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» Ausgabe 386
vom 20.08.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Schöne neue (Pferde-)Welt
Läßt sich "Fortschritt" aufhalten?
Wir haben uns mit künstlicher Besamung und Embryotransfer bei Pferden beschäftigt und festgestellt, daß manche Experten nicht nur keine Berührungsängste haben, sondern sogar befürchten, daß Deutschland als Pferdenation ins Hintertreffen geraten könnte, wenn Tierärzte und Züchter sich nicht schleunigst mit diesen Techniken vertraut machen und sie anwenden würden (» Embryotransfer und Klonierung).
Die Techniken sind inzwischen anscheinend ziemlich ausgereift und praxiserprobt. In der letzten Woche haben wir gesehen, daß auf dieser Basis möglicherweise sogar enorm hohe Gewinne erzielt werden können (› ET = Big Money?). Das wäre ein weiterer Grund für Züchter und Tierärzte, von diesen Techniken auch Gebrauch zu machen.
Abschließend ein Bespiel für die praktische Machbarkeit von theoretisch kompliziert erscheinenden Vorhaben auf diesem Gebiet: Im April 95 erwarten wir ein ganz besonderes Fohlen. Es müsste eigentlich "Das zweifach Gefrorene" oder "Stickstofffreak" heißen. Denn die Mutter dieses Fohlen wurde mit einer einzigen Portion tiefgefrorenen Importsamens des amerikanischen Spitzenvollblutarabers Padrons Mahogany besamt. Sechs Tage später gewannen wir einen Embryo, welcher wiederum tiefgefroren wurde. Fünf Monate später wurde dieser Embryo aufgetaut und auf die Empfängerstute "Farrucca"übertragen. Weitere sechs Tage später konnten wir bereits mit Hilfe des Ultraschalls feststellen, das Farrucca tragend war. Sie ist es bis heute. Nun hoffen wir nur noch, dass sie ein gesundes Fohlen zur Welt bringt. Was wollen wir mehr?
2006:
Aus diesem Fohlen ist eine inzwischen 11-jährige, hochprämierte und erfolgreiche Zuchtstute geworden, die uns bereits einige wunderschöne und hochbewertete Fohlen geboren hat. Ihr Name: „Insterurmel aus dem Eis".
» Leben aus dem Eis |
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» Ausgabe 385
vom 13.08.2006 (Bericht)
von Werner Popken | ET = Big Money?
Großer Embryo, kleine Mutter, zweifelhaftes Produkt
Embryotransfer ist in unserem Land der Pferde noch exotisch. Wie lange noch? Was bei Rindern und Schweinen seit Jahren auch bei uns in großem Maßstab praktiziert wird, dürfte sich auch in der Pferdezucht bald durchsetzen, zumal eine ganze Reihe von Ländern in dieser Hinsicht bereits sehr aktiv ist – ich hatte darüber in den vergangenen Ausgaben berichtet.
Welche Dimensionen das Geschäft mit Embryotransfer annehmen kann, wurde mir deutlich, als ich mich für einen den vorangegangenen Beiträge mit einem der Großimporteure und Züchter des Tinker in den USA beschäftigte (» Gypsy Gold). Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Für diese Pferde werden angeblich Preise verlangt und gezahlt, die nur in seltenen Fällen für deutsche Hochleistungspferde erzielt werden können. Mit Hilfe des Embryotransfer läßt sich dieses Geschäft anscheinend ganz wunderbar steigern. Schauen wir uns die Sache einmal genauer an:
Embryo Transfer Babies zu verkaufen
DIE KOSTEN
Ein Embryo kostet US $ 15.000.* Sobald Sie Ihr Embryo gekauft haben, können Sie die Empfängerstute bei uns für US $ 250 pro Monat unterbringen oder sie mit nach Hause nehmen. Sie kommen für alle alle Kosten auf, die für Ihre Empfängerstute anfallen, wie bei jedem Pensionspferd: Tierarztkosten (zum Beispiel für Impfungen), Hufpflege und Wurmkuren (die wir nach Bedarf durchführen). Wenn Ihr Fohlen bei uns geboren wird, berechnen wir eine Fohlengebühr von US $ 300 (für professionelle Unterstützung durch Equitransfer).
