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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 551, erschienen am 18.10.2009

Magazin  Ausgabe 551

H.-J. Neuhauser führt einen Mustang
mit Strick - geht es auch ohne?

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Wie der Mensch das Pferd verwirrt
  2. Abschnitt  Wandel
  3. Abschnitt  Reitlehren
  4. Abschnitt  Glauben
  5. Abschnitt  Placeboeffekt
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise

  Leserresonanz  Leserresonanz

  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis

Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 547:
Hauptartikel  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 548:
Hauptartikel  Die Empfindlichkeit der Pferde

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 549:
Hauptartikel  Tanz – neu interpretiert

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 550:
Hauptartikel  Ohne Zügel und Führstrick hilflos

Teil Teil 5
Wie der Mensch das Pferd verwirrt

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 552:
Hauptartikel  Sei spontan! Komm raus!

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 553:
Hauptartikel  Arbeit mit der wilden Mustang-Stute

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 554:
Hauptartikel  Neuhauser und Monty Roberts: Ein Vergleich

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 555:
Hauptartikel  Es muss jetzt irgendwas passieren

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 556:
Hauptartikel  Der richtige Sitz

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 557:
Hauptartikel  Gefährliche Hengste in Arabien

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 558:
Hauptartikel  Der Trick mit der Tröte

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 559:
Hauptartikel  Experten und Könner

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 560:
Hauptartikel  Über den Umgang mit der Kreatur

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 561:
Hauptartikel  Qualität und dualistische Trennung

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 563:
Hauptartikel  Muss man sich anstrengen?

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 564:
Hauptartikel  Die Leichtigkeit der Zähmung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 565:
Hauptartikel  Über Dominanz und Vertrauen

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 566:
Hauptartikel  Denkstile und Denkkollektive

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 567:
Hauptartikel  Die Nagelprobe

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 568:
Hauptartikel  Jeder hat eine besondere Gabe
http://equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Mensch und Pferd in der Natur im Einklang – wie und warum geht das, wenn überhaupt?
Wie der Mensch das Pferd verwirrt

Die Kommunikation widersprüchlicher Botschaften

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Pferdeflüsterer



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


Menschentypische Verhaltensweisen bergen ein großes Potential an Missverständnissen für Pferde. Anhand der oft eingefahrenen menschlichen Verhaltensmuster erkennt ein Pferd wie der Mensch als nächstes handelt. Darauf reagiert das Pferd entsprechend. So entstehen durch menschliches Fehlverhalten nach und nach schwere Störungen zwischen Mensch und Tier.
EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten

Diese Sätze finden sich ziemlich weit vorne auf der EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten, und wie das bei einem Film so ist, geht der Film weiter und weiter und weiter und weiter, man wird vollgedröhnt mit Bildern und Texten, wichtigen und unwichtigen, und weiß zum Schluss gar nicht mehr so recht, was man eigentlich gesehen hat.

Das ist schade, denn wenn jemand wirklich etwas zu sagen hat, sollte er das auch vermitteln können. Ich habe den Eindruck, » Hans-Jürgen Neuhauser hat etwas zu sagen, und versuche das im Zuge dieser Serie möglichst gut herauszuarbeiten. Und weil es sich um schwierige Sachverhalte handelt, gehe ich ganz behutsam vor und nehme mir viel Zeit, damit Sie mir folgen können und wirklich etwas davon haben. Oberflächliche Texte, die niemanden weiterbringen, gibt es nun wirklich genug. Dafür lohnt es sich nicht zu arbeiten.

Wikipedia-Link» Kommunikation, so hatten wir in der letzten Ausgabe gesehen, ist unvermeidlich, aber komplex und kompliziert. Wir kommunizieren immer, ob wir es wollen oder nicht. Wir, das heißt die Menschen und auch die Tiere, jedenfalls soweit wir Menschen das beobachten können, und das geht ja bekanntlich ziemlich weit.

Je mehr wir nun über Tiere (und Menschen) wissen – und das Wissen hat enorm zugenommen, seit die westliche Welt wohlhabend geworden ist und sich immer mehr Wissenschaftler leisten kann, die über immer bessere technische und finanzielle Mittel verfügen – je mehr wir über Tiere und Menschen wissen, desto genauer stellen sich uns diese Mechanismen dar. Und desto mehr müssen wir staunen.

