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Cowboy
William John Welch
Partner 1997 Bei diesem Bild denkt man fast automatisch an das Werbeklischee des 20. Jahrhunderts, an den 'Marlboro-Mann' auf seinem Pferd. Doch wie der Titel vermuten läßt, bezieht sich dieses Gemälde auch auf eine viel ältere Tradition - die des einsamen Cowboys und seines Pferdes. aus dem Buch Pferde mit freundlicher Genehmigung des siehe auch Kommentar Von Nachdem wir in den letzten Beiträgen gewaltig in die Tiefe gegangen sind, wollte ich in dieser Woche etwas Leichteres bringen. Da kam mir dieses Blatt gerade recht. Wie schon der Kommentar bemerkt, wirkt das Blatt klischeehaft. Was soll das heißen? Aus meinem Wörterbuch entnehme ich, daß das Wort Klischee aus dem Französischen kommt und zunächst einmal einen Druckstock für den Hochdruck bedeutet. Außerdem bezeichnet es eine Redensart, die durch zu häufigen Gebrauch ihren Sinn verloren hat, schließlich eine von Vorurteilen geprägte Vorstellung. Nun kann man nachvollziehen, wie das Wort seine Bedeutung verändert hat. Ein Druckstock zeichnet sich dadurch aus, daß man von dieser einen Vorlage beliebig viele Abzüge ziehen kann, ohne wesentliche Verschlechterung des Resultats. Ein Abzug ist also wie der andere, keiner von ihnen besitzt Originalität. Dieser Mangel wird schließlich auf das Klischee selbst übertragen. Es handelt sich hier aber natürlich nicht um den Nachvollzug intellektueller Konstruktionen, sondern um den unmittelbaren Eindruck. Man sieht sofort, daß das so nicht stimmt. Es ist ähnlich wie mit dem |
Cowboys sind keine Schönlinge, sondern raue Burschen, die schwere Arbeit leisten. Auf dem Es ist schwer, in Worten zu beschreiben, was man unmittelbar sehen kann, wenn man das gelernt hat: zu sehen und zu unterscheiden. Diese Fähigkeit ist lebenswichtig. Wir nehmen einen Großteil der Informationen über die Augen wahr. Das ist nicht erst ein Phänomen unserer Tage mit der visuellen Überflutung. Schon immer haben sich Menschen erst einmal beäugt und über die Augen versucht herauszubekommen, mit wem man es zu tun hat, bevor Sprache eingesetzt wurde. Außerdem kann man mit Sprache wunderbare lügen. Mit dem Körper zu lügen ist wesentlich schwerer. Wer das gut kann, ist ein Schauspieler. Und jeder weiß doch, wie schlecht die Schauspieler im allgemeinen sind, was einfach nur heißt: sie können nicht gut genug lügen - mit dem Körper natürlich. Ein Schauspieler kann sagen was er will: er wirkt unglaubwürdig, wenn die Augen den Inhalt der Worte nicht nachvollziehen können. In dieser Technik sind schon kleine Kinder ganz perfekt. Man weiß nicht, wie sie es lernen, es gibt auch keinen Unterricht in dieser Fertigkeit, man spricht noch nicht einmal darüber, wie wichtig das ist - wer es hat, kommt besser durchs Leben. Das ist auch ein Grund, warum Kinder mit dem Fernsehen weniger Schwierigkeiten haben als angenommen. Sie sehen einfach unmittelbar, daß das einfach nur Quatsch mit Soße ist, was ihnen da vorgesetzt wird. Und genauso sieht man bei diesem Bild sofort, daß das einfach nur - vornehm ausgedrückt - ein Klischee ist. |
Wie der Zufall so will, hat Sylvia mich heute Nachmittag in ein Café eingeladen, versteckt in irgend einem Tal in Lippe. Die Gänse liefen auf der Straße herum, das Café war gemütlich, der Kuchen und der Kakao schmeckten gut. Es lagen auch ein paar Bücher herum, eigentlich sogar ziemlich viele, und ich nutzte die Gelegenheit und durchblätterte zunächst ein Buch über das alte Rom.
