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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 506, erschienen am 08.12.2008

Magazin  Ausgabe 506
Heidi Keppel
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Tipps für eine pferdefreundliche Reitweise
Teil 6
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel


Wie ich bereits in meinem letzten Tipp angekündigt habe, möchte ich Ihnen heute an einigen Beispielen zeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, Pferden beim gemeinsamen Reitsport ein gewisses ‚Mitspracherecht’ einzuräumen, wobei dieses je nach Intelligenz und Erfahrung des Pferdes unterschiedlich ausfallen sollte.

Von einem jungen, unerfahrenen Tier kann man verständlicherweise nicht erwarten, dass es in allen Situationen richtig reagiert und sämtlichen Gefahren geschickt ausweicht. Jungpferde stellen sich genau wie junge Menschen oftmals noch sehr ungeschickt an und sie haben auch nicht den geschulten Rundumblick, den man bei erwachsenen Tieren beobachten kann, sofern diese sich an natürlicher Haltung erfreuen können und regelmäßig in den Genuss abwechslungsreicher Ausritte kommen.

Weitgehend abgeschirmt gehaltene Pferde, die fast immer nur ihre Box bzw. einen kleinen Paddock zu Gesicht bekommen und womöglich auch noch wenig Kontakt zu anderen Artgenossen haben, stumpfen unweigerlich ab oder entwickeln allerhand Neurosen. Werden solche Tiere mit äußeren Reizen bzw. Gefahren konfrontiert, reagieren sie darauf entweder gar nicht oder in übertriebener Weise, weshalb man derart gestörten Pferden selbstverständlich keine weitreichende Verantwortung übertragen kann. Aber auch sie können mit viel Übung und Geduld zu mitdenkenden, verlässlichen Reitpferden erzogen werden.

Das größte Vertrauen hingegen können Sie als Reiter sicherlich einer ranghohen Stute entgegenbringen, die bei Herdenhaltung ihre Artgenossen sorgsam anführt und somit über genügend Erfahrung und einen ausgeprägten Naturinstinkt verfügt, welcher sie stets richtige Entscheidungen treffen lässt. Diese Eigenschaften kann sie auch jederzeit unter dem Sattel entfalten, wenn man ihr nur die Möglichkeit dazu gibt.

Rangniedrige Tiere können zwar durchaus genauso klug sein, aber sie verlassen sich in der Regel lieber auf die Führung durch ein anderes Lebewesen (sei es eben eine Leitstute oder auch der Reiter) und achten somit meist viel weniger auf ihre Umgebung. Auf sich allein gestellt, lernen aber auch sie nach einiger Zeit, rundherum aufmerksamer zu sein und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln.

Die meisten Reiter glauben wohl, dass sie dies eigentlich nicht benötigen, und möchten viel lieber selbst den Ton angeben. Sie wollen z.B. bei einem Ausritt alles alleine bestimmen – die Richtung, den Weg, das Tempo, vielfach wirklich jeden einzelnen Schritt! Nur zu oft entstehen aber gerade daraus gefährliche Situationen oder gar Unfälle, weil der Reiter sich und die Leistungsfähigkeit seines Pferdes überschätzt bzw. schwierige Bodenverhältnisse und Hürden unterschätzt.

Vom Sattel aus werden etwa Eisflächen unter einer Schneedecke nur schwer erkannt, während Pferde davor in der Regel von ihrem Naturinstinkt gewarnt werden. Ähnliche Vorsicht lassen sie auch zumeist bei Waldböden und ihren oftmals verborgenen Tücken, wie etwa überwachsenen Wurzeln, Geröllteilen etc., walten. Kluge Tiere würden solch gefährliche Böden immer nur im Schritt überwinden und zur Bewältigung dieser Aufgabe mit tief gehaltenem Kopf sowohl ihre Augen als auch ihren Geruchssinn einsetzen, was ihnen bei meiner Reitweise auch gewährt wird.

Außerdem habe ich meinen Pferden stets erlaubt, sich auf unwirtlichen Forststraßen den besten Weg auszuwählen, auch wenn dieser zeitweise zickzackförmig verlief. Selbst auf schöneren Wegen hatten meine vierbeinigen Reitkameraden ein Mitspracherecht, was das Tempo anbelangte, weil ich von befreundeten Reitern wusste, wie rasch sich ein Pferd überschlagen kann, wenn es überfordert wird und nicht mehr genug Kraft besitzt, um unerwartet auftauchende Bodenunebenheiten ordentlich zu überwinden.

Ich bin mit dieser Einstellung und meiner pferdefreundlichen Reitweise immer sicher vorangekommen und musste noch nie einen Sturz oder andere verhängnisvolle Unfälle erleben, weshalb ich auch all meinen Lesern empfehlen würde, ihr Pferd nicht als bedingungslos gehorchenden Untergebenen, sondern vielmehr als gleichberechtigten Reitpartner anzusehen, der einen Teil der gemeinsamen Verantwortung übernehmen und dementsprechend handeln sollte. Welche weitere Möglichkeit sich dafür oftmals ergibt, erfahren Sie dann in meinem nächsten Tipp!


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