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![]() Kommunikation? Irgendwie schon, oder? |
![]() Das sieht doch gleich ganz anders aus! |
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Man darf die Schwierigkeiten nicht unterschätzen. Einmal kennen wir uns selbst nicht besonders gut, wie oben schon angedeutet, und können unsere eigenen Kommunikationsfähigkeiten und Signale nicht richtig einschätzen. Zum anderen handelt es sich bei der Kommunikation um einen ununterbrochen fließenden Prozess, der sich permanent selbst verstärkt. Zur Illustration eine Anekdote; ein bekannter Psychologe verriet einmal das Geheimnis einer glücklichen Ehe: Wenn jeder Partner ständig etwas nachgibt, entwickele sich die Beziehung ständig positiv, im umgekehrten Fall eben negativ. Das leuchtet ein. Seine eigene Ehe scheiterte später allerdings ebenfalls, woraus jeder seine eigenen Schlüsse ziehen mag. In der Hier kommt es mir darauf an, dass man nicht unbedingt in jedem Fall einen Lehrer in Anspruch nehmen muss, wenn man seine Schwierigkeiten erfolgreich bearbeiten möchte. Wir sind ja alle selber begabt und klug, neugierig und experimentierfreudig, lernfähig und aufrichtig. Wir möchten wirklich echte Fortschritte machen und haben kein Interesse daran, uns selbst etwas vorzumachen. Hans-Jürgen Neuhauser ist jedenfalls ein Lehrer, der sich auf niemanden beruft außer auf sein eigenes Pferd, und dieses Pferd, dem der Film gewidmet ist, hatte seine eigene Geschichte, genauso wie Neuhauser selbst. Beide sind ebenso einzigartig wie Sie und ich, Ihr Pferd und mein Pferd, und was die können, sollten wir doch auch zuwege bringen. Wir sind also alle keine Engel, sondern gezeichnet vom Leben, haben jede Menge gute und schlechte Erfahrungen gemacht und daraus unsere Schlüsse und Konsequenzen gezogen; das Leben hat uns geformt und ausgehend von unserer ererbten Persönlichkeit zu dem gemacht, was wir sind. Daneben haben wir aber unsere Visionen und Sehnsüchte, unsere Wünsche und Fantasien, und wir lassen uns auch von den schlechtesten Erfahrungen nicht davon abbringen, diese realisieren zu wollen. Wenn unsere Vorstellungen mit denen harmonieren, die Hans-Jürgen Neuhauser selber verwirklicht hat, werden wir aufmerksam und hoffen, hier entscheidende Hinweise und Hilfen zu bekommen, die uns auf unserem Weg weiterbringen. Wer hingegen ganz andere Vorstellungen hat, wird sich mit ihm und seinen Ideen gar nicht erst auseinandersetzen wollen. Es sei denn, er stößt auf seinem Weg auf unüberwindliche Widerstände, die er mit seinen Mitteln nicht überwinden kann, wie die Experten des arabischen Spitzengestüts mit ihren beiden gefährlichen Hengsten, denen Hans-Jürgen Neuhauser helfen konnte, wovon man sich auf seiner DVD überzeugen kann. Auch das möchte ich später genau beleuchten. Selbstverständlich haben die arabischen Fachleute nicht daran gedacht, sich von einem deutschen „Amateur" erklären zu lassen, wie man mit schwierigen Pferden umgeht – schließlich haben die Araber gewissermaßen das Pferd erfunden und sind selber Meister ihres Faches. Sie haben Hans-Jürgen Neuhauser auch nicht sofort gerufen, sondern sich, nachdem sie schließlich mit ihrem Latein am Ende waren, erst an die Leute gewandt, die sie kannten und denen sie vertrauten. Und so wie man bei einer schwierigen Krankheit von einem Arzt zum anderen läuft und alles probiert, wenn nichts helfen will, so haben die sich schließlich an Neuhauser gewandt. Umso größer ihre Überraschung und ihr Staunen, als sie erleben durften, dass dieser Mann aus Bayern mit seiner Art und Methode tatsächlich in kürzester Zeit Erfolg hatte, wo alle anderen weltberühmten Problemlöser versagten und teilweise sogar im Krankenhaus landeten. Für ihn war dieses Abenteuer natürlich Herausforderung und Test und selbstverständlich auch Triumph; für uns bleibt die Frage, ob wir von solchen extremen Bedingungen etwas lernen können. Ich hoffe, diese Frage im Laufe meiner Untersuchung beantworten zu können. Im Film ist immer wieder die Rede davon, dass er eine Methode für jedermann entwickelt hat, die weitergegeben werden kann, aber vielleicht trifft das die Sache gar nicht genau. Vielleicht ist es gar nicht so sehr die Methode als vielmehr die Einstellung. Wenn ich mit jemandem tanzen möchte, um die Metapher der letzten Ausgabe wieder aufzugreifen, muss ich ihn respektieren und achten. Wenn das Pferd für mich ein Gaul ist, den ich nach Belieben benutzen kann, der geknechtet werden darf und muss, wenn er funktionieren soll, werde ich mit dieser Methode wenig anfangen können. Methode und Haltung sind nämlich nicht einfach so zu trennen. Man kann auch sagen: So wie ich der Welt gegenübertrete, so antwortet sie mir. Die Welt ist auch in diesem Sinne ein Spiegel. Kennen wir nicht alle genügend Geschichten von Menschen, die gemeint haben, mit Dingen und Personen beliebig verfahren zu können, deren Hochmut schier unendlich zu sein schien, bevor sie zu Fall kamen? Drückt nicht sogar das Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall" die Gewissheit aus, dass dieser Weg notwendig zum Misserfolg führen muss? Könnte es sein, dass herkömmliche Maßstäbe und Weltmodelle sogar grundsätzlich falsch sind? |
