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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 504, erschienen am 24.11.2008

Magazin  Ausgabe 504

Wölfe als Menschenmacher
Wölfe heulen oft, bellen selten

Foto: Autorenhinweise » Dave Mech
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Auf den Hund gekommen
  2. Abschnitt  Dominanz
  3. Abschnitt  Alpharolle
  4. Abschnitt  Training
  5. Abschnitt  Symbiose
  6. Abschnitt  Schrumpfhirn
  7. Abschnitt  Quellen / Verweise

  Leserresonanz  Leserresonanz

  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis

Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 479:
Hauptartikel  Tu Gutes und rede darüber

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 480:
Hauptartikel  Wo und wie kann ich Gutes tun?

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 484:
Hauptartikel  Spenden sind Glücksbringer

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 485:
Hauptartikel  Heilung und Linderung

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 486:
Hauptartikel  Zwang und Gewalt

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 487:
Hauptartikel  Immer feste druff

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 490:
Hauptartikel  Schmerz und Lust

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 491:
Hauptartikel  Doping und Befriedigung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 492:
Hauptartikel  Das Glück der Erde

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 493:
Hauptartikel  Ich bin der Größte

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 496:
Hauptartikel  Ein denkwürdiger Dialog

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 497:
Hauptartikel  Mir kommen die Tränen

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 498:
Hauptartikel  Rührung oder nicht

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 499:
Hauptartikel  Ritt des alten Cowboys

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 500:
Hauptartikel  Ritt für den Vater

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 503:
Hauptartikel  Von Autisten lernen

Teil Teil 17
Auf den Hund gekommen
http://equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Auf den Hund gekommen

Über Dominanz, soziale Gefühle und Evolution

Zu den Themen
Thema  Kommunikation  Tierschutz



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


Die Wikipedia-Link» autistische Verhaltensforscherin Wikipedia-Link» Temple Grandin hat in ihrem Buch booklooker-Link» Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier nicht nur auf eigene Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zurückgegriffen, sondern auch viele Arbeiten anderer Forscher zitiert.

In der letzten Ausgabe haben wir ihre Verwunderung darüber zur Kenntnis genommen, daß Pferde sich überhaupt haben domestizieren und reiten lassen. Das konnte sie sich nur mit den sozialen Bedürfnissen der Pferde erklären.

Pferde brauchen als Herdenwesen nicht nur die Gesellschaft, sondern können es umgekehrt auch zulassen, sich anderen Wesen anzuschließen. Durch ihre Bereitschaft, sich dem Menschen anzuvertrauen, haben sich die Pferde zweifellos verändert. Das Ausmaß dieser Veränderungen läßt sich heute kaum rekonstruieren, da es Pferde in der Wildform nicht mehr gibt.

Ob aber die Menschen ihrerseits von Pferden und durch den Umgang mit ihnen beeinflusst worden sind, hat wohl noch keiner untersucht – aber bestimmt wird sich bald jemand dieser Aufgabe annehmen, da die wechselseitige Beeinflussung von Menschen und Hunden seit einiger Zeit in der Wissenschaft heiß diskutiert wird.

Temple Grandin zitiert einen Artikel über die Arbeit einer australischen Forschungsgruppe, publiziert im Februar 1998, die zu dem Schluß gekommen ist, daß sich Hunde und Menschen gegenseitig beeinflusst und geformt haben, wir Menschen also so sind, wie wir sind, weil wir uns mit Hunden zusammengetan haben: » Theory suggets greater role for man's best friend (theoretische Überlegungen legen eine größere Rolle für des Menschen besten Freund nahe).

Aber das ist nicht die einzige Stimme, die in diese Richtung weist: Der österreichische Verhaltensforscher Wikipedia-Link» Wolfgang Schleidt, nach dem Zweiten Weltkrieg wichtiger Mitarbeiter des allgemeinen bekannten Verhaltensforschers Wikipedia-Link» Konrad Lorenz, veröffentlichte im Dezember 1998 einen Aufsatz PDF-Datei» Is Humaneness Canine? (Ist Menschlichkeit hündisch?), der die spezifische Menschlichkeit mit wesentlichen Verhaltenseigenschaften von Wölfen verbindet, und wiederholte diese Gedankengänge noch einmal 2003 in PDF-Datei» Co-evolution of Humans and Canids (Gemeinsame Evolution von Menschen und Hunden).

Sein Lehrer Konrad Lorenz hatte schon 1954 bemerkt, daß die menschliche Fähigkeit, wahre Freundschaft unabhängig von verwandtschaftlichen Beziehungen zu zeigen – die von dieser Generation gerade in den schrecklichen Kriegszeiten und in der Gefangenschaft nachdrücklich erfahren werden konnte -, im ganzen Tierreich im Grunde unbekannt ist und am ehesten noch bei Hunden beobachtet werden kann. Schleidt zitiert darüber hinaus die berühmte Schimpansen-Forscherin Wikipedia-Link» Jane Goodall, die es für ausgeschlossen hält, selbst nach hunderten von Jahren selektiver Züchtung die Art von Anhänglichkeit in Schimpansen zu erzeugen, für die Hunde ganz generell bekannt, beliebt und berühmt sind. Donnerwetter: Selbst unsere nächsten Verwandten im Tierreich sollen sich vollkommen anders verhalten und nicht einmal Ansätze zu selbstlosem Verhalten zeigen, die man züchterisch verstärken könnte!

