrauch, Mobbing usw.), zu positiven Aktivitäten führten? Diese Frage ist natürlich ebenfalls nicht neu und immer wieder gestellt worden: eine der ältesten überlieferten Die bösen Buben, die für das Elend und Leid der Welt zumindest in Teilen verantwortlich sind, sehen durchaus, daß ihre Rolle erbärmlich und scheußlich ist – wie sonst wäre es etwa zu erklären, daß einer, der im Verbrechen eine Spitzenposition erreicht hat, für seinen Sohn eine bürgerliche Laufbahn vorzieht?
Recht hat der Mann, denn das Böse hat keine Zukunft. Bisher sind alle Verbrecher ausnahmslos gescheitert – ob man sie als solche gesehen hat oder nicht – die berühmten Staatsmänner
Man kann sich nicht selbst betrügen, der Moment der Wahrheit kommt, er kommt im Schlaf, der Alpträume produzieren kann (sehr schön inszeniert, aber nicht thematisiert in |
Der gute Philosoph hat leider zwei ganz wesentliche Einzelheiten übersehen, wofür er aber nicht gescholten werden soll, weil das nicht offensichtlich und schon gar nicht durch bloßes Denken zu ergründen ist: erstens darf man annehmen, daß der Sterbende, bevor der Tod eintritt, bei vollem Bewußtsein, über sich selbst richtet, indem er sein ganzes Leben noch einmal wertend erlebt ( So schön kann das Resultat eines Verbrechens gar nicht sein, daß es sich angesichts des Todes lohnen könnte – leider denkt niemand daran, wenn er seiner Seele etwas antut. Denn wenn auch im Leben nichts gewiß ist, so doch eines: Sterben müssen wir alle, todsicher, ausnahmslos. Mediziner, die sich mit Sterbenden beschäftigen, wissen genau, wie sich das anfühlt:
Die negative Aussage ist sicherlich richtig und überhaupt nicht neu und überraschend, sondern im Gegenteil altbekannt: alles Irdische ist eitel. Die positive Aussage ist hingegen etwas merkwürdig. Ob der Arzt die Sache schon richtig verstanden hat? Freilich, wo und von wem könnte er erfahren, worauf es wirklich ankommt? Seine Sterbenden wissen es doch auch nicht, sie wissen inzwischen nur, was es mit Sicherheit nicht ist. Womit ich wieder bei meiner Frage bin: Was sind die Beweggründe, die Menschen antreiben, warum streben sie alle nach oben, warum wollen sie alle die Größten sein, koste es was es wolle, warum spannen sie unter Umständen rücksichtslos Tiere für ihre Zwecke ein? Die Antwort ist meines Erachtens ziemlich einfach. Es ist immer dasselbe, und das kann auch gar nicht verwundern, weil wir im Grunde alle gleich sind. Zwar haben wir ganz verschiedene Anlagen mitbekommen und unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daraus wiederum ganz unterschiedliche Schlüsse gezogen, so daß wir in jeder Hinsicht ganz individuell sind, nämlich insofern als keine zwei Menschen einander gleichen, weder heute noch in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Zudem ist jeder in seinem Körper eingeschlossen, kann also nur für sich sprechen und nur bedingt für den anderen. Das ist auch richtig so, weil jeder, zumindest als Erwachsener, nur für sich selbst verantwortlich sein kann. Was bei Kindern als natürlicher Egoismus gilt und für dieses Alter durchaus entschuldigt wird (» Kleinkinder können nicht fair sein), findet sich jedoch auch bei Erwachsenen gleichermaßen, und zwar durchgängig: Ich, ich, ich! Ich, ich, ich! Ich bin der Größte! Ich zeige euch allen, daß ich besser bin! Ich will gewinnen! Ich will im Rampenlicht stehen, ich will auf dem Treppchen ganz oben sein, ich möchte mich – einmal wenigstens, am besten aber für immer – überlegen fühlen, glücklich sein, mich entspannen können. Manchmal verkleidet sich der Ehrgeiz auch als: Ich bin der Geringste unter euch, ich bin am demütigsten, ich opfere mich am meisten auf – es ist zu offensichtlich, daß auch hier derselbe Mechanismus am Werke ist, lediglich mit anderem Vorzeichen. Nun könnte man den warnenden Zeigefinger erheben und "böse, böse, böse" rufen, aber das wäre ganz unangemessen, denn diese Eigenschaft des Menschen ist höchst interessant und kann sowohl Gutes wie auch Böses bewirken. Warum das so ist, und was das für die Pferdewelt bedeutet, kann ich erst im nächsten Artikel dieser Folge erörtern. |
