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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 539, erschienen am 26.07.2009

Magazin  Ausgabe 539

Zivilist in Amerika - Ziel der Sehnsucht
und fast der Ort des Todes

Foto: Autorenhinweise m_red  » Dr. med. vet. Richard Bär
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Flug in die USA mit Scheich-Airlines
  2. Abschnitt  Riesige Weide
  3. Abschnitt  Halt durch, Zivilist
  4. Abschnitt  Schlange oder Virus?
  5. Abschnitt  Rückreise
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 513:
Hauptartikel  Zivilist – Biographie eines Pferdes

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 514:
Hauptartikel  Bei Dietl und Rick

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 517:
Hauptartikel  Langsame Fortschritte, tiefe Einblicke

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 518:
Hauptartikel  Kein Pferd, sondern eine Zumutung

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 519:
Hauptartikel  Türen öffnen und andere Scherze

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 520:
Hauptartikel  Sag’ mal ‘Ja’, das geht ganz einfach

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 524:
Hauptartikel  Trab, Galopp und Reitunterricht

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 525:
Hauptartikel  Experte oder Quäler? Zeigen, wer der Herr ist!

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 526:
Hauptartikel  Abenteuer mit Günther

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 527:
Hauptartikel  Ein Clown namens Crizzie

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 528:
Hauptartikel  Schach und Schreiben mit Zivilist

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 532:
Hauptartikel  Geballte Bosheit: Vom Regen in die Traufe

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 533:
Hauptartikel  Biographie eines Pferdes, 2. Teil

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 534:
Hauptartikel  Hufgenesung, Fernsehauftritt, Kur

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 537:
Hauptartikel  Sir Henry und das krebskranke Mädchen

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 538:
Hauptartikel  Ruhestand und Reise in den Süden

Teil Teil 17
Flug in die USA mit Scheich-Airlines

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 543:
Hauptartikel  Post für ein Pferd ZI – VI – LIST

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 544:
Hauptartikel  Zirkusfestival in Monaco
http://equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Zivilist ist plötzlich todkrank: was fehlt ihm?
Flug in die USA mit Scheich-Airlines

Endlose Weiten, Cowboys, plötzliche Krankheit

Zum Thema
Thema  Pferdegeschichte



von Autorenhinweise m_red  » Dr. med. vet. Richard Bär


Hinweis der Redaktion: Dies ist ein weiterer Teil der Auszüge aus dem zweiten Band über das Pferd Zivilist. Beide Bände liegen zwar in mehreren Sprachen vor, sind aber sämtlich vergriffen. Eine Neuauflage wird derzeit vorbereitet. Links zur Suche in antiquarischen Datenbanken finden Sie unter Quellen am Ende des Artikels.


AMERIKA

Bob, ein langjähriger Freund, bat mich, ihn doch mal mit Zivilist zu besuchen. „Ich organisiere alles für euch, ihr braucht nur noch einzusteigen in den Flieger.

So waren wir also mit einem Privatflugzeug auf dem Weg nach Amerika. Lancie konnte ich nicht mitnehmen, da an Bord keine Hunde geduldet waren. Außer uns befanden sich in der Maschine noch drei weitere Pferde und ihre Besitzer, allesamt Scheichs, wie ich schnell erfuhr.

Zivilist, ich glaube, wir fliegen mit Scheich – Airlines“ , sagte ich spontan. Zivilist hatte eine relativ geräumige Box, die Wände weich gepolstert, mit Klimaanlage, Frischwasser und allerhand Futterangebot, in der ich ihn in Flugrichtung anbinden musste. Vor dem Starten und Landen wurde die Box verengt, indem eine Seitenwand auf Zivilist zufuhr.

Zwar hatte ich Heu dabei, aber Zivilist wollte außer Karotten und hartem Brot die ganze Zeit nichts essen und nur nach energischer Aufforderung etwas trinken. Die Scheichs hatten für jedes ihrer Pferde zwei Pfleger dabei. Ein Tierarzt flog zur Gesamtbetreuung der Pferde mit. Für das leibliche Wohl der Pferdebesitzer sorgte eine gesonderte Mannschaft.

Zivilist zog die Aufmerksamkeit der Scheichs auf sich, weil er so gelassen und folgsam war, ohne dass er Beruhigungsmittel bekommen hatte, und ich in seiner Box „herumturnen“ konnte zum Bürsten, Beine massieren und um ihn zu unterhalten. Selbst Kaufinteresse sollte ich Zivilists Besitzer übermitteln. Ich versicherte ihnen, zu wissen, dass Zivilist ganz bestimmt unverkäuflich wäre.

