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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 505, erschienen am 30.11.2008

Magazin  Ausgabe 505
Heidi Keppel
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Tipps für eine pferdefreundliche Reitweise
Teil 5
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel


Vorige Woche habe ich bereits davon gesprochen, dass die innere Einstellung zum Pferd und zum Reiten besonders wichtig ist, wenn man eine harmonische Zusammenarbeit mit seinem Pferd anstrebt. Ein bedeutsamer Punkt ist hierbei, dem Pferd grundsätzlich zu vertrauen und ihm mehr Freiheiten zu gestatten, als dies üblicherweise (vor allem beim Englischreiten) praktiziert wird.

Wer auf das Sidepull-Reiten umsteigen möchte, sollte sich schon im Vorhinein darüber im Klaren sein, dass es nur funktionieren kann, wenn man bereit ist, seine stramme Zügelhaltung und den ununterbrochenen ‚Kontrollzwang’ aufzugeben. Nur mit durchhängenden Zügeln, die eine uneingeschränkte Kopfbewegung des Pferdes erlauben, erfüllt diese gebisslose Zäumung ihren Zweck und bringt so Pferd und Reiter in den Genuss eines unbeschwerten Rittes.

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt, möchte ich hier gleich betonen, dass dies selbstverständlich keine Aufforderung sein soll, diverse Unarten unserer vierbeinigen Reitgefährten einfach hinzunehmen oder unseren tierischen Freunden gar die Vormachtstellung zu überlassen. Es kann aber nicht schaden, ihnen das Leben und die Mitarbeit zu erleichtern und ihnen gegebenenfalls ein ‚Mitspracherecht’ einzuräumen, wenn es die Situation erfordert.

Gerade bei Geländeritten ist es durchaus von Vorteil, wenn ein Pferd seinen Kopf frei bewegen und damit auch viel besser auf den Weg achten kann. So kann es z.B. mit tief gehaltenem Kopf bei weitem leichter großen Steinen ausweichen oder gefährliche Wurzeln bzw. andere Bodenunebenheiten überwinden. Und es kann auch seitlich befindliche Hindernisse genauer abschätzen, wenn es den Kopf nach Belieben drehen darf. Auf diese Weise wird ein Ausritt für alle Beteiligten zu einem angenehmen und stressfreien Erlebnis, und der Reiter büßt damit keineswegs seine Autorität ein.

Ganz besonders gilt dies auch für nervöse Tiere, die in unbekannter Umgebung oft zappelig werden und schon bei geringstem Anlass erschrecken. Gerade solche Pferde profitieren von dieser Kopffreiheit, weil sie sich so alles uneingeschränkt anschauen können und dadurch meist rasch ruhiger werden. Auch wenn es viele Reiter eine große Überwindung kosten wird, in solchen Fällen auf die scheinbar sichere feste Zügelhaltung zu verzichten, kann ich dies nur empfehlen, denn Nervosität entsteht besonders bei sensiblen Tieren hauptsächlich durch Zwang und Bewegungseinschränkung.

Wer sich sein Pferd als zuverlässigen Reitpartner wünscht, der sollte ihm auch die Möglichkeit geben, sich dahingehend zu entwickeln, und dazu ist unter anderem eine gewisse Selbständigkeit und eine eigenverantwortliche Form des Mitdenkens erforderlich. Das Pferd soll also nicht nur still ergeben wie eine Maschine die Befehle seines Reiters ausführen, sondern vielmehr in einem steten Zwiegespräch mit seinem Reiter stehen und ihm notfalls auch widersprechen, wenn seine Anordnungen sinnlos oder gar gefährlich erscheinen. Wie dies im Detail aussehen kann, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp!


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