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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 553, erschienen am 02.11.2009

Magazin  Ausgabe 553

Kommunikation mit einem Mustang
Handicap: der baumelnde Strick

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Arbeit mit der wilden Mustang-Stute
  2. Abschnitt  Erste Sekunden
  3. Abschnitt  Körpersprache
  4. Abschnitt  Der Strick
  5. Abschnitt  Flüstern
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 547:
Hauptartikel  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 548:
Hauptartikel  Die Empfindlichkeit der Pferde

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 549:
Hauptartikel  Tanz – neu interpretiert

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 550:
Hauptartikel  Ohne Zügel und Führstrick hilflos

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 551:
Hauptartikel  Wie der Mensch das Pferd verwirrt

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 552:
Hauptartikel  Sei spontan! Komm raus!

Teil Teil 7
Arbeit mit der wilden Mustang-Stute

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 554:
Hauptartikel  Neuhauser und Monty Roberts: Ein Vergleich

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 555:
Hauptartikel  Es muss jetzt irgendwas passieren

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 556:
Hauptartikel  Der richtige Sitz

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 557:
Hauptartikel  Gefährliche Hengste in Arabien

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 558:
Hauptartikel  Der Trick mit der Tröte

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 559:
Hauptartikel  Experten und Könner

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 560:
Hauptartikel  Über den Umgang mit der Kreatur

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 561:
Hauptartikel  Qualität und dualistische Trennung

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 563:
Hauptartikel  Muss man sich anstrengen?

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 564:
Hauptartikel  Die Leichtigkeit der Zähmung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 565:
Hauptartikel  Über Dominanz und Vertrauen

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 566:
Hauptartikel  Denkstile und Denkkollektive

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 567:
Hauptartikel  Die Nagelprobe

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 568:
Hauptartikel  Jeder hat eine besondere Gabe
http://equivox.de/Hauptartikel

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Ohne Ausweg: Traumatisiertes Pferd
Neuhauser schaltet sich ein
Der Cowboy weicht zurück
Arbeit mit der wilden Mustang-Stute

Wie Neuhausers Methode im Wilden Westen funktioniert

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Pferdeflüsterer



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


In der letzten Woche habe ich gefragt, ob die von » Hans-Jürgen Neuhauser angeprangerten missverständlichen Äußerungen des Menschen, die zwangsläufig zu Schwierigkeiten zwischen Pferd und Mensch führen müssen, nur Anfängern und Dummköpfen unterlaufen – was natürlich eine rhetorische Frage war. Die EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten beweist an mehreren Beispielen das Gegenteil. Wir haben in der vorigen Ausgabe gesehen, wie ein amerikanischer Cowboy sich gegenüber der vor kurzem noch wild lebenden Mustang-Stute entsetzlich ungeschickt verhält und das Pferd in äußerste Bedrängnis bringt.

Neuhauser hat in seinem Leserbrief darauf hingewiesen, dass meine Unterstellung, er selbst hätte sich mehr zurückhalten müssen, falsch ist:

Es ging darum, zwar "bestimmt" auf den Sohn der Rancherin zu zu gehen, aber dabei das eh schon sehr verschreckte Pferd nicht noch mehr zu belasten und in die Enge zu treiben, bzw. zu riskieren, dass es durch die Umzäunung brechen möchte. Wir haben es hier mit einem ehemals wildlebenden Mustang zu tun, der sein bisheriges Überleben, z.B. vor Wölfen und Bären eben durch die Flucht sichern musste.

Den Sohn der Rancherin (mind 3. Generation Pferdezüchter) habe ich dazu gebracht, seine drohend-dominante Position aufzugeben. Auch hat er dadurch, dass er sich zurückgezogen hat, seine Körperspannung auf das nötige Maß reduziert. Ebenso habe ich mit einer entspannten Körpermitte, nachdem ich neben ihm Stand, mich langsam zurück bewegt, auf eine für das Pferd akzeptable Distanz. Die Stute fing auch sofort an Heu fressen an, das dürfte man noch erkennen.

