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Presseinfos News: Susanne Hennig

Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 556, erschienen am 23.11.2009

Magazin  Ausgabe 556

Zur Stärkung von Körperbeherrschung,
Körperbewusstsein und Körpergefühl

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Der richtige Sitz
  2. Abschnitt  Der Sitz
  3. Abschnitt  Körpergefühl
  4. Abschnitt  Körperbeherrschung
  5. Abschnitt  Nicht stören
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 547:
Hauptartikel  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 548:
Hauptartikel  Die Empfindlichkeit der Pferde

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 549:
Hauptartikel  Tanz – neu interpretiert

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 550:
Hauptartikel  Ohne Zügel und Führstrick hilflos

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 551:
Hauptartikel  Wie der Mensch das Pferd verwirrt

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 552:
Hauptartikel  Sei spontan! Komm raus!

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 553:
Hauptartikel  Arbeit mit der wilden Mustang-Stute

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 554:
Hauptartikel  Neuhauser und Monty Roberts: Ein Vergleich

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 555:
Hauptartikel  Es muss jetzt irgendwas passieren

Teil Teil 10
Der richtige Sitz

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 557:
Hauptartikel  Gefährliche Hengste in Arabien

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 558:
Hauptartikel  Der Trick mit der Tröte

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 559:
Hauptartikel  Experten und Könner

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 560:
Hauptartikel  Über den Umgang mit der Kreatur

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 561:
Hauptartikel  Qualität und dualistische Trennung

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 563:
Hauptartikel  Muss man sich anstrengen?

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 564:
Hauptartikel  Die Leichtigkeit der Zähmung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 565:
Hauptartikel  Über Dominanz und Vertrauen

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 566:
Hauptartikel  Denkstile und Denkkollektive

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 567:
Hauptartikel  Die Nagelprobe

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 568:
Hauptartikel  Jeder hat eine besondere Gabe
http://equivox.de/Hauptartikel

Hauptartikel oben 

Punktgenau zwischen den Pylonen hindurch
Neuhauser kann Körpersprache lehren
Aber hier geht was schief
Der richtige Sitz

Körpersprache setzt Körperbeherrschung voraus

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Pferdeflüsterer



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


» Hans-Jürgen Neuhauser setzt auf Körpersprache, um mit dem Pferd zu kommunizieren. Das leuchtet ein, da ja die Pferde untereinander ebenfalls Körpersprache einsetzen. Zweifelhaft bleibt nur, was hier mit Körpersprache gemeint ist. Eine Sprache besteht aus Wörtern und Sätzen, die einen Sinn haben. Genau so eine Körpersprache meint Neuhauser, zusammengesetzt aus Wörtern und Sätzen, die einen eindeutigen Sinn ergeben.

Allerdings zeigt er auf seiner EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten nicht, wie das Vokabular aussieht und gelernt werden muss, was die Wörter sind und wie man sie zu Sätzen zusammenbaut. Jedenfalls ist mir das bisher nicht deutlich geworden. Immerhin ist er in der Lage, Pferde nicht nur vom Boden, sondern auch vom Rücken aus ohne alle Hilfsmittel „punktgenau“ , wie er sagt, zu steuern.

Dafür gibt es auf der DVD viele Beispiele; er gibt sich große Mühe, dieses Vermögen auch dem Zuschauer am Bildschirm deutlich werden zu lassen. Dazu sagt er vorher genau an, wo das Pferd laufen soll, etwa ganz dicht an den Pylonen außen vorbei oder zwischen den beiden eng beieinander liegenden Stangen hindurch oder aber beim nächsten Mal – um die Vermutung, es handele sich hier um einen simplen Zirkustrick, zu widerlegen – ganz eng rechts oder links vorbei, und zwar unabhängig davon, ob er auf dem Pferd sitzt oder es vom Boden aus dirigiert.

