Magazin  

 

 

Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 535, erschienen am 28.06.2009

Magazin  Ausgabe 535

Vollblut: Start zum Saint Leger. Doncaster
Ausschn., J. Pollard, J.F. Herring, ca. 1830

Foto: Autorenhinweise m_red  » Gudrun Schultz-Mehl
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Hängender Kopf und Haltung
  2. Abschnitt  Hufprobleme
  3. Abschnitt  Natürliches Reiten
  4. Abschnitt  Vollblüter
  5. Abschnitt  Auslesesystem
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 513:
Hauptartikel  Zivilist – Biographie eines Pferdes

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 514:
Hauptartikel  Bei Dietl und Rick
Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 526:
Hauptartikel  Abenteuer mit Günther

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 527:
Hauptartikel  Ein Clown namens Crizzie

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 528:
Hauptartikel  Schach und Schreiben mit Zivilist

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 532:
Hauptartikel  Geballte Bosheit: Vom Regen in die Traufe

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 533:
Hauptartikel  Biographie eines Pferdes, 2. Teil

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 534:
Hauptartikel  Hufgenesung, Fernsehauftritt, Kur
http://equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Avalon und Samba vor zwei Jahren
Hängender Kopf und Haltung

Die Hufe Deines Pferdes und die Vollblutzucht

Zum Thema
Thema  Ausbildung



von Autorenhinweise m_red  » Gudrun Schultz-Mehl


6. Mai 2009

Hallo ihr beiden, habt ihr ein schwungvolles Tänzchen in den Mai zusammen unternommen? Bei mir war der erste Maitag traurig, meine SAMBA, mein ‚Sambele' hat mich an diesem Tag verlassen. Sie wäre am 19. Mai 15 Jahre alt geworden und ich hatte mich so gefreut auf diesen für einen so großen Hund stolzen Geburtstag.

Jetzt sind wir, Avalon und ich, zu zweit gar keine richtige kleine Familie mehr wie vordem. AVALON vermisst SAMBA zwar offensichtlich kaum, er will mich lieber ganz für sich allein; immer noch kommt ab und zu seine Verlustangst zum Vorschein, die er durch die mehrfachen Tierheimaufenthalte natürlich entwickelt hat. Sein ganzes kleines Hundeleben und seine Sicherheit setzt er auf mich.

Er ist jetzt anderthalb Jahre bei mir und inzwischen auch schon 9 Jahre alt. Nie würde ich ein Tier, sei es Hund, Pferd oder was auch immer, vor dessen Lebensende wieder fortschicken, wenn ich einmal die Verantwortung für sein Leben übernommen habe, aber das weiß AVALON ja nicht, seine bisherigen Erfahrungen sind anders, leider.

Zu Deiner letzten DVD, die ich vor etwa 10 Tagen erhielt, wäre wieder einiges zu sagen: Fangen wir mit dem Wichtigsten an, dem Sitz. Was Du anfangs gar nicht gemacht hast, das fällt mir leider zunehmend auf: das Runterschauen auf Hals und Kopf Deines Pferdes.

Das schönste lange Bein, zeitweise perfekt getragene und wirkende Hände, Deine passende Reiterfigur – alles wird zunichte gemacht durch den nach vorne gesenkten Kopf, der die so wichtige Stabilität Deiner Wirbelsäule beeinträchtigt und damit die Einwirkung durch Deinen Sitz.

Ich war in dieser Hinsicht eine lange Zeit in meinem jungen Reiterleben durchaus nicht besser, bis ich mehr und mehr begriff, dass die so genannte ‚Kreuzeinwirkung' und andere korrekte Hilfengebung mit einem nach vorne hängenden Kopf erschwert oder fallweise sogar unmöglich ist.

