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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 664, erschienen am 18.12.2011

Magazin  Ausgabe 664

Prinzipieller Spiegelgehorsam
durch Beckenstellung und Zügelhilfen

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Lösung
  2. Abschnitt  Problem
  3. Abschnitt  Spiegelgehorsam
  4. Abschnitt  Lösung
  5. Abschnitt  Belastung
  6. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 655:
Hauptartikel  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 656:
Hauptartikel  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 660:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 663:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiten als offenes System

Teil Teil 17
CENTAURON - Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22, Ausgabe Magazin 669:
Hauptartikel  CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
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Starker Trab
CENTAURON – Lösung

Verantwortlich reiten: „Spiegelgehorsam“ ist das Schlüsselelement

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Werner Popken


Die Erholungsphase
ist keineswegs mit dem oft zu beobachtenden „Herumlatschenlassen“ zu verwechseln!
Jeder Athlet weiss, dass er gut daran tut, nach Beendigung der Hochleistungsphase eine Art „Come-down“ -Übungsphase anschließen zu lassen, wobei Körper & Geist systematisch auf das Ruhelevel herunter gepegelt werden.

Wenn jemand einen Marathon gelaufen ist, dann wird er nicht abrupt am Ziel stehen bleiben und sich nicht mehr rühren.
Er wird sich auslaufen lassen und entspannende Übungen miteinbeziehen, damit der erschöpfte Körper Gelegenheit findet, sich unter kontrollierten Bedingungen und geringfügiger Belastung (als eine Art Restaurations-Trigger) zu rekonstituieren.

Für das Pferd bedeutet dies:

- geruhsame Gangart im Bereich der Gymnastizierungsebene

- gefolgt von den einleitenden Möglichkeiten in der Aufwärmphase

- erst wegstellen, wenn das Pferd weitestmöglich trocken ist und die Atmung bei der Ruhefrequenz angekommen ist und eindeutige Anzeichen der Entspannung sich eingestellt haben (Abschnauben, ruhig pendelnder Gang, ebensolcher Schweif, Fallenlassen aus der Schulter heraus, Abstrecken ohne zu stoßen, ruhiger-klarer Blick).

Nochmal:

Wir brauchen ein los(e)-gelassenes Pferd.
Widerstand ist Festigkeit ist mangelnde Lösung.

Wenn Sie ein Problem haben, dann ist Lösung fast immer DIE Lösung.

Es bedeutet auch für den Reiter nicht verhaftet zu sein durch

- falschen Ehrgeiz

- Profilierungs-Neurosen

- Überschätzung der eigenen Möglichkeiten oder der des Pferdes

- Unachtsamkeit (soll heißen: mangelndes dauerhaftes Aktualisieren und Neuorientieren während der Arbeit)

- stures Festbeißen an einer Zielvorstellung

- langweiliges Rumrödeln ohne nötige Abwechslung etc.

Sie verlangen von Ihrem Pferd absolute Beweglichkeit, dann kommen Sie mal schön selbst in die Gänge.
Das, was beim Pferd an körperlicher Gewandtheit gefordert ist, findet seine Entsprechung in der geistigen Gewandtheit des Reiters!

Problem  oben 



Fragen wir uns doch gleich mal bei der Gelegenheit:

„pro-ballein „und bedeutet soviel wie:“ vor sich aufwerfen, auftürmen „problema“ = „Streitfrage“ .

Wenn jemand was vor sich aufwirft, auftürmt, dann baggert er sich sein Problem offensichtlich selbst vor die Füße, versperrt sich selbst den Weg zum Erfolg.
Aber was ist das, was er da „aufwirft“ und wie kommt das?

Der zweite Teil der etymologischen Deutung gibt auch schon die Antwort:
Er wirft „Streitfragen“ auf.
Streit“ wiederum direkt etymologisch verwandt mit „Sich-Wehrens“ .
Ich verwahre mich gegen eine falsche Behandlung meiner Person, meiner Interessen, die aus ganz bestimmten persönlichen Dispositionen geboren sind.
Gleiches gilt für meinen „Wider-Part“ , hier das Pferd.
Auch das Pferd hat eine Persönlichkeit, also auch Interessen, die aus der Disposition seiner ganz speziellen Bedingungen entstehen.

