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Presseinfos News: Bundesvereinigung der Berufsreiter im Deutschen Reiter- und

Kunstgalerie   Magazin Magazin, Ausgabe 96, erschienen am 27.01.2001

Magazin  Ausgabe 96
Werner Popken


Abschnitte:
  1. Abschnitt  Die letzte Furche
  2. Abschnitt  Das Bild
  3. Abschnitt  Wasserspritzer
  4. Abschnitt  Sentimentalität
  5. Abschnitt  Kunstgeschichte
Kunstgalerie  Kunstbetrachtung

Die letzte Furche


Henry H. La Thangue
Die letzte Furche

1895

In La Thangues Werk fehlt die Sentimentalität, die aus den Werken vieler seiner Zeitgenossen spricht. Stattdessen schuf er ein besonders bewegendes Bild: Der alte Bauer ist auf dem Feld gestorben, allein, nur in Gesellschaft seiner beiden Pferde. Die neugierige Kopfdrehung des Schimmels macht die Szene noch ergreifender.

aus dem Buch Pferde
mit freundlicher Genehmigung
des  Taschen-Verlags
siehe auch  Rezension






Kommentar
Von  Werner Stürenburg

Auf den ersten Blick habe ich gar nicht erkannt, worum es hier geht. Bei einer kleinen Abbildung in einem Buch kann man überhaupt nicht ermessen, wie das Originalgemälde wirkt. Maßangaben, möglichst direkt am Bild und nicht im Register, sind also immer hilfreich, fehlen in diesem Buch aber durchgängig.

Das ist kein bemerkenswerter Mangel, fehlen die Maße doch selbst in den meisten Museumskatalogen. Und auch im Internet macht man sich selten die Mühe. So habe ich trotz intensiver Recherche nicht herausbekommen, wie groß dieses Bild ist. Ich vermute einmal, daß es sehr groß ist, vielleicht lebensgroß, also etwa zwei Meter im Quadrat.

Wenn man sich vorstellt, daß man einem solchen Riesenbild direkt gegenübertritt, wird schnell deutlich, daß die Wirkung enorm sein muß. Unmittelbar wird der Blick gefangengenommen von dem Mann im Vordergrund, dessen eigentümliche Haltung sofort signalisiert: hier stimmt etwas nicht!

Diese Wirkung geht bei der Abbildung im Buch verloren. Der Blick wandert als erstes zu den Pferden, vor allem dem Schimmel, dessen Kopfhaltung zwar auffällt, aber zunächst keinen Anlaß zur Besorgnis gibt. So hat es denn auch eine ganze Weile gedauert, bis bei mir der Groschen gefallen ist.

Das Bild  oben 



Nicht einmal der Titel hat mir geholfen. Der Maler zeigt sehr schön, daß der Bauer mit seinen beiden Pferden das gesamte Feld bereits gepflügt hat. Der Titel 'Die letzte Furche' kam bei mir zunächst einmal so an, als sei nun bald die Arbeit zu Ende, denn bei jedem Feld gibt es eine letzte Furche.

Ich erinnere nicht mehr, ob ich erst durch den Kommentar darauf gekommen bin, was hier gemeint ist, oder ob ich es selber gesehen habe. Auf jeden Fall ist diese Haltung eigenartig und ungewöhnlich, mit Sicherheit sogar erklärungsbedürftig.

Der Titel gibt immerhin für alle die, die nicht so begriffsstutzig sind wie ich, einen Hinweis, und schließlich kann man die Geschichte auch lesen: der Bauer macht keine Pantomime, stellt kein lebendes Bild, er ist gestorben.

Jedenfalls will der Maler uns das weismachen. Ich persönlich habe nur wenig Erfahrung mit dem Sterben, aber trotzdem beschleicht mich ein Unbehagen: so theatralisch, so gestellt sieht ein Mensch im Tode vermutlich nicht aus.

Die Gesichtsfarbe ist noch nicht gewichen, von Todeskampf keine Spur, die Muskeln halten alle noch, dieser Körper ist nicht zusammengesackt. Zwar sind die Beine eingeknickt, der Nacken hält aber den Kopf ganz energisch, die Arme halten die Leinen, wenn sie auch steif ausgestreckt sind.

