Magazin | |
|
FastenDie Im öffentlichen Bewusstsein ist Karneval eine Zeit des Übermuts, der politischen Karikatur, des humorvollen Aufbegehrens derer, die nichts zu sagen haben: Es sind die Tollen Tage, an denen man der Obrigkeit sagen darf, was sonst nicht möglich oder nicht schicklich ist. Die gelungensten Anspielungen werden im Fernsehen präsentiert und haben in etwa die Wirkung einer guten Karikatur, nämlich keine. In manchen Gegenden unseres Landes – um mal vom Rest der Welt ganz abzusehen – wird während des Karnevals das geschäftliche und öffentliche Leben stark in Mitleidenschaft genommen, wenn nicht gar lahmgelegt. Daraus kann man ableiten, dass diese Riten und Bräuche den Menschen viel bedeuten müssen. Wer unter solchen Verhältnissen nicht aufgewachsen ist, tut sich im allgemeinen damit sehr schwer. So verreisen viele Einwohner der betroffenen Gegenden, um dem Rummel zu entgehen, der ihnen schwer auf die Nerven geht. Diejenigen, die sich den Karneval im Fernsehen anschauen, können sich den Terror, der von den Karnevalisten ausgeht, nicht vorstellen. Sie haben es gut: Sie stellen den Apparat aus und damit hat es sich. Wer aber in einer Karnevalshochburg lebt, muss damit rechnen, ununterbrochen und rund um die Uhr zumindest vom Karnevalslärm belästigt zu werden. Irgendjemand haut immer auf die Pauke, dass es durch die Straßen schallt. Man muss wohl noch einmal so richtig über die Stränge schlagen, bevor es ernst wird, für 40 Tage. Aschermittwoch Der Aschermittwoch geht nicht auf die Bibel zurück; es ist eine Einrichtung, die zwar schon eine lange Geschichte hat, aber von Kirchenpolitikern eingeführt worden ist. Ob der Karneval und die Fastenzeit noch viel ältere Wurzeln haben, wird man vermutlich nicht klären können. Es würde aber einleuchten, beides mit dem Jahreslauf in Verbindung zu bringen. Die bösen und dunklen Kräfte des Winters müssen vertrieben werden, und Körper und Geist tut es gut, sich einer Reinigung zu unterziehen. Das würde erklären, warum viele Religionen Fastenzeiten kennen. Allgemein wird angenommen, dass man damit ein Opfer bringt. Ein Verzicht fällt vielen Leuten schwer, aber vielleicht ist auch das individuell ganz verschieden. Vielleicht muss man es einfach nur einmal probieren. Wer bei jedem leichten Hungergefühl sofort etwas isst, wird vielleicht eine Überraschung erleben, wenn er dem Hunger nicht nachgibt. Der Hunger verliert sich nämlich wieder. Nach einer Weile merkt man, dass man ganz konzentriert gearbeitet hat, ohne durch das Hungergefühl abgelenkt worden zu sein. Und dann kann man gleich nochmal weitermachen, und siehe da, der Hunger tritt wieder in den Hintergrund. Es ist schon sehr viele Jahre her, dass ich einmal mit meiner und einer anderen Familie zusammen eine Fastenkur gemacht habe. Wir hatten Bücher als Anleitung, Fruchtgetränke waren erlaubt, Gespräche, Spaziergänge, gemütliches Beisammensein empfohlen. Das war wirklich sehr schön, und es fiel überhaupt nicht schwer, nichts zu essen. Nach ein paar Tagen fühlte man sich ganz leicht und hatte überhaupt kein Bedürfnis nach Nahrung. Dann wurde das Fasten gebrochen, das heißt der Körper wieder ganz allmählich an Nahrung gewöhnt. So streng sehen das noch nicht einmal die Katholiken. Fasten bedeutet einfach nur, dass man bestimmte Nahrungsmittel nicht zu sich nimmt. Von Hungern ist keine Rede. Und am Sonntag wird sowieso nicht gefastet. Demut Luther hielt nicht viel vom Fasten, weil ihm klar war, dass man durch Verzicht auf bestimmte Dinge keineswegs davon abgehalten werden konnte, der Völlerei zu frönen. Das sah damals noch ganz anders aus als heute – da wurde wirklich geprasst und gesoffen, was das Zeug hielt. Und außerdem sah er die Gefahr, dass der Gläubige mit Gott einen Handel eingehen will, und das hielt er für abwegig. Aber schon
Eigentlich soll nämlich in der Fastenzeit des Leidens Jesu gedacht werden; die Fastenzeit endet an Ostern und soll an die Fastenzeit Jesu Christi erinnern. Und dass man vorher über die Stränge schlagen und ordentlich sündigen soll, steht schon gar nicht in der Bibel, und soweit ich das weiß, haben das auch Kirchenpolitiker nicht angeordnet. Wo ich gerade beim Thema bin: Der in Editorial › Energiegeladen erwähnte Arzt Dr. Schon in meiner Kindheit, als das Thema Übergewicht noch nicht allgemein Sorgen machte, im Zuge des Wirtschaftswunders Korpulenz aber ein Thema wurde, Diäten also an Konjunktur gewannen, lästerte mein Vater: „Die beste Diät heißt FdH“ . Da musste ich als Kind nachfragen, was das bedeutet: Friss' die Hälfte! Exakt das Ergebnis der genannten Studie. So einfach ist das! Ist diese Einsicht nicht auch ein Zeichen von Demut? Spam Der Spam der Woche: Warnung: Ihr Konto wurde nur begrenzt!
Haiku
|
| Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068 |
Die Adresse dieser Seite: Diese Seite wurde generiert am 23.05.2012 00:39:20 |