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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 609, erschienen am 28.11.2010

Magazin  Ausgabe 609

In der Falle gefangen - Panik bricht aus!
So schnell kann man den Tod finden.

Foto: Autorenhinweise m_red  » Werner Popken
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  Der obligate Showdown
  2. Abschnitt  Gruppendruck
  3. Abschnitt  Leichen
  4. Abschnitt  Todesduell
  5. Abschnitt  Vertrauen
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 600:
Hauptartikel  Der Wilde Westen im Film

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 601:
Hauptartikel  Der Fremde wird verhöhnt

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 603:
Hauptartikel  Reiten wie die Cowboys

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 604:
Hauptartikel  Umgang mit Pferden

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 605:
Hauptartikel  Eifersucht und Eigensinn

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 606:
Hauptartikel  Eine Lady zeigt, was sie drauf hat

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 607:
Hauptartikel  Die Wahrheit kommt an den Tag

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 608:
Hauptartikel  Don Quichote und Sancho Pansa

Teil Teil 9
Der obligate Showdown

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 610:
Hauptartikel  Vertrauen und Gewissen

Hauptartikel oben 

Wie beim Zielscheibenschiessen
Noch wird nicht gehandelt
Die unten wissen nicht, was sie erwartet
Das Seil wird gekappt
Der obligate Showdown

Im Kampf von Gut und Böse siegt immer das Gute

Zu den Themen
Thema  Westernfilm  Westernreiten  Zeitgeschichte



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


Im Western Wikipedia-Link» Weites Land geht es, wie in allen Western und wie in fast allen Filmen, um den Gegensatz von Wikipedia-Link» Gut und Wikipedia-Link» Böse. Im wirklichen Leben ist es ja oft nicht ganz einfach, zwischen gut und böse zu unterscheiden, und oftmals entsteht auch Böses aus den allerbesten Absichten.

Manche, die zu den weisen Menschen gezählt werden, behaupten sogar, dass es gar keinen Unterschied zwischen Gut und Böse gäbe, dass beides nur zwei Seiten einer Medaille seien, die unauflösbar zusammengehörten.

Es geht bei dieser Diskussion unter anderem um die Frage der Willensfreiheit. Können wir uns in einer bestimmten Situation anders entscheiden, als wir es tun? Wenn nicht, können wir dafür dann zur Verantwortung gezogen werden?

Wenn wir Böses tun, aber nicht anders können, wenn wir das Böse als solches möglicherweise noch nicht einmal erkennen können, wenn wir gar im Bewusstsein, etwas Gutes tun zu wollen oder zu müssen, antreten? Sind wir dann trotzdem böse?

Ich habe in dieser Artikelserie immer wieder darauf hingewiesen, wie fragwürdig die Art der Cowboys ist, mit den Pferden umzugehen. Im Grunde bezeichne ich diese damit auch als böse und stelle mich als den Guten hin, der dieses Böse erkennen und brandmarken kann und sich selbstverständlich selber niemals einer solchen Handlungsweise schuldig machen würde. Aber wie sehen das die Cowboys?

Diese Gegenüberstellung von gut und böse, so argumentiert etwa der Pädagoge und Philosoph Wikipedia-Link» Michael Schmidt-Salomon, führt zu weiterem Übel, weil sich dadurch ein Konfliktpotenzial aufbaut, das im Extremfall zum Krieg führen kann. Und tatsächlich ist ja auch in diesem Film vom Krieg die Rede, nämlich dem Privatkrieg zwischen Major Terrill und Rufus Hannassey.

Beide sind von der Rechtschaffenheit ihres Standpunktes vollkommen überzeugt, selbst wenn dieser darauf hinausläuft, den anderen zu vernichten. Ja, sie sind sogar überzeugt, damit etwas Gutes zu tun, für das die Menschheit ihnen dankbar sein wird – der Major spricht es tatsächlich aus. Der Böse ist selbstverständlich immer der andere, man selbst ist durch und durch gut.

Kennen wir das nicht? Hören wir von gegenseitigen Verteufelungen nicht täglich in den Nachrichten? Wer immer es ist, der jemand anders bezichtigt, böse zu sein, er hält sich für gut, für durch und durch gut, und daher berechtigt, zu jeglichen Maßnahmen zu greifen, um den Bösen zu stoppen, in die Schranken zu weisen oder zu beseitigen.

