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Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 507, erschienen am 15.12.2008

Magazin  Ausgabe 507
Farasi
Der Jahrhundertritt durch Afrika

von Hausleitner, Horst

352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, illustriert, 13.4 x 21.5 cm

Wien, September 2007

Seifert Verlag

ISBN 978-3-902406-47-7

EUR (D) 22, 90

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Rezension Rezension von

1
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 507
vom 14.12.2008
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Mit dem Pferd quer durch Afrika. 5.000 Kilometer Savanne, Busch, Urwald, wilde Tiere, fremde Kulturen – Esther und Horst wagten gemeinsam das Abenteuer ihres Lebens. Ein Pferdediebstahl, ohne Wasser mitten in der Steppe, von 500 Wilden gesteinigt und nur knapp dem Tod entronnen, dies sind nur einige Episoden, die sie auf ihrer zwölfmonatigen Tour von Südafrika nach Kenia erlebten. Amerikanische Medien sollten später von dem „Ritt des Jahrhunderts“ sprechen. Zugleich ist für die beiden diese Expedition aber auch eine Reise zurück zu den Wurzeln der Menschheit, eine Flucht aus der von Überfluss und Entfremdung geprägten Zivilisation hin zu einem wesentlichen und intensiven Leben.

Rückentext

Zwei Menschen wagen das Abenteuer ihres Lebens: Esther und Horst durchquerten Afrika mit Pferden, ein Unternehmen, das die Medien später als „Ritt des Jahrhunderts“ feiern sollten. „Dieser Ritt hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: glücklich“, antwortet Horst Hausleitner auf Journalistenfragen, „ich habe gelernt, auch in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren. Alltagstrott und Stress kenne ich nicht mehr. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, daß ich lebe, Freunde um mich habe und Spaß an meinem Beruf.“ Wie es dazu kam, schildert er in diesem Buch.


Autor

Horst Hausleitner, geb. 1960, machte erst spät Bekanntschaft mit Pferden. 2003 stieg der Saxophonist, der Stars wie Liza Minelli und Johnny Cash begleitet und mit Bill Clinton gejammt hat, für ein Jahr aus seinem Künsterleben aus, um sich gemeinsam mit seiner Frau auf eine abenteuerliche Reise nach Afrika zu begeben. Horst Hausleitner lebt heute wieder in Wien.


Verlag

» Seifert Verlag

» Horst Hausleitner




Kolumnen Rezension

Ausnahmsweise biete ich Ihnen keinen Link zur Direktbestellung an, sondern verweise Sie auf booklooker-Link» Booklooker, wo Sie viele Anbieter finden, die dieses Buch kostenlos verschicken und am Lager haben; alternativ hier noch der Link bei » Amazon, falls Sie lieber dort bestellen möchten.

Zu diesem Schritt sehe ich mich gezwungen, weil das Buch, von dem hier die Rede ist, in Österreich erschienen ist und deshalb nicht direkt beim Verlag bestellt werden kann, es sei denn der Verlag hat eine Verlagsauslieferung in Deutschland, aber leider habe ich versäumt, das rechtzeitig abzuklären. Die Postlaufzeiten und vor allen Dingen die Versandkosten aus Österreich wären einfach viel zu hoch. Aber zurück zum Buch:

Bei Amazon findet man vier Rezensionen, wie üblich recht kurz, aber durchaus interessant und hilfreich. Je zwei von diesen sind extrem positiv und extrem negativ. Zu den beiden negativen gibt es jeweils einen Kommentar von demselben Autor » Dr.G.Klatt, der seinerseits keine Rezension geschrieben hat, das Buch aber ebenfalls sehr positiv einschätzt.

Eine der beiden negativen Rezensionen ist aus dem September 2008 und vergleicht das Buch mit dem auch von mir besprochenen Buch EquiVoX-Link Der Abenteuerreiter von Günter Wamser, das dem genannten Kommentator dieser Rezension ebenfalls bekannt ist. Die Rezensentin » wattenmeer bemängelt unter der Überschrift „Weltfremd in der Welt unterwegs?“, daß die Reisenden zu unvorbereitet und zu unreflektiert aufgebrochen sind und schreibt als Fazit:

[...] Für Wanderreiter mit hochtrabenden, exotischen Plänen möglicherweise hilfreich, weil ein solches Vorhaben in Entwicklungsländern eben auch derbe schief gehen kann. Für alle anderen am Thema interessierten empfehle ich sehr das Buch 'Der Abenteuerreiter'von Günter Wamser!