Dominanz  oben 



Aus der Unfähigkeit unsere nächsten Verwandten und der Tierwelt insgesamt zu selbstlosem Verhalten wird der Schluß gezogen, daß die spezifisch menschlichen sozialen Strukturen, insbesondere die Fähigkeit des Menschen, wahre Freundschaften zu schließen und sich für andere aufzuopfern, mit denen man nicht unmittelbar verwandt ist, möglicherweise oder vielleicht sogar höchstwahrscheinlich eine Folge des Umgangs mit Hunden ist, deren Vorläufer, die Wikipedia-Link» Wölfe, entsprechende soziale Strukturen und Fähigkeiten zu Kooperation ausgebildet haben, um den Überlebenskampf durch Zusammenarbeit zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Sprichwort der australischen Ureinwohner: "Hunde machen uns menschlich", das Temple Grandin auf Seite 341 erwähnt und als Zwischenüberschrift gewählt hat, eine völlig neue Dimension.

Wölfe jagen bekanntlich im Rudel, wo jedes Mitglied seine Rolle zu spielen hat und alle sich aufeinander verlassen müssen. Und zum Schluß bekommt jeder seinen Anteil an der Beute. Wir wissen nicht, wie Neandertaler und Steinzeitmenschen gelebt und gejagt haben, aber vermutlich ganz ähnlich. Immerhin hat man Unmengen von Beweisen für die Mammutjagd und sogar Wurfspieße in Mammutskeletten gefunden. Die Jagd auf Mammuts ist also hinreichend belegt. Eine solche Unternehmung kann aber nicht von einem einzelnen Menschen bewältigt werden, höchstens von einer Gruppe. Typischerweise stellt man sich die Jagdmethoden der Steinzeitmenschen und auch der Neandertaler tatsächlich so vor, wie wölfische Rudel vorgehen. Von den Verhältnissen innerhalb eines solchen Rudels hatte man jedoch völlig falsche Vorstellungen.

Angeblich soll jeder Wolf ständig damit beschäftigt sein, seinen Rang zu verbessern und womöglich ganz an die Spitze vorzudringen und das Alphatier zu werden. Diese Vorstellungen von pausenlosem Stress und ständigen Dominanzkämpfen waren von Beobachtungen abgeleitet, die man von nicht miteinander verwandten Wölfen in der Gefangenschaft gemacht hatte. Kann man sich vorstellen, daß Wissenschaftler so naiv sein können, aus einer derartig künstlichen Situation allgemeine Schlüsse abzuleiten? In einem amerikanischen Blog von » Jason Godesky fand ich dazu folgenden Kommentar

The problem with this early view of wolf pack society is that it is based almost entirely on observations of captive wolves. … It is a bit like observing only the inmates of prisons when you are trying to understand human society, then extrapolating your findings to free-living people.

Die frühen Erkenntnisse über die Verhältnisse in einem Wolfsrudel leiden darunter, daß sie ausschließlich an gefangenen Wölfen gewonnen wurden. ... Das wäre so, als würde man Gefängnisinsassen beobachten, um daran Erkenntnisse über die menschliche Gesellschaft zu gewinnen, und diese dann auf freie Menschen zu übertragen.

» Alpha Dogs, Wolf Packs & the Wandering Free Families

Dieselben Vorwürfe hat man Jane Goodall machen müssen, wie in » Goodall’s Bananas ausgeführt. Nachdem sie zunächst den Schimpansen in freier Wildbahn gefolgt war, was natürlich äußerst mühsam ist, verlegte sie sich nämlich darauf, diese zu sich zu locken, indem sie Bananen anbot. Das war sehr bequem für sie. Die Schimpansen kamen zu ihr und sie konnte in aller Ruhe ihre Beobachtungen machen. Selbstverständlich haben sich dadurch aber die Bedingungen vollständig verändert. Sie machte nun Beobachtungen von Schimpansen, die sich in die Nähe von Menschen bewegen, um sich dort um Bananen zu streiten.

Es gab nämlich nicht immer Bananen, die Schimpansen entwickelten also völlig andere Verhaltensweisen als in freier Natur, wo sie sich nicht streiten müssen, weil jeder finden kann, was er braucht und möglichen Konflikten leicht aus dem Wege gehen kann. In ihren Veröffentlichungen hat sie aber wenig über die ursprünglichen Beobachtungen geschrieben und ihre Schlüsse über das Sozialverhalten der Schimpansen aus der künstlichen Situation bei ihr zu Hause gezogen, ohne dabei in Anschlag zu bringen, daß diese Beobachtungen unter höchst eigenartigen Bedingungen zustandekamen. Das ist natürlich wissenschaftlich gesehen eine absolute Katastrophe und völlig unzulässig. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind in diesem Lichte nicht mehr viel wert.