Ein Problem entsteht also immer dann, wenn es zu einem „Interessens-Konflikt“ kommt.
(Lat.: „con­flectere“ = „miteinander verweben, verflechten“ ).
Das heisst, es gibt für beide eine Schnittstelle, wo sich die jeweils ganz eigenen Interessen berühren, miteinander verflochten sind – spätestens dann, wenn der Reiter auf seinem Pferd hockt nämlich.
Und dieses „Gegeneinander“ der Interessenlagen ist eben kein „Füreinander“ oder „Problemfall“ des Reitens liegt die Verantwortung für das Erstellen der nötigen Übereinstimmung einwandfrei auf Seiten des Reiters.
Das Pferd ist, wie es ist und seine Grundbedingungen sind unabänderlich.
Bzw. eine Ignorierung derselben führt zwangsläufig zum Konfliktfall, da das Pferd diesbezüglich in der Tat keine Wahl hat!

Der Reiter aber kann „strategisch“ denken, er ist frei in der geistigen Bewegung in der Zeit und frei in der Einsicht in die Verhältnismäßigkeiten, um so diese mit ins Kalkül zu ziehen und auf diese Weise doch noch zu seiner „Interessenswahrung“ zu gelangen, ohne die des beteiligten Pferdes zu verletzen.

Im Gegenteil:
Je mehr sich der Reiter imstande sieht, sich in die Verhältnisse des Pferdes einzufühlen, hineinzuversetzen, desto klarer sieht er die Bedingungen unter denen er arbeiten muss.
Aber desto klarer sieht er auch die Möglichkeiten, die ihm nun realistisch verbleiben, um sein Ziel weiter zu verfolgen!
Wenn ihm nun in einer das Selbst-überwindenden-Integration die Vereinigung beider Interessenlagen gelingt, dann stehen ihm alle reiterlichen Ziele im Rahmen des Pferdpotentials zur Verfügung.

Er muss also im Konflikt-, Verflechtungsfalle erst einmal „entflechten“ (also sondieren, sortieren, gewichten), sich eine Überblick über die „Zusammenhänge“ machen, um dann neu zu verbinden, also vorhandene erkannte Ressourcen, Potentiale & Optionen in Übereinstimmung mit den Verhältnismässigkeiten zielgerecht zu verbinden .
Aus einem Wollfilz knüpft man nun mal keinen Teppich von Bayeux.

Ein Problem resultiert demnach immer aus den nicht erkannten Möglichkeiten, die zur Übereinstimmung führen.

Darum diese fast schon „elegischen“ Ausführungen zum Thema, weil diese Erkenntnis so oft übersehen wird, dass man sich nicht wundern muss, warum so vieles im Reiten falsch und unbefriedigend für beide Teile läuft.

Kommen wir nun zur praktischen Anwendung dieser Erkenntnisse.

Wir hatten festgestellt, dass jedwede Lektion im Grunde lediglich die Variation von zwei Grundzuständen der Bewegung des Pferdes darstellen.
Entweder zählt diese Lektion zur „Geradeaus“ – oder zur „Biegungs“ -Fraktion.
Aber auch hier kann man ein, beide Fraktionen übergreifend, vereinigendes Element erkennen:

Ob geradeaus oder gebogen, beides hängt in letzter Konsequenz nur von der Beckenstellung und den ergänzenden Zügelhilfen ab – also von der Adaption der reiterlichen Haltung durch das Pferd.
Der oben erwähnte „Spiegelgehorsam“ ist also das Schlüsselelement.

Spiegelgehorsam  oben 



Ist dieser prinzipielle Spiegelgehorsam gegeben, dann sind alle Lektionen lediglich Varianten des grundlegenden Kräfteverhältnisses zwischen treibenden, verwahrenden und verhaltenden Hilfen, ausgedrückt über die raumzeitliche Intensität derselben.