Es mag für einen Außenstehenden halbherzig wirken. Aber in so einer Situation gilt es wohlüberlegt und von den körperlichen Aktionen wohldosiert zu agieren. Gerade nachdem die Vermutung geäussert wurde, dass die Stute evtl. trächtig sein könnte. Was natürlich die Verantwortung des eigenen Tuns und Handelns noch erhöht.
 Leserbrief 2064

In dieser Ausgabe möchte ich untersuchen, wie Neuhauser es in kürzester Zeit geschafft hat, dieses extrem traumatisierte Pferd zu zähmen. Dabei fällt mir die Serie über den argentinischen Pferdeflüsterer » Oscar Scarpati Schmid von Norbert Balk zur Doma India ein (Ausgaben EquiVoX-Link Doma India, EquiVoX-Link Wohltäter des Pferdes, EquiVoX-Link Die Sanftheit des Pferdes) – der Untertitel zur ersten Ausgabe lautete: „Das Zähmen geschieht zweifelsohne aus Liebe.

Was ist Wikipedia-Link» Liebe? Eine einfache Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt, aber eines ist klar: Wo die beiden Partner einander nicht respektieren, kann es keine Liebe geben; wo nicht jeder Partner seinen Raum findet, ist Liebe nicht möglich. Wer sich selbst nicht lieben kann, kann auch andere nicht lieben. Wer den einen liebt und den anderen hasst – liebt der überhaupt?

Zurück zur Situation: In einem kleinen Paddock finden sich zwei Menschen und ein Pferd; der schreckliche Anhänger, dem das Pferd entstiegen ist, steht noch da und präsentiert sein finsteres Loch. Der eine Mensch hat sich gerade noch bedrohlich aufgebaut, was seine Wirkung auf das Pferd nicht verfehlt hat, der andere, bisher passiv, schaltet sich nun ein und verändert die Situation im Handumdrehen. Wie kann das sein, wie macht er das, wie geschieht das? Einfache Fragen. Und die Antworten?

Erste Sekunden  oben 



Die Stute wird aufmerksam ...
... setzt sich in Bewegung ...
... Neuhausers Arme sinken ...
... die Stute ist schon beim Heu ...
... die Arme sinken weiter ...
... und sie frisst.
Im Film ist eigentlich kaum etwas zu sehen. Die Stute war in die entgegengesetzte Ecke gerannt und stand mit dem Kopf dorthin, mit dem Körper fast parallel zur Abgrenzung.

Neuhauser macht ein paar Schritte nach vorn in die Mitte, nachdem er sich anfangs am Rand gehalten hatte (im Film nicht zu sehen, aber aus dem vorherigen Schnitt zu schließen), signalisiert mit der linken Hand dem Partner den Rückzug.

Dieser weicht daraufhin zurück und die Stute macht eine Kehrtwendung mit dem Hinterteil zur Mitte, er selbst weicht auch etwas zurück, erhebt die rechte Hand in Richtung Stute, die sich nach rechts wendet und schon deutlich weniger Panik zeigt.

Seine Hand bleibt erhoben, die Stute bleibt stehen und wendet ihre Aufmerksamkeit ihm zu, den Kopf erhoben. Der Strick ist deutlich zu sehen, er ist einigermaßen straff gespannt, ein Zeichen dafür, dass sie mit einem Huf auf dem Strick steht.

Sie hält nur kurz inne, aber das reicht offenbar, um sie vollkommen zu beruhigen, denn anschließend setzt sie sich in Bewegung, um das bereitliegende Heu zu inspizieren.

Man glaubt es kaum, es wirkt wie ein Wunder! Noch Sekunden vorher war dieses Pferd voller Panik, und schon beginnt es in aller Ruhe zu fressen.

Wie erklärte er das? „Auch hat er dadurch, dass er sich zurückgezogen hat, seine Körperspannung auf das nötige Maß reduziert. Ebenso habe ich mit einer entspannten Körpermitte, nachdem ich neben ihm Stand, mich langsam zurück bewegt, auf eine für das Pferd akzeptable Distanz.

Körperspannung, entspannte Körpermitte – nicht gerade geläufige Vokabeln im Zusammenhang mit Pferden. Wer aber von Körpersprache redet, bewegt sich in heimischen Gefilden. So sprechen Körper miteinander.

Wir Menschen sind nicht gerade Experten, wenn es um Körpersprache geht, aber ganz können wir darauf natürlich auch nicht verzichten, wenn wir miteinander umgehen, und deshalb sind wir auch nicht unbedingt Analphabeten in dieser Beziehung. Nur lassen wir uns oft von vielen anderen Dingen beeindrucken und ablenken und nehmen die Signale der Körpersprache, die wir meistens durchaus mitbekommen, nicht so ernst und wichtig, wie sie es verdienten.

