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![]() Karin und Lea, » Mein Pferdetraum |
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Die Leitstute verkörpert dabei das Symbol der verantwortungsvollen Mutter, sie stellt sich mit all ihrer Kraft und Weisheit in den Dienst der Herde. Unermüdlich wacht sie über ihre „Familie“ und ist auf der Suche nach den besten Futterplätzen für ihre Herde. Außerdem sorgt die Leitstute für Frieden in der Gemeinschaft und schlichtet Unruhe. Für die Leitstute bedeutet „Führen“ vor allem der Herdengemeinschaft dienen und verantwortungsvoll verpflichtet zu sein. Besonders oft beobachtete ich, dass die Leitstute von allen anderen Herdenmitgliedern sehr geachtet und geehrt wird: der Leitstute machen alle Herdenmitglieder gerne Platz, folgen willig ihren Anweisungen und lassen sich vertrauensvoll von ihr führen. Auch sah ich oft, dass sämtliche Herdenmitglieder zur Leitstute kamen zur gegenseitigen Fellpflege. Die Leitstute ist also durchaus nicht unnahbar, sie sucht den Kontakt zu ihren Herdenmitgliedern und zwar mit dem gleichen Respekt, der ihr entgegen gebracht wird. Die Leitstute hat es nicht nötig, zu drohen oder aggressiv zu werden, die Herdenmitglieder respektieren sie auf Grund ihrer inneren Stärke und ihrer immensen Ausstrahlung. Die einzige „Kampfeshandlung“ , die mir aufgefallen ist: die Stuten verteidigen – notfalls mit Bissen und Tritten – ihre Fohlen gegen eine Annäherung des Leithengstes. Neben der Leitstute gibt es mehrere Stuten in verantwortungsvollen Positionen. Oft ist eine Herde in mehrere Verbände unterteilt, jede dieser Gruppen hat eine Leitstute. Diese Stuten sind hauptsächlich dafür verantwortlich, den Nachwuchs zu „erziehen“ und den Frieden und Zusammenhalt der Gemeinschaft zu sichern. Gerne zitiere ich an dieser Stelle Susanne E. Schwaiger (Pferdeausbilderin und Persönlichkeitstrainerin):
Die meiste Aktivität bringen die „Heranwachsenden“ in die Herde. Junge Stuten und Hengste spielen und toben viel. Es ist ständig Bewegung in der Herde. Dabei dient das Spiel immer der Vorbereitung auf den „Ernst des Lebens“ . Im Spiel werden Kampfeshandlungen geprobt sowie Kondition und Beweglichkeit geschult. So trainieren sich die Jungpferde gegenseitig im Spiel. Beim Leithengst spielt die körperliche Ausstrahlung und Kraft schon eher eine Rolle, da der Hengst seine Herde gegen andere Hengste oder Angreifer verteidigen muss und außerdem durch sein Erbgut besonders widerstandsfähige, kräftige Nachkommen zeugen soll. (In der Wildbiologie wird nur das Vertreiben eines männlichen Konkurrenten und damit die Möglichkeit zur Fortpflanzung also die Weitergabe der Gene als „dominante Handlung“ beschrieben. In Wildbiologie, Verhaltenspsychologie und Ethologie wird für Equiden der Begriff Dominanz sonst fast nicht benutzt.) Selbstverständlich muss auch der Leithengst über innere Qualitäten, wie Selbstsicherheit, Mut, Durchsetzungsvermögen, Entschlossenheit, Weisheit, Beständigkeit und Besonnenheit verfügen, ansonsten würde er von den Stuten der Herde nicht als Leithengst anerkannt. Bei meinen Beobachtungen stellte ich fest, dass der Leithengst oft etwas abseits der Herde steht und von außen die Familie bewacht. Keinesfalls darf man sich unter einem Leithengst einen bösartigen Schläger vorstellen – der Leithengst ist mit Sicherheit eine imposante Erscheinung und auch sofort als solcher zu erkennen, jedoch hält er sich hauptsächlich im Hintergrund und bewacht in ruhiger, aufmerksamer Position seine Herde. Seine Aufgabe ist es, die Herde zusammen zu halten, damit kein Mitglied der Herde verloren geht. Wird die Herde ernsthaft angegriffen, so ist der Leithengst bereit, die Herde mit aller Kraft und Stärke zu verteidigen – hier kann man sehen, was für mutige Kämpfer Pferde sind, wenn es gilt sich selbst und Artgenossen zu verteidigen. |
Wenn die Junghengste die Geschlechtsreife erreicht haben, werden sie vom Leithengst aus der Herdengemeinschaft vertrieben. Eine Ausnahme stellt die Situation dar, wenn ein Junghengst den Leithengst erfolgreich im Kampf um den Stutenharem besiegt, was aber auf Grund fehlender Erfahrung der Jungtiere selten vorkommt. Hengste, die keine Stutenherde haben, schließen sich zu Junggesellenverbänden zusammen. Auch in Hengstherden sind ernsthafte Kämpfe nicht üblich. Lediglich spielerisch wird gekämpft, um für den Ernstfall, also das Erkämpfen einer Stutenherde, zu trainieren – Verletzte gibt es bei Spielen nicht. Junge Stuten verlassen in freier Natur meist von selbst die Herde, was auch in Gruppen von Statten geht. So wird auf natürliche, instinktive Art Inzucht vermieden. Meist gesellt sich innerhalb kürzester Zeit zu Jungstutenherden ein neuer Hengst. Was ich bei meinen Beobachtungen auch feststellte: durchaus nicht jedes Pferd erstrebt einen hohen Rang, der hohe Rang in der Herdengemeinschaft ist mit viel Verantwortung verbunden. Viele Pferde sind am unteren Ende der Hierarchie sehr glücklich und zufrieden, ein gezieltes Aufstreben-wollen in der Herdenrangordnung konnte ich bei meinen Beobachtungen kaum feststellen. In der Natur bringt der hohe Rang in Pflanzenfressergemeinschaften nicht viele Vorteile für das Individuum, da (fast) immer genug Futter vorhanden ist und das Futter auf einen größeren Raum verteilt ist. (Anders ist das bei den Rudeln der Raubtiere, da gilt: der Ranghöhere frisst zuerst). Durchaus beobachtete ich Futterneid bei Pferden in „Gefangenschaft“ – zum natürlichen Herdenverhalten gehört das jedoch nicht, da in der Natur die Grünfläche oder Bäume nicht auf einen kleinen Raum (z.B. Heuraufe u.