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![]() Karotten als Weisheit letzter Schluss |
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![]() Immerhin, so hat es schließlich geklappt |
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In der letzten Woche habe ich ein etwas längeres Zitat aus Das Tao ist Stille von Am Ende des letzten Artikels habe ich darauf hingewiesen, dass der Neuhauser der DVD – persönlich kenne ich ihn nicht – für mich ein Mensch ist, der eine bestimmte Lebensart repräsentiert, die von Smullyan durch das Zitat eines taoistischen Textes beschrieben wurde. Er tut seine Arbeit, und die ist großartig, aber er bildet sich nichts darauf ein. Natürlich ist er froh, dass es funktioniert, und vermutlich ist er auch stolz darauf, aber er zeigt diesen Stolz nicht, und auch die zur Schau getragene Freude ist extrem gedämpft. Es ist die Freude eines Profis, der einfach weiß, was er kann, und aufgrund eines gesunden Selbstbewusstseins erwartet, dass es klappt, ohne darüber dann besonders euphorisch sein zu müssen. Aber er ist kein Profi im landläufigen Sinne, denn er verkauft sich nicht; ein Könner also, vielleicht ein Liebhaber, ein Amateur. Wie wird man so einer? Ist das schwer? Sind solche Leute selten? Können Sie und ich auch so werden? Was braucht man dazu? Das erinnert mich an eine kleine Geschichte, die Also rufe ich » Amazon.com auf und finde » Zen and the Art of Motorcycle Maintenance mit der Möglichkeit, im Buch zu suchen (Search inside). Ich gebe mein Stichwort ein und bekomme tatsächlich die gesuchte Stelle gezeigt, allerdings viel weiter vorne, als ich gedacht hatte; die fünf Post-It-Lesezeichen, die ich inzwischen im Buch versenkt habe, zeigen mir aber, dass Pirsig mehr zu unserem Thema zu sagen hat, als ich ursprünglich dachte. Nun ist die Amazon-Ausgabe, auf die sich die Fundstellen beziehen, natürlich eine andere als meine, Hardcover statt Taschenbuch; wo steht das in meinem Exemplar? Das Buch ist überdies von Amazon nicht vollständig eingescannt, beim Blättern nach links stoße ich auf eine Lücke. Hilft mir diese Fundstelle überhaupt weiter? Aber beim Blättern nach rechts habe ich Glück: Das nächste Kapitel ist die Nummer 9, also muss ich in Kapitel 8 suchen, und da habe ich es. Die ganze Passage ist absolut köstlich, aber ich habe keine Lust, eine schnelle Übersetzung anzufertigen, also erzähle ich die Geschichte lieber nach. Dabei vergesse ich nicht, dass wir auf der Suche nach dem Geheimnis von Neuhauser sind – keine Angst. Auch wenn ich etwas ausholen muss, ich halte diese Diskussion für wichtig, um zu verstehen, warum manche Leute einfach Erfolg mit Pferden haben und andere nicht, egal wie viele Bücher sie lesen, DVDs anschauen oder Kurse besuchen. Und was heißt überhaupt Erfolg? Es geht um etwas ganz Wichtiges, um die Haltung, die Einstellung. Über die Haltung Neuhausers habe ich schon ein paarmal geschrieben, aber ich fürchte, es ist noch nicht klar genug geworden, worum es dabei geht. Also mache ich mit Ihnen einen kleinen Umweg mit Pirsig in der Hoffnung, dass wir danach klarer sehen. Das Buch ist im wesentlichen ein Tatsachenbericht. Der Autor ist mit seinem Sohn und einem befreundeten Ehepaar und zwei Motorrädern im Wilden Westen gestrandet (ein paar Originalsfotos: » Pictures from Robert Pirsig's original 1968 trip.). Seine alte Honda hat einen Schaden. Die Kette hat den Kettenschutz durchgescheuert. Ein Loch im Blech. Nicht einfach zu reparieren. Er fragt in dem kleinen Kaff nach einer Werkstatt und wird auf Bill's Cycle Shop verwiesen. Die Werkstatt ist offen, aber leer. Er fragt einen Passanten; der vermutet, dass Bill vielleicht angeln gegangen ist. Tja, wir sind in Wilden Westen. Da geht sowas. |
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Er betritt die Werkstatt und sieht auf den ersten Blick, dass Bill ein Mechaniker mit fotografischem Gedächtnis ist; überall liegt Krempel herum, alles ist bedeckt mit irgendwelchen Teilen, man kann noch nicht einmal die Werkbank erkennen. Der Autor könnte unter diesen Umständen nicht arbeiten, aber er weiß, dass diese Sorte Leute sich einfach nur umdrehen und mit einem Griff jedes beliebige Werkzeug oder Teil wiederfinden. Wehe, wenn man in diesem Chaos irgendetwas ein paar Zentimeter verrückt – dann finden sie es nicht wieder. Bill erscheint; selbstverständlich hat er die Ventile, die der Autor braucht, und er weiß auch genau wo er sie findet – und damit ist die Szene zu Ende und ich merke, dass ich mich geirrt habe. Das ist nicht die Geschichte, die ich brauche. Die ist auch beeindruckend, weil sie den Mechaniker in seinem Sosein und Anderssein schätzt, aber seine fachlichen Qualitäten werden nicht beschrieben. Inzwischen weiß ich aber genauer, wonach ich zu suchen habe; ich finde es durch Eingabe anderer Suchworte mit derselben Technik, es ist – entsprechend meiner Erinnerung – ziemlich weit hinten im Buch, wie ich an der Seitenzahl erkennen kann, aber diese Seiten werden gar nicht angezeigt. Nun habe ich aber immerhin den genauen Zusammenhang und kann Google einen ganzen Satz einfüttern. Siehe da, jemand hat die ganze Passage in seinem Blog wiedergegeben: » The benefits of a slide rule. Ich brauche nur den Teil herauszukopieren, die mich interessiert. Anschließend schlage ich spontan das Buch auf und bin tatsächlich genau auf der Seite, wo dieser Text steht. Na sowas! Danach hatte ich doch eigentlich gesucht! Es geht um einen alten Schweißer, vielleicht 60 oder 70 Jahre alt. Der will das Loch wohl reparieren, aber den Kettenschutz nicht abnehmen. Der Autor übernimmt die Arbeit; der Kettenschutz ist voller Öl und Schmutz, er muss ihn auch noch reinigen.