Aber nicht nur in der großen Politik, auch im Kleinen, Alltäglichen begegnet uns diese Haltung auf Schritt und Tritt. Wann immer ich über jemand anders urteile, unterliege ich der Gefahr, mich selbst als den Guten hinzustellen und den anderen als böse zu verurteilen. Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, nehme ich mich selbst als bestes Beispiel: Habe ich bei der Diskussion dieses Filmes nicht wiederholt die Art der Reiterei und des Umgangs mit Pferden an den Pranger gestellt?

Bei den schwer erträglichen Reitszenen unterstelle ich natürlich, dass die Schauspieler und Komparsen die Wirklichkeit gut genug nachstellen können und wir nicht etwa nur Zeuge ihres Unvermögens werden. Auf jeden Fall prägen diese Bilder ohne Zweifel unsere Vorstellung von der Art und Weise, wie man mit Pferden umzugehen hat.

Diese Cowboys (und auch die Schauspieler) haben ihre Verhaltensweisen aber vermutlich nicht erfunden, sondern sie genauso wie der Filmkonsument aus der Wirklichkeit entnommen, als die Art und Weise nämlich, wie man mit Pferden umzugehen hat. So macht man das eben mit den Pferden, überall auf der Welt. Kann das denn böse sein?

Gruppendruck  oben 



Der Spanische Reiter fällt
Tja, gut gemacht, was?
So sieht's aus!
Hier ist jetzt Schluss!
Um das zusätzliche Problem des Schauspielers, der es als Laie vielleicht nicht besser weiß und kann, aus der Welt zu schaffen: Dokumentarische Fotos von Reiterspielen beliebiger Reitervölker unserer Erde aller Zeiten zeigen genau dieselben Bilder. Alle Reiter gehen ausnahmslos äußerst grob mit ihren Pferden um, reißen ihnen im Maul, und das, obwohl die Pferde extrem deutlich zeigen, was das mit ihnen macht: Aufgerissene Mäuler, verdrehte Augen, hochgerissene Köpfe, überall dieselben Bilder.

Wen kümmert das? Niemanden, im Gegenteil. Wenn sich jemand aufregen würde, stellte der sich außerhalb seiner Gemeinschaft und würde geschnitten.

Kann nun derjenige, der in seiner Welt das überall Selbstverständliche nachahmt und sich anpasst und damit ein wertvolles Mitglied seiner Gemeinschaft wird, für die dort üblichen und als recht und billig erkannten Verhaltensweisen gescholten werden? Kann er überhaupt erkennen, dass sein Verhalten zu wünschen übrig lässt? Schmidt-Salomon ist sich sicher, dass ihm das gar nicht möglich ist (siehe » Die Banalität von Gut und Böse.). Also kann er doch nicht böse sein, oder?

Zwar glaubte ich auch zeigen zu können, dass der Kapitän eine andere Art hat, mit Pferden umzugehen, was natürlich auch zu seiner Rolle passt, aber wir wissen ja, dass er bei den Cowboys damit eher Anstoß als den Willen zur Nachahmung erregt. Dieser Mann zeigt damit einfach nur, dass er nicht dazugehört und nicht weiß, was richtig ist. Die Leute verachten und hassen ihn dafür, dass er anders ist, und es ist verwunderlich, dass er dem Anpassungsdruck nicht nachgeben muss, sondern sich behaupten kann.

Der Gruppendruck, dem wir alle unterliegen, wurde in diesem Film mehrfach thematisiert. Das fängt mit dem Überfall auf den neu angekommenen Fremden aus dem Osten, Kapitän James McKay (Wikipedia-Link» Gregory Peck), an, bei dem es undenkbar gewesen wäre, wenn einer der vier Burschen nicht mitgemacht hätte, und wird zugespitzt in der Szene, wo die Cowboys des zukünftigen Schwiegervaters und Großranchers Major Terrill auf das Erscheinen der Rinderherde des verhassten Hannassey-Clans warten.

Dort regt sich zwar ein zaghafter Protest, denn einer der Cowboys hält es nicht für richtig, die durstigen Rinder vom Wasser zu vertreiben. Zu diesem Zeitpunkt hat der Vormann Steve Leech (Wikipedia-Link» Charlton Heston) aber noch keinerlei Gewissensbisse, jedenfalls lässt er das nicht erkennen. Für ihn ist klar: Befehl ist Befehl. Daher rät er dem Untergebenen, aus eigenem Interesse gegen seine Einsicht zu handeln.