Natürlich glaubt jede Generation, nun endlich genau und wirklich und umfassend verstanden zu haben, worum es wirklich geht, aber es dauert nicht lange, bis sich herausstellt, dass die Wirklichkeit viel komplexer ist und wir in Wahrheit sehr wenig wissen. Bekanntlich ist es geradezu ein Zeichen der Weisheit, sich über das Ausmaß der eigenen Unwissenheit bewusst zu werden. Der Unwissende meint, alles zu wissen, der Wissende weiß in Ansätzen, dass er nichts weiß angesichts all dessen, was man wissen könnte.

Zurück zu den Pferden: Es wird immer wieder behauptet, dass die Menschheit ja schon seit Tausenden von Jahren mit Pferden umgeht – was zweifellos richtig ist. Daraus wird aber – manchmal ausdrücklich, immer aber implizit – abgeleitet, dass diese schon längst begriffen hat, was Pferde sind, was sie leisten können, was sie wollen und vor allem wie wir mit ihnen umgehen müssen. Spätestens seit dem Barock seien alle Geheimnisse des Pferdes aufgedeckt und bekannt, behaupten zumindest die Anhänger der sogenannten Klassischen Reitkunst.

Dabei ist vermutlich fast alles auf fast allen Gebieten falsch, was wir zu wissen glauben. Natürlich machen wir es so, wie es schon immer gemacht worden ist, und fühlen uns dabei ganz großartig. Daran ist im Prinzip nichts zu kritisieren. Mensch wie Tier, je höher entwickelt desto mehr, wird in eine bereits existierende Kultur hineingeboren, die für das Überleben sorgt, sich also bewährt hat, sonst wäre die betreffende Spezies längst ausgestorben. Auch wenn die Verhaltensweisen noch so merkwürdig anmuten, ihre bloße Existenz gibt ihnen zunächst einmal vollkommen recht, und daran gibt es gar nichts zu deuteln.

Denken Sie zum Beispiel an die inzwischen durch verschiedene Filme sehr bekannt gewordenen unglaublichen Verhaltensweisen der Wikipedia-Link» Kaiserpinguine, sehr schön illustriert durch die Grafik Wikipedia-Link» Lebenszyklus; keine andere Pinguinart macht es ihnen nach, uns Menschen erscheinen die Strapazen, denen sich die Tiere aussetzen, geradezu unmenschlich, und je mehr wir darüber herausfinden, desto wunderbarer erscheint uns das Zusammenspiel von Klima, Biologie, Geologie und Ethologie. So stellt sich die Frage: Was wissen wir eigentlich über Pinguine? Was denken die? Wie fühlen die sich? Lieben sich die Pinguin-Ehepaare, lieben die Pinguin-Eltern ihre Kinder, die Pinguin-Kinder die Eltern? Sind die Pinguine glücklich?

Wandel  oben 



Der hat sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht
Allerdings birgt das Festhalten an bewährten Verhaltens- und Verfahrensweisen auch Gefahren, denn nichts bleibt gleich, alles wandelt sich ständig, insbesondere das Klima und die Umwelt, und wer sich nicht anpassen kann, geht zu Grunde. Die klimatischen Änderungen in Nordamerika haben zu einer Veränderung der Flora geführt, an die sich die dort lebenden Pferde anscheinend nicht anpassen konnten, worauf sie, weil ihre Zähne für die neuen Glassorten zu weich waren, verhungerten und ausstarben – das ist gar nicht mal so lange her, etwa 11.000 Jahre.

Und dieses Aussterben der Pferde in Nordamerika war nun nicht etwa die Ausnahme, sondern stellt die Regel dar. Fast alle jemals existierenden Pflanzen- und Tierarten sind bereits ausgestorben, nur sehr wenige existieren schon Hunderte von Millionen Jahren, die Menschheit, wie wir sie kennen, erst seit etwa 40.000 Jahren, und auch die Pferde, wie wir sie kennen, sind mit etwa 1, 5 Millionen Jahren nicht annähernd so alt wie etwa die Wikipedia-Link» Neunaugen (500 Millionen Jahre), wenn auch wesentlich älter als die Menschen. Der Wandel, Werden und Vergehen sind also die Norm.

