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![]() Starker Trab |
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Fragen wir uns doch gleich mal bei der Gelegenheit: „pro-ballein „und bedeutet soviel wie:“ vor sich aufwerfen, auftürmen „problema“ = „Streitfrage“ . Wenn jemand was vor sich aufwirft, auftürmt, dann baggert er sich sein Problem offensichtlich selbst vor die Füße, versperrt sich selbst den Weg zum Erfolg. Aber was ist das, was er da „aufwirft“ und wie kommt das? Der zweite Teil der etymologischen Deutung gibt auch schon die Antwort: Er wirft „Streitfragen“ auf. „Streit“ wiederum direkt etymologisch verwandt mit „Sich-Wehrens“ . Ich verwahre mich gegen eine falsche Behandlung meiner Person, meiner Interessen, die aus ganz bestimmten persönlichen Dispositionen geboren sind. Gleiches gilt für meinen „Wider-Part“ , hier das Pferd. Auch das Pferd hat eine Persönlichkeit, also auch Interessen, die aus der Disposition seiner ganz speziellen Bedingungen entstehen. Ein Problem entsteht also immer dann, wenn es zu einem „Interessens-Konflikt“ kommt. (Lat.: „conflectere“ = „miteinander verweben, verflechten“ ). Das heisst, es gibt für beide eine Schnittstelle, wo sich die jeweils ganz eigenen Interessen berühren, miteinander verflochten sind – spätestens dann, wenn der Reiter auf seinem Pferd hockt nämlich. Und dieses „Gegeneinander“ der Interessenlagen ist eben kein „Füreinander“ oder „Problemfall“ des Reitens liegt die Verantwortung für das Erstellen der nötigen Übereinstimmung einwandfrei auf Seiten des Reiters. Das Pferd ist, wie es ist und seine Grundbedingungen sind unabänderlich. Bzw. eine Ignorierung derselben führt zwangsläufig zum Konfliktfall, da das Pferd diesbezüglich in der Tat keine Wahl hat! Der Reiter aber kann „strategisch“ denken, er ist frei in der geistigen Bewegung in der Zeit und frei in der Einsicht in die Verhältnismäßigkeiten, um so diese mit ins Kalkül zu ziehen und auf diese Weise doch noch zu seiner „Interessenswahrung“ zu gelangen, ohne die des beteiligten Pferdes zu verletzen. Im Gegenteil: Je mehr sich der Reiter imstande sieht, sich in die Verhältnisse des Pferdes einzufühlen, hineinzuversetzen, desto klarer sieht er die Bedingungen unter denen er arbeiten muss. Aber desto klarer sieht er auch die Möglichkeiten, die ihm nun realistisch verbleiben, um sein Ziel weiter zu verfolgen! Wenn ihm nun in einer das Selbst-überwindenden-Integration die Vereinigung beider Interessenlagen gelingt, dann stehen ihm alle reiterlichen Ziele im Rahmen des Pferdpotentials zur Verfügung. Er muss also im Konflikt-, Verflechtungsfalle erst einmal „entflechten“ (also sondieren, sortieren, gewichten), sich eine Überblick über die „Zusammenhänge“ machen, um dann neu zu verbinden, also vorhandene erkannte Ressourcen, Potentiale & Optionen in Übereinstimmung mit den Verhältnismässigkeiten zielgerecht zu verbinden . Aus einem Wollfilz knüpft man nun mal keinen Teppich von Bayeux. Ein Problem resultiert demnach immer aus den nicht erkannten Möglichkeiten, die zur Übereinstimmung führen. Darum diese fast schon „elegischen“ Ausführungen zum Thema, weil diese Erkenntnis so oft übersehen wird, dass man sich nicht wundern muss, warum so vieles im Reiten falsch und unbefriedigend für beide Teile läuft. Kommen wir nun zur praktischen Anwendung dieser Erkenntnisse. Wir hatten festgestellt, dass jedwede Lektion im Grunde lediglich die Variation von zwei Grundzuständen der Bewegung des Pferdes darstellen. Entweder zählt diese Lektion zur „Geradeaus“ – oder zur „Biegungs“ -Fraktion. Aber auch hier kann man ein, beide Fraktionen übergreifend, vereinigendes Element erkennen: Ob geradeaus oder gebogen, beides hängt in letzter Konsequenz nur von der Beckenstellung und den ergänzenden Zügelhilfen ab – also von der Adaption der reiterlichen Haltung durch das Pferd. Der oben erwähnte „Spiegelgehorsam“ ist also das Schlüsselelement. |
