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Tipp   Magazin Magazin, Ausgabe 670, erschienen am 29.01.2012

Magazin  Ausgabe 670
Heidi Keppel
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Tipps für eine erfolgreiche Pferdebeobachtung und -beurteilung
Teil 52
Von Autorenhinweise m_red  » Heidi Keppel


Wie in meinem letzten Tipp bereits erwähnt, können Pferde, die innerhalb einer Herde die machtvolle Position des zweiten Ranges einnehmen, durchaus leistungsstarke und verlässliche Reitpartner darstellen, wenn sie in den richtigen autoritären Händen landen. Selbstverständlich darf diese Aussage nicht missverstanden und als Freibrief für brutales ‘Weichklopfen’ gedeutet werden, aber tatsächlich vertragen viele Pferde dieses Typs energisches Zupacken oder herrisches Herumkommandieren weitaus besser als die meisten ihrer Artgenossen.

Für eine beidseits zufriedene Zusammenarbeit sind aber auch noch andere Faktoren zu beachten. Wie ebenfalls schon zu einem früheren Zeitpunkt angesprochen, jagen ‘Zweitrangige’ für ihr Leben gern alle niedriger gestellten Herdenmitglieder durch die Gegend und riskieren dabei nicht nur Abwehrverletzungen, sondern muten sich oft auch selbst zu viel zu, sodass sie häufig unter den Folgen von Überanstrengungen oder Verspannungen leiden.

Aus diesem Grund ist es wenig ratsam, sie auf eher engem Raum mit mehreren anderen Pferden zusammen zu halten. Empfehlenswert ist vielmehr eine möglichst kleine Gruppe auf einer größeren Koppel oder Weide, damit die rangniedrigen Tiere leichter ausweichen können, was das Gemüt des Angreifers sehr beruhigt. Auf weitem Raum wird außerdem die Gefahr, dass die gejagten Pferde in die Enge getrieben und so zu Abwehrmaßnahmen förmlich gezwungen werden, stark minimiert.

Steht weniger Platz als erforderlich zur Verfügung, ist es sicherlich von Vorteil, jene Pferde, die sich offensichtlich mehr gegen die Machtherrschaft des höher gestellten Tieres auflehnen, aus der Herde zu entfernen und in einer vielleicht besser passenden Gruppe einzugliedern. Da hiermit sowohl beiderseitige Überanstrengung als auch unter Umständen gefährliche Verletzungsmöglichkeiten – ganz zu schweigen von der psychischen Dauerbelastung durch Ärger bzw. Angst – vermieden werden, sollte man als Stallbesitzer nicht etwa aus Bequemlichkeit oder anderen unbedeutenden Gründen auf ein derartiges Eingreifen verzichten.

Auf eine solche vernünftige Einteilung sollte ebenso bei der Boxenvergabe geachtet werden. Egal, ob sich die Pferde prinzipiell nur nachts oder teilweise auch tagsüber im Stall aufhalten müssen, sie sollten hier auf alle Fälle keinen Dauerstress erleben müssen, weil sie vom Boxennachbarn ständig angefeindet werden oder sich selbst zu Angriffen provoziert fühlen.

Für die eher streitsüchtigen Exemplare der zweiten Rangposition ist es oft schwierig, einen geeigneten Platz zu finden, doch am besten sind diese zwischen dem geachteten Leitpferd und einem möglichst gelassenen, sich freiwillig fern der Trennwand haltenden anderen Tier aufgehoben. Gibt es kein derart geeignetes Pferd, wäre die Unterbringung in einer Eckbox am idealsten, oder man behilft sich mit einer festgezurrten Plane bzw. einem Laken als Sichtsperre zwischen den Boxen, wodurch die Kampflust ebenfalls gedämpft wird.

In diesem Zusammenhang sei übrigens auch noch vor dem Trugschluss gewarnt, dass es im Außenbereich genügt, wenn unverträgliche Pferde durch einen einfachen Holz- oder Metallzaun voneinander getrennt werden. Immer wieder habe ich erlebt, wie solche Tiere trotz der Absperrung aufeinander losgehen und sich mit gezieltem Ausschlagen gegenseitig attackieren, was zu äußerst bösen Verletzungen führen kann, wenn dabei unnachgiebige Holz- oder Metallteile nicht mit den Hufen, sondern mit anderen empfindlicheren Bereichen der Extremitäten getroffen werden. Von schmerzhaften Prellungen bis hin zu tödlichen Knochenbrüchen ist hier alles möglich.

Aus diesem Grund sollte sich zwischen den einzelnen Koppeln am besten neutrales Niemandsland von mindestens 1-2 Meter Breite befinden, das zwar auf den ersten Blick einen Platzverlust bedeutet, aber in Wirklichkeit eine sehr beruhigende Pufferzone darstellt, wenn man besonders temperamentvolle und angriffslustige Pferde sein Eigen nennt.

Dies waren nun einige mehr oder weniger leicht durchführbare Haltungsmaßnahmen, die ein relativ friedvolles Zusammenleben ermöglichen, und nächste Woche möchte ich Ihnen dann noch ein paar Tipps für eine erfolgreiche reiterliche Zusammenarbeit mit ‘zweitrangigen’ Pferden geben.




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