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Hauptartikel   Magazin Magazin, Ausgabe 669, erschienen am 22.01.2012

Magazin  Ausgabe 669

Schwerpunkt des Kindes
Ankippen genügt

Foto: Autorenhinweise m_red  » Nick Mott
Abschnitt Abschnitte Hauptartikel:
  1. Abschnitt  CENTAURON - Zusammenspiel der Hilfen
  2. Abschnitt  Geduld
  3. Abschnitt  Sporen
  4. Abschnitt  Gewichtsweichen
  5. Abschnitt  Gerte
  6. Abschnitt  Wirkungsweise
  7. Abschnitt  Quellen / Verweise
  Inhaltsverzeichnis  Inhaltsverzeichnis
Teil Teil 1, Ausgabe Magazin 648:
Hauptartikel  CENTAURON

Teil Teil 2, Ausgabe Magazin 649:
Hauptartikel  CENTAURON – Gleichgewicht

Teil Teil 3, Ausgabe Magazin 650:
Hauptartikel  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung

Teil Teil 4, Ausgabe Magazin 651:
Hauptartikel  CENTAURON – Brückenkonstruktion

Teil Teil 5, Ausgabe Magazin 652:
Hauptartikel  CENTAURON – Hebeltechnik

Teil Teil 6, Ausgabe Magazin 653:
Hauptartikel  CENTAURON – Fussfolge

Teil Teil 7, Ausgabe Magazin 654:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfengebung

Teil Teil 8, Ausgabe Magazin 655:
Hauptartikel  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung

Teil Teil 9, Ausgabe Magazin 656:
Hauptartikel  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken

Teil Teil 10, Ausgabe Magazin 657:
Hauptartikel  CENTAURON – Bewegung beginnt im Kopf

Teil Teil 11, Ausgabe Magazin 658:
Hauptartikel  CENTAURON – Kauen, Longe

Teil Teil 12, Ausgabe Magazin 659:
Hauptartikel  CENTAURON – Losgelassener Gleichgewichtssitz

Teil Teil 13, Ausgabe Magazin 660:
Hauptartikel  CENTAURON – Hilfen

Teil Teil 14, Ausgabe Magazin 661:
Hauptartikel  CENTAURON – Sturz

Teil Teil 15, Ausgabe Magazin 662:
Hauptartikel  CENTAURON – Übungen zu Pferde

Teil Teil 16, Ausgabe Magazin 663:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiten als offenes System

Teil Teil 17, Ausgabe Magazin 664:
Hauptartikel  CENTAURON – Lösung

Teil Teil 18, Ausgabe Magazin 665:
Hauptartikel  CENTAURON – Rahmenrichtlinien

Teil Teil 19, Ausgabe Magazin 666:
Hauptartikel  CENTAURON – Mitteltrab, Starker Trab

Teil Teil 20, Ausgabe Magazin 667:
Hauptartikel  CENTAURON – Versammelter Galopp

Teil Teil 21, Ausgabe Magazin 668:
Hauptartikel  CENTAURON – Mittelgalopp, Starker Galopp

Teil Teil 22
CENTAURON - Zusammenspiel der Hilfen

Teil Teil 23, Ausgabe Magazin 670:
Hauptartikel  CENTAURON – Eskalationsleiter

Teil Teil 24, Ausgabe Magazin 671:
Hauptartikel  CENTAURON – Einreiten, Halten

Teil Teil 25, Ausgabe Magazin 672:
Hauptartikel  CENTAURON – Traversale, Kontergalopp

Teil Teil 26, Ausgabe Magazin 673:
Hauptartikel  CENTAURON – Kontergalopp

Teil Teil 27, Ausgabe Magazin 674:
Hauptartikel  CENTAURON – Schaukel, Volte

Teil Teil 28, Ausgabe Magazin 675:
Hauptartikel  CENTAURON – Fliegender Wechsel

Teil Teil 29, Ausgabe Magazin 676:
Hauptartikel  CENTAURON – Ein-Hand-Reiten

Teil Teil 30, Ausgabe Magazin 677:
Hauptartikel  CENTAURON – Lernen: Adaption + Adoption

Teil Teil 31, Ausgabe Magazin 678:
Hauptartikel  CENTAURON – Reiter + Pferd

Teil Teil 32, Ausgabe Magazin 679:
Hauptartikel  CENTAURON – Black-box

Teil Teil 33, Ausgabe Magazin 680:
Hauptartikel  CENTAURON – Emergenz

Teil Teil 34, Ausgabe Magazin 681:
Hauptartikel  CENTAURON – Intervalltraining

Teil Teil 35, Ausgabe Magazin 682:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentales Training

