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![]() Neuhauser führt den gefährlichen Hengst |
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Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich, ein bisschen bei YouTube zu stöbern. Da werden jede Menge Wunderkinder vorgestellt, die mehr oder weniger bekannte Virtuosenstücke auf unterschiedlichen Instrumenten vorführen. Natürlich sind die Eltern sehr stolz, keine Frage, aber für den Konsumenten ist das Ergebnis mehr oder weniger quälend, meist mehr als weniger. Man fragt sich, wie der kleine Mozart wohl gespielt hat. War das ähnlich schrecklich? Musik wird daraus erst, wenn in diese mechanische Abfolge – die ja von jeder Maschine wesentlich besser und schneller beherrscht würde – noch Ausdruck hineingelegt wird, etwas, das man wiederum nicht messen kann. Könnte man es messen, wäre es sehr simpel, perfekte Musikmaschinen zu programmieren. Nun sind wir inzwischen von maschineller Musik umgeben und empfinden diese gar nicht mehr unbedingt als unbefriedigend – sie ist aber einfach seelenlos und wir sind inzwischen konditioniert, sie hinzunehmen – schließlich können wir uns auch kaum wehren. Wer mehr will, greift aber nach wie vor auf von Menschen produzierte Musik zurück: Mühsam hervorgebracht, als Resultat eines entsetzlich anstrengenden und langen Studiums, dessen Ergebnis keineswegs feststeht. Nicht jeder Meisterschüler eines Konservatoriums wird später auch ein Weltstar. Letzten Endes geht es hier um die Entwicklung einer Persönlichkeit. Der Klavierschüler kann nur dann zu einem großen Musiker werden, wenn er auch zu einem großen Menschen wird. Und das ist keine Frage der Technik. Das liegt auch nicht in der Hand des Lehrers. Der Lehrer kann ein Beispiel geben, aber wenn der Schüler nicht in der Lage ist, selber Größe zu entwickeln, bleibt ihm nichts anderes übrig als zu resignieren. Beispielsweise gibt es höchst erfolgreiche Dirigenten, die ähnliche menschliche Qualitäten haben wie Diktatoren – aber denen würde man nicht unbedingt menschliche Größe zubilligen. Dabei sind Diktatoren manchmal durchaus erfolgreich – wenn man den geeigneten Maßstab anlegt. Immer wieder hat es im Laufe der menschlichen Geschichte Diktaturen und Gewaltherrschaften gegeben und es gibt sie auch jetzt noch an den verschiedensten Stellen unserer schönen Erde, aber wir alle wissen, dass diese sich nur begrenzte Zeit halten können. Über kurz oder lang ist bisher noch jeder Diktator gestürzt und anschließend im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verdammt worden. Auch wenn es natürlich immer Ewiggestrige gibt, die einer solchen Schreckenszeit nachtrauern, weil sie sich einbilden, unter einem Diktator wie Wenn manche Dirigenten als Diktator Erfolg haben: Heißt das dann, dass dies der beste Weg ist? Der israelische Dirigent Talgam spricht Englisch, aber es lohnt sich! Sie sehen und hören wunderbare Musik und Talgam spricht darüber, wie große Musik entsteht und welche Rolle der Dirigent dabei spielt. Er bringt Beispiele von mehreren Dirigenten, die ganz unterschiedliche Stile pflegen, darunter auch der schon erwähnte Diktator-Typ. Dieser Vortrag richtet sich nicht an Musiker, sondern an Manager, Techniker, Programmierer, Leute, die an den neuesten Trends in der Wirtschaft interessiert sind. Er versucht, aus seiner Erfahrung als Dirigent Empfehlungen abzuleiten für jeden, der mit Menschen umgeht und komplexe Abläufe steuern muss. Ganz besonders geht er auf den Dirigenten Sein Gegenbeispiel ist