ä.) beschränkt ist. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich hier auf das ursprüngliche, natürliche Verhalten von Pferden zurückgreife. In Hauspferdeherden findet – wie bereits erwähnt – größtenteils kein ursprüngliches Verhalten statt, da Wallache und Stuten gemeinsam gehalten werden, die Rolle des Leithengstes wird überflüssig. Ich beobachte oft und gerne unsere Hauspferdeherden, denn ich kann viel lernen über Verhalten und Körpersprache. Die Strukturen einer Herde konnte ich hier aber leider nicht „studieren“ . Um wirklich ursprüngliches Verhalten dokumentieren zu können, ist es sinnvoll, eine Herde in Familienstruktur zu beobachten. In Zoos werden viele Zebras, Wildesel und Przewalskipferde in natürlichen Familiengruppen gehalten, zwar ist der Platz begrenzt, aber die natürliche Herdenstruktur ist größtenteils erhalten. Außerdem gibt es in Deutschland mehrere Wildpferdprojekte. Internetadressen und Literatur dazu finden Sie im Anschluss an meinen Bericht. Bei meinen Beobachtungen, die größtenteils mit sämtlicher Fachliteratur zu Pferdepsyche und Pferdeverhalten übereinstimmen, ist meine wichtigste Erkenntnis: Ein wirkliches Leitpferd, egal ob Hengst (Wallach) oder Stute verkörpert all das, was zu innerer Stärke gehört. Pferde mit Führungsqualitäten strahlen durch inneren Glanz, durch Klarheit, Willensstärke, Selbstsicherheit, Vertrauenswürdigkeit und Besonnenheit, sie haben eine starke Intuition und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. In freier Natur kann nur ein Pferd mit solchen inneren Qualitäten eine Führungspersönlichkeit sein. Fazit: Alles was der Mensch an Techniken, Manipulationen und psychologischen Taktiken am Pferd ausführt (wie oben genannt), führt nicht zu einem freiwilligen Anschluss des Pferdes an den Menschen. Keine „Technik am Pferd“ kann die Führungsqualitäten und natürliche Autorität des Menschen stärken, sondern führt höchstens – durch den negativen Einfluss auf die Pferdepsyche – zur Unterwerfung des Pferdes und zur Vorherrschaft (Dominanz) des Menschen. Der bessere und „edlere“ Weg für den Menschen ist, sich selbst geistig weiter zu entwickeln und seine Persönlichkeit hin zu natürlicher Autorität zu entfalten, dann schließt sich das Pferd ihm von selbst an, ohne Anwendung jeglicher Technik. Wer Authentizität, Klarheit, innere Stärke, Selbstsicherheit, Vertrauenswürdigkeit, Entschlossenheit und Besonnenheit ausstrahlt, wird vom Pferd als echte Führungspersönlichkeit anerkannt und das Pferd schließt sich diesem Menschen freiwillig und ganz von alleine vertrauensvoll an. (Nebenbei erwähnt: nicht nur Tiere erkennen solche Menschen als „glaubwürdig“ an, diese Menschen sind meistens in sämtlichen Lebenssituationen und im Umgang mit anderen Menschen erfolgreich und Vertrauen erweckend.) |
Ich wurde in meiner Erkenntnis bestärkt: Wahre Persönlichkeit und Ausstrahlung inklusive sämtlicher Führungseigenschaften kommt nur von innen. Eine starke Persönlichkeit kann trainiert werden, durch „Arbeit“ an sich selbst (z.B. in Form von Persönlichkeitsentwicklungs- und Selbstfindungskursen oder/und entsprechende Bücher, es gibt auch interessante Workshops und Foren zum Erfahrungsaustausch im Internet.) Ich habe die Erfahrung machen können, die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit und die Arbeit an mir selbst gibt sehr viel Erleichterung und Hilfestellung in Sachen Lebensqualität und Einstellung zum Leben. Ich bin dadurch mir selbst und dem Leben sehr viel näher gekommen und ich bilde mich auch ständig auf diesem Gebiet weiter. Ich verwende gerne und oft die Bezeichnung starke Persönlichkeit – Doch was verstehe ich überhaupt unter einer wahrhaftigen und starken Persönlichkeit? Für mich bedeutet eine starke Persönlichkeit:
Zusammenfassend möchte ich sagen, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
Ich bin bereit zu Beobachten und zu Reflektieren – und dabei immer die Rückmeldungen meiner Umwelt, meiner Mitmenschen und meiner Tiere zu berücksichtigen. So befinde ich mich auf einem „Weg“ , der vorwärts führt und mich im Leben weiter bringt, mich dem Sinn des Lebens näher bringt. Ich bin sehr froh, auf diesem „Weg“ zu sein. |
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