Alpharolle  oben 



Aber diese Art von Kardinalfehlern unterlaufen den Menschen immer wieder. In dem erwähnten Beitrag über die Hunde wird ausführlich über einen in den USA und Großbritannien sehr bekannten und beliebten Hundeflüsterer berichtet: Wikipedia-Link» Cesar Millan, der regelmäßig auf dem Kanal des renommierten Spartensenders Wikipedia-Link» National Geographic Channel auftritt und "schwierige Hunde rehabilitiert und Menschen trainiert". So könnten sich auch Pferdeflüsterer vorstellen.

Von der amerikanischen Berufsvereinigung der Hundetrainer Wikipedia-Link» International Association of Canine Professionals ist dieser Experte mit einer lebenslangen Mitgliedschaft geehrt worden. Auf dem » Dog Whisperer Blog with Cesar Millan wird ein Video präsentiert, wo der Hundeflüsterer dem zukünftigen Präsidenten der USA fünf wichtige Regeln zur Hundehaltung mit auf den Weg gibt: » Cesar Gives Obama Five Things to Remember Before Adopting a Dog. Dieser hochgerühmte Fernsehstar entpuppt sich aber bei näherer Betrachtung als ganz normaler Hundequäler.

Dem Fachmann, dessen Philosophie im wesentlichen darauf hinausläuft, den Menschen als Alphatier zu etablieren, also die durch falsche Beobachtungen gewonnenen Schlüsse über die Dominanzordnung durchzudrücken, werden ganz entscheidende Fehler vorgeworfen. Ein Beispiel:

In other words, Millan succeeds in so traumatizing the dog that it “calmly submits.” Learned helplessness is a subject we often encounter in humans placed in hierarchical situations, and it is one of the primary reasons we submit to intolerable power structures. One popular technique the Millan uses is called the “alpha roll, ” in which a dog is rolled onto his back, exposing his belly, and held there by the throat. Early researchers noted this roll as a means by which alpha wolves established dominance, and the » Monks of New Skete suggested it in their famous book, » How to Be Your Dog’s Best Friend.

Mit anderen Worten, Millan schafft es dadurch, den Hund so zu traumatisieren, daß er "sich ruhig unterwirft". Wir begegnen einer solchen angelernten Hilflosigkeit auch oft in hierarchischen Situationen bei Menschen, und das ist einer der wichtigsten Gründe, warum wir uns unerträglichen Machtstrukturen unterwerfen. Eine populäre, von Millan eingesetzte Technik heißt "Alpharolle", wo der Hund auf seinen Rücken gedreht wird und seinen Bauch exponiert, wobei er an der Kehle gepackt wird. Frühere Forschungen behaupteten, dies sei eine Technik, mit der das Alphatier seine Dominanz etabliere, und die Monks of New Skete (die Deutsche Schäferhunde züchten) empfehlen diese Methode in ihrem berühmten Buch How to Be Your Dog’s Best Friend (Wie man der beste Freund seines Hundes wird).

» Alpha Dogs, Wolf Packs & the Wandering Free Families

Spätere Forscher entdeckten allerdings, daß es sich dabei um einen verhängnisvollen Irrtum gehandelt hatte. Man hatte das Alphatier und das unterlegene ganz nahebei und auf dem Rücken gesehen und einfach unterstellt, daß diese Situation Resultat eines Kraftaktes des überlegenen Tiers gewesen sein müsse. In Wirklichkeit aber handelte es sich um eine Beschwichtigungsgeste, die vom unterlegenen Tier freiwillig geleistet wird, niemals aufgrund von Zwang. Im Gegenteil, wenn Zwang ausgeübt worden wäre, dann nur in der Absicht, das unterlegene Tier zu töten.

Nun also wird klar, warum Hunde, die auf diese Art und Weise behandelt worden sind, ein Trauma erlitten haben – so würde sich ein Alphatier niemals benehmen, sondern ausschließlich jemand, der einen Mord begehen wollte. Die ganze Idee einer hierarchischen Struktur innerhalb eines Wolfsrudels wurde erstmals 1947 anhand von Beobachtungen an einer willkürlich zusammen gewürfelten Gruppe von Wölfen in Gefangenschaft entwickelt.

Der renommierte Wolfsforscher » Dr. L. David Mech bedauert auf seiner Internetseite, daß die Informationen, die er 1968 verfasst hatte, trotz seiner ständigen Bitten vom Verlag immer noch verkauft werden. Die Erkenntnisse, die man in den letzten 40 Jahren gewonnen habe, würden viele der damaligen Aussagen korrigieren, insbesondere die Vorstellung vom Alphatier, die er jetzt für vollkommen überholt und überflüssig, ja eigentlich irreführend hält:

One of the outdated pieces of information is the concept of the alpha wolf. "Alpha" implies competing with others and becoming top dog by winning a contest or battle. However, most wolves who lead packs achieved their position simply by mating and producing pups, which then became their pack. In other words they are merely breeders, or parents, and that's all we call them today, the "breeding male," "breeding female," or "male parent," "female parent," or the "adult male" or "adult female." In the rare packs that include more than one breeding animal, the "dominant breeder" can be called that, and any breeding daughter can be called a "subordinate breeder."

