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![]() Nagelprobe: Abbsubj kann abhauen – wird er? |
![]() Neuhauser geht um Abbsubj herum |
![]() Und wieder zurück – jetzt wagt er es. |
Bei den arabischen Hengsten hat er jedenfalls den Beweis erbringen können, dass er seinen Mund nicht zu voll nimmt. Seine Methode funktioniert und es kann sich daher bei dieser nicht um einen genetischen Defekt handeln. Insbesondere braucht man keine Sorge zu tragen, dass sich die schlechten „Charaktereigenschaften“ auf die Nachkommen der schwierigen Tiere vererben. Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Wenn Sie ein problematisches Pferd haben: Stellen Sie sich die Frage, ob es zu einem Problempferd gemacht wurde? Sind Sie möglicherweise selbst verantwortlich, oder Ihr Reitlehrer, oder ein Vorbesitzer? Wann muss man überhaupt ein Pferd als Problempferd bezeichnen? Auch dafür bietet die DVD ein ausgezeichnetes Beispiel: Denken Sie zurück an das Problempferd Sharis, dessen Besitzerin mehr und mehr verzweifelte und schließlich sogar schon an den Schlachter dachte, bis sie Neuhauser traf und dieser ihr und ihrem Pferd in recht kurzer Zeit helfen konnte: Medizinische Gründe müssen selbstverständlich berücksichtigt werden: Bei körperlichen Ursachen kann auch Neuhauser nicht zaubern. Mit Voodoo fängt er nicht an, sondern zieht Experten hinzu, für Menschen und Pferde. Vom Physiotherapeuten Corvin Mandel, der sich der Menschen annimmt, haben wir schon gehört. In der DVD fehlt eine Szene, die in der DVD HJN-Reiten, Gesamttext vorkommt. Das ausrangierte Hochleistungspferd Sir Maxwell hatte nämlich körperliche Probleme. Diagnose des hinzugezogenen Physiotherapeuten: Atemmuskulatur total verspannt, weil er so lange in der Box gestanden hat. Auf der DVD erwähnt die Sprecherin eine Physiotherapeutin, die Sir Maxwell bearbeitet haben soll. Natürlich muss man solche Gründe herausfinden und die Ursachen abstellen, darin sind wir uns wohl alle einig. Und dann? Schiebt man die Probleme auf das Pferd oder auf den Menschen? Die Erfolge Neuhausers bei sogenannten Problempferden, deren Verhalten keine körperlichen und gesundheitlichen Ursachen hat, sprechen sehr gegen genetische Gründe. Was bedeutet das? Was heißt das beispielsweise für die Mitarbeiter des arabischen Gestüts? Sind die Thesen Neuhausers vielleicht wahrer, als das vielen lieb sein kann? Müssten wir deshalb generell den Umgang mit Pferden überdenken? Vielleicht wollen Pferde einfach nur richtig behandelt werden; manche sind möglicherweise etwas empfindlicher gegenüber falschen Behandlungsweisen oder haben zu viel davon bekommen, so dass sie irgendwann rebellieren und die Menschen dann zu dem Schluss kommen, sie seien schwierig, wo sie doch in Wirklichkeit nur viel deutlicher als andere Pferde zeigen, dass etwas schief gelaufen ist? Bei Menschen würde man davon sprechen, dass sie sensibler sind als andere und deshalb einfach mehr wahrnehmen und stärker unter Verhältnissen leiden, die robusteren Typen nichts ausmachen. Zeigen uns Problempferde vielleicht Schwachstellen auf, die wir sonst gar nicht erkennen könnten? Wenn dem so wäre, müssten wir nicht über jedes Problempferd dankbar sein, weil wir an ihm und nur an ihm etwas lernen könnten? Die Erfolge Neuhausers zeigen meines Erachtens jedenfalls eindeutig, dass Fragen des Interieurs, also des Charakters, Verhaltens und Gemüts, zumindest nicht unabhängig von der Person des Menschen beurteilt werden können, der mit dem Pferd umgeht – wenn es denn eines solchen Beweises bedurft hätte, da doch der Begriff des Pferdeflüsterers eigentlich genau dieses beinhaltet: Ein Pferdeflüsterer ist ein Mensch, der mit Pferden auf eine Weise umgeht, die anderen als Wunder erscheinen muss. Wenn wir alle das lernen können, was Neuhauser uns vorführt, stellt sich vielleicht heraus, dass es gar keine Problempferde gibt. Dann könnten insbesondere auch die Fachleute im arabischen Luxusgestüt erlernen, wie man es macht, und in Zukunft mit jedem Pferd problemlos umgehen. Im Grunde geht es ja auch gar nicht anders, denn Neuhauser wird ja als Problemlöser für schwierige Fälle gerufen, nicht als Gestütsmitarbeiter auf Dauer. Die vorhandenen Gestütsmitarbeiter sollen durch ihn lediglich in die Lage versetzt werden, ihre Probleme selber zu lösen.