Und natürlich gibt dieser Mann nach. Andere, die vielleicht ebenso gedacht haben, haben ihre Bedenken sogar für sich behalten. So funktioniert das. Indem man die Verantwortung auf jemand anders abwälzt, braucht man sich selbst nicht schuldig zu fühlen und nicht Stellung zu beziehen. Im Gegenteil, in der Masse kann man sich wohlfühlen, man bestärkt sich gegenseitig und verdrängt etwaig vorhandene ungute Gefühle.

Bei der geplanten Vernichtungsaktion des Majors gegen die Hannasseys ist aber auch der Vormann so weit, sich den Befehlen seines Chefs zu widersetzen. Diesmal aber weniger aus grundsätzlichen Überlegungen, sondern vielmehr wegen der allgemeinen Gefahr. Er hält es für zu gefährlich, sich in den Blanco Canyon zu begeben, weil dort hinter jedem Felsen ein Gewehr liegt und sie selbst als Reiter unten im Tal leichte Ziele abgeben.

Möglicherweise hat er auch den Mut zu seinem Protest gefunden, als der Major drohte, den Kapitän abzuknallen, sollte er in den Canyon einreiten wollen. Das wäre ja glatter Mord gewesen, und der Vormann versucht seinen Chef mit den Worten zu stoppen: „Das können Sie nicht tun!“ Der eigentliche Grund seines Widerstandes ist aber die Sorge um sich und seine Kollegen: „Das wird uns die Hälfte unserer Männer kosten!

Tja, so ist das, wenn man in den Krieg zieht. Dem Major fällt auf dieses Argument natürlich nichts ein, außer dass er seinen Vormann unterstellt, er sei feige. Etwas Dümmeres hätte er nicht sagen können, aber dieses lächerliche Argument zieht wieder einmal vortrefflich.

So läuft das zwischen Menschen. So kann man Zivilisten, Cowboys und Soldaten manipulieren und Kriege führen. Erleben wir das nicht jeden Tag? Werden nicht jeden Tag Kriege geführt, für einen angeblich guten Zweck, für den angeblich jedes Opfer gebracht werden muss? Alle behaupten, für das Gute zu kämpfen, und am Ende sind viele Leute tot. Was ist gewonnen?

Leichen  oben 



Da steigen die Pferde
Der Vormann kämpft mit seinem Pferd
Sehr schön gestiegen!
Was nun? Zurück?
Dieser Film wurde 1958 gedreht, als der Zweite Weltkrieg erst 13 Jahre zurücklag. Wir hier in Deutschland sind seither von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont geblieben, wenn man den jetzigen Krieg in Afghanistan, der angeblich gar kein Krieg sein soll, mal ausblendet. Die Amerikaner hatten von 1950 bis 1953 den Wikipedia-Link» Koreakrieg geführt, der der Bevölkerung und der Welt allerdings nicht als Krieg verkauft wurde, sondern als Polizeiaktion. Ob sich dieser Film darauf bezieht, ist allerdings nicht erkennbar.

Er ist unpolitisch in dem Sinne, dass er sich nicht auf die große Politik bezieht, politisch jedoch insofern, als er sich mit dem Zusammenleben der Menschen und den Regeln der Gesellschaft auseinandersetzt. Der Regisseur Wikipedia-Link» William Wyler hatte ja ausdrücklich bekannt, dass er sich mit der amerikanischen Tradition auseinandersetzen wollte, die Gewalt für angebracht hält und den Gewalttätern Vertrauen schenkt. Dieser Film sollte untersuchen, ob auch jemand wie der Kapitän Vertrauen erringen kann.

Wer Krieg führen will, muss Verluste einkalkulieren. Der Vormann spricht von der Hälfte der Männer, nicht von Kollegen und Individuen – hier wird jeder einzelne Cowboy nur als anonyme Einheit gesehen, die geopfert werden kann. Der Major ist bereit, dieses Opfer auch persönlich zu bringen, und erwartet von seinen Männern dasselbe. Warum eigentlich? Was treibt diese Cowboys dazu, sich als Opfer missbrauchen zulassen?

Es ist natürlich ein falschverstandener Ehrbegriff, der kleinen Jungs schon sehr früh eingebläut wird: Sei kein Frosch, du bist doch nur feige, du traust dich nicht! Genau diesem Schema widersetzte sich der Kapitän schon mehrfach. Und diese Verweigerung kostete ihn letzten Endes seine Verlobung. Oder anders gesagt: Die Reaktion seiner Braut auf sein Verhalten zeigte ihm, dass diese Frau nicht die richtige ist für ihn.