Eine der überholten Informationen ist die Idee des Alphawolfs. "Alpha" signalisiert den Wettbewerb mit anderen und die Eroberung der Spitzenposition durch Gewinn eines Wettbewerbs oder eines Kampfes. Die meisten Wölfe, die ein Rudel anführen, erreichen diese Position aber einfach durch Begattung und Aufzucht des Nachwuchses, der dann sein Rudel wird. Sie sind mit anderen Worten also einfach nur Erzeuger oder Eltern, und so nennen wir sie auch heute, den "männlichen Erzeuger", den "weiblichen Erzeuger", oder "männliches Elternteil", "weibliches Elternteil", oder das "erwachsene Männchen" oder "erwachsene Weibchen". In den seltenen Rudeln, die mehr als ein erzeugendes Tier enthalten, können wir den "dominanten Erzeuger" so nennen, und jede erzeugende Tochter kann eine "untergeordnete Erzeugerin" genannt werden.

» Wolf News and Info

Training  oben 



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Jason Godesky interpretiert diese Erkenntnisse dahingehend, daß es sich bei einem Wolfsrudel schlicht um eine Familie handelt, bei der die Eltern auf ganz natürliche Weise eine dominante Stellung einnehmen, die selbstverständlich niemals in Frage gestellt wird und deshalb auch nicht verteidigt werden muß.

Ausführlicher berichtet Dr. Mech in PDF-Datei» Alpha Status, Dominance, and Division of Labor in Wolf Packs (Alphastatus, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln) über die Ergebnisse seiner Feldforschungen mit arktischen Wölfen. Darin räumt er insbesondere mit der Vorstellung auf, daß das Alphatier in ständiger Angst vor Angriffen lebt und ununterbrochen seine Position gegenüber den Tieren niedrigeren Ranges verteidigen muß. Das entspricht auch den Erkenntnissen bei anderen Tierarten. Wer sich ein bißchen mit den Strukturen in einer Pferdeherde beschäftigt hat, weiß, daß auch dort Rangauseinandersetzungen so gut wie nie vorkommen.

Temple Grandin strich die Überraschung aller Besucher heraus, die sich angesichts von 50 friedlichen Hengsten, die von der Behörde gerade erst aus der Wildnis eingefangen worden waren, nicht erklären konnten, warum diese Mustangs nicht ständig in Rangauseinandersetzungen verwickelt waren. Sie selbst fand das nicht verwunderlich. Es wäre sehr unklug von der Natur, auf diese Weise ständig Energie zu verschwenden. Bei Pferden gibt es bekanntlich pro Herde – außer bei Junggesellengruppen – nur einen Hengst, und solange dieser bei Kräften ist, wird er auch nicht angegriffen. Die übrigbleibenden Hengste bilden als Junggesellen eigene Gruppen mit ebenfalls stabilen Verhältnissen, und erst dann, wenn ein stutenführender Hengst abbaut, kommt es zu einer Herausforderung.

Daraus leitet sie entsprechende Regeln für den Umgang von Menschen mit Tieren ab. Insbesondere bei Beutetieren hält sie es für einen Fehler, wenn Gewalt angewendet und der Wille des Tieres gebrochen wird.

Ein Gehorsamkeitstraining im eigentlichen Sinne ist bei ihnen [den Beutetieren] jedoch nicht erforderlich. Das haben viele Viehhändler lange Zeit nicht begriffen. Sie hielten jede Form von Training für Dominanztraining. Daher wahrscheinlich auch die Auffassung, der Wille eines Pferdes müsse gebrochen werden. Man sollte den Willen eines Tieres niemals brechen, egal, ob es sich dabei um ein Pferd oder einen Hund handelt. Ein ängstliches Beutetier wie ein Pferd oder eine Kuh muß keinen Gehorsam lernen wie ein Hund. Eine Kuh oder ein Pferd muß einfach nur trainiert und nicht dominiert werden. Ein Hund braucht ein Alpha-Tier, sonst macht er sich selbst dazu.

a.a.O., Seite 191

Hier würden die meisten Pferdeleute der Verhaltensforscherin wohl widersprechen wollen; braucht ein Pferd nicht ebenfalls eine dominante Instanz, der es sich anvertrauen kann? Vielleicht handelt es sich hierbei um einen Streit um Worte.

Es geht meines Erachtens in allen Fällen um Autorität, nicht um Dominanz. Diese Autorität wird dem überlegenen Tier freiwillig zugestanden, sofern es dieser Rolle gerecht wird. Man könnte auch von Respekt sprechen – die Autorität erwächst aus dem Respekt. Das führende Tier erwirbt sich seine Rolle nicht durch Unterdrückung, durch dominantes Verhalten, sondern durch Übernahme der Verantwortung, die ihm entweder natürlicherweise zukommt, etwa als Elterntier bei den Wölfen, oder durch die anderen Tiere angeboten wird, weil diese dem betreffenden Mitglied zutrauen, diese Rolle ausfüllen zu können.

So habe ich es jedenfalls bei unseren Pferden erlebt. Natürlich ist meine Erfahrung extrem beschränkt und bezogen auf eine relativ zufällige, von Menschen bestimmte Herde in der Obhut von Menschen und ausgeliefert an die von diesen gesetzten Umständen, insofern also überhaupt nicht aussagekräftig, aber nach allem, was ich so gehört und gelesen habe, scheint dieses beobachtete Verhalten durchaus nicht ungewöhnlich zu sein.