Durch die Erfahrung vieler Filme sind wir heute nicht so leicht auf den Leim zu führen. Wenn ein Regisseur diese Szene so filmen würde, würde ihm das niemand abnehmen. So sieht das Sterben einfach nicht aus.

Wie kann man sich eine solche Szene erklären? In demselben Buch findet sich eine Karikatur von 1852, die die Antwort liefert:

Erstens sterben die Leute nicht so häufig in der passenden Pose, daß der Künstler hinreichend Gelegenheit hätte, seine Beobachtungen zu machen.

Zweitens ist es außerordentlich schwierig, von Handlungen, die naturgemäß sehr schnell ablaufen, eine Skizze anzufertigen, geschweige denn ein Gemälde.

Wenn man sich nun vorstellt, daß der Künstler für diese Sterbeszene ein Modell engagiert hat, das stundenlang, über Wochen oder Monate hinweg Modell gestanden - oder besser gekniet - hat, hat man die natürliche Erklärung für die unnatürliche Haltung.

Modell stehen oder sitzen ist außerordentlich anstrengend, weil man sich nicht bewegen darf. Es gilt also, eine Haltung zu finden, die man einigermaßen über längere Zeit hindurch aushalten kann. Eine solche Haltung kann man dann malen.

Selbst bei der kleinen Abbildung fallen die schönen, gepflegten Hände ins Auge, während der würdige Kopf so im Schatten liegt, daß jedenfalls die Abbildung des Buches nicht ganz klar erkennen läßt, welchen Ausdruck das Gesicht genau hat.

Auf jeden Fall wird suggeriert, daß es ein schöner Tod war, denn das Gesicht wirkt lebendig, entspannt, so als ob der Mann selig schlafen würde. Oder eben Modell knieen und sich langweilen. Ein totes Gesicht hatte der Maler wohl nicht vor Augen. Oder nein - jetzt habe ich es: der Tod ist just in dieser Sekunde eingetreten!

Wie sieht das aus? Ich weiß es nicht. Ich war noch nie dabei, als ein Mensch gestorben ist.

Den Tod meines Pferde habe ich miterlebt - das ging schnell, dauerte nur wenige Minuten, aber es sah nie natürlich oder selig aus - es gab keinen Zweifel, hier fand ein Todeskampf statt. Das kleine Lamm, das wir neulich begraben haben, sah im Tode allerdings aus, als schlafe es nur.

Ein harmonisches Leben mit vertrauten Pferden findet einen gnädigen Abschluß - so könnte die Absicht des Malers gewesen sein, denn dies ist offensichtlich eines der Bilder, bei denen man mit Recht fragt: was wollte der Künstler uns sagen?

Von diesem Maler hatte ich noch nie etwas gehört. Welcher Nationalität gehörte der Maler an? War es ein Engländer oder Franzose oder Belgier? Fragen über Fragen. Kurzerhand habe ich das Internet bemüht, genauer gesagt:  Google.

Wasserspritzer  oben 



Da ich zunächst den Vornamen des Malers nicht kannte, habe ich einfach nur 'La Thangue' eingegeben. Ich war guter Hoffnung, denn Thangue ist wahrscheinlich nicht sehr häufig.

Tatsächlich kam als erstes die Homepage eines englischen Chemikers gleichen Namens, und dann mehrere Seiten über einen Maler namens Henry Hubert La Thangue. Um die Suche etwas einzuschränken, habe ich dann noch einmal nach 'Henry La Thangue' gesucht. Da gab es nur noch 8 Seiten, und die habe ich mir alle angeschaut.

Ein deutsches Unternehmen betreibt die Seiten  Poster.de und  Poster.com; dort kann man ein Poster mit einem Bild von La Thangue kaufen, das eine Herde von Gänsen samt Gänsehirten zeigt, die einen Weg herunterkommt und in einen Fluß oder See steigt. Selbstverständlich im Hochsommer zur Mittagszeit, wenn die Sonne scheint.