Die christliche Menschheit hing lange Zeit der Vorstellung an, dem wäre nicht so. Gott erschuf die Welt in sieben Tagen, nicht wahr, und sagte anschließend so etwas wie: Basta. Oder genauer: „Er sah, dass es gut war." Und wenn etwas gut ist und von Gott kommt, kann und darf es nicht verändert werden. Es soll Leute geben, die heute noch daran glauben.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie mir mein Vater anlässlich eines Wikipedia-Link» Findlings von Warm- und Eiszeiten erzählt hat, wie man sich zunächst über Findlinge nur gewundert hat und sich nicht erklären konnte, wie und warum die in dieser Gegend herumliegen konnten, wie man dann Fakten darüber herausgefunden hat, etwa die Herkunft der gewaltigen Felsbrocken aus Skandinavien, und wie dann schließlich Theorien über den Transport durch Gletscher gebildet wurden, die man dann schließlich verifizieren konnte.

Und ich erinnere mich auch an meine kindliche Frage angesichts der zyklischen Natur der Klimaschwankungen, ob diese denn plötzlich aufgehört hätten, und wenn nicht, ob wir gerade in einer Eiszeit oder in einer Warmzeit leben und in welcher Richtung sich die Temperatur eben jetzt entwickelt. Wie erstaunt war ich über die ohne Zögern gegebene Antwort: Selbstverständlich leben wir in einer Warmzeit, da ja hier, wo Findlinge liegen und deshalb früher Gletscher gewesen sein müssen, weit und breit keine mehr zu sehen sind.

Und weil auf eine Warmzeit bisher immer eine Kaltzeit folgte, war für meinen Vater klar, dass diese Warmzeit nur ein Zwischenstadium ist und die nächste Eiszeit folgen wird. Er erzählte mir sogar von der „Kleinen Eiszeit", machte mich also darauf aufmerksam, dass diese zyklischen Schwankungen nicht etwa gleichmäßig wie eine Sinuskurve verlaufen, sondern in sich selbst noch einmal wieder schwanken.

An Einzelheiten kann ich mich nicht erinnern, aber heute ist es ja kein Problem, Genaueres zu erfahren:

Die Kleine Eiszeit ist eine Erd-Abkühlung, die mit regionalen und zeitlichen Schwerpunkten weltweit auftrat und für Europa und später auch für Nordamerika, Russland und China und inzwischen auch in den polaren Eisbohrkernen nachgewiesen ist. Während dieser Zeit traten häufig sehr kalte, lang andauernde Winter und niederschlagsreiche, kühle Sommer auf. Im 15. Jahrhundert fror mindestens zwei Mal die Ostsee komplett zu.

Mitte des 17. Jahrhunderts und auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts drangen in den Alpen zweimal die Gletscher vor und zerstörten Gehöfte und Dörfer. Das Gletscherwachstum während der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ war das stärkste seit der letzten richtigen Eiszeit. Die Kanäle in den Niederlanden waren jeden Winter lange überfroren, in London fand mehrmals auf der zugefrorenen Themse ein „Frostjahrmarkt“ statt. Im Winter von 1780 konnte man den Hafen von New York auf dem Eis sicher überqueren. Auf den Großen Seen in Nordamerika blieb das Eis manchmal bis zum Juni.
Wikipedia-Link» Kleine Eiszeit

Nicht alle diese Fakten konnte mein Vater kennen; die oben erwähnten Fortschritte der Wissenschaft helfen auch in diesem Fall, aus mehr oder weniger zufälligen Überlieferungen absolut harte Erkenntnisse zu machen. Damit hier aber kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich betonen, dass mein Vater kein Wissenschaftler war, nicht einmal Akademiker, sondern „nur" Facharbeiter, nämlich Buchdrucker. Allerdings war er intelligent und wissbegierig und ging mit offenen Augen und Ohren durch die Welt.

Reitlehren  oben 



Wilde Mustangs in der Herde
Der Vollständigkeit halber möchte ich Ihnen den Absatz, der dem zitierten vorausgeht, nicht vorenthalten; die Tatsache, dass während der kleinen Eiszeit Gehöfte und Dörfer in den Alpen durch Gletscher zerstört worden sind, beweist ja schon, dass die Gletscher sich dort schon einmal viel weiter zurückgezogen haben müssen als heute, wo diese Dörfer und Gehöfte wieder zum Vorschein kommen.

Der Kleinen Eiszeit ging eine Periode voraus, die als Mittelalterliche Warmzeit oder Mittelalterliches Klimaoptimum bezeichnet wird. Regional und zeitlich unterschiedlich gewichtet, aber inzwischen weltweit nachgewiesen, lagen die Temperaturen im Zeitraum zwischen 800/900 und 1200/1300 um rund 1-2 °C höher als während der Kleinen Eiszeit.