Es ist nicht nötig, dass Du den Kopf in den Nacken legst, das wäre übertrieben und würde den Teufel mit Belzebub austreiben, weil Du Dich dabei in der Schulterpartie steif machen müsstest. Aber ein hängender Kopf und ein dadurch gefangener Blick nach unten, erwecken auch beim Zuschauer gewiss nicht den Anschein von Souveränität des Reiters.

Ich schrieb es schon einmal und wiederhole es, weil es wichtig ist: Du musst doch beim Autofahren auch auf die Straße vor Dir achten, statt auf die Kühlerhaube zu starren und auch im Gelände musst Du die Strecke vor Dir mit den Augen erkunden, wenn Du Dein Pferd sicher dirigieren willst. Also, schaue immer über den Kopf Deines Pferdes nach vorne, mit dem Blick dorthin, wohin Du reiten willst, nicht nach unten auf Hals und Kopf vom Pferd – was gibt es denn dort so Wichtiges zu sehen?

Du hast keinen Reitlehrer, der unten steht und Dich zehn, zwanzig mal während einer Stunde auf den hängenden Kopf hinweist. Das ist auch gut so, selbständiges Denken und Selbstdisziplin sind wesentliche Merkmale einer guten Reiterin! Du ärgerst Dich doch auch über Dein Pferd, wenn es mehrmals Deine Hilfen nicht beachtet, obwohl ihm diese lange bekannt sind, oder? Also: immer mal wieder an den hängenden Kopf denken und daran, wie unschön er auch rein optisch Deinen Sitz beeinflusst, ganz abgesehen von den Möglichkeiten der aufrechten Wirbelsäule, zu der auch die Halswirbel gehören.

Ich weiß natürlich auch, dass es sogar unter Spitzenreitern und Profis einige gibt und gab (z. B. den renommierten Nuno Oliveira), die trotz hängendem Kopf ihr Pferd ins rechte Licht reiten können oder konnten. Aber ehrlich gesagt tut ihrer Erscheinung auf dem Pferd der baumelnde Kopf doch starken Abbruch, in meinen Augen jedenfalls. Ich kann sie als noble Erscheinung auf dem Pferd weder bewundern noch als Vorbild sehen, allenfalls ihre Begabung, diesen Mangel durch anderweitige reiterliche Geschicklichkeit bezüglich der Einwirkung auf ihr Pferd auszugleichen.

Es ist das Verflixte beim Reiten, dass man immer zugleich auf Zwei achten muss: auf sich selbst und auf das Pferd. Viele Reiter beachten leider zuviel die Fehler ihres Pferdes und zu wenig ihre eigenen Fehler, die oft der Grund für die Fehler des Pferdes sind. Das führt zu keinem runden Ganzen. Reite also häufig wieder zu Fuß und beobachte dabei mit Deinem inneren Auge auch Dich selbst. Schaue Dir Deine Videos an, sie sind auch für Dich eine große Hilfe, Deine Fehler zu sehen. Als Kontrastprogramm brauchst Du natürlich dann Fotos und Filme mit Reitern, die Dir als Vorbild dienen können.

Hufprobleme  oben 



Ein ganz anderes Thema:

DIE HUFE DEINES PFERDES

Die Hufe der Hinterbeine von KORALLE machen Sorgen, hast Du mir geschrieben.

Allgemein ist es natürlich von Vorteil, wenn man sein Pferd ohne Beschlag reiten kann, einmal des Geldbeutels wegen, aber auch deshalb, weil das barfuss laufen für den Pferdehuf gesünder ist, soweit der Huf nicht bereits geschädigt ist und eine gewisse orthopädische Hilfe nötig hat.

Häufig wird während der Aufzucht des Fohlens und Jährlings am Schmied gespart. Fehlformungen der Hufe und Fehlstellungen der Gliedmaßen sind deshalb die Folgen, die sich später oft nur unzureichend korrigieren lassen und wenn, dann nur durch einen Schmied, der auch zugleich ein erfahrener Pferde-Orthopäde ist.