Eine Abbildung des Gemäldes aus der Victoria Art Gallery, Bath, Großbritannien. Dieses Museum ist ebenfalls im Internet und hat dort gleichfalls eine Abbildung des Gemäldes  Watersplash. Man erfährt dort, daß das Bild 1954 als Schenkung in den Besitz des Museums kam.

Die Erläuterung zum Bild, die ich erst gar nicht lesen wollte, weil solche Erläuterungen meistens totlangweilig sind, stellte sich als hochinteressant heraus.

Eigentlich ist es nur die Provinienz, d. h. die Herkunftsgeschichte des Bildes. Der Maler hat von 1859-1929 gelebt. Zu seinen Lebzeiten noch, nämlich 1913, ist dieses Bild versteigert worden, und zwar bei Christie's.

Da das Bild zu diesem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre alt war, stellt sich die Frage nach dem Schicksal des Bildes bis dahin. Vermutlich findet man im damaligen Versteigerungskatalog etwas dazu. Mit ziemlicher Sicherheit ist das Bild nicht direkt vom Künstler eingeliefert worden, sondern von einem Vorbesitzer.

Ersteigert worden ist es von den Händlern Gooden and Fox, deren Name mir nichts sagt, für den Preis von £ 483 - ich nehme einmal an, daß das eine gute Stange Geld war.

Die Händler haben das Bild nicht für sich ersteigert, sondern für Miss Alice Radcliffe. Als Engländer wüßte ich vielleicht auch mit diesem Namen etwas anzufangen.

Mr. Fox war vom Ipswich Museum and Art Gallery ebenfalls gebeten worden, bei diesem Gemälde mitzusteigern. Der Künstler war also zu Lebzeiten nicht nur versteigerungswürdig, sondern auch museumsreif. Mister Fox hat dieses Ersuchen aber ausgeschlagen, weil er schon einen Auftrag hatte.

Der Text spricht genauer von "his prior commitment". Das wollte ich doch überprüfen, ob ich das richtig verstanden hatte, und dazu habe ich kurz ein Werkzeug gestartet, das mir schon viele gute Dienste geleistet hat:  WordWeb. Das ist praktisch der Webster auf dem PC - irre gut. Das Ganze auch noch umsonst. Sollten Sie sich unbedingt holen.

Ich tippe also ein: 'commitment', und daraufhin zeigt er mir, daß es dieses Wort lediglich als Substantiv gibt, welches 5 Bedeutungen annehmen kann. Bedeutung 2 und 3 zeigen mir, daß ich richtig liege:

  • 2. The act of binding yourself (intellectually or emotionally) to a course of action
  • 3. An engagement by contract involving financial obligation

Besagte Miss Radcliffe hat dieses Bild dann vererbt an Miss Henderson of Bathwick Hill, Bath. Schon frage ich mich wieder, ob ich die Familie Henderson bzw. Bathwick Hill kennen sollte, denn das klingt doch fast so, als säße diese Frau auf einem Schloß. Das könnte ich mit Hilfe des Internet sicherlich herausbekommen, aber ich will es so genau gar nicht wissen.

Und Miss Henderson wiederum hat das Bild dann die Museum geschenkt. Nachsatz: dieses Bild war die letzte größere private Schenkung an das Museum. Vor fast 50 Jahren!

Damit will uns die Museumsleitung sicherlich etwas sagen. Hierzulande ist es eher umgekehrt: manche Leute versuchen jahrelang, einem Museum nicht nur ein Bild, einge ganze Sammlung zu schenken, und keins will die Schätze haben.

Noch mehr erfahren wir, was über eine reine Provinienz hinausgeht: Fox hielt dieses Bild für das Meisterwerk schlechthin von La Thangue. Wir dürfen annehmen, daß Miss Radcliffe es zudem auch noch sehr geliebt hat.

Trotzdem: es ist doch offensichtlich, daß dieses Gänsebild ziemlich sentimental ist, und auch unsere letzte Furche ist durchaus sentimental, selbst wenn die Beschreibung das abstreitet, es gleichzeitig aber den Werken der Zeitgenossen unterstellt.

Sentimentalität  oben 



Gerade das Wenden des Kopfes und die Tatsache, daß es sich um einen Schimmel handelt, bringen zusätzliche sentimentale Züge in dieses Bild, abgesehen von der Darstellung des stilisierten Todes.

