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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 664, erschienen am 18.12.2011

Magazin  Ausgabe 664
Heidi Keppel
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Weihnachten naht -
Die Geburtsstunde der Liebe

Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel

Weihnachten steht vor der Tür, und deshalb möchte ich meine aktuelle Artikelreihe unterbrechen, um auch dieses Jahr ein paar dazu passende Gedanken loszuwerden, die mir am Herzen liegen.

Diese ganz besonderen Feiertage sollen uns an die Geburt Jesu erinnern, der als unser Erlöser gilt. Er hat während seines relativ kurzen Lebens und ebenso nach seinem Tod und seiner Auferstehung viele unglaubliche und einprägsame Wunder vollbracht, aber sein allergrößtes Geschenk an uns ist meiner Meinung nach die bedingungslose Liebe, die er uns nicht nur unermüdlich gepredigt, sondern auch in vielfältiger Weise vorgelebt hat.

Diese besonders erstrebenswerte Art der Liebe, die über Fehler und Schwächen der Anderen großzügig hinwegsieht bzw. sie als Teil ihrer Persönlichkeit akzeptiert, kann uns tatsächlich erlösen und uns das allseits ersehnte Seelenheil bringen, aber vor allem kann sie uns – und das ist auch für sämtliche Nichtchristen interessant – das irdische Leben in vielen alltäglichen Bereichen enorm verschönern und erleichtern.

Nicht umsonst sagt ein altes Sprichwort, dass Liebe alle Türen öffnet. Begegnen wir unseren Mitmenschen stets mit liebevollen Gedanken, so werden auch sie uns in positiver Weise entgegenkommen. Latent vorhandene negative Emotionen werden damit oft schon im Keim erstickt, wodurch ein friedvolles Zusammenleben optimal gefördert wird. Etwaige Sorgen und Probleme lassen sich außerdem in einer von aufrichtiger Liebe geprägten Umgebung nicht nur leichter ertragen, sondern lösen sich unter solchen Bedingungen häufig wie von Zauberhand gelenkt in allgemeinem Wohlgefallen auf.

Dieses Prinzip lässt sich ebenso auf jegliche Lebensgemeinschaft mit Tieren übertragen, und aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit Pferden kann ich nur bestätigen, dass eine derart tiefe Liebe auch ein besonders stabiles Fundament für eine harmonische reiterliche Zusammenarbeit darstellt. Natürlich kann sie gewisse dringend erforderliche Fachkenntnisse nicht völlig ersetzen, aber sie schafft eine Vertrauensbasis, die mehr wert ist als alle körperlichen Höchstleistungen.

Einige Pferdebesitzer werden nun wohl verständnisvoll nicken, weil sie bereits selbst diese Macht der Liebe erleben durften, andere hingegen werden meine Worte eher mit Skepsis betrachten oder sie gar als ausgemachten Blödsinn bezeichnen, wobei sie ihre Ablehnung vielleicht darauf begründen, dass sie ihre Tiere auch lieben, aber trotzdem ständig Schwierigkeiten mit ihnen haben. Tatsächlich gibt es aber viele Arten von Liebe, und leider zeigt nur die wahrhaft bedingungslose Liebe die gewünschte Wirkung.

Immer wieder kann man hören, wie Reiter von ihrer übergroßen Tierliebe sprechen, doch im krassen Gegensatz dazu präsentieren sie sich dann ihren vierbeinigen Lieblingen gegenüber als ständige Nörgler, brüllende Befehlsgeber oder gefühllose Ignoranten. Wenn sie ihren Reiterkollegen von ihren Erlebnissen erzählen, zerfließen sie dann fast in Selbstmitleid, weil gerade sie so sehr gestraft sind mit ihren überaus schwierigen Problempferden. Sie lamentieren und beklagen sich, dass diese undankbaren Wesen ihre Fürsorge gar nicht zu schätzen wissen, doch wenn man näher nachfragt oder selbst Beobachtungen anstellt, findet man meist heraus, dass der wirklich Leidgeprüfte eigentlich das Pferd ist.

Es wird zum Beispiel bereits gerügt, wenn es beim Führen einmal interessiert den Kopf hebt oder mit den Ohren wackelt, beim Putzen wird jegliche Bewegung des Kopfes, des Schweifes oder auch der Beine sofort mit einem kräftigen Verweis oder gar Klaps bestraft, selbst wenn das arme Tier eigentlich nur ein paar lästige Insekten vertreiben wollte, und beim Reiten wird bisweilen sogar schon der lebhafte Schritt eines Vollblüters als Ankündigung für drohendes Durchgehen angesehen und dementsprechend mit heftiger Maßregelung beantwortet.

Natürlich gibt es auch Fälle, wo die Pferde tatsächlich vom Naturell her schwierig und deshalb von normalen Durchschnittsreitern (und leider oft auch Profis) nicht leicht zu handhaben sind, aber auch hier lässt sich meist eindeutig die Tendenz zur Fixierung des Negativen feststellen. Das heißt, der Besitzer bzw. Reiter sieht nur die Fehler und Schwächen seines Tieres und beißt sich sozusagen daran fest, indem er andauernd nur kritisiert und bestraft, während er alle positiven Seiten des Pferdes völlig aus den Augen verliert und sie in keinster Weise lobend fördert. Gerade dies wäre aber wichtig, um dem durch die häufigen Strafen verunsicherten Tier den richtigen Weg zu zeigen und ihm das Lernen des erwünschten Verhaltens zu erleichtern.

Wer sein Pferd wirklich von Herzen liebt, wird zwar nicht mit rosaroter Brille durchs Leben gehen und seine Schwachstellen verdrängend übersehen, aber er wird versuchen, das Verhalten des Tieres zu verstehen (das Lesen von Fachliteratur in Kombination mit eigenen Beobachtungen kann ich dazu wärmstens empfehlen) und auf seinen individuellen Charakter, der sicher auch einige Stärken aufweist, bestmöglich einzugehen. Nur mit echter Liebe, Verständnis und Mitgefühl lässt sich das Beste aus einem Pferd herausholen, und welche Zeit sollte sich besser dafür eignen, um diese Gefühle ans Tageslicht zu holen, als Weihnachten, die Zeit der Besinnung und die Geburtsstunde der bedingungslosen Liebe?!

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern gesegnete Feiertage und ein friedvolles Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Lieben – einschließlich Ihrer liebenswerten Vierbeiner!


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