» Amazon-Rezensionen zu „Farasi“

Nun fragt man sich, wie sehr unvorbereitet und unreflektiert man nach Meinung der Rezensentin zu einer solchen Reise aufbrechen darf und wann das Maß überschritten ist und man es nicht mehr darf. Der Kommentator dieser Rezension entrüstet sich im November 2008 über diese Rezension, streicht die Vorzüge des Buches heraus und nutzt dazu ebenfalls den Vergleich mit Wamsers Buch:

[...] Bücher im Eigenverlag – wie das von Günter Wamser – haben eben den Nachteil, der unreflektierten Wahrnehmung zum Zwecke der Bfriedigung (sic!) des Egos, zum Unterschied eines "richtigen" Verlages, der sehr wohl die Zumutbarkeit einer Leserschaft und darüber hinaus die literarische Qualität zu beurteilen und zu verantworten hat. Vieleicht (sic!) könnte man Herrn Hausleitner für zukünftige Projekte Günter Wamsers als Ghostwriter engagieren, oder G. Wamser wechselt zu einem seriösen Verlag:-)

» Kommentar zu: Weltfremd in der Welt unterwegs?

 
Ich habe das Buch von Hausleitner direkt im Anschluß an das Buch von Wamser gelesen und empfand ebenfalls einen sehr starken Kontrast, allerdings nicht zum Nachteil Wamsers. Wamser ist Flugzeugtechniker von Hause aus und Hausleitner Musiker, Künstler, jemand der berufsmäßig aus sich herausgehen muß, für den Gefühle sehr wichtig sind, der intensive Gefühle haben sollte, um sie in der Öffentlichkeit preiszugeben. So etwas wird man von einem Techniker weder verlangen noch akzeptieren können.

Tatsächlich habe ich bei der Lektüre von Wamsers Buch diese Trockenheit deutlich gespürt und hatte das Gefühl, daß man die Geschichte dieser 11 jährigen Reise auch ganz anders erzählen könnte, aber ich war und bin mir auch heute noch nicht sicher, ob Wamser das bewußt nicht getan hat oder ob er es nicht tun konnte. Immerhin empfand ich ja die Darlegung insbesondere der Konflikte mit seinen Begleiterinnen als sehr offen, so offen, daß ich mich fragte, ob das den Beteiligten recht sein konnte. In meiner Rezension habe ich geschlossen, daß das wohl der Fall sein wird.

Beim emotionalen Künstler Hausleitner hingegen fiel mir genauso deutlich auf, das seine Beziehung zu seiner Frau gewissermaßen ausgeblendet blieb; am Ende der Reise trennen sie sich, er kehrt alleine nach Wien zurück und nimmt sein vorheriges Leben wieder auf, im Kreise seiner Familie und seiner Kinder, deren Mutter seine Begleiterin anscheinend nicht ist, während diese in Afrika bleibt und ihren Schauspielerberuf an den Nagel hängt, um eine Touristenanlage zu leiten – oder war die gar nicht in Afrika sondern sonstwo in der Welt?

Egal, das spielt alles keine Rolle, es ist ja auch kein gemeinsames Buch, obwohl die Idee zur Reise von beiden gemeinsam entwickelt wurde. Ich habe durchaus akzeptieren können, daß es sich hier um private Angelegenheiten handelt, die die Öffentlichkeit nichts angehen und deshalb ohne weiteres ausgeblendet bleiben können. Als Leser möchte ich ja auch nicht mit Dingen konfrontiert werden, die ich gar nicht wissen will. Bei Wamser mußte das Thema notgedrungen stärker thematisiert werden, weil er ja zunächst alleine unterwegs war und dann mit zwei verschiedenen Frauen.

Warum die Reise nun ausgerechnet in diesem Teil Afrikas stattfinden mußte, wurde mir auch nicht ganz klar oder vielleicht habe ich es auch schon wieder vergessen – nicht vergessen habe ich, daß es den beiden gelungen ist, den Afrikareiter ausfindig zu machen, der in den siebziger Jahren von Wikipedia-Link» Simbabwe nach Österreich geritten war; ich hatte im Hauptartikel der Ausgabe EquiVoX-Link 367 in Abschnitt EquiVoX-Link Afrika-Europa darüber berichtet, weil dies ein sehr überzeugender Beweis für die Anpassungsfähigkeit der Pferdehufe darstellt, der insbesondere alle Langstreckenreiter aufs höchste interessieren müßte.