Wir kamen tiefer ins Gespräch, sie erzählten mir von ihren vielen Pferden, Geschichten zu und über Pferde. Ihr Spruch, „Ein Pferd ist so klug wie sein Reiter“ , gab mir zu denken. Pferde mit vier weißen Fesseln seien besonders schnell. Die Frage, was dann mit Pferden sei, die nur zweieinhalbe weiße Fesseln wie Zivilist hatten, verkniff ich mir lieber. Beim Landeanflug gab es ein letztes Mal den Versuch, Kontakt zum Besitzer von Zivilist herzustellen, in dem sie mich fragten, ob er selbst das Pferd abholte.

Am Flughafen stand ein großer alter Mercedes mit einem noch größeren Pferdeanhänger hintendran und erwartete uns bereits. Ich dachte zunächst, dieses Aufgebot gelte den drei Scheichpferden, aber dann sah ich Bob aussteigen.

Ging es nicht ein bisschen kleiner und unauffälliger?“ fragte ich ihn zur Begrüßung.

Für dich ja, für Zivilist nein“ , antwortete er schelmisch.

Joe, sein Begleiter, öffnete inzwischen den Hänger und ich führte Zivilist, nachdem er sich einige Zeit umgesehen hatte, hinein.

Meine“ Scheichs kamen zwischenzeitlich auf Bob zu und fingen ein Gespräch mit ihm an. Er drehte seinen Kopf zu mir, dann wieder zu ihnen, so ging das drei-, viermal, bis er dann auf mich deutete.

Oh, Zivilist, sie kommen auf uns zu.

Wir entschuldigen uns dafür, dass wir so verblendet waren und nicht bemerkt haben, wem dieses außergewöhnliche Pferd gehört. Wir wollten euch mit unserem Kaufangebot nicht beleidigen“ , entschuldigten sie sich bei mir.

Ich wurde eingeladen, sie einmal mit Zivilist zu besuchen. Jederzeit könnten wir mit „Scheich – Airlines“ fliegen, wohin wir wollten.

Mein Pferd und ich nehmen ihre Entschuldigung an und bedanken uns für die Einladung“ , dabei nickte ich langsam.

Sie senkten ebenfalls langsam den Kopf und verabschiedeten sich.

Riesige Weide  oben 



Bob und ich stiegen in den Hänger zu Zivilist, Joe steuerte den Wagen und los ging die Fahrt. Der Hänger war kein Vergleich zu den in Deutschland gewohnten. Man hätte fast drin wohnen können auf Dauer. Ausgestiegen wurde auf einer riesigen Weide, auf der circa sechzig Pferde standen.

Einige kamen auf Zivilist und mich zu. Offensichtlich die Chefs der verschiedenen Gruppen. Es wurde sich im Kreis aufgestellt, die Köpfe zusammengesteckt, Nüstern an Nüstern und leise ausgeschnaubt. Das wiederholte sich ein paar Mal, dann war er in die Chefetage aufgenommen. Zivilist ging mit ihnen zum Rest der Herde. Schon bald hatte er selbst ein kleines Grüppchen um sich versammelt.

Die Pferdeweiden hier waren so groß, dass man sie als Mensch nicht mehr zu Fuß bewältigen konnte. Man musste sich zwangsläufig mit einem Jeep oder einem Pferd vorwärtsbewegen. Die Arbeitspferde wurden in kleinen Weiden von ca. 50 ha Größe gehalten. Sie wurden morgens per Pfiff gerufen, worauf sie alle kamen und sich vor ihren jeweiligen Reiter und Pfleger stellten. Als alle auf ihrem Platz standen, wurden sie geputzt und gesattelt. Die Tagesarbeit ging los.

Abends, nach getaner Arbeit, wurden sie abgesattelt, wieder geputzt, mit Futterhafer versorgt und nach einem kurzen Plausch, in dem sie gelobt wurden, durften sie wieder auf die Weide. Am nächsten Tag sah ich dann die gleiche Vorstellung wieder. Das ehrliche Engagement der Cowboys für ihre Pferde und auch der Blick für ihr Wohlbefinden hat mir gefallen.

