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Rezension   Magazin Magazin, Ausgabe 670, erschienen am 29.01.2012

Magazin  Ausgabe 670
Wie sag ich's meinem Pferd?

Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe
von Diacont, Kerstin

Einband: gebunden, Seitenzahl: 176, Abbildungen: 206 Farbbilder & 60 Zeichnungen, Format: 170mm x 240mm

Stuttgart, Februar 2007

Müller Rüschlikon

ISBN 978-3-275-01591-7

EUR (D) 19, 95

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Rezension Rezension von

1
Autorenhinweise m_red  » Werner Popken

erschienen im Magazin Magazin
Magazin » Ausgabe 670
vom 29.01.2012
Rezensionen  Rezension

Der Verlag sagt über das Buch:

Das Potenzial für Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd ist enorm groß. Dieses Buch zeigt, wie sich Reiter und Pferd eine Verständigungsgrundlage schaffen, welche körperlichen und psychischen Voraussetzungen für eine gute Verständigung notwendig sind und auf welche Weise Mensch und Pferd Vertrauen zueinander fassen können. Der Leser erhält detaillierte Informationen zum Nachlesen und hilfreiche Erklärungen von Fachbegriffen und Zusammenhängen. Zahlreiche Grafiken und Illustrationen zeigen, wie und warum die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd funktioniert. Dieser Ratgeber wurde um diverse Fallstudien erweitert und mit aktuellen Fotos versehen.

Informationen zu Kerstin Diacont:

Kerstin Diacont arbeitet als Autorin, Grafikerin, Illustratorin und Fotografin. Sie widmet sich der ganzheitlichen Ausbildung von Reiter und Pferd und hat im Verlag Müller Rüschlikon bereits diverse sehr erfolgreiche Titel rund ums Pferd veröffentlicht.


Rückentext

Das Potenzial für Missverständnisse zwischen Mensch und Pferd ist enorm groß. Dieses Buch zeigt, wie sich Reiter und Pferd eine Verständigungsgrundlage schaffen, welche körperlichen und psychischen Voraussetzungen für eine gute Verständigung notwendig sind und auf welche Weise Mensch und Pferd Vertrauen zueinander fassen können. Der Leser erhält detaillierte Informationen und hilfreiche Erklärungen von Fachbegriffen und Zusammenhängen. Zahlreiche Grafiken und Illustrationen zeigen, wie und unter welchen Voraussetzungen die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd funktioniert. Diese bewährte Ratgeber wurde um diverse Fallstudien erweitert und mit aktuellen Fotos versehen.

Auf einen Blick: leicht verständliche Ablaufgrafiken mit Aha-Effekt zur Verdeutlichung der Methoden

Das Wichtigste in Kürze: optisch hervorgehobene Kästen mit den wichtigsten Grundsätzen harmonischen Reitens

Mit Spaß bei der Sache: ansprechende Gestaltung der Seiten



Verlag

» Müller Rüschlikon




Kolumnen Rezension

Bei der Lektüre des Rückentextes wunderte ich mich. Zunächst wird über das Buch gesprochen, und dann in drei Schlagzeilen ein Impuls zum Kaufen gegeben. Und diese Impulse schienen mir schwach zu sein. Nach der Lektüre des Buches allerdings hat sich der Eindruck gewandelt: Vielleicht sind dies tatsächlich gerade die wesentlichen Eigenschaften, die dieses Buch von vielen anderen unterscheidet, auch von den anderen Büchern der Autorin.

Diese hat ja enorm viele Bücher publiziert, und dieses Buch muss wohl als Versuch begriffen werden, einen etwas anderen Ansatz zu finden, um die wesentlichen Einsichten für den Leser begreifbar zu machen. In der Tat finde ich die Schemazeichnungen aus der Hand der Autorin, die in dieser Form völlig neu sind – sie steuert der immer, gern und viele Illustrationen bei – und auf einfache Weise die wesentlichen Sachverhalte herausarbeiten, viel besser als das ein Foto tun könnte, sehr ansprechend und einleuchtend.

Der Titel des Buches ist nicht besonders spezifisch; natürlich geht es um Kommunikation, aber dieses Schlagwort wird bis ins einzelne analysiert und durchgearbeitet. Die fünf Kapitel heißen im einzelnen:

  1. Eine Einführung in die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd in 5 Schritten
  2. Welche Arten der Kommunikation gibt es zwischen Mensch und Pferd?
  3. Einfache Hilfen und deren Grenzen
  4. Komplexe Hilfensysteme und warum sie nötig sind
  5. Denkmodelle zur Problemlösung
Die Autorin hat, im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, Erfahrungen in verschiedenen Reitweisen. Das gibt ihr einen größeren Erfahrungshorizont und ein besseres Urteil:

Exkurs: Versammlungsbegriff in verschiedenen Reitweisen

Meine Erfahrungen in verschiedenen Reitsystemen haben mir gezeigt, dass Reiter verschiedener Stilrichtungen oft etwas völlig anderes meinen, wenn sie von Versammlung reden. Es ist erstaunlich, wie der Versammlungsbegriff auf verschiedene Arten völlig missverstanden werden kann.