Wie wir in den vergangenen Artikeln schon gesehen haben (und was in seinem Logo auch thematisiert wird), arbeitet er vom Boden aus sehr mit Händen und Fingern. Natürlich setzt er zusätzlich den gesamten Körper ein; in der letzten Woche haben wir gesehen, dass er die in vielen Büchern vorgetragene Behauptung, dass Pferde von hinten getrieben und von vorne gestoppt werden, als „Blödsinn“ abqualifiziert und selbst in einer stressigen Kurssituation zeigen kann, dass er recht hat. Er kann das Pferd mit seiner Körpersprache ohne Probleme aus der vorderen Position antreiben und aus der hinteren stoppen, aber nicht nur das: Er kann es auch zu einer Volte einladen.

Das ist alles wunderbar, und wenn er das seinen Schülern vermitteln kann, ist es fantastisch. Die DVD beweist an mehreren Stellen, dass er das kann. Wie lange seine Schüler dafür gebraucht haben, bleibt allerdings offen. Immerhin sehen wir eine Frau aus der Vogelperspektive, wie sie ein Pferd genau so wie Hans-Jürgen Neuhauser um die Pylonen führt, und das Pferd folgt ihr beziehungsweise ihrer Hand oder ihrem Finger recht gut, wie von Neuhauser gezeigt. Ziemlich lange jedenfalls. Durchaus unerwartet, aber dennoch vollkommen überzeugend sehen wir, wie das Pferd an einer Stelle die Mitarbeit aufgibt und seiner eigenen Wege geht, sehr zur Verblüffung der führenden Frau. Was ist hier passiert? Erst klappte doch alles wie geschmiert, und dann plötzlich dieses!

Sprecherin: Um diese Körpersprache fließend zu beherrschen, alle Nuancen zu kennen ist ein intensives Training nötig. Ein falscher Fußtritt genügt um das Pferd in seiner Bewegung zu blockieren oder in die falsche Richtung zu steuern.
DVD HJN-Reiten, Gesamttext

Aha! Das leuchtet ein! Wer eine Sprache beherrschen will, braucht dazu einige Übung. Bis es soweit ist, leistet man sich immer wieder Schnitzer, große und kleine, und solange das so ist, muss man sich über Verständigungsschwierigkeiten nicht wundern.

Der Sitz  oben 



Neuhauser im Galopp (Einblendung)
Lockerer Sitz
Frei getragene Hände
Sobald Neuhauser jedoch auf dem Rücken des Pferdes sitzt, erkennt man nicht mehr so leicht, was er tut. Man sieht, dass er den während der Vorführung spontan entwickelten Parcours fehlerfrei wie angesagt abreitet, man erkennt, dass er ziemlich regungslos sitzt, gewissermaßen wie festgeklebt, seine Beine hängen entspannt herab – ganz so wie meine Tochter Leevke etwa auf ihrem Connemara Smokey sitzt.

Meine Töchter haben mir mal erklärt, dass ich nicht reiten könne, wenn ich nicht in der Lage sei, auf blankem Pferderücken zu reiten. Nicht im Schritt in der Halle, sondern in allen Gangarten im Gelände, wohlgemerkt, und zwar in bergigem Gelände. Unser Wikipedia-Link» Wiehengebirge ist zwar nicht besonders hoch, aber zwischen Minden und Osnabrück wimmelt es von kleinen Straßen mit extremen Serpentinen, die sich mit jeder Serpentinen-gespickten Alpenstraße messen können.

Kann ich reiten? Keine Ahnung. Als der Gastgeber Ludwig Kriechbaumer vom  Pferdereich Mühlviertler Alm mich vom Bahnhof abholte und fragte, ob ich reiten könne, antwortete ich: „Ich weiß nicht, aber ich bin sicher, ich falle nicht herunter.“ Natürlich musste ich dort nicht ohne Sattel reiten, aber meine Töchter bestanden darauf. Auch ohne Sattel bin ich nicht heruntergefallen, aber ich kann nicht sagen, dass ich so festgeklebt hätte, wie meine Töchter das können. Dabei ist es auf meiner Hannoveranerstute oder dem Westfalenwallach meiner Tochter Merle noch einfacher, weil deren Rücken nicht so rund ist wie der Ponyrücken.