Das ist nicht der Fall; auch Wamser hatte noch nie davon gehört und war sein eigener Hufschmied, genauso wie Hausleitner. Das wunderte mich doch sehr, denn nun hatten sie genau mit dem Mann zu tun, der gezeigt hatte, daß Hufeisen Unfug sind. Der Kontakt wurde übrigens über diesen elitären Club der Langstreckenreiter hergestellt, in dessen Forum ich diesen Bericht gefunden hatte. Der Chef dieses Clubs fand ein solches Unternehmen zu riskant, und auch der Afrikareiter, den Esther Stein, die die Organisation übernahm, kurzerhand in London besuchte, fand die Strecke problematisch. Aber offensichtlich trauten sich beide die Reise zu, und das ist ja nicht unbedingt schlecht. Niemand kann die Zukunft überblicken, die stets und unter allen Umständen beliebige Schwierigkeiten bereithalten kann, und nur derjenige, der beherzt sein Schicksal in die Hand nimmt und die Zukunft angeht, kann hinterher berichten, wie es ausgegangen ist.

So beginnt denn das Buch mit dem Zitat

„Du hast dich entschlossen zu reisen – so geh!“
Antoine de Saint-Exupéry
a.a.O., Seite 8

Im übrigen ist natürlich jede Reise wie jedes Schicksal einzigartig, und wenn jemand anders dieselbe Reise unternehmen würde, würde er wieder etwas ganz anderes erleben und zu berichten haben. Auch dieses Buch ist keinesfalls geeignet, sich auf eine solche Reise vorzubereiten. Die Vorbereitung wurde von den beiden so sorgfältig in Angriff genommen, wie es ihnen möglich war. Und dann haben sie sich in das Abenteuer gestürzt und von Kindern und Eltern und Freunden und Kollegen Abschied genommen, wobei anscheinend allen bewußt war, daß der Ausgang der Reise keineswegs glücklich sein müßte und viele Gefahren zu überwinden sein würden.

Das hat die beiden nicht abgeschreckt. Es wurde jedoch eine Reise, die beide an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte, in einem Maße, das sie sich nun wirklich nicht hatten vorstellen können. Es waren gerade die existenziellen Herausforderungen, die die beiden zwar nicht gesucht hatten, die ihnen aber ein ums andere Mal zustießen, die dieses Buch auch für den Leser zu einer wertvollen Erfahrung machen und den Schluß, den der Autor daraus zog, glaubhaft machen; ich werde ihn daher hier noch einmal wiederholen:

Dieser Ritt hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: glücklich; ich habe gelernt, auch in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren. Alltagstrott und Stress kenne ich nicht mehr. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, daß ich lebe, Freunde um mich habe und Spaß an meinem Beruf.

Dieses Fazit klingt doch ganz anders als dasjenige des Günter Wamser:

Ich würde die Reise nicht für eine Million Euro wieder machen. Aber ich würde auch nicht eine Million Euro anstelle der Reise annehmen.

In gewisser Weise findet Hausleitner sein Glück, während Wamser „nur“ sein Leben findet. Das ist allerdings ein gewaltiger Unterschied. Auch Wamser hat gefährliche Situationen erlebt, Situationen mit Menschen, Tieren und der Natur, die ihn sehr beansprucht haben, die sein Wesen formten, die ihn zu dem machten, was er ist.

Hausleitner aber lernte seine existenziellen Grenzen kennen und erschrak über sich. Er mußte erfahren, daß er in Todesgefahr zum Tier wurde und blind zurückschlug, was er anschließend furchtbar bedauerte. Er lernte die Todesfurcht kennen und die existenzielle Not des Körpers, er hätte mehrfach sein Ende durch feindliche Menschen und die feindliche Natur finden können. Wie durch ein Wunder hat er überlebt.