Zwei extreme Sichtweisen (und beide falsch) mögen hier als Beispiel dienen.

1. Bei den Westernreitern gibt es eine Prüfung, die sich »Pleasure« nennt: Das Reiten eines in dieser Richtung ausgebildeten Pferde soll dem Reiter ein pures Vergnügen sein (=Pleasure). Dazu werden die Pferde so geritten, dass sie möglichst wenig Schwung entwickeln und den Reiter deswegen bequem sitzen lassen. Pferde mit von Natur aus flachen Gängen und tief angesetztem Hals (wie viele Quarterhorses) werden hier bevorzugt, denn sie gehen rassebedingt mit relativ gerader Oberlinie und wenig Schwung. So weit – so gut. Nun wird aber die Schwunglosigkeit auf die Spitze getrieben, indem diese Pferde konsequent falsch »in die Tiefe« geritten werden – das Genick befindet sich unter Widerristhöhe, der Trab hat Schrittgeschwindigkeit und der Galopp wird so weit verlangsamt, dass der Dreitakt verloren geht. Und es gibt Leute, denen das Versammlung. Nun hat aber das Pleasure- Reiten gerade mit Versammlung überhaupt nichts zu tun: Statt die Hinterhand zu aktivieren und Schwung zu entwickeln, was die Voraussetzung für Versammlung ist) wird das Pferd schwunglos und auf die Vorhand geritten. Hier wird Versammlung mit »Langsam-Reiten« verwechselt. Und das Pferd erleidet gesundheitlichen Schaden bei dieser Art des Reitens.

2. In der Dressur, die man zur Zeit auf unseren Reit- und Turnierplätzen zu sehen bekommt, sieht man häufig das Gegenteil des unter Beispiel 1 beschriebenen: Die Entwicklung von »verkrampftem« Schwung bei dem Versuch, das Pferd zu versammeln. Da werden viele Pferde regelrecht »zusammengeschraubt«. Das Genick ist nicht der höchste Punkt, die Nasenlinie hinter der Senkrechten. Die Pferde wirken auf diese Weise kopflastig, obwohl sie in Aufrichtung gehen. Allerdings ist diese Aufrichtung mit eisenharter Faust erzwungen. Die Hinterhand des Pferdes ist nicht aktiv genug, um die Handeinwirkung zu kompensieren. Das Pferd wirkt nicht erhaben und frei, sondern verkrampft. Viele dieser Pferde sind auch sehr schwer zu sitzen, weil sie zwar viel Schwung entwickeln (oft rassebedingt), die Losgelassenheit aber fehlt. Eine Minimierung der Hilfen und eine freie Eleganz der Bewegung (beides Kriterien der echten Versammlung) sind auf diese Weise kaum möglich, weil Reiter und Pferd mit enormem Kraftaufwand nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten.

Beide oben ausgeführten Beispiele sind zwei Extreme, kommen jedoch so und in Abstufungen leider nicht selten vor.

Echte Versammlung
Echte Versammlung bedeutet folgendes: Das Pferd »sammelt sich«, ohne sich zu (ver)spannen. Es konzentriert sich stärker auf die Signale des Reiters und setzt sich vermehrt auf die Hinterhand, ohne sich dabei aufzuregen. Dadurch wird die Vorhand leicht und frei. Die Bewegungen werden erhabener, die Reaktion auf Signale des Reiters schneller, leichter und präziser. Das Pferd sieht aus, als ob es »bergauf« laufen würde. Es trägt den Hals frei aus der Schulter heraus und reagiert auf minimale Zügelsignale und Gewichtsverlagerung des Reiters. Die Schenkelhilfen verlieren zunehmend an Bedeutung. Die Steuerung des Pferdes hinsichtlich Richtung und Tempo erfolgt weitgehend über die Änderung der Gewichtsverteilung auf dem Pferderücken (differenzierte Belastungsänderung über die Gesäßknochen des Reiters). Versammlung gipfelt in den Lektionen der Hohen Schule, die aber nicht von jedem Pferdetyp erreicht werden können.

Voraussetzung für richtige Versammlung sind eine gute Grundgymnastizierung des Pferdes, ein sicher etabliertes Hilfensysteme, ein perfekt im Gleichgewicht sitzender Reiter sowie das richtige »Abarbeiten« der in den vorangegangenen Abschnitten beschriebenen Ausbildungsstufen: Takt, Losgelassenheit, Geraderichten, usw.

a.a.O., Seite 150-153

Das Buch behandelt grundsätzliche Fragen und dient gleichzeitig als Problemlösungshilfe. Es ist ein sehr sorgfältig ausgearbeitetes Buch, in jeder Hinsicht, ein Vergnügen zu lesen und zu studieren und auf jeden Fall eine gute Investition an Zeit und Geld.

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