Selbstverständlich halten wir uns alle nicht an den Zügeln fest; allerdings musste ich mich doch manchmal an der Mähne vergreifen, wenn es gar zu heftig zuging. Habe ich das Pferd dabei gestört? Vermutlich. Wie machen das meine Töchter? Warum können die ihre Pferde in jeder Gangart und in jedem Gelände auch ohne Sattel sitzen? Vermutlich Übung, verbunden mit frühem Einstieg – schließlich haben sie schon als Kinder geritten, ich erst als Erwachsener. Würde ich mehr üben, würde ich sicher besser werden. Außerdem muss man auch sein Pferd kennenlernen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie auf Anhieb jedes beliebige Pferd genauso gut sitzen könnten.

Wie Neuhauser ein Pferd ohne Sattel im Trab oder Galopp sitzt, sieht man an manchen eingefügten Sequenzen ganz kurz (meist mit Casey), wie er bergauf und bergab bewältigt, gar nicht, weil es sich nicht so ergeben hat. Ich nehme aber an, er sitzt in jeder Gangart und in jedem Gelände genau so vorbildlich und störungsfrei wie im Schritt. Und wie macht man das?

Offenbar indem man zunächst auf Zügel verzichtet. Neuhauser betont immer wieder, dass es ihm gar nicht auf das zügellose Reiten ankommt; dass er im Gegenteil bestimmte Figuren der anspruchsvollen Dressurkunst ohne Zügelhilfe gar nicht reiten kann. Bevor er einem Reitschüler die Zügel in die Hand gibt, muss dieser erst einmal frei sitzen können.

HJN: Bei mir lernen die Leute erst, ihren Körper zu koordinieren, dann ohne Zügel zu reiten, dann bekommen sie den sogenannten äußeren Zügel und dann erst dürfen, bekommen sie den inneren dran, wenn sie den Rest koordinieren können. Der Zügel ist wichtig. Aber, er ist nur eine Informationsinstanz, der Zügel ist das "i Tüpfelchen" für, gerade wenn`s in den Pirouettenbereich geht, gerade wenn`s in Seitengänge geht, braucht man den.

Sprecherin: Mit soviel Fingerspitzengefühl wird auch das Pferd mit der Zeit immer feinfühliger.
a.a.O.

Körper koordinieren – was meint er damit? Das freie Sitzen in jeder Situation, wie ich das oben beschrieben habe? Das ist wohl zu viel verlangt. Wenn man etwas Schwieriges lernen will, fängt man am besten ganz klein an. Man zerlegt komplexe Sequenzen in einzelne Einheiten und nimmt sich jede einzelne detailliert vor, bevor man sich den nächsten widmet, um dann anschließend alles wieder zusammenzusetzen. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, wer sich nicht richtig vorbereitet, wird nie ankommen.

Sprecherin: Die enorme Körperwahrnehmung die zum kommunizieren mit dem Pferd nötig ist bereitet den meisten zu Anfang Schwierigkeiten. Als Hans-Jürgen Neuhauser das bemerkt wendet er sich an einen befreundeten Physiotherapeuten um die Blockaden im Körpergefühl seiner Schüler zu lösen.
a.a.O.

Körpergefühl  oben 



Corvin Mandel trainiert
Marion Neusiedler übt: Rumpf drehen ...
... Becken fest: auf Sharis
Aha! Neuhauser kommt alleine nicht weiter. Er bemerkt zwar die Schwierigkeiten, kann sie aber nicht unmittelbar lösen. Kennen Sie einen Pferdeflüsterer, der so weit gekommen ist? Kennen Sie einen Reitlehrer, der die Körperprobleme seiner Schüler wahrnimmt und direkt angeht? Ich schon. Nehmen Sie zum Beispiel Mary Wanless; in ihren Büchern, zum Beispiel EquiVoX-Link Wanless, Mary: Ride with YOUR MIND, geht es auch um das Körpergefühl des Reiters. Oder Sally Swift: Auch in ihren Büchern EquiVoX-Link Swift, Sally: Reiten aus der Körpermitte: Pferd und Reiter im Gleichgewicht und EquiVoX-Link Swift, Sally: Reiten aus der Körpermitte: Perfektion im Sattel ist sehr viel davon die Rede.