Deine KORALLE schiebt ihre Zehen, auch die der Hinterhufe, zu flach und spitzgewinkelt vor. Vorne muss sie deshalb leider schon mit Eisen gehen, aber auch die unbeschlagenen Hinterhufe brauchen Hilfe. Sie hat so wenig Substanz ihrer Trachten, dass sie fast auf den Ballen läuft.

Begünstigt wird das Ablaufen der Trachten durch den nur flach belegten, also relativ harten Sandplatz bei euch, der wie Schmirgelpapier auf weiche oder zu flache Hufe wirkt. Und selbst der Beschlag vorne kann nicht ganz die Schmirgel-Wirkung verhindern. Das Eisen wird ja nur bis etwa zur Mitte der seitlichen Hufwand genagelt. Einem guten Schmied müssen an jeder Seite vier Nägel genügen, ein Künstler schafft es bei einem gesunden Huf manchmal sogar mit drei Nägeln.

Das bedeutet, dass das Eisen dem hinteren Teil der Hufe mit den Trachten die Möglichkeit lässt, bei der Bewegung, beim Ab- und Auffußen zu ‚atmen', sich beim Auffußen zu dehnen. Da aber die Schenkel der Eisen bis hinter die Trachten reichen, kann sich zwischen Eisen und Huf eben auch Sand schieben und die Trachten bei dieser Bewegung zwischen Huf und Eisen abschmirgeln. Ein Eisen bewahrt also nicht unbedingt auch vor Abnutzung der Trachten. Es hilft aber immerhin, dass der empfindliche Ballen nicht so direkt von Steinchen und anderen harten Dingen am Boden schmerzhaft gedrückt wird.

Vor Jahren habe ich mal einen Schmied bei der Arbeit beobachtet, wie er die Hufe einer Stute ‚ausschneiden', also den Überschuss an Wuchs wieder auf Normalmaß zurückschneiden sollte, was, je nach Beschaffenheit der Hufsubstanz, alle sechs bis acht Wochen nötig ist. Weil mir sein Gestöhne und die offensichtlichen Schwierigkeiten bei seiner Arbeit auffielen, habe ich mir die Hufe der Stute angesehen, als der Schmied fort war. Das Ergebnis seiner fast als kriminell zu bezeichnenden‚Arbeit' habe ich fotografiert, hier kannst Du es sehen:

Ich habe danach nicht in Erfahrung bringen können, ob der Mann betrunken war oder ob das seine ersten Versuche an Pferdehufen waren. Ich habe ihn dort nie wieder gesehen, dafür werden die Besitzer der Stute gesorgt haben.

Was kannst Du tun, dass Deine KORALLE nicht auch noch hinten beschlagen werden muss?

Du solltest Dich für einige Zeit vom sandigen Reitplatz verabschieden und versuchen, KORALLE, so weit es möglich ist, im Gelände auszubilden. Dort wirst Du Wege im Wald kennen, die Humusboden haben oder Wege in den Feldern mit breiteren Grasstreifen rechts und links. Ab und zu und bei schlechtem Wetter solltest Du aber auch die Halle nutzen, die ja nicht weit ist.

Natürliches Reiten  oben 



Fohlen in Pesade, Vollblutgestüt Röttgen
Dass man auch im Gelände ‚ernsthaft' reiten kann, darauf machte ich Dich schon in meinem früheren Brief vom 25. März 2008 mit einigen Fotos von Neda mit ihrer Trude aufmerksam (siehe EquiVoX-Link Verstand und Gefühl). Man kann halbe und ganze Paraden im Schritt und im Trab üben, man kann Schenkelweichen und angedeutete Seitengänge reiten, Rückwärtsrichten, Vorhandwendungen und Volten reiten, wenn der Weg breit genug ist oder auf einer Wegekreuzung.

