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von Wolff, Fabian160 Seiten. Gebunden, Pappband, matt laminiert, 22 x 14, 2 cmStuttgart, Januar 2006 Kosmos Verlag, Stuttgart ISBN vergriffen EUR (D) 12, 95 ![]() erschienen im vom 30.11.2008 |
Der Verlag sagt über das Buch:
Die ersten beiden Kapitel dieses Buches heißen "Noch ein Buch über das Reiten?" und "Noch ein Buch über Zen?" Naja, denkt der Leser, wenn jedes Buch über das Reiten mit dieser Frage beginnen würde – man wird doch wohl erwarten dürfen, daß der Autor etwas zu sagen hat, etwas Neues. Und wenn der Titel schon etwas Neues verspricht, dann spricht doch nichts dagegen, daß der Autor das Buch schreibt und der Käufer das Buch liest. Was nun die Bücher über Zen betrifft, so gibt es eine ganz eigene Klasse von Büchern, deren Titel lautet "Zen oder die Kunst ..." oder "Zen und die Kunst ..." oder "Zen in der Kunst ..." usw.; das vielleicht berühmteste dieser Bücher ist Pirsig betont schon im Vorwort, daß sein Buch eigentlich wenig mit Motorrädern und auch wenig mit Zen zu tun hat. Der Untertitel lautet: "Ein Versuch über Werte". Dieses Buch habe ich sehr häufig gelesen und noch häufiger verschenkt. Die meisten Empfänger konnten damit nichts anfangen. Das konnte ich nicht verstehen, dieses Buch beschäftigt mich noch immer. Der Gedanke, daß die Qualität der Zentralbegriff unseres Weltverständnisses ist, imponiert mir noch immer. Zum Schluß stellt der Autor eine ganz wesentliche Übereinstimmung zwischen seiner Auffassung von Qualität und dem Kann man nun erwarten, daß man in diesem Buch etwas über Zen und das Reiten erfährt? Bei Herrigel erfährt man kaum etwas über das Bogenschießen, wenn ich mich recht erinnere, und auch das Zen ist mir nicht recht deutlich geworden. Es war ein noch dünneres Buch als dieses, und vor allen Dingen die Schwierigkeiten des deutschen Professors, sich gehenzulassen und zu vergessen und das Schießen geschehenzulassen blieben mir im Gedächtnis. Das aber war vielleicht die wesentliche Botschaft. Meine Annäherung an das Zen geschah weniger über Bücher als vielmehr über das praktische Tun, das so genannte Damals wurde mir empfohlen, leicht erhöht auf einem Klötzchen zu sitzen. Das tue ich noch heute, wenn ich meditiere, allerdings im halben Lotossitz – den vollen konnte ich nur als Kind, und das auch nur kurz. Mit Zen habe ich allerdings nichts mehr zu tun – die Methoden und Ziele des Zen sind mir heute recht fremd. Es geht ja beim Zen nicht um Gott – für den Buddhismus gibt es keine Gottheiten, sondern im Grunde nur das Diesseits, welches letztlich als Leidensweg begriffen wird, der ultimativ beendet werden soll, indem Eingang ins Nirwana gefunden wird. Irgendwie macht mich das alles gar nicht an, schon gar nicht die ewigen Geschichten der unnahbaren Zen-Meister, die die armen Schüler mit unsinnigen Forderungen zur Verzweiflung bringen. Aber gut, man möchte ja gerne etwas dazulernen, insbesondere im Zusammenhang mit Pferden, nun also: Zen oder die Kunst ein Pferd zu reiten. Schon der Klappentext läßt mich die Stirn runzeln: Der Autor ist Turnierreiter. Wie geht das mit Zen zusammen? Er praktiziert den Zen-Buddhismus täglich, lesen wir, also sollte er doch etwas davon verstanden haben. Wie sieht das aus? Soweit ich weiß, besteht die Praxis aus stundenlangem Zazen – wenn man mal von der Auffassung absieht, daß alles, was man tut, im Geiste des Zen getan werden kann, also zum Beispiel auch der Abwasch oder Unkraut jäten oder, um im Bild zu bleiben, Stall ausmisten. Mit großem Interesse und ebensogroßem guten Willen begann ich also die Lektüre dieses Buches, Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Zeile für Zeile, Absatz für Absatz, Seite für Seite, bis ich nicht mehr konnte. Und warum? Weil ich nur Gemeinplätze zu lesen bekam. Ich wartete dringend auf Erkenntnisse, Einsichten, Neuigkeiten, vielleicht hätten es auch Techniken sein dürfen, aber ich bekam nur langweilige und langatmige Referate aufgetischt. Jede Menge Anekdoten über Zen und Zen-Meister und das Reiten, und am Ende eines jeden Kapitels eine Zusammenfassung, etwa in der folgenden Art:
Ja so! Hält man es für möglich? Nichts weiter als das? Und deshalb soviel Theater? Nun ja, der Autor bietet noch andere Zugänge an, zum Beispiel über den Begriff "Harmonie":
Donnerwetter! Schon die Zusammenfassung gibt zu denken. Erleuchtung ist nichts weiter... Ja, so! Endlich habe ich es begriffen. Viel Lärm um nichts! Alles nur Schaumschlägerei! 95 % aller Reiter sind demnach auf dem guten Weg, oder? Unverdrossen hilft uns der Autor weiter und gibt ganz konkrete Handlungsanweisungen:
Na also! Ich nehme an, daß man das auch beim Ausmisten lernen kann. Insofern hat Zen mit dem Reiten genauso viel zu tun wie der Küchendienst oder die Gartenpflege oder was auch immer Menschen meinen tun zu müssen. Zen kann also überall und ständig praktiziert werden, vermutlich sogar im Schlaf. Aber nein, der Autor bringt auch Techniken, zum Beispiel das Zazen. Er gibt zu bedenken, daß unsereiner vermutlich nicht den Lotossitz kann, vielleicht nicht einmal den halben, aber er beruhigt uns, darauf kommt es angeblich gar nicht an. Denn, jetzt lerne ich tatsächlich etwas Neues hinzu, der Lotossitz dient dazu, bestimmte Akupressurpunkte zu aktivieren, die der Reiter nun fast automatisch beim Reiten aktiviert. Also kann der Reiter erst einmal sitzen, und anschließend dann Reiten. Sehr bequem. Damit ist der Reiter jedem anderen Zen-Adepten haushoch überlegen! Vielleicht müssen wir als Reiter noch nicht einmal sitzen, sondern brauchen bloß zu reiten?
Da haben wir es: wir müssen gar nicht sitzen. Reiten ist ja auch viel vergnüglicher! Diese Binsenwahrheiten werden sehr langatmig entwickelt und mit vielen Anekdoten und vielen Namen von irgendwelchen Mönchen und Meistern aus Tibet und China und Japan und sonst woher untermauert, müssen also nicht nur wahr sein, sondern auch sehr bedeutsam. Technik ist aber nicht alles, sondern Technik muß auch noch überwunden werden:
Alles klar, oder? Kennen wir doch alle, so ist das Leben! Mit solcher Art Weisheiten und mehr oder weniger passenden Anekdoten füllt der Autor Seite um Seite, und irgendwann konnte ich nicht mehr. Mein Lesezeichen steckt immer noch auf Seite 37, ich fing dann an, querzulesen, hier und da hineinzuschnuppern, um zu sehen, ob sich der Stil des Autors und die Durchdringung des Materials ändert, aber nein, der Vortrag bleibt immer auf derselben Höhe, es ist eine Fleißarbeit, wo man sich ständig fragt, ob der Autor wirklich glaubt, was er dem Leser vorsetzt. Aber halt! Zum Schluß gibt er zu bedenken, daß Pferde wie Menschen höchst unterschiedlich sind. Das ist mein persönlicher Eindruck, den ich mit anderen Urteilen vergleichen wollte. Bei Amazon hatten sich glücklicherweise drei Rezensenten die Mühe gemacht, und nur einer fand das Buch ähnlich ungenießbar wie ich, die anderen beiden waren begeistert. Etwa so:
Es gibt zwar keine Antwort, aber durch das Buch kann man die Antwort finden. Bingo! Wer also die schwierigsten Dressurlektionen meistern will, dem sei dieses Buch dringend ans Herz gelegt. Die andere positive Rezension befindet: "Auch ein gutes Geschenk für die nachdenklicheren Mitreiter. Ich hab es gerne gelesen." Also: Weihnachten steht vor der Tür! |
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