Körpergefühl – was ist das eigentlich? Kennen Sie das Gefühl, wenn man sich im eigenen Körper unwohl fühlt? Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt? In meinen Artikeln habe ich schon mehrfach auf meine Erfahrung verwiesen, als ich Flamenco tanzen lernen sollte. Die Schritte konnte ich wohl ausführen, aber es fühlte sich nicht richtig an und es sah auch nicht richtig aus. Der Lehrer konnte mir seinerzeit nicht helfen. Zwar wusste er selbst, wie es ging, aber nicht, wie er mir das beibringen sollte, woran es lag, dass ich mich unwohl fühlte und es falsch aussah.

Damals fand ich es schließlich selbst heraus. Der Flamencotänzer ist ein Macho, der seine Männlichkeit extrem nach außen kehrt, und wenn man nicht selbst zum Macho wird, gefühlsmäßig, kann man diese machohafte Wirkung des Flamencotanzes natürlich auch nicht zum Ausdruck bringen. Der Flamencotänzer ist ganz Spannung, Anspannung, um nicht zu sagen Prahlerei, Angeberei, Stolziererei.

Und wie reitet man? Kommt drauf an. Kraftreiter reiten beispielsweise anders als Westernreiter. Der Begriff Kraftreiterei gefällt mir sehr gut. Ich habe sofort Dressurreiter der Spitzenklasse vor Augen. Diese Art von Reiten kam mir schon immer sehr pervers vor. Erinnern Sie sich daran, was Marion Neusiedler sagte?

Marion Neusiedler, Besitzerin von Sharis:
Ich hab dann auch vieles ausprobiert, hab ihn auf die herkömmliche Art und Weise ausbilden lassen. Ich selber habe auch auf die Art und Weise Reitunterricht genommen, was dann mit immer mehr Kraftaufwand verbunden war, weil er immer mehr zugemacht hat. Ich hab am Schluss schon einen Körper gehabt wie ein Bodybuilder als wäre ich jeden Tag im Fitnessstudio, solche Oberarme und äh Schultern und das Rückgrat war, also es war einfach Wahnsinn. Weil man irgendwie alles mit Kraft kompensieren musste was halt übers normale Verständnis nicht mehr funktioniert hat.

Und ähm vor ungefähr zwei Jahren ging dann von einem auf den anderen Tag überhaupt nichts, er hat zwar vordergründig mitgemacht und hat vordergründig Lektionen geschafft. Er ist ja Englisch ausgebildet, für englisches Dressurreiten, hat Lektionen absolviert aber man hat halt gemerkt du kannst ihn nicht übern Rücken reiten, du kannst ihn nicht am Zügel, du kannst ihn nicht mehr stellen. Es wurde halt alles einfach immer mehr eine Kraftsache.
EquiVoX-Link Vorübung

Klare Worte, ehrliche Worte, eine gute Analyse dessen, wie es nicht sein soll und nicht sein darf und nicht sein kann – dass es so nicht geht, hat sie schließlich selbst eingesehen. Aber wer sieht das schon? Und wenn es nicht mit Kraft zu machen ist, wie dann?

Corvin Mandel, Physiotherapeut: Reiten hat viel mit Körperbeherrschung und Körperhaltung zu tun und ja verschiedene Körperregionen unabhängig voneinander zu bewegen also das ist jetzt speziell die Arbeit vom Hans-Jürgen und äh ja, das lernen die hier oder üben das hier zusätzlich. Also was jetzt zum Beispiel da im Hintergrund abläuft, das ist eine Übung wo die Rotation des Rumpfs geübt wird ohne das sich das Becken irgendwie verändert oder bewegt. Weil das hätte wieder einen Einfluss auf das was das Pferd macht.
a.a.O.

Körperbeherrschung  oben 



Neuhauser reitet Schritt
Körperbeherrschung, Körperhaltung, Körpergefühl. Einfluss auf das Pferd. Das Pferd spürt eine Fliege. Es spürt auch winzigste Veränderungen im Körper des Reiters. Kein Wunder, dass der Reiter erst einmal seinen Körpergefühl entwickeln muss. Wenn der Reiter nicht weiß, was er tut, wenn er gar nicht spürt, was er macht, wenn er sich dessen gar nicht bewusst ist, kann er nicht wirklich kommunizieren.