Die chinesische Weisheit aus dem
Wer sich ein bisschen mit Geologie beschäftigt hat, weiß, dass unsere Landschaften im wesentlichen durch Wind und Wasser geformt worden sind. Der riesige
Auch im Umgang mit Pferden ist Zeit wichtig. Wer zu schnell zu viel erreichen möchte, verdirbt leicht alles für immer. Viel besser ist es, ganz langsam und offen an die Dinge heranzugehen und zu beobachten, was sich wie entwickelt. Wir sehen bei Könnern wie Neuhauser das Endprodukt, wir sehen nicht den Weg, den sie hinter sich haben. Auch Neuhauser hat einmal begonnen, und da war er vergleichsweise alt, Mitte 30. Aber eines wusste er schon: Herkömmlicher Reiter sind hilflos, wenn sie ihr Pferd nicht mittels Zaumzeug oder Führstrick kontrollieren können. Dieses Schicksal wollte er für sich nicht akzeptieren. Schließlich kommen die Pferde untereinander ohne solche Werkzeuge aus und machen nicht den Eindruck, als bräuchten sie irgendwelche Hilfsmittel. Pferde reagieren im Grunde so wie wir Menschen: Wer sich aufspielt, hat eigentlich schon verloren. Bei Hengstkämpfen mag das anders sein; das kann ich nicht beurteilen, da fehlt mir die unmittelbare Erfahrung. Ich hatte aber das Glück, eine sehr aggressive und unangenehme Stute zu beobachten, die sich nicht in unsere intakte Herde integrieren lassen wollte. Über Monate beanspruchte sie die Führungsrolle und versuchte diese mit allen Mitteln durchzusetzen, ohne Erfolg. Die anderen untergeordneten Pferde gingen ihr aus dem Weg und machten ihr den Anspruch nicht streitig, folgten ihr aber auch nicht. Die Leitstute verhielt sich genauso und hielt sich meistens abseits, so dass die aggressive Möchtegern-Leitstute ihrerseits völlig isoliert war. Dabei war klar, dass alle anderen Pferde die Rolle der bisherigen Leitstute weiterhin akzeptierten. Der einzige „Erfolg" der ganzen Anstrengungen war eine gewaltige Unruhe, Missstimmung, Anspannung, kurz: Keiner wurde seines Lebens froh. Nach ein paar Monaten verließ diese Stute die Gruppe wieder und allmählich kehrten die alten Verhältnisse wieder. So habe ich leider nicht erfahren, was sich langfristig aus dieser unhaltbaren Situation entwickelt hätte. |
Der in der letzten Woche schon erwähnte Junghengst wurde allerdings schwer verprügelt; das war nicht etwa böse Absicht, sondern anscheinend notwendig, da dieser bis dahin nur seine eigene Mutter gekannt hatte, bei der er offenbar keine Gelegenheit hatte, die Manieren zu erlernen, die für das Zusammenleben in einer Herde notwendig sind. Heute ist er ein Riese und spielt die zweite Geige mit einem Großpony, dem er körperlich schon lange überlegen ist. Im Grunde ist er mit seinen 14 Jahren immer noch ein Kind. Es gibt viele Ansätze, dem Phänomen der Kommunikation näherzukommen; viele davon berücksichtigen ganz wesentliche Aspekte überhaupt nicht, weil diese schwer zu erfassen sind. Wir interessieren uns natürlich weniger für die Kommunikation von Maschinen, die noch vergleichsweise einfach zu verstehen und zu beherrschen ist; die Kommunikation lebender Wesen beinhaltet im Gegensatz dazu beispielsweise Gefühle, Absichten, Verständnisschwierigkeiten, Unterstellungen, die auch im Umgang mit Tieren zu berücksichtigen sind. Im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts hat der Hamburger Psychologe Die Aufmerksamkeit für die Vielschichtigkeit von Kommunikation entstand aus der psychologischen Theorie, als man zunehmend mit der Einzeltherapie unzufrieden wurde, die die Ursache für die Störungen in früheren Erlebnissen suchte, und kybernetische Modelle ins Spiel brachte, also das Zusammenwirken des zur Therapie und den Menschen mit seiner Umgebung betrachtete. So schließlich kam man darauf, dass beispielsweise wichtige Bezugspersonen widersprüchliche Botschaften sendeten, die notwendigerweise verwirren mussten ( „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ ; » Paul Watzlawick Interview, Nach diesem weiterentwickelten Modell kommunizieren wir immer gleichzeitig auf vier Kanälen, wir sehen also mit vier Augen, wir hören mit vier Ohren, wir interpretieren mit vier Gehirnen. Jeder dieser Kanäle hat ganz wesentliche Informationen zu übermitteln, und alle vier müssen korrekt und richtig verstanden werden, damit Kommunikation gelingen kann. Klingt kompliziert, ist es auch, aber das ist die Realität und tägliche Praxis – damit müssen wir stets und ständig umgehen und zurechtkommen. Wir Menschen, die Pferde und der Rest der Welt. Am besten macht man sich die Sache an einem Beispiel klar (aus dem erwähnten Artikel der Wikipedia).
