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![]() Das Eingangstor des Gestüts |
![]() Das Rondell im Vorhof |
![]() Der Springbrunnen |
![]() Erfrischende Dusche für die Pferde |
Und sie werden genau wie bei uns in erster Linie gehalten, um auf Zuchtschauen präsentiert zu werden und dort Preise einzuheimsen. Die Szenen von der Präsentation der arabischen Hengste auf Zuchtschauen sehen ähnlich aus wie in Deutschland: Die Beschäler wirken wie wilde Tiere und schleifen ihre Betreuer ziemlich nach Belieben mit sich herum. Reiten muss man die für solche Präsentationen nicht unbedingt. Um sie körperlich fit zu erhalten, reicht notfalls auch die Führmaschine, über die das Gestüt selbstverständlich verfügt. Aber wenn man sie nicht einmal mehr putzen kann, wird die Sache bedenklich. Wenn Menschen zu Schaden kommen, sogar kritisch. Bekanntlich haben die europäischen Herrscherhäuser im 18. und 19. Jahrhundert arabische Pferde importiert, um ihre Zucht zu verbessern, während die einheimische arabische Pferdezucht im 20. Jahrhundert ziemlich gelitten hat. Erst mit dem neuen Reichtum durch das Öl haben sich die arabischen Herrscher wieder auf ihre kulturellen Wurzeln zurückbesonnen und bedeutende Zuchten aufgebaut, wobei sie ihr Material zum guten Teil in Europa und Amerika einkaufen mussten ( Die Die Herrscher von Zu diesen insgesamt sieben Emiraten gehört auch Schardscha ist neben den beiden anderen das dritte Emirat, das über Ölvorkommen und deshalb erhebliche Finanzreserven verfügt; die anderen vier Emirate haben kein Öl, sind deshalb ziemlich arm und werden von den reicheren Genossen unterstützt. Das Gestüt des Emirs von Schardscha wird von einer Engländerin geleitet: Julie Day, deren Dialoge, wie so häufig, falsch übersetzt worden sind. Sie duzt Neuhauser angeblich, was völlig undenkbar ist, wenn man ein bisschen mit der Kultur der Engländer vertraut ist. Die englische Sprache kennt ja überhaupt kein „Du“ ; der Engländer siezt ja sogar seinen Hund, wie Die Gestütsleiterin kann auf 30 Pferdeburschen zurückgreifen, die sich vorbildlich um die luxuriös untergebrachten Stuten und Hengste kümmern. Geld spielt offensichtlich gar keine Rolle. Dumm nur, wenn Probleme auftreten, die man nicht in den Griff bekommen kann. Um deutlich zu machen, wie gefährlich der Umgang mit einem Hengst sein kann, der einen Menschen angreift, wird in beiden Fassungen ein Film eingeblendet (in der DVD ohne Farben und als Amateuraufnahme gekennzeichnet), der den spielerischen Kampf zweier Junghengste auf einer mit Elektroband eingezäunten Weide zeigt. |
Ich stelle mir vor, unter welchem Druck Neuhauser in diesem arabischen Gestüt gestanden hat. Geld ohne Ende, die besten Experten der ganzen Welt stehen auf Fingerschnipp zur Verfügung, kostbarste Pferde, größtmögliche Ratlosigkeit, und er soll es jetzt bringen, und hat nicht nur die Erwartungen seiner Auftraggeber im Rücken, sondern auch ein komplettes Filmteam samt finanziellem Risiko. Könnten Sie in einer solchen Situation ruhig bleiben und gut schlafen? Neuhauser wusste doch, worauf er sich einließ. Er konnte sich vorbereiten, und er wusste, dass er sich mit ziemlicher Sicherheit etwas einfallen lassen musste, wo doch schon so viele Kollegen die Waffen strecken mussten. Die waren doch auch nicht schlecht, die konnten doch was, die ließen sich doch auch nicht von jedem wildgewordenen Hengst ins Bockshorn jagen, die hatten doch auch schon jede Menge Erfahrungen und Erfolgserlebnisse vorzuweisen. Nur was? Man muss sich wundern, dass Neuhauser sich unter diesen Umständen überhaupt getraut hat. Er kann sich nur auf das verlassen haben, was ihn vor allen anderen auszeichnet. Seine Fähigkeit, sich in das Pferd hineinzuversetzen. Eben nicht mit Gewalt und billigen Tricks seinen Kopf durchzusetzen, sondern mit dem Pferd zu kommunizieren und zu sagen: Hey du, wie geht es dir, wollen wir es mal miteinander versuchen? Und das geht nur, wenn man dem Pferd gegenübersteht. Das kann man nicht im Voraus planen, das kann man nicht allgemein lösen, da muss man eine individuelle Antwort finden. Am Ende des letzten Abschnitts habe ich wieder etwas verkürzt: Neuhauser wollte zwar nicht zur Peitsche greifen (sicher nicht, um dem Pferd weh zu tun, sondern eher um sich selbst eine Sicherheitsdistanz zu verschaffen), aber er konnte auch nicht; und das zeigt wiederum genau, was Neuhauser anders macht, wie anders er denkt:
So, und wenn man erst einmal soweit ist, kommt man auch auf andere Ideen. Man weiß, dass man es so, wie die anderen es versucht haben, nie schaffen wird. Wer kommunizieren will, muss erst einmal die Basis zur Kommunikation schaffen, er muss erreichen, dass der Partner ihm eine Chance gibt, dass er überhaupt zuhört, dass er aufmerksam wird. Wie löst man ein solches Problem? Man fand nicht nur eine Lösung, sondern auch eine unglaublich einfache: Eine mechanische Tröte, angetrieben durch eine Dose mit Druckluft. Damit konnte Neuhauser auf Knopfdruck ein Signal erzeugen, das den Hengst auf ihn aufmerksam machte, ohne sich selbst einbringen, ohne negative Energie aufbringen zu müssen. Fantastisch! Ein einfaches Mittel, das psychologisch vorteilhaft für beide Partner ist. Der Plan ging auf. |