Während des Mittelalterlichen Klimaoptimums zog sich zum Beispiel im nördlichen Atlantik das Packeis nach Norden zurück und die Landgletscher verschwanden teilweise. Diese Erwärmung erlaubte es den Wikingern, Island (seit etwa 870) und Grönland (seit 986) zu besiedeln. Das Polarmeer war in beiden Richtungen schiffbar.
a.a.O.

Auch der Rest des Artikels ist lesenswert, insbesondere die Folgen für Ernährung, Kultur und Politik. Letzten Endes kann man sogar die französische Revolution auf die Kleine Eiszeit zurückführen. Soviel zum Fortschritt der Wissenschaft; vielleicht wird Ihnen auch deutlich, dass die aktuelle Panikmache bezüglich der Klimaerwärmung vielleicht doch nicht so abgesichert ist, wie einige Wissenschaftler lautstark behaupten (siehe dazu auch den sehr interessanten Artikel » Who's afraid of global warming? über den Astrophysiker Wikipedia-Link» Nir Shaviv und dessen Ansichten).

Wie dem auch sei, jederzeit könnten sich riesige Vulkanausbrüche ereignen, die dann unmittelbar unabsehbare Folgen für die Klimaentwicklung hätten und möglicherweise Probleme aufwerfen würden, gegen die die jetzt diskutierten vergleichsweise klein aussähen. Es ist beispielsweise noch gar nicht so lange her, seit man erkannt hat, dass der Wikipedia-Link» Yellowstone-Nationalpark der Wikipedia-Link» Krater eines riesigen Wikipedia-Link» Vulkans ist (Wikipedia-Link» Supervulkan), der vermutlich innerhalb der nächsten paar tausend Jahre explodieren wird, weil er in der Vergangenheit mehrfach periodisch und regelmäßig ausgebrochen ist und diese Periode seit dem letzten Ausbruch verstrichen ist.

Um auf die Pferde zurückzukommen: Auch unsere Einsichten und Ansichten zu Pferden bleiben nicht gleich, sondern entwickeln sich, und zwar vermutlich ebenfalls in Zyklen. Nicht alles, was die Alten gedacht und gemacht haben, war falsch, nicht alles war richtig, und nicht alles, was wir denken und machen, ist richtig. Eines ist aber mit Sicherheit falsch: Das Festhalten am Alten, wenn sich die Verhältnisse ändern. Und ganz besonders dumm ist es, an etwas festzuhalten, das nicht zweifellos richtig ist. Und dazu gehören unsere Reitlehren.

Das kann man schon an der einfachen Tatsache ablesen, dass eine Unmenge von Reitlehren propagiert und diskutiert wird, was man als eindeutiges Zeichen dafür nehmen kann und muss, dass keine einzige dieser Reitlehren korrekt ist. Denn andernfalls gäbe es keine Diskussion und nichts würde in Frage gestellt. Das erinnerte mich an das Argument des Arztes und Kabarettisten Wikipedia-Link» Eckart von Hirschhausen (aus dem Buch booklooker-Link» Die Leber wächst mit ihren Aufgaben), dass die Anzahl der Arzneimittel für ein bestimmtes Symptom im umgekehrten Verhältnis zur Wirksamkeit steht. Viele Medikamente heißen also nichts weiter als: Keines von ihnen wirkt. Sehr interessant zu wissen!

Übertragen auf die Pferde und die Reitlehren dürfen wir also schließen, dass der Stein der Weisen noch nicht gefunden wurde. Nach wie vor experimentieren wir herum, und je dürftiger die Faktenlage, desto erhitzter die Gemüter. Das hat mich schon immer gewundert: Viele Experten behaupten, im Besitz der Wahrheit zu sein, und streiten allen anderen jegliche Kompetenz ab. Das kann so nicht stimmen.

Wahrscheinlicher ist, dass alle irgendwo einen Zipfel der Wahrheit erwischt haben, niemals jedoch die ganze Wahrheit. Kennen Sie das Gleichnis, das die Schwierigkeiten anschaulich macht, die Realität zu erfassen? Es gibt im Internet viele Fassungen (beispielsweise » Der Elefant und die Wissenschaftler) und auch die Wikipedia hat etwas dazu zu sagen: Wikipedia-Link» Die blinden Männer und der Elefant; wesentlich scheint die Einsicht zu sein, dass wir immer nur verschiedene Ausschnitte der sogenannten Realität erfassen und uns anschließend trefflich darüber streiten können.

