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Alles dasselbeNach längerer Abstinenz war ich wieder einmal auf einer Pferdemesse, der » Pferd & JAGD in Hannover. An einem Stand ergab sich ein Gespräch über verschiedene Methoden der Ausbildung, und mein Gesprächspartner ereiferte sich: "Letzten Endes geht es doch immer nur um dasselbe! Pferde sind nun mal Pferde, darum kommt keiner herum!" Naja, dem mußte ich vehement widersprechen. Aber ich war nicht schlagfertig genug, um die Absurdität dieser Aussage sofort klarzustellen. So könnte man doch genauso gut behaupten: "Kinder sind nun mal Kinder, also müssen alle pädagogischen Ansätze letzten Endes zum gleichen Schluß kommen!" Dann könnten wir uns sämtliche pädagogischen Diskussionen ersparen, den Rohrstock wieder herausholen und den Kindern die Lehrinhalte einbläuen. Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es in der neuen Diskussion darum, ob man Pferde dominieren muß oder nicht, ob sie unbedingt und auf jeden Fall das tun müssen, was die Menschen wollen, oder nicht, ob sie wie ein Automat auf Knopfdruck reagieren müssen oder nicht. Karin Rupprecht stellt diese Alternative im Artikel dieser Woche sehr deutlich heraus. Ich finde diesen Gedanken sehr wichtig; das ist nicht leicht zu begreifen, denn nur allzu gern läßt man sich von fantastischen Leistungen begeistern, ohne zu bedenken, um welchen Preis diese erzielt worden sind. Begabung Letzten Endes entwickelt sich eine Pädagogik immer aus einer Vorstellung heraus. Wer in der Schule den Rohrstock benutzen möchte, hat ein anderes Menschenbild als jemand, der die Persönlichkeit der Schüler entwickeln möchte. Es ist heute vollkommen undenkbar, das wir in der Schule wieder zu den Methoden des 19. Jahrhunderts zurückkehren – selbst die Methoden des 20. Jahrhunderts erscheinen unzureichend. Warum sollte das bei den Pferden anders sein? Daß wir Menschen alle verschieden sind, kann jeder am eigenen Leibe erfahren. Pferde sind nicht minder individuell, aber wer will das bei der Arbeit mit den Pferden berücksichtigen? Wenn Pferde als lebendige Automaten aufgefaßt werden, die man konditionieren muß, darf man deren Individualität gar nicht erst wahrnehmen. Die Verfechter der neuen Linie behaupten nun, das man die Pferde auf diese Art und Weise nur zurechtstutzt, kleiner macht, behindert. Sie aber möchten im Gegenteil ihre Pferde fördern, sie wachsen und sich entfalten lassen, wobei sie für sich selbst dieselben Wirkungen wünschen und verspüren. Einen ähnlichen Gedanken findet man neuerdings auch in Bezug auf die Entwicklung von Kindern, der natürlich ebenso wie die neuen Tendenzen bei den Pferden erst ganz allmählich in die Erziehung und die Institutionen eindringen wird. Jedes Kind ist anders, und alle Kinder sind auf ihre Weise interessant und befähigt; das müssen Eltern, Erzieher und Lehrer erst lernen.
Haiku
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