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Die Gestütsleitung in Arabien hat natürlich zunächst ebenfalls systematisch alle anderen Einflussfaktoren untersucht, etwa Krankheiten oder Futterbestandteile, aber nicht damit gerechnet, dass der Einfluss des Menschen entscheidend sein könnte. Entsprechend überrascht fällt die Reaktion der Gestütsleiterin aus:
Die Schlussfolgerungen der Sprecherin sind vielleicht vorschnell. Es ist wahr: Auch für diejenigen, die den Hengst in all seiner Wildheit und Gefährlichkeit nicht erlebt haben, ist es wunderbar zu erleben, wie er sich das Halfter anlegen lässt. Den nächsten Satz kann man sofort unterschreiben: Kommunikation ist für Neuhauser auch mit den schwierigsten Problempferden möglich – das glaubt man inzwischen. Dass diese Erfolge lediglich auf seine Körpersprache zurückzuführen sind, bezweifle ich allerdings und habe das schon mehrfach versucht herausarbeiten. Diese Körpersprache ist sicherlich insofern international, als Pferde eben generell (wie viele Lebewesen) auf Körpersprache reagieren, das heißt auf die Bewegung von Körpern im Raum, genauer auf die Interaktion von Körpern im Raum, und diese Bewegung hat mit Nationalitäten nichts oder wenig zu tun. Ich nehme an, dass Menschen unterschiedlicher Kulturkreise sich auch durchaus unterschiedlich bewegen, aber diese Unterschiede sind vermutlich zu vernachlässigen. Schließlich stimmen alle Menschen in ihrer Anatomie vollkommen überein: Wir haben dieselben Knochen, dieselben Muskeln, wir benutzen die Muskeln auf dieselbe Weise, um die Knochen zu bewegen – warum sollte es Pferden schwerfallen, geringfügige Abweichungen zu übersehen? Tatsächlich ist das nur eine Vermutung meinerseits; ich könnte nicht behaupten, so etwas schon einmal beobachtet zu haben. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Menschen verschiedener Kulturkreise ihre Stimme unterschiedlich einsetzen, von der Mimik ganz zu schweigen. Eine holländische Stimme beispielsweise, egal ob männlich oder weiblich, ist sofort zu erkennen, was nicht nur an den spezifischen Lauten der holländischen Sprache liegt, sondern auch an der Tonhöhe. Und Engländer, scheint mir, sprechen generell in einer höheren Tonlage als Amerikaner, ganz abgesehen von den Unterschieden der Aussprache. Diese nationalen Unterschiede hindern uns aber nicht daran, die Sprache zu verstehen. Es ist meines Erachtens also nicht verwunderlich, dass der Hengst Neuhauser versteht. Es ist der nächste Satz, der mir aufstößt. Die Sprache der Pferde sei kein unergründliches Geheimnis mehr, sie sei erlernbar. Diese Behauptung ist an dieser Stelle zumindest völlig aus der Luft gegriffen und durch den soeben dokumentierten Erfolg Neuhausers keineswegs bewiesen. Die Aussage wäre zulässig und fundiert, wenn anschließend Gestütsmitarbeiter annähernd dieselbe Vorführung hingelegt hätten. Die standen aber sicher hinter den Mauern und mächtigen Eisenrohren. In den früheren Artikeln dieser Reihe habe ich herauszuarbeiten versucht, welche charakterlichen Eigenschaften Neuhausers wo zum Tragen kommen, und dass diese ganz wesentlich zum Erfolg seiner Methode beitragen. Ich habe Neuhauser fast als Übermenschen herausgestellt, der gewissermaßen kein Ego hat und sich nicht wie andere Leute selbst in den Vordergrund spielen muss. Das im Zusammenhang mit Charakterfragen, also mit der Frage, ob es manchen Leuten einfach gegeben ist, sich so zu verhalten, anderen aber nicht, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengen.
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Nun stellt sich anschließend an diesen grandiosen Erfolg heraus, dass auch Neuhauser Ehrgeiz hat, dass er mehr tut, als er tun müsste, dass er mutwillig sein Talent und seine Leistung auf die Probe stellt, wobei allerdings offen bleibt, ob dies seine Idee war oder die der Gestütsleitung. Er begibt sich aufs Eis, aber das könnte sich als zu dünn erweisen und Neuhauser als Esel dastehen lassen.