Gern finanzieren wir das von Ihnen ausgesuchte Embryo. Wir verlangen eine Vorauszahlung von US $ 5000; der Restbetrag wird anläßlich der Geburt fällig.
* Ausnahme: Embryos von Gypsy King und Shampoo Girl kosten US $ 25.000
DAS RISIKO
"Das Schlimmste ist, lediglich den Einsatz herauszubekommen"
Damit meinen wir folgendes: Es ist höchst unwahrscheinlich, daß irgendein Fohlen aus der Zucht von Gypsy Gold für weniger als US $ 20.000 verkauft wird, wobei die meisten wesentlich teurer sind (der Durchschnittspreis einer Gypsy King-Tochter beträgt US $ 41.000).
Wir garantieren, daß das Gypsy Gold-Fohlen lebt. Nach unserer Kenntnis ist das Equitransfer Equine Reproduction Center (das unsere Embryos produziert) die einzige Embryotransfer-Einrichtung in North America, die eine Lebenfohlengarantie anbietet.
Das Geschlecht und/oder die Farbe des Fohlens werden nicht garantiert, aber das ist normalerweise bei jedem Zuchtprogramm so. Wir von Gypsy Gold wollen Ihnen das Pferd Ihrer Träume liefern und helfen Ihnen gern, Ihr neues Fohlen zu verkaufen oder zu tauschen. Die Genetik macht das einfach, unabhängig von Farbe und Geschlecht. Sie erinnern sich, unser Embryoprogramm erlaubt Ihnen unvergleichliche Genetik zu minimalen Kosten zu kaufen.
» Our 'GypsyGold Eggs', alle Übersetzungen durch den Autor |
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» Ausgabe 384
vom 06.08.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Vollblut im Zwielicht
Wozu dient die Hochleistungszucht?
Die Vollblutzucht gilt als das bekannteste Beispiel einer Leistungszucht, die mehr oder weniger intuitiv allein aufgrund der Ergebnisse bei "Prüfungen" vorgenommen wurde, die adeligem Zeitvertreib entsprungen war: Dem Spieltrieb. Und der Wettleidenschaft.
Gäbe es diese nicht, dann vermutlich auch nicht die Pferderennen, jedenfalls nicht, wie wir sie heute kennen und wie sie von den englischen Adeligen erfunden und entwickelt wurden. Die Wettleidenschaft ist der Motor, der die Vollblutzucht antreibt. Die eigentliche Zuchtentwicklung ist lediglich ein Anhängsel, ein Nebenprodukt.
Die zugrundeliegende Idee ist sehr einfach: Man läßt talentierte Pferde miteinander laufen und wettet auf den Gewinner oder die Reihenfolge der Gewinner oder was auch immer. Das Prinzip ist jetzt, daß die Gewinnchancen sehr gering sind, wenn eines der beteiligten Pferde den anderen eindeutig überlegen ist. Das ganze Spiel wird erst dann sinnvoll, wenn alle Pferde die gleichen Chancen haben und es im Grunde genommen ungewiß ist, welches Pferd gewinnen wird.
Wenn man nun ein neues Pferd ins Spiel bringt, dessen Fähigkeiten unbekannt sind, wird die Ungewißheit noch erhöht. Hat dieses Pferd das Potential, alle anderen auszustechen, kann es demjenigen, der darauf wettet, große Gewinne bescheren.
Die Sache wird also dadurch interessant, daß man immer wieder neue Pferde ins Rennen schickt, die das Vermögen zum Gewinnen mitbringen. Nun nimmt man an, daß Pferde, die häufig gewinnen, ihre Überlegenheit weitervererben können. Jetzt endlich sind wir bei…
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» Ausgabe 383
vom 30.07.2006 (Bericht)
von Werner Popken | Ammen, AI und ET
Moderne Reproduktionstechnik und das Vollblutreglement
Eine meiner letzten Fragen an die Tinker-Züchterin Caroline Neuenschwander (» Gestüt Cillbarra) war die nach der legendären Familienfreundlichkeit dieser Rasse und der Möglichkeit der genetischen Fixierung dieser Eigenschaft. Trifft diese Eigenschaft überhaupt zu, und wenn ja, ist sie eine Eigenschaft der Rasse, konnte sie "hineingezüchtet" werden?