Sehen Sie die Parallele zum zitierten taoistischen Text der letzten Ausgabe und meiner Einschätzung der Persönlichkeit Neuhausers? Der Schweißer arbeitet ohne Mühe, vollbringt Wunder und ist trotzdem ganz bescheiden. Er weiß was er kann, aber er ist sich nicht sicher, ob irgendjemand das sieht. Und wenn schon, dann muss er es nicht bestätigt bekommen. Er hat seine Arbeit getan, und das reicht. „Einen Dollar.“ Das Buch Pirsigs ist nach wie vor ein Bestseller, und ich persönlich genieße es immer wieder, darin zu stöbern, sowohl in der deutschen als auch in der englischen Ausgabe. Der Erfolg dieses Buches hängt vermutlich auch damit zusammen, dass der Autor mit dem Motorrad unterwegs war und dieses Motorrad das Titelbild zierte. Motorradfahren ist in, und jeder Motorradfahrer muss sich wahrscheinlich dieses Buch kaufen. Dabei geht es eigentlich um eine tiefgründige philosophische Diskussion. Die Reise mit dem Motorrad ist nur Anlass, anhand des Motorrads grundlegende Fragen zu entwickeln, gewissermaßen eine Rahmenhandlung, ein roter Faden, der den Leser immer wieder einmal aufatmen lässt bei der Diskussion schwieriger Probleme. |
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Beispielsweise der Frage nach dem richtigen Leben. Oder der richtigen Haltung. Wie stellt man es an, sein Motorrad selbst reparieren zu können? Sein Reisebegleiter John ist Schlagzeuger und würde sich nie mit sowas beschäftigen; deshalb fährt er eine BMW, weil die den Ruf hat, nie Probleme zu machen. Was aber, wenn doch? Genauer dreht sich alles um den Begriff Qualität, den er am Beispiel des Problems der Motorradreparatur erläutert. Irgendwann, nachdem er seine ganze Philosophie entwickelt und die westliche Philosophie der letzten 2000 Jahre gründlich kritisiert hat, die uns die Subjekt-Objekt-Dualität beschert hat (ich hier, du da, ich hier, dort Pferd), stößt er in einem Antiquariat auf ein kleines, 2400 Jahre altes Buch: Das Und dort wird das Die folgende Passage kann man direkt auf die Arbeit mit Pferden übertragen:
Ein Gefühl für die Qualität der Arbeit! Der Sinn für das Gute! Den Sie schon von Geburt an haben, aber dennoch entwickeln müssen, und zwar im direkten Kontakt mit der Realität, beispielsweise in der Arbeit mit dem Pferd, mit Ihrem Pferd. Sie können sich das nicht allein in Kursen beibringen lassen oder von irgendwelchen DVDs abschauen oder aus irgendwelchen Büchern herausholen, Sie müssen konkrete Erfahrungen sammeln, Sie müssen etwas tun. Durch diese Arbeit wird Ihre Wahrnehmung und Ihr Verständnis ständig verändert; alles ist im Fluss. Am Beispiel der Arbeit mit dem Motorrad:
Es geht also gar nicht um irgendwelche Tricks oder Methoden, es geht um Ihr Gefühl für die Qualität der Arbeit, Ihren Sinn für das Gute. Wenn Sie richtig an die Sache herangehen, verändert jede konkrete Erfahrung Ihr Verständnis und Sie verstehen immer mehr und immer besser, was Qualität in diesem Zusammenhang wirklich bedeutet. |
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An einer anderen Stelle bringt Pirsig das noch einmal auf den Punkt, und zwar durch einen anderen Vergleich; er redet zunächst über Situationen, die einem den Mut, den Mumm, den Schneid nehmen, so dass man verzagt und steckenbleibt. Diese Situationen muss man also unbedingt vermeiden. Er nennt sie Mummfallen (gumption traps). Er benutzt für diese notwendige energetische Dynamik ein altmodisches englisches Wort, das ihm dafür genau das Richtige zu sein scheint: » gumption. Ich übersetze es mit Mumm oder Schneid, ebenfalls beides altmodische Wörter, die etwas ganz Bestimmtes ausdrücken. Sie finden sich nur noch in den Redewendungen „Mumm in den Knochen haben“ oder „Schneid abkaufen“ . Und dann kommt er zum eigentlichen Kern seiner Botschaft:
Das ist es. Sie arbeiten nicht am Pferd, sondern an sich. Es geht gar nicht um das Pferd, es geht um Sie. Und was bedeutet das? Ein weiteres Zitat mag das verdeutlichen:
Sehen Sie jetzt einen perfekten, harmonischen, gelassenen, heiteren, erhebenden, beglückenden Ritt vor Ihren Augen? |
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