Und man kann seine Fantasie bemühen und rechts und links des Weges Möglichkeiten finden, die das Vertrauen vom Pferd in den Reiter sichern helfen und die Geschicklichkeit des Pferdes verbessern. Ein Slalom um eine Baumreihe, ein kleiner Graben, ein Baumstamm, eine kleine Kletterböschung rauf und wieder runter – das Gelände kann so abwechslungs- und lehrreich sein! Und gerade dort, raus aus dem Einerlei einer umgrenzten Reitbahn, zeigt sich, was das Pferd bisher gelernt hat und wie zuverlässig sein Vertrauen ist.

Den Rat, möglichst nicht ohne Begleitung zu reiten (auch mutige Reiter auf Drahteseln können diese Begleitfunktion übernehmen) möchte ich wiederholen. Der Reithelm ist im Gelände eine Selbstverständlichkeit.

In diesem Zusammenhang erinnere ich Dich daran, dass Du Dir ab und zu auch eine Möglichkeit suchen solltest, an einer Gymnastik-Springstunde teilzunehmen, die Dich auf kleine Hindernisse im Gelände vorbereitet. Ich bin keine Anhängerin des Springsports, aber ein kleiner Graben oder ein Baumstamm dürfen kein Grund sein, einen Umweg zu reiten oder mit seinem Pferd nach Hause umkehren zu müssen. Deshalb muss KORALLE hin und wieder Gelegenheit bekommen, das Taxieren und Überwinden eines leichten Sprunges auch mit Reitergewicht zu üben. Und da auch Du noch keine Meisterin über die Hindernisse bist, ist so eine Übungsstunde mit korrigierendem Ausbilder umso wichtiger.

‚NATÜRLICHES' REITEN

Gestern habe ich eine Gruppe von Jährlingen auf der Koppel beobachtet. Erst herrschte friedliche Ruhe beim Rupfen und Mampfen der Gräser, aber urplötzlich geriet die ganze Halbstarkenbande in flüchtende Bewegung über die Koppel.

Ich konnte sehr gut beobachten, wie der eine oder andere Jährling jenseits am bremsenden Zaun zu einer ganzen Parade gezwungen wurde. Dabei schob sich bei deutlich gesenkter Kruppe die Hinterhand unter den Rumpf, die Vorhand richtete sich auf, das Genick wurde zum höchsten Punkt, die Nase schob sich vor die Senkrechte (= passive Aufrichtung). Es war eine perfekte Demonstration einer aus der natürlichen Bewegung geborenen ganzen Parade der jungen Pferde.

Ich war wieder einmal begeistert über den Wahrheitsgehalt der klassischen, der Natur abgeschauten Ausbildung, die allerdings nicht gleichzusetzen ist mit der erfolgshungrigen Ausbildung so mancher der heutigen Dressur-Sportpferde und ihrer Reiter bis zur höchsten Klasse, wobei das ‚Material' oft die größere Rolle zu spielen scheint, als die Achtung vor und die Freude an dem Geschöpf Pferd.

Ein anderes Beispiel zeige ich Dir mit einem Foto aus dem Vollblutgestüt Röttgen, auf dem neben anderen Pferden ein Fohlen zu sehen ist, das sich zu einer Pesade hebt.

Eine Pesade möchte ich als eine Vorstufe zur Levade bezeichnen, bei der Kraft und Balance des Pferdes noch nicht ausreichend sind, um ihm das tiefe ‚Setzen' mit den stark gewinkelten Gelenken der Hinterhand zu erlauben. Es ist eine disziplinierte, vom Ausbilder/Reiter provozierte Stufe zwischen einem steigenden Pferd und einem Pferd in der tiefen Levade.

Auch hier bestätigt sich die Behauptung der ‚Klassiker', dass alle korrekt ausgebildeten Bewegungen des Pferdes, bis hin zu den ‚Schulen über der Erde', der Natur abgeschaut sind. Es würde sich für manchen Reiter, nein: für a l l e Reiter empfehlen, nach einer Möglichkeit für einen Gestütsbesuch zu suchen und zwar in den Sommermonaten, um dort möglichst vielen Fohlen zuzuschauen. Du kannst dann die ganze detaillierte Ausbildung eines Pferdes sehen mit jenen Übungen, die sie später dann auch etwas disziplinierter unter dem Reiter zeigen sollen.

