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![]() Aquarell der Autorin (30x40cm, 1992) |
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![]() G.S. mit ihrem Vollblüter Mienenspieler xx |
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In meinem Brief vom 29. Juli schrieb ich schon ein paar erklärende Worte zu dem Begriff des ‚sich selbst Tragens'. Eine starre oder unruhige Hand des Reiters, ein steifer oder anderweitig störender Sitz, fühllos treibende oder klammernde Schenkel würden es allerdings dem Pferd unmöglich machen, ‚durch das Genick zu treten', sich von der Hand abzustossen, ‚sich selbst zu tragen'. Diese drei Begriffe sind eng miteinander verbunden und erfordern ein sehr sensibles Gefühl des Reiters, das nicht mehr von seinem Denken gesteuert wird. DIE BALANCE, DAS GEMEINSAME GLEICHGEWICHT VON REITER UND PFERD, IST DIE GRUNDVORAUSSETZUNG DAFÜR, DASS SICH DAS PFERD VOM GEBISSSTÜCK, VON DER HAND, VOM KREUZ DES REITERS ABSTOSSEN KANN. (Alle diese drei Umschreibungen meinen das Gleiche) Es ist der Reiter, der zuerst wissen, können und aktivieren muss, um dann bei seinem Pferd die gewünschte Reaktion zu erreichen. Andererseits muss sich aber der Reiter auch den Bewegungen seines Pferdes anpassen können. Er kann sie zwar bis zu einem gewissen Grad mit seinem Gewicht beeinflussen, im negativen wie auch im positiven Sinn, indem er zum Beispiel einem zu starken Vorwärtsdrang seines Pferdes mit verzögerndem ‚hinterherhinkendem' Sitz, mit verzögerndem Takt entgegenwirkt. Beim Leichttraben – ich beschrieb Dir das schon in einem früheren Brief – kannst Du zum Beispiel nach dem Aufstehen das Wiederhinsetzen etwas verzögern. Das hat noch den Nebeneffekt des leichten Versammelns. (In meinem Brief vom 29. Juli schrieb ich Dir schon einige Zeilen zum Thema Versammlung.) Vorläufig ist das feine Abstoßen des Pferdemauls von der Hand, vom Kreuz aber für Dich und KORALLE noch nicht so spürbar und wird sich erst nach und nach durch weitere Gymnastizierung bis zum Erreichen der Versammlung ergeben. Eine weitaus gröbere Version des Abstoßens vom Kreuz des Reiters kann Dir aber auch jetzt schon in einer prekären Situation helfen: wenn Dein Pferd mit Dir durchgeht! Würdest Du dann versuchen, nur mit der Kraft Deiner Arme und mit den Zügeln Dein Pferd zu bremsen, wäre das wenig Erfolg versprechend. Denn hat Dir Dein Pferd erst mal ‚die Hand genommen', das heißt Deine Arme nach vorne gezogen, dann bist Du relativ machtlos. Gelingt es Dir aber, Deinen Sitz aufrecht zu halten und rechtzeitig mit den Armen an Hüfte und Oberkörper Halt zu finden, dann hast Du eine gegenhaltende Basis, die es Dir ermöglicht, Dich mit dem ‚Kreuz', (Deinen Bauch und Rückenmuskeln) dem brutalen Zug Deines Pferdes entgegen zu stemmen. Das ist ein ähnlicher Vorgang, als würdest Du mit einem zweibeinigen Partner Deine Kräfte im Seilziehen messen: jeder von Euch beiden hat ein Ende des Seils in den Händen und dann versucht der Eine, den Anderen von seiner Ausgangsposition wegzuziehen. Wer dem Gegner zuerst dessen Arme von seinem Körper weg nach vorne ziehen kann, wird wahrscheinlich der Sieger sein. Denn ab dem Augenblick, in dem Dir die Arme nach vorne gezogen werden, kannst Du Dein ‚Kreuz' nur noch einsetzen, wenn Du mit den Füßen am Boden einen Gegenhalt findest, um Dich dagegen stemmen zu können. Wenn Dir das nicht gelingt und Deine Arme am Rumpf auch keinen Halt mehr finden, bist Du bereits außer Gefecht. Jetzt wirst Du einwenden, dass Du ja, wenn Du auf dem Pferd sitzt, mit den Beinen auch keinen Gegenhalt am Boden suchen kannst. Richtig, deshalb musst Du jetzt einen Ersatz für dieses Manko finden: das sind Deine beiden Sitzbeinknochen! Diese musst Du in der gefährlichen Situation auf einem ‚Durchgänger' förmlich durch den Sattel hindurch in den Pferderücken