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zu Ausgabe Hallo Herr Popken, Sie hatten mal geschrieben "zufriedene Leser schreiben keine Briefe" -da ist wohl was dran, aber manchmal sind Sie so gut, daß ich mich einfach melden muß. Lieben Dank für die beiden ausführlichen Artikel u.a. zu dem Buch von Temple Grandin. Ich habe es mir direkt letzte Woche besorgt, hatte von der Dame schon vor einiger Zeit mal einen Bericht gesehen & leider den Namen wieder vergessen. Über diese Art Anregungen freue ich mich extrem, also wirklich danke! Ihre Artikelserie zu den Themenkomplexen "Macht, Gewalt, Sexualität, Miteinander" fand ich sehr beachtens- & nachdenkenswert. Ich hege den Verdacht, daß viele Machtphantasien, egal auf welchem Gebiet, ob in sozioalen Systemen von Menschen, ob im Umgang mit Tieren oder in der Sexualität, durchaus etwas mit unreflektierter Langeweile zu tun haben. Wer tatsächlich Macht innehat, ist sich - so er sie behalten will oder muß - durchaus darüber im klaren, wieviel Macht auch mit Last & Verantwortung zu tun hat. Ich rede hier nicht von verantwortungslosen Managern, die Millionen verpulvern & ausschließlich am eigenen Wohlleben interessiert sind, ich meine den Großteil an mittelständischen Unternehmen, in denen Führungskräfte, die ihre Aufgabe ernst nehmen, leiden "wie Hund", wenn sie Mitarbeiter entlassen oder Krisengespräche führen müssen. Dieses Leiden finde ich übrigens sinnvoll & verständlich, ich verstehe es als Preis für Macht. Mit einem Tier ist es nicht anders. Wenn ich die Macht habe, über mein Pferd, meinen Hund zu bestimmen, dann bin ich hier für Leben & Tod verantwortlich, im drastischten Sinne. Angenehm ist das durchaus nicht immer, jeder Tierbesitzer weiß das, der schon mal mit seinem Vierbeiner zur Tierklinik musste oder sich ob einer Tierarztrechnung derbe auf den Hintern gesetzt hat. Ich denke auch immer an eine frühere Reitbeteiligung, das Pferd hatte Spat & MUSSTE bewegt werden, auch wenn ihm das sehr, sehr unangenehm war. Ich habe mit Tränen in den Augen geritten - die Alternative war aber, das Pferd stehenzulassen & dauerhaft Lahmheit & Schmerzen in Kauf zu nehmen. Also habe ich mich gefühlt wie ein Schwein, mich bei jedem Schritt entschuldigt & erst wieder entspannt, wenn das Tier nach 30 Minuten klar ging. Selten hat mir Macht so wenig Spaß gemacht. Ihre Zweifel, ihr Abwägen der Argumente freuen mich aus tiefstem Herzen so soll es sein! Es geht ja, auch im Journalismus, garnicht so sehr darum, Antworten zu finden, sondern vielmehr darum, Fragen aufzuwerfen & zu verunsichern. Bitte gerne mehr von diesen ideologisch-kritischen Artikeln! Ich kann mich nicht jede Woche umfänglich dazu äußern, freue mich aber immer wieder, einen solchen Leitartikel zu lesen. Schade übrigens, daß das Abo-Modell nicht funktioniert hat, ich fand es fair & sinnvoll. Ich habe angefangen, Freunde & Bekannte auf Ihre Seite hinzuweisen & hoffe, dies tun auch andere Leser; vielleicht trägt sich die Seite ja doch noch mal übers Anzeigengeschäft. Ich wünsche es Ihnen & uns Lesern. Mit herzlichem Gruß, Susanne |
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