Liebe Nora, das war wieder mal ein sicher erlaubter und vielleicht sogar notwendiger gedanklicher Ausflug in die erweiterten Gefilde der Reiterei. Und da ich gerade bei den Abschweifungen bin und Dir schon mehrmals Bilder von Pferden des Vollblutgestüts Röttgen schickte, kommt mir in Erinnerung, dass ich Dir noch eine Erklärung schulde zu Deiner Frage

WAS IST EIGENTLICH EIN ‚VOLLBLÜTER'?

Sobald ich in den nächsten Tagen wieder genug Zeit finde, um in Ruhe weiterschreiben zu können, will ich Dir Deine Frage etwas ausführlicher beantworten, bis dahin also – .

Vollblüter  oben 



12. Mai 2009

Hallo Nora, ich habe etwas Zeit für euch beide.

Du hast mich mal gefragt, was denn eigentlich ein ‚Vollblüter' im Unterschied zu anderen edlen Pferden ist. Ich habe damals lapidar geantwortet: ‚eine Reinzucht'. Damit bin ich aber den Vollblütern nicht gerecht geworden, denn ihre Zucht beinhaltet Eigenschaften von so hohem Wert, dass man weltweit die Zuchten anderer Pferderassen durch Einkreuzen von Vollblütern veredelt.

Die Vollblutzucht hat natürlich auch ihre Geschichte:

Die Engländer sind von jeher ein wettfreudiges Inselvolk und was eignet sich für den Abschluss von Wetten besonders gut? Das rivalisierende Leistungsvermögen von Mensch und Tier: der Sport, – besonders attraktiv dann, wenn man sich nicht selber die Lunge aus dem Hals hetzen muss, sondern das den Hunden und den Pferden überlässt.

Pferderennen gab es auf der Insel bereits vor etwa 400 Jahren, natürlich in einfachster Form, ohne das heutige Gepränge von elegantem Publikum und gepflegten Rennbahnanlagen.

Die Pferde, die damals durch besonderes Leistungsvermögen in mehreren Rennen auffällig wurden, waren für Züchter besonders interessant und es war dann die logische Konsequenz, dass man als Partner/Partnerin für die Zucht mit diesen erfolgreichen Pferden einen in Rennen ebenso erfolgreichen Hengst oder ebenso leistungsfähige Stuten aussuchte. So begann von England ausgehend ein Geschäft, eine wachsende ‚Zuchtindustrie' mit hochklassigen Pferden.

Man eröffnete ein Zuchtbuch, in das die in Rennen besonders erfolgreichen Zuchthengste und Zuchtstuten eingetragen wurden. Die Mütter waren damals englische Landstuten, während es neben den in England gezogenen Hengsten auch vor etwa dreihundert Jahren eingeführte arabische Hengste waren, von denen besonders drei in der Vollblutzucht bekannt wurden: DARLEY ARABIAN, GODOLPHIN BARB und BYERLEYS TURK.

Bis zum Jahr 1793 waren in diesem Zuchtbuch schon so viele erfolgreiche Hengste und Stuten verzeichnet, dass die Zuchtbasis groß genug war, um keine Inzucht fürchten zu müssen. Man schloss das Zuchtbuch; das bedeutet, dass ab 1793 nur noch mit Hengsten und Stuten und deren Nachkommen weitergezüchtet wurde, die bereits im Zuchtbuch verzeichnet waren, die Reinzucht der Pferderasse Vollblut und ihr Siegeszug als Veredler anderer Pferderassen weltweit hatte damit begonnen.

Was ist es, das diese ‚Vollblüter' (Reinblüter) so auszeichnet?