Einfacher:
So wie ich aus lediglich 26 Buchstaben des Alpahabets durch Kombination Millionen Worte formen kann, so mit lediglich 3 grundlegenden Einwirkungsformen beliebig viele Lektionen.
Für jede Lektion gelten die drei grundlegenden Einwirkungsformen.
Was zu unterschiedlichen Ergebnissen in der Anwendung führt ist nichts anderes, als unterschiedliche Verhältnisse in Bezug auf Zeitpunkt, Zeitdauer, Ort und Stärke der jeweiligen Einwirkungsform in Verbindung mit den anderen beiden.

Ein Beispiel:
Ob das Pferd nun Schulterherein oder Traversale im Trab geht, in beiden Fällen wäre bei einem Schnappschuss von oben nicht ohne weiteres erkennbar, welche Lektion geritten würde, da in beiden Fällen die Längsbiegung, das Taktverhalten, der Sitz des Reiters ununterscheidbar wären.
Und in der Tat ändert sich beim Wechsel vom Schulterherein zur Traversale nur wenig.
Der äußere Zügel kommt zum verstärkten Arret und das Becken des Reiters rotiert leicht nach außen gegensitzend.
Das war´s.
Von außen nicht sichtbar, nur für das sensible, geschulte Pferd spür- und interpretierbar!

Dieser Spiegelgehorsam auf Becken- und Schulterstellung des Reiters muss selbstverständlich eingeübt werden.
Das Pferd muss lernen, die Verlagerung des Beckens nicht als zufällig oder willkürlich einzuordnen, sondern als strukturierendes Signal mit bestimmter und unverwechselbarer Bedeutung.
Dies verlangt von dem Reiter wie von dem Pferd ein sehr grosses Differenzierungsvermögen in der Wahrnehmung wie Ausübung.

Diese zur differenzierten Einwirkung notwendige Nuancierung resultiert einzig und allein aus

· einem losgelassenen Gleichgewichtssitz

· einer „trafoartig“ (= „stufenlos regelbaren“ ) eingesetzten Muskulatur des Reiters

· einer gesteigerten Sensitivität gegenüber der Pferdereaktion auf die eigene Einwirkung hin

Wir sehen:
die anfänglich vielleicht übertrieben anmutende Betonung der Bedeutung von Longenunterricht findet hier ihre Legitimation.
Denn ohne einen solchen aufwendigen Longenunterricht hat der Schüler es enorm schwer, sich die erforderlichen Komponenten anzueignen!

Lösen:

Vorweg:
Das Pferd ist der Leistungssportler und nicht der Reiter!

Aus diesem kühlen Grund ist das Pferd wie ein solcher zu betrachten und zu trainieren.
Daher muss der Reiter, damit er sein Pferd durch unsachgemässe Belastung nicht schädigt, zumindest in Grundzügen sein Pferd in anatomischen und physiologischen Belangen kennen!

Ein schablonenhaftes Runterkurbeln vermeintlicher Routineeinheiten, – wie es meist praktiziert wird -, ist kein „Lösen“ , ist kein „Trainieren“ ­
das ist vorsätzliche Körperverletzung!

Das ist kein starker Tobak, das ist die Wahrheit.
Das Pferd wird durch unser Anliegen, durch unsere Anwesenheit auf ihm einer deutlich stärkeren und ursprünglich wesenhaft nicht vorgesehenen Belastung ausgesetzt.
Das muss(!) bei, in Unkenntnis der Zusammenhänge begründeter, unsachgemäßer Behandlung zur erhöhten Verschleiß-, Verletzungs- und psychischen Deformationsgefahr führen.

Das kann man nicht oft genug betonen.

Lösung  oben 



Lösung beginnt, wie gesagt, im Kopf des Pferdes.
(siehe auch: Kapitel Training-Probleme)

Erst danach macht ein körperliches Lösen Sinn, da Anspannung resultierend aus emotionaler Erregung, geistiger Überlastung oder Unterforderung, Unzufriedenheit mangels artgerechter Haltung etc. nicht einfach und ausschließlich über körperliche Exerzitien abzubauen ist!

Ansonsten gilt:

Die Lösungsphase ist von ganz individueller Dauer und Beschaffenheit.
Das eine Pferd kommt bereits gelassen in die Halle, das andere ist frühestens nach 45 Minuten belastbar.
Das eine benötigt viele wechselnde Längsdehnung über biegende Lektionen, das andere löst sich in der Piaffe.