Marion Neusiedler, Besitzerin von Sharis: Er reagiert auf ganz, ganz feine Hilfen, eigentlich Hilfen die ich noch ja kaum in der Lage bin zu geben, weil immer dann wenn ich meine ich mach nichts das ist für ihn immer noch ein Erdbeben. Also er reagiert auf, auf einen Hauch, im Grunde genommen genügen schon fast Gedanken das es dann, laut gedacht reicht`s und ähm was sich sehr stark verändert hat ist natürlich meine Einstellung.
a.a.O.

Auffällig ist, dass Neuhauser zwar ganz entspannt sitzt, aber seine Arme und Hände immer so hält, als müsse er die Zügel führen. Das sieht nicht nur merkwürdig aus, sondern scheint auch durchaus anstrengend zu sein. Warum lässt er die Arme nicht einfach fallen und legt die Hände auf die Oberschenkel?

In Ausgabe 548 habe ich Ihnen unter der Überschrift bereits Fotos vorgestellt, die Neuhauser mit der typischen Zügelhaltung ohne Zügel zeigen, wobei er das Pferd zurückrichtet oder eine Volte reitet, wie man das mit Zügeln machen würde, und das Pferd reagiert genau so, mit den Luftzügeln, als wären wirkliche Zügel angelegt. Anschließend macht er das Ganze noch einmal mit der typischen Haltung eines Westernreiters vor, der einhändig reitet. Anreiten, Stoppen, Anreiten, Wendung.

Ganz offensichtlich sind die Körpersignale, die durch die Luftzügelführung gegeben werden, für das Pferd völlig ausreichend. Dazu müssen diese aber natürlich klar genug gegeben werden. Der Physiotherapeut hatte das ja am Beispiel der Rumpfdrehung ohne Beckenbewegung ganz deutlich herausgearbeitet: „Weil das hätte wieder einen Einfluss auf das was das Pferd macht.

So langsam kristallisiert sich also die Eigenart dieser Sprache heraus: Wenn der Mensch mit Luftzügeln spielt und dabei sein Becken und seinen Oberkörper verkrümmt, muss er sich nicht wundern, wenn das Pferd ihn nicht versteht. Die Körperbeherrschung, die Neuhauser als Zeitlupenakrobat hat entwickeln müssen, ließ ihn die Feinheiten entdecken, die die Verständigung mit dem Pferd ermöglichen.

Natürlich ist Neuhauser nicht der erste und einzige, der das herausgefunden hat. Auch Sie werden Momente erlebt haben, wo Sie dieser Art körperlicher Kommunikation mit Ihrem Pferd mehr oder weniger zufällig entdeckt haben. Solche Momente können Glücksgefühle auslösen – es fühlt sich einfach wunderbar an, wenn diese Art von Kommunikation aufscheint.

Dabei handelt es sich nach meiner Erinnerung nicht um bewusste Kommunikation, also den gezielten Einsatz von dieser oder jener Bewegung, sondern eher um etwas ganz Natürliches, was sich so einfach ergibt. Wenn man ein Instrument lernt oder einen Tanz, dann geht es zu Anfang nur darum, die Grundlagen zu beherrschen, also beispielsweise die richtigen Tasten auf dem Klavier zu treffen oder die richtige Bewegungsfolge abzuspulen. Musik ist das noch nicht, Tanz auch nicht. Erst dann, wenn die Musik sich selbst spielt, wenn der Tanz sich selbst tanzt, wird Musik und Tanz daraus, entstehen Glücksgefühle.

Es kann natürlich sein, dass Sie so etwas noch nie erlebt haben. Bei mir hat es lange gedauert; in der Tanzstunde war ich eher verkrampft, und auf den Fotos vom Abschlussball sieht man das auch. Als ich das erste Mal mich in die Musik und den Tanz habe hineinfallen lassen können, war das ein völlig neues Erlebnis. Ich tat gar nichts mehr, ich ließ es geschehen. Und so entstanden Bewegungen und Bewegungsfolgen, die unmittelbar zum Sturz geführt hätten, wenn ich nur einmal darüber nachgedacht hätte, wenn ich den Fluss unterbrochen hätte, um zu überlegen, was ich als nächstes tun wollte.