Teil Teil 36, Ausgabe Magazin 683:
Hauptartikel  CENTAURON – Schenkeleinsatz

Teil Teil 37, Ausgabe Magazin 684:
Hauptartikel  CENTAURON – Mentale Fraktale

Teil Teil 38, Ausgabe Magazin 685:
Hauptartikel  CENTAURON – Cavaletti

Teil Teil 39, Ausgabe Magazin 686:
Hauptartikel  CENTAURON – Tierschutz
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Geringes Gewicht steuert großes Gewicht
CENTAURON – Zusammenspiel der Hilfen

Verantwortlich reiten: Gewichtsweichen, Schenkel, Sporen, Gerte

Zu den Themen
Thema  Ausbildung  Persönlichkeitsentwicklung  Reitunterricht



von Autorenhinweise m_red  » Nick Mott


Gewichtsweichen:

Um Reiter und/oder Pferd die Funktionsweise und das Zusammenspiel der Hilfen begreiflich zu machen, bedient man sich einer Übungsform, die im Schritt (Pferd/Reiter hat genügend Zeit zu beobachten, zu bemerken, umzusetzen) ausgeführt wird:
Dem Schenkelweichen.

Der Begriff des „Schenkelweichens“ ist, wie einige andere in der Reit-Terminologie, irreführend.
Es wird hier suggeriert, das Pferd weiche dem Schenkel, wo es in Wirklichkeit vom Schenkel weg weicht durch die seitlich verlagerte Gewichtshilfe.
Demnach ist das sogenannte „Schenkelweichen“ in Wirklichkeit ein „Gewichtsweichen“ .

Das Gewichtsweichen im Schritt ist nichts anderes als das „Eichen“ des Pferdes auf die treibenden, verwahrenden und verhaltenden Hilfen durch den Reiter.
Hier wird der Grundstein gelegt für sämtliche weiterführende Lektionen.
Gewichtsweichen ist daher keineswegs geringzuschätzen, da die Auswirkungen einer dabei vollzogenen falschen „Justierung“ des Pferdes für reiterliche Einwirkung sich später hinderlicherweise wie ein roter Faden durch die weitere Arbeit ziehen werden!

Im Gewichtsweichen ist das Ziel der Ausbildung, dem Pferd begreiflich zu machen, bis zu welcher Intensität diese als „weisend“ zu betrachten ist und ab welcher Intensität sie als „weichend“ zu verstehen ist.
Da das Pferd sagittal sehr stabil fundamentiert ist durch den langen „Radstand“ ist es natürlich schwer, ein Pferd aus dieser Position in eine instabile Lage zu bringen.

Anders sieht dies für die laterale Gleichgewichtslage aus.
Hier hat das Pferd nur eine sehr schmale Basis zur Verfügung und kann mit wenig Aufwand aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

Wegen höherer Masse und höherem Schwerpunkt ist es also wesentlich anfälliger gegen Schwerpunktbeeinflussung als der Mensch!

Nur im Bereich vorne-hinten, über die Länge des Rückens, kann sich ein Pferd sehr gut stabilisieren.
Weswegen auch nie Handwiderstand erfolgen sollte zum Zeitpunkt des gleichseitig auffussenden/abdrückenden Hinterbeines, da so die gesamte Schubkraft über die Länge des Pferdes gegen die Reiterhand gerichtet werden kann.
Deshalb begrenzende Zügelhilfen IMMER und NUR zum Zeitpunkt des Abfussens/der Schwebe des gleichseitigen Hinterbeines einsetzen, weil dann kein Längswiderstand aufgebaut werden kann!

Geduld  oben 



Man braucht anfangs Geduld, denn das Gewicht muss erst einmal „wirken“ .
Das heisst, eine anfangs vorgenommene Verlagerung muss nicht gleich etwas bewirken, sondern erst die länger anhaltende oder wiederholte Verlagerung erzielt früher oder später eine Wirkung.
Schwerkraft ist kostenlos und strengt den Reiter nicht an – aber das Pferd muss dies durch Gegenhalten der Rücken- und Rippenmuskulatur auszugleichen versuchen und dem sind zeitliche Grenzen gesetzt.
Die Muskulatur steht ja dann unter Daueranspannung und ermüdet deshalb relativ schnell.
Tritt die Ermüdung ein, das Gewicht bleibt aber unverändert, so wird das Pferd versuchen dem Gewicht auszuweichen und sich dem Druck seitlich zu entziehen!