Es ist natürlich billig, sich bei der Lektüre zu entrüsten, wie ja überhaupt der Pantoffelheld immer recht hat und alles besser weiß. Als Sofatourist war ich froh, nicht in seiner Haut stecken zu müssen, konnte aber trotzdem nachvollziehen, wie es ihm ging. Natürlich wurde ich durch die Lektüre nicht so glücklich wie er, der er durch die Erfahrung ging, und wir wissen auch nicht, ob und wie lange diese Erfahrung bei ihm vorhalten wird.

Ich jedenfalls konnte gut nachempfinden, wie süß und lecker reines Wasser schmeckt, und welches Entsetzen die beiden überkam, als sie bemerkten, daß sie halbverdurstet ihr letztes brackiges Wasser weggeschüttet hatten, in der Annahme, eine sprudelnde Quelle gefunden zu haben, an der sie und ihre Tiere sich endlich ausgiebig laben können, als sich dieses Wasser als ungenießbar herausstellte. Diese voreilige Handlung, durchaus verständlich angesichts der vorher schon erlittenen Leiden, brachte sie und ihre Tiere wieder einmal unmittelbar in Todesgefahr, aus der sie nur durch unglaubliches Glück herauskamen.

Horst Hausleitner ist wohl noch nicht gefragt worden, ob er diese Reise für eine Million noch einmal machen würde, und ich bin mir nicht sicher, wie er antworten würde. Immerhin hat diese Reise seine Existenz vollkommen umgekrempelt, obwohl sie nur ein paar Monate gedauert hat und nicht viele Jahre. Wie viel ist das Glück wert?

Der Preis dieses Buches und die Zeit, es zu lesen, die Energie, sich auf die Erzählung einzulassen und die Gefühle auszuhalten, die die Lektüre unweigerlich hervorrufen wird, sind extrem gering verglichen mit dem Preis, den Horst Hausleitner gezahlt hat. Der Gewinn, den der Leser mitnimmt, ist mit Sicherheit um ein Vielfaches größer als die Investition, obwohl er vermutlich nicht unbedingt das Glück finden wird, aber vielleicht doch einige Einsichten, die ihm helfen, sein Leben zu ändern und zu verbessern.

Ist es nicht ein Glück, am Leben zu sein, sollte man sich nicht jeden Tag aufs Neue darüber freuen? Die hier geschilderte Konfrontation der Aussteiger aus dem Westen mit dem Elend Afrikas kann gar nicht nachvollzogen werden, wenn man eine Pauschalreise bucht. Die Oberflächlichkeit einer solchen Pauschalreise haben die beiden erfahren und daraufhin beschlossen, eine Reise zu Pferd zu unternehmen, obwohl sie so etwas noch nie getan hatten. Durch ihren Mut und durch die Offenheit und Wahrhaftigkeit des Autors kann der Leser an dieser Erfahrung teilhaben, und dafür gebührt sowohl dem Autor als auch den beiden Helden der Reise allergrößter Dank.

Ein Buch ist natürlich viel abstrakter als Fotos oder ein Film, das ist schon bei Wamsers Bericht deutlich geworden; immerhin enthält dessen Buch Fotos, während sich in Hausleitners Buch nur ein paar Landkarten finden. Dafür stellt er ebenso wie Wamser ein paar Fotos online: » Fotogalerie Afrika. Aber auch die Fotos bleiben recht abstrakt; ein Film wäre vielleicht ein bißchen eindringlicher, aber machen wir uns nichts vor: Auch das würden wir vom Sofa aus erleben. Um die Erfahrung zu machen, die Horst Hausleitner hier beschreibt, muß man sich schon selbst auf den Weg machen.

Wie schon im Falle Wamsers hat mich auch dieser Reisebericht keineswegs dazu angeregt, mich in solche Gefahren begeben zu wollen. So schön kann Afrika gar nicht sein. Damit beschneide ich mich natürlich auch in der anderen Richtung – wenn man immer nur auf dem Sofa hockt, wird man kaum existenzielle Erfahrungen machen können. Das muß aber vielleicht auch gar nicht sein. Es reicht möglicherweise schon, wenn man von Zeit zu Zeit lesen darf, daß es ein Grund zur Freude ist, überhaupt lebendig zu sein.

