Magazin  

 

 

Editorial   Magazin Magazin, Ausgabe 709, erschienen am 28.10.2012

Magazin  Ausgabe 709
Werner Popken
Editorials  Editorial

Lebensreise



Man will es ja nicht wahrhaben, aber es lässt sich nicht leugnen: Das Leben ist endlich. Und mag es auch noch so lange währen, es steuert unvermeidlich auf den Tod zu. Das ist doch extrem ärgerlich, nicht wahr? Das Leben ist ja nicht einfach. Nun macht man sich die ganze Mühe, lernt und reift, und dann soll alles für die Katz sein? Schluss, aus und vorbei?

Kleine Kinder machen sich sicherlich noch keine Gedanken darüber, wenn sie nicht gerade durch den Tod eines Familienangehörigen auf das Thema gestoßen werden. Aber schon die Erfahrung mit Schoßtieren bringt den Tod ins Spiel, denn die Tierchen leben vergleichsweise kurz.

Hinzu kommen die Fährnisse des Lebens: Bei uns war es zeitweise so schlimm, dass wir überlegten, auf Katzen zu verzichten, weil wir Katzen nicht nur im Haus halten wollten, sondern eher der Meinung waren, dass diese uns mit ihrer Gegenwart beehrten und ansonsten ihr eigenes Leben führten, das eben außerhalb des Hauses extrem gefährlich war und zu einer hohen Todesrate führte. Merkwürdigerweise war diese Todessträhne anschließend gebannt.

Und auch Pferde leben ja nicht ewig, insbesondere werden sie nicht so alt wie wir, die Chancen, sich mit dem Tod von Pferden vertraut machen zu müssen, sind also durchaus vorhanden. Also gut: Wir müssen alle sterben. Steve Jobs hielt den Tod für die „beste Erfindung des Lebens“ (siehe mein Editorial  Steve Jobs), weil das Alte absterben müsse, um dem Neuen Platz zu machen. Das ist wohl wahr, aber das Alte soll gefälligst sein Vermächtnis hinterlassen, und das hat Steve Jobs in seiner dort erwähnten Rede versucht zu tun. Was war in seinem Leben wichtig? Worauf kam es an? Worauf sollten also die Zuhörer, die jungen Studenten, in ihrem eigenen Leben achten? Denn sie sind doch das Neue, das das Leben bereichern soll.


Pferde

Sind es die Pferde? Können es die Pferde sein? Für Pferdemenschen sind Pferde natürlich äußerst bedeutsam, sie gehen vermutlich über alles, vielleicht sogar über zwischenmenschliche Beziehungen, nach dem Motto: erst die Pferde, dann der Partner oder die Kinder. Andere sind verrückt nach Fußball, für die gilt dasselbe, nur mit anderem Vorzeichen. Und so weiter, es gibt nichts, wonach Menschen nicht verrückt sein können, was sie nicht zu ihrem Lebensziel erkören können, wofür sie nicht alles opfern würden.

Dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden. So funktioniert die Welt, so sind die Menschen, und im allgemeinen kommen wir ja auch ganz gut zurecht. Wir werden zwar nicht glücklich, aber immerhin haben wir etwas, was uns antreibt. Pferde sind insofern sehr dankbar, als wir uns ständig um sie kümmern müssen, da sie ja Lebewesen sind. Ein Motorrad kann man auch mal in der Garage stehen lassen, die Angel muss man auch nicht jeden Tag herausholen, wenn einem gerade nicht danach ist, aber bei Pferden geht das nicht. Es sei denn, man geht auf Distanz und bezahlt andere Leute dafür. Dann fragt sich aber wieder, was man noch davon hat, warum man das alles tut.

Womit sich natürlich die Frage ganz allgemein stellt: Warum das Ganze? Wieso bin ich hier? Warum lebe ich überhaupt? Zu welchem Zweck lebe ich? Was will ich im Leben erreichen? Die meisten Menschen heutzutage, so meint man jedenfalls, möchten möglichst viel Spaß haben, und den soll man sich angeblich kaufen können. So träumt man vielleicht von einem neuen Auto, das noch schöner und noch stärker und noch aufregender und noch schneller ist als das, was man jetzt schon hat. Oder von einem Pferd, mit dem man auf diesem oder jenem Turnier einen besseren Platz erringen kann.


Zufriedenheit

Solange man von Wünschen getrieben ist, hat man ein Ziel, und wenn man das Ziel erreicht hat, besteht die Gefahr, dass man in ein Loch fällt. So kenne ich jemanden, der einen Traum träumt, den er gar nicht verwirklichen will, weil er befürchtet, dass er danach keine Träume mehr haben würde. Schon traurig. In der Tat liest man immer wieder von Leuten, die es bis ganz nach oben geschafft haben und dann in die Depression abstürzten. Warum wohl?