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Ich meine, dass Talgams Ratschläge auch gut geeignet sind für Pferdeleute. Letzten Endes, wenn man genau hinschaut, geht es um Harmonie und Liebe – aber das würde ein Dirigent natürlich niemals zugeben (Pferdeleute auch nicht). Der diktatorische Dirigent übt Macht aus und lässt seinen Musikern keine Freiheiten. Genau das passiert in den meisten Fällen beim Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd. Der Mensch bestimmt und das Pferd muss parieren. Das ist letzten Endes auch bei Neuhauser so. Er will, dass das Pferd tut, was ihm gerade in den Sinn kommt. Wo ist der Unterschied? Bei jedem Dirigenten muss das Orchester spielen, was der will, der einzelnen Musiker muss sich unterordnen. Um das zu diskutieren, muss ich noch ein bisschen weiter ausholen. Die diktatorischen Dirigenten sind ja auch nicht wirklich vergleichbar mit den Diktatoren, die als die Ausgeburt des Bösen gelten; letzten Endes sind die ganz harmlos. Das Böse als solches allerdings beschäftigt die Menschen sehr. Ein Großteil der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur sowie die dazugehörigen Filmproduktionen, die ja offensichtlich der Befriedigung der Fantasie der Konsumenten dienen, beschäftigt sich mit dem ewigen Kampf des Bösen gegen das Gute, wobei die Sympathien der Leser und Zuschauer interessanterweise fraglos auf Seiten des Guten sind. Wieso eigentlich? Tief in uns drin, im Herzen oder wo auch immer, wissen wir genau, dass das Böse abscheulich und verachtenswert ist. Kaum jemand identifiziert sich mit dem Bösen, und wenn er es tut, weiß er, dass dies nicht richtig ist. Auch das kann die Wissenschaft nicht erklären. Nun könnte man einwenden, dass diese Thesen keine Wahrheiten sind, sondern einfach nur mein eigenes Wunschdenken. Die Bösen, die Diktatoren sind oder solche unterstützen, haben kein Gewissen, wird gern behauptet: Die sind abgrundtief böse, durch und durch. Aber ich glaube das nicht. Deshalb war ich froh, dass ich bei
Smullyan ist also sicher, dass de Sade gewusst hat, dass sein Handeln böse und unrecht ist, obwohl er versucht hat, alles mit einer bombastischen Philosophie zu verbrämen und zu rechtfertigen. Und dass er deswegen Schuldgefühle hatte. Seine Faszination durch den Taoismus speist sich zu einem Gutteil durch den Abscheu vor der protestantischen Bigotterie, die in den USA sehr populär ist und unter der er wohl sein Leben lang sehr gelitten hat. Er setzt im Grunde darauf, dass der Mensch im wesentlichen gut ist und man ihn nur machen lassen soll, denn jeder Zwang stachelt nur seine Widersetzlichkeit auf und führt zu Unglück und Unheil. |
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Ist das nicht interessant? Im letzten Satz habe ich das Wort widersetzlich im Zusammenhang mit dem Menschen benutzt – sonst kenne ich es nur im Zusammenhang mit Pferden. Angeblich sind Pferde leicht widersetzlich und müssen entsprechend behandelt werden, bestraft beispielsweise, oder hart herangenommen. Könnte es sich dabei nicht um eine Projektion handeln? Könnte es sein, dass der Mensch sich das Verhalten des Pferdes nur in seinen eigenen Kategorien vorstellen kann, in diesem Falle also in aktivem Widerstand gegen den Peiniger? Oh Pardon, selbstredend sieht sich der Mensch nicht als Peiniger, sondern als Wohltäter des Pferdes, der nur berechtigte Forderungen stellt. Der Mensch macht keine Fehler, es ist immer das Pferd, oder? Und dafür muss es büßen, klaro. Kennen wir das nicht auch von hartherzigen Eltern, die ihre Kinder verprügeln? „Hör auf zu schreien, sonst setzt es noch was!