Ich erinnere mich zwar an Schilderungen von sogenannten dominanten Hengsten, die innerhalb ihrer Gruppe ein Schreckensregiment aufgerichtet haben und sich nur durch Druck halten konnten, aber ich weiß nicht, auf welcher Basis wiederum diese Beobachtungen gemacht worden sind; jedenfalls wurden sie keineswegs für typisch gehalten. Außerdem wurde der Respekt und die Autorität dieser dominanten Tiere im Gegensatz zu denen, die ihre Rolle von der Gruppe übertragen bekommen hatten, für sehr gering erachtet. Diese Beobachtung würde Jason Godesky jedenfalls sehr gefallen; er interessiert sich als Anthropologe weniger für Tiere als vielmehr für Menschen und deren Gesellschaft und Beziehungen.

Eine Sozialorganisation der Tiere auf der Basis von Respekt und daraus erwachsender Autorität wäre jedenfalls auch sehr viel energieschonender als die üblichen Szenarios ständiger Machtkämpfe und Kraftproben, die man ja auch den Wolfsrudeln nachgesagt hat.

Symbiose  oben 



Die gegenseitige Beeinflussung, die Hunden und Menschen unterstellt worden ist, hat Temple Grandin sehr schön beschrieben. Wir wissen seit kurzem durch gentechnische Untersuchungen, daß sich Hunde und Wölfe bereits vor etwa 135.000 Jahren auseinanderentwickelt haben. Archäologische Beweise für das Zusammenleben von Menschen und Hunden gibt es allerdings erst seit 14.000 Jahren.

Daß man keine archäologischen Anhaltspunkte dafür hat, daß Hund und Mensch schon länger als 14.000 Jahre zusammenleben, liegt wahrscheinlich daran, daß der Mensch damals eine Symbiose mit Wölfen eingegangen war, die sich erst noch zu Hunden entwickeln mußten. Denn archäologische Funde von Wolfsknochen, die in großer Nähe zum Menschenknochen entdeckt wurden und mehr als 100.000 Jahre alt sind, gibt es zuhauf.

Wenn Dr. Wayne Recht hat, gingen Wolf und Mensch bereits eine Symbiose ein, als sich der Homo sapiens gerade erst aus dem Homo erectus entwickelt hatte. Zu diesem Zeitpunkt besaß der Mensch nur ein paar wenige Werkzeuge und lebt als Nomade in kleinen Gruppenverbänden, die sozial nicht komplexer gewesen sein dürften als eine Horde Schimpansen. Manche Forscher glauben sogar, daß diese frühen Menschen noch nicht einmal eine Sprache besaßen.

Wolf und Mensch waren sich damals also wesentlich ähnlicher als heute. Im Grunde taten sich einfach zwei Spezies mit einander ergänzenden Fähigkeiten zusammen. Das war etwas noch nie Dagewesenes, das es auch seither in diesem Ausmaß nie mehr gegeben hat.

Eine Gruppe australischer Anthropologen behauptet, daß die frühen Menschen, die sich mit Wölfen zusammentaten, sogar lernten, sich wie ein Wolf zu verhalten und auch so zu denken. Wölfe jagten im Rudel, der Mensch nicht. Wölfe besaßen komplexe soziale Strukturen, der Mensch nicht. Wölfe unterhielten loyale, gleichgeschlechtliche und nicht verwandtschaftliche Freundschaften, der Mensch vermutlich nicht, da das bei fast allen anderen heute lebenden Primaten nicht der Fall ist. (Die wichtigste Beziehung für Schimpansen ist die Eltern-Kind-Beziehung.) Wölfe hatten eine starke Bindung an ihr Territorium, der Mensch vermutlich nicht, da die anderen heute lebenden Primaten nicht sehr revierfixiert sind.

Als sich diese frühen Menschen dann wirklich zum modernen Menschen entwickelten, hatten sie sich alle diese wölfischen Fähigkeiten angeeignet. Wenn man bedenkt, wie sehr wir uns von anderen Primaten unterscheiden, fällt auf, wie ähnlich wir den Hunden sind. Viele Verhaltensweisen, die bei uns anders sind als bei den Primaten, sind äußerst hundetypisch. Die australische Forschergruppe glaubt, das wir das tatsächlich alles von den Hunden gelernt haben.

Sie geht sogar noch einen Schritt weiter: Wölfe und später Hunde verschafften dem Menschen einen enormen Überlebensvorteil: zum einen, indem sie ihm als Späher und Wachhunde dienten, und zum anderen, indem sie es ihm ermöglichten, gemeinsam größeres Wild zu erlegen, anstatt wie früher einzeln Jagd auf kleinere Beutetiere zu machen. Wenn man bedenkt, was die Wölfe alles für den Menschen getan haben, waren sie sicherlich mit ein Grund dafür, warum der frühe Mensch überlebt hat und der Neandertaler ausgestorben ist: Neandertaler hatten keine Hunde.