Zivilist zog nach einer gewissen Futterumstellungszeit mit seiner eigenen Herde umher, kam aber abends regelmäßig zum Haus, um mich zu besuchen. Seine Herdenmitglieder warteten dann im Hintergrund. Wir spielten zusammen, ich putzte ihn, reinigte seine Hufe, setzte mich zu ihm und genoss die Ruhe, die unendliche Weite. Nach einer gewissen Zeit brach er Richtung Herde auf und forderte mich gelegentlich dazu auf, mitzukommen, indem er mich leicht an der Schulter stupste oder mich sanft im Rücken schob.

Nein, Zivilist, ich kann nicht mitgehen, mir ist das zu weit. Ich mit meinen zwei Beinen kann nicht so lange laufen wie du.“ Dabei schlang ich lachend meine Arme um seinen Hals, „geh schön, Zivilist, bis morgen.

An einem Abend stand er mit glasigem, fiebrigem Blick vor dem Haus und hielt sich krampfhaft auf den Beinen.

Zivilist, um Gottes Willen, was ist denn los? Ist dir schwindlig? Komm, wir gehen in den Stall gleich neben dem Haus!

Schritt für Schritt ging ich voraus, er stützte seinen Kopf auf meine Schulter, was er noch nie getan hatte. Er ging auf wackeligen Beinen hinter mir her. Im Stall angelangt führte ich ihn in eine große Box für Mutterstuten.

Zivilist, willst du vielleicht etwas trinken? Dann hole ich einen Eimer.“ Aber er wollte nichts trinken.

Vielleicht willst du dich hinlegen? Leg dich doch mal hin, vielleicht geht’s dann besser, Zivilist.“ Er legte sich hin, blieb aber nur einen Moment liegen und sprang dann fast panikartig wieder auf.

Er wurde immer schwankender und teilnahmsloser. Er schwitzte und hatte offensichtlich hohes Fieber. Immer wieder stützte er seinen Kopf auf meiner Schulter auf. Und wenn ich Hilfe holen wollte, versuchte er mit letzter Kraft, mitzukommen. Es half auch nichts, wenn ich ihn beruhigte und sagte, dass er hier bleiben müsste, damit ich Hilfe holen könnte. Zufällig sah einer der Cowboys Licht im Stall und schaute herein. Ich rief ihm gleich zu: „Schnell, schnell, ruf einen Tierarzt, Zivilist geht es ganz schlecht!

Er fragte nicht lange nach und war sofort wieder draußen.

Zivilist, halt durch, jetzt kommt bald ein Tierarzt!

Lloyd, so hieß der Cowboy, kam zurück und sagte:

Der Tierarzt ist unterwegs. Was ist denn los mit ihm?

Ich weiß nicht“ , antwortete ich kurz, „aber kannst du mir bitte meine grüne Reisetasche und mein Handy vom Zimmer bringen?

Halt durch, Zivilist  oben 



Ohne Worte zu verlieren überließ Lloyd mir sein Handy und lief rüber ins Haus. Ich versuchte, Richard zu erreichen, um ihn zu fragen, was die Ursache sein könnte. Er war nicht zu erreichen. Zwischenzeitlich kam Lloyd mit meiner Reisetasche zurück. Ich kramte mein Retterspitz-Mundwasser heraus, verdünnte es stark, tränkte damit Handtücher, die Lloyd mir herbrachte, und legte Wickel an seine vier Beine.

Von der Lösung gab ich immer wieder ein paar Tropfen auf Zivilists Zahnfleisch. Roul, der Koch, brachte schwarzen Tee, den Lloyd in Auftrag gegeben hatte, aber den wollte Zivilist nicht.

Gott sei dank traf jetzt der Tierarzt ein. Er untersuchte ihn rasch und stellte fest, dass sein Zustand kritisch sei. Zivilist hatte 41, 5 Grad Fieber, blasse Schleimhäute, einen flachen Puls, aber sonst konnte er nichts konkretes feststellen. Er nahm Blut ab, um genaueres sagen zu können. Ich redete während des Arztbesuches beruhigend auf Zivilist ein:

Halt durch, Zivilist, du musst kämpfen, damit du wieder gesund wirst!

Der Tierarzt spritzte ihm eine Mischung aus Cortison und Antibiotikum. „Mehr kann ich im Moment nicht tun. Sobald ich die Laborbefunde habe, komme ich wieder vorbei.

Bob war inzwischen eingetroffen und brachte einen älteren, weißhaarigen Herrn mit, der Ben hieß. Er besah sich Zivilist eingehend und fragte mich, was mir mein Herz sagte.

Wie unter Zwang sagte ich: „Irgendeine Art von pflanzlicher oder tierischer Vergiftung.