Auch seine Braut hätte keine Bedenken, über Leichen zu gehen. Sie ist genauso verblendet wie ihr Vater. Das hat sie ja beim anfänglichen Überfall schon zur Genüge demonstriert und im weiteren Verlauf der Handlung immer wieder unter Beweis gestellt. Die Lehrerin (Wikipedia-Link» Jean Simmons) hingegen leidet unter den Konflikten und versucht, zu vermitteln, wie es ihr Großvater getan hatte. Beide Seiten setzten ihr zu, seit dieser gestorben ist. Sie passt viel besser zum Kapitän als ihre Freundin.

Zwar hatte dieser unter Einsatz seines Lebens erreicht, sie aus ihrer Gefangenschaft zu befreien, aber es ging nicht ganz ohne Gewalt ab. Der Sohn des alten Hannassey hatte versucht ihn zu erschießen und war seinerseits von seinem Vater erschossen worden. Rufus Hannassey wird als nicht ganz so engstirnig und eindimensional geschildert wie sein Gegenspieler Major Terrill.

In der Sterbeszene wird deutlich, wie sehr der Vater seinen Sohn trotzdem liebt und wie sehr er darunter leidet, dass er ihn hatte erschießen müssen. Dabei hatte dieser doch ein paar Stunden vorher versucht, seinen Vater umzubringen, weil er sich durch ihn ständig kleingemacht fühlte. Der Mord wiederum war für den Vater unvermeidlich, weil der Sohn ein so übler Charakter war. Nicht nur die Erkenntnis, sondern auch die Notwendigkeit seiner Maßnahmen taten dem Vater außerordentlich weh.

Er wäre lieber stolz auf seinen Sohn gewesen. Zweifellos hat er seinen Sohn trotz allem geliebt, aber es war keine blinde Affenliebe wie beim Major, der über die Fehler seiner Tochter nur allzu gern hinweg schaut oder sie gar nicht erst zur Kenntnis nimmt. Hannassey weiß ganz genau, aus welchem Holz sein Sohn geschnitzt ist und wie ein guter Sohn eigentlich sein sollte.

Freilich ist er ebenso in seinen Hass verstrickt wie sein Gegenspieler. Sein Sohn konnte sich zur Verteidigung des Überfalls auf den Kapitän darauf berufen, dass der Vater angeordnet hatte, die Terrill-Leute zu ärgern, wo es nur geht. Letzten Endes war er selbst also verantwortlich, denn er hätte vielleicht wissen müssen, dass sein Sohn nicht in der Lage war, die Grenze an der richtigen Stelle zu ziehen.

Der Schauspieler Wikipedia-Link» Burl Ives ist für diese Rolle sowohl mit einem Oscar als auch mit einem Golden Globe als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden. Interessanterweise hatte er selbst Schuld auf sich geladen, als er in den fünfziger Jahren mit dem berüchtigten Wikipedia-Link» Komitee für unamerikanische Umtriebe kooperierte und Kollegen wie beispielsweise den Sänger Wikipedia-Link» Pete Seeger denunziert hatte.

Todesduell  oben 



Der Major steigt ab
Oder springt er ab?
Und versteckt sich hinter einem Felsen
Alle anderen in wilder Flucht zurück
Dieser Rufus Hannassey weiß eigentlich schon, was sich gehört und was gut und böse ist. Trotzdem hasst er den Major genauso wie dieser ihn. Und das sagt ihm der Kapitän ebenso auf den Kopf zu, und er kann dem ebenfalls nichts entgegnen.

Als dieser mit seinem Freund Ramon und der Lehrerin den Weg zurück durch den Canyon in die Freiheit antritt, reitet der Major mit seiner gesamten Mannschaft in die entgegengesetzte Richtung. Erst hat sich der Vormann die Sache überlegt und ist dem Major nachgeritten, dann nach und nach die ganze Mannschaft. Für den Major ist die Welt wieder in Ordnung.

Die Wachen oben in den Felsen lassen sie zunächst einmal in Frieden. Und irgendwann schnappt die Falle zu. Rufus Hannassey hatte ja angekündigt, dass sie gut vorbereitet seien. Und jetzt sieht man, was damit gemeint war.