Das Bild ist übrigens insgesamt sehr konstruiert. Die starke Diagonale von links unten nach rechts oben springt gewaltsam ins Auge, gewisse Einzelheiten wie die Hände und die Kleidung sind sehr deutlich behandelt, andere Stellen wiederum sind so summarisch, daß man den Eindruck hat, hier solle man glauben, daß der Künstler es richtig hätte machen können, wenn er nur gewollt hätte.

Die Erde rechts unten, die immerhin einen sehr großen Teil des Bildes einnimmt, ist vollkommen unglaubhaft, nicht nur in Bezug auf die Detailbehandlung, sondern auch künstlerisch. Eine riesengroße schwache Stelle. Nun ist das allein nicht besonders erwähnenswert. Bei den meisten Malern gibt es schwache Stellen, auch bei Rembrandt.

Aber hier ist die schwache Stelle nicht nur sehr groß, sondern der gesamte Acker ist so gemalt, als hätte der Künstler noch nie einen frisch gepflügten Acker gesehen. Und besonders die heiße Stelle, wo der Bauer zusammengebrochen ist, wo man nun wirklich sehen will, wie er über seinem Pflug hängt, ist einfach nur unklar. Man kann es sich nicht vorstellen.

Dabei ist so ein Pflug ein sehr konkretes Ding, mindestens so konkret wie die beiden Leinen, die sehr schön von den dicken Hintern der Pferde herunterhängen und durch einen Ring zusammengehalten werden. Den Ring kann man quasi anfassen.

So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich bin auf dem Lande aufgewachsen, als die Bauern alle noch Pferde hatten, aber so einen Ring hatte niemand. Ob das eine englische Besonderheit ist?

Der Schimmel hat Scheuklappen - soweit ich weiß, haben Bauern niemals Scheuklappen benutzt, selbst beim Kutschefahren war das nicht unbedingt die Regel, sondern eher ein Zeichen des Snobismus - aber vielleicht war das in England anders.

Diese Leine läuft noch sehr schön durch die eine Hand, aber dann wird es unklar. Irgendwie vermutet man, daß die Leine über den Rücken des Bauern läuft und mit dem anderen Ende zusammenhängt, wie es Sinn machen würde und wie ich es kenne, denn schließlich braucht der Bauer beide Hände, um den Pflug zu führen. Aber davon ist nichts zu sehen.

Kunstgeschichte  oben 



Ich habe dann noch ein Gemälde von La Thangue gefunden, das einen  Bauernjungen zeigt, der mit seinem Taschenmesser einen Stecken beschnitzt. Das Gemälde heißt merkwürdigerweise 'Pflug-Junge', aber was mich interessierte: hier waren Maße angegeben.

Dieses Bild, das den Jungen von etwa der Mitte der Oberschenkel bis etwas oberhalb des Kopfes zeigt, ist 155 cm hoch, also gut lebensgroß. Ich nehme das als Indiz, daß ich mit meiner Vermutung über die Dimensionen unseres Gemäldes richtig liege. Der Maler hatte keine Angst vor großen Bildern, und seine Kunden offenbar ebenfalls nicht.

Ich finde schließlich eine  englische Ausstellung aus dem vergangenen Jahr mit Bildern von La Thangue und mehreren Kollegen, die deren Arbeiten in den geschichtlichen Zusammenhang stellen.

Als La Thangue erwachsen wurde, war die akademische Malerei schon seit langem an einem schwülstigen, sentimentalen, dem niedrigsten Publikumsgeschmack verpflichteten Tiefpunkt angekommen.

Wie immer in solchen Situationen formierte sich eine Gegenbewegung, aus der dann schnell mehrere wurden und im Laufe der Zeit dann die Moderne Kunst, wie wir sie im zwanzigsten Jahrhundert kennengelernt haben, die ihrerseits jetzt auch schon reichlich alt und Geschichte geworden ist.

La Thangue ging nach dem Studium nach Frankreich und kam natürlich in Berührung mit diesen Bewegungen. In Frankreich hatte es schon eine Entwicklung hin zum Realismus gegeben, bevor La Thangue geboren wurde. Inzwischen war dort der Impressionismus entwickelt worden und zur Zeit der Entstehung unseres Bildes schon wieder überholt.