Wenn Sie bei Google nach dem Titel im Wortlaut suchen und Videos wählen, werden Sie einen entsprechenden Link finden, aber nicht den Film – jedenfalls im Moment, wo ich dies schreibe, nicht, denn ich habe mich gerade davon überzeugt, dass der Film schon wieder gelöscht ist. Das ist schade. Denn durch die Veröffentlichung wird ja niemand geschädigt und letzten Endes sogar kostenlos Reklame für die Sender gemacht, die diesen Film bezahlt und bereits mehrfach gesendet haben. Die Kostenkalkulation des Senders ist auf jeden Fall aufgegangen; von deren Seite aus muss kein Geld damit verdient werden. Manche Verlage, der » Der Spiegel oder » brand eins etwa, stellen ihr gesamtes Archiv kostenlos online. Besser kann man für sich selbst nicht werben, und gleichzeitig dient man noch der Sache, um derentwillen man überhaupt gearbeitet und investiert hat. Das ist besonders fatal für Funkmedien, denn Sendungen versenden sich, wie Funkleute sich ausdrücken. Gemeint ist damit folgendes: Wenn die Sendung vorüber ist, ist alles vorbei. Wer zugehört oder zugeschaut hat, war Zeuge, alle anderen haben es sowieso nicht mitbekommen, und die, die dabei waren, haben es schnell wieder vergessen. Das ist gut, wenn man eine schlechte oder peinliche Sendung abgeliefert hat, aber schlecht, wenn man eine gute Sendung gebracht hat – ganz abgesehen davon, dass eine solche Haltung zu einem Gutteil nihilistisch und destruktiv ist. Es sei denn, jemand würde die Sendung zu seinem persönlichen Gebrauch mitschneiden. Das darf der. Er darf diese Sendung nur nicht online stellen und damit allgemein verbreiten. Ist jedenfalls die Meinung der Hüter des geistigen Eigentums; ich sehe die Sache anders. Indem ich die öffentlich zur Verfügung gestellte Kopie heruntergeladen habe, habe ich gewissermaßen nachgeholt, was ich selbst hätte machen können, wenn ich entsprechend vorbereitet gewesen wäre. Vermutlich hätte ich mir auch legal eine Kopie von einem Freund besorgen können; der einzige Stolperstein ist jetzt also die Tatsache, dass ich die Person, die diesen Film online gestellt hat, nicht kenne. Und aus diesem Grund werde ich meine Kopie Ihnen nicht zur Verfügung stellen, obwohl ich das technisch könnte, sogar ohne eine allgemeine Plattform bemühen zu müssen; in diesem Fall könnte man sogar argumentieren, dass Sie als meine Leser eine persönliche Beziehung zu mir haben und deshalb berechtigt wären, meine Kopie ihrerseits zu kopieren. Als Journalist bin ich auf jeden Fall berechtigt, Schnappschüsse aus diesem Film zur Illustration und Unterstützung meiner Argumente einzusetzen; ich könnte mit derselben Begründung und unter Berufung auf das Zitatrecht sogar Ausschnitte aus dem Film zur Verfügung stellen. Aber das geht ja jetzt an der Sache vorbei. Wünschenswert wäre, dass dieser Film frei verbreitet werden könnte; am besten wäre es natürlich, wenn der Sender selbst sein Archiv öffnen würde. Das würde den noch nicht einmal daran hindern, den Film ein weiteres Mal im regulären Programm auszustrahlen: Für die nämlich, die immer noch nichts davon mitbekommen haben. Meine Artikelserie zeigt zur Genüge, dass man sich mit so einem Film intensiv auseinandersetzen muss, wenn man ihn wirklich verstehen und begreifen will. Andernfalls rauscht das mehr oder weniger an einem vorüber und man hat nicht wirklich etwas davon. Man weiß ja inzwischen aus eigener Erfahrung, dass man sich schon bei einfachen PowerPoint-Präsentationen nicht gut gleichzeitig auf das Bild und den Ton konzentrieren kann (siehe » IM POWERPOINT-NIRVANA: Beamer an, Hirn aus). Im Fernsehfilm gibt es eine weitere Szene, die in der DVD fehlt und von der ich gern mehr gesehen hätte, nämlich eine Erläuterung der Sprachvokabel „Stopp“ . Neuhauser zeigt in einem Kurs in Bayern, welche verschiedenen Gesten mit der Hand was bedeuten und wie man die Hand zu halten hat, wenn man Stopp sagen will. Und dann setzt er noch hinzu, dass dieses Signal weltweit genauso und eindeutig verstanden wird, ohne dass man es erklären muss. Gut, das ist seine Botschaft, die Körpersprache, aber ich glaube nicht, dass es die Körpersprache allein ist. Es ist auch die Haltung. Im Fernsehfilm wird der „gegenseitige Respekt“ betont. Genau das ist es. Neuhauser respektiert das Pferd. Das ist neu und ungewöhnlich. Dass das Pferd den Menschen zu respektieren habe, fordert jeder. Das ist trivial. Was aber macht man, wenn man das Pferd respektiert, das Pferd einen selbst aber nicht? Mit diesem Problem war Neuhauser in diesem arabischen Gestüt aufs schärfste konfrontiert, und dafür hat er eine Lösung gefunden. Wie die genau aussieht, was er macht, wie er vorgeht und was dabei herauskommt, das werde ich Ihnen in der nächsten Woche eingehend entwickeln. |
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