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http://equivox.de/HauptartikelHauptartikel |
![]() Punktgenau zwischen den Pylonen hindurch |
![]() Neuhauser kann Körpersprache lehren |
![]() Aber hier geht was schief |
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Meine Töchter haben mir mal erklärt, dass ich nicht reiten könne, wenn ich nicht in der Lage sei, auf blankem Pferderücken zu reiten. Nicht im Schritt in der Halle, sondern in allen Gangarten im Gelände, wohlgemerkt, und zwar in bergigem Gelände. Unser Kann ich reiten? Keine Ahnung. Als der Gastgeber Ludwig Kriechbaumer vom › Pferdereich Mühlviertler Alm mich vom Bahnhof abholte und fragte, ob ich reiten könne, antwortete ich: „Ich weiß nicht, aber ich bin sicher, ich falle nicht herunter.“ Natürlich musste ich dort nicht ohne Sattel reiten, aber meine Töchter bestanden darauf. Auch ohne Sattel bin ich nicht heruntergefallen, aber ich kann nicht sagen, dass ich so festgeklebt hätte, wie meine Töchter das können. Dabei ist es auf meiner Hannoveranerstute oder dem Westfalenwallach meiner Tochter Merle noch einfacher, weil deren Rücken nicht so rund ist wie der Ponyrücken. Selbstverständlich halten wir uns alle nicht an den Zügeln fest; allerdings musste ich mich doch manchmal an der Mähne vergreifen, wenn es gar zu heftig zuging. Habe ich das Pferd dabei gestört? Vermutlich. Wie machen das meine Töchter? Warum können die ihre Pferde in jeder Gangart und in jedem Gelände auch ohne Sattel sitzen? Vermutlich Übung, verbunden mit frühem Einstieg – schließlich haben sie schon als Kinder geritten, ich erst als Erwachsener. Würde ich mehr üben, würde ich sicher besser werden. Außerdem muss man auch sein Pferd kennenlernen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie auf Anhieb jedes beliebige Pferd genauso gut sitzen könnten. Wie Neuhauser ein Pferd ohne Sattel im Trab oder Galopp sitzt, sieht man an manchen eingefügten Sequenzen ganz kurz (meist mit Casey), wie er bergauf und bergab bewältigt, gar nicht, weil es sich nicht so ergeben hat. Ich nehme aber an, er sitzt in jeder Gangart und in jedem Gelände genau so vorbildlich und störungsfrei wie im Schritt. Und wie macht man das? Offenbar indem man zunächst auf Zügel verzichtet. Neuhauser betont immer wieder, dass es ihm gar nicht auf das zügellose Reiten ankommt; dass er im Gegenteil bestimmte Figuren der anspruchsvollen Dressurkunst ohne Zügelhilfe gar nicht reiten kann. Bevor er einem Reitschüler die Zügel in die Hand gibt, muss dieser erst einmal frei sitzen können.
Körper koordinieren – was meint er damit? Das freie Sitzen in jeder Situation, wie ich das oben beschrieben habe? Das ist wohl zu viel verlangt. Wenn man etwas Schwieriges lernen will, fängt man am besten ganz klein an. Man zerlegt komplexe Sequenzen in einzelne Einheiten und nimmt sich jede einzelne detailliert vor, bevor man sich den nächsten widmet, um dann anschließend alles wieder zusammenzusetzen. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, wer sich nicht richtig vorbereitet, wird nie ankommen.
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Körpergefühl – was ist das eigentlich? Kennen Sie das Gefühl, wenn man sich im eigenen Körper unwohl fühlt? Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt? In meinen Artikeln habe ich schon mehrfach auf meine Erfahrung verwiesen, als ich Flamenco tanzen lernen sollte. Die Schritte konnte ich wohl ausführen, aber es fühlte sich nicht richtig an und es sah auch nicht richtig aus. Der Lehrer konnte mir seinerzeit nicht helfen. Zwar wusste er selbst, wie es ging, aber nicht, wie er mir das beibringen sollte, woran es lag, dass ich mich unwohl fühlte und es falsch aussah. Damals fand ich es schließlich selbst heraus. Der Flamencotänzer ist ein Macho, der seine Männlichkeit extrem nach außen kehrt, und wenn man nicht selbst zum Macho wird, gefühlsmäßig, kann man diese machohafte Wirkung des Flamencotanzes natürlich auch nicht zum Ausdruck bringen. Der Flamencotänzer ist ganz Spannung, Anspannung, um nicht zu sagen Prahlerei, Angeberei, Stolziererei. Und wie reitet man? Kommt drauf an. Kraftreiter reiten beispielsweise anders als Westernreiter. Der Begriff Kraftreiterei gefällt mir sehr gut. Ich habe sofort Dressurreiter der Spitzenklasse vor Augen. Diese Art von Reiten kam mir schon immer sehr pervers vor. Erinnern Sie sich daran, was Marion Neusiedler sagte?