Nach der Lektüre habe ich eigentlich die versprochene Rezension schreiben wollen, aber anscheinend ging das nicht. Ich habe die Arbeit verschoben, und immer wieder verschoben, wohl weil mir die Sache doch etwas an die Nieren gegangen war, aber jetzt ist es höchste Zeit, denn ich möchte Ihnen das Buch doch ganz dringend empfehlen, und vielleicht verschenkt es der eine oder andere noch zu Weihnachten, eventuell sich selbst. Wenn Sie in den nächsten Tagen bestellen, sollte es noch rechtzeitig zum Fest ankommen.

Apropos Wasser: Viele Jahre meines Lebens als Erwachsener habe ich in Maßen Alkohol zu mir genommen, und ein paar Mal auch zu viel davon. Ich habe keinen Grund gehabt, viel darüber nachzudenken, Alkohol gilt ja als Genußmittel und ist voll in unsere Gesellschaft integriert. Viele Jahre habe ich jeden Abend „zur Entspannung“ eine Flasche Bier getrunken, einen halben Liter; nach einer Weile dann zwei Flaschen, und dann drei. Und dann hatte ich von heute auf morgen genug davon und bin auf Mineralwasser umgestiegen. Nach ein paar Jahren hatte ich dann wieder Lust auf Bier und der Zyklus begann von neuem, so daß es mir auffiel. Ich wunderte mich, nachdem ich das einige Male miterlebt hatte.

Seit einigen Jahren trinke ich gar keinen Alkohol mehr und vermisse ihn auch nicht; im Gegenteil finde ich es eigentlich viel angenehmer, stets und ständig klar im Kopf zu sein. Stattdessen mochte ich Bitter Lemon und trank davon immer mehr, anderthalb bis zwei Liter am Abend. Und wieder wunderte ich mich. Ich erinnerte mich an meine Jugend; meine Eltern kelterten Saft von den Früchten des Gartens, und dieser wurde mit Leitungswasser verdünnt.

Irgendwann mal las ich von der unglaublichen Geschicklichkeit der deutschen Marketingindustrie, die es fertig gebracht hatte, den Deutschen, die das beste Leitungswasser der Welt haben, teures Wasser in Flaschen zu verkaufen. Ich beschloß, die Probe aufs Exempel zu machen. Seit ein paar Monaten trinke ich Leitungswasser, und ich muß sagen, es schmeckt mir von Tag zu Tag besser. Meine Frau kann es nicht unterlassen, mich im Supermarkt zu fragen, ob ich nicht wieder Bitter Lemon kaufen möchte, aber im Moment möchte ich das Zeug gar nicht anrühren. Mein Leitungswasser schmeckt mir einfach köstlich.

Ich bin überzeugt davon, daß es viele Menschen in unserer hochzivilisierten Kultur gibt, die ähnliche Erfahrungen machen: weniger ist mehr. Es wäre interessant, das Buch von Horst Hausleitner unter diesem Gesichtspunkt noch einmal zu lesen und herauszufinden, ob man ganz konkrete Ansatzpunkte finden könnte, wie man seinen eigenen Alltag verwandeln kann, um die Qualität des Lebens zu verbessern. Aber vielleicht kommt es auf die konkreten Dinge gar nicht an, sondern mehr auf das Bewußtsein und die Haltung.

Ich bin jedenfalls froh, daß es dieses Buch gibt und daß ich es habe lesen können und glaube im Gegensatz zum zitierten Kommentator nicht, daß Hausleitner das nächste Buch von Wamser schreiben sollte – das kann gar nicht funktionieren. Das nächste Buch von Wamser muß dieser selber schreiben, und ich bin sicher, daß auch dieses Buch lesenswert sein wird. Wamser und Hausleitner sind einfach zwei ganz verschiedene, jeder auf seine Weise liebenswerte Zeitgenossen, von denen jeder viel lernen kann. Und wenn noch andere Zeitgenossen unterwegs sind und uns etwas zu sagen haben, dann hoffe ich, daß ich davon erfahre, egal ob sie das Buch in einem etablierten Verlag oder im Selbstverlag herausbringen. Im übrigen empfand ich es als ausgesprochen böse Unterstellung, Wamser habe nur sein Ego befriedigen wollen und seine Texte seien für Leser nicht zumutbar.