Auf diese Weise ist es zum Beispiel leicht möglich, Menschen zu täuschen. Hinterher fragt man sich immer, wie man so einfach reingelegt werden konnte, warum man die deutlichen Signale nicht gesehen hat. Manchmal wird man auch nicht von anderen reingelegt, sondern legt sich selber rein; man übersieht deutliche Anzeichen, weil man sie übersehen will oder nicht wahrnehmen kann.

Körpersprache  oben 



Der Strick ist noch dran ...
... und die Stute extrem scheu
Wie kommt man an die dran?
Deshalb ist es so hilfreich, sich selbst zu beobachten; wenn man sich in einem Video oder auf einem Foto sieht, erkennt man sich oft gar nicht wieder. Um die allgemeine Ebene zu verlassen, will ich gerne bekennen, dass ich immer wieder entsetzt war, wenn ich, was selten genug geschah, Fotos von mir sah, weil meine Körperhaltung ganz deutlich Unsicherheit, Schwäche, Unterlegenheit signalisierte, die ich in dieser Situation auf keinen Fall hätte zeigen dürfen. Ganz konkret habe ich das Foto vor Augen, wo ich auf einer Messe mit einem Kunden spreche.

In dieser Situation war ich mir meiner Haltung mit Sicherheit gar nicht bewusst, aber vermutlich fühlte ich mich genau so, wie ich mich hielt. Mein Körper signalisierte also etwas, was meiner verbalen Kommunikation vermutlich nicht entsprach. Ob mein Gesprächspartner in der Lage war, meine Körpersprache bewusst wahrzunehmen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Vielleicht war er ebenfalls mit dem Gespräch als solchem voll ausgelastet, aber ich bin sicher, dass sein Unterbewusstsein meine doppelte Botschaft genau wahrgenommen hat.

Auch bezüglich der Körperspannung glaube ich zu wissen, wovon Neuhauser redet. Ich spüre sehr häufig, wie mein Körper zusammensinkt, wie krumm ich mich halte, und erinnere mich, dass ich mich schon als Heranwachsender gefragt habe, wie mein Vater sich so gerade halten kann. Ich habe ihn sogar einmal danach gefragt, und er hat mir geantwortet, dass es bei ihm eine Frage des Alters war. Das leuchtete mir ein; eine krumme Haltung ist Ausdruck von Unsicherheit und Selbstzweifel, und beides sollte sich mit zunehmendem Alter verlieren.

Theoretisch, denn wie man weiß, kann das Leben einem übel mitspielen. Wer erfolgreich ist und mächtig wird, der wird kaum Schwierigkeiten haben, dies auch durch seine Körpersprache zum Ausdruck zu bringen, und umgekehrt werden all diejenigen, die es schwer haben, ihr Schicksal auch durch ihre Körpersprache kommunizieren.

Im Umgang mit Pferden ist gern von Dominanz die Rede, und damit verbunden sind Sprüche, die den Menschen auffordern, sich dem Pferd gegenüber aufzuspielen, so wie der Cowboy das gemacht hat. Dass das nicht funktioniert, wird ja unter anderem auch aus dieser Sequenz deutlich. Wenn man aber ein unsicherer Mensch ist, kann man dann überhaupt mit Pferden arbeiten? Muss man erst Erfolg im Leben haben, um auch dem Pferd gegenüber erfolgreich zu sein?

Neuhauser macht es ja vor. Er bewegt sich nicht wie ein Schwergewichtsboxer oder Industriekapitän, sondern elastisch und leichtfüßig, bestimmt, aber nachgiebig. Er respektiert das Pferd, und lässt ihm seinen Raum. Das reicht natürlich nicht, um gemeinsam mit dem Pferd zu arbeiten, und wie er das hinbekommt, werden wir gleich sehen. Ich will hier nur ein zweites Beispiel angeben, um deutlich zu machen, dass Dominanzgehabe im herkömmlichen Sinne bei Pferden völlig unangebracht ist.

Jeder weiß, dass Pferde bei Kindern extrem vorsichtig und einfühlsam sind, aber nicht nur bei Kindern, sondern auch bei kranken und behinderten Menschen; gerade deshalb ist Therapie mit Pferden möglich und wirksam. Kinder und Kranke begegnen den Pferden, möchte ich behaupten, mit einer Körpersprache, die diese unmittelbar verstehen. Insbesondere respektieren sie das Pferd und wollen es gerade nicht dominieren. Man denke!

