Magazin  

 

 

Editorial   Magazin Magazin, Ausgabe 691, erschienen am 24.06.2012

Magazin  Ausgabe 691
Werner Popken
Editorials  Editorial

Steve Jobs



Am 05.10.2011 ist Wikipedia-Link» SteveJobs gestorben, und viele haben ihr Bedauern und Beileid ausgedrückt. Jahrzehnte meines Lebens habe ich mich mit Computern beschäftigt, so blieb es natürlich nicht aus, dass ich von Wikipedia-Link» Apple und seinen Computern erfuhr. Aber sie haben mich nie beeindrucken können. Ich verstehe bis heute nicht, warum die Leute so verrückt danach sind. Oder genauer gesagt: Warum manche Leute so verrückt danach sind.

Aber langsam beginne ich zu verstehen, warum Steve Jobs von vielen so geschätzt, von manchen gar geliebt wurde. Vor einiger Zeit schon bin ich auf eine Rede gestoßen, die er 2005 an der Wikipedia-Link» Stanford University gehalten hat. Diese Rede ist recht kurz und richtet sich an Studenten, die ihre Abschlusszeugnisse in Empfang nehmen sollen. Er blickt zurück auf sein eigenes Leben und versucht, ihnen einen Rat zu geben.

Er macht nicht viel Aufhebens davon, will nur drei Geschichten erzählen. Drei Geschichten, die eine Moral enthalten. Die erste nennt er „connecting the dots“ , die Punkte verbinden. Damit meint er, dass erst im Rückblick deutlich wird, welche Bedeutung frühere Ereignisse gewonnen haben, die damals, als sie geschahen, völlig ohne Sinn und Verstand erschienen. Mehr noch, Entscheidungen, die damals nur als entsetzliche Niederlage verstanden werden konnten, stellten sich später als die beste Entscheidung seines Lebens heraus. Und schon bei dieser Geschichte seines vermasselten Studiums schlägt er den Ton an, den er später ausarbeiten wird: »Trau deinen Gefühlen, deinem Schicksal, deinem Leben, deinem Karma, wie immer Du es nennen willst.« Diese Haltung hat sein Leben bestimmt und ihn nie enttäuscht.


Glauben

Ich weiß nicht, was Glauben für Sie bedeutet, aber diese Haltung von Steve Jobs bedeutet für mich, dass dieser Mann tief gläubig war. Angeblich soll er Buddhist gewesen sein, was immer das heißt für jemanden, der nur einmal im Leben für kurze Zeit in Indien war und als armer Student einmal in der Woche stundenlang zu einem Wikipedia-Link» Hare Krishna-Tempel wanderte, um ein gutes Essen zu bekommen. Auf jeden Fall wollte er etwas aus seinem Leben machen, und er hatte keine Ahnung, was das sein sollte. So viel Anstand hatte er aber im Leib, dass er es nicht verantworten konnte, das mühsam angesparte Vermögen seiner Adoptiveltern für ein Studium auszugeben, dessen Sinn sich ihm nicht erschloss.

10 Jahre später war er wieder ganz tief gefallen. Er war tief getroffen, wusste nicht was er tun sollte, die Firma, die er gegründet und zum Erfolg geführt hatte, hatte ihn gefeuert. Im Rückblick war es das Beste, was ihm hatte passieren können. Es dauerte ein paar Monate, bis ihm dämmerte, dass diese Situation auch Vorteile hatte. Er war wieder frei, das Leben war wieder leicht, und vor allen Dingen: Was ihn beschäftigte, was er gern tat, was er liebte, hatte sich nicht geändert, war dadurch nicht berührt.


Liebe

In dieser Zeit, die er als die kreativste seines Lebens beschreibt, gründete er zwei Firmen und verliebte sich in die Frau, mit der er Kinder bekam und den Rest seines Lebens verbrachte. Er ist sich ziemlich sicher, dass alles das nicht hätte passieren können, wenn er nicht bei Apple rausgeflogen wäre. Das sei eine bittere Medizin gewesen, der Patient habe sie aber gebraucht. Manchmal treffe einen das Leben mit einem Ziegelstein am Kopf, aber, so schärft er den Absolventen ein, man solle nie den Glauben verlieren. Hier benutzt er selber dieses Wort. Und dann setzte er nach: Man müsse das finden, was man liebt, und sich dafür einsetzen. Das gelte insbesondere auch für die Arbeit, die ja einen großen Teil des Lebens ausmache.

Wenn man diese Liebe noch nicht gefunden habe, solle man einfach weitersuchen. Man dürfe nicht nachlassen. Wie mit allen Herzensdingen, werde man wissen, wenn man es gefunden habe. Und wie in einer großartigen Partnerschaft, werde die Sache immer besser, je länger sie dauere. Er wiederholt es noch einmal: Nicht nachlassen, Ausschau halten, bis man es gefunden hat.


Tod

Die letzte Geschichte dreht sich um den Tod. Im Alter von 17 Jahren lief ihm ein Spruch über den Weg: „Wenn du jeden Tag so lebst, als wäre er der letzte, ist es eines Tages tatsächlich so.“ Und seither hat er jeden Morgen in den Spiegel geschaut und sich gefragt, ob er so leben würde, wie er es vorhat, wenn dieser Tag sein letzter wäre. Und wenn er mehrere Tage lang nicht ganz sicher war, dämmerte ihm, dass er an seinem Leben etwas ändern müsse.