Man sieht, die beiden befinden sich in einer Negativspirale. Es kann nicht mehr lange dauern, bis sie sich scheiden lassen müssen. |
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In dem Vortrag » Wenn die Lösung das Problem ist erzählt Paul Watzlawick von einem glücklichen französischen Ehepaar, dessen einziges, dafür überwältigendes Leid war, dass sich keine Kinder einstellen wollten. Als sie schon fast aufgegeben hatten, kam doch noch ein kleiner Junge, und die Eltern wollten ihrer unglaublichen Freude durch die Namensgebung Ausdruck geben. Der Knabe mit dem Namen „Formidable" blieb aber leider klein und schmächtig und wurde deswegen Zeit seines Lebens ob dieses Namens gehänselt, was ihn sehr ärgerte. Auf seinem Totenbett bat er daher seine Frau, mit der er wiederum eine sehr glückliche Ehe geführt hatte, diesen Namen nicht in Stein zu verewigen. Sie entschied sich für die Inschrift: „Hier ruht ein Mann, der seine Frau nie betrogen hat." Jedem Besucher entfuhr angesichts dieses Spruchs: „Tiens, c'est formidable!" (Die Lösung des einen Problems – Namensgebung – führte zu einem neuen Problem – lebenslange Hänselei – und die Lösung des nächsten Problems – Grabinschrift – brachte das alte Problem wieder zum Vorschein.) Womit ganz nebenbei bewiesen ist, dass es glückliche Ehepaare gibt, was vermutlich auf deren ausgezeichnete Kommunikation zurückzuführen ist. Für diese Ausgabe habe ich mich mit dem Problem der Segmentierung von Videos beschäftigt; ich kann jetzt beliebige Sequenzen herausschneiden. Diese wiederum in eine Webseite einzubauen, und zwar so, dass sie in jedem Browser zu sehen sind, ist ein anderes Problem, das ich aber ebenfalls lösen konnte. Freilich braucht man dazu Javascript und Flash; da die meisten, vor allem auch populäre Seiten heute ohne diese beiden Mittel nicht funktionieren, gehe ich davon aus, dass auch Sie Javascript nicht abgeschaltet und Flash als Plugin installiert haben (wenn Sie Videos auf YouTube sehen können, ist das der Fall). Also sollten Sie in der Lage sein, die 13 Sekunden des Tanzes von Hans-Jürgen Neuhauser mit einem Pferd betrachten zu können. Nach all diesen theoretischen Erörterungen über Kommunikation werden Sie diese Szenen vielleicht mit anderen Augen sehen. Der Artikel Das gilt natürlich auch für die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Wichtig ist offenbar, dass man sich kennenlernt, um die Botschaften des anderen überhaupt verstehen zu können und nicht permanent so schrecklichen Missverständnissen ausgesetzt zu sein, wie sie uns am Ende des letzten Abschnitts vor Augen geführt wurden. Wir Menschen müssen also verstehen lernen, wie Pferde uns verstehen, und wir müssen lernen, die Botschaften der Pferde korrekt zu interpretieren. Hans-Jürgen Neuhauser zeigt mit seinen Vorführungen, dass er auf diesem Weg sehr weit gekommen ist. Daran gibt es gar keinen Zweifel, das hat er vielfach bewiesen und kann es auch jederzeit wiederholen. Spannend wird es bei der Frage, ob und wieweit er uns vermitteln kann, was er herausgefunden hat. Kann man das überhaupt vermitteln? Denken wir an das glückliche Ehepaar: Wenn wir uns an die Stelle des entsprechenden Partners setzen würden, würden wir dann ebenfalls glücklich sein? Könnten wir von dem glücklichen Ehepaar so viel lernen, dass unsere eigene Ehe glücklich würde (in der hoffentlich unzutreffenden Annahme, dass sie es nicht ist)? Sie sehen anhand dieser Fragen, dass eine Antwort nicht so offensichtlich ist, wie man das wünschen möchte. Bevor ich diese Fragen weiter untersuche, hoffe ich Sie soweit vorbereitet zu haben, dass Sie die fantastische Kommunikation zwischen Mensch und Pferd in diesem kleinen Ausschnitt erkennen, schätzen und genießen werden: Dieser Text wird durch das Video ersetzt, sofern
Hans-Jürgen Neuhauser hat sein Ziel erreicht: Ohne Führstrick und Zügel ist er nicht hilflos wie all die anderen Reiter, wie ich und vielleicht auch Sie. |
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