Er fragte weiter, seit wie vielen Stunden mein Pferd seinen Kopf auf meine Schulter gestützt hatte. „Meinst du, er kommt durch?“ fragte er mich völlig unvermittelt.

Ja, mein Zivilist ist ein Kämpfer!

Er nickte zustimmend.

Und was hat er jetzt?

Ich denke, eine Schlange hat ihn gebissen. Für heute soll es an Medizin gut sein. Morgen bringe ich dir verschiedene Arzneien.“ Irgendwie hatte mich Ben mehr beruhigt als der nette Tierarzt.

Die Nacht verlief ruhig und ich hatte den Eindruck, Zivilists Zustand verschlechtere sich nicht. Er trank viel. Die Beinwickel erneuerte ich immer wieder. Immer wieder wischte ich ihm den Schweiß ab, streichelte ihn. Im Gegensatz zum Anfang ließ er nun seinen Kopf ganz tief hängen, was ihm aber offensichtlich gut tat. Ich richtete mein Nachtlager neben Zivilist ein und fasste ihn mit meiner Hand um sein Bein, damit er spüren konnte, dass ich da war.

Mir gingen allerhand Dinge durch den Kopf. Was wäre, wenn er sterben würde? Hatte er ein gutes Leben gehabt? Welche Versprechen hatte ich noch nicht eingelöst? Wenn ihn eine Schlange gebissen hätte, müsste man doch einen Biss finden können. Ich stand auf und tastete seinen ganzen Körper ab. Am Unterkiefer stellte ich eine kleine Verdickung fest, konnte aber keine Bisswunde finden.

Am frühen Morgen kam der Tierarzt. Ich hatte einstweilen auch Richard erreicht, der sich nun mit dem Kollegen unterhielt; sein Zustand sei sehr bedenklich. Die Blutwerte, so hörte ich, seien ganz schlecht, rote Blutkörperchen zersetzten sich – sind an unterster Grenze.

Ah, vorher noch nie auffällig. Heute gebe ich blutbildendes, Vitamin E und Selen. Ich halte sie auf dem laufenden, Richard“ , hörte ich ihn sagen und fand das nett und kollegial.

Ich bat den Tierarzt, mir die Laborwerte zu zeigen. Die roten Blutkörperchen waren auf ein Minimum abgesackt, Mineralwerte waren durcheinander, Leber- und Nierenwerte waren an der obersten Grenze, aber in der Toleranz, erklärte er mir.

Was könnte Zivilist haben?“ fragte ich erneut. „Vermutlich eine Virusinfektion, es gibt ein Virus, das die roten Blutkörperchen zerstört. Aber ich muss noch Testergebnisse abwarten. In drei Tagen wissen wir mehr.

Wenn er dieses Virus hätte, was würde das für Zivilist bedeuten?“ „Es wäre unheilbar. Er könnte überleben, hätte aber immer wieder solche Krankheitsschübe. Er müsste sein Leben lang wegen der Ansteckungsgefahr von Pferden isoliert leben. Hier müsste ich ihn aber einschläfern und verbrennen lassen, laut Gesetz.“ Er wusste aber nicht, wie es in Deutschland gehandhabt wurde.

Sind hier schon Fälle dieser Erkrankung aufgetreten?“ „Nein, bisher nicht.

Schlange oder Virus?  oben 



Gestern war Ben hier“ , ein Halbindianer, der alles über Pferde weiß, wie mir Bob erklärt hatte, „er meinte, es sei ein Schlangenbiss“ , sagte ich zum Tierarzt.

Er antwortete daraufhin: „Ben hat zwar oft recht, aber ich kenne hier keine Schlange, die ein blutzersetzendes Gift hat.

Und wenn, stünden die Chancen ohne Gegengift noch schlechter.


Nachdem er gegangen war, kreisten meine Gedanken um das Gehörte – alles schien ausweglos. Eine lähmende Stimmung kam in mir auf. Ich blickte zu Zivilist und plötzlich schoss es mir in den Kopf: Ein Virus ist es nicht!

Ich zog die Blutwerte aus meiner Tasche, studierte sie noch einmal, kramte all mein Wissen über die Aussagen solcher Werte hervor, untersuchte Zivilist noch mal eingehend, fühlte seinen Puls, maß Temperatur – sie war ein wenig, nämlich auf 41, 3 Grad, heruntergegangen – Zivilist trank zwar weiterhin viel, hatte aber noch keinen Appetit.