Aber die Hunde halfen dem Menschen nicht nur, lange genug zu überleben, um sich fortpflanzen zu können. Vermutlich ermöglichten sie es dem Menschen auch, alle anderen primitiven Verwandten zu überflügeln. Laut Paul Tacon, Forschungsleiter am Australian Museum, war die Entstehung menschlicher Freundschaften ein enormer Überlebensvorteil, da der Ideenaustausch zwischen Stämmen und Individuen auf diese Weise unglaublich beschleunigt wurde. Jede kulturelle Evolution beruht auf Kooperation, und der Mensch lernte vom Hund, wie man mit nichtverwandten Artgenossen kooperiert.

a.a.O., Seite 338, 339

Hier ist Temple Grandin möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen; als die Neandertaler ausgestorben sind, gab es noch keine Hunde im eigentlichen Sinn. Insofern können die Menschen gegenüber der Neandertalern nicht ausgerechnet durch die Hunde im Vorteil gewesen sein. Die Neandertaler haben sehr viel Fleisch gegessen, insofern wäre die Frage, ob es signifikant weniger Wolfsknochen in der Nähe von Neandertalerknochen gibt als vergleichsweise in der Nähe von Menschenknochen. Erst daraus könnte man einen Schluß ziehen. Es wäre aber selbst bei einer gleichhäufigen Verteilung von Wolfsknochen denkbar, daß die Menschen in der Übergangszeit schon von den Wölfen gelernt hätten, während das auf die Neandertaler nicht zutreffen müßte. In diesem Fall hätten die Menschen gegenüber der Neandertalern tatsächlich einen Vorteil gehabt.

Außerdem sind Symbiosen zwischen verschiedenen Lebewesen, Pflanzen und Tieren, nun überhaupt nicht selten, sondern im Gegenteil eigentlich fast schon die Regel – selbst der Mensch beherbergt ja Unmengen von anderen Organismen, ohne die er gar nicht existieren könnte. Ob die Symbiose von Hunden und Menschen nun großartiger ist als etwa die von Ameisen und Blattläusen oder gar die von Algen und Pilzen, die zu Wikipedia-Link» Flechten verschmolzen sind, möchte ich gar nicht beurteilen. Die Natur bietet in dieser Hinsicht die unwahrscheinlichsten und großartigsten Wunder, ständig entdeckten die Wissenschaftler neue davon, und angesichts all dieser unglaublichen Gemeinschaften erscheint die Symbiose von Hunden und Menschen sogar recht unspektakulär und keineswegs ungewöhnlich.

Schrumpfhirn  oben 



Interessanterweise haben sich die Gehirnvolumina sämtlicher Haustiere gegenüber den Wildformen verkleinert, und zwar zwischen 10 und 35 %. Etwa vor 10.000 Jahren schrumpfte das Gehirn der Menschen ebenfalls um etwa 10 %. Bei den Haustieren sind diejenigen Gehirnteile geschrumpft, die die Tiere gewissermaßen erwachsener machen, wodurch die Haustiere entwicklungsmäßig zurückgeblieben erscheinen, während es beim Menschen die waren, die Emotionen und Sinnesinformationen steuern. Temple Grandin interpretiert das als Arbeitsteilung:

Die Menschen übernahmen das Planen und Organisieren und die Hunde sensorische Aufgaben. Hund und Mensch entwickelten sich gemeinsam und wurden auf diese Weise zu immer besseren Partnern, Verbündeten und Freunden.

a.a.O., Seite 340

So mag sich erklären, warum wir heutzutage so schlecht riechen, hören und sehen können, warum fast alle Tiere uns mit ihren Sinnesleistungen übertreffen – obwohl das auch eine Frage der Kultur und der Übung zu sein scheint, denn manche ursprünglichen Völker können ganz ausgezeichnet riechen, hören und sehen, wesentlich besser als wir.

Die überlieferte Geschichte der Menschen und Pferde ist wesentlich kürzer als die der Hunde, beträgt aber immerhin auch etwa 5000 Jahre. Möglicherweise ist die Geschichte der Menschen und Pferde ebenfalls länger als bisher angenommen, denn die Hauspferde haben sicher ebenfalls von den Wildpferden signifikant früher abgespalten, etwa zur selben Zeit wie die Hunde von den Wölfen. Es wäre aber auf jeden Fall sehr interessant zu untersuchen, wie sich Pferde und Menschen im Laufe ihrer gemeinsamen Geschichte gegenseitig beeinflusst haben. Daß eine solche Beeinflussung stattgefunden haben muß, weil sie jederzeit stattfindet, kann jedes Pferd und jeder Mensch unmittelbar und sofort feststellen, wenn beide nämlich interagieren.

Ob diese gegenseitige Beeinflussung sich bereits, wie bei Hunden und Menschen behauptet, auf materieller Ebene, etwa in den Gehirnsstrukturen manifestiert hat, ist eine andere Frage – veränderte Verhaltensmuster, soziale Auswirkungen des Umgangs miteinander wären ja schon interessant genug. Was haben die Menschen von den Pferden gelernt? Daß sie von ihnen gelernt haben, ob sie es wollten oder nicht, steht außer Frage. Selbst wenn wir unterstellen, daß die Menschen die Pferde immer nur bösartig und böswillig ausgenutzt haben, muß sich eine solche Rückwirkung vollzogen haben. Und da die Pferde in der Kulturentwicklung des Menschen sogar eine viel größere Rolle gespielt haben als die Hunde, könnte sogar spekuliert werden, daß auch deren Einfluss auf das menschliche Wesen und die Kommunikation größer war.