Bei Hunden ist die genetische Fixierung der Familienfreundlichkeit oder anderer Eigenschaften keine Frage – bei Pferden war ich mir nicht sicher. Alle möglichen Fähigkeiten sind bei Hunden hineingezüchtet worden, aber normalerweise muß man sich für eine entscheiden. Ein Hütehund wird nicht apportieren, ein Wachhund nicht buddeln, usw.
Wer einen Familienhund sucht, sollte sich mit den Eigenschaften der verschiedenen Rassen auseinandersetzen, damit er nicht anschließend sein blaues Wunder erlebt. Geht das überhaupt bei Pferden? Kann man charakterliche Eigenschaften hineingezüchten? Muß man dafür andere opfern?
Die vielzitierte familienfreundlichkeit der tinker kann ich nur bestaetigen. Viele tinker beiderlei geschlechts behandeln kinder meist mit viel vor- und nachsicht und lassen sich im allgemeinen sehr gerne betueteln. Ein fuer mich eindrueckliches beispiel ist mein tinkerwallach chubby: ich fand ihn als 3 jaehrigen und roh und habe am ersten tag ein kleines maedchen auf seinen ruecken gesetzt – und ich wusste genau was ich tat. ( sie haben mehrere bilder von chubby: praktisch, quadratisch, gut haben sie eines genannt (*) und ein anderes war eines ihrer titelbilder ). Obwohl ich chubby dann als meinen persoenlichen jagdcob ausgebildet habe und ihn mehrere saisons im jagdfeld geritten habe, was die pferde in der regel ziemlich heiss und speedig macht, ist er z.b. auf der weide, nur mit einem stallhalfter oder strick, immer noch von jedem kind zu reiten.
Ich habe chubbs nachbars tochter, sie ist 13, fuer die sommermonate anvertraut, da er bei mir zu fett wurde wegen chronischer unterbeschaeftigung und habe ein bild angehaengt: grosses format mit viel meer und himmel und strand.
Dieses maedchen reitet erst seit wenigen jahren in einer reitschule und ist von chubbs absolut begeistert: ein pferd, was auf leichteste hilfen und stimme reagiert und in jeder situation zu kontrollieren ist.
Die traveller konnten sicher nichts mit pferden anfangen, die nicht absolut bombensicher auch und vor allem im umgang mit kindern waren. Deshalb wurden bei ihnen ( wie bei mir ) alle anderen nicht zur zucht verwendet und/oder verkauft.
Ist das nun angezuechtet oder anerzogen? Ich denke doch, es ist beides. Selektioniert und richtig erzogen. Das sollte doch auch bei anderen rassen moeglich sein falls man nicht nur auf hochleistungssport erfolge aus ist. In diesem zusammenhang kommt mir eine fruehere bekannte aus deutschland in sinn, die solche kinderfreundlichen erfahrungen mit appaloosa pferden in usa gemacht hat – ist das nicht erstaunlich?
* Poster › Pferd handlich |
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» Ausgabe 352
vom 25.12.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Eugenik – Gute Zucht
Erbanlagen langfristig verbessern, Erbkrankheiten dezimieren
Die neuesten Entwicklungen in der Pferdezucht sind in den letzten Wochen unser Thema, Besamungstechnik, Embryotransfer, Zukunftstechnologie, wirtschaftliche Zwänge waren die Schlagworte.
Von der Pferdezucht, so hatte sich herausgestellt, ist es nicht weit bis zur Menschenzucht, die in den letzten Jahren durch die Fortschritte der Gentechnologie, aber auch durch eine Rede des Deutschen Philosophen » Peter Sloterdijk wieder ins allgemeine Bewußtsein gerückt wurde (» Die Elmauer Rede, » Regeln für den Menschenpark). Dabei ist Menschenzucht ein ganz alter Hut, jedenfalls theoretisch. Und im Prinzip nicht anders als die Pferdezucht und ebenso lange im Gespräch..