Sie unterliegen durch das Rennsystem härtesten Auslesebedingungen, ehe sie für zuchtwert befunden werden. Sowohl das physische, als auch das psychische Potential des Vollblüters wird dabei geprüft. Beides besitzen erfolgreiche Vollblüter in hohem Maße.

Man kann an dieser Stelle vergleichend noch darauf hinweisen, dass zum Beispiel das Herz eines Kaltblutpferdes +/- 0, 7 % seines Körpergewichts beträgt, das Herz des Vollblüters hingegen etwa 2 %.

Im natürlichen Zusammenhang mit den gesunden, leistungsfähigen körperlichen Eigenschaften des Vollblüters steht fast immer auch dessen vollkommenes Exterieur, seine Schönheit.

Alle die genannten Vorzüge, die sich aus der Entwicklung dieser Reinzucht-Pferderasse ergeben haben, machen sich die Züchter seit langem weltweit zur Veredelung ihrer heimischen Zucht zu Nutze.

Auslesesystem  oben 



Diu Star; aus einem Prospekt von G. Röttgen
OSTERPOST xx im Alter von 20 Jahren mit den gleichen, positiven Exterieur-Merkmalen, wie sie bei Diu Star zu bewundern sind
Das Vollblutpferd bewahrt seine rassetypischen Merkmale auf jedem Boden, in jedem Klima, ohne nach einigen Generationen zu degenerieren, wie das bei anderen Pferderassen beobachtet wird, die an eine bestimmte ‚Scholle' gebunden sind, wie zum Beispiel eine andere, sehr sehr alte und bekannte Pferderasse, die Lipizzaner, die vor allem auf magerem Karst- oder karstähnlichem Boden ihre typischen Eigenheiten bewahren.

Über das harte Auslesesystem, dem die Gesundheit oder sogar das weitere Leben des einen oder anderen jungen Vollblutpferdes zum Opfer fallen kann, mag man geteilter Meinung sein, je nachdem, aus welcher Sicht man den Rennsport beurteilt, bei dem die so genannten ‚Zuchtrennen' die eigentlich wichtigen sind und die Rennen ‚drum herum' das Programm des Renntages vervollständigen.

Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema würde hier zu weit führen. Für mich gilt aber, dass die Pferde, mit denen ich besonders gern Umgang hatte und die ich besonders gern geritten habe, alle Vollblüter oder doch sehr hoch im Blut stehende Pferde waren, denen ich viel Freude in meinem Leben verdanke, vor allem meiner OSTERPOST xx (Pharis-Osmunda, siehe EquiVoX-Link Verstand und Gefühl) und meinem MIENENSPIELER xx (Bürgermeister-Mimose), dessen Foto in meinem Brief vom März 2008 zu sehen ist (siehe EquiVoX-Link Durchs Genick treten, stellen, schieben).

Da heute fast nur noch hoch im Blut stehende Pferde für die Reiterei gezüchtet werden, ist es gut, wenn Du jetzt etwas mehr von dem weißt, was hinter der Bezeichnung ‚Vollblüter' zu sehen ist.

Zu Deiner letzten DVD möchte ich des Längeren und Breiteren (es geht ja um die Verstärkungen!) im nächsten Brief Stellung nehmen, ich hatte noch nicht genügend Zeit, sie mir in Ruhe zu Gemüte zu führen, also habe noch ein paar Tage Geduld.

Fortsetzung folgt.