Vielleicht ist es genau diese Wirkung der Pferde auf Menschen, die uns seit jeher und heute immer stärker fasziniert, die Pferde so wichtig werden läßt in unserer modernen Welt, in der sie doch recht eigentlich völlig überflüssig sind, zu nichts mehr nütze. Auch die Hunde haben ihre Aufgaben verloren, was Temple Grandin sehr bedauert und als ein großes Problem empfindet, und werden nun von den Menschen überwiegend als sozialer Partner, als Kindersatz sogar, benutzt und möglicherweise missbraucht. In ähnlicher Weise benutzt der Mensch heute das Pferd für alle möglichen Zwecke, nur nicht mehr für die, für die er sie einst brauchte.

Temple Grandin ist eine nüchterne Naturwissenschaftlerin, die sich für gesellschaftliche Visionen überhaupt nicht interessiert, ganz im Gegensatz zu Jason Godesky. Seine Suche mutet durchaus religiös an, er sehnt sich nach einer heilen Welt, zumindest nach einer heileren als der, in der er sich als moderner Amerikaner, als Softwareingenieur wiederfindet. Er möchte sich selbst und die Menschheit insgesamt gerne wieder auswildern, so wie wir in Gefangenschaft gezogene Tiere auswildern, Pferde zum Beispiel: EquiVoX-Link Takhi – ab in die Mongolei.

Quellen / Verweise  oben 

  1. Wikipedia-Link» Autistin
  2. Wikipedia-Link» Temple Grandin
  3. booklooker-Link» Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier
  4. » Theory suggets greater role for man's best friend
  5. Wikipedia-Link» Wolfgang Schleidt
  6. Wikipedia-Link» Konrad Lorenz
  7. PDF-Datei» Is Humaneness Canine?
  8. PDF-Datei» Co-evolution of Humans and Canids
  9. Wikipedia-Link» Jane Goodall
  10. Wikipedia-Link» Wolf
  11. » Jason Godesky
  12. » Alpha Dogs, Wolf Packs & the Wandering Free Families
  13. » Goodall’s Bananas
  14. Wikipedia-Link» Cesar Millan
  15. Wikipedia-Link» National Geographic Channel
  16. Wikipedia-Link» International Association of Canine Professionals
  17. » Dog Whisperer Blog with Cesar Millan
  18. » Cesar Gives Obama Five Things to Remember Before Adopting a Dog
  19. » Monks of New Skete
  20. » How to Be Your Dog’s Best Friend
  21. » Dr. L. David Mech
  22. » Wolf News and Info
  23. PDF-Datei» Alpha Status, Dominance, and Division of Labor in Wolf Packs
  24. Wikipedia-Link» Flechte
  25. Magazin EquiVoX-Link Takhi – ab in die Mongolei
  26. Magazin  Tu Gutes und rede darüber, Spenden für den guten Zweck – Bexter Hof Open freut sich auf Ihren Besuch
    EquiVoX-Link Ausgabe 479 · Teil Teil 1
  27. Magazin  Wo und wie kann ich Gutes tun?, Die Umsetzung des Philanthropie-Konzepts
    EquiVoX-Link Ausgabe 480 · Teil Teil 2
  28. Magazin  Spenden sind Glücksbringer, Kontakte, Schicksale, Initiativen und Integration
    EquiVoX-Link Ausgabe 484 · Teil Teil 3
  29. Magazin  Heilung und Linderung, Fallgeschichten und Randbedingungen des Pferdeeinsatzes im Gesundheitswesen
    EquiVoX-Link Ausgabe 485 · Teil Teil 4
  30. Magazin  Zwang und Gewalt, Springsport, Stierkampf und Bewußtseinswandel
    EquiVoX-Link Ausgabe 486 · Teil Teil 5
  31. Magazin  Immer feste druff, Über Gewalt in der Erziehung beim Menschen und beim Tier
    EquiVoX-Link Ausgabe 487 · Teil Teil 6
  32. Magazin  Schmerz und Lust, Wie Hilfsmittel aus der Pferdeszene genutzt werden können
    EquiVoX-Link Ausgabe 490 · Teil Teil 7
  33. Magazin  Doping und Befriedigung, Menschliche Bedürfnisse und die Hölle der Pferdemädchen
    EquiVoX-Link Ausgabe 491 · Teil Teil 8
  34. Magazin  Das Glück der Erde, Über das Lernen, Erziehung und die Glückseligkeit
    EquiVoX-Link Ausgabe 492 · Teil Teil 9
  35. Magazin  Ich bin der Größte, Über den Sport und die Motivation des Menschen
    EquiVoX-Link Ausgabe 493 · Teil Teil 10
  36. Magazin  Ein denkwürdiger Dialog, Über freien Willen, Sünde, Selbsterfahrung und Pferde
    EquiVoX-Link Ausgabe 496 · Teil Teil 11
  37. Magazin  Mir kommen die Tränen, Stormy May, "Der Pfad des Pferdes" und Stacy Westfall
    EquiVoX-Link Ausgabe 497 · Teil Teil 12
  38. Magazin  Rührung oder nicht, Über Gewalt, Einfühlung und Gefühle
    EquiVoX-Link Ausgabe 498 · Teil Teil 13
  39. Magazin  Ritt des alten Cowboys, Über Gefühle, Erfahrungen und Kommunikation
    EquiVoX-Link Ausgabe 499 · Teil Teil 14
  40. Magazin  Ritt für den Vater, Leben, als würde man sterben
    EquiVoX-Link Ausgabe 500 · Teil Teil 15
  41. Magazin  Von Autisten lernen, Über Gefühle und sonstige Unwägbarkeiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 503 · Teil Teil 16


Abbildungen

Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

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http://equivox.de/Leserresonanz

Leserresonanz oben 

Notizen  Leserbrief  2027 vom 24.11.2008
zu Ausgabe Magazin  504
Leserbrief

Hallo Redaktion!