Am Ende der letzten Ausgabe habe ich als Beleg dieser These einen kleinen Spaziergang durch die Geschichte der Philosophie angekündigt. » Platon (428-347 v.Chr.) war ein Philosoph im alten Griechenland, Schüler des Sokrates, der dessen Dialoge der Nachwelt überliefert hat. Sokrates wurde bekanntlich wegen Verführung der Jugend zum Tode verurteilt. Platon zog daraus den Schluß, daß die Staaten schlecht verwaltet seien.
Als guter Philosoph glaubte er, alles besser zu wissen und zu können und entwarf seine Vision eines perfekten Staatswesens ( » Politeia), bei der er sich an das hielt, was er kannte – den Menschen. Staat und Mensch werden in Analogie betrachtet. Der Mensch sollte in der Lage sein, zwischen gut und böse, gerecht und ungerecht zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist nicht eine Funktion des Geistes, der selbst keine Werte setzen kann – der Geist…
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» Ausgabe 351
vom 18.12.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Pferde- und Menschenzucht
Wir sind schon viel weiter, als Sie denken
In den letzten drei Wochen haben wir uns mit einer anscheinend unabwendbaren Entwicklung auf dem Gebiet der Reproduktionstechnik beschäftigt. Künstliche Besamung ist alltägliche Praxis, vor allem im Bereich der hochpreisigen Sportpferde, wo im Regelfall etwas anderes gar nicht mehr angeboten wird.
Diese ist unter Züchtern und Hengsthaltern anscheinend widerspruchslos akzeptiert; Embryotransfer ist medizinisch gesehen Routine, aber noch nicht ganz so verbreitet – das wird sich vermutlich bald ändern. Die Sachzwänge sind einfach nicht von der Hand zu weisen. Es gibt keine Alternative. Die derzeitige Entwicklung ist die logische Folge der gesamten züchterischen Aktivität.
Man mußte den Eindruck gewinnen, daß der sogenannte Natursprung (= Natursprung an der Hand) nur noch von Amateuren im unteren Marktsegment praktiziert wird und bald der Vergangenheit angehört. Aber schon der Natursprung hat trotz seines Namens eigentlich nichts Natürliches mehr an sich. Man kann mit gutem Recht von systematischer Verkuppelung und Vergewaltigung sprechen, und zwar bei beiden Geschlechtern (siehe dazu auch › Leserbrief 1643, › Leserbrief 1645).
Warum ist mir bei dieser gesamten Diskussion unbehaglich? Wenn man die allseits bekannten und nirgendwo in Frage gestellten Verhältnisse unter Pferden auf den Menschen überträgt, wird die Situation erst richtig begreiflich. Lassen Sie uns also dieses Modell als Utopie durchspielen.
Sollten Sie diese Überlegungen als geschmacklos empfinden, wirft das ein bezeichnendes Licht auf die gängige…
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» Ausgabe 350
vom 11.12.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Die Ware Pferd
Reproduktionstechnik als Antwort auf wirtschaftliche Zwänge
Ist ein Pferd eine Ware? Schwer zu sagen. Überhaupt: Das Verhältnis Mensch und Tier - ein sehr heikles Thema. Nehmen wir als einfaches Beispiel eine Mücke - nur wenige Menschen würden dieser ein Lebensrecht zubilligen, die meisten reflexhaft zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit ergibt, und das Tier ohne Bedenken töten. Ganz anders stellt sich die Situation bei einem Hund oder einer Katze dar: Die emotionale Bindung zwischen Haustier und Besitzer kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.
Nun liegt es auf der Hand, daß sowohl ein Insekt eine primitivere Lebensform darstellt als auch keinerlei sinnvolle Kommunikation mit diesem denkbar sein dürfte. Deshalb fühlen wir uns berechtigt, den Quälgeist ohne Nachdenken und Schuldgefühl zu beseitigen, selbst wenn unser Leben durch dessen Existenz in keiner Weise tangiert wird. Im übrigen dürfte der größte Unterschied darin bestehen, daß die als Haustiere bezeichneten Tiere unser Leben teilen, die anderen, als Ungeziefer bezeichneten, aber gefälligst nicht, und wenn sie sich über unsere Vorstellung hinwegsetzen, greifen wir zur Notwehr.