(Man denke als Familienvater/-mutter nur an die „lieben Kleinen“ , die generell auf den Schultern ihrer Eltern irgendwie schief sitzen und so auf Dauer auch mit relativ geringem Gewicht – ein Einjähriger schafft das locker! – den Erwachsenen zu genau solchen Ausgleichsbewegungen zu veranlassen.)

Wird das Pferd im Falle des Weichens gleichzeitig belohnt durch Geradesitzen des Reiters und Klopfen, Loben, Einstellen der Übung, so wird dem Pferd recht schnell klar werden, wie „der Hase läuft“ .
Letztlich wird ein Ankippen genügen, um Ausgleichsbewegungen zu initiieren.
Und es liegt lediglich am Reiter und seiner Körperkontrolle, mit wie wenig Einsatz er zum Ziel kommt.
Außerdem sollte sich der Reiter von Beginn an Gedanken und klare Vorstellungen darüber machen, wann wie viel Verlagerung weisend oder weichend sein soll.
Eine leichte Verlagerung wird von dem Pferd mit dem instinktiven Versuch unter den „verrutschten“ Schwerpunkt zu gelangen und so Gleichgewichtigkeit herzustellen quittiert werden.

(Man denke wieder an das Kind auf seinen Schultern, das man auch immer wieder zurecht zu rücken versucht, indem man es entweder mit hochgezogener Schulter zurecht rutschen möchte oder durch eine Rutschbewegung unter den Schwerpunkt des Kindes mit anschließender Aufrichtung zurecht „hebelt)

Wenn mir aber beispielsweise ein schwerer Futtersack so stark verrutscht auf meiner Schulter, dass ich weder die Kraft habe, dem entgegen zu wirken, noch mich im Gleichgewicht halten kann, dann versuche ich dem Druck zu entkommen, indem ich ihm ausweiche und den Sack abschultere.

Das kann das Pferd natürlich (hoffentlich) nicht, aber seine Grundreaktion wird vergleichbar sein.

Gibt das Pferd im Rücken aufgrund der verstärkten Belastung nach, dann gibt auch immer(!) die Rippenmuskulatur nach und das Pferd macht sich auf dieser Seite hohl.

Geschieht dies, dann schwenkt auch der Hals des Pferdes immer(!) zur nachgebenden Rippenseite, wodurch sich die nötige/gewünschte Stellung gleichsam zur Hälfte von selbst ergibt und der Reiter mit weicher Hand diese Tendenz leicht verstärkend aufnehmen kann und in eine korrekte, der Bewegungs- und Haltungslage angemessenen Stellung, respektive Längsbiegung sichern kann.

Das bedeutet, nebenbei bemerkt, dass jegliche Stellungs-und Biegungsproblematik über die „Rippe“ zu lösen ist! Und dafür kommt immer nur das Gewicht als Hilfe in Frage.

Der viel beschworene Schenkel hat in meinen Augen nur eine einzige Verwendbarkeit – als „Metronom“ und Kadenzgeber in Piaffe und Passage.
Der Schenkel selbst (und der Begriff „Schenkel“ schließt Ober- und Unterschenkel mit ein) muss, um Kraft/Druck in irgendeiner Weise ausüben zu können an irgendeiner Stelle fixiert werden.
Geht es um den Unterschenkel, so muss das Knie fixiert werden, geht es auch um den Oberschenkel, so muss die Hüfte fixiert werden.
In beiden Fällen bedeutet dies aber: Hüftfixierung, da auch beim Knieschluss die starr gelenkige Verbindung Knie-Hüfte, diese mit sperrt, wenn jenes fixiert ist.

Sporen  oben 



Jede Form der Hüftfixierung hat aber unweigerlich zur Folge, dass ein Mitschwingen oder kontrolliertes Kippen des Becken verunmöglicht wird.
Dies wiederum bedeutet in der Bewegung, dass der Rücken des Pferdes in seiner Amplitude behindert wird – er muss sich ständig gegen das starre Gewicht des Reiters anheben.
Dies bedeutet entweder

· bei sensiblen Pferden einen sofortigen Abfall der Rücken-Amplitude (Rückenschwingungstätigkeit) und damit direkt verbunden ein Ausbleiben der Hinterhand, Absenken der Tragfähigkeit über die Hanken und somit Gleichgewichtsverlust, Schwungverlust, Tempoverlust – oder wahlweise

· bei „tapferen“ Pferden ein zunehmendes Ermüden der Rückenmuskulatur mit anschließend identischem Ergebnis!