Im Begleitblatt zur Ausstellung wird erläutert, daß La Thangue in Großbritannien zur Richtung der Fotorealisten gezählt wurde. Das wunderte mich, denn diese Sachen sind vom Fotorealismus ja denkbar weit entfernt.

Was Fotorealismus heißt, wurde erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gezeigt, als die Maler Gemälde machten, die man von einem Foto selbst auf den zweiten Blick nicht mehr unterscheiden kann. (Eine Übersicht über Künstler des Fotorealismus im Internet  Artcyclopedia: Artists by Movement: Photorealism 1960's to 1970's.)

Wie dem auch sei, die Kritiker hatten etwas an seinem "kritischen" Realismus zu bemängeln, daß nämlich die Imitation der Fotografie häßlich und langweilig sei, und der Künstler nahm die Kritik an und änderte sich - man denke!

Unser Bild wird in diesem Zusammenhang zitiert und wie folgt charakterisiert: (frei übersetzt) " ... als Antwort auf diese Kritik begann La Thangue einen neuen Stil mit größerem Interesse an Erzählung und Pathos." So ist das also zu verstehen! Der Maler will keinen Schnappschuß zeigen, sondern belehren und erbauen!

Nanu: da war man doch gerade erst hergekommen, davon wollte man doch weg, oder?

Dort wird der Bauer übrigens als Arbeiter bezeichnet, der nach langen Jahren schwerer Arbeit auf dem Felde stirbt. Mit anderen Worten: dies ist kein freier Mann, dem der Acker und die Pferde und der Pflug gehören. Das wundert mich ebenfalls. Dafür ist dieser Mann eigentlich zu gut angezogen.

Der Nachsatz bemerkt, daß dieses Bild sein politisch ambitioniertestes war, in seinem Bezug auf die harte Brutalität der ländlichen Arbeit.

Donnerschlag! Davon kann ich nun gar nichts entdecken: Brutalität? Inwiefern ist ländliche Arbeit Brutalität? Und inwiefern ist das auf dem Bild sichtbar?

Ich glaube, hier gehen dem zeitgenössischen Kunsthistoriker und verbeamteten Museumsmacher die Pferde durch - um im Bilde zu bleiben.

Der Künstler fand offenbar Beifall mit seiner neuen Richtung und machte dort weiter, mit entsprechenden Erfolg: als Höhepunkt wird ein Gemälde bezeichnet (dort ebenfalls ohne Abbildung), auf dem eine Mutter dargestellt wird, die gerade entdeckt hat, daß ihre Tochter gestorben ist.

Diese herzergreifende Geschichte, die sich für einen Film natürlich viel besser eignet als für ein Gemälde (für einen Film aber ein bißchen kurz ist), wird noch unterstrichen, wie der Text bemerkt, durch einen Schnitter, den der Maler als Symbol für den Tod eingeführt hat.

Au weia! Das klingt ja wahnsinnig toll! Geradezu genial! Die Kritik und die Öffentlichkeit und die Fachleute waren begeistert. Das Gemälde wurde für die renommierte Tate Gallery angekauft. Damit wurde, so der Kommentar, die Reputation des Malers als wichtiger zeitgenössischer Künstler bekräftigt.

Nun würde man gerne wissen, wie lange die Tate Gallery dieses Meisterwerk in ihren heiligen Räumen gezeigt hat. Mit Sicherheit hängt es schon lange nicht mehr dort.

Offenbar sind die Themen in der Kunstgeschichte so wahnsinnig abgegrast, daß die Kunsthistoriker immer wieder Versuche machen, schwache Werke wieder hochzustilisieren. Damit werden sie keinen Erfolg haben. Immerhin haben unsere Augen seit damals einiges mehr gesehen.

Und was 'lernt uns das'? Man muß selber die Augen aufmachen und hingucken. Dann macht man seine Erfahrungen, die man überprüfen kann, und weiß Bescheid. Wer einem die Augen öffnet, findet Dank, wer einen in die Irre führen will, findet keinen Glauben.

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