Klare Worte, ehrliche Worte, eine gute Analyse dessen, wie es nicht sein soll und nicht sein darf und nicht sein kann – dass es so nicht geht, hat sie schließlich selbst eingesehen. Aber wer sieht das schon? Und wenn es nicht mit Kraft zu machen ist, wie dann?
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Auffällig ist, dass Neuhauser zwar ganz entspannt sitzt, aber seine Arme und Hände immer so hält, als müsse er die Zügel führen. Das sieht nicht nur merkwürdig aus, sondern scheint auch durchaus anstrengend zu sein. Warum lässt er die Arme nicht einfach fallen und legt die Hände auf die Oberschenkel? In Ausgabe 548 habe ich Ihnen unter der Überschrift bereits Fotos vorgestellt, die Neuhauser mit der typischen Zügelhaltung ohne Zügel zeigen, wobei er das Pferd zurückrichtet oder eine Volte reitet, wie man das mit Zügeln machen würde, und das Pferd reagiert genau so, mit den Luftzügeln, als wären wirkliche Zügel angelegt. Anschließend macht er das Ganze noch einmal mit der typischen Haltung eines Westernreiters vor, der einhändig reitet. Anreiten, Stoppen, Anreiten, Wendung. Ganz offensichtlich sind die Körpersignale, die durch die Luftzügelführung gegeben werden, für das Pferd völlig ausreichend. Dazu müssen diese aber natürlich klar genug gegeben werden. Der Physiotherapeut hatte das ja am Beispiel der Rumpfdrehung ohne Beckenbewegung ganz deutlich herausgearbeitet: „Weil das hätte wieder einen Einfluss auf das was das Pferd macht.“ So langsam kristallisiert sich also die Eigenart dieser Sprache heraus: Wenn der Mensch mit Luftzügeln spielt und dabei sein Becken und seinen Oberkörper verkrümmt, muss er sich nicht wundern, wenn das Pferd ihn nicht versteht. Die Körperbeherrschung, die Neuhauser als Zeitlupenakrobat hat entwickeln müssen, ließ ihn die Feinheiten entdecken, die die Verständigung mit dem Pferd ermöglichen. Natürlich ist Neuhauser nicht der erste und einzige, der das herausgefunden hat. Auch Sie werden Momente erlebt haben, wo Sie dieser Art körperlicher Kommunikation mit Ihrem Pferd mehr oder weniger zufällig entdeckt haben. Solche Momente können Glücksgefühle auslösen – es fühlt sich einfach wunderbar an, wenn diese Art von Kommunikation aufscheint. Dabei handelt es sich nach meiner Erinnerung nicht um bewusste Kommunikation, also den gezielten Einsatz von dieser oder jener Bewegung, sondern eher um etwas ganz Natürliches, was sich so einfach ergibt. Wenn man ein Instrument lernt oder einen Tanz, dann geht es zu Anfang nur darum, die Grundlagen zu beherrschen, also beispielsweise die richtigen Tasten auf dem Klavier zu treffen oder die richtige Bewegungsfolge abzuspulen. Musik ist das noch nicht, Tanz auch nicht. Erst dann, wenn die Musik sich selbst spielt, wenn der Tanz sich selbst tanzt, wird Musik und Tanz daraus, entstehen Glücksgefühle. Es kann natürlich sein, dass Sie so etwas noch nie erlebt haben. Bei mir hat es lange gedauert; in der Tanzstunde war ich eher verkrampft, und auf den Fotos vom Abschlussball sieht man das auch. Als ich das erste Mal mich in die Musik und den Tanz habe hineinfallen lassen können, war das ein völlig neues Erlebnis. Ich tat gar nichts mehr, ich ließ es geschehen. Und so entstanden Bewegungen und Bewegungsfolgen, die unmittelbar zum Sturz geführt hätten, wenn ich nur einmal darüber nachgedacht hätte, wenn ich den Fluss unterbrochen hätte, um zu überlegen, was ich als nächstes tun wollte. Dieses Erlebnis war natürlich unvergesslich, und ich wollte es unbedingt wiederholen. Glücklicherweise hatte ich begriffen, worauf es ankam, und konnte es tatsächlich mehr oder weniger nach Belieben wiederholen. Ich konnte es nicht machen, aber ich konnte die Bedingungen dafür herstellen und mich dann dem Geschehen überlassen. Die Atmosphäre war natürlich nicht unwichtig, die Musik musste geeignet sein, und dann musste ich irgendwie in die Sache hinein kommen. Wenn ich mich auf die Tanzfläche stellte, war ich gewissermaßen kalt. Ich versuchte nichts zu forcieren, sondern wartete ab, bis ich merkte, dass die Musik mich aufforderte, mich ihr anheimzugeben. Ganz allmählich fing mein Körper an, sich zu bewegen, und immer mehr überließ ich mich diesem Fluss, bis ich dann richtig in Fahrt kam. Dann ergab sich alles andere von selbst, solange ich mich in das Geschehen nicht einmischte. |