Ihr Artikel der aktuellen Woche (KW 48) ist sehr interessant und lesenswert.

Ich empfinde es als sehr spannend zu erleben und zu erfahren, wie verschiedene Lebewesen sich gegenseitig beeinflussen – und voneinander sowie miteinander lernen.

Wie schön, dass auch das Thema Dominanz von Ihnen wieder sehr kritisch in Augenschein genommen wird.

Großes Lob für diesen interessanten, nachdenklich stimmenden Artikel.

Liebe Grüße. Karin Kelly
» Mein Pferdetraum

Notizen  Leserbrief  2028 vom 27.11.2008
zu Ausgabe Magazin  479  480  484  485  486  487  490  491  492  493  496  497  498  499  500  503  504
Temple Grandin & Artikelserie

Hallo Herr Popken,

Sie hatten mal geschrieben "zufriedene Leser schreiben keine Briefe" -da ist wohl was dran, aber manchmal sind Sie so gut, daß ich mich einfach melden muß.

Lieben Dank für die beiden ausführlichen Artikel u.a. zu dem Buch von Temple Grandin. Ich habe es mir direkt letzte Woche besorgt, hatte von der Dame schon vor einiger Zeit mal einen Bericht gesehen & leider den Namen wieder vergessen. Über diese Art Anregungen freue ich mich extrem, also wirklich danke!

Ihre Artikelserie zu den Themenkomplexen "Macht, Gewalt, Sexualität, Miteinander" fand ich sehr beachtens- & nachdenkenswert. Ich hege den Verdacht, daß viele Machtphantasien, egal auf welchem Gebiet, ob in sozioalen Systemen von Menschen, ob im Umgang mit Tieren oder in der Sexualität, durchaus etwas mit unreflektierter Langeweile zu tun haben.

Wer tatsächlich Macht innehat, ist sich - so er sie behalten will oder muß - durchaus darüber im klaren, wieviel Macht auch mit Last & Verantwortung zu tun hat. Ich rede hier nicht von verantwortungslosen Managern, die Millionen verpulvern & ausschließlich am eigenen Wohlleben interessiert sind, ich meine den Großteil an mittelständischen Unternehmen, in denen Führungskräfte, die ihre Aufgabe ernst nehmen, leiden "wie Hund", wenn sie Mitarbeiter entlassen oder Krisengespräche führen müssen. Dieses Leiden finde ich übrigens sinnvoll & verständlich, ich verstehe es als Preis für Macht.

Mit einem Tier ist es nicht anders. Wenn ich die Macht habe, über mein Pferd, meinen Hund zu bestimmen, dann bin ich hier für Leben & Tod verantwortlich, im drastischten Sinne. Angenehm ist das durchaus nicht immer, jeder Tierbesitzer weiß das, der schon mal mit seinem Vierbeiner zur Tierklinik musste oder sich ob einer Tierarztrechnung derbe auf den Hintern gesetzt hat. Ich denke auch immer an eine frühere Reitbeteiligung, das Pferd hatte Spat & MUSSTE bewegt werden, auch wenn ihm das sehr, sehr unangenehm war. Ich habe mit Tränen in den Augen geritten - die Alternative war aber, das Pferd stehenzulassen & dauerhaft Lahmheit & Schmerzen in Kauf zu nehmen. Also habe ich mich gefühlt wie ein Schwein, mich bei jedem Schritt entschuldigt & erst wieder entspannt, wenn das Tier nach 30 Minuten klar ging. Selten hat mir Macht so wenig Spaß gemacht.


Ihre Zweifel, ihr Abwägen der Argumente freuen mich aus tiefstem Herzen so soll es sein! Es geht ja, auch im Journalismus, garnicht so sehr darum, Antworten zu finden, sondern vielmehr darum, Fragen aufzuwerfen & zu verunsichern.

Bitte gerne mehr von diesen ideologisch-kritischen Artikeln! Ich kann mich nicht jede Woche umfänglich dazu äußern, freue mich aber immer wieder, einen solchen Leitartikel zu lesen.

Schade übrigens, daß das Abo-Modell nicht funktioniert hat, ich fand es fair & sinnvoll. Ich habe angefangen, Freunde & Bekannte auf Ihre Seite hinzuweisen & hoffe, dies tun auch andere Leser; vielleicht trägt sich die Seite ja doch noch mal übers Anzeigengeschäft. Ich wünsche es Ihnen & uns Lesern.

Mit herzlichem Gruß,
Susanne

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Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 504 vom 20.05.2012
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