Quellen / Verweise  oben 

  1. Magazin EquiVoX-Link Verstand und Gefühl
  2. Magazin EquiVoX-Link Durchs Genick treten, stellen, schieben
  3. Magazin EquiVoX-Link Unversehens Pferdebesitzer
  4. Magazin  Junger Reiter – junges Pferd, Eine klassische Reitlehre in Briefform
    EquiVoX-Link Ausgabe 437 · Teil Teil 1
  5. Magazin  Arbeit an der Hand, Die ersten Schritte – eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 2
    EquiVoX-Link Ausgabe 438 · Teil Teil 2
  6. Magazin  Panikattacke – Schiefe – Übertreten, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 3
    EquiVoX-Link Ausgabe 442 · Teil Teil 3
  7. Magazin  Auf- und Absitzen – Leckerle, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 4
    EquiVoX-Link Ausgabe 443 · Teil Teil 4
  8. Magazin  Galopp an der Longe – Rückwärtstreten, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 5
    EquiVoX-Link Ausgabe 447 · Teil Teil 5
  9. Magazin  Die gute Hand und Schenkellage, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 6
    EquiVoX-Link Ausgabe 448 · Teil Teil 6
  10. Magazin  Der Sitz, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 7
    EquiVoX-Link Ausgabe 455 · Teil Teil 7
  11. Magazin  Anlehnung und ruhige Hand, Eine klassische Reitlehre in Briefform – Teil 8
    EquiVoX-Link Ausgabe 456 · Teil Teil 8
  12. Magazin  Motor spritzig zünden, nicht leiernd, Wendung um die Vorhand, Vorübung zum Schenkelweichen
    EquiVoX-Link Ausgabe 461 · Teil Teil 9
  13. Magazin  Diagonale Hilfengebung, Vorhandwendung in der Bewegung, Schenkelweichen
    EquiVoX-Link Ausgabe 462 · Teil Teil 10
  14. Magazin  Ausweichen auf dem Zirkel, Der richtige Sitz ist die Grundlage der Hilfen
    EquiVoX-Link Ausgabe 464 · Teil Teil 11
  15. Magazin  Klassische Ausbildung, ... heisst richtige und natürliche Ausbildung
    EquiVoX-Link Ausgabe 465 · Teil Teil 12
  16. Magazin  Sie will sich beschweren, Klemme nicht mit den Waden, Knien oder Oberschenkeln
    EquiVoX-Link Ausgabe 470 · Teil Teil 13
  17. Magazin  Leichttraben und Aussitzen, Halbe und ganze Paraden in der Arbeit an der Hand
    EquiVoX-Link Ausgabe 471 · Teil Teil 14
  18. Magazin  Reiten in der Halle, Balance, Verbindliche Reitbahnregeln, Balance von Reiter und Pferd
    EquiVoX-Link Ausgabe 476 · Teil Teil 15
  19. Magazin  Verstand und Gefühl, Lang und tief reiten, angaloppieren auf dem falschen Fuß
    EquiVoX-Link Ausgabe 477 · Teil Teil 16
  20. Magazin  Galopp: Dickmachen und Hochschlagen, Missverständnisse zwischen Pferd und Reiter
    EquiVoX-Link Ausgabe 482 · Teil Teil 17
  21. Magazin  Galoppiert wie ein Schaukelpferd, Schenkelweichen, Viereck verkleinern & vergrössern, tiefes Atmen
    EquiVoX-Link Ausgabe 483 · Teil Teil 18
  22. Magazin  Cavaletti sind immer gut, Kleine Sprünge unter dem Reiter
    EquiVoX-Link Ausgabe 488 · Teil Teil 19
  23. Magazin  Springen über Hindernisse, Das Überwinden von leichten Sprüngen im Gelände
    EquiVoX-Link Ausgabe 489 · Teil Teil 20
  24. Magazin  Richtlinien für Reiten und Fahren, Die Ausbildungsskala der FN
    EquiVoX-Link Ausgabe 494 · Teil Teil 21
  25. Magazin  Losgelassenheit und Takt, Selbstkontrolle und -korrektur des Reiters
    EquiVoX-Link Ausgabe 495 · Teil Teil 22
  26. Magazin  Einwirken mit den Zügeln, Die Kunst des Reitens beginnt in den Ecken
    EquiVoX-Link Ausgabe 501 · Teil Teil 23
  27. Magazin  Natürliche (klassische) Ausbildung, Lösen, Stellen und Biegen, Gedanken zur Zucht
    EquiVoX-Link Ausgabe 502 · Teil Teil 24
  28. Magazin  Durchs Genick treten, stellen, schieben, Hufschlagfiguren: Schlangenlinien, Wechseln durch den Zirkel, Volten
    EquiVoX-Link Ausgabe 508 · Teil Teil 25
  29. Magazin  Wert der Hufschlagfiguren, Förderung der jetzt allmählich beginnenden Versammlung
    EquiVoX-Link Ausgabe 509 · Teil Teil 26
  30. Magazin  Die Rolle des Lernens, Wissen als erfühltes und verstandenes Wissen
    EquiVoX-Link Ausgabe 515 · Teil Teil 27
  31. Magazin  Lockerheit nicht verlieren, Zur Versammlung führende Übungen
    EquiVoX-Link Ausgabe 516 · Teil Teil 28
  32. Magazin  Reiten auf blankem Pferderücken, Gründe für Gurt- und Satteldruck und Rückwärtsrichten
    EquiVoX-Link Ausgabe 522 · Teil Teil 29
  33. Magazin  Einfache Galoppwechsel, Programmpunkte rekapitulieren, Ablauf einer Ausbildungsstunde
    EquiVoX-Link Ausgabe 523 · Teil Teil 30
  34. Magazin  Voreilige Versuche im Außengalopp, Außengalopp fördert Durchlässigkeit und Versammlung
    EquiVoX-Link Ausgabe 530 · Teil Teil 31
  35. Magazin  Halbe Paraden und Versammlung, Erst Außengalopp oder fliegende Wechsel?
    EquiVoX-Link Ausgabe 531 · Teil Teil 32