Anscheinend hat die Erfüllung aller Wünsche nicht die notwendige Zufriedenheit gebracht, die emotionale Erfüllung, nach der doch in Wirklichkeit gesucht wird. Wer glücklich und zufrieden ist, wirklich wunschlos glücklich, dem kann man mit neuen Produkten oder Erlebnissen nicht kommen. Der will wirklich nichts außer sein. Aber haben Sie schon jemanden getroffen, dem es so ging?

Unter Pferdeleuten ist das so gut wie unmöglich. Jedes Pferd muss ausgebildet werden, besser werden, ständig muss man arbeiten und üben, irgendwann wird es alt und muss ausrangiert werden und das Ganze geht mit einem jungen Pferd wieder von vorne los, es ist wie beim Fußball: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Oder wie in einem Hamsterrad, wo der Hamster noch so emsig arbeiten kann, er kommt doch kein Stück voran, weil dies das Prinzip des Hamsterrades ist.

Wer in seinem Leben Zufriedenheit anstrebt, kann also weder materiale Gegenstände noch gesellschaftliche Positionen meinen. Kein Gegenstand macht uns glücklich, alles wird ständig von etwas noch Besserem überholt, und niemand kann auf Dauer oben auf dem Treppchen stehen, ständig wachsen neue Wettbewerber nach, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Champion vom Thron gestoßen wird. Soll man sich daher für ein solches Ziel überhaupt anstrengen, oder sollte man nicht vielleicht seine Ziele anders definieren?

Man könnte natürlich einwenden, dass derjenige, der einmal oben gestanden hat, bis zu seinem Lebensende von dieser Erinnerung zehren kann. Aber welche Art von Genugtuung ist das? Wie lange kann diese Erinnerung tragen? Und wäre das die Anstrengung wert? Ich fürchte, die meisten Menschen müssten diese Frage mit Ja beantworten, weil sie keine bessere Antwort wüssten.


Haiku


Die Zufriedenheit.
Mit sich selbst, seinem Leben.
Kommt es darauf an?





Chefredakteur und Herausgeber

_vorher  voriges Editorial

Inhaltsverzeichnis Magazin oben 

Magazin  Magazin: Das Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 709 vom 27.12.2015
Hauptartikel  Vom Ersten Krieg und der NachkriegszeitPferdemesse  Messe: AnsorenaEditorial  Editorial: LebensreiseRezension  Rezension: Erzähl mir nichts vom PferdTip  Tip: Pferdebeobachtung LXXXIX
Poster  Poster: Isabell WerthPferdemesse  Messe: KnabstrupperLeserbriefe  LeserbriefeAngebot_der_Woche  Angebot der WochePferdemesse  Messe: Reiterhotel
Gesuche  GesucheAngebote  AngebotePferdemarkt  PferdemarktPferdemesse  Messe: CillbarraTermine  Termine
Presseinfos  MitteilungenLinks  LinksGesamttext   Gesamttext  

_vorher  vorige Ausgabe

Impressum   home   Home   RSS   RSS   Nutzungsbedingungen  Nutzungsbedingungen   Kontaktformular  Kontaktformular   m_red  » E-Mail an die Redaktion   Autorenhinweise  Autorenhinweise   Hilfe  HilfeTop   Top

Verantwortlich i. Sinne d. Pressegesetzes: Dr.math. Werner Popken
tel 0049(0)5744-5115-74  fax -75  funk 0049(0)151-2327 3955
brief ISIS Messe & Verlag · Hauptstr. 13 · 32609 Hüllhorst
USt-Id DE270546213 · Steuernummer 331/5075/2068
Die Adresse dieser Seite:
URL equivox.de/Magazin/709/Editorial
Diese Seite wurde generiert am 26.07.2017 22:49:37
pferdezeitung_favico  dasselbe auf Pferdezeitung.com

Copyright © Werner Popken, Hüllhorst 1999 - 2017

EquiVoX - bekannt als  pferdezeitung_favico  Pferdezeitung

Messe Online-Messe für den Pferdemarkt.
Magazin Online-Magazin für Pferdefreunde.

Der Herausgeber ist weder verantwortlich für Leserbeiträge noch für Inhalte verlinkter externer Internetseiten.
EquiVoX übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit, Angemessenheit und Ungefährlichkeit der in den Artikeln beschriebenen Methoden.
Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe (E-Mails) zu veröffentlichen. Bitte teilen Sie uns mit, wenn Sie mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind.

@MEMBER OF PROJECT HONEY POT
Spam Harvester Protection Network
provided by Unspam