Dann schaute ich in ein Buch über die Werbung der Jahre 1950 bis 1965. Ich war sehr erstaunt, auf eine Marlboro-Werbung zu stoßen, die zwei Pärchen beim Doppelkopf zeigte, wie sie sich die Bude vollqualmen. Dieses Beispiel zeigte im Verein mit anderen, wie man damals das Thema Geselligkeit für das Marketing ausnutzte. Das leuchtet zum Thema Rauchen durchaus ein. Wieso die Marlboro-Leute später auf den Cowboy gestoßen sind und warum sie mit diesem Bild ausgerechnet bei den Rauchern Erfolg hatten und immer noch haben, wurde natürlich nicht erläutert, weil es das damals noch nicht gab. Bis hierher habe ich nun viele Worte gemacht, aber auf das Bild selbst keinerlei Energien verschwendet, denn alles verstand sich auf den ersten Blick, und auf den zweiten Blick ergab sich immer noch nichts Neues. Nun wollte ich es genauer wissen und bemühte das Internet, genauer gesagt Unser Künstler hat mehrere Web-Seiten, offenbar zunächst als Unterseiten angelegt - schließlich hat er sich seinen eigenen Domain geholt: Natürlich zeigt er auch im Internet seine Arbeiten, die sämtlich sehr ähnlich sind, fast ausschließlich Außenansichten von Häusern und Straßen, natürlich immer im Sommer bei Sonnenschein um die Mittagszeit, mit vielen Blumen drumherum, in zarten Pastelltönen, alles leicht angegammelt, mit anderen Worten: der ganz große Kitsch verkauft sich wohl am besten.
Das Bild am Anfang unseres Abschnittes ist natürlich auch von ihm und nicht etwa eine Ansicht des Cafes. Kein einziges Bild, was sich auch nur entfernt mit unserem Cowboy vergleichen ließe. Es bleibt rätselhaft, wie die Herausgeberin des Buches auf dieses Bild gestoßen ist und aus welchem Anlaß und mit welchem Zweck unser Künstler das Bild gefertigt hat. Vermutlich brauchen wir auch gar keine Antwort auf diese Fragen, denn Welch arbeitet anscheinend nur des Geldes wegen und hat ansonsten nichts zu sagen. |
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Nun wird es Zeit, daß ich die Sache noch etwas verkompliziere: das Urheberrecht liegt immer beim Urheber und kann überhaupt gar nicht veräußert werden. Wir reden deshalb eigentlich nicht über das Urheberrecht, sondern über das Nutzungsrecht. Dieses Nutzungsrecht kann veräußert werden; dies ist sogar die Regel. Welch hat vermutlich den Cowboy als Auftrag gemacht. Das Urheberrecht bleibt selbstverständlich bei ihm, weil er es gar nicht veräußern kann (ich unterstelle, daß das amerikanische Urheberrecht da mit dem deutschen konform geht). Das Nutzungsrecht geht an den Auftraggeber über, denn sonst macht der Auftrag für diesen keinen Sinn. Hier stellt sich nun die Frage, welches Nutzungsrecht an den Auftraggeber verkauft wird. Das Nutzungsrecht muß in jedem Einzelfall geklärt werden. Zum Beispiel könnte der Künstler sämtliche Nutzungsrechte an den Auftraggeber veräußern. Dann könnte er mir gar keine Erlaubnis geben, weil er überhaupt nicht mehr im Besitz der Nutzungsrechte ist. Tut er das trotzdem (was offenbar häufig vorkommt, weil Künstler keine Experten im Urheberrecht sind), kann ich mich nicht in Sicherheit wiegen: denn, jetzt kommt's: im Urheberrecht gibt es keinen Treu und Glauben. Das bedeutet: wenn der Künstler mir die Erlaubnis gibt und ich mich darauf verlasse, der Inhaber später jedoch seine Rechte verletzt sieht, dann kann der Inhaber der Rechte mich sofort zur Rechenschaft ziehen und ich kann mich erst später im Rückgriff beim Künstler wiederum versuchen, schadlos zu halten. Das muß man sich mal genüßlich auf der Zunge zergehen lassen. Er könnte auch ein einmaliges Nutzungsrecht verkaufen und sich die weitere Nutzung vorbehalten. Dann