Abbildungen

Autorenhinweise m_red  » Gudrun Schultz-Mehl, Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

_vorher  voriger Hauptartikel

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 535 vom 20.05.2012
Hauptartikel  Hängender Kopf und HaltungPferdemesse  Messe: LobbackEditorial  Editorial: Pferd für die MutterTip  Tip: Pferdekauf VIPoster  Poster: Aus der Sicht der Herde
Pferdemesse  Messe: OlewoLeserbriefe  LeserbriefeAngebot_der_Woche  Angebot der WochePferdemesse  Messe: WestphalenGesuche  Gesuche
Angebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: ReiterhotelTermine  TerminePresseinfos  Mitteilungen
Gesamttext   Gesamttext    

_vorher  vorige Ausgabe

Impressum   home   Home   RSS   RSS   Nutzungsbedingungen  Nutzungsbedingungen   Kontaktformular  Kontaktformular   m_green   E-Mail an die Redaktion   Autorenhinweise  Autorenhinweise   Hilfe  HilfeTop   Top

Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken
tel 0049(0)5744-5115-74  fax -75  funk 0049(0)151-2327 3955
brief ISIS Messe & Pferdeverlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst
USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068
Die Adresse dieser Seite:
URL equivox.de/Magazin/535/Hauptartikel
Diese Seite wurde generiert am 22.05.2012 23:00:54
pferdezeitung_favico  dasselbe auf Pferdezeitung.com

Copyright © Werner Popken, Hüllhorst 1999 - 2012

Home  EquiVoX - bekannt als  pferdezeitung_favico  Pferdezeitung

Messe Online-Messe für den Pferdemarkt.
Magazin Online-Magazin für Pferdefreunde.

Der Herausgeber ist weder verantwortlich für Leserbeiträge noch für Inhalte verlinkter externer Internetseiten.
EquiVoX übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Angemessenheit und Ungefährlichkeit der in den Artikeln beschriebenen Methoden.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (E-Mails) zu veröffentlichen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

@MEMBER OF PROJECT HONEY POT
Spam Harvester Protection Network
provided by Unspam