Sechs blinde Männer untersuchen einen Elefanten. Der eine meint, eine Wand vor sich zu haben, der nächste identifiziert einen Speer, ein anderer glaubt, eine große Schlange zu betasten, ein weiterer hält das Objekt für einen Baum, außerdem werden noch ein Fächer und ein Seil identifiziert. Am Ende streiten sie darüber, wer recht hat, da jeder von ihnen davon überzeugt ist, das Objekt einwandfrei erkannt zu haben. Keiner von ihnen kam auf die Idee, nur einen Teil des Gegenstands erfasst zu haben.

Was weiß die Biologie von Elefanten? Was weiß der Elefantenführer von Elefanten? Was weiß der Dompteur von Elefanten?

Glauben  oben 



Ja, es geht auch ohne Strick!
Und hier kommen wir wieder zurück zu Watzlawick, der der Schule des Wikipedia-Link» Radikalen Konstruktivismus angehört:

„Diese Parabel besagt im Grunde nichts anderes als das, was der Konstruktivismus wissenschaftlicher und erkenntnistheoretisch formuliert, wenn er zum Ausdruck bringt, dass die Wirklichkeit, wie sie unabhängig vom Subjekt existiert, nicht erkannt werden kann und jedes Subjekt sich seine Wirklichkeit konstruiert – wenn auch mit Einschränkungen. Diese Konstruktionen haben allerdings keinen ontologischen Charakter, sondern stellen nur eine Möglichkeit des Denkens, Fühlens und Handelns dar."

Es wird also auf dieser Stufe resigniert stehen geblieben. Es geht halt nicht anders, als daß jede/r sich seine eigene Welt konstruiert und sie sich nie einig werden über die "wirkliche Welt". Oder?
» Die Blinden und der Elefant

Watzlawick unterscheidet zwischen Wirklichkeit der ersten und der zweiten Ordnung und erläutert das am Beispiel des Witzes vom Optimisten und Pessimisten, die beide dieselbe Flasche sehen (erste Ordnung), wobei der eine diese als „halb voll", der andere jedoch als „halb leer" bezeichnet (zweite Ordnung). In der ersten Ordnung werden die Informationen der Sinnesorgane verarbeitet, über die man sich noch halbwegs einigen kann, obwohl auch diese Mechanismen extrem kompliziert sind, während in der zweiten Ordnung Bedeutung, Sinn und Wert gestiftet werden, über die man sich einfach nicht einig werden kann (» Paul Watzlawick: Wahrheit und Wirklichkeit).

Anders als beim Beispiel mit den Medikamenten, wo man relativ leicht herausfinden kann, ob ein Medikament nachweislich wirkt oder nicht (die moderne Wissenschaft hat dazu die entsprechenden Instrumentarien entwickelt und jedes Medikament muss bekanntlich seine Wirksamkeit bewiesen haben, bevor es zum Markt zugelassen wird), wird man sich beim Umgang mit den Pferden so schnell nicht einigen können, weil man sich noch nicht einmal darüber verständigen kann, was man als Ergebnis erwartet.

Aber selbst in der Medizin sind die Dinge nicht so einfach: Dass die Homöopathie im Sinne der eben erwähnten Wirksamkeitsnachweise regelmäßig mit Pauken und Trompeten durchfällt, hindert weder Patienten noch Ärzte daran, an diese zu glauben und dafür riesige Summen auszugeben. „Der Glaube ist des Menschen Himmelreich."

Wo Gewissheit fehlt, kann der Glaube Triumphe feiern. So auch bei der Suche nach der allein seligmachenden Reitlehre. Merkwürdigerweise reicht es aber nicht, zu glauben, sondern der Gläubige muss auch noch die Anhänger anderer Glaubensrichtungen bekämpfen. Auch hier scheint ein Gesetz der Umkehrung zu gelten: Je geringer die Gewissheit, desto größer der Fanatismus.