Und wie macht es Neuhauser? Das ist im Film sehr schön dokumentiert, obwohl die Bilder nicht immer so sind, wie man sie sich wünschen würde. So fehlt zum Beispiel der Übergang von der Verladeszene mit dem Heu, die wir bisher betrachtet haben, zur nächsten Sequenz, wo er wirklich mit dem Pferd Kontakt aufnimmt. Man weiß nicht, was dazwischen passierte, insbesondere wie viel Zeit dem Pferd gelassen wurde.

Es beginnt mit Bildern, die einfach nur irritieren. Man sieht im wesentlichen Latten und Pfosten. Dahinter agiert Neuhauser unsichtbar, man hört ihn nur, irgendwo muss auch das Pferd sein, man begreift, dass ein Metalltor offen ist, das geschlossen wird und einen schrecklichen Lärm macht, und außerdem befindet er sich mit dem Pferd offenbar in einem Korridor. Vermutlich konnte das Team diese Aufnahmen anders nicht machen. Man sieht, dass der Strick inzwischen über dem Nacken des Pferdes hängt, genauer über dem höchsten Punkt, dort wo der Druck am unangenehmsten und schmerzhaftesten ist.

Der Strick  oben 



Da tritt sie schon drauf ...
... der Druck kommt ...
... und der Schlag ...
... und sie weiß nicht wie
Und gleich noch mal ...
... und so weiter und so weiter
Es kann nicht lange dauern, bis das Pferd mit einem seiner vier Beine auf den Strick tritt und sich selbst einen Schlag ins Genick versetzt. Und da passiert es auch schon. Armes Pferd! Neuhauser versucht, es zu beruhigen:

Bleib mal du da. Ja so ist sie fein, nicht erschrecken. Nein Mädchen, du musst vorne bleiben. Ganz easy. Ja, es ist so eng herin, weist du. (Schreckliches Torklappern)

Sieht man manchmal mehr, wenn man den Ton abstellt, so könnte man hier das Bild abstellen, damit man sich auf die verbale Kommunikation konzentrieren kann. Habe ich vorhin von Liebe gesprochen, so kommt mir jetzt das Wort „Zärtlichkeit“ in den Sinn.

Neuhauser liebkost die Stute praktisch mit Worten, mit seiner Stimme, denn die Bedeutung der Worte kann sie natürlich nicht verstehen, egal in welcher Sprache, und er spricht selbstverständlich deutsch, denn dies ist seine Muttersprache, in der er sich am besten ausdrücken kann.

Es kommt natürlich auch gar nicht auf die Worte an, wie es beim liebevollen Zwiegespräch mit einem Kind oder einem Liebespartner auch weniger auf die Auswahl und den Sinn der Worte ankommt als vielmehr auf den Gefühlsgehalt, der damit verbunden ist und sich unter anderem in der Aussprache äußert, aber auch im Ton, in der Weichheit der Stimme, also in Qualitätsmomenten, die man sprachlich gar nicht fassen kann, die aber sehr stark wirken und auf die es wirklich ankommt.

Das kann man natürlich als Transkription, also als reine Buchstabenfolge nicht recht vermitteln, aber trotzdem wird deutlich, dass er das Pferd ernst nimmt, dass er mit ihm fühlt, dass er ihm liebend gerne helfen würde, wenn dieses es nur zulassen könnte.

Deshalb gebe ich hier einige Passagen aus seiner Ansprache wieder, aus denen man entnehmen kann, dass ihm auch einiges danebengelingt; sofort entschuldigt er sich bei dem Pferd, und zwar ganz ernsthaft.

Und schließlich wird die Sache etwas kompliziert, weil er versucht, gleichzeitig dem Kamerateam beziehungsweise Zuhörer zu erklären, was da gerade läuft. Als Zuschauer werde ich ganz unruhig dabei, ich wünsche mir, er würde beim Pferd bleiben, statt an mich zu denken.

Man kann ja auch nachträgliche Kommentare dazusprechen, und die gibt es auch, gesprochen von einer professionellen Sprecherin, aber die sind etwas kühl und nüchtern und marketingmäßig; der Kontrast ist aber insofern gut und interessant, weil man desto besser spürt, mit wie viel Gefühl Neuhauser bei der Sache ist, dass ihm wirklich etwas an dem Pferd liegt, dass er dem Pferd liebend gerne helfen möchte, vor allen Dingen mit diesem verdammten Strick.