Auch zu den Vorwürfen der Amazon-Rezensenten muß ich etwas sagen: Die menschlichen Tragödien, von denen Hausleitner berichtet, waren weder vorherzusehen noch notwendig noch vermeidbar; insbesondere hätte man sich nicht darauf vorbereiten können. Wenn mitten im zivilisierten Deutschland Ausländer überfallen und zu Tode gebracht werden können, wäre es unbillig, den Überlebenden hinterher vorzuwerfen, sie hätten sich nicht gut genug auf den Besuch in Deutschland vorbereitet. Natürlich bedeutet ein solcher Vorfall nicht, daß jeder Ausländer hierzulande mit einer schlechten Behandlung rechnen muß und unter Umständen sogar in Todesgefahr gerät. Dennoch sind unglückliche Entwicklungen nicht auszuschließen. Menschen sind letzten Endes unberechenbar. Ich nehme an, daß die offiziellen Vertreter der afrikanischen Staaten, so sie denn zu diesen Vorfällen Stellung nehmen wollten, ebenso betonen würden, daß es sich um bedauerliche Ausnahmen handelt. Festzuhalten ist auf jeden Fall, daß die Reisenden sich, der Schilderung nach zu urteilen jedenfalls, jederzeit korrekt verhalten haben, auch wenn sie nicht jeder Situation souverän gewachsen waren und manch eine aus dem Ruder lief.

Aber das kann einem auch mitten in der Zivilisation passieren. Ich weiß von einer Frau, die Anfang der Achtzigerjahre in einem kleinen Dorf in Frankreich als 18 Jährige vor einem kleinen Laden warten mußte, während ihr Onkel Lebensmittel einkaufte. Da erschienen Jugendliche, die am Autokennzeichen ablesen konnten, daß es sich um eine der verhaßten „Boches“ handeln mußte, und griffen zu Steinen, die sie auch warfen. Da bekam es das Mädchen verständlicherweise sehr mit der Angst zu tun und konnte sich glücklich in das Auto verziehen. Und das geschah Jahrzehnte nach dem Beginn der deutsch-französischen Völkerverständigung, die bekanntlich bei der Jugend ansetzte! Wie, bitte sehr, soll man sich also auf den Besuch fremder Länder hinreichend vorbereiten?

Hausleitner feiert sich ein bißchen in seiner Rolle als Autor, und das gönne ich ihm auch. Er hat seine Sache gut gemacht, sehr gut sogar, er darf stolz darauf sein. Verglichen mit Wamser war sein Unternehmen ein Crashkurs. Wenn man so etwas in weniger extremen und weniger gefährlichen Gegenden der Welt unternimmt, dürfte immer noch sehr viel dabei herauskommen.

Da fällt mir eine Frau ein, die ich auf einer Messe an einem Stand für Reiterreisen getroffen habe. Die unternahm seit Jahrzehnten jedes Jahr Reiterreisen, und niemals zweimal in dieselbe Weltgegend. Solche Reisen sind natürlich bei weitem weniger gefährlich und anstrengend als dieser Afrikaritt, aber man wird dabei sicher ebenfalls mehr erleben, als wenn man immer nur im eigenen Reitverein, in der eigenen Halle oder im eigenen Gelände herumreitet.

Nicht vergessen darf man auch die Möglichkeit, im eigenen Lande zu Pferd zu reisen; die Pferdezeitung hat schon verschiedentlich ganz aufregende Berichte darüber veröffentlicht, etwa ein Wanderritt allein im Flemming oder zu dritt von Österreich nach Deutschland usw. ( Wanderreiten). Auch das wäre ja eine Möglichkeit der konkreten Konsequenz: sich von der Lektüre zu einem Wanderritt in heimischen Gefilden anregen zu lassen. Man kann einen solchen Ritt höchstwahrscheinlich mit dem eigenen Pferd unternehmen und kommt dadurch seinem Pferd auf jeden Fall auf unvergleichliche Weise näher – und umgekehrt.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: ich kann mich noch gut daran erinnern, daß ich sehr gespannt darauf war, wann sich wohl der Titel des Buches aufklärt, und ich meine wohl, daß eine Aufklärung stattfand, aber ich kann mich daran nicht mehr erinnern. Es wird wohl nicht so wichtig gewesen sein, nicht so wichtig jedenfalls, daß ich jetzt auf der Stelle versuchen sollte, die Aufklärung im Buch zu finden. Immerhin hat das Buch ja 350 Seiten! Freundlicherweise klärte die Verlegerin mich auf:

Farasi ist Suaheli und heißt "Pferd".


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Gesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: MählerTermine  Termine
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