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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 493, erschienen am 08.09.2008

Magazin  Ausgabe 493
Heidi Keppel
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Hufe
Teil 28
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel


Vorige Woche habe ich die Hufpflege in den Mittelpunkt meines Beitrages gestellt, doch dieses Thema ist natürlich nicht auf die Behandlung mit diversen Hufpflegeprodukten beschränkt, sondern beinhaltet auch die fachmännische Korrektur der Hufe durch einen Hufschmied bzw. Hufpfleger. Zwischen diesen beiden so ähnlichen und doch oft so verschieden denkenden Berufsgruppen gibt es aber leider sehr häufig jede Menge Meinungsverschiedenheiten – und dazwischen steht der Pferdebesitzer, welcher nicht mehr weiß, mit welcher Form der Hufbearbeitung bzw. mit welcher Fachkraft er seinem vierbeinigen Freund die besten Dienste leisten kann.

Diesbezüglich eine generelle Empfehlung abzugeben, wäre meiner Ansicht nach vermessen, da es sowohl bei den Hufschmieden als auch bei den Hufpflegern fachlich kompetente und verantwortungsvolle Personen gibt, welche auf das jeweilige Pferd und dessen Bedürfnisse eingehen und dementsprechend die richtigen Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Hufe treffen.

Nicht alle Hufschmiede plädieren grundsätzlich für einen Beschlag, man erkennt vielmehr den guten Hufschmied daran, dass er für sämtliche Möglichkeiten offen ist und auf unterschiedliche Situationen flexibel reagiert. Ein fachkundiger Hufschmied wird zumindest bei Hufen mit gesunder Hornstruktur das Barhufgehen befürworten und mit den richtigen Korrekturmaßnahmen (Stellungskorrekturen ohne starkes Ausschneiden der Sohle und des Strahles) fördern.

Ähnliches gilt auch für Hufpfleger, die zwar generell den Hufbeschlag als unnötiges ‚Folterinstrument’ verdammen, den Pferden gleichzeitig aber z.B. durch extreme Stellungskorrekturen Schmerzen bereiten, die nicht unbedingt erforderlich wären, da auch eine langsamere Vorgehensweise über mehrere Monate zum selben Ergebnis führen würde. Vor allem das Abnehmen der Eisen mit der gleichzeitigen Forderung, dass das Pferd nun vermehrt auf steinigem Boden gehen solle, damit sich das Hufhorn ausreichend festigt, bedeutet für viele Pferde eine unnötige Quälerei und kann sogar zu hochakuten bis chronischen Huflederhautentzündungen führen. Auch ständig verkrampfte Sehnen mit verdickten Sehnenscheiden können die Folgen einer derart schonungslosen Vorgehensweise sein.

Ich kenne diesbezüglich einige Fälle, wo die Pferdebesitzer reumütig zu ihrem Schmied zurückkehrten, weil sie es nicht mehr mitansehen konnten, wie ihre Tiere unter der abrupten Umstellung aufs Barhufgehen litten. Das wiederum ist äußerst schade, denn viele dieser Pferde hätten mit etwas mehr Verständnis und Rücksicht auf ihre individuellen Hufprobleme durchaus an das Laufen ohne Eisen gewöhnt werden können und dieses danach sicher auch genossen!

Tatsächlich sind Hufbeschläge heutzutage nur in den seltensten Fällen von dauerhaftem Vorteil, aber für Pferde mit großer Empfindlichkeit im Hufbereich ist unbedingt eine schonende Umstellung aufs Barhufgehen erforderlich. Dazu gehört, dass jegliche Korrekturmaßnahmen stufenweise erfolgen sollten und dass die Pferde in der Anfangsphase die Möglichkeit haben, sich hauptsächlich auf weichem, federndem Untergrund aufzuhalten.

Erst nach und nach sollten die Tiere vorsichtig an harten und steinigen Boden gewöhnt werden. Auch wenn dieser Vorgang etwas länger dauert und dem Pferdebesitzer dadurch mehr Geduld abverlangt, so bietet er doch den unschätzbaren Vorteil, dass die Pferde dabei nie Schmerzen erleiden müssen und somit stets unverkrampft bleiben sowie ihr Vertrauen in die Menschen nicht verlieren.

Dieses Vertrauen sollte jeder Besitzer eines Pferdes stets im Auge behalten und deshalb auch keinerlei Verantwortung leichtfertig auf andere Personen abschieben, nur weil sich diese als Hufschmiede oder Hufpfleger ausweisen können! Wählen Sie bitte keinen Hufschmied, der von vorneherein betont, dass jedes Pferd Eisen tragen sollte, und seien Sie auch misstrauisch bei Hufpflegern, die Ihnen abrupte und drastische Veränderungen in der Pferdehaltung und bei der Hufkorrektur als unausweichliche Notwendigkeit darstellen.

Außerdem sollten Sie selbstverständlich all jene Menschen meiden, die nicht das nötige Feingefühl im Umgang mit Pferden aufweisen und vielleicht sogar häufig aggressiv reagieren, denn eine schlechte Behandlung hat kein Pferd verdient und kann sogar dessen Charakter verderben. Und was nützen die besten Hufe, wenn das Tier durch Verhaltensstörungen unreitbar oder im Umgang sehr schwierig geworden ist?

Woran man einen guten Hufschmied bzw. Hufpfleger noch erkennt und wie der Pferdebesitzer diesen bei seiner Arbeit bestmöglich unterstützen kann, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp.


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