An seinen eigenen, baldigen sicheren Tod zu denken entpuppte sich als das mächtigste Werkzeug, die wichtigen Entscheidungen seines Lebens zu treffen. Im Angesicht des Todes bleibt nur noch das übrig, was wirklich wichtig ist. Und dann sagte er etwas, was ich all denjenigen ans Herz legen möchte, die so beeindruckt davon sind, dass dieser Mann so furchtbar reich war. An den eigenen Tod zu denken ist die beste Methode, die er kennt, sich daran zu erinnern, dass es ein Irrtum ist, wenn man meint, man hätte etwas zu verlieren. Man sei doch bereits nackt. Es gebe keinen Grund, nicht seinem Herzen zu folgen.

Damals glaubte er, er sei vom Krebs geheilt, und wir wissen heute, dass das ein Irrtum war. Er wollte noch ein paar Jahrzehnte leben. Den Studenten sagte er: Niemand will sterben. Nicht einmal die Leute, die in den Himmel kommen wollen, möchten sterben, um dahin zu gelangen. Dennoch sei der Tod das gemeinsame Ziel von uns allen. Niemand sei ihm je entronnen. Und das sei gut so, weil der Tod die beste Erfindung des Lebens sei. Leben sei Veränderung. Das Alte müsse weichen, damit das Neue leben kann. Jetzt seien sie das Neue, aber nach einer Weile gehörten sie dann zu den Alten und müssten ihrerseits Platz machen. Das sei zwar dramatisch formuliert, aber die Wahrheit.

Daher ermahnte er die Studenten, ihr Leben nicht zu vergeuden, denn ihre Zeit sei begrenzt. Sie sollten sich nicht nach dem richten, was andere Leute meinen, sondern nach ihrer inneren Stimme. Und dann sollten sie den Mut besitzen, ihrem Herzen und ihrer Intuition zu folgen. Irgendwie wüssten die schon, was sie wirklich werden wollten. Alles andere sei nebensächlich.

Zum Schluss erzählte er eine Anekdote aus der Zeit, als er so alt war wie die Studenten, von einem Inserat, dessen Botschaft war: „Bleib hungrig, bleib tollkühn“ . Das habe er immer für sich selbst gewünscht und wünsche es nun ihnen.

Wikipedia-Link» Die Welt hat diesen Vortrag übersetzt und dabei die Vokabel „foolish“ nicht wie ich mit tollkühn, sondern mit verrückt übersetzt, was mir zumindest unglücklich sein scheint, und diesen Schlusssatz dann auch noch als Titel gewählt: » "Bleiben Sie hungrig und verrückt".

Anders die Stanford University, wo Sie den Originaltext unter » 'You've got to find what you love, ' Jobs says ( „'Sie müssen herausfinden, was Sie lieben', sagt Jobs“ ) finden. Eine Aufnahme der Rede samt Einleitung findet sich unter » How to live before you die – Steve Job explains: „Wie man lebt, bevor man stirbt – Steve Jobs erklärt's“ .


Haiku


Tod als Ratgeber.
Sind wir denn nicht jetzt schon nackt?
Wir müssen sterben.




Chefredakteur und Herausgeber

_vorher  voriges Editorial

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 691 vom 27.12.2015
Hauptartikel  Über NationenwettkämpfePferdemesse  Messe: NiederhofEditorial  Editorial: Steve JobsRezension  Rezension: Reiten gut erklärtTip  Tip: Pferdebeobachtung LXXIII
Poster  Poster: STAUT, Kevin, FRAPferdemesse  Messe: KeppelLeserbriefe  LeserbriefeAngebot_der_Woche  Angebot der WochePferdemesse  Messe: Eggersmann
Gesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: CillbarraTermine  Termine
Presseinfos  MitteilungenGesamttext   Gesamttext   

_vorher  vorige Ausgabe

Impressum   home   Home   RSS   RSS   Nutzungsbedingungen  Nutzungsbedingungen   Kontaktformular  Kontaktformular   m_red  » E-Mail an die Redaktion   Autorenhinweise  Autorenhinweise   Hilfe  HilfeTop   Top

Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken
tel 0049(0)5744-5115-74  fax -75  funk 0049(0)151-2327 3955
brief ISIS Messe & Verlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst
USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068
Die Adresse dieser Seite:
URL equivox.de/Magazin/691/Editorial
Diese Seite wurde generiert am 28.05.2017 06:39:46
pferdezeitung_favico  dasselbe auf Pferdezeitung.com

Copyright © Werner Popken, Hüllhorst 1999 - 2017

EquiVoX - bekannt als  pferdezeitung_favico  Pferdezeitung

Messe Online-Messe für den Pferdemarkt.
Magazin Online-Magazin für Pferdefreunde.

Der Herausgeber ist weder verantwortlich für Leserbeiträge noch für Inhalte verlinkter externer Internetseiten.
EquiVoX übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Angemessenheit und Ungefährlichkeit der in den Artikeln beschriebenen Methoden.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (E-Mails) zu veröffentlichen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

@MEMBER OF PROJECT HONEY POT
Spam Harvester Protection Network
provided by Unspam