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Ist dieser prinzipielle Spiegelgehorsam gegeben, dann sind alle Lektionen lediglich Varianten des grundlegenden Kräfteverhältnisses zwischen treibenden, verwahrenden und verhaltenden Hilfen, ausgedrückt über die raumzeitliche Intensität derselben. Einfacher: So wie ich aus lediglich 26 Buchstaben des Alpahabets durch Kombination Millionen Worte formen kann, so mit lediglich 3 grundlegenden Einwirkungsformen beliebig viele Lektionen. Für jede Lektion gelten die drei grundlegenden Einwirkungsformen. Was zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Anwendung führt ist nichts anderes, als unterschiedliche Verhältnisse in Bezug auf Zeitpunkt, Zeitdauer, Ort und Stärke der jeweiligen Einwirkungsform in Verbindung mit den anderen beiden. Ein Beispiel: Ob das Pferd nun Schulterherein oder Traversale im Trab geht, in beiden Fällen wäre bei einem Schnappschuss von oben nicht ohne weiteres erkennbar, welche Lektion geritten würde, da in beiden Fällen die Längsbiegung, das Taktverhalten, der Sitz des Reiters ununterscheidbar wären. Und in der Tat ändert sich beim Wechsel vom Schulterherein zur Traversale nur wenig. Der äußere Zügel kommt zum verstärkten Arret und das Becken des Reiters rotiert leicht nach außen gegensitzend. Das war´s. Von außen nicht sichtbar, nur für das sensible, geschulte Pferd spür- und interpretierbar! Dieser Spiegelgehorsam auf Becken- und Schulterstellung des Reiters muss selbstverständlich eingeübt werden. Das Pferd muss lernen, die Verlagerung des Beckens nicht als zufällig oder willkürlich einzuordnen, sondern als strukturierendes Signal mit bestimmter und unverwechselbarer Bedeutung. Dies verlangt von dem Reiter wie von dem Pferd ein sehr grosses Differenzierungsvermögen in der Wahrnehmung wie Ausübung. Diese zur differenzierten Einwirkung notwendige Nuancierung resultiert einzig und allein aus · einem losgelassenen Gleichgewichtssitz · einer „trafoartig“ (= „stufenlos regelbaren“ ) eingesetzten Muskulatur des Reiters · einer gesteigerten Sensitivität gegenüber der Pferdereaktion auf die eigene Einwirkung hin Wir sehen: die anfänglich vielleicht übertrieben anmutende Betonung der Bedeutung von Longenunterricht findet hier ihre Legitimation. Denn ohne einen solchen aufwendigen Longenunterricht hat der Schüler es enorm schwer, sich die erforderlichen Komponenten anzueignen! Lösen: Vorweg: Das Pferd ist der Leistungssportler und nicht der Reiter! Aus diesem kühlen Grund ist das Pferd wie ein solcher zu betrachten und zu trainieren. Daher muss der Reiter, damit er sein Pferd durch unsachgemässe Belastung nicht schädigt, zumindest in Grundzügen sein Pferd in anatomischen und physiologischen Belangen kennen! Ein schablonenhaftes Runterkurbeln vermeintlicher Routineeinheiten, – wie es meist praktiziert wird -, ist kein „Lösen“ , ist kein „Trainieren“ das ist vorsätzliche Körperverletzung! Das ist kein starker Tobak, das ist die Wahrheit. Das Pferd wird durch unser Anliegen, durch unsere Anwesenheit auf ihm einer deutlich stärkeren und ursprünglich wesenhaft nicht vorgesehenen Belastung ausgesetzt. Das muss(!) bei, in Unkenntnis der Zusammenhänge begründeter, unsachgemäßer Behandlung zur erhöhten Verschleiß-, Verletzungs- und psychischen Deformationsgefahr führen. Das kann man nicht oft genug betonen. |
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Lösung beginnt, wie gesagt, im Kopf des Pferdes. (siehe auch: Kapitel Training-Probleme) Erst danach macht ein körperliches Lösen Sinn, da Anspannung resultierend aus emotionaler Erregung, geistiger Überlastung oder Unterforderung, Unzufriedenheit mangels artgerechter Haltung etc. nicht einfach und ausschließlich über körperliche Exerzitien abzubauen ist! Ansonsten gilt: Die Lösungsphase ist von ganz individueller Dauer und Beschaffenheit. Das eine Pferd kommt bereits gelassen in die Halle, das andere ist frühestens nach 45 Minuten belastbar. Das eine benötigt viele wechselnde Längsdehnung über biegende Lektionen, das andere löst sich in der Piaffe. Das Lösen trainiert das Zusammenspiel der Hilfen, festigt die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Die sogenannte „Gelenkschmiere“ (Synovialflüssigkeit) wird bereits nach wenigen Minuten durch die Druckbelastung im Schritt gebildet, ernährt den Gelenkknorpel und hält diesen elastisch. Das sogenannte Aufwärmen (Pferd hat Durchschnittstemperatur zwischen 37, 5° und 38, 2°) bedeutet nicht, dass das Pferd z.B. 40° bekommen muss, damit es leistungsfähig ist! Sicher ist, dass für alle wesentlichen biochemischen