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Tipps für eine erfolgreiche Pferdebeobachtung und -beurteilung Teil 55 Von Nachdem ich letzte Woche einen groben Überblick über das ‘Mittelfeld’ meiner fiktiven Pferdeherde gegeben habe, möchte ich meinen dieswöchigen Tipp nun ganz der Betrachtung des dort dazugehörigen Ponywallachs widmen, der trotz seiner geringen Größe ein richtiger Blickfang ist und scheinbar hauptsächlich positive Eigenschaften aufweist. Wer seine Beobachtungen unvoreingenommen durchführt, wird zugeben müssen, dass dieses Tier trotz seiner geringen Größe körperlich sehr wohlproportioniert ist und beinahe alle Attribute eines guten Reitpferdes besitzt. Sein quadratischer Körperbau mit dem kompakten Rücken und der kräftig bemuskelten Hinterhand lassen gemeinsam mit den korrekt gestellten und ebenfalls kräftig entwickelten Beinen auf eine relativ hohe Belastbarkeit und Ausdauer schließen, während sein schön geformter, nicht zu plumper Kopf verrät, dass das Tier irgendwo wohl auch edlere Vorfahren sein Eigen nennen kann. An dieser durchaus hübschen Kombination ist also eigentlich nichts auszusetzen, vielmehr wird das kleine Wesen sicherlich viele bewundernde Blicke auf sich ziehen. Da fallen dann auch die beiden weniger augenscheinlichen Schönheitsfehler – ein sehr flacher Widerrist und ein etwas zu dicker Hals – nicht so ins Gewicht, zumal der Laie sie wohl auch gar nicht als echte Fehler bzw. Problemauslöser erkennen wird. Beide Merkmale stellen für das Pony selbst auch tatsächlich keinerlei Problem dar, doch beim Reiten können sie unter Umständen mehr oder weniger große Schwierigkeiten bereiten. So bietet etwa ein nur mangelhaft entwickelter Widerrist dem Sattel nicht ausreichend Halt und jeder halbwegs erfahrene Reiter weiß, wie unangenehm oder sogar gefährlich ein zur Seite oder nach vorne rutschender Sattel sein kann. Nicht nur, dass dadurch keine genauen Gewichtshilfen gegeben werden können und relativ leicht ein Sturz des Reiters zustande kommen kann, entstehen durch diese Instabilität des Sattels beim Pferd auch noch häufig Druckstellen in der Gurtlage und/oder im Bereich der Ellbogen. Diese sind einerseits äußerst schmerzhaft und besitzen andererseits eine sehr schlechte Heilungstendenz, sodass sie oft mehrwöchige Reitpausen erforderlich machen. Um diese Problematik zu vermeiden, können Hilfsgurte (Vorderzeug, Schweifriemen) zur besseren Fixierung des Sattels herangezogen werden, denn mehrfaches starkes Nachgurten des normalen Sattelgurtes bringt in solchen Fällen leider gar nichts. Doch auch die zusätzlichen Riemen bergen Gefahren in sich. So bietet das Vorderzeug dem Sattel zwar einen gewissen seitlichen Halt, aber bei starker einseitiger Belastung des Sattels, wie etwa beim Aufsteigen oder bei anhaltend schiefem Sitz des Reiters, können auch die dadurch mitverschobenen Riemen des Vorderzeuges vermehrt im Vorderbrustbereich und zwischen den Beinen reiben und so Hautabschürfungen bedingen. Es empfiehlt sich deshalb unbedingt, die Leder- bzw. Nylongurte des Vorderzeuges mit einem Fellüberzug weicher zu gestalten, wobei aber auch hiermit kein perfekter Schutz gewährleistet ist, weil vermehrtes Schwitzen unter diesem Material bei gleichzeitiger Reibung ebenfalls zu Hautdefekten führen kann. Starke und lange Reitbelastung ist bei Pferden mit extrem flachem Widerrist also immer ein schwieriges Unterfangen. Bei der Verwendung eines Schweifriemens können sich ganz ähnliche Probleme ergeben, denn gerade die Haut auf der Unterseite des Schweifes ist hochsensibel und entzündet sich leicht, wenn das Leder dort reibt bzw. Schweiß sich einbrennt. Außerdem sind in dieser heiklen Region viele Pferde sehr kitzlig, wodurch vor allem bei lebhafteren Tieren mit teilweise heftigem Widerstand gegen einen solchen Riemen gerechnet werden muss. In diese Kategorie gehört auch unser Beispielpony, dessen dicker Hals ebenfalls darauf hindeutet, doch dazu dann mehr in meinem nächsten Tipp. |
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