Ich verdunkelte die Box, weil ihm das angenehmer war, bat alle um Ruhe im Stall, da mir aufgefallen war, dass er sehr geräuschempfindlich war.

Wir brachten eine gepolsterte Stange an, damit Zivilist seinen Kopf aufstützen konnte, wenn er wollte. Ich bat Bob, mir verschiedene Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine holen zu lassen. Ben brachte mir frische Blätter und pflanzliches Pulver vorbei, und riet mir dazu, ihm zu geben, was er wolle und soviel er wolle. Nachschub würde er bringen.

Ich bedankte mich für seine Unterstützung. Die Behandlung konnte beginnen. Ich machte weiterhin die Beinwickel, auf die kleine Verdickung zwischen den Unterkieferknochen legte ich eine Kompresse mit Retterspitz-Mundwasser pur und Minzeöl, die ich mit einer breiten Binde anlegte. Er ließ alles bereitwillig geschehen. Gegen Abend wurde Zivilists Blick lebhafter.

Am nächsten Tag kam der Tierarzt wie verabredet wieder. Ich bat ihn, Zivilist nur noch eine Antibiotikumspritze zu geben und erklärte ihm, was ich Zivilist gab, da es ein Virus nicht sein konnte – und bei einer Vergiftung bliebe auch nur dieser Weg.

Zusätzlich hielt ich die Überlegung von Ben für zutreffend, „Wenn ein krankes Pferd die heilenden Pflanzen nicht selbst erreichen kann, muss man sie ihm bringen!“ ...und Ben schien zu wissen, welche Pflanzen es bei welcher Krankheit suchen würde.

Al, so hieß der Tierarzt, fand das in Ordnung. Er würde sich wieder melden, wenn morgen die restlichen Blutwerte vorlägen.

Wobei ich immer noch denke, dass es nur dieses Virus sein kann. Aber, mein Gott, ich hoffe es nicht.“ Maxwell, den ich am Vortag angerufen hatte, sagte seine Verpflichtungen ab und kam überraschend.

Ich kann euch doch nicht alleine lassen“ , sagte er lächelnd zur Begrüßung zu mir. Während der kritischen Tage war er zwar in unserer Nähe, hielt sich aber dezent im Hintergrund. Es war beruhigend, ihn in der Nähe zu wissen.

Nach drei Tagen kam das Feuer wieder zurück in Zivilists Augen. Er nahm wieder kleine Mengen Essen auf: Heu, Kraftfutter, Karotten, und wollte sich auch wieder hinlegen, was er die ganzen Tage nicht getan hatte. Das Fieber war verschwunden.

Es stellte sich heraus, dass Zivilist nicht dieses Virus hatte. Al hatte dies vorab Bob schon telefonisch mitgeteilt, und der kam jetzt mit all den Cowboys im Schlepptau, um auf die gute Nachricht anzustoßen.

Al, der zwischenzeitlich auch eingetroffen war, wollte Zivilist trotzdem vorsichtshalber noch mal ein blutbildendes Medikament spritzen. Als er auf ihn zuging und zum Spritzen ansetzen wollte, drehte Zivilist demonstrativ seinen Hals weg. Alles fing an zu lachen.

Al, ich glaube, er braucht deine Hilfe nicht mehr“ , sagte Bob.

Oder mein Medikament“ , wandte sich Al freundlich zu Zivilist.

Es dauerte noch einige Wochen, bis ich an eine Rückreise denken konnte, denn trotz guten Appetits und Futteraufnahme nahm Zivilist anfangs noch ab. Die Muskeln waren noch recht schlaff, der Körper brauchte eine gewisse Regenerationszeit.

Rückreise  oben 



In diesen Wochen machten wir zusammen kleine Spaziergänge, sonnten uns faul. Zivilist durfte alles anknabbern und fressen, was er wollte, auch Bobs Pflanzen auf der Veranda. Langsam interessierte er sich auch wieder für seine Artgenossen und gesellte sich zu ihnen von Zeit zu Zeit. Allerdings musste ich ihn begleiten und dabei bleiben, sonst ging er mit mir zurück. Manche Pferde versuchten, ihn zu verdrängen, andere fingen an, sich mit ihm putzen zu wollen. Gelegentlich musste ich den Kreis um ihn energisch freihalten.

Zivilist war wieder kräftig genug, um die Rückreise in unser Mittelmeerdomizil anzutreten. Bob war beim Abschied immer noch traurig darüber, dass Zivilist bei ihm fast gestorben wäre.