Abläufe Idealtemperaturen wichtig sind, sonst kommen sie zum Erliegen oder laufen nur eingeschränkt, bzw. teilweise sogar mit aktiv-schädlicher Auswirkung ab. Nur: Die Normaltemperatur entspricht diesen Anforderungen absolut. Es ist also keineswegs nötig, ja sogar schädlich, das Pferd zum „Lösen“ „aufzuwärmen“ im Sinne eines „Aufheizens“ ! (Endloses Abgaloppieren, Über-Tempo-Reiten etc.) Der Begriff des „Aufwärmens“ besagt mißverständlicherweise nichts anderes, als dass die Muskulatur durch angemessene Belastung dehnungsfähiger gemacht und in ihrer Durchblutungsrate maximiert wird! Das bedeutet, dass der Muskel durch die verstärkte Durchblutung einen höheren Wärmeanteil hat und natürlich infolge der Energierzeugung und umwandlung zusätzliche Wärme erzeugt, freigesetzt wird, aber nicht, dass die Körpertemperatur davon bei angemessener Belastung nennenswert beeinflusst würde (ausserhalb der oben genannten Schwankungsbreite). |
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Die Frage lautet also: Was ist eine angemessene Belastung, die ausreichend Dehnungsfähigkeit notwendig für · die Elastifizierung von Muskeln (Sehnen, Bänder nur sehr eingeschränkt, da eine zu große Dehnungsfähigkeit keinen Hebelansatz für die Muskulatur darstellt und der Muskel somit in seiner Übertragungskraft stark geschwächt würde) · Beschleunigungskraft (Spannkraft wird nur über elastische Dehnungsfähigkeit erreichbar!) · Belastungsdämpfung (je länger die räumlich-zeitliche Strecke ist, über die sich eine Belastung verteilen kann, umso geringer ist die punktuelle Belastung und damit die Verschleiß- und Verletzungsgefahr) · Reaktionsschnelligkeit (ein elastischer, weil gedehnter Muskel hat weniger Eigentonus und hat daher weniger Eigenwiderstand zu überwinden ist also schneller, außerdem können solche Muskelgruppen leichter nerval angesteuert und koordiniert werden. Er besitzt einfach mehr Spannkraft, da diese sich aus dem Kontraktionsweg des Muskels aufaddiert: „Kurzer“ Muskel im Sinne eines verhärteten Muskels – = kurzer Weg <=> geringe Spannkraft, „Langer“ Muskel im Sinne eines durch Entspannung verlängerten Muskels = langer Weg <=> grosse Spannkraft) · Reaktionsbandbreite (das Pferd gewinnt an Balancesicherheit auch bei extremeren Bewegungsabläufen oder Belastungen. Es kann sich „vortasten“ , besser an schwierige, wechselnde Bodenverhältnisse anpassen das eher „grobmotorische“ Pferd kennt dagegen nur „Licht an“ „Licht aus“ und keine Abstufungen dazwischen, was dazu führt, dass das Pferd chronisch entweder untermotorisiert oder eben übermotorisiert läuft!) · Ausdrucksstärke (das Pferd gewinnt an „Gelenkigkeit“ , die ja eigentlich ein Produkt elastischer Muskeln ist!) · Durchblutungsverstärkung (Pumpmechanismus der Muskulatur ist bei elastischer Muskulatur deutlich erhöht!) · Verformungstreue (die Fähigkeit nach einer durch Belastung erfolgten Verformung unverzüglich und ohne bleibende Spuren wieder in den Ursprungszustand zurückzukehren. Grundlage für Dauerbelastung!) · die korrekte Tonisierung (= Erstellen einer Eigenspannung der Muskulatur, die sich, – nach dem „Aufwärmen“ -, im Ruhezustand im Mittel der maximal möglichen An- bzw- Abspannung befindet und so eine maximale Reaktionsbandbreite nach oben wie unten besitzt, was wiederum dazu führt, dass das Pferd – Sicherheitsreserven besitzt ( „noch einen drauf legen kann“ )und die erforderliche Durchblutungsrate (durchblutet an sich wird der gesunde Muskel ja immer allein die mengenmäßige Durchflussrate wirkt sich leistungsteigernd/-mindernd aus!) notwendig · für An- und Abtransport der Stoffwechselprodukte · als „Kühlanlage“ Bedeutung des Wärmeaustauschs durch Zirkulation · als „hydraulischer Stabilisator“ der Muskeltätigkeit und Organe Bedeutung des Blutdrucks · als „mobiler Körper-ADAC“ Bedeutung als Immunsystemträger und Reparaturdienst bei Verletzungen, wobei noch nicht mal äußerlich sichtbare gemeint sind, sondern die muskelinternen Feinrisse, die bei falscher oder Überbelastung entstehen können) gewährleistet? Es ist klar, dass die grundsätzliche Belastungsfähigkeit eines Pferdes von seiner · Konstitution · Kondition und · Koordinationsfähigkeit abhängig ist. wird fortgesetzt |
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