Dieses Erlebnis war natürlich unvergesslich, und ich wollte es unbedingt wiederholen. Glücklicherweise hatte ich begriffen, worauf es ankam, und konnte es tatsächlich mehr oder weniger nach Belieben wiederholen. Ich konnte es nicht machen, aber ich konnte die Bedingungen dafür herstellen und mich dann dem Geschehen überlassen. Die Atmosphäre war natürlich nicht unwichtig, die Musik musste geeignet sein, und dann musste ich irgendwie in die Sache hinein kommen. Wenn ich mich auf die Tanzfläche stellte, war ich gewissermaßen kalt. Ich versuchte nichts zu forcieren, sondern wartete ab, bis ich merkte, dass die Musik mich aufforderte, mich ihr anheimzugeben. Ganz allmählich fing mein Körper an, sich zu bewegen, und immer mehr überließ ich mich diesem Fluss, bis ich dann richtig in Fahrt kam. Dann ergab sich alles andere von selbst, solange ich mich in das Geschehen nicht einmischte.

Nicht stören  oben 



Unabhängiger Sitz und ...
... Luftzügel
Körpersprache: Pass auf!
Und Stopp!
Komm her!
Und gut ist!
Ist Kommunikation ein bewusster Vorgang oder läuft Kommunikation eher unbewusst ab? Offensichtlich beides. Wobei wir oft der Meinung sind, unsere Botschaft ganz deutlich kommuniziert zu haben, während das Resultat zeigt, dass dem nicht so ist. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass wir verbal zwar das eine sagen, der Körper dem aber vehement widerspricht.

Standardbeispiel: „Mir geht es gut!“ – wo doch selbst ein Blinder mit dem Krückstock sehen kann, wie schlecht es mir geht. Übertragen auf das Pferd: Kann das Pferd uns glauben, uns verstehen, wenn wir uns auf seinem Rücken verspannen, unruhig und unmotiviert hin und her rutschen, verärgert oder verzweifelt sind?

Im Sattel kann das Pferd mich nicht sehen, dafür aber umso besser spüren. Große Gesten, wie sie bei der Bodenarbeit möglich sind, verbieten sich von ganz allein. Winzige Änderungen im Gleichgewicht, im Winkel des Beckens, in der Drehung der Wirbelsäule, des Kopfes, der Arme spielen dafür eine desto größere Rolle, sofern das Pferd eine Chance hat, diese minimalen Einwirkungen wahrzunehmen.

Von den Möglichkeiten der Einwirkung der Beine will ich hier gar nicht reden – die spielen bekanntlich auch im herkömmlichen Ausbildungswesen eine ganz bedeutende Rolle: Gleich stellt sich bei mir das Bild der schweren Reitstiefel ein, die rhythmisch und ununterbrochen mit großer Gewalt und Nachdruck auf den Pferdebauch eindreschen. Als Kontrastbild ist das sicher sehr gut geeignet. Sieht so feine Kommunikation aus? Geht man so mit jemandem um, der einem so treu dient und gerne verstehen möchte, was man will?

Für Hans-Jürgen Neuhauser sind zwei Dinge wichtig: Dem Pferd erstens so deutlich wie möglich zu sagen, was man von ihm will, und es zweitens bei der Ausführung möglichst wenig zu stören. Ein unabhängiger Sitz ist für beide Anliegen unabdingbar. Selbstverständlich legen auch andere, wenn nicht alle Reitlehren den allergrößten Wert auf einen unabhängigen Sitz.

Der Unterschied liegt vielleicht in der Intention: Bei Neuhauser geht es darum, dem Pferd klar und präzise zu kommunizieren, was man von ihm möchte, und dazu gilt es, das „Rauschen“ zu minimieren, um dem „Signal“ eine Chance zu geben. So können die Signale immer leiser werden und trotzdem deutlich verstanden werden.