“ Sicherlich beziehen Sie diese von mir provozierte Diskussion über Gut und Böse ebenso wie ich auch auf die aktuellen Skandale im Reitsport. Die sogenannten Ehrenmänner wissen also ganz genau, dass sie im Grunde genommen Schufte sind (siehe auch Und außerdem: Mit Pferden kann man es machen. Im allgemeinen sind die einfach zu gutmütig und lassen sich vom Menschen beliebig quälen. Nur in sehr extremen Fällen wie bei den beiden Hengsten in Arabien stößt der Mensch mal an seine Grenzen, kann er sich nicht durchsetzen gegenüber dem Pferd. Ansonsten leidet das Pferd still vor sich hin. Und auch das zweite Zitat von Smullyan finde ich hochinteressant: Neuhauser ist einer der Menschen, die sich anscheinend nicht viel darauf einbilden, was sie tun. Er tut seine Arbeit und spricht darüber, soweit man darüber sprechen kann. Ich versuche herauszuarbeiten, was unausgesprochen bleibt, und vielleicht macht sein Ansatz sogar Geschichte. Wenn nicht – auch kein Problem. Er ist mit sich im Reinen. Damit Sie mich nicht missverstehen: Auch bei Neuhauser geht es darum, dass der Mensch das Pferd dominiert und das Pferd tut, was der Mensch will. Die Sprecherin drückt das angesichts der ersten Erfolge Neuhausers mit Om El Azadik auch ganz deutlich aus:
Man könnte diesen Satz so interpretieren, dass Neuhauser dem Pferd seinen Willen aufzwingt. Aber darum geht es ihm nicht. Er will nicht seinen Willen durchsetzen, sondern mit dem Pferd kommunizieren. Es ist also eher ein Tanz, bei dem der Mensch führt und das Pferd folgt. Man kann das sehr schön erkennen, weil Neuhauser gewissermaßen verschiedene Figuren durchprobiert – Volten, Anhalten, Tempo steigern. Interessanterweise übt er nicht das Rückwärtsrichten, das als Disziplinarmaßnahme gilt. Er achtet also die Würde des Pferdes. Er will das Pferd nicht demütigen. Anders kann man sich das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd ja auch kaum vorstellen. Pferde brauchen uns Menschen nicht und können mit uns vermutlich nicht viel anfangen, ganz im Gegensatz zu Katzen etwa, bei denen leicht so aussieht, als ob die Katzen sich ihre Menschen halten, die ihnen partout zu Willen sein müssen. Kommunikation zwischen Mensch und Pferd kann also nur so aussehen, dass der Mensch auf das Pferd zugeht und etwas von ihm will, nicht umgekehrt. Neuhauser geht dabei ganz systematisch vor. Er fühlt sich in das Pferd ein, geht auf es ein, behandelt es so, dass es eine Chance hat, und verlangt nur so viel von ihm, wie es geben kann. Zu Anfang also sehr wenig. Und dann baut er darauf auf. Er hat mit der Tröte den Ansatz gefunden, der ihm den ersten Kontakt zum widersetzlichen Hengst gab, und baut diesen Schritt für Schritt, ganz allmählich, aber systematisch aus. Dabei ist er immer beim Pferd und achtet peinlich darauf, dieses nicht zu überfordern. |
Neuhauser weiß, dass diese Situation für den Hengst enormen Stress bedeutet und verlangt sehr wenig von ihm. Er bleibt stets aufmerksam und ruhig und weiß, dass es schon ein großer Erfolg sein wird, wenn es keinen Zwischenfall gibt.
Meines Erachtens ist es diese Rücksichtnahme, die seinen Erfolg ausmacht, weniger die „ausgeklügelte Körpersprache“ . Selbstredend achtet Neuhauser ständig darauf, dass der Dialog zwischen ihm und dem Hengst nicht abreißt, dass er immer auch reagieren kann. Und dann macht er rechtzeitig Schluss. „We can go home.“ |
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zu Ausgabe Ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage wünsche ich Ihnen, sehr geehrter harr Dr. Popken. Und vorab einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ihre Beiträge faszinieren mich immer wieder auf neue. Meine Homepage wird gerade erweitert, dort werden Ihre Beiträge über meine DVD auch eine gebührenden Platz bekommen. Es wäre schön, wenn wir uns im kommenden Jahr persönlich kennenlernen würden, Ein Austausch mit Ihnen am Pferd wäre sicherlich ein interessante Angelegenheit. Viele Grüße Hans-Jürgen Neuhauser
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