Wenn es dabei bleibt, ist nicht viel gewonnen; es kann sogar ganz schlimm werden, wie wir aus der Geschichte wissen. Andererseits kann man aber auch mit Recht behaupten, dass der Glaube für unsere Lebensökonomie wichtig ist und eine positive Rolle spielen kann, insofern er nämlich zunächst unerklärliche Phänomene in das bisherige Weltbild integriert und ein erfolgreiches Weiterleben ermöglicht. Wenn dieser Glaube darüber hinaus dann auch noch dazu führt, weitere Untersuchungen anzustellen und schließlich durch Wissen ersetzt werden kann, hat er seine Schuldigkeit getan. In diesem Sinne kann man den Glauben als „Platzhalter des Wissens" bezeichnen.

In der Wissenschaft wird der Begriff „Glaube" nicht verwendet; stattdessen benutzt man „Vermutung“ , „Hypothese“ , „Fragestellung“ . Man muss nämlich erst einmal irgendwo einen Nagel einschlagen und damit einen Platz bestimmen, von dem aus man die Welt erforschen kann. Erst die Frage ermöglicht die Suche nach der Antwort. Bei » Hans-Jürgen Neuhauser war es die Frage nach dem Umgang mit dem Pferd ohne Strick und Halfter. Also eigentlich die Ablehnung von Zwangsmitteln, die eine Unterwerfung des Pferdes zum Ziel haben. Oder noch anders ausgedrückt: Die Frage nach der Kommunikation der Pferde untereinander, die ja ohne diese Mittel wunderbar funktioniert.

Dass jede Antwort durch die ihr zu Grunde liegende Frage bestimmt ist, darf eigentlich nicht verwundern. So basteln wir dann also ständig an unserer Weltsicht herum und halten diese womöglich für alleinseligmachend. Ist sie ja auch, in gewisser Weise, nämlich für uns. Wehe, wenn wir versuchen, zu missionieren! Dann kann die Sache schief gehen. Bieten wir diese dagegen als Angebot feil, könnte sie anderen Menschen helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Und die könnten dann auch sehr dankbar sein!

Placeboeffekt  oben 



So kann die Kommunikation des Menschen mit dem Pferd auch aussehen!
Zum Schluss dieser Ausgabe und zum leichten Ausklang zunächst ein Beispiel, das erklären mag, warum der Glaube so häufig Berge versetzen kann und wie geneigt sind, Ursachen und Wirkungen dort anzunehmen, wo sie gar nicht zu finden sind:

Der Placeboeffekt ist ein besonders gutes Beispiel für Wirklichkeitskonstruktion: Vorschulkindern wurden während einer kurzen Reise sogenannte „Heimwehtropfen“ verabreicht, die aber in Wirklichkeit nur aus Zuckerwasser bestanden. Den Kindern wurde somit suggeriert, das der Arzt die Traurigkeit „wegmachen“ könnte.

Tatsächlich formten sich die meisten betroffenen Kinder aufgrund dieses Versprechens eine veränderte Realität und bekämpften so erfolgreich das Heimwehgefühl, für das es nun „eigentlich“ keine Berechtigung mehr gab.
» Alexandra Vogler: Paul Watzlawick und der Konstruktivismus

Für diese Ausgabe habe ich wieder einmal sehr viel recherchiert und sehr wenig von dem verwenden können, was ich gelesen habe; das ist aber normal, denn alle diese Informationen formen ganz allmählich eine Wirklichkeitsinterpretation, die ich Ihnen dann in der Hoffnung offerieren kann, dass sie Ihnen nützlich sein mag.

Mir hat diese Lektüre natürlich viel gebracht, und vielleicht wird das eine oder andere in einem der nächsten Artikel wieder aufscheinen, obwohl ich im Moment keinerlei Verwendung dafür habe. Ich vertraue da auf mein Gedächtnis und meine Erinnerungsfähigkeit.

Kommunikation zwischen Menschen und Tieren ist allgemein ein interessantes Thema, und zwar in beiden Richtungen. Je mehr wir über die Kommunikation zwischen Menschen erfahren, desto mehr verstehen wir Kommunikation zwischen Tieren, und umgekehrt. So interessieren sich auch Erziehungswissenschaftler und Pädagogen für die tierische Kommunikation in der Hoffnung, dadurch Erkenntnisse für ihre eigene Tätigkeit zu gewinnen und deren Ergebnisse verbessern zu können (mit Wikipedia-Link» PISA im Nacken!).

Der nachfolgende Witz ist einem Aufsatz vorangestellt, der diesen Prozess diskutiert und die Gefahren einer unkritischen Übertragung von Ergebnissen anderer Disziplinen deutlich herausstellt:

Zwei Elefantinnen betrachten einen nackten Mann. Ihr Blick wandert langsam von oben nach unten, hält inne bei einem bestimmten Organ und geht wieder zurück Richtung Mund.