Alle Pferde sind beim Anreiten wahlweise „Schenkelflüchter“ oder „Schenkelsteher“ .
Kommt man als Reiter einem jungen Pferd mit dem drückenden oder gar klopfenden Schenkel, so beginnt dies entweder zu rennen oder gar durchzugehen oder es bleibt verständnislos stehen und guckt sich fragend um, was da denn wohl abgeht.

In jedem Fall ist der Schenkel, keine „natürliche“ Hilfe, wie die Gewichtshilfe etwa, sondern eine „künstliche“ , weil ankonditionierte Hilfe.
An der Schenkellage am Pferd gibt es keine „Reflexzone“ , die durch Druck, Scheuern, Klopfen, was auch immer, aktiviert werden könnte.
Wenn ein Pferd auf Schenkel reagiert, dann, weil es ihm so beigebracht wurde.

Man kann das natürlich so machen, ...ABER:
Jede Bewegung des Schenkels versetzt das Becken des Reiters in ungewollte und ungewünschte Rotation, die nicht im Einklang mit der Rückentätigkeit des Pferdes stehen kann! Damit arbeitet das Becken gegen den Rücken und bewirkt eigentlich das Gegenteil des Gewünschten.
Der Reiter tritt „Gas“ und „Bremse“ gleichzeitig!

Und bei dem verdoppelten Aufwand bekommt er bestenfalls die Hälfte des Gewünschten.
Im Verhältnis zu anderen Einwirkungsformen bewirkt also die Schenkelhilfe nicht einmal ein Viertel dessen, was andere Hilfen vermögen! Dazu kommt erschwerend, dass diese Beckenrotation sich „nolens volens“ auf den Oberkörper überträgt, mithin auf Schulter, Ellenbogen, Handgelenk.
Entsprechend unruhige Hände sieht man häufig bei betonten Schenkelreitern.
Schenkelreiten ist demnach nicht nur unästhetisch, sondern schlicht ineffizient: Aufwand und Ertrag stehen in keinem positiven Verhältnis.

Ergänzend kann man dem auch gleich einen Nachsatz zum Thema Sporen hinzufügen.
Wenn der Reiter überhaupt einen Grund haben kann, Sporen zum Einsatz zu bringen, dann lediglich (und nach meiner Auffassung noch nicht einmal da zwingend notwendig!) als unterstützend verwahrende Hilfe im Bereich der Pirouette und der Mehrfachwechsel „a tempi“ (also von Sprung zu Sprung).

Da kann es eventuell hilfreich sein, das Pferd im Geradeaus zu stabilisieren, weil in der Pirouette schon starke Gegenkräfte wirken und bei den Mehrfachwechseln „a tempi“ schon mal schnell das Pendeln auftreten kann, welches ein Grätschen oder Wedeln der Hinterhand zur Stabilisierung zur Folge haben kann, was wiederum bedeutet, dass das Pferd ab einem gewissen Winkel ausfallen muss und nachspringt bzw. einen Wechsel ganz auslässt.

Gelten lassen kann ich auch den Einsatz von Sporen als Strafinstrument bei grob ungehorsamen Pferden, die eine echte Gefahr für sich und ihre Umwelt darstellen, da sollte man aber auch gleichzeitig hinterfragen, ob das denn auch wirkliche Reitpferde sein sollen/müssen?!?

Der Einsatz der Sporen als treibende Hilfe im Dressursport beweist lediglich völlige Unkenntnis der Zusammenhänge und entsprechende Ungeschicklichkeit des Reiters beim Umsetzen seiner Zielvorstellungen.
Er ist durch nichts zu rechtfertigen.