Zwei Schranken vom Typ eines Wikipedia-Link» spanischen Reiters (auch friesischer Reiter oder Cheval de frise genannt) werden in den Canyon gestürzt; erst einer, der die Truppe an Vormarsch hindert, dann der zweite, der ihnen den Rückzug abschneidet. Sie sind gefangen wie die Rinder im Corral, bereit zum Abschuss.

Die Pferde reagieren natürlich panisch, die Reiter rasen in wilder Flucht zurück, bis sie erkennen, dass ihnen auch der Rückweg versperrt ist, springen ab und versuchen sich hinter Felsen zu verstecken. Eine wilde Ballerei beginnt, ein Pferd stürzt, vermutlich getroffen.

In den Westernfilmen gibt es im wesentlichen zwei Arten von Schüssen. Entweder ein Schuss sitzt sofort und der Getroffene stürzt tot um, oder der Schuss trifft überhaupt nicht. Wenn der Held schießt, besonders im finalen Wikipedia-Link» Showdown, sitzt der Schuss natürlich perfekt, auch unter den unwahrscheinlichsten Umständen. Ansonsten scheint eher geballert zu werden. Schon beim Überfall ganz zu Anfang stellte der Kapitän ja fest, dass die Jungs nicht schießen können, denn sein Hut, auf den sie gezielt hatten, war unversehrt.

So eine Ballerei kann sich ziemlich lange hinziehen. Und auch in diesem Film darf man den Krach eine Weile bewundern, bis dann schließlich Rufus Hannassey eingreift. Er war, nach kurzer Trauer um seinen Sohn, auf seinem Pferd im Galopp gefolgt und hatte die drei eingeholt. Sein Rufen klingt in der Kulisse des Canyons natürlich sehr beeindruckend. Die deutsche Stimme passt ausgezeichnet zu seinem fassartigen Körper, mit dem er eine erstaunlich gute Figur auf dem Pferd macht. Er befiehlt die Einstellung des Feuers, und auch die Leute des Majors gehorchen.

In der Stille fordert er den Major zu einem Zweikampf heraus, und dieser nimmt an. Die beiden marschieren zu Fuß mit dem Gewehr in der Hand aufeinander zu, und wie es sich im Märchen gehört, erlegen sie sich beide zuverlässig auf den ersten Schuss.

Im Gegensatz zum üblichen Western stehen sich hier also beim Showdown nicht der Gute und der Böse gegenüber, sondern zwei Böse, die einander dann auch folgerichtig gegenseitig umbringen. Der Gute nimmt an dem Showdown gar nicht teil, er ist Beobachter wie der Zuschauer. Er kann nicht eingreifen, er kann den Kampf nicht verhindern, er hat ihn als die logische Konsequenz der Situation zu akzeptieren.

Nur so kann dieser Konflikt beendet werden – einer von den beiden muss sterben, und im Sinne des Guten müssen sogar beide dran glauben, damit wieder Frieden einkehren kann. Und da der böse Sohn des alten Hannassey inzwischen ebenfalls tot ist, mag die Zukunft zur Hoffnung Anlass geben.

Es bleibt natürlich die Frage, was die Tochter des Majors, Patricia Terrill (Wikipedia-Link» Carroll Baker), die ihn zweifellos beerben wird, nun unternimmt. Wird sie den Vormann heiraten und das Regime ihres Vaters in dessen Sinne fortführen und somit notwendigerweise in Konflikt mit ihrer Freundin und ihren ehemaligen Bräutigam kommen, der diese zweifellos heiraten wird?

Vermutlich eher nicht. Sie wird wohl den Besitz verkaufen und in den Osten ziehen. Dessen kulturelle Errungenschaften haben sie sehr beeindruckt, beispielsweise die Tatsache, dass Damen dort rauchen. Sie führt diese Angewohnheit ihrer Freundin vor und behauptet, dass ihr das gut gefallen würde, was man ihr allerdings nicht ganz glaubt.

Vertrauen  oben 



Ein Pferd stürzt
Rette sich, wer kann!
So ein Pech aber auch!
Jetzt kann man sich abknallen lassen.
Merkwürdigerweise wird in diesem Film sonst überhaupt nicht geraucht. In Filmen dieser Zeit wird meist sehr oft und sehr viel geraucht, als würden alle nach Akkord bezahlt. Viele Schauspieler dieser Zeit waren tatsächlich starke Raucher und viele davon sind später an den Folgen des Rauchens gestorben. Anscheinend wusste man damals noch nicht, wie gefährlich das Rauchen ist. Vielleicht hat man es dadurch herausgefunden.