Flüstern  oben 



Kontaktaufnahme: Sichere Distanz
Die Stute reagiert sofort ...
... und beginnt eine Volte ...
... achtet offenbar auf ihn ...
... schleppt den Strick ...
... und hält an
Jetzat, mei wie die blast hörst du des?

Ganz easy Mädchen, ja, langsam mit dem Strick gell, langsam, ja, langsam.

Heihei, der Strick ist kritisch.

Hoffentlich komm ich bald an sie dran das ich'n wegmachen kann.

(Schreckliches Torklappern)

Gut, ah, schau her.

Trotz des Mitgefühls und der langfristig unangenehmen Wirkung der Stricks versucht Neuhauser nicht sofort, sich dem Pferd so weit zu nähern, dass er ihn greifen und möglicherweise entfernen kann. Das hätte vermutlich auch gar nicht klappen können.

Stattdessen nimmt er auf die Distanz Kontakt auf, spricht mit dem Pferd und gestikuliert mit Händen und Gerte. Dazu produziert er Klickgeräusche mit dem Mund, die mir vorher schon aufgefallen waren.

Dabei handelt es sich nicht um die bedingte Konditionierung, die vom Wikipedia-Link» Klickertraining her bekannt ist, denn von Konditionierung kann ja gar keine Rede sein, sondern einfach nur um ein Mittel, die Aufmerksamkeit zu erhalten.

Das wilde Pferd, inzwischen auf den Namen „Cheyenne“ getauft, reagiert sofort und folgt seiner Einladung zu einer Volte. Natürlich schleppt es den Strick hinter sich her und hat in diesem Fall Glück, dass es nicht sofort drauftritt – am Ende aber doch, man sieht ganz deutlich, wie der Kopf zu Boden geschlagen wird. So ergibt sich eine leichte Kommunikation, ein Tanz, ein Aufeinander-Eingehen, das in der Tat jeglicher Gewalt, jeglichen Drucks entbehrt. Neuhauser achtet darauf, dem Pferd genug Distanz und jederzeit einen Ausweg zu lassen, so dass es mehr und mehr die Erfahrung machen kann, dass von seiner Seite keine Gefahr droht, dass man ihm vielleicht sogar trauen kann. Die ganze Sequenz, circa 50 Sekunden, als Video (2, 7 MB):

Dieser Text wird durch das Video ersetzt, sofern Wikipedia-Link» JavaScript nicht abgeschaltet und der Flash-Player installiert ist.


In der nächsten Woche will ich mir genauer anschauen, wie Neuhauser es schafft, das Vertrauen der Stute so weit zu gewinnen, dass er den Strick entfernen kann.

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Hans-Jürgen Neuhauser
  2. Magazin EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten
  3. Magazin  Leserbrief 2064
  4. » Oscar Scarpati Schmid
  5. Magazin EquiVoX-Link Doma India
  6. Magazin EquiVoX-Link Wohltäter des Pferdes
  7. Magazin EquiVoX-Link Die Sanftheit des Pferdes
  8. Wikipedia-Link» Liebe
  9. Wikipedia-Link» Klickertraining
  10. Magazin  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?, Die besondere Methode des Hans-Jürgen Neuhauser
    EquiVoX-Link Ausgabe 547 · Teil Teil 1
  11. Magazin  Die Empfindlichkeit der Pferde, Wie sind Pferde, wie geht man am besten mit ihnen um?
    EquiVoX-Link Ausgabe 548 · Teil Teil 2
  12. Magazin  Tanz – neu interpretiert, Körpersprache als Verständigungsmittel einander respektierender Wesen
    EquiVoX-Link Ausgabe 549 · Teil Teil 3
  13. Magazin  Ohne Zügel und Führstrick hilflos, Wenn's in der Herde funktioniert, dann muss es anders auch gehen
    EquiVoX-Link Ausgabe 550 · Teil Teil 4
  14. Magazin  Wie der Mensch das Pferd verwirrt, Die Kommunikation widersprüchlicher Botschaften
    EquiVoX-Link Ausgabe 551 · Teil Teil 5
  15. Magazin  Sei spontan! Komm raus!, Die Körpersprache des Cowboys als Beispiel für Double-Bind
    EquiVoX-Link Ausgabe 552 · Teil Teil 6


Abbildungen

Autorenhinweise m_red  » Werner Popken, EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten

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