Bob, es ist doch gut ausgegangen!“ beruhigte ich ihn, „und wir sind nicht nachtragend.“ Meine Worte trösteten ihn nicht recht. „Zivilist und ich kommen gerne wieder zu dir...und deinen Schlangen“ , fügte ich nach einer kurzen Pause noch lächelnd hinzu.

Bob war ein wenig aufgeheiterter und sagte: „Ihr müsst unbedingt wiederkommen, zu Besuch oder auch für immer!

Nun brachte er uns mit dem „fahrenden Wohnzimmer“ zum Flughafen, wo es dann wieder mit Scheich – Airlines, diesmal ohne Scheichs, zurück in den europäischen Süden ging.

Fortsetzung folgt. Eine Neuauflage ist in Vorbereitung.



Quellen / Verweise  oben 

  1. » Zivilist, Circolo degli amici del cavallo Zivilist (Freundeskreis des Pferdes Zivilist)
  2. Dr. med. vet. Richard Bär: ZIVILIST, Biographie eines Pferdes. ISBN 3-00-001567-1 (vergriffen)
  3. booklooker-Link» Zivilist: Buchsuche bei Booklooker
  4. » Zivilist, Band 1: Buchsuche bei JustBooks
  5. » Zivilist, Band 2: Buchsuche bei JustBooks
  6. Magazin  Zivilist – Biographie eines Pferdes, Vorwort, Danksagung, Bei Altenberger
    EquiVoX-Link Ausgabe 513 · Teil Teil 1
  7. Magazin  Bei Dietl und Rick, Dunkelbox, Tierschutzverein, Zwischenlösung
    EquiVoX-Link Ausgabe 514 · Teil Teil 2
  8. Magazin  Langsame Fortschritte, tiefe Einblicke, Bei Langer: Freiland- und Stallgefängnis
    EquiVoX-Link Ausgabe 517 · Teil Teil 3
  9. Magazin  Kein Pferd, sondern eine Zumutung, Schuldscheine, Schmiede, Kastration
    EquiVoX-Link Ausgabe 518 · Teil Teil 4
  10. Magazin  Türen öffnen und andere Scherze, Soll aus dem mal ein Reitpferd werden?
    EquiVoX-Link Ausgabe 519 · Teil Teil 5
  11. Magazin  Sag’ mal ‘Ja’, das geht ganz einfach, Es müßte eine Pferde- statt Reiterlobby geben
    EquiVoX-Link Ausgabe 520 · Teil Teil 6
  12. Magazin  Trab, Galopp und Reitunterricht, Reitstunden mit Granida und viele Lektionen
    EquiVoX-Link Ausgabe 524 · Teil Teil 7
  13. Magazin  Experte oder Quäler? Zeigen, wer der Herr ist!, Es zählt nur, was dem Wesen des Pferdes entspricht
    EquiVoX-Link Ausgabe 525 · Teil Teil 8
  14. Magazin  Abenteuer mit Günther, Tierärzte: "Spat" oder Bänderzerrung
    EquiVoX-Link Ausgabe 526 · Teil Teil 9
  15. Magazin  Ein Clown namens Crizzie, Kleine Wolke reitet in die Freiheit
    EquiVoX-Link Ausgabe 527 · Teil Teil 10
  16. Magazin  Schach und Schreiben mit Zivilist, Und jede Menge Ärger mit Richards Familie
    EquiVoX-Link Ausgabe 528 · Teil Teil 11
  17. Magazin  Geballte Bosheit: Vom Regen in die Traufe, Oder: Wieviel kann man sich bieten lassen?
    EquiVoX-Link Ausgabe 532 · Teil Teil 12
  18. Magazin  Biographie eines Pferdes, 2. Teil, Dasselbe in Grün mit anderen Kulissen, oder?
    EquiVoX-Link Ausgabe 533 · Teil Teil 13
  19. Magazin  Hufgenesung, Fernsehauftritt, Kur, Leukämie, Monaco-Pläne und der geheimnisvolle Unbekannte
    EquiVoX-Link Ausgabe 534 · Teil Teil 14
  20. Magazin  Sir Henry und das krebskranke Mädchen, Poppers wird alt und stirbt, May mag nur Männer, Zivilist heilt sich selbst
    EquiVoX-Link Ausgabe 537 · Teil Teil 15
  21. Magazin  Ruhestand und Reise in den Süden, Zivilists Geburtstagsparty und Filmpläne
    EquiVoX-Link Ausgabe 538 · Teil Teil 16


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Autorenhinweise m_red  » Dr. med. vet. Richard Bär

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