Ich habe selbst in meiner ganzen Laufbahn niemals erlebt, dass durch Sporen bessere Ergebnisse erzielt wurden als durch die von mir favorisierte Reitweise.
Es gab kein Pferd, das nicht auch ohne Sporen sämtliche Lektionen bis in das Grand-Prix-Niveau hinein gelernt hätte.
Umgekehrt gibt es jede Menge Negativbeispiele für die destruktive Wirkung von Sporen.
Man mache nur die Probe aufs Exempel: Stechen Sie sich mal selbst mit einem Sporn in die Rippen.
Was beobachten Sie? Strecken der entsprechenden Längsseite? Wohliges Entspannen? Bedürfnis nach Wiederholung? Mit Sicherheit nicht.
Das Pferd dito.

Sporen wirken verkrampfend, da die Muskulatur bei Punktion reflektorisch kontrahiert.
Diese Art der Kontraktion wird aber niemals dazu führen, dass ein Pferd locker gelöst, entspannt schwungvoll, vermehrt aus der Hanke unter den Schwerpunkt tritt!

Und damit erweist sich der Sporn als treibendes Hilfsinstrument als unbrauchbar.

Es wird sich im Laufe meiner Ausführungen noch zeigen, dass es durchaus für alle Belange besser geeigneten „Sporenersatz“ gibt.
Man muss dies nur verstehen wollen.

Gewichtsweichen  oben 



Daher zurück zum Gewichtsweichen.
Neben dem kippenden Becken gibt es auch das rotierende Becken.
Dies bedeutet, dass das Becken einseitig sagittal, oder beidseitig diagonal verschoben werden kann.
Im Falle des beidseitig diagonal verschobenen Beckens soll das Pferd lernen, sich mit seinem Becken, seiner Hüfte der des Reiters anzugleichen, was gleichbedeutend mit Biegungs- und Wendungseinleitung ist – Hüfte-Pferd parallel Hüfte-Reiter.
Damit kann der Reiter über sein Becken also nicht nur das Bewegungsverhalten der Längsachse zur Bewegungsrichtung beeinflussen, sondern auch die Bewegungsrichtung selbst.

Ist die Hüfte des Reiters beweglich (= stufenlos variabel einsetzbar) genug, dann trägt das Becken die Hauptsteuerungsfunktionen für das Bewegungsverhalten des Pferdes.

Neben dem Aussteuern der Längsbiegung, neben dem Aussteuern der Bewegungsrichtung kann das Becken selbstverständlich, nach dem oben über die Schenkelhilfe Ausgeführten, auch die Funktion von Arrets übernehmen.
Arret vom frz.: arrete bedeutet „schließen“ .
Im ursprünglichen reiterlichen Gebrauch versteht man darunter die Zügelfunktion der verhaltenden Hand.
Die Zügelhand (die sonst ja ausfedernd mitschwingen soll, damit die Nickbewegungen des Pferdes nicht im Maul zu störenden Paraden führen) stellt diese elastische Führung ein und fixiert sich für die Dauer einer Hinterbeinbewegung starr, so dass die Nickbewegung an dieser Hand quasi „aufläuft“ .

chaotischen“ Wellenform kann das Pferd im Rücken natürlich nichts abgewinnen, denn sie ist „unharmonisch“ )

Diese Störung wird durch das Pferd kompensiert, indem die Bewegungsamplitude des Rückens verkleinert wird, manchmal bis hin zum Stillstand (sowohl der Amplitude als auch des Pferdes – möglich durch die „Knieschluss-Hilfe“ , die beide Beckenseiten arretiert und solange gegen die Bewegung des Rückens sitzt, bis diese zum Halten kommt und damit auch das Pferd).

Dies bewerkstelligt das Pferd durch eingeschränkten Einsatz des Hinterbeines auf derselben Seite.
Bleibt eine ausgleichende treibende Einwirkung aus, dann tritt das Pferd kürzer.

Kommt fast gleichzeitig eine treibende Einwirkung zum Einsatz, dann tritt das Pferd erhabener.

In jedem Fall kann immer nur das nicht belastete Bein beeinflusst werden!

Zu jedem anderen Zeitpunkt bewirkt eine wie auch immer geartete Einwirkung nur ein Blockieren, da Reflexe angesprochen werden, die aber aufgrund der Belastung des angesprochenen Hinterbeines nicht ausgeführt werden können und somit die frei beweglichen Einheiten mitblockieren wegen der Widersprüchlichkeit der angesprochenen Reflexe.

Beim feinfühligen Pferd kann ich dieses Arret der Hand aber durch ein Arret des Beckens vorwegnehmen.
Der Vorteil: Kürzerer Weg bedeutet kürzere Reaktionszeit und die Gefahr einer Ignorierung des Beckensignals durch den Rücken ist weitaus geringer als die Ignorierung des Handsignals durch das Maul des Pferdes!