Signal und Rauschen sind zentrale Begriffe der Informationstechnologie; auch hier geht es um Kommunikation. Am besten verdeutliche ich das Problem an einem Beispiel: Gestern Abend telefonierte ich ein halbes Dutzend Mal mit jemandem, mit dem ich schon oft und am Abend vorher das letzte Mal telefoniert hatte. Immer mit einem ganz ausgezeichneten Signal-/Rausch-Verhältnis; will sagen, die Tonqualität war ausgezeichnet.

Aber gestern Abend erlebte ich etwas, das ich noch nie in meinem ganzen langen Leben erlebt habe: Ich hörte nur Rauschen, und zwar ganz schreckliches, lautes Rauschen, und wenn ich mir die größte Mühe gab, konnte ich mir vorstellen, dass am anderen Ende jemand auch etwas sagte, aber ich konnte es nicht verstehen, weil es zu undeutlich war und total vom Rauschen überlagert, ich konnte noch nicht mal genau identifizierten, ob es sich um die bekannte Person handelte. Wir haben das Gespräch immer wieder abgebrochen und neu gewählt, und immer wieder war es dasselbe Resultat. Wir wollten uns eigentlich verabreden, aber es war unmöglich. Null Kommunikation.

Dieses Bild eignet sich vielleicht ganz gut dazu, um es auf unser Verhältnis zum Pferd zu übertragen. Wenn unsere Kommunikation für das Pferd nur Rauschen und kaum Signal enthält, dürfen wir uns da wundern, wenn das Pferd uns nicht versteht?

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Hans-Jürgen Neuhauser
  2. Magazin EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten
  3. DVD HJN-Reiten, Gesamttext
  4. Wikipedia-Link» Wiehengebirge
  5. Magazin  Mühlviertler Alm
  6. Magazin EquiVoX-Link Wanless, Mary: Ride with YOUR MIND
  7. Magazin EquiVoX-Link Swift, Sally: Reiten aus der Körpermitte: Pferd und Reiter im Gleichgewicht
  8. Magazin EquiVoX-Link Swift, Sally: Reiten aus der Körpermitte: Perfektion im Sattel
  9. Magazin EquiVoX-Link Vorübung
  10. Magazin  Kommunikation: Flüstern oder signalisieren?, Die besondere Methode des Hans-Jürgen Neuhauser
    EquiVoX-Link Ausgabe 547 · Teil Teil 1
  11. Magazin  Die Empfindlichkeit der Pferde, Wie sind Pferde, wie geht man am besten mit ihnen um?
    EquiVoX-Link Ausgabe 548 · Teil Teil 2
  12. Magazin  Tanz – neu interpretiert, Körpersprache als Verständigungsmittel einander respektierender Wesen
    EquiVoX-Link Ausgabe 549 · Teil Teil 3
  13. Magazin  Ohne Zügel und Führstrick hilflos, Wenn's in der Herde funktioniert, dann muss es anders auch gehen
    EquiVoX-Link Ausgabe 550 · Teil Teil 4
  14. Magazin  Wie der Mensch das Pferd verwirrt, Die Kommunikation widersprüchlicher Botschaften
    EquiVoX-Link Ausgabe 551 · Teil Teil 5
  15. Magazin  Sei spontan! Komm raus!, Die Körpersprache des Cowboys als Beispiel für Double-Bind
    EquiVoX-Link Ausgabe 552 · Teil Teil 6
  16. Magazin  Arbeit mit der wilden Mustang-Stute, Wie Neuhausers Methode im Wilden Westen funktioniert
    EquiVoX-Link Ausgabe 553 · Teil Teil 7
  17. Magazin  Neuhauser und Monty Roberts: Ein Vergleich, Einfühlung und Machtausübung – zwei Ansätze zur Kommunikation mit Pferden
    EquiVoX-Link Ausgabe 554 · Teil Teil 8
  18. Magazin  Es muss jetzt irgendwas passieren, Aus einem Problempferd wurde in kürzester Zeit ein treuer Freizeitkamerad und Freund.
    EquiVoX-Link Ausgabe 555 · Teil Teil 9


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Autorenhinweise m_red  » Werner Popken, EquiVoX-Link DVD HJN-Reiten

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