In den ersten Wikipedia-Link» Italowestern von Wikipedia-Link» Sergio Leone wird der Hauptdarsteller, gespielt von Wikipedia-Link» Clint Eastwood, als Zigarrenraucher charakterisiert und das Spiel mit dem Stumpen dramaturgisch immer wieder hervorgehoben. Dabei war Clint Eastwood ein Gegner des Rauchens und mochte diesen Teil seiner Rolle überhaupt nicht. Als er später wieder engagiert wurde, fragte er deshalb den Regisseur misstrauisch, ob er wieder rauchen müsse, und dieser bestand darauf, weil das zur Rolle gehörte. Eastwood musste wohl oder übel einwilligen. Allerdings hat er nach Kräften vermieden, tatsächlich zu rauchen. Das Ding ist meistens aus.

Im Kommentar zur DVD-Ausgabe von Wikipedia-Link» Für ein paar Dollar mehr berichtet der englische Filmwissenschaftler und Leone-Spezialist Wikipedia-Link» Christopher Frayling, dass das Rauchen in dieser Zeit als Stilmittel für den kernigen Helden eingesetzt wurde, während im Gegensatz dazu heute die schwachen und zweifelhaften Typen als Raucher charakterisiert werden.

Das ist bemerkenswert, denn trotz dieser ganz offensichtlichen Stigmatisierung des Rauchens durch die filmische Populärkultur und die Gesundheitsaufklärung kann sich das Rauchen trotzdem behaupten. Warum fangen junge Leute an zu rauchen, wenn Raucher doch einfach nur dumm und verkommen sind? Sind es nur die Musiker, die sich durch Drogenexzesse hervortun und nachgeahmt werden?

Aber ich schweife ab. Der Showdown ist im Grunde wenig aufregend. Es passiert, was passieren muss. Kapitän, Lehrerin und Mexikaner reiten anschließend hinaus in das freie, weite Land und überlassen den Zuschauer seiner Fantasie. Der Kapitän hat nicht verhindern können, dass die Gewalt eskaliert und drei Menschen getötet wurden, aber er hat selbst niemanden umbringen müssen und hatte das auch nicht vor.

Seine Absicht, den Sohn Buck Hannassey im Duell zu erschießen, war vermutlich nur gespielt. Er hätte ja nicht so lange zu zielen brauchen; das war nur Show und im Grunde selber ein Showdown, wo nämlich der wahre Charakter Bucks als Schwächling und Feigling endgültig zum Vorschein kam. Damit war dieser im Grunde ein toter Mann und bei allen unten durch. In einer Zeit und in einem Land, wo die persönliche Ehre sehr hochgehalten wird, war das schlimm genug.

Ist die Frage des Regisseurs durch den Film beantwortet worden? Schwer zu sagen, da die Leute, die dem Kapitän Vertrauen hätten schenken können, keine Rolle spielten. Der Einzige, der ihm ganz offensichtlich vertraut, ist der Mexikaner Ramon, und auf den kommt es sicher nicht an. Kommt es auf die Cowboys an? Vielleicht schon, und deren Reaktion wäre sehr interessant, aber sie wird nicht gezeigt, wie überhaupt deren Einstellungen und Konflikte nur am Rande eine Rolle spielen.

Beim Vormann hat der Kapitän zwar einen gewissen Respekt erworben, aber nur, indem er sich auf dessen Niveau herabgelassen und sich mit ihm geprügelt hat. Insofern kann dieser Erfolg nicht überzeugen. Seiner Braut hat er überhaupt nicht imponiert, im Gegenteil, und wie die anderen Besitzenden, die das Publikum das Balls ausmachten, reagieren werden, können wir im Rahmen der Dramaturgie eines solchen Filmes natürlich ebenfalls nicht erfahren.

Vertrauen, so stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, hat sehr viel mit der hier aufgeworfenen Frage nach Gut und Böse zu tun. Insofern hat der Regisseur mit diesem Stichwort einen ganz wesentlichen Aspekt benannt, der für das menschliche Zusammenleben insgesamt und auch für die Kommunikation mit Tieren ganz wesentlich ist. Um das angemessen erörtern zu können, muss ich Sie aber auf die nächste Woche vertrösten.

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 609 vom 31.08.2014
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