Über das Arret des Beckens kann ich auch die Hinterhand lateral aussteuern.
Ich kann also nicht nur die Versammlung erhöhen, sondern auch die Biegung durch „Gegensitzen“ .
Dies kommt allerdings nur im Korrekturfall zum Einsatz.

In jedem Falle ist bei Ausbleiben der gewünschten Wirkung der Einsatz der Gerte dem des Schenkels unbedingt vorzuziehen! Neben den bereits genannten Gründen (siehe oben) kommt hinzu, dass der Schenkel beim Gebrauch

a) schwerfällig ist

b) eine entsprechende Vorlaufzeit bis zur Einwirkung und damit eine entsprechende Vorwarnzeit fürs Pferd bietet (das Ausholen bemerkt das Pferd vom Sitz des Reiters ebenso, wie optisch, so dass das Pferd genügend Zeit hat, sich mit seinen Muskeln zu „panzern“ !)

c) durch seine relativ weiche Konsistenz, die große Auflagefläche und dem geringen Schwungwinkel sehr wenig „Kraft“ beim Pferd ankommt und verpufft.

d) Der Einsatzort des Schenkel auf die unmittelbare Gurtumgebung beschränkt bleibt, aber Unterstützungsmaßnahmen für das Becken, je nach Anforderung, auch ganz woanders wirken könnten, wo eben der Schenkel gar nicht erst hinkommt

Gerte  oben 



Anders die Gerte.

a) Sie ist „unsichtbar“ (schmal, dicht hinter dem „toten Winkel“ des Pferdeauges und wenn sie senkrecht getragen wird völlig aus dem Blickfeld und Bewusstsein des Pferdes verschwunden!)

b) Sie ist viel schneller (kurzer Weg, aus dem Handgelenk)

c) Sie ist viel besser dosierbar (optisches Vorhalten, „Zwitschern-lassen“ , Touchieren, „Ticken“ , Peitschen)

d) Sie ist vielseitiger einsetzbar (Maul, Hals, Brust, Schulter, Rippenbogen, Flanke, Kruppe, Bein) und damit unmittelbar dort, wo es nötig ist

Voraussetzung:

· Mindestens 1.30m lang.

· Am besten ledergewickelt

· Dreh-und Angelpunkt hinter dem Griff (Dieser muss ein ordentliches Kontergewicht zum Rest bilden, damit die nötige schnelle Handdrehung nicht unnötig verlangsamt wird, weil erst über den Restträgheitswiderstand hinaus beschleunigt werden muss)

· In den oberen 2 Drittel starr und dafür das letzte Drittel extrem elastisch

· Möglichst dünn

· Sie muss einen guten, „scharfen“ Ton haben

· Und man muss deren zwei Exemplare besitzen (für jede Seite eine, damit man nicht ständig wechseln muss, Zeit verliert, vorwarnt, Unruhe verbreitet)

Nur, wenn man das Gewichtsweichen und seine Variationen unter diesen Prämissen angeht, übt, wird man in der Lage sein, sein Pferd mit „unsichtbaren“ Hilfen zu steuern.

Am besten leitet man das Gewichtsweichen beim unerfahrenen Pferd entlang einer Band ein, wobei der Kopf des Pferdes gegen die Bande gestellt wird.

Beim Stellen gegen die Bande wird das Pferd instinktiv mit der Hinterhand auszuweichen versuchen.
Wenn dabei die deutliche, zeitgleiche Gewichtsverlagerung eingeleitet wird, gegebenenfalls unterstützt von Stimme & Gerte, dann sollte es bei gegen haltendem inneren Zügel (der hier als Hebel gegen die Hinterhand zu deren Abstellung wirkt!) zur gewünschten Abstellung kommen.

Man begnüge sich anfänglich mit einem einzigen deutlichen Ausweichmanöver.

Dann steigere man bis zum echten Kreuzen der Hinterhand und letztlich bis zur wiederholten Anwendung.
Ein Abstellungsgrad der Längsachse des Pferdes zur gedachten Bewegungslinie von 30° bis maximal 40° sollte nicht überschritten werden.

Warum?
Weil sonst das innere Hinterbein nicht mehr zum Kreuzen vor das äußere kommen kann und entweder auf oder gegen dieses tritt und das Pferd so höchstens noch bei zieht, aber auf keinen Fall mehr kreuzt.
Eine weitere Folge der zu starken Abstellung ist auch ein zunehmendes zähes Schleichen.