Standardbeispiel: „Mir geht es gut!“ – wo doch selbst ein Blinder mit dem Krückstock sehen kann, wie schlecht es mir geht. Übertragen auf das Pferd: Kann das Pferd uns glauben, uns verstehen, wenn wir uns auf seinem Rücken verspannen, unruhig und unmotiviert hin und her rutschen, verärgert oder verzweifelt sind? Im Sattel kann das Pferd mich nicht sehen, dafür aber umso besser spüren. Große Gesten, wie sie bei der Bodenarbeit möglich sind, verbieten sich von ganz allein. Winzige Änderungen im Gleichgewicht, im Winkel des Beckens, in der Drehung der Wirbelsäule, des Kopfes, der Arme spielen dafür eine desto größere Rolle, sofern das Pferd eine Chance hat, diese minimalen Einwirkungen wahrzunehmen. Von den Möglichkeiten der Einwirkung der Beine will ich hier gar nicht reden – die spielen bekanntlich auch im herkömmlichen Ausbildungswesen eine ganz bedeutende Rolle: Gleich stellt sich bei mir das Bild der schweren Reitstiefel ein, die rhythmisch und ununterbrochen mit großer Gewalt und Nachdruck auf den Pferdebauch eindreschen. Als Kontrastbild ist das sicher sehr gut geeignet. Sieht so feine Kommunikation aus? Geht man so mit jemandem um, der einem so treu dient und gerne verstehen möchte, was man will? Für Hans-Jürgen Neuhauser sind zwei Dinge wichtig: Dem Pferd erstens so deutlich wie möglich zu sagen, was man von ihm will, und es zweitens bei der Ausführung möglichst wenig zu stören. Ein unabhängiger Sitz ist für beide Anliegen unabdingbar. Selbstverständlich legen auch andere, wenn nicht alle Reitlehren den allergrößten Wert auf einen unabhängigen Sitz. Der Unterschied liegt vielleicht in der Intention: Bei Neuhauser geht es darum, dem Pferd klar und präzise zu kommunizieren, was man von ihm möchte, und dazu gilt es, das „Rauschen“ zu minimieren, um dem „Signal“ eine Chance zu geben. So können die Signale immer leiser werden und trotzdem deutlich verstanden werden. Signal und Rauschen sind zentrale Begriffe der Informationstechnologie; auch hier geht es um Kommunikation. Am besten verdeutliche ich das Problem an einem Beispiel: Gestern Abend telefonierte ich ein halbes Dutzend Mal mit jemandem, mit dem ich schon oft und am Abend vorher das letzte Mal telefoniert hatte. Immer mit einem ganz ausgezeichneten Signal-/Rausch-Verhältnis; will sagen, die Tonqualität war ausgezeichnet. Aber gestern Abend erlebte ich etwas, das ich noch nie in meinem ganzen langen Leben erlebt habe: Ich hörte nur Rauschen, und zwar ganz schreckliches, lautes Rauschen, und wenn ich mir die größte Mühe gab, konnte ich mir vorstellen, dass am anderen Ende jemand auch etwas sagte, aber ich konnte es nicht verstehen, weil es zu undeutlich war und total vom Rauschen überlagert, ich konnte noch nicht mal genau identifizierten, ob es sich um die bekannte Person handelte. Wir haben das Gespräch immer wieder abgebrochen und neu gewählt, und immer wieder war es dasselbe Resultat. Wir wollten uns eigentlich verabreden, aber es war unmöglich. Null Kommunikation. Dieses Bild eignet sich vielleicht ganz gut dazu, um es auf unser Verhältnis zum Pferd zu übertragen. Wenn unsere Kommunikation für das Pferd nur Rauschen und kaum Signal enthält, dürfen wir uns da wundern, wenn das Pferd uns nicht versteht? |
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