Kopfschüttelnd sagt die eine: „Da hat die Evolution wohl einen Fehler gemacht!

Zum Aussterben verurteilt“ , pflichtet die andere bei, „wie soll der sich ernähren?
» Hein Retter: Soziobiologie – eine neue Grundwissenschaft für die Pädagogik?

http://equivox.de/Leserresonanz

Leserresonanz oben 

Notizen  Leserbrief  2063 vom 19.10.2009
zu Ausgabe Magazin  551
Rezension "Pferdegeschichten aus Österreich"

Sehr geehrter Herr Popken!

Ich habe Ihre EquiVoX-Link Rezension in der Pferdezeitung.com gelesen und bin überrascht, wie Sie über ein Buch berichten können, das Sie anscheinend aber gar nicht gelesen haben! Das beweist unter anderem die Tatsache, dass Sie das Pferd in der "beeindruckenden Halle" (es war ein wunderschöner Saal mit Holzstöckelpflaster!) einen Hengst nennen ( "es sind im Zweifel immer Hengste") – wobei Christiane Slawik in ihrer Geschichte einige Seiten zuvor auch erwähnt, dass dieser Lipizzaner ein Wallach ist!!

Ihre Behauptung, alle in diesem Buch benannten Personen wären glücklich, zufrieden, erfolgreich und vermögend ist eine Unterstellung! Ich kenne einige Leute, die in diesem Buch genannt werden persönlich und kann Ihnen versichern, dass viele von ihnen weder besonders erfolgreich und schon gar nicht vermögend sind. Aber sie leben – wie auch ich selbst – ihren Traum, verzichten dafür auf Urlaub, teure Autos oder Sternerestaurants. Denn für sie – bzw. für uns – liegt eben das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde.

Dass man ein Pferd gründlich säubert, bevor es von einer Starfotografin fotografiert wird ist denke ich obligatorisch – oder frisieren Sie sich nicht, bevor Sie sich in den Paßbildautomaten setzen?

Auch war ich persönlich anwesend, als Frau Slawik ihre Fotos sichtete und kann bezeugen, dass keines der Pferde am PC freigestellt und vor einem anderen Hintergrund positioniert wurden! Ich empfehle Ihnen ein Fotoseminar bei Frau Slawik – dort lernen Sie, wie das funktioniert!

Das Elektroband auf Seite 105 wäre mir nicht aufgefallen, hätten Sie nicht über 10 Absätze lang über dieses berichtet!

Natürlich schreibt Christiane Slawik auch über die Schwierigkeit, ein gutes Foto zu schießen, schließlich ist sie Fotografin. Doch eine Rezension dieses Buches sollte sich auf den Inhalt des Buches beziehen, welches ein Pferdebuch ist und kein Fotografenratgeber ist. Ich finde Ihre Rezension auf einer Pferdewebsite absolut fehl am Platz – diese Rezension gehört bestenfalls auf fachspezifische Fotografen-Websites!!

Mit besten Grüßen aus Österreich

Lisl Stabinger
(wenn Sie das Buch wirklich gelesen haben, sollten Sie mich kennen – ich bin übrigens auch eine der weniger Bekannten aber genannten Personen im Buch "Die Magie der Pferde". In dem ich auch, im Gegensatz zu Ihrer Rezension, sehr wohl einige sehr bekannter Gesichter auf den Fotos erkennen konnte!)


Andalusiergestüt Lindenhof
» www.showpferde.at

Initiatorin der 1.österreichischen Stunt- und Trickreitschule
» www.stuntreitschule.at

Präsidentin, Verein der Freunde und Züchter des Pferdes Reiner Spansicher Rasse in Österreich
» www.andalusier.at

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 551 vom 20.05.2012
Hauptartikel  Wie der Mensch das Pferd verwirrtPferdemesse  Messe: HufklinikEditorial  Editorial: KettenreaktionRezension  Rezension: Pferdegeschichten aus…Tip  Tip: Pferdekauf XXII
Poster  Poster: Gespielte AttackePferdemesse  Messe: FYLGJALeserbriefe  LeserbriefeAngebot_der_Woche  Angebot der WochePferdemesse  Messe: Westphalen
Gesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: MählerTermine  Termine
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