Hier, beim anfänglichen Einleiten der Scherbewegung der Hinterhand kann der innere Zügel mit seinem Widerstand ausnahmsweise „positiv“ wirken.

Wirkungsweise  oben 



Da die Wirkungsweise aber evident ist, lässt sich unschwer ahnen, welch fatale Folgen ein zu „harter“ innerer Zügel in der Bewegung zur Folge hat – die Hinterhand weicht aus, das Pferd läuft schief und somit aus dem Gleichgewicht mit den bekannten Nebeneffekten, wie:

· beschleunigtes Rennen

· Verwerfen

· Auf den Zügel legen

· Hinter dem Zügel gehen

· Nach oben frei machen

· Stolpern

· Gebundene Schulter mit Drift und Klemmtendenz

· Schleppende Hinterhand

· Weggedrückter Rücken

· Vom Biegungsverlust gar nicht zu reden...

Es gibt hier folgende Einwirkungsstufen:

1.) Ich sitze/halte gegen, um die Hinterhand wieder von außen in die Spur zu bringen (Hinterhand driftet beispielsweise auf dem Zirkel ungewünscht nach außen weg)

2.) Ich sitze/halte gegen, um die Hinterhand wieder von innen auf die Spur zu bringen (Hinterhand driftet beispielsweise beim Galoppieren auf den zweiten Hufschlag, Pferd galoppiert also schief)

3.) Ich sitze/halte gegen, um die Hinterhand von der Spur nach außen zu führen (Einleitung beispielsweise beim Schulterherein)

4.) Ich sitze/halte gegen, um die Hinterhand von der Spur nach innen zu führen (Einleitung beispielsweise beim Travers) 5.) Ich sitze/halte gegen, um das Pferd auf der Spur zu stabilisieren.(Beispielsweise bei Trabverstärkungen)



wird fortgesetzt

Quellen / Verweise  oben 

  1. » Centauron Rigge mööt mer künne! 340 Seiten, Juni 2011. €14, 99
  2. Magazin  CENTAURON, Verantwortlich reiten
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  3. Magazin  CENTAURON – Gleichgewicht, Verantwortlich reiten – physikalische Grundlagen
    EquiVoX-Link Ausgabe 649 · Teil Teil 2
  4. Magazin  CENTAURON – Schwerpunkt und Hankenbeugung, Verantwortlich reiten – Sehnen, Bänder, Gelenke, Relative Aufrichtung, Dehnungshaltung
    EquiVoX-Link Ausgabe 650 · Teil Teil 3
  5. Magazin  CENTAURON – Brückenkonstruktion, Verantwortlich reiten: Biegung, Stützbein – Schwungbein, Hebeltechnik
    EquiVoX-Link Ausgabe 651 · Teil Teil 4
  6. Magazin  CENTAURON – Hebeltechnik, Verantwortlich reiten: Beizäumung, Gewichtshilfe, Diagonale Hilfengebung, Gewichtsweichen, Geraderichten, Natürliche Schiefe
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  7. Magazin  CENTAURON – Fussfolge, Verantwortlich reiten: SCHRITT – TRAB – GALOPP – Hilfengebung
    EquiVoX-Link Ausgabe 653 · Teil Teil 6
  8. Magazin  CENTAURON – Hilfengebung, Verantwortlich reiten: Hilfengebung – Feed-back – Gerte – Übung – UN-Hilfe
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  9. Magazin  CENTAURON – Diagonale Hilfengebung, Verantwortlich reiten: UN-Hilfe, Arret, Halbe Parade
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  10. Magazin  CENTAURON – Stellung, Zügel, Becken, Verantwortlich reiten: Der Konditionierungsprozess: Prinzip, Methode, Technik
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  12. Magazin  CENTAURON – Kauen, Longe, Verantwortlich reiten: Ausbildung und Unterricht
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  15. Magazin  CENTAURON – Sturz, Verantwortlich reiten: Hufschlagfiguren, Gymnastizierung des Reiters
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  17. Magazin  CENTAURON – Reiten als offenes System, Verantwortlich reiten: Die Arbeitsstunde für das Pferd
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  18. Magazin  CENTAURON – Lösung, Verantwortlich reiten: „Spiegelgehorsam“ ist das Schlüsselelement
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