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Pferd für die MutterHaben Sie auch schon eine Anfrage bezüglich eines Ihrer Verkaufspferde bekommen, wo jemand für seine Mutter ein Pferd sucht? Mir sind solche Anfragen kurz vor dem Muttertag bekannt geworden, und da dachte ich an ein liebevolles Kind, das seine Mutter zum Muttertag überraschen wollte. Diese Mutter, so stellte ich mir vor, hatte einen geheimen Wunsch, nämlich ein eigenes Pferd, und wußte, daß sie sich diesen Wunsch nicht erfüllen konnte. Das Kind wollte sie nun mit einem entsprechenden Angebot überraschen. Mit dieser Annahme lag ich schief. Im Laufe der Zeit verriet dieses Kind immer mehr; die Mutter hatte bereits ein Pferd, und zwar einen Kaltblüter. Es war unklar, ob die Mutter damit zurechtkommen würde, aber sie wollte sich noch ein paar Monate Zeit geben. Dem Kind war das offenbar nicht recht, und es versuchte hinter dem Rücken der Mutter zu agieren und Kontakt mit Verkäufern aufzunehmen. Nun wurde mir die Sache sehr merkwürdig. Worauf sollte das hinauslaufen? Anfragen Sie kennen sicherlich die Anfragen per E-Mail, die nur der Auftakt für einen Betrug sind. Dafür hat man mittlerweile einen Blick. Aber wie soll man Anfragen wie die geschilderte einschätzen? Ein professioneller Verkäufer klagte mir einmal sein Leid; das Internet habe sein Leben nicht etwa leichter gemacht, sondern viel schwerer. Die Leute verlangten mehr Fotos, Videos, was auch immer, und er frage sich jedes Mal, ob er nun sofort mit seinem Equipment auf die Weide rennen müsse, oder ob er solche Anfragen als unverschämt übersehen solle. Früher habe der Interessent zunächst einmal Kontakt aufgenommen und er habe sich einen Eindruck von der Ernsthaftigkeit des Interesses verschaffen können. Das sei mit E-Mails nicht möglich. Die Schwelle, eine E-Mail loszulassen, sei viel niedriger als bei einem Telefonat, wo jemand gleich Rede und Antwort stehen müsse. Das leuchtete mir ein. Sofort fiel mir wieder ein Telefonstreich ein, den ich mit einem Freund gespielt hatte, als ich in die Pubertät kam. Wir bestellten per Telefon Kohlen beim Kohlenhändler, konnten unser Kichern aber kaum unterdrücken. Anschließend hofften wir, daß der Kohlenhändler begriffen hatte, was vorgegangen war, um den Schaden zu begrenzen. Es wäre doch allzu peinlich gewesen, wenn er tatsächlich diesen Auftrag ausgeführt hätte. Sollte es sich bei den Anfragen dieses Kindes um Schabernack handeln? Da diese doch ziemlich regelmäßig abgeschickt wurden, konnte ich nur hoffen, daß die betreffenden Verkäufer ebenso schnell merkten, daß der Interessent nicht ernstzunehmen war. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob Anfragen erwachsener Menschen, die dreist und primitiv formuliert sind, ebenfalls so bewertet werden müssen; schließlich kann man alleine daraus nicht auf mangelnde Ernsthaftigkeit schließen. Der Verkäufer will ja auch nur einen guten Platz für sein Pferd finden und nicht etwa den Käufer heiraten. Wo zieht man hier also die Grenze? Validierung Es geht also allgemein gesprochen darum, den Wert einer Aussage zu bestimmen. Was kann man darauf geben? Kann ich jemandem glauben, den ich nicht kenne? Wie entscheide ich, ob ich meinem Gegenüber trauen kann? Man nennt so etwas in Programmiererkreisen Validierung – Überprüfung von Angaben auf ihren wahren Wert. Als Programmierer muß ich mich berufsmäßig mit Vandalismus auseinandersetzen, da es viele Leute gibt, die aus unterschiedlichen Gründen versuchen, Attacken zu reiten und andere aufs Kreuz zu legen; eine der ersten Regeln, die ich lernte, hieß: „Alles, was von draußen kommt, ist potentiell böse.