bohren, und zwar in schräger Richtung nach vorne. Du musst also Deine Schultern hinter Deine Hüften drücken, damit Du aus dieser Schräge Deines Oberkörpers mit dem Gesäß im Sattel nach vorne gezogen wirst und damit Deine Sitzbeinknochen Dem Pferd in übertragenem Sinn in den Rücken bohren kannst. Jetzt findest Du wieder einen gewissen Halt durch Deine Sitzbeine und kannst Die ‚Macht des Kreuzes', Deiner Bauch- und Rückenmuskeln wieder einsetzen. Dass Du dabei auch die Knie einmal ausnahmsweise wie Bleiklammern ans Pferd pressen musst, ist klar. Bleibst Du Siegerin, dann wirst Du das ‚Abstoßen' Deines Pferdes vom Gebiss, von der Hand, vom Kreuz erleben, das Aufgeben des Widerstands in Genick und Maul, wenn auch nicht in fein ziselierter Form, sondern in der gleichen grobschlächtigen Weise, als die man das Durchgehen des Pferdes bezeichnen muss. Vielleicht ist durch diese Schilderung das Verstehen des Begriffes ‚Kreuz des Reiters' größer geworden. |
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So selbstverständlich wie Du den Einsatz Deines Kreuzes wieder aufgeben und mit der Hand nachgeben wirst, sobald Du Dein Pferd wieder unter Kontrolle hast, so selbstverständlich darfst Du auch bei der Anwendung in feiner Form das ‚Kreuz' nicht anhaltend einsetzen, wenn es nicht besondere Umstände erfordern, sondern musst auch hier, dem Gedanken der Elastizität folgend, nach der Einwirkung mit Deinem Kreuz mit diesem immer wieder nachgeben, wie ja auch alle anderen Hilfen wechselnd nachgeben, wenn ihre Forderungen zum Erfolg führen sollen. Ich möchte es wiederholen: ALLE ERFOLGREICHE KOMMUNIKATION ZWISCHEN REITER UND PFERD BESTEHT AUS WECHSELNDEM GEBEN UND NEHMEN, SPANNEN UND ENTSPANNEN = ELASTIZITÄT. Vergleichbar bis zu einem gewissen Grad ist das Abstoßen von der Hand in feiner Form (von den alten Klassikern auch ‚Arret' genannt) mit den halben Paraden. Auch bei den halben Paraden wird die Reihenfolge der Hilfen: Treiben – Aufnehmen – Nachgeben sehr deutlich. Man kann nur das mit der Hand nachgeben, was man mit ihr zuvor angenommen, ‚aufgenommen' hat, bzw. Du kannst nichts aus der Hand fallen lassen, was nicht zuvor drin war. Du hast auch nur dann etwas in der Hand, wenn zuvor etwas in sie hineingelegt wurde, in diesem Fall eine mehr oder weniger deutliche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul durch gefühlvoll treibende Hilfen (= Anlehnung). Auch hier wird wieder das ‚Konzert der Hilfen' angesprochen. Keine Hilfe ist, für sich allein genommen, sinnvoll. Hilfen bestehen nicht nur aus ‚Ja' oder ‚Nein', ‚Ich will – Du musst', sondern aus in Form von Körpersignalen verständlichen Anweisungen des Reiters für sein Pferd, die es nach seinem Ausbildungsstand auch ausführen kann. Durchsetzen mit Kraft oder gar Zwangsmaßnahmen, zu denen auch Hilfszügel gehören können, bringen Dich nicht weiter, sondern zerstören meist das bereits Erreichte. Soweit dieser kleine Exkurs aus der für Dich und KORALLE zur Zeit praktizierbaren Thematik. Nimm Dir Zeit und Reite alles so oft wie möglich in Gedanken durch, ehe Du Deine Künste auf dem Pferd praktizierst. Viel Erfolg bis zum nächsten Brief! 28. Oktober 2008 Hallo Nora, ich hab Dich mit diesem Brief etwas lange warten lassen, aber ich musste das ruhige Wetter etwas für den Garten ausnutzen, so sehr mir AVALON dort auch mit ungebrochenem Arbeitseifer hilft. Leider schießt er dabei oft übers Ziel hinaus und hat auch ganz andere Vorstellungen von der Gartengestaltung, als ich. Aber man muss schließlich die gute Absicht als die gute Tat werten. Im Hinblick auf unser Ausbildungsprogramm mit Deiner KORALLE ist es an der Zeit, vor allem auf das korrekte Reiten der Hufschlagfiguren zu achten, da inzwischen Eure gemeinsame Balance immer sicherer wird. DURCH DAS REITEN VON HUFSCHLAGFIGUREN MIT KORREKTEN