Das Lösen trainiert das Zusammenspiel der Hilfen, festigt die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Die sogenannte „Gelenkschmiere“ (Synovialflüssigkeit) wird bereits nach wenigen Minuten durch die Druckbelastung im Schritt gebildet, ernährt den Gelenkknorpel und hält diesen elastisch.

Das sogenannte Aufwärmen (Pferd hat Durchschnittstemperatur zwischen 37, 5° und 38, 2°) bedeutet nicht, dass das Pferd z.B.
40° bekommen muss, damit es leistungsfähig ist!
Sicher ist, dass für alle wesentlichen biochemischen Abläufe Idealtemperaturen wichtig sind, sonst kommen sie zum Erliegen oder laufen nur eingeschränkt, bzw. teilweise sogar mit aktiv-schädlicher Auswirkung ab.
Nur: Die Normaltemperatur entspricht diesen Anforderungen absolut.

Es ist also keineswegs nötig, ja sogar schädlich, das Pferd zum „Lösen“ „aufzuwärmen“ im Sinne eines „Aufheizens“ !
(Endloses Abgaloppieren, Über-Tempo-Reiten etc.)

Der Begriff des „Aufwärmens“ besagt mißverständlicherweise nichts anderes, als dass die Muskulatur durch angemessene Belastung dehnungsfähiger gemacht und in ihrer Durchblutungsrate maximiert wird!
Das bedeutet, dass der Muskel durch die verstärkte Durchblutung einen höheren Wärmeanteil hat und natürlich infolge der Energierzeugung und ­umwandlung zusätzliche Wärme erzeugt, freigesetzt wird, aber nicht, dass die Körpertemperatur davon bei angemessener Belastung nennenswert beeinflusst würde (ausserhalb der oben genannten Schwankungsbreite).

Belastung  oben 



Die Frage lautet also:
Was ist eine angemessene Belastung, die ausreichend Dehnungsfähigkeit

notwendig für

· die Elastifizierung von Muskeln (Sehnen, Bänder nur sehr eingeschränkt, da eine zu große Dehnungsfähigkeit keinen Hebelansatz für die Muskulatur darstellt und der Muskel somit in seiner Übertragungskraft stark geschwächt würde)

· Beschleunigungskraft (Spannkraft wird nur über elastische Dehnungsfähigkeit erreichbar!)

· Belastungsdämpfung (je länger die räumlich-zeitliche Strecke ist, über die sich eine Belastung verteilen kann, umso geringer ist die punktuelle Belastung und damit die Verschleiß- und Verletzungsgefahr)

· Reaktionsschnelligkeit (ein elastischer, weil gedehnter Muskel hat weniger Eigentonus und hat daher weniger Eigenwiderstand zu überwinden ist also schneller, außerdem können solche Muskelgruppen leichter nerval angesteuert und koordiniert werden. Er besitzt einfach mehr Spannkraft, da diese sich aus dem Kontraktionsweg des Muskels aufaddiert:
Kurzer“ Muskel ­ im Sinne eines verhärteten Muskels – = kurzer Weg <=> geringe Spannkraft,
Langer“ Muskel ­ im Sinne eines durch Entspannung verlängerten Muskels = langer Weg <=> grosse Spannkraft)

· Reaktionsbandbreite (das Pferd gewinnt an Balancesicherheit auch bei extremeren Bewegungsabläufen oder Belastungen. Es kann sich „vortasten“ , besser an schwierige, wechselnde Bodenverhältnisse anpassen ­ das eher „grobmotorische“ Pferd kennt dagegen nur „Licht an“ ­ „Licht aus“ und keine Abstufungen dazwischen, was dazu führt, dass das Pferd chronisch entweder untermotorisiert oder eben übermotorisiert läuft!)

· Ausdrucksstärke (das Pferd gewinnt an „Gelenkigkeit“ , die ja eigentlich ein Produkt elastischer Muskeln ist!)

· Durchblutungsverstärkung (Pumpmechanismus der Muskulatur ist bei elastischer Muskulatur deutlich erhöht!)