könnte er mir die Nutzung gestatten. Eigentlich müßte ich also vollständige Einsicht in die Vertragsunterlagen des Künstlers haben, um beurteilen zu können, ob er mir überhaupt die Rechte geben kann, die ich haben möchte. Nehmen wir also an, Marlboro hätte diesen Cowboy in Auftrag gegeben. Das ist ja eine große Firma mit einer starken Rechtsabteilung, die mit Sicherheit saftige Schadensersatzforderungen einklagen kann. Der Künstler wiederum ist vielleicht ein armer Schlucker, bei dem gar nichts zu holen ist. Dann würde ich ganz schön in der Patsche sitzen. Ich kann mich nicht auf Treu und Glauben berufen und muß sofort an Marlboro zahlen, kann mir aber den Schaden vom Künstler nicht zurückholen. Woher ich das weiß? Na ja, natürlich aus Erfahrung. Wir sind bereits mit erheblichen Schadensersatzforderungen konfrontiert worden. Der Rechtsanwalt des Verlags kannte sich in der Materie selber nicht aus und sprach von Urheberrecht statt von Nutzungsrecht. Das Urheberrecht liegt natürlich beim Fotografen und nicht beim Verlag, das ist auf jeden Fall klar. Welche Nutzungsrechte hat der Fotograf nun an den Verlag verkauft? Einmalige Nutzungsrechte oder sämtliche Nutzungsrechte? In diesem Falle haben wir darauf verzichtet, die unausgesprochene Behauptung des fordernden Verlages, im Besitze der vollständigen Nutzungsrechte zu sein, anzuzweifeln. |
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Was sollten wir tun? Ganz einfach: wir haben kurz im Internet nach einem Rechtsanwalt gesucht, der sich in dieser Thematik auskennt. Und der hat dann die Angelegenheit mit den geringsten Aufwand aus der Welt geschafft. Bei dieser Gelegenheit habe ich dann die Nachhilfe im Urheberrecht bekommen und bin deshalb etwas vorsichtig geworden. Die Nutzungsrechte oder wie man populär sagt: die Urheberrechte sind übrigens durch das Internet wieder ins Gerede gekommen. Es hat sich sogar schon eine neue Wortbildung etabliert: man napstert sich einfach, was man haben will. Die Musikverlage haben die Gefahr natürlich erkannt, und Bertelsmann hat die Flucht nach vorn angetreten: die haben Napster einfach gekauft. Der Rest der Musikbranche sieht das aber nicht so locker und hat die Klagen gegen Napster (und damit jetzt auch gegen Bertelsmann) nicht zurückgezogen. Mal sehen, was daraus wird. Es gibt inzwischen viele Leute, die der Meinung sind, daß man aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten, die das Raubkopieren zu einem Kinderspiel werden lassen, das Urheberrecht neu überdenken muß. Wir werden es noch erleben. Werfen wir noch ein Blick auf das Bild. Ist das ein Bild für Pferdefreunde? Oder ist es eher ein Bild für romantische junge Mädchen?
Oder sagen wir genauer: für romantische weibliche Pferdefreunde? Das Pferd jedenfalls spielt keine Rolle, dafür desto mehr die Männlichkeit des Reiters. Der Titel "Partner" scheint daher etwas weit hergeholt und irreführend. Eigentlich geht es nach meinem Eindruck ausschließlich um, wie man früher sagte, Sex-Appeal. Der Ausdruck ist etwas aus der Mode gekommen, die Sache selbst natürlich nicht. Und weil diese Sache so wichtig ist und absolut einwandfrei funktioniert, kann man darüber auch alles Mögliche verkaufen. Selbst Zigaretten. An Männer und an Frauen. Wenn man nun genau hinschaut, sieht man es: so peilt der doch kein Kalb an! Eher schon eine Schöne, die er sich als echter Mann gleich mit dem Lasso fangen wird. Wetten, daß sie sich gerne fangen läßt? Von so einem Kerl, der weiß, was er will? Einem Reiter mit breiten Schultern und starken Muskeln? O lala! |
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