“ Damit war gemeint, daß Benutzereingaben aus Formularen oder auch simple Adressen mit oder ohne GET-Parameter grundsätzlich mißtraut werden muß, da diese nach Belieben manipuliert werden können. Falls Sie nicht wissen, worüber ich rede, zwei einfache Beispiele: In Foren darf man normalerweise keine HTML-Anweisungen eingeben; genauer gesagt werden solche Eingaben vollautomatisch von der Software gelöscht, weil man damit Böses anrichten kann. Wenn man nun in seinem Beitrag berechtigterweise auf eine andere Internetseite verweisen möchte, kann man dies also nicht mit den üblichen Mitteln tun. Stattdessen muß man sogenannten BB-Code verwenden, einen Pseudocode, das ist im Grunde eine private Erfindung des Entwicklers der Forensoftware, die er dann seinerseits in gültige HTML-Anweisungen umwandelt, wobei er vorher überprüfen kann, ob ihn jemand hereinlegen möchte. Er hatte sicherlich Gründe, einen solchen Aufwand zu treiben. Solche Eingaben gibt es natürlich auch bei uns, wenn man Inserate aufgibt, also müssen auch wir uns an dieser Stelle gegen solche Angriffe schützen. Zweites Beispiel: Wenn Sie sich Internetadressen bei Amazon oder eBay anschauen, werden Sie jede Menge GET-Variablen sehen, nach dem Muster domain.de/buecher?autor=mustermann&titel=wie+werde+ich+schnell+reich – es wird also an die eigentliche Internetadresse, durch ? abgetrennt, eine Reihe von Namen/Wert-Paaren angehängt, die ihrerseits wiederum durch das Zeichen & getrennt sind. Zeichen wie das Leerzeichen oder Umlaute, die Probleme verursachen können, werden dabei codiert, das Leerzeichen etwa als +. Vandalismus Wenn man das einmal begriffen hat, kann man mit diesem Mechanismus jeder Seite beliebige Werte unterschieben und versuchen, dort im Trüben zu fischen. Das ist bei der Pferdezeitung natürlich kaum lohnenswert, dafür haben Banken desto mehr mit solchen Problemen zu kämpfen, was natürlich letzten Endes der unschuldige Bürger wieder ausbaden muß, weil dieser mit umständlichen und teuren Maßnahmen zur Abwehr belastet wird. Es geht also nicht nur für Pferdeverkäufer darum, Angaben zu validieren. Die können und müssen sich auf ihren gesunden Menschenverstand verlassen, während Programmierer inzwischen umfangreiche Softwaresysteme einsetzen, die ständig weiterentwickelt werden müssen, weil sich die bösen Buben immer neue Möglichkeiten einfallen lassen, anständige Seiten zu kompromittieren. Die Pferdezeitung hat unter solchen Sachen bisher kaum gelitten. Natürlich sind wir Opfer von Betrugsversuchen geworden und haben beispielsweise vor der Nigeria-Masche oder Abwandlungen davon warnen müssen. Wir werden nach wie vor von jemandem mit Inseraten bombardiert, so daß ich einen Abwehrmechanismus dafür programmieren mußte. Ich habe diese Angriffe protokolliert und mittlerweile knapp 170.000 gezählt; inzwischen ist das Intervall auf etwa eine Minute gesunken. Was für ein Schwachsinn! Hätte ich diese Abwehr nicht programmiert, wäre die Pferdezeitung inzwischen tot. Reinigung Wirklich ernsthafte Angriffe haben wir allerdings noch nicht gehabt; damit meine ich Angriffe, die so perfide sind, daß ich sie gar nicht begreife. Gegen solche Angriffe setze ich Software ein, die Leute entwickelt haben, die etwas davon verstehen. Auf die verlasse ich mich, muß aber darauf achten, jeweils neue Versionen einzusetzen, wenn neue Eingriffsmöglichkeiten bekannt geworden und Abwehrmechanismen dagegen entwickelt worden sind. Ich protokolliere in meinem eigenen Abwehrsystem unter anderem die IP-Adresse und habe gerade eine davon willkürlich herausgesucht und Google befragt. Sofort fand ich das » Project Honey Pot, das diese Adresse kannte und nähere Informationen dazu bereitstellte; ein Kommentar auf dieser Seite lautete:
So funktioniert das also! Der Begriff Honigtopf klingt nach Falle; und tatsächlich legen diese Leute Köder aus, um Spammer zu fangen. Im September 2008 hatten sie bereits über 30 Millionen Köder ausgelegt. Jeder Webmaster kann denen helfen; wenn ich Zeit habe, werde ich mich mal ein bißchen damit beschäftigen und überlegen, ob ich mich an diesem Projekt beteilige. Angeblich soll die Last auf der eigenen Maschine nicht signifikant erhöht werden. Beim Begriff „comment spammer“ stutzte ich; den hatte ich noch nicht gehört. Unter Akismet hat mittlerweile übrigens sage und schreibe 7, 8 Milliarden Spam-Angriffe abgewehrt. Daran kann man sich die Dimension des Problems leicht verdeutlichen. Es muß doch möglich sein, alles Nützliche kaputtzumachen, oder? Diese Art von Spam begann übrigens schon zur guten alten Zeit von Gästebüchern, wo systematisch und massenhaft Einträge vorgenommen wurden, die inhaltlich nichts beitrugen („nice site“), nur um einen Link auf die eigene Seite zu setzen und damit deren Ranking in Suchmaschinen aufzuwerten. Spam
Haiku
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