Die Probe geht gut aus, und Neuhauser scheint dieser Erfolg nicht zu Kopf zu steigen. Also doch eine Charakterfrage? Neuhauser muss in dieser Situation durchaus auf konventionelle Mittel zurückgreifen – es ist nicht ganz so einfach, wie die Sprecherin das darstellt; so muss er zunächst Druck aufbauen und den Hengst zurückdrängen, indem er gewaltig mit der langen Gerte fuchtelt. Der gibt schließlich nach und folgt ihm vorbildlich, allerdings fürchtet man ständig um dieses prekäre Verhältnis und ist froh, als das Experiment endlich beendet wird. Währenddessen hatte es durchaus reichlich Nervenkitzel gegeben. Neuhausers stand aus Blickrichtung der Kamera links neben dem Hengst, dieser mit Blickrichtung auf das Tor, welches weit geöffnet wurde. Der Hengst blieb stehen und Neuhauser bewegte sich um ihn herum und stellte sich rechts neben den Kopf des Hengstes, so dass eine zweite Kamera diese Situation von vorne anfangen konnte. Dann bewegte er sich wieder zurück und gab somit gewissermaßen den Weg frei, was wieder von der ersten Kamera gezeigt wurde. Der Hengst reagierte verunsichert – vielleicht war die Körpersprache eben doch nicht so klar. Er setzte sich schließlich in Bewegung und Neuhauser musste ganz deutlich machen, dass er damit nicht einverstanden war. Seine Kehrtwendung reichte zwar aus, die Vorwärtsbewegung des Hengstes zu stoppen, rief aber dessen Unwillen hervor, ganz deutlich gemacht durch demonstratives Kopfschlagen. Und dann, man glaubt es kaum, entscheidet sich Neuhauser, auf den Hengst zuzugehen und dabei gleichzeitig stark mit der Gerte zu wedeln. Solche Maßnahmen hatte er bis dahin nicht ergreifen müssen. In gewisser Weise kommt das einer Bankrotterklärung schon ziemlich nahe. Neuhauser ist entweder etwas zu weit gegangen oder er hat sich körpersprachlich zumindest so undeutlich ausgedrückt, dass der Hengst sich aus einer für ihn vielleicht nicht einmal unangenehmen Situation lösen wollte (was ich gar nicht glaube), sondern vielmehr die Aktionen Neuhausers geradezu als Aufforderung aufgefasst hat, den Platz zu verlassen. Schauen Sie sich die betreffende Sequenz am besten selber genau an und versuchen Sie herauszufinden, was wirklich abgelaufen ist und wie man es zu verstehen hat. Wie auch immer, ich halte diese Demonstration eigentlich für ziemlich überflüssig und auch gefährlich. Vielleicht hat Neuhauser doch ein Ego, das sich jetzt endlich einmal zu Wort gemeldet hat, oder der Regisseur oder die Kameraleute brauchten einen Höhepunkt oder die Gestütsleitung forderte die Nagelprobe ein – wie auch immer, man kann die Szene durchaus als Erfolg verkaufen, wenn man nicht ganz so genau hinschaut. Im Fernsehen ist das so gut wie unmöglich, die Bilder sind so schnell vorbei, dass man kaum etwas begreift. Dass Neuhauser fremdbestimmt gehandelt hat, geht meines Erachtens aus dem Wortwechsel hervor: Er fragt mehrfach in Richtung Gestütsleitung, auf Deutsch und Englisch, ob es jetzt gut ist, und bittet dann, als er von dort ein positives Signal bekommt, um das Schließen des Tors. Beim intensiven Abhören der Stelle erkenne ich es genau: Er fragt: „Ist es ok? Ist es ok, Heinz? War gut?“ , und der Angesprochene antwortet jeweils knapp mit „Ja“ . Mit Heinz ist sicherlich der Kameramann Heinz von Manthey gemeint. Die Szene war also für die Dramaturgie des Films notwendig.
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Im Wilden Westen hatte er dazu relativ dünne Holzklötze verwendet, wie man sie vielleicht in der Kochmaschine einsetzt (ein Vielzweckküchenofen, wie man ihn hierzulande noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts benutzt hat). Spätestens jetzt wird deutlich, dass alle diese Übungen unabhängig von irgendwelchem Material sind; Neuhauser nimmt, was er gerade kriegen kann, weil er weiß, dass es darauf nicht ankommt. Notfalls würde er wohl auch Kringel in den Sand malen. Die Menschen sind aber, wie eine Anfrage nach Bezugsquellen für Neuhauser-Pylone zeigte, begierig danach, Original-Equipment zu kaufen. Wo kann man die Pylonen kriegen, die Neuhauser einsetzt? Ich riet, ihn selbst zu fragen. Wäre Neuhauser „geschäftstüchtig“ , würde er flugs Original-Neuhauser-Pylonen erfinden und vermarkten. So wie ich ihn einschätze, könnte er dann allerdings vermutlich nicht mehr so gut in den Spiegel schauen. Ich glaube nämlich, der Mann hält einfach nichts davon, andere zu verarschen. Natürlich muss das Pferd die Blumentöpfe untersuchen, und es darf das auch. Aber sehr schnell reagiert es wie alle anderen Pferde und erkennt, dass die Blumentöpfe völlig uninteressant sind. Stattdessen folgt es ebenfalls der Fingerspitze Neuhauser und biegt sich gern für ihn. An diesen Szenen kann man sich sicher für die tägliche Arbeit, vor allen Dingen aber für die Grundlagenarbeit viel abschauen. Man braucht dazu nichts als Enthusiasmus und Fantasie.
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