HILFEN WIRD AUCH DEM WENIGER GEÜBTEN REITER EIN GYMNASTIZIERENDER EINFLUSS AUF SEIN PFERD MÖGLICH. Du hast Dich bisher vorwiegend auf langen Linien und auf dem Zirkel bewegt. Die Ecken waren schon ausführliches Thema in meinem letzten Brief. Zwangloses hin und her Wenden im Inneren der Reitbahn sollten Dir das Gefühl für den Einsatz richtiger Hilfen für die Wendungen vermitteln, so dass Du jetzt auch Schlangenlinien sowohl an den langen Seiten als auch durch die Bahn sowie das Wechseln aus einem Zirkel in den anderen und das Wechseln durch den Zirkel korrekt reiten lernst. |
Aber gerade bei den Hufschlagfiguren ist es nicht ganz leicht, ‚auf den Punkt' zu reiten. Schau Dir zum Beispiel bei den Schlangenlinien an der langen Seite sowie auch durch die Bahn mal genau die Einteilung an, wo sie beginnen und wo sie enden. Bei den SCHLANGENLINIEN DURCH DIE BAHN, die auch noch weitere oder weniger Bogen haben können, ist die Einteilung wichtig und man soll sich vorher darüber im Klaren sein, wie man sie einteilen muss. Nur irgendwelche Bogen hin und her zu reiten genügt nicht. Früher wurden die Schlangenlinien durch die Bahn, wie Du auf meiner Zeichnung siehst, in einer etwas anderen Form geritten, die mir persönlich auch besser gefiel, weil die Linie der Bogen schwingender ist und mehr dem Tänzerischen entspricht. Bei heutigen Dressurprüfungen mit der ‚strengeren' Form der Bogen ist es aber für die Richter aufschlussreicher, das Können des Reiters zu bewerten, weil sich jeweils an einen Bogen wieder eine Gerade anschließt und daher leichter zu beobachten ist, ob die Linienführung korrekt ist. Bei den schwingenden Bogen kannst Du Dich leichter aus der Exaktheit mogeln. BEIM WECHSELN DURCH DEN ZIRKEL scheinen viele Reiter nicht zu wissen, dass es zwei halbe Volten zu reiten gilt, die um eine gedachte Gerade zwischen den beiden Zirkelpunkten an der langen Seite schwingen und auch genau an einem Zirkelpunkt mit der ersten halben Volte beginnen und am gegenüberliegenden Zirkelpunkt mit der zweiten halben Volte enden. Der eigentliche Wechselpunkt liegt auf dieser gedachten Geraden wo sie mit der Mittellinie zusammenfällt. An diesem Wechselpunkt soll man darauf achten, das Pferd nicht abrupt von einer Stellung und Biegung in die andere zu ziehen, sondern auch hier schwingend über ein kurzes Geradeaus in die andere Richtung zu wechseln. Das Gleiche gilt für das WECHSELN AUS DEM ZIRKEL. VOLTEN UND AUS DER ECKE KEHRT (Kehrtvolten) gehören auch zum Programm. |
Zehn-Meter-Volten, deren Durchmesser von einer langen Seite bis zur Mittellinie reicht (siehe Wechseln durch den Zirkel) sind auch gebräuchlich, ich habe sie nicht eingezeichnet. Sie ergeben sich aus der ‚Acht' und können auch als Kehrtvolten bis zur Mittellinie vergrößert werden. DIE ACHT wird üblicherweise entlang einer kurzen Seite geritten. Sie bildet sich aus zwei Zehn-Meter-Volten, deren Schnittpunkt wieder auf der Mittellinie liegt. Bei Betriebsamkeit in der Halle oder auf dem Platz kann man die Acht auch mehr zur Mitte der Bahn hin verlegen, um den Hufschlag an der kurzen Seite für die anderen Reiter frei zu halten. Ohne Unterstützung der Bande ist sie aber schwieriger ‚in Form' zu halten. Bei den Kehrtvolten siehst Du auf der Zeichnung, dass das Einschwenken auf die Gerade wieder eine leichte Wendung und Biegung erfordert. Der Mittelzirkel ist wesentlich schwieriger zu reiten, als der obere oder untere Zirkel, bei denen Du an drei Seiten eine Orientierung durch die Bande findest. Jetzt hast Du mit Deiner KORALLE wieder eine ganze Menge zu tun und musst erst mal verdauen, dass das sichere Reiten von Hufschlagfiguren zum Alltag auf der offenen Reitbahn oder in der Halle gehört. Dann übt mal schön! Denk' an die DVD. Bis bald wieder. |
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