Ausgabe 614 Wenn Erwachsene in den Sattel wollen – mit DVD Lösen Schwingen Kreisen | Eine neue Reitlehre mit Trainingsprogramm
von Prockl, ErikaGebunden, 127 Seiten, 24, 6 x 17, 2 x 1, 6 cmBrunsbek, April 2006
Cadmos Verlag
ISBN 978-3861274278
EUR (D) 29, 90
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vom 02.01.2011 |
Rezension Der Verlag sagt über das Buch:
Der übliche Alltagsstreß führt bei Erwachsenen und oft auch schon bei Jugendlichen zu verspannten Fehlhaltungen, die sich am Pferd besonders negativ auswirken. "Lösen-Schwingen-Kreisen" ist eine moderne Reitlehre mit einem völlig neuen Trainingskonzept, das diesen Problemen entgegenwirkt.
Rückentext
Lösen – Schwingen – Kreisen
Die neue Reitlehre speziell für Erwachsene!
Der übliche Alltagsstress führt bei Erwachsenen und oft auch schon bei Jugendlichen zu verspannten Fehlhaltungen, die sich am Pferd besonders negativ auswirken.
„Lösen-Schwingen-Kreisen“ ist eine moderne Reitlehre mit einem völlig neuen Trainingskonzept, das diesen Zivilisationsschäden entgegenwirkt.
- Ein perfektes Lösungsprogramm entspannt und entkrampft
- Komplexe Reitbewegungen werden in trainierbare Einzelbewegungen zerlegt
- Diese Schwingtkreise können in alltäglichen Situationen sowie am Physioball – dem Ersatzpferd – trainiert werden
Erika Prockl ist Studienrätin und unterrichtet staatlich geprüft nebenberuflich Reiten. Als Spätberufene hat sie den Leidensweg des erwachsenen Anfängers selbst durchlebt und daraus gelernt. In jahrelanger Zusammenarbeit mit Eva Sogl, einer bekannten Dressurausbilderin bis Klasse S, wurde in Wien dieses „beschwingte“ Trainingsprogramm entwickelt, das seit vielen Jahren erfolgreich angewendet wird.
Ein Buch, das zur Pflichtlektüre jeden Reitausbilders zählen sollte!
Verlag
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Rezension
Wer sich vorstellt, dass hier jemand schreibt, der erst kurz vor der Pensionierung mit dem Reiten angefangen hat und für seinesgleichen schreibt, täuscht sich. Die Autorin steigt gleich im ersten Satz mitten in die Problematik ein:
Ich war schon fast 25 Jahre alt, als ich beschloss, reiten zu lernen. Da ich ziemlich sportlich war, sah ich in meinem Alter durchaus kein Problem, was sich aber schon sehr bald als Irrtum herausstellen sollte. Die erste Mal brachte mich der damals noch sehr verbreitete Brüll-Reitunterricht ziemlich aus der Fassung, und dann musste ich auch noch enttäuscht feststellen, dass sich keine wesentlichen Fortschritte machte. Ich fühlte mich am Pferd nie wirklich „zu Hause“ und war nahe daran, das Reiten wieder aufzugeben. [...]
Reiten macht erst dann Spaß, wenn man nicht mehr ständig mit dem eigenen, ungeschickten Körper zu kämpfen hat. Ein Erwachsener kann nicht mehr durch Imitation lernen. Er braucht Erklärungen und viele zusätzliche Übungen, um alte Sitzfehler abzulegen und seinen Körper neu zu koordinieren und auszubalancieren.
a.a.O., Seite 6 |
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Das ist das Programm. Ich kaufe der Autorin die Prämisse nicht ab, dass ein Erwachsener nicht mehr intuitiv lernen kann (sie nennt es: durch Imitation), aber ich gebe zu, dass es schwierige Fälle gibt, die ich, wäre ich ein Reitlehrer, mir nicht würde zumuten mögen. Die Konsequenz lautet: Komplexe Bewegungen in Einzelbewegungen zerlegen, diese einzeln üben lassen und anschließend wieder zusammensetzen.
Erinnern Sie sich noch an die Serie › Kommunikation: Flüstern oder signalisieren? über den Pferdeflüsterer Hans-Jürgen Neuhauser? Auf dessen DVD › HJN-Reiten wurde eine Frau mittleren Alters vorgestellt, die mit ihrem Pferd fast verzweifelte. Der hat er geholfen, aber er hat dazu die Hilfe eines Physiotherapeuten in Anspruch genommen, der exakt so gearbeitet und seinen Ansatz auch ebenso erklärt hat. Natürlich, was gut ist, ist meist naheliegend.
Trotzdem darf man die Leistung, ein solches System auszuarbeiten und praxiswirksam zu gestalten, nicht unterschätzen. Der genannte Physiotherapeut hat kein Buch geschrieben.
Die Autorin arbeitet, wie schon auf dem Titelbild sichtbar, sehr viel mit dem Physioball, aber auch mit anderen Hilfsmitteln. Und sie erklärt. Sie erklärt viel, und gibt jeder Erklärung eine Übung bei, die zusätzlich noch mit Fotos illustriert wird. Ein Beispiel:
Gut gedehnt ist halb gebogen
In der Biegung überwachen unser äußerer Sitzknochen und unser äußeres Bein das ausfallsüchtige äußere Hinterbein des Pferdes. Verwahrend nennt man im Fachjargon diese Beinposition, und nur sehr wenige Reiter machen sich die Mühe, diesen Ausdruck näher zu hinterfragen, geschweige denn, sich damit abzuplagen. Oberbereiter Lindenbauer, einer der besten Reiter und Ausbilder der Spanischen Reitschule in Wien, sagte einmal:
„Wer eine korrekte Wendung reiten kann, dem gelingt auch alles andere.“
Die Reiterdrehung ist zwar ein wichtiger Bestandteil des biegenden Sitzes, aber sie und der treibende Innenschenkel allein können ein Pferd noch lange nicht biegen. Auf den verwahrenden, begrenzenden Außenschenkel kommt es ebenfalls an!
Die Außenpartie des Pferdes ist in der Biegung durch die Dehnung länger als die zusammengeschobene Innenseite. Das bedeutet für den Reiter, dass auch sein äußeres Hüftgelenk samt Bein diese Dehnung mitmachen muss.
Da weder das Gelenk noch das Bein selbst sich verändern können, findet diese Dehnung im Ansatzbereich des Beines, in der Leistengegend statt, ausgerechnet dort, wo starke Bänder und Sehnen unserem Bein Halt verleihen.
Leider ist Dehnung nichts Stabiles, sondern bei jeder Pferdebewegung geht davon ziemlich viel verloren. Wir müssen daher rhythmisch im Takt des Schwingens immer wieder neu beginnen beziehungsweise nachdehnen.
a.a.O., Seite 88 |
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Dieses Buch ist 2006 erschienen und bereits vergriffen. Die Autorin hat früher und später ähnliche Bücher herausgebracht, die noch verfügbar sind. Daraus schließe ich, dass gerade dieses Buch bei den Lesern außerordentlich beliebt ist.
Wie erklärt sich das? Die Autorin wird in den anderen Büchern nicht anders schreiben und auch nicht wesentlich Anderes verkünden. Liegt das an der beigelegten DVD? Mit dieser werde ich mich in der nächsten Woche beschäftigen.
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