· Verformungstreue (die Fähigkeit nach einer durch Belastung erfolgten Verformung unverzüglich und ohne bleibende Spuren wieder in den Ursprungszustand zurückzukehren. Grundlage für Dauerbelastung!)

· die korrekte Tonisierung (= Erstellen einer Eigenspannung der Muskulatur, die sich, – nach dem „Aufwärmen“ -, im Ruhezustand im Mittel der maximal möglichen An- bzw- Abspannung befindet und so eine maximale Reaktionsbandbreite nach oben wie unten besitzt, was wiederum dazu führt, dass das Pferd
– Sicherheitsreserven besitzt ( „noch einen drauf legen kann“ )
– Sich stufenlos verstellbar ( „Trafo-Muskel“ ) zeigt
– Weniger Energie verbraucht (also länger belastbar bleibt und die Belastung für das Pferd weniger als solche „ersichtlich“ wird, was dessen Leistungsbereitschaft somit stabilisieren hilft!)
– die Stützmuskulatur (Rückenmuskulatur, Rippenmuskulatur und schräge Bauchmuskulatur) sich abspannt, damit
– Biegung (laterale Dehnungshaltung) überhaupt möglich ist
– Die Atmung (Rippenmuskulatur wird auch „Atmungsmuskulatur“ genannt) frei arbeiten kann
und die erforderliche Durchblutungsrate (durchblutet an sich wird der gesunde Muskel ja immer ­ allein die mengenmäßige Durchflussrate wirkt sich leistungsteigernd/-mindernd aus!)

notwendig

· für An- und Abtransport der Stoffwechselprodukte
· als „Kühlanlage“ ­ Bedeutung des Wärmeaustauschs durch Zirkulation
· als „hydraulischer Stabilisator“ der Muskeltätigkeit und Organe ­ Bedeutung des Blutdrucks
· als „mobiler Körper-ADAC“ ­ Bedeutung als Immunsystemträger und Reparaturdienst bei Verletzungen, wobei noch nicht mal äußerlich sichtbare gemeint sind, sondern die muskelinternen Feinrisse, die bei falscher oder Überbelastung entstehen können)

gewährleistet?

Es ist klar, dass die grundsätzliche Belastungsfähigkeit eines Pferdes von seiner
· Konstitution
· Kondition und
· Koordinationsfähigkeit
abhängig ist.


wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
    EquiVoX-Link Ausgabe 648 · Teil Teil 1
  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
    EquiVoX-Link Ausgabe 652 · Teil Teil 5
  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 654 · Teil Teil 7
  9. Magazin  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung, Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade
    EquiVoX-Link Ausgabe 655 · Teil Teil 8
  10. Magazin  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken, Verantwortlich reiten: Der Konditionierungsprozess: Prinzip, Methode, Technik
    EquiVoX-Link Ausgabe 656 · Teil Teil 9
  11. Magazin  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf, Verantwortlich reiten: Skala der Ausbildung – Takt
    EquiVoX-Link Ausgabe 657 · Teil Teil 10
  12. Magazin  CENTAURON – Kauen, Longe, Verantwortlich reiten: Ausbildung und Unterricht
    EquiVoX-Link Ausgabe 658 · Teil Teil 11
  13. Magazin  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz, Verantwortlich reiten: Leichttraben
    EquiVoX-Link Ausgabe 659 · Teil Teil 12
  14. Magazin  CENTAURON – Hilfen, Verantwortlich reiten: Gewichtshilfe, Zügelhilfe, Schenkelhilfe
    EquiVoX-Link Ausgabe 660 · Teil Teil 13
  15. Magazin  CENTAURON – Sturz, Verantwortlich reiten: Hufschlagfiguren, Gymnastizierung des Reiters
    EquiVoX-Link Ausgabe 661 · Teil Teil 14
  16. Magazin  CENTAURON – Übungen zu Pferde, Verantwortlich reiten: Gleichgewichtswahrnehmung, blind reiten, Sinn der Lektionen
    EquiVoX-Link Ausgabe 662 · Teil Teil 15
  17. Magazin  CENTAURON – Reiten als offenes System, Verantwortlich reiten: Die Arbeitsstunde für das Pferd
    EquiVoX-Link Ausgabe 663 · Teil Teil 16


Abbildungen
Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


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