Hunde und Katzen, in geringerem Maße auch andere Haustiere wie Hamster, Vögel, Reptilien, Fische, stellen, wenn auch in mehr oder weniger eingeschränkter Weise, Kommunikationspartner dar, die eine besondere Wertschätzung genießen. Der Mensch lebt halt nicht gern allein, und wenn er sonst schon niemanden hat, der ihm zuhört, so freut er sich desto mehr über den treuen Hund, der vollständig auf seine menschliche Bezugsperson…
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» Ausgabe 349
vom 04.12.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Das Phantom
Techniken und Probleme der Samengewinnung
Sabine Börner vom » Gestüt Drainoflex Fink Handels GmbH hatte Chefredakteure und Journalisten zu einem Seminar mit dem Thema "Besamungswesen, Ausbildung und Zukunft? ... Was Sie schon immer über Besamung wissen wollten ..." eingeladen. Da die Firma zu den Spitzenausstattern deutscher Besamungsstationen gehört, hatte sie vor Jahren einen VHS-Film über das Geschehen mitfinanziert. Diesen Film sahen wir uns zur Einleitung an.
Es war dieser Film, der mich so betroffen machte. Und wenn ich mich nicht täusche, ging es den anderen Teilnehmern ebenso. Ein Besamungstechniker führte den Hengst über den Hof in einem Raum, in dem sich bereits eine rossige Stute befand, und zwar eingepfercht in ein Gestell. Der Hengst schien ein recht gefährliches Tier zu sein. Der Techniker zügelte ihn und war in der Lage, ihn zu dirigieren, aber die ganze Angelegenheit sah doch ziemlich prekär aus.
Zunächst wurde der Hengst zur Stute geführt, deren Hinterteil er beroch. Die Sache ging ziemlich schnell, so daß ich nicht mehr genau weiß, was in welcher Reihenfolge passierte, aber entweder schon vorher oder dabei schachtete der Hengst aus. Nach kurzer Zeit, in meiner Erinnerung höchstens 30 Sekunden, dirigierte der Besamungstechniker den Hengst auf das Phantom, das parallel zum Gestell mit der Stute aufgestellt war.
Das Phantom sieht einem Pferd, wie es in jeder Turnhalle herumsteht, ziemlich ähnlich – gleicht also gar nicht so sehr einem lebendigen Pferd. Im Unterschied zu dem bekannten Turngerät hat das Phantom an der Stelle ein Loch oder genauer eine künstliche Vagina, wo…
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» Ausgabe 348
vom 27.11.2005 (Bericht)
von Werner Popken | Reproduktionstechnik
Betrachtungen über Besamung und Verwandtes
Falls Sie es noch nicht wußten: Sex ist gefährlich. Und deshalb sollte man lieber die Finger davon lassen. Bakterien und Viren lauern überall. Kontaktaufnahme bedeutet zwangsläufig Kontamination. Natursex ist also vom Übel und aufgrund unseres heutigen Kenntnisstandes nicht mehr zu verantworten. Wir müssen die Dinge den Fachleuten überlassen.
Die haben die Problematik genau analysiert und sind zu folgendem Schluß gekommen: Sex ist im Grunde überflüssig und dient lediglich der Reproduktion. Ist ja auch klar: Wir müssen regelmäßig und gleichmäßig essen und trinken, was bereits intuitiv einleuchtet und durch einen Selbstversuch schnell überprüft werden kann. Die Ernährungsfrage wurde durch die Wissenschaft angeblich ziemlich gut verstanden. Die Konsequenzen der Ernährung (und Verdauung) müssen wir ebenfalls tragen, was aber normalerweise relativ unproblematisch ist - Zweifel sind da genausowenig angebracht.
Und außerdem müssen wir merkwürdigerweise regelmäßig schlafen - was man auch durch Selbstversuch leicht beweisen kann. Aber eines ist klar: Reproduzieren müssen wir uns definitiv nicht. Sowohl Männer als auch Frauen können gesund bleiben und ein hohes Alter erreichen, ohne jemals Vater oder Mutter geworden zu sein. Hengste und Stuten natürlich auch.
Die Aussage über die Nahrung habe ich deshalb etwas eingeschränkt, weil sowohl Menschen als auch Pferde angeblich einen ganzen Haufen flüssiger und fester Bestandteile dringend benötigen, um diese oder jene Chemikalien produzieren zu können, und…
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